73 ist die bekannteste Abkürzung im Amateurfunk und bedeutet "Viele Grüße". Sie steht am Ende fast jedes Funkgesprächs, auf Millionen von QSL-Karten und unter unzähligen E-Mails. Bemerkenswert daran: Die 73 ist älter als der Funk selbst. Sie stammt aus der Drahttelegrafie des 19. Jahrhunderts und hat rund 167 Jahre, zwei Weltkriege und den Sprung ins Digitale überstanden.
−−··· ···−−. Ein angehängtes s ist unüblich. Und in FT8 sind 73 und RR73 strukturierte Standardnachrichten des Protokolls. Schnellzugriff
Was bedeutet 73?
Kurz gesagt: 73 ist ein Zahlencode aus der Telegrafie und steht für "best regards", auf Deutsch "Viele Grüße". Er wird zur Verabschiedung am Ende einer Funkverbindung gesendet und ist international weit verbreitet. Vorgeschrieben ist er nirgends, und im formellen Meldungsverkehr oder in Betriebsarten ohne freie Grußtexte spielt er keine Rolle.
Der DARC-Online-Lehrgang beschreibt die Übersetzung so: Eine wörtliche Entsprechung für "best regards" gibt es im Deutschen nicht, deshalb hat man die übliche Schlussfloskel eines Briefes genommen - "Viele Grüße". Genau das erklärt auch, warum man die 73 nicht steigern kann. Sie enthält das "viele" schon.
- "Danke für das nette QSO, Peter. 73 und bis zum nächsten Mal! DL1ABC macht QRT."
- "73 es 55, Hans - viel Erfolg beim Contest am Wochenende."
Warum 73 ohne angehängtes s geschrieben wird
Üblich und empfohlen ist die 73 ohne angehängtes s. Die Begründung: Der Zahlencode vertritt die Grußformel bereits vollständig, ein Plural braucht er nicht. Nach demselben Gedanken ist streng genommen auch "vy 73" (very 73) überflüssig - der DARC-Lehrgang weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die 73 nicht steigern lässt.
Ein sprachlicher Fehler ist "73s" damit allerdings nicht. 73 ist ein feststehender Zahlencode, keine grammatische Pluralform, und die Schreibweise mit s kommt auch auf Verbandsseiten vor. Es handelt sich um eine Stilkonvention: verbreitet, gepflegt und in traditionsbewussten Kreisen erwartet - aber keine Rechtschreibregel.
Zahlencode, Q-Gruppe, Betriebsabkürzung: drei verschiedene Systeme
Im Funkverkehr laufen drei Abkürzungssysteme nebeneinander her, die gern in einen Topf geworfen werden. Sie haben aber völlig verschiedene Herkunft und verschiedenen Verbindlichkeitsgrad:
| System | Beispiele | Herkunft | Verbindlichkeit |
|---|---|---|---|
| Zahlencodes | 73, 88, 55, 72, 99 | US-Drahttelegrafie ab 1859, einzelne Codes kamen später dazu | Nie amtlich geregelt, reine Tradition |
| Q-Gruppen | QRZ, QSY, QRP, QTH | Internationale Funktelegrafenkonferenz, London 1912 | Zwischenstaatlich festgelegt, heute bei der ITU |
| Betriebsabkürzungen | BK, TU, PSE, CUL, GL | Kürzel aus dem englischen Klartext | Informeller Betriebsjargon |
Die 73 gehört also in die erste Spalte: Sie ist kein Q-Code. Q-Gruppen sind immer dreibuchstabig, beginnen mit Q und wurden 1912 in London völkerrechtlich vereinbart, damit ein deutscher Funker ein russisches Schiff verstehen konnte. Die Zahlencodes dagegen sind aus der Praxis amerikanischer Telegrafisten in den Funk hineingewachsen, ohne dass je eine Behörde sie bestätigt hätte.
