73 ist die bekannteste Abkürzung im Amateurfunk und bedeutet "Viele Grüße". Sie steht am Ende fast jedes Funkgesprächs, auf Millionen von QSL-Karten und unter unzähligen E-Mails. Bemerkenswert daran: Die 73 ist älter als der Funk selbst. Sie stammt aus der Drahttelegrafie des 19. Jahrhunderts und hat rund 167 Jahre, zwei Weltkriege und den Sprung ins Digitale überstanden.

💡 Kurzfassung: 73 heißt "Viele Grüße" und wird üblicherweise als "dreiundsiebzig" gesprochen. In Morsetelegrafie: −−··· ···−−. Ein angehängtes s ist unüblich. Und in FT8 sind 73 und RR73 strukturierte Standardnachrichten des Protokolls.

Was bedeutet 73?

Kurz gesagt: 73 ist ein Zahlencode aus der Telegrafie und steht für "best regards", auf Deutsch "Viele Grüße". Er wird zur Verabschiedung am Ende einer Funkverbindung gesendet und ist international weit verbreitet. Vorgeschrieben ist er nirgends, und im formellen Meldungsverkehr oder in Betriebsarten ohne freie Grußtexte spielt er keine Rolle.

Der DARC-Online-Lehrgang beschreibt die Übersetzung so: Eine wörtliche Entsprechung für "best regards" gibt es im Deutschen nicht, deshalb hat man die übliche Schlussfloskel eines Briefes genommen - "Viele Grüße". Genau das erklärt auch, warum man die 73 nicht steigern kann. Sie enthält das "viele" schon.

✅ So klingt das im QSO:
  • "Danke für das nette QSO, Peter. 73 und bis zum nächsten Mal! DL1ABC macht QRT."
  • "73 es 55, Hans - viel Erfolg beim Contest am Wochenende."

Warum 73 ohne angehängtes s geschrieben wird

Üblich und empfohlen ist die 73 ohne angehängtes s. Die Begründung: Der Zahlencode vertritt die Grußformel bereits vollständig, ein Plural braucht er nicht. Nach demselben Gedanken ist streng genommen auch "vy 73" (very 73) überflüssig - der DARC-Lehrgang weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die 73 nicht steigern lässt.

Ein sprachlicher Fehler ist "73s" damit allerdings nicht. 73 ist ein feststehender Zahlencode, keine grammatische Pluralform, und die Schreibweise mit s kommt auch auf Verbandsseiten vor. Es handelt sich um eine Stilkonvention: verbreitet, gepflegt und in traditionsbewussten Kreisen erwartet - aber keine Rechtschreibregel.

⚠️ Und trotzdem steht "VY 73" auf jeder zweiten QSL-Karte. Das Merkblatt des DARC zur QSL-Karte führt "TNX/PSE QSL VY 73 de ..." selbst als Standard-Abschlusszeile auf. Die Regel ist also eine gepflegte Konvention der Funkgemeinschaft, keine Norm - und "vy 73" ist so eingebürgert, dass niemand daran Anstoß nimmt.

Zahlencode, Q-Gruppe, Betriebsabkürzung: drei verschiedene Systeme

Im Funkverkehr laufen drei Abkürzungssysteme nebeneinander her, die gern in einen Topf geworfen werden. Sie haben aber völlig verschiedene Herkunft und verschiedenen Verbindlichkeitsgrad:

SystemBeispieleHerkunftVerbindlichkeit
Zahlencodes73, 88, 55, 72, 99US-Drahttelegrafie ab 1859, einzelne Codes kamen später dazuNie amtlich geregelt, reine Tradition
Q-GruppenQRZ, QSY, QRP, QTHInternationale Funktelegrafenkonferenz, London 1912Zwischenstaatlich festgelegt, heute bei der ITU
BetriebsabkürzungenBK, TU, PSE, CUL, GLKürzel aus dem englischen KlartextInformeller Betriebsjargon

Die 73 gehört also in die erste Spalte: Sie ist kein Q-Code. Q-Gruppen sind immer dreibuchstabig, beginnen mit Q und wurden 1912 in London völkerrechtlich vereinbart, damit ein deutscher Funker ein russisches Schiff verstehen konnte. Die Zahlencodes dagegen sind aus der Praxis amerikanischer Telegrafisten in den Funk hineingewachsen, ohne dass je eine Behörde sie bestätigt hätte.

