Amateurfunk - Funkamateur an Kurzwellenstation

Ein Abend auf dem 40-m-Band: Aus dem Rauschen schält sich eine Stimme, erst brüchig, dann klar. Eine Station aus Südeuropa, ein paar Sätze über das Wetter, die Antenne, das Gerät. Zwischen den beiden liegen rund tausend Kilometer. Für die eigentliche Funkstrecke braucht es weder Mobilfunknetz noch Internetanbieter - nur zwei Stationen und die ionisierten Schichten der oberen Atmosphäre, die das Signal zurück zur Erde lenken.

Das ist Amateurfunk: Gespräche über Ländergrenzen hinweg, über eine Verbindung, deren Technik du selbst beherrschst. Und es ist erst der Anfang. Mit einer Amateurfunkzulassung darfst du eigene Sendeanlagen und Antennen entwickeln, über Satelliten funken, extrem schwache Signale auswerten und an technischen wie wissenschaftlichen Experimenten teilnehmen. Zuhören und Empfangsgeräte bauen darfst du übrigens schon vorher. Diese Seite zeigt, was in dem Hobby steckt - und wie du es ausprobierst, bevor du dich für eine Prüfung entscheidest.

💡 Das Wichtigste in Kürze: Amateurfunk ist ein eigener, gesetzlich anerkannter Funkdienst - und zugleich ein persönliches Experimentierfeld für Funktechnik, Elektronik, Software und Physik. Funkamateure dürfen je nach Lizenzklasse zahlreiche dem Amateurfunkdienst zugewiesene Frequenzbereiche nutzen, Geräte selbst bauen und umbauen und ihre Technik innerhalb der geltenden Grenzen frei weiterentwickeln. Dafür ist eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur nötig. Zuhören darfst du ohne Lizenz - dort kann der Einstieg beginnen.

Wer rechtlich als Funkamateur gilt, wie sich Amateurfunkzeugnis, Zulassung und Rufzeichen unterscheiden und was es mit der Bezeichnung "Amateurfunker" auf sich hat, steht im eigenen Artikel zum Begriff.

Vom Interesse zur Funklizenz - in 3 Schritten

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Amateurfunk ist mehr als Sprechfunk

Die offizielle Definition klingt spröde und ist trotzdem aufschlussreich. Der Amateurfunkdienst ist nach der ITU ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander wahrgenommen wird, und zwar zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung und zur Völkerverständigung. Dieser Zweck ist international wie im deutschen Amateurfunkrecht verankert: Es geht um Verständigung unter Funkamateuren, ums Ausprobieren und ums Lernen - nicht darum, ein Telefonnetz zu ersetzen.

In Deutschland regelt das Amateurfunkgesetz (AFuG) die Einzelheiten, zuständig ist die Bundesnetzagentur. Daraus ergeben sich technische Freiheiten, die lizenzfreie Funkanwendungen nicht kennen:

  • Zahlreiche Frequenzbereiche von der Langwelle bis in den Millimeterwellenbereich, je nach Lizenzklasse und Nutzungsbestimmungen - teils als primärer, teils als sekundärer Funkdienst.
  • Selbstbau und Umbau erlaubt: Nach § 5 Abs. 2 AFuG darf ein Funkamateur selbstgefertigte Amateurfunkstellen und umgebaute Sendeanlagen betreiben - ausdrücklich abweichend von den Konformitätsbewertungsverfahren, die sonst für Funkgeräte gelten. Wer ein Funkgerät aus Bauteilen aufbaut, darf damit auf Sendung gehen.
  • Deutlich mehr Sendeleistung als in lizenzfreien Funkanwendungen, je nach Klasse und Band bis 750 W.
  • Ein international eindeutiges Rufzeichen und mit der Klasse A vereinfachten Gastbetrieb in zahlreichen CEPT-Ländern. Ob und wie du im Ausland funken darfst, richtet sich aber immer nach dem Recht des Gastlandes.

Was Amateurfunk nicht ist: ein Ersatz für Telefon oder Internet. Nach § 5 AFuG darf eine Amateurfunkstelle nicht zu gewerblich-wirtschaftlichen Zwecken betrieben werden, Funkverkehr ist nur mit anderen Amateurfunkstellen zulässig, und Nachrichten für Dritte sind - außer in Not- und Katastrophenfällen - nicht erlaubt. Der Amateurfunk dient nicht als Ersatz für öffentliche Telekommunikationsnetze, sondern der Verständigung innerhalb des Amateurfunkdienstes, dem technischen Experiment und der eigenen Weiterbildung.

Genau darin liegt auch der Unterschied zu CB-Funk und PMR: Dort bekommst du ein fertiges Gerät und eine Handvoll fester Kanäle, und mehr ist nicht vorgesehen. Wer die Unterschiede im Detail sucht, findet sie im Vergleich CB-Funk und Amateurfunk.

Was du im Amateurfunk entdecken kannst

Die folgenden Felder sind etablierte Bereiche des Hobbys, wenn auch unterschiedlich verbreitet. Fast jedes davon lässt sich mit überschaubarem Aufwand ausprobieren.

Das Gespräch: einfacher, als es klingt

Der häufigste Betrieb ist nach wie vor das Gespräch von Station zu Station, das QSO. Der Ablauf ist überall auf der Welt derselbe und deshalb schnell gelernt: Eine Station ruft "CQ" - der allgemeine Anruf an alle -, eine andere antwortet mit ihrem Rufzeichen. Dann werden Rapport, Name und Standort ausgetauscht, danach reden beide über das, was sie interessiert. Oft ist es Technik, manchmal das Wetter, gelegentlich stundenlang alles Mögliche.