Prüfungsfragen zu Abkürzungen im Funkverkehr
Vier Fragen aus dem Fragenkatalog
Die 73 selbst kommt im Fragenkatalog nicht vor - das Abkürzungssystem drumherum sehr wohl. Fragetext und Antworten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
BB101 Warum werden insbesondere in der Telegrafie (z. B. CW, JS8, RTTY) betriebliche Abkürzungen und Q-Gruppen verwendet?
- Der Betriebsablauf wird vereinfacht und der zu übertragende Informationsgehalt pro Zeiteinheit optimiert.
- Der Informationsgehalt einer Aussendung wird verschleiert und ist damit für Unbeteiligte nicht verständlich.
- Sie werden bei Verbindungen über Amateurfunksatelliten benutzt, um den Dopplereffekt durch kürzere Durchgänge zu vermeiden.
- Sie werden als Kennung beim Amateurfunkpeilen genutzt, um die Sender zu kennzeichnen.
BB107 Was bedeutet die Abkürzung "CW" im Amateurfunk?
- Continuous Wave
- Codewort
- Calling Wide
- Contestwertung
BB108 Was bedeutet die Betriebsabkürzung "BK" in Telegrafie?
- Signal zur Unterbrechung einer laufenden Sendung; wird auch zur formlosen Übergabe genutzt
- Alles richtig verstanden; wird auch zur schnellen Beendigung eines Funkkontakts genutzt
- Bitte warten; wird auch zur schnellen Anforderung eines Rapports genutzt
- Beendigung des Funkverkehrs; wird auch zur formlosen Begrüßung genutzt
BE115 Was bedeutet die Betriebsabkürzung "QRZ?" im Amateurfunk?
- Von wem werde ich gerufen? In Pile-Ups auch: Aufruf weiterer Stationen
- Sind Sie bereit? Im Contest auch: Alles aufgenommen?
- Wie ist Ihr Standort? Im Contest auch: Wie ist Ihre Entfernung?
- Können Sie den Empfang bestätigen? In Pile-Ups auch: Aufforderung zum Rapport
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klasse N). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Woher die 73 kommt
Der 92-Code der Western Union
1859 führte die Telegrafengesellschaft Western Union eine Liste ein, die als 92-Code in die Geschichte einging: die Zahlen 1 bis 92, jede für einen kompletten Standardsatz. Der Zweck war betriebswirtschaftlich, nicht romantisch. Leitungszeit kostete Geld, und wer statt eines ganzen Satzes zwei Ziffern tastete, sparte bares Geld.
Die überlieferte Liste aus Dodge's "The Telegraph Instructor" zeigt, wie das aussah:
| Zahl | Bedeutung im 92-Code |
|---|---|
| 13 | I understand |
| 73 | Best regards |
| 77 | I have a message for you |
| 88 | Love and kisses |
| 92 | Deliver promptly |
Der spätere Phillips Code von Walter P. Phillips (ab 1879, für die Nachrichtenagentur Associated Press) nahm den 92-Code als Teilmenge in ein weit größeres Abkürzungssystem mit über 4000 Einträgen auf. Nur eine Handvoll dieser Kürzel hat überlebt - die 73 ist die erfolgreichste davon.
Die These vom Liebesgruß
In vielen Darstellungen steht, 73 habe ursprünglich "my love to you" bedeutet und erst später "best regards". Diese Version geht auf einen einzigen Text zurück, den von Louise Ramsey Moreau (W3WRE), der eine Publikation von April 1857 anführt: "The National Telegraphic Review and Operators' Guide". Der Text wird seit Jahrzehnten wörtlich weitergereicht.
Wie die Zahlen zum Funk kamen
Der Übergang lief ohne Beschluss und ohne Datum. Die ersten Funktelegrafisten waren Leute, die vorher an der Drahtleitung gesessen hatten, und sie brachten ihr Vokabular einfach mit. Wann genau Funkamateure die 73 übernahmen, lässt sich aus den Quellen nicht bestimmen.