Genau diese Unterscheidung wird abgefragt. In der Prüfung Betriebliche Kenntnisse geht es weniger um die 73 selbst als darum, wofür Abkürzungen und Q-Gruppen überhaupt da sind - und was einzelne davon bedeuten.
Betriebstechnik für die Prüfung lernen

Prüfungsfragen zu Abkürzungen im Funkverkehr

Vier Fragen aus dem Fragenkatalog

Die 73 selbst kommt im Fragenkatalog nicht vor - das Abkürzungssystem drumherum sehr wohl. Fragetext und Antworten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

BB101 Warum werden insbesondere in der Telegrafie (z. B. CW, JS8, RTTY) betriebliche Abkürzungen und Q-Gruppen verwendet?

  • Der Betriebsablauf wird vereinfacht und der zu übertragende Informationsgehalt pro Zeiteinheit optimiert.
  • Der Informationsgehalt einer Aussendung wird verschleiert und ist damit für Unbeteiligte nicht verständlich.
  • Sie werden bei Verbindungen über Amateurfunksatelliten benutzt, um den Dopplereffekt durch kürzere Durchgänge zu vermeiden.
  • Sie werden als Kennung beim Amateurfunkpeilen genutzt, um die Sender zu kennzeichnen.

BB107 Was bedeutet die Abkürzung "CW" im Amateurfunk?

  • Continuous Wave
  • Codewort
  • Calling Wide
  • Contestwertung

BB108 Was bedeutet die Betriebsabkürzung "BK" in Telegrafie?

  • Signal zur Unterbrechung einer laufenden Sendung; wird auch zur formlosen Übergabe genutzt
  • Alles richtig verstanden; wird auch zur schnellen Beendigung eines Funkkontakts genutzt
  • Bitte warten; wird auch zur schnellen Anforderung eines Rapports genutzt
  • Beendigung des Funkverkehrs; wird auch zur formlosen Begrüßung genutzt

BE115 Was bedeutet die Betriebsabkürzung "QRZ?" im Amateurfunk?

  • Von wem werde ich gerufen? In Pile-Ups auch: Aufruf weiterer Stationen
  • Sind Sie bereit? Im Contest auch: Alles aufgenommen?
  • Wie ist Ihr Standort? Im Contest auch: Wie ist Ihre Entfernung?
  • Können Sie den Empfang bestätigen? In Pile-Ups auch: Aufforderung zum Rapport

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klasse N). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

Woher die 73 kommt

Der 92-Code der Western Union

1859 führte die Telegrafengesellschaft Western Union eine Liste ein, die als 92-Code in die Geschichte einging: die Zahlen 1 bis 92, jede für einen kompletten Standardsatz. Der Zweck war betriebswirtschaftlich, nicht romantisch. Leitungszeit kostete Geld, und wer statt eines ganzen Satzes zwei Ziffern tastete, sparte bares Geld.

Die überlieferte Liste aus Dodge's "The Telegraph Instructor" zeigt, wie das aussah:

ZahlBedeutung im 92-Code
13I understand
73Best regards
77I have a message for you
88Love and kisses
92Deliver promptly
💡 Die Bedeutung stand nicht von Anfang an fest. Die erhaltenen Handbücher geben für 73 unterschiedliche Wortlaute: "accept my compliments", "my compliments", "best regards". Die ARRL beschreibt sogar drei Stufen - 1857 ein persönlicher Gruß, danach eine kollegiale Grußformel unter Telegrafisten, 1859 "accept my compliments". Auf die heutige Fassung "best regards" pendelte sich der Code erst um 1908 ein. Wer also sagt, 73 habe "schon immer" Viele Grüße geheißen, verkürzt einen Wandel über ein halbes Jahrhundert.