Ein paar Eigenheiten gehören dazu: Rufzeichen werden mit der internationalen Buchstabiertafel buchstabiert, kurze Q-Schlüssel ersetzen ganze Sätze (QTH für den Standort, QRT fürs Betriebsende), und zum Abschied heißt es "73", also viele Grüße. Wer mag, bestätigt die Verbindung anschließend mit einer QSL-Karte.

💡 Für den Anfang: Sag ruhig, dass du neu bist. Erfahrene Funkamateure übernehmen dann meist die Gesprächsführung - dieser Umgang miteinander gehört zum Selbstverständnis des Hobbys.

Wie Funkwellen die Erde umrunden

Das erste Rätsel, an dem sich viele Kurzwellenhörer festbeißen: Warum kommt ein Signal aus Australien an, obwohl die Erde dazwischen gekrümmt ist? Die Antwort liegt hoch über dem Boden. Die Sonne ionisiert dort die Luft, und diese Ionosphäre bricht Kurzwellen so stark, dass sie zur Erde zurückkehren. Von dort können sie erneut nach oben laufen und in mehreren solchen Sprüngen den halben Globus überwinden. Die dafür entscheidenden Schichten liegen je nach Tageszeit und Sonnenaktivität zwischen einigen Dutzend und einigen hundert Kilometern Höhe.

Was diesen Vorgang so reizvoll macht: Er ändert sich ständig. Dieselbe Frequenz, die morgens tot ist, trägt abends bis Südamerika. Im Winter geht auf 160 m plötzlich, was im Sommer aussichtslos war. Die Sonnenaktivität mit ihrem im Mittel etwa elfjährigen Zyklus verschiebt die nutzbaren Frequenzen über Jahre hinweg. Und in der Dämmerungszone, der Greyline, öffnen sich für kurze Zeit Wege, die tagsüber und nachts verschlossen sind.

🔭 Ein Hobby mit eingebautem Messgerät: Wer Funkbetrieb macht, beobachtet nebenbei die obere Atmosphäre. Genau deshalb sind Amateurfunkdaten für die Forschung interessant geworden - dazu weiter unten mehr. Wie es aktuell aussieht, zeigt die Seite Funkwetter mit Sonnenindizes und Bandöffnungen.

Auf den Bändern oberhalb der Kurzwelle gelten andere Regeln. Dort dominiert die Direktwelle, dafür gibt es Effekte wie Sporadic E, bei dem das 6-m-Band im Sommer unvermittelt Verbindungen über mehr als tausend Kilometer zulässt, unter besonderen Bedingungen auch deutlich weiter. Das 6-m-Band trägt deshalb den Spitznamen "Magic Band".

Satelliten und die Raumstation hören

Über Funkamateuren kreisen eigene Satelliten. Seit OSCAR 1 im Dezember 1961 sind zahlreiche Satelliten mit Amateurfunknutzlast gestartet: Manche arbeiten als Relais im Orbit, andere senden Telemetrie, Bilder oder experimentelle Daten.

Der bekannteste ist QO-100: der erste geostationäre Amateurfunksatellit, seit Februar 2019 in Betrieb, fest über 26° Ost. Weil er nicht wandert, steht er innerhalb seines Abdeckungsbereichs rund um die Uhr am selben Punkt des Himmels. Dieser Bereich umfasst Europa, Afrika und den Nahen Osten sowie angrenzende Teile Südamerikas und Asiens. Uplink liegt bei 2,4 GHz, Downlink bei 10 GHz. Zum Zuhören reichen oft eine gewöhnliche Satellitenschüssel, ein geeigneter LNB und ein SDR-Stick; welche Schüsselgröße nötig ist, hängt vom Standort ab. Eine Lizenz brauchst du dafür nicht, nur zum Senden.

Die ISS ist noch einfacher zu empfangen: Ihre Sprachaussendungen liegen auf 145,800 MHz, der APRS-Digipeater arbeitet auf 145,825 MHz. Bei besonderen ARISS-Aktionen werden zeitweise SSTV-Bilder ausgesendet, die sich mit einem einfachen FM-Empfänger und einer Handy-App dekodieren lassen; Empfangsstationen aus aller Welt reichen ihre Bilder anschließend in eine gemeinsame Onlinegalerie ein. Was gerade aktiv ist, steht bei ARISS - nicht bei jedem Überflug läuft Amateurfunkbetrieb.

📡 Warum Satellitenfunk technisch lehrreich ist: Ein Satellit im niedrigen Orbit zieht mit rund 7,5 km/s vorbei. Dadurch verschiebt sich seine Frequenz während des Überflugs deutlich - auf dem 2-m-Band um einige Kilohertz, auf 70 cm um mehr als zehn. Wer einen Überflug verfolgt, erlebt den Dopplereffekt nicht als Formel, sondern als wanderndes Signal, das man nachstimmen muss.

Wie weit das reicht, zeigt das Projekt SatNOGS: ein weltweites Netz automatischer Bodenstationen der Libre Space Foundation, das seit 2014 Empfangsversuche plant, durchführt und die dabei entstehenden Daten öffentlich sammelt. Nach eigenen Angaben verzeichnete das Netzwerk am 6. Mai 2026 seine 14-millionste geplante Beobachtung - wobei eine Beobachtung ein eingeplanter Empfangsversuch ist, nicht zwingend eine erfolgreiche Aufzeichnung. Wer will, baut eine eigene Station und speist mit ein.

