Amateurfunk (englisch Ham Radio) ist ein eigener, gesetzlich anerkannter Funkdienst: Funkamateure verständigen sich weltweit über eigene Frequenzbereiche, bauen Sender und Antennen selbst und betreiben das Ganze zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Zwecken, zur eigenen Weiterbildung und zur Völkerverständigung. Senden darf, wer eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur bestanden hat. Zuhören darf jeder.

💡 Das Wichtigste in Kürze: Amateurfunk ist ein eigener, gesetzlich anerkannter Funkdienst - und zugleich ein persönliches Experimentierfeld für Funktechnik, Elektronik, Software und Physik. Funkamateure dürfen je nach Lizenzklasse zahlreiche dem Amateurfunkdienst zugewiesene Frequenzbereiche nutzen, Geräte selbst bauen und umbauen und ihre Technik innerhalb der geltenden Grenzen frei weiterentwickeln. Dafür ist eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur nötig. Zuhören darfst du ohne Lizenz - dort kann der Einstieg beginnen.

Wie sich das anfühlt: Ein Abend auf dem 40-m-Band, aus dem Rauschen schält sich eine Stimme aus Südeuropa, rund tausend Kilometer entfernt - ohne Mobilfunknetz, ohne Internetanbieter, nur zwei Stationen und die ionisierten Schichten der oberen Atmosphäre, die das Signal zur Erde zurücklenken. Diese Seite zeigt, was in dem Hobby steckt, was es kostet und wie du es ausprobierst, bevor du dich für eine Prüfung entscheidest.

Wer rechtlich als Funkamateur gilt, wie sich Amateurfunkzeugnis, Zulassung und Rufzeichen unterscheiden und was es mit der Bezeichnung "Amateurfunker" auf sich hat, steht im eigenen Artikel zum Begriff.

Amateurfunk auf einen Blick

Aktuell im Amateurfunk

Vier Werte, die sich laufend ändern und die 12db selbst erhebt: das Funkwetter des Tages, die nächsten Prüfungstermine der Bundesnetzagentur, der Zuwachs an Rufzeichen und die jüngste Erfolgsgeschichte.

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Der Weg dorthin ist kürzer, als die meisten denken. Vorkenntnisse brauchst du keine, nur Lust auf die Technik dahinter.

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Was ist Amateurfunk? Die Definition

Die offizielle Definition klingt spröde und ist trotzdem aufschlussreich. Der Amateurfunkdienst ist nach der ITU ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander wahrgenommen wird, und zwar zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung und zur Völkerverständigung. Das deutsche Amateurfunkgesetz nennt in § 2 zusätzlich die Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen - deshalb ist Notfunk kein Anhängsel des Hobbys, sondern Teil seiner gesetzlichen Zweckbestimmung. Im Kern läuft beides auf dasselbe hinaus: Verständigung unter Funkamateuren, Ausprobieren und Lernen - nicht darauf, ein Telefonnetz zu ersetzen.

In Deutschland regelt das Amateurfunkgesetz (AFuG) die Einzelheiten, zuständig ist die Bundesnetzagentur. Daraus ergeben sich technische Freiheiten, die lizenzfreie Funkanwendungen nicht kennen:

Arbeitsplatz einer Kurzwellenstation: zwei Monitore mit Logbuch und Weltkarte, davor Transceiver, Netzteil und Tastatur auf einem hellen Schreibtisch
So sieht eine Amateurfunkstation heute aus: Transceiver, Logbuch und Weltkarte auf dem Bildschirm, die Antenne steht draußen. Hier die Kurzwellenstation HB9SG des Schweizer Verbands USKA in St. Gallen. Foto: Valanagut, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
  • Zahlreiche Frequenzbereiche von der Langwelle bis in den Millimeterwellenbereich, je nach Lizenzklasse und Nutzungsbestimmungen - teils als primärer, teils als sekundärer Funkdienst. Welche Bänder das sind, zeigt der Bandplan.
  • Selbstbau und Umbau erlaubt: Nach § 5 Abs. 2 AFuG darf ein Funkamateur selbstgefertigte Amateurfunkstellen und umgebaute Sendeanlagen betreiben - ausdrücklich abweichend von den Konformitätsbewertungsverfahren, die sonst für Funkgeräte gelten. Wer ein Funkgerät aus Bauteilen aufbaut, darf damit auf Sendung gehen.
  • Deutlich mehr Sendeleistung als in lizenzfreien Funkanwendungen, je nach Klasse und Band bis 750 W.
  • Ein international eindeutiges Rufzeichen und mit der Klasse A vereinfachten Gastbetrieb in zahlreichen CEPT-Ländern. Ob und wie du im Ausland funken darfst, richtet sich aber immer nach dem Recht des Gastlandes.

Was Amateurfunk nicht ist: ein Ersatz für Telefon oder Internet. Nach § 5 AFuG darf eine Amateurfunkstelle nicht zu gewerblich-wirtschaftlichen Zwecken betrieben werden, Funkverkehr ist nur mit anderen Amateurfunkstellen zulässig, und Nachrichten für Dritte sind - außer in Not- und Katastrophenfällen - nicht erlaubt. Der Amateurfunk dient nicht als Ersatz für öffentliche Telekommunikationsnetze, sondern der Verständigung innerhalb des Amateurfunkdienstes, dem technischen Experiment und der eigenen Weiterbildung.

Genau darin liegt auch der Unterschied zu CB-Funk und PMR: Dort bekommst du ein fertiges Gerät und eine Handvoll fester Kanäle, und mehr ist nicht vorgesehen. Wer die Unterschiede im Detail sucht, findet sie im Vergleich CB-Funk und Amateurfunk.