Der spätere Phillips Code von Walter P. Phillips (ab 1879, für die Nachrichtenagentur Associated Press) nahm den 92-Code als Teilmenge in ein weit größeres Abkürzungssystem mit über 4000 Einträgen auf. Nur eine Handvoll dieser Kürzel hat überlebt - die 73 ist die erfolgreichste davon.

Die These vom Liebesgruß

In vielen Darstellungen steht, 73 habe ursprünglich "my love to you" bedeutet und erst später "best regards". Diese Version geht auf einen einzigen Text zurück, den von Louise Ramsey Moreau (W3WRE), der eine Publikation von April 1857 anführt: "The National Telegraphic Review and Operators' Guide". Der Text wird seit Jahrzehnten wörtlich weitergereicht.

⚠️ Vorsicht mit dieser Geschichte. Sie ist zwar hübsch, aber nur einfach belegt - das Originaldokument von 1857 taucht in keiner der greifbaren Quellen im Faksimile auf. Ein älterer und unabhängiger Strang, ein Bulletin des US Navy Department vom Dezember 1934, wiedergegeben in der QST vom April 1935, kennt weder das Jahr 1857 noch die Bedeutung "my love to you". Dort entsteht der Code erst auf einer Telegrafisten-Konferenz 1859, und 73 heißt von Anfang an "my compliments". Beide Versionen stehen nebeneinander im Raum. Wer die Liebesgruß-Variante erzählt, sollte dazusagen, dass sie nicht gesichert ist.

Wie die Zahlen zum Funk kamen

Der Übergang lief ohne Beschluss und ohne Datum. Die ersten Funktelegrafisten waren Leute, die vorher an der Drahtleitung gesessen hatten, und sie brachten ihr Vokabular einfach mit. Wann genau Funkamateure die 73 übernahmen, lässt sich aus den Quellen nicht bestimmen.

Parallel dazu, aber vollkommen getrennt, entstand das System der Q-Gruppen. Die britische Post veröffentlichte um 1909 eine erste Liste von Zweibuchstaben-Abkürzungen für den Verkehr zwischen Küstenfunkstellen und Schiffen. Die Zweite Internationale Funktelegraphenkonferenz in London übernahm sie, stellte ein Q davor und machte daraus 45 Q-Gruppen. Unterzeichnet am 5. Juli 1912, in Kraft seit 1. Juli 1913.

📜 Die Reihenfolge merken: Erst die Zahlencodes der Drahttelegrafie (1859), dann die Q-Gruppen des Funks (1912). Die 73 ist rund ein halbes Jahrhundert älter als QRZ, QSY und QTH - und sie ist die einzige der beiden Gruppen, die nie eine Behörde beschlossen hat.

72, 88, 55 und der Rest

Neben der 73 kursieren weitere Zahlencodes. Ihr Status ist allerdings sehr unterschiedlich - manche hört man täglich, andere existieren praktisch nur in Abkürzungslisten:

CodeBedeutungWie gebräuchlich?
55Viel ErfolgIm deutschsprachigen Raum gebräuchlich, oft zusammen mit 73
72Viele Grüße unter QRP-StationenIn der QRP-Szene fest etabliert
73Viele GrüßeWeltweiter Standard in allen Betriebsarten
77Ursprünglich: Ich habe eine Nachricht für dichHistorisch belegt, heute ungebräuchlich
88Liebe und KüsseGebräuchlich, meist im QSO mit einer YL
99VerschwindeBekannt, aber bewusst gemieden

72 - der Gruß der Kleinleistungsfunker

Die 72 ist die mit Abstand jüngste Zahl in dieser Liste. Der Gedanke dahinter ist ein Wortspiel: Wer mit weniger Leistung funkt, gibt auch beim Gruß eine Nummer weniger. Die QRP-Szene schreibt sie meist dem russischen Funkamateur Oleg Borodin (RV3GM) zu, dem Gründer des "Club72", und datiert sie auf die späten 1980er-Jahre. Belegt ist das nur über spätere Darstellungen; eine zeitgenössische Quelle für die Erstverwendung gibt es nicht. Sicher ist dagegen, dass die 72 in den historischen Listen von 1859, 1864 und 1908 nicht vorkommt.