Den Mond als Reflektor benutzen

Es geht noch weiter: Funkamateure nutzen den Mond als passiven Reflektor. Bei EME läuft das Signal rund 384.000 km hinauf, wird an der Mondoberfläche gestreut und kommt nach etwa 2,5 Sekunden zurück. Mit einer ausreichend leistungsfähigen Station lässt sich das eigene Signal so als Echo wieder empfangen. Der Preis dafür ist eine Pfaddämpfung, die auf dem 2-m-Band typischerweise in der Größenordnung von 250 dB liegt. Entsprechend braucht es große Antennen, rauscharme Empfänger und Betriebsarten, die für schwache Signale gebaut sind. Die ersten wechselseitigen Amateurverbindungen über den Mond gelangen 1960.

Ähnlich exotisch: Meteorscatter. Verglühende Meteore hinterlassen in rund 80 bis 120 km Höhe kurzlebige ionisierte Spuren, an denen sich UKW-Signale streuen lassen. Die Reflexe dauern oft nur Sekundenbruchteile - zu kurz für ein Gespräch, aber genug für Betriebsarten wie MSK144, die kurze, stark fehlergeschützte Datenblöcke übertragen. Entfernungen von einigen hundert bis über 2.000 km sind so erreichbar. Kurze Reflexionen gibt es das ganze Jahr über durch sporadische Meteore; während der großen Ströme wie den Perseiden im August und den Geminiden im Dezember werden sie deutlich häufiger.

Signale hören, die im Rauschen verschwinden

Eine der auffälligsten Entwicklungen der letzten Jahre sind digitale Betriebsarten, die Signale weit unterhalb der Hörschwelle auswerten. FT8, 2017 von Steven Franke (K9AN) und dem Physik-Nobelpreisträger Joe Taylor (K1JT) veröffentlicht, arbeitet mit 15 Sekunden langen Sende- und Empfangsintervallen, belegt dabei nur rund 50 Hz Bandbreite und dekodiert noch bei etwa -20 dB Signal-Rausch-Abstand, bezogen auf 2,5 kHz. Nach Gehör ist ein solches Signal im Rauschen kaum noch sicher auszumachen - die Software findet es trotzdem.

Noch konsequenter ist WSPR, gesprochen "Whisper". Es ist keine Betriebsart für Gespräche, sondern ein Bakenverfahren zur Ausbreitungsbeobachtung: Eine Aussendung belegt nur wenige Hertz und überträgt Rufzeichen, Locator und Sendeleistung; unter günstigen Bedingungen wird sie laut WSJT-X-Dokumentation noch bei etwa -31 dB Signal-Rausch-Abstand in 2,5 kHz Referenzbandbreite dekodiert. Gearbeitet wird dabei teils mit wenigen Milliwatt. Empfangsstationen können ihre Dekodierungen automatisch an die öffentliche WSPRnet-Datenbank melden, und daraus entsteht etwas, das es sonst nirgends gibt: eine weltweite, permanent aktualisierte Karte davon, welche Funkwege gerade offen sind.

Mit dem eigenen Empfänger Wissenschaft betreiben

Genau diese Daten nutzt die Forschung. Das Projekt HamSCI (Ham Radio Science Citizen Investigation) um den Physiker Nathaniel Frissell (W2NAF) an der University of Scranton wertet die Meldungen von WSPR, dem Reverse Beacon Network und PSKReporter aus, um die Ionosphäre zu vermessen. Die NASA führt HamSCI offiziell als Citizen-Science-Projekt.

🔬 Ein konkretes Experiment: Zur totalen Sonnenfinsternis am 8. April 2024 riefen die Forscher zur "Solar Eclipse QSO Party" auf. Funkamateure sollten so viele Verbindungen wie möglich fahren, während der Mondschatten über Nordamerika zog. Ausgewertet wurden anschließend nach Angaben von HamSCI über 52 Millionen automatisch erfasste Funkmeldungen. Das Ergebnis war messbar: Vor allem auf den unteren Kurzwellenbändern verbesserte sich die Ausbreitung deutlich, weil die abschirmende D-Schicht der Ionosphäre im Schatten zurückging.

Das ist keine Spielerei am Rand der Wissenschaft. Aus Amateurfunkdaten sind begutachtete Veröffentlichungen entstanden, etwa zur Ionosphären-Sondierung mit Amateurfunk-Meldenetzen (Space Weather, 2014) und zur ersten großflächigen Beobachtung wandernder ionosphärischer Störungen mit automatischen Amateurfunk-Empfangsnetzen (Geophysical Research Letters, 2022). Auch die Validierung von Ionosphärenmodellen greift auf WSPR-Daten zurück.

Wer selbst messen will, baut eine Personal Space Weather Station. Je nach Ausbaustufe beobachtet sie die Dopplerverschiebung stabiler Zeitzeichensender oder zeichnet mit einem Magnetometer Änderungen des Erdmagnetfelds auf. Sonneneruptionen und geomagnetische Stürme werden damit im eigenen Garten sichtbar.

Geräte und Antennen selbst bauen

Das weitreichende Recht, selbstgebaute und umgebaute Sendeanlagen zu betreiben, gehört zu den wichtigsten Besonderheiten des Amateurfunks. Wer einen Sender aus Einzelteilen aufbaut oder ein vorhandenes Gerät umbaut, darf ihn unter seinem Rufzeichen betreiben. Für solche Anlagen gelten besondere Ausnahmen von den Konformitätsverfahren, die sonst für Funkgeräte vorgeschrieben sind: Bausätze, die Funkamateure zusammenbauen, umgebaute Geräte und Aufbauten zu experimentellen Zwecken gelten nicht als "auf dem Markt bereitgestellt". Die Ausnahme betrifft den Eigenbau und den eigenen Betrieb - sobald Geräte für andere bereitgestellt oder vermarktet werden, greifen die allgemeinen Anforderungen des Funkanlagenrechts. Die grundlegenden Pflichten zu sicherem und störungsfreiem Betrieb bleiben in jedem Fall bestehen.