Lizenzklassen, Prüfung und Kosten

Zuhören darf jeder. Sobald du selbst senden willst, brauchst du eine Amateurfunkprüfung bei der Bundesnetzagentur. Sie ist kein Hindernislauf, sondern die Eintrittskarte in einen Bereich, in dem du innerhalb deiner Klasse, der Frequenznutzungsbestimmungen und der technischen Grenzwerte weitgehend selbst entscheidest, was du baust und ausprobierst.

Luftaufnahme einer Wohnsiedlung mit einem Gittermast im Garten, auf dem mehrere große Richtantennen montiert sind
Mit der Lizenz kommt das Recht, eigene Antennen zu betreiben, auch so große wie hier: ein Gittermast mit Kurzwellen-Richtantennen im Garten eines Funkamateurs. Es geht auch deutlich kleiner, ein Draht zwischen zwei Bäumen reicht für den Anfang. Foto: Wikideas1, Wikimedia Commons, CC0

Seit dem 24. Juni 2024 gibt es drei Klassen:

Klasse N - der schnelle Einstieg

Bänder: 10 m, 2 m, 70 cm
Leistung: 10 W ERP auf 10 m, 6,1 W ERP auf 2 m und 70 cm

Klasse E - die klassische Einsteigerklasse

Bänder: ausgewählte Kurzwellenbereiche (u.a. 160 m, 80 m, 15 m, 10 m) sowie unter anderem 2 m, 70 cm und 23 cm
Leistung: je nach Band bis 100 W PEP (auf 2 m und 70 cm 75 W PEP)

Klasse A - alle Möglichkeiten

Bänder: alle in Deutschland zugewiesenen Amateurfunkbänder
Leistung: je nach Frequenzbereich bis 750 W PEP

Welche Klasse zu dir passt, hängt davon ab, wie schnell du auf die Bänder willst und wohin es später gehen soll - die Seite Lizenzklassen im Vergleich stellt Frequenzen, Leistungen und Prüfungsumfang gegenüber.

Die Prüfung

Die Prüfung besteht aus drei Teilen: Technische Kenntnisse, Betriebliche Kenntnisse und Kenntnisse von Vorschriften. Je Teil werden 25 Fragen gestellt, 19 richtige Antworten reichen zum Bestehen. Betrieb und Vorschriften sind für alle Klassen identisch, nur der Technikteil unterscheidet sich. Deshalb ist der Aufstieg später bequem: Für den Wechsel von N oder E in eine höhere Klasse genügt eine Zusatzprüfung, die nur aus dem Technikteil besteht - auch direkt von N nach A. Geprüft wird an elf Standorten der Bundesnetzagentur; die aktuellen Prüfungstermine werden täglich aus der BNetzA-Liste übernommen.

📝 Zum Fragenkatalog: Die Bundesnetzagentur veröffentlicht einen Fragen- und Antwortenkatalog mit 1.750 Fragen, der die Prüfungsinhalte abbildet. Sie weist aber ausdrücklich darauf hin, dass "nicht ausschließlich Fragen und Antworten aus dem hier vorliegenden Katalog verwendet werden" müssen - es dürfen auch andere Fragen gestellt werden, die sich inhaltlich daran orientieren. Auswendiglernen reicht also nicht ganz; verstehen schon.

Alle Details zu Ablauf, Anmeldung und Hilfsmitteln stehen auf der Seite zur Amateurfunkprüfung. Üben kannst du direkt hier: In der Akademie ist jede Frage des Katalogs erklärt, dazu gibt es eine Prüfungssimulation unter echten Bedingungen. Wer lieber in der Gruppe lernt: Der DARC organisiert in seinen rund 1.000 Ortsverbänden Ausbildungslehrgänge, für Mitglieder meist kostenlos - wo du sie findest.

Was die Lizenz kostet

Die Prüfungsgebühr der Bundesnetzagentur beträgt 68 € für die Klasse N, 73,50 € für die Klasse E und 81 € für die Klasse A. Dazu kommen einmalig 20 € für die Zuteilung des Rufzeichens - der Einstieg in Klasse N kostet damit 88 €. Danach fallen jährliche Beiträge an die Bundesnetzagentur an (Frequenznutzungs- und EMV-Beitrag), die rückwirkend je Beitragsjahr festgesetzt werden (für 2023: 23,52 €). Alle Beträge, auch für Aufstockung und Wiederholung, stehen im Abschnitt Prüfungsgebühren. Was an Ausrüstung dazukommt, steht im Ratgeber Erste Ausrüstung kaufen: Ein Handfunkgerät eines Markenherstellers für 2 m und 70 cm gibt es ab rund 75 € (Stand September 2026), der komplette Einstieg in Klasse N samt Prüfung liegt damit bei rund 160 €.

Dein Rufzeichen

Nach bestandener Prüfung beantragst du die Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst; mit ihr wird dir dein personengebundenes Rufzeichen zugeteilt - eine international eindeutig identifizierbare Kennung. Deutsche Rufzeichen bestehen aus einem zweibuchstabigen Präfix (DA bis DR, ohne DE und DI), einer Ziffer und einem meist zwei- oder dreibuchstabigen Suffix. Präfix und Ziffer zusammen lassen oft erkennen, worum es sich handelt: Personengebundene Rufzeichen der Klasse N beginnen derzeit mit DN9, die der Klasse E mit DO1 bis DO9 oder DA6, die der Klasse A unter anderem mit DL1 bis DL9. Für Klubstationen, Ausbildung und Sonderzwecke gelten eigene Reihen. Welche Suffixe noch frei sind, kannst du vorher prüfen; wie sich die Zahl der Zulassungen über die Jahre entwickelt, zeigt die Rufzeichen-Statistik.

12db Rufzeichen-Tool: Plane dein Wunschrufzeichen und prüfe, welche Suffixe noch frei sind - mit Historie seit 2015.
Zum Tool

Ohne Lizenz ausprobieren: das Spektrum sichtbar machen

Zum Empfangen brauchst du keine Prüfung. Und weil moderne Empfänger das Funkspektrum als Bild darstellen, ist der Einstieg heute anschaulicher als je zuvor: Im Wasserfalldiagramm sieht man, was vorher nur als Rauschen hörbar war.