Zwei QRP-Stationen tauschen sie am Ende des QSOs wie einen Handschlag: "TU es 72". Wer nicht mit QRP arbeitet, sendet trotzdem 73 - die 72 ist ausdrücklich ein Erkennungszeichen, kein allgemeiner Ersatz.

88 - Liebe und Küsse

Die 88 steht bereits in den überlieferten Listen des 92-Codes für "love and kisses" und hat diese Bedeutung behalten. Der DARC-Lehrgang beschreibt die heutige Verwendung: vor allem von englischsprachigen Funkamateuren im QSO mit einer YL gesendet, als Begrüßungs- oder Abschiedsküsschen und ausdrücklich nichts Anstößiges. Eine strenge Regel ist das nicht: Auch unter Freunden und in Familien wird die 88 unabhängig vom Geschlecht getauscht.

55 - viel Erfolg

Die 55 führt der DARC-Lehrgang unter den rein deutschen Abkürzungen. In amerikanischen Zusammenstellungen taucht "55 = lots of success" allerdings ebenfalls auf, und zwar mit Verweis auf dieselbe Telegrafietradition. Sie ist also vermutlich kein deutsches Original, sondern eine Zahl, die sich hierzulande gehalten hat, während sie anderswo aus der Mode kam. In der allgemeinen Abkürzungsliste der deutschen Wikipedia fehlt sie ganz - ein Hinweis darauf, wie schmal ihr Verbreitungsgebiet ist.

77 und 99 - zwei Zahlen mit Beipackzettel

Bei diesen beiden lohnt sich der genaue Blick, weil im Netz und in vielen Abkürzungslisten Falsches steht.

❌ "77 bedeutet Long live CW"
Das liest man häufig, belegen lässt es sich nicht. In den überlieferten Originallisten des 92-Codes bedeutet 77 etwas völlig anderes, nämlich "I have a message for you". Wann und warum moderne Sammlungen daraus einen CW-Gruß gemacht haben, ist in keiner belastbaren Quelle dokumentiert. Wer 77 als Gruß sendet, wird also im Zweifel nicht verstanden.

Die 99 ist der einzige Code der Reihe, der nicht freundlich gemeint ist. Sie steht für "verschwinde" beziehungsweise "verlasse die Frequenz". Zwei Punkte dazu, die man auseinanderhalten sollte:

  • Historisch: Die 99 gehört nicht zum eigentlichen 92-Code - der endet bei 92. Sie taucht erst in späteren Zusammenstellungen auf, und schon deren Autoren kennzeichnen sie als "probably unofficial". Die englische Wikipedia führt sie ausdrücklich als informellen, nie offiziell aufgenommenen Code.
  • Heute: Der DARC-Lehrgang formuliert unmissverständlich: "Die 99 sollten Sie nicht verwenden." Wer jemanden zum Frequenzwechsel bewegen will, sendet stattdessen PSE QSY in Telegrafie oder bittet im Sprechfunk höflich darum.

73 in der Praxis

Im Sprechfunk

Auf Deutsch wird 73 als Zahlwort gesprochen: "dreiundsiebzig". Im Englischen gilt dasselbe Prinzip mit "seventy-three". Ziffernweises "sieben-drei" hört man kaum - eine Vorschrift ist das aber nicht, sondern gewachsene Praxis.

Die 73 ist dabei nicht auf Telegrafie beschränkt, auch wenn sie dort entstanden ist. Der DARC-Lehrgang stellt ausdrücklich klar, dass die vorgestellten Abkürzungen "nicht nur in Morse-Telegrafie, sondern auch im Sprechfunk, auf Funkbestätigungen oder im Briefwechsel" verwendet werden.

In Telegrafie

In CW wird die 73 als zwei vollständige Ziffern getastet:

73 in Morsezeichen:
−−··· (7) + ···−− (3)
Die Zeichen entsprechen dem internationalen Morsecode nach ITU-R M.1677-1.