⚠️ Freiheit heißt Verantwortung: Wer selbst baut, verantwortet auch, was seine Station abstrahlt. Die Aussendung muss innerhalb der zugewiesenen Frequenzen, der erlaubten Leistung und der vorgesehenen Bandbreite bleiben und darf keine schädlichen Störungen verursachen. Praktisch heißt das: Wer baut, sollte auch messen können. Ein Blick auf Oberwellen und Nebenaussendungen gehört genauso zum Selbstbau wie der Lötkolben - und beim Aufbau von Außenantennen kommen Absturzgefahr, Blitzschutz und der Sicherheitsabstand zu Freileitungen dazu. Antennen gehören niemals in die Nähe von Stromleitungen.

In der Praxis fängt kaum jemand mit einem kompletten Transceiver an. Der übliche Weg führt über die Antenne, und der ist erstaunlich kurz: Ein Halbwellendipol besteht aus zwei etwa gleich langen Drahtschenkeln, die in der Mitte gespeist werden. Als Ausgangswert für die Gesamtlänge gilt 143 geteilt durch die Frequenz in Megahertz - für das 40-m-Band also rund 20 m. Die Verkürzung gegenüber der rechnerischen Halbwellenlänge steckt in dieser Zahl bereits drin. In der Praxis schneidet man den Draht etwas länger zu und kürzt ihn dann anhand der Messung auf Resonanz. Material: Draht, zwei Isolatoren, ein Stück Koaxkabel.

🔨 Von der Formel zum eigenen Signal: Der Reiz beim Antennenbau liegt in der Rückmeldung. Ein SWR-Messgerät zeigt sofort, ob die Länge stimmt. Zu lang, zu kurz, falsche Höhe über Grund: Alles wird messbar. Wer diesen Kreis aus Rechnen, Bauen, Messen und Korrigieren einmal durchlaufen hat, versteht Hochfrequenztechnik anders als aus jedem Lehrbuch. Rechnen kannst du direkt hier mit dem Antennenlängen-Rechner.

Wer weiter gehen will, findet eine lebendige Bausatzszene: Der einbandige CW-Transceiver QCX+ von QRP Labs und der Digitalmodus-Transceiver QDX liegen im zweistelligen Dollarbereich, Versand und Zubehör kommen hinzu. Beide werden mit dem Lötkolben aufgebaut; mit passender Antenne und guten Ausbreitungsbedingungen sind damit interkontinentale Verbindungen möglich.

Mit wenig Leistung und draußen funken

Es gibt eine Bewegung im Amateurfunk, die den umgekehrten Weg geht: nicht mehr Leistung, sondern weniger. Als QRP gilt üblicherweise Betrieb mit höchstens 5 W Sendeleistung; für SSB setzen manche Verbände und Wettbewerbe 10 W PEP an. Wie effizient das sein kann, zeigt eine traditionsreiche Auszeichnung des QRP-Verbands QRP-ARCI: Sie würdigt Verbindungen mit über 1.000 Meilen pro Watt.

Zusammen mit kleiner Leistung hat sich das Funken im Freien zu einem der aktivsten Bereiche überhaupt entwickelt:

  • SOTA (Summits on the Air): Funkbetrieb von anerkannten Berggipfeln, gestartet 2002 in Großbritannien. Weltweit sind weit über 100.000 Gipfel registriert, mehrere hundert davon in Deutschland - in den Alpen ebenso wie in den Mittelgebirgen. Punkte werden nach regional festgelegten Höhenklassen vergeben.
  • POTA (Parks on the Air): dasselbe Prinzip in Parks und Schutzgebieten; das Programm entwickelte sich in den späten 2010er-Jahren zu einer internationalen Dauereinrichtung und ist seither rasant gewachsen. Auch in Deutschland sind inzwischen über tausend Gebiete gelistet.
  • Fielddays: Wochenenden, an denen ganze Ortsverbände eine komplette Station im Gelände aufbauen, mit eigener Stromversorgung und oft im Wettbewerb mit anderen Gruppen.

Der praktische Reiz: Ein Rucksack mit Transceiver, Drahtantenne und Akku wiegt wenige Kilo. Ein freier, störungsarmer Standort kann einer kleinen Portabelstation dabei überraschende Vorteile gegenüber einer aufwendigen Heimstation im Tal verschaffen.

Der sportliche Teil

Wer es kompetitiv mag, findet im Contest ein Betätigungsfeld, das Technik, Betriebstechnik und Ausdauer zugleich fordert. Bei den großen internationalen Wettbewerben entstehen an einem einzigen Wochenende Millionen dokumentierter Verbindungen; gut ausgestattete Mehrpersonenstationen erreichen dabei fünfstellige Verbindungszahlen. Der CQ WW DX Contest zählt zu den größten davon.

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Ohne Lizenz ausprobieren: das Spektrum sichtbar machen

Zum Empfangen brauchst du keine Prüfung. Und weil moderne Empfänger das Funkspektrum als Bild darstellen, ist der Einstieg heute anschaulicher als je zuvor: Im Wasserfalldiagramm sieht man, was vorher nur als Rauschen hörbar war.

Sofort und ohne Hardware: fremde Empfänger mitbenutzen

Der schnellste Weg führt über einen WebSDR: einen echten Empfänger an einem festen Standort, den du im Browser fernbedienst. Einer der bekanntesten steht an der Universität Twente in den Niederlanden und deckt große Teile der Kurzwelle gleichzeitig ab. Über öffentliche Verzeichnisse des verwandten KiwiSDR-Netzes sind weltweit mehrere hundert weitere Empfänger erreichbar; viele davon decken den Bereich von Langwelle bis 30 MHz ab. Du kannst dasselbe Signal an mehreren Orten gleichzeitig abhören und vergleichen, wie unterschiedlich es ankommt - eine Ausbreitungsstudie, für die früher ein weltweites Messnetz nötig gewesen wäre.