Display eines Icom IC-7300 auf 14,020 MHz mit blauem Spektrum und Wasserfalldiagramm, viele helle Linien zeigen Morsesignale
Das Band als Bild: Jede helle Linie im Wasserfall ist eine Station, hier Morsesignale auf 20 m während eines Wettbewerbs. Wer so ein Display einmal gesehen hat, versteht, warum SDR-Empfänger den Einstieg leichter machen. Foto: Arnold Reinhold, Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Sofort und ohne Hardware: fremde Empfänger mitbenutzen

Der schnellste Weg führt über einen WebSDR: einen echten Empfänger an einem festen Standort, den du im Browser fernbedienst. Einer der bekanntesten steht an der Universität Twente in den Niederlanden und deckt große Teile der Kurzwelle gleichzeitig ab. Über öffentliche Verzeichnisse des verwandten KiwiSDR-Netzes sind weltweit mehrere hundert weitere Empfänger erreichbar; viele davon decken den Bereich von Langwelle bis 30 MHz ab. Du kannst dasselbe Signal an mehreren Orten gleichzeitig abhören und vergleichen, wie unterschiedlich es ankommt - eine Ausbreitungsstudie, für die früher ein weltweites Messnetz nötig gewesen wäre.

Der eigene Empfänger für 30 Euro

Ein SDR-Stick ist häufig ab etwa 30 bis 50 Euro zu haben. Die verbreitete RTL-SDR-Blog-Variante V4 deckt nach Herstellerangabe 500 kHz bis 1,766 GHz ab. Empfindlichkeit, nötige Filterung und passende Antenne unterscheiden sich dabei je nach Frequenzbereich erheblich - für ernsthaften Kurzwellenempfang ist die Antenne wichtiger als der Empfänger. Damit stehen dir offen:

  • Flugzeuge auf 1090 MHz: Mit der Software dump1090 oder readsb dekodierst du ADS-B-Aussendungen und siehst den Luftverkehr auf einer eigenen Karte. Weil Flugzeuge hoch fliegen, sind bei freier Sicht Reichweiten von mehreren hundert Kilometern möglich - hier lernt man ganz nebenbei, wie stark Antennenhöhe und Sichtlinie über die Reichweite entscheiden.
  • Wettersatelliten: Die jahrzehntelang genutzten NOAA-Satelliten mit analoger APT-Aussendung wurden 2025 außer Betrieb genommen. Empfangen lassen sich derzeit unter anderem die digitalen LRPT-Aussendungen der Meteor-Serie um 137 MHz, ausgewertet mit Software wie SatDump; erste Versuche gelingen oft schon mit einem passend gebauten V-Dipol. Welche Satelliten gerade senden, ändert sich - vor dem Versuch lohnt ein Blick auf den aktuellen Status.
  • Amateurfunk selbst: Sprechfunk, Morsezeichen und digitale Betriebsarten - erst zuhören, dann entscheiden, ob man mitmachen will.
🔌 Der unterschätzte Faktor: die eigene Störumgebung

In Wohngebieten entscheidet oft nicht der Empfänger über das Ergebnis, sondern das Störniveau ringsum. Schaltnetzteile, LED-Beleuchtung, Ladegeräte, Solarwechselrichter und Netzwerktechnik heben den Rauschteppich auf Kurzwelle teils erheblich an. Bevor du in bessere Hardware investierst: Zieh testweise Verbraucher ab, häng die Antenne ein paar Meter vom Haus weg oder probier es abseits der Bebauung. Der Unterschied ist häufig größer als der zwischen einem 30-Euro-Stick und einem teuren Empfänger.
🧪 Das lehrreichste Anfängerexperiment: die Bakenkette abhören

Die 1995 eingerichtete Bakenkette von NCDXF und IARU umfasst laut Betreiber nominell 18 Standorte, die nach einem festen Zeitplan nacheinander auf fünf Kurzwellenbändern senden. Je nach Wartungs- und Betriebszustand sind nicht immer alle gleichzeitig aktiv.

Der Clou steckt im Sendeablauf: Nach dem Rufzeichen folgen vier Striche mit 100 W, 10 W, 1 W und 100 mW. Wie viele Stufen du noch hörst, ist ein schneller Hinweis auf die Bedingungen zu dieser Bake - mitbestimmt allerdings auch von deiner eigenen Empfangsanlage und den Störungen bei dir vor Ort. Ein paar Minuten Zuhören zeigen so, welche Bänder gerade in welche Weltregion tragen, ohne einen einzigen Ruf abzusetzen.
⚠️ Was du hören darfst: Nach § 5 TDDDG dürfen mit einer Funkanlage nur Aussendungen abgehört werden, die für die Allgemeinheit, für einen unbestimmten Personenkreis, für Funkamateure oder für dich als Betreiber der Anlage bestimmt sind. Amateurfunk, Rundfunk und Bakensignale fallen darunter, ebenso andere Aussendungen, die sich erkennbar an die Allgemeinheit richten. Bei Nachrichten, die weder für dich noch für Funkamateure, die Allgemeinheit oder einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind, gilt: Weder der Inhalt noch die Tatsache des Empfangs darf weitergegeben werden - auch dann nicht, wenn du zufällig darauf gestoßen bist.