Im Contest kürzen viele Stationen Ziffern ab, indem sie sogenannte Cut Numbers tasten - aus 599 wird 5NN, aus 100 wird 1TT. Die 73 bleibt dabei üblicherweise außen vor. Sie steht in den einschlägigen CW-Abkürzungstabellen als eigenständige Abkürzung, nicht als Zahl in einer Zahlenreihe. Dass im Einzelfall niemand eine verkürzte Form tastet, lässt sich daraus nicht ableiten - allgemein verständlich und üblich sind die vollen Zeichen.

In FT8: die 73 wird zum Protokollbaustein

Hier bekommt die 73 eine technische Rolle. Sie gehört zu den wenigen strukturierten Standardnachrichten, die das Protokoll überhaupt kennt, und markiert den Abschluss. Ein eigener Durchgang dafür ist aber nicht zwingend: Wer RR73 sendet, hat die Verabschiedung bereits mitgeschickt, und das Handbuch nennt die abschließende 73 dann ausdrücklich optional. Der Ablauf einer vollständigen Verbindung sieht so aus:

DurchgangNachrichtWas passiert
1CQ DM5AHA JO60Allgemeiner Anruf mit Locator
2DM5AHA DG0JCG JO60Antwort auf den Anruf
3DG0JCG DM5AHA -05Signalrapport in dB
4DM5AHA DG0JCG R-10Rapport zurück, mit R für "empfangen"
5DG0JCG DM5AHA RR73Bestätigung und Verabschiedung in einem
6DM5AHA DG0JCG 73Abschließende Verabschiedung

Was RR73 von RRR und 73 unterscheidet

Im Durchgang 5 stehen drei Varianten zur Wahl, und der Unterschied ist praktisch relevant:

  • RRR heißt nur "alles empfangen" - danach muss die Gegenstation noch ein 73 senden.
  • RR73 packt beides in eine Nachricht und spart damit einen Durchgang, also 15 Sekunden. Technisch ein hübscher Trick: RR73 ist als Locator codiert, und zwar als einer, den es auf der Erde nicht gibt.
  • 73 allein ist der reine Abschiedsgruß ohne Empfangsbestätigung.
⚠️ RR73 hat einen Preis. Das Handbuch von WSJT-X rät dazu, RR73 nur zu senden, wenn man einigermaßen sicher ist, dass keine Wiederholung nötig wird. Der Grund: Wer RR73 sendet und sofort loggt, hat das QSO im Log stehen, ohne zu wissen, ob die Gegenstation es überhaupt aufgenommen hat. Im Contest zählt eine Verbindung, die nur bei einer Station im Log steht, nicht. Der Ratschlag im Handbuch lautet deshalb: bei RRR, RR73 oder 73 von der Gegenstation immer loggen - beim eigenen RR73 nur, wenn man zuversichtlich ist, und dabei weiter aufmerksam mithören.

Der DARC-Vortrag zur Betriebsart bringt es auf eine Merkregel: QSOs nicht abkürzen, und auch das RR73 wiederholen, solange kein 73 zurückgekommen ist.

Rapport, Locator, Bestätigung, Log: In FT8 steckt in sechs kurzen Nachrichten fast der komplette Betriebsdienst - und genau diese Bausteine fragt die Prüfung Betriebliche Kenntnisse einzeln ab.
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Wo die 73 nichts zu suchen hat

So freundlich sie ist: Es gibt Situationen, in denen die 73 weggelassen wird - nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil sie dort im Weg steht.

Im Pile-Up und bei DXpeditionen

Wenn eine seltene Station hundert Anrufer gleichzeitig abarbeitet, zählt jede Sekunde. Im DXpedition-Modus von FT8 antwortet die gerufene Station auf einen richtig empfangenen Rapport mit RR73 und betrachtet das QSO damit als abgeschlossen. Die Empfangsbestätigung samt Gruß bleibt also Bestandteil des Protokolls - was entfällt, ist allein der zusätzliche Durchgang mit einer separaten 73. Auch in klassischen Pile-Ups auf Kurzwelle beendet die DX-Station ein QSO meist mit einem knappen "TU" und ruft sofort weiter. Das ist keine Unfreundlichkeit, sondern Rücksicht auf die, die noch warten.