Der eigene Empfänger für 30 Euro

Ein SDR-Stick ist häufig ab etwa 30 bis 50 Euro zu haben. Die verbreitete RTL-SDR-Blog-Variante V4 deckt nach Herstellerangabe 500 kHz bis 1,766 GHz ab. Empfindlichkeit, nötige Filterung und passende Antenne unterscheiden sich dabei je nach Frequenzbereich erheblich - für ernsthaften Kurzwellenempfang ist die Antenne wichtiger als der Empfänger. Damit stehen dir offen:

  • Flugzeuge auf 1090 MHz: Mit der Software dump1090 oder readsb dekodierst du ADS-B-Aussendungen und siehst den Luftverkehr auf einer eigenen Karte. Weil Flugzeuge hoch fliegen, sind bei freier Sicht Reichweiten von mehreren hundert Kilometern möglich - hier lernt man ganz nebenbei, wie stark Antennenhöhe und Sichtlinie über die Reichweite entscheiden.
  • Wettersatelliten: Die jahrzehntelang genutzten NOAA-Satelliten mit analoger APT-Aussendung wurden 2025 außer Betrieb genommen. Empfangen lassen sich derzeit unter anderem die digitalen LRPT-Aussendungen der Meteor-Serie um 137 MHz, ausgewertet mit Software wie SatDump; erste Versuche gelingen oft schon mit einem passend gebauten V-Dipol. Welche Satelliten gerade senden, ändert sich - vor dem Versuch lohnt ein Blick auf den aktuellen Status. Das Ergebnis ist ein selbst empfangenes Bild der Wolkendecke über dem eigenen Standort.
  • Amateurfunk selbst: Sprechfunk, Morsezeichen und digitale Betriebsarten - erst zuhören, dann entscheiden, ob man mitmachen will.
🔌 Der unterschätzte Faktor: die eigene Störumgebung

In Wohngebieten entscheidet oft nicht der Empfänger über das Ergebnis, sondern das Störniveau ringsum. Schaltnetzteile, LED-Beleuchtung, Ladegeräte, Solarwechselrichter und Netzwerktechnik heben den Rauschteppich auf Kurzwelle teils erheblich an. Bevor du in bessere Hardware investierst: Zieh testweise Verbraucher ab, häng die Antenne ein paar Meter vom Haus weg oder probier es abseits der Bebauung. Der Unterschied ist häufig größer als der zwischen einem 30-Euro-Stick und einem teuren Empfänger.
🧪 Das lehrreichste Anfängerexperiment: die Bakenkette abhören

Die 1995 eingerichtete Bakenkette von NCDXF und IARU umfasst laut Betreiber nominell 18 Standorte, die nach einem festen Zeitplan nacheinander auf fünf Kurzwellenbändern senden. Je nach Wartungs- und Betriebszustand sind nicht immer alle gleichzeitig aktiv.

Der Clou steckt im Sendeablauf: Nach dem Rufzeichen folgen vier Striche mit 100 W, 10 W, 1 W und 100 mW. Wie viele Stufen du noch hörst, ist ein schneller Hinweis auf die Bedingungen zu dieser Bake - mitbestimmt allerdings auch von deiner eigenen Empfangsanlage und den Störungen bei dir vor Ort. Ein paar Minuten Zuhören zeigen so, welche Bänder gerade in welche Weltregion tragen, ohne einen einzigen Ruf abzusetzen.
⚠️ Was du hören darfst: Nach § 5 TDDDG dürfen mit einer Funkanlage nur Aussendungen abgehört werden, die für die Allgemeinheit, für einen unbestimmten Personenkreis, für Funkamateure oder für dich als Betreiber der Anlage bestimmt sind. Amateurfunk, Rundfunk und Bakensignale fallen darunter, ebenso andere Aussendungen, die sich erkennbar an die Allgemeinheit richten. Bei Nachrichten, die weder für dich noch für Funkamateure, die Allgemeinheit oder einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind, gilt: Weder der Inhalt noch die Tatsache des Empfangs darf weitergegeben werden - auch dann nicht, wenn du zufällig darauf gestoßen bist.

Was du dabei tatsächlich lernst

Amateurfunk ist eines der wenigen Hobbys, bei dem man nebenbei ein technisches Fachgebiet erarbeitet. Jedes Projekt hat einen Lerninhalt, der weit über das Hobby hinaus trägt:

ProjektWas du dabei verstehst
Einen Dipol berechnen und aufhängenWellenlänge, Resonanz, Verkürzungsfaktor, Anpassung
Das SWR messen und verbessernImpedanz, stehende Wellen, Leitungstheorie
Mit einem SDR das Spektrum beobachtenAbtastung, Filter, Modulationsarten, Bandbreite
FT8 oder WSPR empfangenSignal-Rausch-Abstand, Zeitsynchronisation, Fehlerkorrektur
Einen Satellitenüberflug verfolgenBahnmechanik, Dopplereffekt, Antennennachführung
Eine QRP-Verbindung fahrenLeistungsbilanz, Ausbreitung, Betriebstechnik
Eine Endstufe oder ein Netzteil aufbauenLeistungselektronik, Kühlung, Störungsarmut, Sicherheit

Welcher Zugang passt zu dir?

Amateurfunk ist breit genug, dass sehr verschiedene Menschen darin etwas finden. Ein paar typische Wege:

🔧 Der Tüftler

Löten, messen, verbessern. Antennen aus Draht, Bausätze, alte Röhrentechnik.