Senden ohne Lizenz: CB-Funk, PMR446 und Freenet

Wer nicht nur hören, sondern ohne Prüfung auch senden will, hat drei lizenzfreie Möglichkeiten: CB-Funk um 27 MHz mit 80 Kanälen und bis zu 4 W (FM), PMR446 bei 446 MHz mit 16 Kanälen und 0,5 W sowie Freenet um 149 MHz mit 1 W. Voraussetzung sind zugelassene Geräte; eigene Antennen sind nur beim CB-Funk erlaubt. Auf den Amateurfunkbändern selbst ist Senden ohne Zulassung nicht erlaubt - dort bleibt es beim Zuhören. Reichweiten, Regeln und die Frage, wann sich der Umstieg auf Amateurfunk lohnt, stehen auf der CB-Funk-Seite.

Was du im Amateurfunk entdecken kannst

Die folgenden Felder sind etablierte Bereiche des Hobbys, wenn auch unterschiedlich verbreitet. Fast jedes davon lässt sich mit überschaubarem Aufwand ausprobieren.

Das Gespräch: einfacher, als es klingt

Der häufigste Betrieb ist nach wie vor das Gespräch von Station zu Station, das QSO. Ein typisches QSO folgt weltweit einem ähnlichen Grundmuster und ist deshalb schnell gelernt: Eine Station ruft "CQ" - der allgemeine Anruf an alle -, eine andere antwortet mit ihrem Rufzeichen. Dann werden Rapport, Name und Standort ausgetauscht, danach reden beide über das, was sie interessiert. Oft ist es Technik, manchmal das Wetter, gelegentlich stundenlang alles Mögliche.

Ein paar Eigenheiten gehören dazu: Rufzeichen werden mit der internationalen Buchstabiertafel buchstabiert, kurze Q-Schlüssel ersetzen ganze Sätze (QTH für den Standort, QRT fürs Beenden des Sendebetriebs), und zum Abschied heißt es "73", also viele Grüße. Wer mag, bestätigt die Verbindung anschließend mit einer QSL-Karte. Auf UKW läuft ein großer Teil des Betriebs über Relais: automatische Stationen auf Bergen und Türmen, die ein Handfunkgerät mit wenigen Watt über 50 km und mehr tragen.

💡 Für den Anfang: Sag ruhig, dass du neu bist. Erfahrene Funkamateure übernehmen dann meist die Gesprächsführung - dieser Umgang miteinander gehört zum Selbstverständnis des Hobbys.
Rot bedruckte QSL-Karte der Station SV1GA aus Athen mit handschriftlich eingetragener Verbindung vom 28. April 1975 auf 14 MHz
Die Bestätigung hinterher: Eine QSL-Karte aus Athen für eine Verbindung auf 14 MHz im April 1975, mit Rufzeichen, Datum, Uhrzeit in GMT und Rapport. Viele Funkamateure sammeln solche Karten, heute oft auch elektronisch. Foto: Aris Germanis, SV1GA, Wikimedia Commons, Public Domain

Wie Funkwellen die Erde umrunden

Das erste Rätsel, an dem sich viele Kurzwellenhörer festbeißen: Warum kommt ein Signal aus Australien an, obwohl die Erde dazwischen gekrümmt ist? Die Antwort liegt hoch über dem Boden. Die Sonne ionisiert dort die Luft, und diese Ionosphäre bricht Kurzwellen so stark, dass sie zur Erde zurückkehren. Von dort können sie erneut nach oben laufen und in mehreren solchen Sprüngen den halben Globus überwinden. Die dafür entscheidenden Schichten liegen je nach Tageszeit und Sonnenaktivität zwischen einigen Dutzend und einigen hundert Kilometern Höhe.

Gittermast vor blauem Himmel mit drei übereinander montierten Richtantennen, unten eine große Kurzwellen-Yagi, darüber zwei lange UKW-Antennen
Richtantennen für Kurzwelle (unten) und UKW (oben) auf einem Mast: Die drehbare Yagi bündelt die Leistung in eine Richtung und holt schwache Signale aus der gewünschten Gegend heraus. Foto: Merja Partanen, Wikimedia Commons, CC0

Was diesen Vorgang so reizvoll macht: Er ändert sich ständig. Dieselbe Frequenz, die morgens tot ist, trägt abends bis Südamerika. Im Winter geht auf 160 m plötzlich, was im Sommer aussichtslos war. Die Sonnenaktivität mit ihrem im Mittel etwa elfjährigen Zyklus verschiebt die nutzbaren Frequenzen über Jahre hinweg. Und in der Dämmerungszone, der Greyline, öffnen sich für kurze Zeit Wege, die tagsüber und nachts verschlossen sind. Wie es aktuell aussieht, zeigt die Seite Funkwetter mit Sonnenindizes und Bandöffnungen.

Auf den Bändern oberhalb der Kurzwelle gelten andere Regeln. Dort dominiert die Direktwelle, dafür gibt es Effekte wie Sporadic E, bei dem das 6-m-Band im Sommer unvermittelt Verbindungen über mehr als tausend Kilometer zulässt, unter besonderen Bedingungen auch deutlich weiter. Das 6-m-Band trägt deshalb den Spitznamen "Magic Band".

Satelliten und die Raumstation hören

Über Funkamateuren kreisen eigene Satelliten. Seit OSCAR 1 im Dezember 1961 sind zahlreiche Satelliten mit Amateurfunknutzlast gestartet: Manche arbeiten als Relais im Orbit, andere senden Telemetrie, Bilder oder experimentelle Daten.