Im Notfunk

Das Notfunkhandbuch des DARC verlangt für den Meldungsverkehr eine klare Sprache: "Verwende nur Klartext, keine Q-Gruppen", und ausdrücklich die "Vermeidung von amateurfunkspezifischen Fachbegriffen und Abkürzungen" in der Zusammenarbeit mit Behörden und Hilfsorganisationen. Empfangene Meldungen werden mit "Verstanden" bestätigt, nicht mit einem Kürzel.

💡 Genau lesen: Das Handbuch verbietet die 73 nicht namentlich. Es verlangt Klartext im formalen Meldungsverkehr - und dorthin gehört eine Amateurfunk-Grußformel schlicht nicht. In der informellen Kommunikation drumherum bleibt sie üblich; im Handbuch selbst endet eine Übungsnachricht mit "vy73 + 55 de Peter".

73 außerhalb des Funkverkehrs

Die 73 hat den Sprung aus dem Äther heraus geschafft. Sie steht unter E-Mails, in Forenbeiträgen, auf Visitenkarten und in Vereinszeitschriften - fast immer in der Form "73 de DL1ABC", also mit dem Kürzel "de" für "von".

Auf der QSL-Karte ist sie fester Bestandteil der Abschlusszeile. Für die Anerkennung eines Diploms ist sie ohne Belang, dort zählen Datum, Uhrzeit in UTC, Band, Betriebsart und Rapport - aber ohne 73 wirkt eine QSL-Karte seltsam kahl.

✅ Die Zeitschrift, die sich 73 nannte: Von Oktober 1960 bis September 2003 erschien in den USA monatlich das Magazin "73", gegründet von Wayne Green (W2NSD). Der Untertitel "Never Say Die" war ein Wortspiel auf sein Rufzeichen. Nach 43 Jahren und 514 Ausgaben war Schluss. Green spendete den kompletten Bestand, seit 2012 liegen alle Jahrgänge frei im Internet Archive - eine der besten frei zugänglichen Quellen zur Amateurfunkgeschichte der zweiten Jahrhunderthälfte.

Sechs verbreitete Irrtümer

BehauptungWie es wirklich ist
"73s ist die korrekte Mehrzahl"Die 73 vertritt die Grußformel schon vollständig, ein s ist deshalb unüblich. Ein sprachlicher Fehler ist es nicht, sondern eine Stilkonvention.
"73 ist ein Q-Code"Q-Gruppen beginnen mit Q und wurden 1912 international vereinbart. Die 73 ist ein Zahlencode aus der Drahttelegrafie von 1859 und wurde nie amtlich festgelegt.
"77 heißt Long live CW"Nicht belegbar. Im historischen 92-Code bedeutet 77 "I have a message for you".
"88 ist nur für Frauen"Traditionell wird die 88 vor allem im QSO mit einer YL gesendet, eine Regel ist das aber nicht.
"Früher funkte man 60 Buchstaben pro Minute, deshalb die Abkürzungen"Geübte Telegrafisten arbeiteten mit rund 25 bis 50 Wörtern pro Minute, das sind etwa 125 bis 250 Zeichen. Der Grund für die Abkürzungen war ohnehin nicht die Geschwindigkeit, sondern der Preis pro Leitungsminute.
"In FT8 ist die 73 nur Zierde"Sie ist eine der wenigen Standardnachrichten des Protokolls und markiert das QSO-Ende. RR73 ersetzt sie, RRR nicht.

Vom Gruß zur Lizenz

73, Q-Gruppen, Rapporte, Rufzeichen, Bandpläne: Die Betriebstechnik ist der Teil der Amateurfunkprüfung, der am schnellsten sitzt - weil man ihn beim Zuhören auf dem Band jeden Abend wiederfindet. Der Lernbereich führt dich mit den Originalfragen der Bundesnetzagentur durch alle drei Prüfungsteile.

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Häufige Fragen zu 73

Was bedeutet 73 im Amateurfunk?

73 bedeutet "Viele Grüße" (englisch "best regards") und ist die übliche Verabschiedung am Ende einer Funkverbindung. Der Code stammt aus der Drahttelegrafie und wird heute in allen Betriebsarten verwendet, von Telegrafie über Sprechfunk bis FT8.