💻 Der Coder

Signale als Daten. SDR, Dekoder, eigene Auswertungen, Automatisierung.

🛰️ Der Entdecker

Was ist heute möglich? Ausbreitung, Satelliten, Weltraumwetter, Baken.

🎒 Der Outdoor-Fan

Funken, wo es schön ist. Gipfel, Naturparks, Portabelantennen, kleine Leistung.

🌍 Der Sammler

Länder, Inseln, Diplome, Conteste. Die Jagd nach der seltenen Station.

🆘 Der Vorsorger

Kommunikation, die ohne Netz funktioniert. Notfunk, Relais, unabhängige Technik.

Der Schlüssel zum Senden: die Amateurfunkzulassung

Zuhören darf jeder. Sobald du selbst senden willst, brauchst du eine Amateurfunkprüfung bei der Bundesnetzagentur. Sie ist kein Hindernislauf, sondern die Eintrittskarte in einen Bereich, in dem du innerhalb deiner Klasse, der Frequenznutzungsbestimmungen und der technischen Grenzwerte weitgehend selbst entscheidest, was du baust und ausprobierst.

Seit dem 24. Juni 2024 gibt es drei Klassen:

Klasse N - der schnelle Einstieg

Bänder: 10 m, 2 m, 70 cm
Leistung: 10 W ERP auf 10 m, 6,1 W ERP auf 2 m und 70 cm

Klasse E - die klassische Einsteigerklasse

Bänder: ausgewählte Kurzwellenbereiche (u.a. 160 m, 80 m, 15 m, 10 m) sowie unter anderem 2 m, 70 cm und 23 cm
Leistung: je nach Band bis 100 W PEP (auf 2 m und 70 cm 75 W PEP)

Klasse A - alle Möglichkeiten

Bänder: alle in Deutschland zugewiesenen Amateurfunkbänder
Leistung: je nach Frequenzbereich bis 750 W PEP

Welche Klasse zu dir passt, hängt davon ab, wie schnell du auf die Bänder willst und wohin es später gehen soll - die Seite Lizenzklassen im Vergleich stellt Frequenzen, Leistungen und Prüfungsumfang gegenüber.

Die Prüfung besteht aus drei Teilen: Technische Kenntnisse, Betriebliche Kenntnisse und Kenntnisse von Vorschriften. Betrieb und Vorschriften sind für alle Klassen identisch, nur der Technikteil unterscheidet sich. Deshalb ist der Aufstieg später bequem: Für den Wechsel von N oder E in eine höhere Klasse genügt eine Zusatzprüfung, die nur aus dem Technikteil besteht - auch direkt von N nach A.

📝 Zum Fragenkatalog: Die Bundesnetzagentur veröffentlicht einen Fragen- und Antwortenkatalog mit 1.750 Fragen, der die Prüfungsinhalte abbildet. Sie weist aber ausdrücklich darauf hin, dass "nicht ausschließlich Fragen und Antworten aus dem hier vorliegenden Katalog verwendet werden" müssen - es dürfen auch andere Fragen gestellt werden, die sich inhaltlich daran orientieren. Auswendiglernen reicht also nicht ganz; verstehen schon.

Alle Details zu Ablauf, Terminen, Kosten und Anmeldung stehen auf der Seite zur Amateurfunkprüfung. Üben kannst du direkt hier: In der Akademie ist jede Frage des Katalogs erklärt, dazu gibt es eine Prüfungssimulation unter echten Bedingungen.

Dein Rufzeichen

Nach bestandener Prüfung beantragst du dein Rufzeichen - eine international eindeutig identifizierbare Kennung. Deutsche Rufzeichen bestehen aus einem zweibuchstabigen Präfix (DA bis DR, ohne DE und DI), einer Ziffer und einem meist zwei- oder dreibuchstabigen Suffix. Präfix und Ziffer zusammen lassen oft erkennen, worum es sich handelt: Personengebundene Rufzeichen der Klasse N beginnen derzeit mit DN9, die der Klasse E mit DO1 bis DO9 oder DA6, die der Klasse A unter anderem mit DL1 bis DL9. Für Klubstationen, Ausbildung und Sonderzwecke gelten eigene Reihen. Welche Suffixe noch frei sind, kannst du vorher prüfen; wie sich die Zahl der Zulassungen über die Jahre entwickelt, zeigt die Rufzeichen-Statistik.

12db Rufzeichen-Tool: Plane dein Wunschrufzeichen und prüfe, welche Suffixe noch frei sind - mit Historie seit 2015.
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Dein erster Schritt

Du musst dich nicht sofort für eine Prüfung entscheiden. Sinnvoll ist die Reihenfolge andersherum: erst hören, dann bauen, dann senden.

  1. Heute noch: Öffne einen WebSDR und dreh über das 40-m-Band (7,0 bis 7,2 MHz). Abends ist dort häufig Betrieb. Wenn dich das packt, geht es weiter.
  2. Für 30 Euro: Besorg dir einen SDR-Stick und schau dir das Spektrum an deinem eigenen Standort an. Dekodiere Flugzeuge, such die Bakenkette, beobachte, wie sich die Bänder über den Tag verändern.
  3. Mit etwas Draht: Bau eine einfache Empfangsantenne. Der Unterschied zur mitgelieferten Teleskopantenne ist oft deutlich hörbar.
  4. Wenn du senden willst: Lern für die Prüfung - kostenlos hier auf 12db, mit allen 1.750 Fragen des BNetzA-Katalogs und Erklärungen dazu. Viele Einsteiger bereiten sich innerhalb einiger Wochen auf die Klasse N vor; wie lange es dauert, hängt von Vorkenntnissen und Lernzeit ab.
  5. Nicht allein: Viele Ortsverbände unterstützen beim Einstieg und beim ersten Aufbau. Der DARC unterhält rund 1.000 davon.