Astronautin Susan Helms mit Kopfhörer und Mikrofon an der Amateurfunkstation im Sarja-Modul der ISS, hinter ihr die runde Luke zum nächsten Modul
Die Gegenstelle im Orbit: Susan Helms funkt am 16. Juli 2001 aus dem Sarja-Modul der ISS mit Funkamateuren am Boden. Die Station an Bord ist seit dem Jahr 2000 in Betrieb. Foto: NASA, Wikimedia Commons, Public Domain

Der bekannteste ist QO-100: der erste geostationäre Amateurfunksatellit, seit Februar 2019 in Betrieb, fest über 25,9° Ost. Weil er nicht wandert, steht er innerhalb seines Abdeckungsbereichs - Europa, Afrika, Naher Osten und angrenzende Teile Südamerikas und Asiens - rund um die Uhr am selben Punkt des Himmels. Uplink liegt bei 2,4 GHz, Downlink bei 10 GHz. Zum Zuhören reichen oft eine gewöhnliche Satellitenschüssel, ein geeigneter LNB und ein SDR-Stick. Er trägt zwei Transponder: einen schmalbandigen für SSB, CW und digitale Betriebsarten und einen Breitbandtransponder, über den digitales Amateurfunkfernsehen (DATV) läuft. Eine Lizenz brauchst du zum Zuhören nicht, nur zum Senden.

Die ISS ist noch einfacher zu empfangen: Ihre Sprachaussendungen liegen auf 145,800 MHz, der APRS-Digipeater arbeitet auf 145,825 MHz. Bei besonderen ARISS-Aktionen werden zeitweise SSTV-Bilder ausgesendet, die sich mit einem einfachen FM-Empfänger und einer Handy-App dekodieren lassen. Was gerade aktiv ist, steht bei ARISS - nicht bei jedem Überflug läuft Amateurfunkbetrieb.

📡 Warum Satellitenfunk technisch lehrreich ist: Ein Satellit im niedrigen Orbit zieht mit rund 7,5 km/s vorbei. Dadurch verschiebt sich seine Frequenz während des Überflugs deutlich - auf dem 2-m-Band um einige Kilohertz, auf 70 cm um mehr als zehn. Wer einen Überflug verfolgt, erlebt den Dopplereffekt nicht als Formel, sondern als wanderndes Signal, das man nachstimmen muss.

Selbst bauen, mit wenig Leistung funken, draußen funken

Das Recht, selbstgebaute und umgebaute Sendeanlagen zu betreiben, gehört zu den wichtigsten Besonderheiten des Amateurfunks. Bausätze, die Funkamateure zusammenbauen, umgebaute Geräte und Aufbauten zu experimentellen Zwecken gelten nicht als "auf dem Markt bereitgestellt" und sind von den Konformitätsverfahren ausgenommen, die sonst für Funkgeräte gelten. Die Ausnahme betrifft den Eigenbau und den eigenen Betrieb; die Pflichten zu sicherem und störungsfreiem Betrieb bleiben in jedem Fall bestehen.

Gipfelkreuz-Sockel mit Handfunkgerät, kleinem Kurzwellengerät, Kabeln und Rucksack, dahinter Bergketten mit Schneeresten unter Wolken
Funken vom Gipfel: Eine tragbare Station auf dem Roten Knopf in den Alpen, aufgebaut für eine SOTA-Aktivierung auf Kurzwelle und UKW. Ausrüstung und Antenne passen in den Rucksack. Foto: Ptolusque, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
⚠️ Freiheit heißt Verantwortung: Wer selbst baut, verantwortet auch, was seine Station abstrahlt. Die Aussendung muss innerhalb der zugewiesenen Frequenzen, der erlaubten Leistung und der vorgesehenen Bandbreite bleiben und darf keine schädlichen Störungen verursachen. Praktisch heißt das: Wer baut, sollte auch messen können. Ein Blick auf Oberwellen und Nebenaussendungen gehört genauso zum Selbstbau wie der Lötkolben - und beim Aufbau von Außenantennen kommen Absturzgefahr, Blitzschutz und der Sicherheitsabstand zu Freileitungen dazu. Antennen gehören niemals in die Nähe von Stromleitungen.

In der Praxis fängt kaum jemand mit einem kompletten Transceiver an. Der übliche Weg führt über die Antenne, und der ist erstaunlich kurz: Ein Halbwellendipol besteht aus zwei etwa gleich langen Drahtschenkeln, die in der Mitte gespeist werden. Als Ausgangswert für die Gesamtlänge gilt 143 geteilt durch die Frequenz in Megahertz - für das 40-m-Band also rund 20 m. In der Praxis schneidet man den Draht etwas länger zu und kürzt ihn anhand der Messung mit einem SWR-Messgerät auf Resonanz. Wer diesen Kreis aus Rechnen, Bauen, Messen und Korrigieren einmal durchlaufen hat, versteht Wellenlänge, Resonanz und Anpassung anders als aus jedem Lehrbuch. Rechnen kannst du direkt hier mit dem Antennenlängen-Rechner. Wer weiter gehen will, findet eine lebendige Bausatzszene: Der einbandige CW-Transceiver QCX+ von QRP Labs und der Digitalmodus-Transceiver QDX liegen im zweistelligen Dollarbereich; mit passender Antenne sind damit interkontinentale Verbindungen möglich.

Eine Bewegung im Amateurfunk geht den umgekehrten Weg: nicht mehr Leistung, sondern weniger. Als QRP gilt üblicherweise Betrieb mit höchstens 5 W Sendeleistung; eine traditionsreiche Auszeichnung des QRP-Verbands QRP-ARCI würdigt Verbindungen mit über 1.000 Meilen pro Watt. Zusammen mit kleiner Leistung hat sich das Funken im Freien zu einem der aktivsten Bereiche überhaupt entwickelt: Bei SOTA (Summits on the Air) wird von anerkannten Berggipfeln gefunkt, weltweit sind weit über 100.000 registriert; POTA (Parks on the Air) überträgt dasselbe Prinzip auf Parks und Schutzgebiete, auch in Deutschland sind über tausend Gebiete gelistet. Ein Rucksack mit Transceiver, Drahtantenne und Akku wiegt wenige Kilo, und ein freier, störungsarmer Standort kann einer kleinen Portabelstation überraschende Vorteile gegenüber einer aufwendigen Heimstation im Tal verschaffen.