Parallel dazu, aber vollkommen getrennt, entstand das System der Q-Gruppen. Die britische Post veröffentlichte um 1909 eine erste Liste von Zweibuchstaben-Abkürzungen für den Verkehr zwischen Küstenfunkstellen und Schiffen. Die Zweite Internationale Funktelegraphenkonferenz in London übernahm sie, stellte ein Q davor und machte daraus 45 Q-Gruppen. Unterzeichnet am 5. Juli 1912, in Kraft seit 1. Juli 1913.
72, 88, 55 und der Rest
Neben der 73 kursieren weitere Zahlencodes. Ihr Status ist allerdings sehr unterschiedlich - manche hört man täglich, andere existieren praktisch nur in Abkürzungslisten:
| Code | Bedeutung | Wie gebräuchlich? |
|---|---|---|
| 55 | Viel Erfolg | Im deutschsprachigen Raum gebräuchlich, oft zusammen mit 73 |
| 72 | Viele Grüße unter QRP-Stationen | In der QRP-Szene fest etabliert |
| 73 | Viele Grüße | Weltweiter Standard in allen Betriebsarten |
| 77 | Ursprünglich: Ich habe eine Nachricht für dich | Historisch belegt, heute ungebräuchlich |
| 88 | Liebe und Küsse | Gebräuchlich, meist im QSO mit einer YL |
| 99 | Verschwinde | Bekannt, aber bewusst gemieden |
72 - der Gruß der Kleinleistungsfunker
Die 72 ist die mit Abstand jüngste Zahl in dieser Liste. Der Gedanke dahinter ist ein Wortspiel: Wer mit weniger Leistung funkt, gibt auch beim Gruß eine Nummer weniger. Die QRP-Szene schreibt sie meist dem russischen Funkamateur Oleg Borodin (RV3GM) zu, dem Gründer des "Club72", und datiert sie auf die späten 1980er-Jahre. Belegt ist das nur über spätere Darstellungen; eine zeitgenössische Quelle für die Erstverwendung gibt es nicht. Sicher ist dagegen, dass die 72 in den historischen Listen von 1859, 1864 und 1908 nicht vorkommt.
Zwei QRP-Stationen tauschen sie am Ende des QSOs wie einen Handschlag: "TU es 72". Wer nicht mit QRP arbeitet, sendet trotzdem 73 - die 72 ist ausdrücklich ein Erkennungszeichen, kein allgemeiner Ersatz.
88 - Liebe und Küsse
Die 88 steht bereits in den überlieferten Listen des 92-Codes für "love and kisses" und hat diese Bedeutung behalten. Der DARC-Lehrgang beschreibt die heutige Verwendung: vor allem von englischsprachigen Funkamateuren im QSO mit einer YL gesendet, als Begrüßungs- oder Abschiedsküsschen und ausdrücklich nichts Anstößiges. Eine strenge Regel ist das nicht: Auch unter Freunden und in Familien wird die 88 unabhängig vom Geschlecht getauscht.
55 - viel Erfolg
Die 55 führt der DARC-Lehrgang unter den rein deutschen Abkürzungen. In amerikanischen Zusammenstellungen taucht "55 = lots of success" allerdings ebenfalls auf, und zwar mit Verweis auf dieselbe Telegrafietradition. Sie ist also vermutlich kein deutsches Original, sondern eine Zahl, die sich hierzulande gehalten hat, während sie anderswo aus der Mode kam. In der allgemeinen Abkürzungsliste der deutschen Wikipedia fehlt sie ganz - ein Hinweis darauf, wie schmal ihr Verbreitungsgebiet ist.
77 und 99 - zwei Zahlen mit Beipackzettel
Bei diesen beiden lohnt sich der genaue Blick, weil im Netz und in vielen Abkürzungslisten Falsches steht.