Was danach an Ausrüstung sinnvoll ist und was es kostet, steht im Ratgeber Erste Ausrüstung kaufen. Und falls dich noch die Frage umtreibt, ob sich das alles überhaupt lohnt: 12 Gründe, warum Amateurfunk nicht tot ist.

Der Weg zum eigenen Rufzeichen

Die Akademie führt dich Kapitel für Kapitel durch den Prüfungsstoff, zeigt deinen Fortschritt und lässt dich die Prüfung unter echten Bedingungen simulieren. Für Klasse N, E und A.

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Amateurfunk in Zahlen

Zum Einordnen ein paar Werte aus der Amateurfunk-Statistik der Bundesnetzagentur, Stand 31. Dezember 2025:

  • 61.105 personengebundene Amateurfunkzulassungen in Deutschland (Klasse A: 51.155, E: 9.133, N: 817)
  • 70.238 zugeteilte Rufzeichen insgesamt - dazu zählen 2.912 Klubstationen, 1.435 Ausbildungsrufzeichen sowie 4.786 Relais und Funkbaken
  • 2.261 Prüflinge im Jahr 2025; bestanden haben 631 die Klasse A, 706 die Klasse E und 753 die Klasse N

Bemerkenswert daran ist die letzte Zeile: Die 2024 eingeführte Einsteigerklasse N war im ersten vollen Jahr die am häufigsten bestandene Klasse. In absoluten Zahlen haben Länder wie die USA und Japan deutlich größere Amateurfunkgemeinden. Internationale Vergleiche bleiben aber grobe Anhaltspunkte, weil jedes Land anders zählt - mal Personen, mal Genehmigungen, mal Rufzeichen.

Ein Hobby mit Geschichte

Amateurfunk ist fast so alt wie die Funktechnik selbst. Schon in den 1920er Jahren experimentierten Technikbegeisterte mit selbstgebauten Sendern; 1927 wurden der Deutsche Sendedienst und der Deutsche Empfangsdienst zum Deutschen Amateur-Sende- und Empfangsdienst (DASD) zusammengeschlossen, dem Vorläufer des heutigen DARC. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde privater Amateurfunkbetrieb untersagt; nach Kriegsende verboten die Besatzungsmächte zunächst jeden privaten Sendebetrieb und ließen zahlreiche Geräte einziehen.

📦 Die Backsteinaktion: Am 15. Januar 1949 forderten deutsche Funkamateure sich gegenseitig auf, Backsteine an den Vorsitzenden des Wirtschaftsrats zu schicken - symbolisch zur "Untermauerung des Amateurfunkgesetzes". Berichten zufolge trafen so viele Steine ein, dass die Aktion erhebliche Aufmerksamkeit erregte. Am 23. März 1949 trat das Amateurfunkgesetz in Kraft, wenige Wochen vor dem Grundgesetz.

Diese Eigenständigkeit prägt das Hobby bis heute: Innerhalb der behördlich festgelegten Frequenznutzungen koordinieren die Verbände freiwillige Bandpläne und Betriebsvereinbarungen. Funkamateure, Ortsverbände und Vereine betreiben Relais, Baken und Teile des HAMNET ehrenamtlich - eines eigenen, IP-basierten Datennetzes. Vieles davon lässt sich unabhängig von öffentlichen Kommunikationsnetzen betreiben, was Funkamateure für den Notfunk interessant macht. Vollständig autark ist auch das nicht: Standorte, Stromversorgung und einzelne Verbindungen können ihrerseits ausfallen.

Häufige Fragen zum Amateurfunk

Was ist Amateurfunk eigentlich genau?

Amateurfunk ist ein eigener Funkdienst, der laut Definition der Internationalen Fernmeldeunion zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung und zur Völkerverständigung betrieben wird. Funkamateure bekommen dafür eigene Frequenzbereiche, dürfen Geräte selbst bauen und umbauen und deutlich mehr Sendeleistung nutzen als in lizenzfreien Funkanwendungen. Voraussetzung ist eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur.

Kann ich Amateurfunk ohne Lizenz hören?

Ja. Empfangen ist erlaubt und braucht keine Prüfung. Am schnellsten geht es über einen WebSDR im Browser, danach über einen eigenen SDR-Stick. Welche Aussendungen du mithören darfst und was du über sie nicht weitererzählen darfst, regelt § 5 TDDDG - die Einzelheiten stehen weiter oben.

Was kann man mit Amateurfunk machen außer sprechen?

Antennen und Geräte selbst bauen und vermessen, Satelliten und die ISS empfangen, mit FT8 oder WSPR Signale unter der Hörschwelle auswerten, den Mond als Reflektor nutzen, Daten für die Ionosphärenforschung liefern oder von Gipfeln und aus Parks funken. Der Funkbetrieb selbst ist nur eine von vielen Facetten.

Wie schwer ist die Amateurfunkprüfung?

Die Einstiegsklasse N ist mit gezielter Vorbereitung in wenigen Wochen zu schaffen. Geprüft werden drei Teile: Technik, Betriebstechnik und Vorschriften, jeweils im Multiple-Choice-Verfahren. Grundlage ist der Fragenkatalog der Bundesnetzagentur mit 1.750 Fragen. Die Behörde weist allerdings darauf hin, dass in der Prüfung auch andere Fragen gestellt werden dürfen, die sich inhaltlich an diesem Katalog orientieren - reines Auswendiglernen ist deshalb riskant.