Weitere Felder: Mond, schwache Signale, Forschung, Wettbewerb

Der Mond als Reflektor: Bei EME läuft das Signal rund 384.000 km hinauf, wird an der Mondoberfläche gestreut und kommt nach etwa 2,5 Sekunden zurück - gegen eine Pfaddämpfung, die auf dem 2-m-Band in der Größenordnung von 250 dB liegt. Ähnlich exotisch ist Meteorscatter: Verglühende Meteore hinterlassen in 80 bis 120 km Höhe kurzlebige ionisierte Spuren, an denen sich UKW-Signale über einige hundert bis über 2.000 km streuen lassen.

Signale unter der Hörschwelle: Digitale Betriebsarten wie FT8, 2017 von Steven Franke (K9AN) und dem Physik-Nobelpreisträger Joe Taylor (K1JT) veröffentlicht, dekodieren noch bei etwa -20 dB Signal-Rausch-Abstand, bezogen auf 2,5 kHz. WSPR geht mit wenigen Hertz Bandbreite und laut WSJT-X-Dokumentation bis etwa -31 dB noch weiter; es ist ein Bakenverfahren zur Ausbreitungsbeobachtung, dessen Meldungen in der öffentlichen WSPRnet-Datenbank eine weltweite Karte offener Funkwege ergeben.

Forschung mit Amateurfunkdaten: Das Projekt HamSCI (Ham Radio Science Citizen Investigation) um den Physiker Nathaniel Frissell (W2NAF) wertet die Meldungen von WSPR, dem Reverse Beacon Network und PSKReporter aus, um die Ionosphäre zu vermessen; die NASA führt es als Citizen-Science-Projekt. Zur Sonnenfinsternis am 8. April 2024 wurden dafür nach Angaben von HamSCI über 52 Millionen automatisch erfasste Funkmeldungen ausgewertet.

Der sportliche Teil: Wer es kompetitiv mag, findet im Contest ein Betätigungsfeld, das Technik, Betriebstechnik und Ausdauer zugleich fordert. Bei den großen internationalen Wettbewerben wie dem CQ WW DX Contest entstehen an einem einzigen Wochenende Millionen dokumentierter Verbindungen.

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Welcher Zugang passt zu dir?

Amateurfunk ist breit genug, dass sehr verschiedene Menschen darin etwas finden. Ein paar typische Wege:

Schwarzweißfoto von 1973: Eine junge Frau steht auf einem Flachdach und hält eine kleine Richtantenne in die Höhe, im Hintergrund ein Wasserturm
Amateurfunk hat viele Gesichter, und das seit Jahrzehnten: Eine junge Funkamateurin mit einer Handantenne für UKW auf einem Dach in Nyíregyháza, Ungarn, 1973. Foto: Fortepan / MHSZ, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
🔧 Der Tüftler

Löten, messen, verbessern. Antennen aus Draht, Bausätze, alte Röhrentechnik.

💻 Der Coder

Signale als Daten. SDR, Dekoder, eigene Auswertungen, Automatisierung.

🛰️ Der Entdecker

Was ist heute möglich? Ausbreitung, Satelliten, Weltraumwetter, Baken.

🎒 Der Outdoor-Fan

Funken, wo es schön ist. Gipfel, Naturparks, Portabelantennen, kleine Leistung.

🌍 Der Sammler

Länder, Inseln, Diplome, Conteste. Die Jagd nach der seltenen Station.

🆘 Der Vorsorger

Kommunikation, die ohne Netz funktioniert. Notfunk, Relais, unabhängige Technik.

Dein erster Schritt

Du musst dich nicht sofort für eine Prüfung entscheiden. Sinnvoll ist die Reihenfolge andersherum: erst hören, dann bauen, dann senden.

  1. Heute noch: Öffne einen WebSDR und dreh über das 40-m-Band (7,0 bis 7,2 MHz). Abends ist dort häufig Betrieb. Wenn dich das packt, geht es weiter.
  2. Für 30 Euro: Besorg dir einen SDR-Stick und schau dir das Spektrum an deinem eigenen Standort an. Dekodiere Flugzeuge, such die Bakenkette, beobachte, wie sich die Bänder über den Tag verändern.
  3. Mit etwas Draht: Bau eine einfache Empfangsantenne. Der Unterschied zur mitgelieferten Teleskopantenne ist oft deutlich hörbar.
  4. Wenn du senden willst: Lern für die Prüfung - kostenlos hier auf 12db, mit allen 1.750 Fragen des BNetzA-Katalogs und Erklärungen dazu. Viele Einsteiger bereiten sich innerhalb einiger Wochen auf die Klasse N vor; wie lange es dauert, hängt von Vorkenntnissen und Lernzeit ab.
  5. Nicht allein: Viele Ortsverbände unterstützen beim Einstieg und beim ersten Aufbau. Der DARC unterhält rund 1.000 davon.

Was danach an Ausrüstung sinnvoll ist und was es kostet, steht im Ratgeber Erste Ausrüstung kaufen. Und falls dich noch die Frage umtreibt, ob sich das alles überhaupt lohnt: 12 Gründe, warum Amateurfunk nicht tot ist.

Der Weg zum eigenen Rufzeichen

Die Akademie führt dich Kapitel für Kapitel durch den Prüfungsstoff, zeigt deinen Fortschritt und lässt dich die Prüfung unter echten Bedingungen simulieren. Für Klasse N, E und A.