Das liest man häufig, belegen lässt es sich nicht. In den überlieferten Originallisten des 92-Codes bedeutet 77 etwas völlig anderes, nämlich "I have a message for you". Wann und warum moderne Sammlungen daraus einen CW-Gruß gemacht haben, ist in keiner belastbaren Quelle dokumentiert. Wer 77 als Gruß sendet, wird also im Zweifel nicht verstanden.
Die 99 ist der einzige Code der Reihe, der nicht freundlich gemeint ist. Sie steht für "verschwinde" beziehungsweise "verlasse die Frequenz". Zwei Punkte dazu, die man auseinanderhalten sollte:
- Historisch: Die 99 gehört nicht zum eigentlichen 92-Code - der endet bei 92. Sie taucht erst in späteren Zusammenstellungen auf, und schon deren Autoren kennzeichnen sie als "probably unofficial". Die englische Wikipedia führt sie ausdrücklich als informellen, nie offiziell aufgenommenen Code.
- Heute: Der DARC-Lehrgang formuliert unmissverständlich: "Die 99 sollten Sie nicht verwenden." Wer jemanden zum Frequenzwechsel bewegen will, sendet stattdessen PSE QSY in Telegrafie oder bittet im Sprechfunk höflich darum.
73 in der Praxis
Im Sprechfunk
Auf Deutsch wird 73 als Zahlwort gesprochen: "dreiundsiebzig". Im Englischen gilt dasselbe Prinzip mit "seventy-three". Ziffernweises "sieben-drei" hört man kaum - eine Vorschrift ist das aber nicht, sondern gewachsene Praxis.
Die 73 ist dabei nicht auf Telegrafie beschränkt, auch wenn sie dort entstanden ist. Der DARC-Lehrgang stellt ausdrücklich klar, dass die vorgestellten Abkürzungen "nicht nur in Morse-Telegrafie, sondern auch im Sprechfunk, auf Funkbestätigungen oder im Briefwechsel" verwendet werden.
In Telegrafie
In CW wird die 73 als zwei vollständige Ziffern getastet:
−−··· (7) + ···−− (3)Die Zeichen entsprechen dem internationalen Morsecode nach ITU-R M.1677-1.
Im Contest kürzen viele Stationen Ziffern ab, indem sie sogenannte Cut Numbers tasten - aus 599 wird 5NN, aus 100 wird 1TT. Die 73 bleibt dabei üblicherweise außen vor. Sie steht in den einschlägigen CW-Abkürzungstabellen als eigenständige Abkürzung, nicht als Zahl in einer Zahlenreihe. Dass im Einzelfall niemand eine verkürzte Form tastet, lässt sich daraus nicht ableiten - allgemein verständlich und üblich sind die vollen Zeichen.
In FT8: die 73 wird zum Protokollbaustein
Hier bekommt die 73 eine technische Rolle. Sie gehört zu den wenigen strukturierten Standardnachrichten, die das Protokoll überhaupt kennt, und markiert den Abschluss. Ein eigener Durchgang dafür ist aber nicht zwingend: Wer RR73 sendet, hat die Verabschiedung bereits mitgeschickt, und das Handbuch nennt die abschließende 73 dann ausdrücklich optional. Der Ablauf einer vollständigen Verbindung sieht so aus:
| Durchgang | Nachricht | Was passiert |
|---|---|---|
| 1 | CQ DM5AHA JO60 | Allgemeiner Anruf mit Locator |
| 2 | DM5AHA DG0JCG JO60 | Antwort auf den Anruf |
| 3 | DG0JCG DM5AHA -05 | Signalrapport in dB |
| 4 | DM5AHA DG0JCG R-10 | Rapport zurück, mit R für "empfangen" |
| 5 | DG0JCG DM5AHA RR73 | Bestätigung und Verabschiedung in einem |
| 6 | DM5AHA DG0JCG 73 | Abschließende Verabschiedung |
Was RR73 von RRR und 73 unterscheidet
Im Durchgang 5 stehen drei Varianten zur Wahl, und der Unterschied ist praktisch relevant:
- RRR heißt nur "alles empfangen" - danach muss die Gegenstation noch ein 73 senden.