Welche Klasse soll ich zuerst machen?

Wer schnell auf die Bänder will, startet mit der Klasse N. Wer Kurzwelle und damit weltweite Verbindungen anstrebt, ist mit Klasse E oder direkt mit Klasse A besser bedient. Ein späterer Aufstieg ist unkompliziert: Betriebstechnik und Vorschriften gelten für alle Klassen gleich, für den Wechsel in eine höhere Klasse genügt eine Zusatzprüfung im Technikteil.

Was kostet der Einstieg in den Amateurfunk?

Zum Reinhören reichen 0 Euro über einen WebSDR oder rund 30 Euro für einen SDR-Stick. Für den Sendebetrieb kommen Prüfungsgebühr und Rufzeichenzuteilung dazu, zusammen je nach Klasse etwa 88 bis 101 Euro, dazu jährlich rund 25 bis 32 Euro an Beiträgen. Ein einfaches Handfunkgerät gibt es ab etwa 40 Euro, eine selbstgebaute Drahtantenne kostet wenige Euro Material. Details stehen im Ratgeber zur ersten Ausrüstung.

Lohnt sich Amateurfunk noch, wo es doch Internet gibt?

Wenn es nur ums Reden ginge, wäre ein Messenger einfacher. Der Reiz liegt woanders: Funkamateure betreiben ihre Technik selbst, vom Gerät über die Antenne bis zur Ausbreitung. Sie arbeiten ohne fremde Infrastruktur, was im Notfunk zählt, liefern Daten für die Ionosphärenforschung und entwickeln Übertragungsverfahren mit. 2025 wurden in Deutschland 2.090 Prüfungen für die Klassen A, E und N erfolgreich abgelegt, die meisten davon in der neuen Einsteigerklasse N.

Hinweis: Stand dieser Übersicht: Juli 2026. Zeitabhängig sind vor allem die Statistik der Bundesnetzagentur (Stichtag 31.12.2025), der Betriebszustand von Satelliten, Relais und Baken, die Zahl öffentlicher Empfänger sowie Gerätepreise. Verbindlich sind immer die verlinkten Originalquellen, für rechtliche Fragen das Amateurfunkgesetz und die Amateurfunkverordnung in ihrer geltenden Fassung.

Quellen

  • Bundesnetzagentur: Statistische Angaben zum Amateurfunk in Deutschland, veröffentlicht am 02.01.2026 (Zulassungen und Rufzeichen zum 31.12.2025, Prüfungen 2025). bundesnetzagentur.de
  • Bundesnetzagentur: Prüfungsfragen zum Erwerb von Amateurfunkprüfungsbescheinigungen (Fragen- und Antwortenkatalog, März 2024). bundesnetzagentur.de
  • Bundesnetzagentur: Rufzeichenplan für den Amateurfunkdienst (Vfg. 15/2025, gültig ab 01.04.2025). bundesnetzagentur.de
  • § 5 AFuG 1997: Rechte und Pflichten des Funkamateurs. gesetze-im-internet.de
  • Anlage 1 AFuV: Frequenzbereiche und maximale Strahlungsleistungen je Lizenzklasse. gesetze-im-internet.de
  • WSJT-X User Guide: technische Eckdaten zu FT8 und WSPR (Zyklen, Bandbreite, Dekodierschwellen). wsjt.sourceforge.io
  • § 2 Funkanlagengesetz: Ausnahme für Bausätze und Umbauten von Funkamateuren. gesetze-im-internet.de
  • § 5 TDDDG: Abhörverbot und Geheimhaltungspflicht beim Funkempfang. gesetze-im-internet.de
  • NCDXF/IARU: International Beacon Project - Sendeplan und Leistungsstaffelung der 18 Baken. ncdxf.org
  • AMSAT-DL: QO-100 Transponder-Bandplan und Betriebshinweise. amsat-dl.org
  • ARISS: Frequenzen und Betriebsarten der Amateurfunkstationen auf der ISS. ariss.org
  • SatNOGS / Libre Space Foundation: offenes Netzwerk von Satelliten-Bodenstationen. satnogs.org
  • HamSCI: Erste Ergebnisse der Solar Eclipse QSO Party vom 08.04.2024. hamsci.org
  • Frissell et al.: Ionospheric Sounding Using Real-Time Amateur Radio Reporting Networks, Space Weather 12 (2014). agupubs.onlinelibrary.wiley.com
  • Frissell et al.: First Observations of Large Scale Traveling Ionospheric Disturbances Using Automated Amateur Radio Receiving Networks, Geophysical Research Letters (2022). agupubs.onlinelibrary.wiley.com
  • NASA: HamSCI als gelistetes Citizen-Science-Projekt. science.nasa.gov
  • ARRL: FT8 - Einführung und technische Eckdaten. arrl.org
  • ARRL: Why QRP? Definition der QRP-Leistungsgrenzen. arrl.org
  • SOTA: Programm und Gipfeldatenbank (Stand Juli 2026). sota.org.uk
  • POTA: Parks on the Air, Programmdaten und Jahresstatistik (Stand Juli 2026). parksontheair.com
  • ARRL: Field Day 2025 - Teilnehmerzahlen. arrl.org
  • CQ WW: Contest-Ergebnisse und Teilnehmerzahlen. cqww.com
  • RTL-SDR Blog: technische Daten und Preise des RTL-SDR V4. rtl-sdr.com
  • QRP Labs: Bausätze QCX+ und QDX. qrp-labs.com
  • DARC: Geschichte des Amateurfunks und Backsteinaktion. darc.de
  • Wikipedia: Funkamateur - internationale Statistik (Stand 2022). de.wikipedia.org

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