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Amateurfunk in Zahlen

Zum Einordnen ein paar Werte aus der Amateurfunk-Statistik der Bundesnetzagentur, Stand 31. Dezember 2025:

Zulassungen
61.105
personengebunden, gesamt
Klasse A
51.155
Vollzulassung
Klasse E
9.133
Einsteigerklasse
Klasse N
817
seit Juni 2024
Zugeteilte Rufzeichen insgesamt70.238
davon personengebunden61.105
Klubstationen2.912
Ausbildungsrufzeichen4.786
Relais und Funkbaken1.435
Prüflinge im Jahr 20252.261
bestanden Klasse N753
bestanden Klasse E706
bestanden Klasse A631

Bemerkenswert an der zweiten Tabelle: Die 2024 eingeführte Einsteigerklasse N war im ersten vollen Jahr die am häufigsten bestandene Klasse. In absoluten Zahlen haben Länder wie die USA und Japan deutlich größere Amateurfunkgemeinden. Internationale Vergleiche bleiben aber grobe Anhaltspunkte, weil jedes Land anders zählt - mal Personen, mal Genehmigungen, mal Rufzeichen. Wie sich die Zahl der Rufzeichen je Klasse von Woche zu Woche entwickelt, zeigt die laufend aus der BNetzA-Liste erfasste Rufzeichen-Statistik.

Ein Hobby mit Geschichte

Amateurfunk ist fast so alt wie die Funktechnik selbst. Schon in den 1920er Jahren experimentierten Technikbegeisterte mit selbstgebauten Sendern; 1927 wurden der Deutsche Sendedienst und der Deutsche Empfangsdienst zum Deutschen Amateur-Sende- und Empfangsdienst (DASD) zusammengeschlossen, dem Vorläufer des heutigen DARC. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde privater Amateurfunkbetrieb untersagt; nach Kriegsende verboten die Besatzungsmächte zunächst jeden privaten Sendebetrieb und ließen zahlreiche Geräte einziehen.

Historische Zeitschriftenabbildung einer Amateurfunkstation von 1915: Holztisch mit Spulen, Funkenstrecke und Messgeräten, rechts ein hohes Gerätegestell
Hundert Jahre früher: die Station von W. H. Carroll in St. Louis, abgebildet in der QST vom Dezember 1915 als "eine der bestausgestatteten Stationen der Liga". Gesendet wurde damals noch mit Funkenstrecken in Morsetelegrafie. Foto: unbekannt (QST, Dezember 1915), Wikimedia Commons, Public Domain
📦 Die Backsteinaktion: Am 15. Januar 1949 forderten deutsche Funkamateure sich gegenseitig auf, Backsteine an den Vorsitzenden des Wirtschaftsrats zu schicken - symbolisch zur "Untermauerung des Amateurfunkgesetzes". Berichten zufolge trafen so viele Steine ein, dass die Aktion erhebliche Aufmerksamkeit erregte. Am 23. März 1949 trat das Amateurfunkgesetz in Kraft, wenige Wochen vor dem Grundgesetz.

Diese Eigenständigkeit prägt das Hobby bis heute: Innerhalb der behördlich festgelegten Frequenznutzungen koordinieren die Verbände freiwillige Bandpläne und Betriebsvereinbarungen. Funkamateure, Ortsverbände und Vereine betreiben Relais, Baken und Teile des HAMNET ehrenamtlich - eines eigenen, IP-basierten Datennetzes. Vieles davon lässt sich unabhängig von öffentlichen Kommunikationsnetzen betreiben, was Funkamateure für den Notfunk interessant macht. Vollständig autark ist auch das nicht: Standorte, Stromversorgung und einzelne Verbindungen können ihrerseits ausfallen.

Häufige Fragen zum Amateurfunk

Was ist Amateurfunk eigentlich genau?

Amateurfunk ist ein eigener Funkdienst, der laut Definition der Internationalen Fernmeldeunion zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung und zur Völkerverständigung betrieben wird; das deutsche Amateurfunkgesetz nennt zusätzlich die Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen. Funkamateure bekommen dafür eigene Frequenzbereiche, dürfen Geräte selbst bauen und umbauen und deutlich mehr Sendeleistung nutzen als in lizenzfreien Funkanwendungen. Voraussetzung ist eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur.

Wie viel kostet eine Funklizenz?

Die Prüfungsgebühr der Bundesnetzagentur beträgt 68 Euro für die Klasse N, 73,50 Euro für die Klasse E und 81 Euro für die Klasse A. Die Zuteilung des Rufzeichens kostet einmalig 20 Euro. Danach fallen jährliche Beiträge für Frequenznutzung und EMV an, die rückwirkend je Beitragsjahr festgesetzt werden (für 2023: 23,52 Euro). Alle Beträge, auch für Aufstockung und Wiederholung, stehen im Abschnitt Prüfungsgebühren.

Auf welcher Frequenz darf ich ohne Lizenz funken?

Ohne Prüfung darfst du in drei lizenzfreien Funkanwendungen senden: CB-Funk um 27 MHz mit 80 Kanälen und bis zu 4 Watt (FM), PMR446 bei 446 MHz mit 16 Kanälen und 0,5 Watt sowie Freenet um 149 MHz mit 1 Watt. Voraussetzung sind zugelassene Geräte. Auf den Amateurfunkbändern ist Senden ohne Zulassung nicht erlaubt; dort bleibt es beim Zuhören.

Kann ich Amateurfunk ohne Lizenz hören?

Ja. Empfangen ist erlaubt und braucht keine Prüfung. Am schnellsten geht es über einen WebSDR im Browser, danach über einen eigenen SDR-Stick. Welche Aussendungen du mithören darfst und was du über sie nicht weitererzählen darfst, regelt § 5 TDDDG - die Einzelheiten stehen weiter oben.

Was kann man mit Amateurfunk machen außer sprechen?

Antennen und Geräte selbst bauen und vermessen, Satelliten und die ISS empfangen, mit FT8 oder WSPR Signale unter der Hörschwelle auswerten, den Mond als Reflektor nutzen, Daten für die Ionosphärenforschung liefern oder von Gipfeln und aus Parks funken. Der Funkbetrieb selbst ist nur eine von vielen Facetten.

Wie schwer ist die Amateurfunkprüfung?