- RR73 packt beides in eine Nachricht und spart damit einen Durchgang, also 15 Sekunden. Technisch ein hübscher Trick: RR73 ist als Locator codiert, und zwar als einer, den es auf der Erde nicht gibt.
- 73 allein ist der reine Abschiedsgruß ohne Empfangsbestätigung.
Der DARC-Vortrag zur Betriebsart bringt es auf eine Merkregel: QSOs nicht abkürzen, und auch das RR73 wiederholen, solange kein 73 zurückgekommen ist.
Wo die 73 nichts zu suchen hat
So freundlich sie ist: Es gibt Situationen, in denen die 73 weggelassen wird - nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil sie dort im Weg steht.
Im Pile-Up und bei DXpeditionen
Wenn eine seltene Station hundert Anrufer gleichzeitig abarbeitet, zählt jede Sekunde. Im DXpedition-Modus von FT8 antwortet die gerufene Station auf einen richtig empfangenen Rapport mit RR73 und betrachtet das QSO damit als abgeschlossen. Die Empfangsbestätigung samt Gruß bleibt also Bestandteil des Protokolls - was entfällt, ist allein der zusätzliche Durchgang mit einer separaten 73. Auch in klassischen Pile-Ups auf Kurzwelle beendet die DX-Station ein QSO meist mit einem knappen "TU" und ruft sofort weiter. Das ist keine Unfreundlichkeit, sondern Rücksicht auf die, die noch warten.
Im Notfunk
Das Notfunkhandbuch des DARC verlangt für den Meldungsverkehr eine klare Sprache: "Verwende nur Klartext, keine Q-Gruppen", und ausdrücklich die "Vermeidung von amateurfunkspezifischen Fachbegriffen und Abkürzungen" in der Zusammenarbeit mit Behörden und Hilfsorganisationen. Empfangene Meldungen werden mit "Verstanden" bestätigt, nicht mit einem Kürzel.
73 außerhalb des Funkverkehrs
Die 73 hat den Sprung aus dem Äther heraus geschafft. Sie steht unter E-Mails, in Forenbeiträgen, auf Visitenkarten und in Vereinszeitschriften - fast immer in der Form "73 de DL1ABC", also mit dem Kürzel "de" für "von".
Auf der QSL-Karte ist sie fester Bestandteil der Abschlusszeile. Für die Anerkennung eines Diploms ist sie ohne Belang, dort zählen Datum, Uhrzeit in UTC, Band, Betriebsart und Rapport - aber ohne 73 wirkt eine QSL-Karte seltsam kahl.
Sechs verbreitete Irrtümer
| Behauptung | Wie es wirklich ist |
|---|---|
| "73s ist die korrekte Mehrzahl" | Die 73 vertritt die Grußformel schon vollständig, ein s ist deshalb unüblich. Ein sprachlicher Fehler ist es nicht, sondern eine Stilkonvention. |
| "73 ist ein Q-Code" | Q-Gruppen beginnen mit Q und wurden 1912 international vereinbart. Die 73 ist ein Zahlencode aus der Drahttelegrafie von 1859 und wurde nie amtlich festgelegt. |
| "77 heißt Long live CW" | Nicht belegbar. Im historischen 92-Code bedeutet 77 "I have a message for you". |
| "88 ist nur für Frauen" | Traditionell wird die 88 vor allem im QSO mit einer YL gesendet, eine Regel ist das aber nicht. |
| "Früher funkte man 60 Buchstaben pro Minute, deshalb die Abkürzungen" | Geübte Telegrafisten arbeiteten mit rund 25 bis 50 Wörtern pro Minute, das sind etwa 125 bis 250 Zeichen. Der Grund für die Abkürzungen war ohnehin nicht die Geschwindigkeit, sondern der Preis pro Leitungsminute. |
| "In FT8 ist die 73 nur Zierde" | Sie ist eine der wenigen Standardnachrichten des Protokolls und markiert das QSO-Ende. RR73 ersetzt sie, RRR nicht. |
Vom Gruß zur Lizenz
73, Q-Gruppen, Rapporte, Rufzeichen, Bandpläne: Die Betriebstechnik ist der Teil der Amateurfunkprüfung, der am schnellsten sitzt - weil man ihn beim Zuhören auf dem Band jeden Abend wiederfindet. Der Lernbereich führt dich mit den Originalfragen der Bundesnetzagentur durch alle drei Prüfungsteile.