Heißt es 73 oder 73s?

Üblich und empfohlen ist 73 ohne angehängtes s, weil die Zahl die Grußformel bereits vollständig vertritt. Formen wie "73s" kommen durchaus vor, gelten aber vielen Funkamateuren als unnötig. Ein sprachlicher Fehler ist es nicht, sondern eine Stilkonvention.

Woher kommt die 73?

Aus dem 92-Code der US-Telegrafengesellschaft Western Union von 1859, einer Liste von 92 Zahlen für vorgefertigte Standardsätze. Dort bedeutete 73 bereits "best regards". Ob die Zahl davor, um 1857, den Liebesgruß "my love to you" bezeichnete, ist nur einfach belegt und nicht gesichert.

Ist 73 ein Q-Code?

Nein. Q-Gruppen wie QRZ oder QSY sind dreibuchstabig, beginnen mit Q und wurden 1912 auf der Internationalen Funktelegraphenkonferenz in London zwischenstaatlich festgelegt. Die 73 ist ein Zahlencode aus der Drahttelegrafie, rund 50 Jahre älter und nie amtlich geregelt.

Was bedeutet RR73 in FT8?

RR73 fasst die Empfangsbestätigung (RRR) und die Verabschiedung (73) in einer Nachricht zusammen und spart damit einen Durchgang von 15 Sekunden. Das Handbuch von WSJT-X empfiehlt, RR73 nur zu senden, wenn keine Wiederholung mehr zu erwarten ist, weil man das QSO sonst loggt, ohne zu wissen, ob die Gegenstation es aufgenommen hat.

Was bedeutet 72 im Amateurfunk?

72 ist der Gruß unter Stationen, die mit kleiner Leistung arbeiten. Der Gedanke ist ein Wortspiel: weniger Leistung, eine Nummer weniger beim Gruß. Die QRP-Szene schreibt ihn meist Oleg Borodin (RV3GM) und den späten 1980er-Jahren zu; belegt ist das nur über spätere Darstellungen. Sicher ist, dass 72 in den historischen Telegrafielisten nicht vorkommt.

Was bedeutet 88 im Amateurfunk?

88 bedeutet "Liebe und Küsse" und steht bereits in den überlieferten Listen des 92-Codes. Traditionell wird die 88 vor allem im QSO mit einer YL gesendet, also einer Funkamateurin. Eine feste Regel ist das nicht.

Warum soll man die 99 nicht verwenden?

99 heißt sinngemäß "verschwinde" und ist der einzige Code der Reihe, der nicht freundlich gemeint ist. Der DARC-Lehrgang rät ausdrücklich davon ab. Wer jemanden zum Frequenzwechsel bewegen möchte, sendet stattdessen PSE QSY oder bittet im Sprechfunk höflich darum. Historisch gehört die 99 ohnehin nicht zum offiziellen 92-Code, sondern gilt als späterer inoffizieller Zusatz.

Quellen:ITU-R: Recommendation M.1677-1, International Morse Code · Western Union: 92 Code und Wood's Telegraphic Numerals. Reproduktion der Ausgabe von 1866 · WSJT-X: User Guide · WSJT-X: FT8 DXpeditions-Modus, Handbuch. Deutsche Fassung · ZL2iFB: FT8 Operating Guide · DARC: Online-Lehrgang Betriebstechnik und Vorschriften, Kapitel 4 · DARC: Notfunkhandbuch · DARC: Die QSL-Karte · DM5AHA, DG0JCG: Die Betriebsart FT8. DARC OV Chemnitz Süd · Signal Harbor: On the Origin of "73" · AC6V: Origins of Hamspeak, CQ, 73, DX · QRPer.com: Why I send "72" instead of "73" · Wikipedia: 92 Code · Wikipedia: International Radiotelegraph Convention (1912) · Wikipedia: 73 (magazine). Zur Herkunft der Zahlencodes gibt es konkurrierende Überlieferungen; unsichere Zuschreibungen sind im Text als solche gekennzeichnet. Prüfungsfragen und Antworten stammen wörtlich aus dem Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, abgerufen am 6. August 2026.

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