Die Einstiegsklasse N ist mit gezielter Vorbereitung in wenigen Wochen zu schaffen. Geprüft werden drei Teile: Technik, Betriebstechnik und Vorschriften, jeweils im Multiple-Choice-Verfahren. Grundlage ist der Fragenkatalog der Bundesnetzagentur mit 1.750 Fragen. Die Behörde weist allerdings darauf hin, dass in der Prüfung auch andere Fragen gestellt werden dürfen, die sich inhaltlich an diesem Katalog orientieren - reines Auswendiglernen ist deshalb riskant.

Welche Amateurfunk-Klasse soll ich zuerst machen?

Wer schnell auf die Bänder will, startet mit der Klasse N - sie schließt mit dem 10-m-Band bereits ein Kurzwellenband ein. Wer regelmäßig auf mehreren Kurzwellenbändern weltweit funken möchte, ist mit Klasse E oder direkt mit Klasse A besser bedient. Ein späterer Aufstieg ist unkompliziert: Betriebstechnik und Vorschriften gelten für alle Klassen gleich, für den Wechsel in eine höhere Klasse genügt eine Zusatzprüfung im Technikteil.

Was kostet der Einstieg in den Amateurfunk?

Zum Reinhören reichen 0 Euro über einen WebSDR oder rund 30 Euro für einen SDR-Stick. Für den Sendebetrieb kommen Prüfungsgebühr und Rufzeichenzuteilung dazu, zusammen je nach Klasse 88 bis 101 Euro, dazu jährliche Frequenzschutzbeiträge nach TKG und EMVG, deren Höhe nachträglich festgesetzt wird und von Jahr zu Jahr schwanken kann. Ein Handfunkgerät eines Markenherstellers gibt es ab rund 75 Euro, eine selbstgebaute Drahtantenne kostet wenige Euro Material. Details stehen im Ratgeber zur ersten Ausrüstung.

Lohnt sich Amateurfunk noch, wo es doch Internet gibt?

Wenn es nur ums Reden ginge, wäre ein Messenger einfacher. Der Reiz liegt woanders: Funkamateure betreiben ihre Technik selbst, vom Gerät über die Antenne bis zur Ausbreitung. Sie arbeiten ohne fremde Infrastruktur, was im Notfunk zählt, liefern Daten für die Ionosphärenforschung und entwickeln Übertragungsverfahren mit. 2025 wurden in Deutschland 2.090 Prüfungen für die Klassen A, E und N erfolgreich abgelegt, die meisten davon in der neuen Einsteigerklasse N.

Verbindlich sind immer die verlinkten Originalquellen, für rechtliche Fragen das Amateurfunkgesetz und die Amateurfunkverordnung in ihrer geltenden Fassung. Zeitabhängig sind vor allem die Statistik der Bundesnetzagentur (Stichtag 31.12.2025), der Betriebszustand von Satelliten, Relais und Baken sowie Gerätepreise.

Quellen

  • Bundesnetzagentur: Statistische Angaben zum Amateurfunk in Deutschland, veröffentlicht am 02.01.2026 (Zulassungen und Rufzeichen zum 31.12.2025, Prüfungen 2025). bundesnetzagentur.de
  • Bundesnetzagentur: Prüfungsfragen zum Erwerb von Amateurfunkprüfungsbescheinigungen (Fragen- und Antwortenkatalog, März 2024). bundesnetzagentur.de
  • Bundesnetzagentur: Rufzeichenplan für den Amateurfunkdienst (Vfg. 15/2025, gültig ab 01.04.2025). bundesnetzagentur.de
  • Besondere Gebührenverordnung BMDV (BMDVTKBGebV): Gebühren für Amateurfunkprüfungen und Rufzeichenzuteilung. gesetze-im-internet.de
  • § 5 AFuG 1997: Rechte und Pflichten des Funkamateurs. gesetze-im-internet.de
  • Anlage 1 AFuV: Frequenzbereiche und maximale Strahlungsleistungen je Lizenzklasse. gesetze-im-internet.de
  • WSJT-X User Guide: technische Eckdaten zu FT8 und WSPR (Zyklen, Bandbreite, Dekodierschwellen). wsjt.sourceforge.io
  • § 2 Funkanlagengesetz: Ausnahme für Bausätze und Umbauten von Funkamateuren. gesetze-im-internet.de
  • § 5 TDDDG: Abhörverbot und Geheimhaltungspflicht beim Funkempfang. gesetze-im-internet.de
  • NCDXF/IARU: International Beacon Project - Sendeplan und Leistungsstaffelung der 18 Baken. ncdxf.org
  • AMSAT-DL: QO-100 Transponder-Bandplan und Betriebshinweise. amsat-dl.org
  • ARISS: Frequenzen und Betriebsarten der Amateurfunkstationen auf der ISS. ariss.org
  • HamSCI: Erste Ergebnisse der Solar Eclipse QSO Party vom 08.04.2024. hamsci.org
  • NASA: HamSCI als gelistetes Citizen-Science-Projekt. science.nasa.gov
  • ARRL: FT8 - Einführung und technische Eckdaten. arrl.org
  • ARRL: Why QRP? Definition der QRP-Leistungsgrenzen. arrl.org
  • SOTA: Programm und Gipfeldatenbank (Stand Juli 2026). sota.org.uk
  • POTA: Parks on the Air, Programmdaten und Jahresstatistik (Stand Juli 2026). parksontheair.com
  • RTL-SDR Blog: technische Daten und Preise des RTL-SDR V4. rtl-sdr.com
  • QRP Labs: Bausätze QCX+ und QDX. qrp-labs.com
  • DARC: Geschichte des Amateurfunks und Backsteinaktion. darc.de
  • DARC: Amateurfunkausbildung - Lehrgänge der Ortsverbände. darc.de
  • Wikipedia: Funkamateur - internationale Statistik (Stand 2022). de.wikipedia.org

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