Prüfungsvorbereitung startenHäufige Fragen zu 73
Was bedeutet 73 im Amateurfunk?
73 bedeutet "Viele Grüße" (englisch "best regards") und ist die übliche Verabschiedung am Ende einer Funkverbindung. Der Code stammt aus der Drahttelegrafie und wird heute in allen Betriebsarten verwendet, von Telegrafie über Sprechfunk bis FT8.
Heißt es 73 oder 73s?
Üblich und empfohlen ist 73 ohne angehängtes s, weil die Zahl die Grußformel bereits vollständig vertritt. Formen wie "73s" kommen durchaus vor, gelten aber vielen Funkamateuren als unnötig. Ein sprachlicher Fehler ist es nicht, sondern eine Stilkonvention.
Woher kommt die 73?
Aus dem 92-Code der US-Telegrafengesellschaft Western Union von 1859, einer Liste von 92 Zahlen für vorgefertigte Standardsätze. Dort bedeutete 73 bereits "best regards". Ob die Zahl davor, um 1857, den Liebesgruß "my love to you" bezeichnete, ist nur einfach belegt und nicht gesichert.
Ist 73 ein Q-Code?
Nein. Q-Gruppen wie QRZ oder QSY sind dreibuchstabig, beginnen mit Q und wurden 1912 auf der Internationalen Funktelegraphenkonferenz in London zwischenstaatlich festgelegt. Die 73 ist ein Zahlencode aus der Drahttelegrafie, rund 50 Jahre älter und nie amtlich geregelt.
Was bedeutet RR73 in FT8?
RR73 fasst die Empfangsbestätigung (RRR) und die Verabschiedung (73) in einer Nachricht zusammen und spart damit einen Durchgang von 15 Sekunden. Das Handbuch von WSJT-X empfiehlt, RR73 nur zu senden, wenn keine Wiederholung mehr zu erwarten ist, weil man das QSO sonst loggt, ohne zu wissen, ob die Gegenstation es aufgenommen hat.
Was bedeutet 72 im Amateurfunk?
72 ist der Gruß unter Stationen, die mit kleiner Leistung arbeiten. Der Gedanke ist ein Wortspiel: weniger Leistung, eine Nummer weniger beim Gruß. Die QRP-Szene schreibt ihn meist Oleg Borodin (RV3GM) und den späten 1980er-Jahren zu; belegt ist das nur über spätere Darstellungen. Sicher ist, dass 72 in den historischen Telegrafielisten nicht vorkommt.
Was bedeutet 88 im Amateurfunk?
88 bedeutet "Liebe und Küsse" und steht bereits in den überlieferten Listen des 92-Codes. Traditionell wird die 88 vor allem im QSO mit einer YL gesendet, also einer Funkamateurin. Eine feste Regel ist das nicht.
Warum soll man die 99 nicht verwenden?
99 heißt sinngemäß "verschwinde" und ist der einzige Code der Reihe, der nicht freundlich gemeint ist. Der DARC-Lehrgang rät ausdrücklich davon ab. Wer jemanden zum Frequenzwechsel bewegen möchte, sendet stattdessen PSE QSY oder bittet im Sprechfunk höflich darum. Historisch gehört die 99 ohnehin nicht zum offiziellen 92-Code, sondern gilt als späterer inoffizieller Zusatz.