Notfunk - Kommunikation bei Stromausfall und Krise

Notfunk ist Kommunikation per Funk, wenn reguläre Netze wie Mobilfunk, Festnetz und Internet ausfallen - etwa bei Stromausfall, Naturkatastrophen oder Krisen. Wer vorsorgen will, hat drei Optionen: ein batteriebetriebenes Radio zum Empfang von Behörden-Durchsagen, lizenzfreie Funkgeräte (Freenet, PMR446, CB-Funk) für aktive Kommunikation im Nahbereich, oder eine Amateurfunklizenz für Sprechfunk von lokal bis weltweit und die Einbindung in organisierte Notfunkstrukturen des DARC.

3. Januar 2026, Berlin-Lichterfelde. Ein Brand an einer Kabelbrücke - später als Brandanschlag eingeordnet - legt Teile des Berliner Südwestens lahm. Rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden sind ohne Strom; auch Verkehrs-, Wärme- und Telekommunikationsdienste sind teilweise beeinträchtigt. Die Bundeswehr leistet Amtshilfe und stellt Treibstoff für Notstromaggregate bereit.

Wenige Jahre zuvor, im Ahrtal 2021: Die Flutkatastrophe beschädigt die Kommunikationsinfrastruktur schwer. Zahlreiche Mobilfunkstandorte fallen aus. BOS-Digitalfunk, Mobilfunk, Festnetz - in den betroffenen Gebieten großflächig gestört. Manche Gemeinden sind zeitweise nur noch physisch erreichbar.

Zwei Ereignisse, eine Erkenntnis: Unsere gesamte Kommunikation hängt am Stromnetz. Dieser Artikel gibt dir einen Überblick über Funklösungen für Krisenfälle - von lizenzfreien Angeboten wie Freenet über Meshtastic und MeshCore bis hin zum Amateurfunk mit seinen vielseitigen Einsatzmöglichkeiten.

⚠️ Wichtig vorweg: Für die meisten Menschen ist Amateurfunk nicht die richtige Lösung für Krisenvorsorge. Er ist die leistungsfähigste Option - aber auch die mit dem höchsten Einstiegsaufwand. Dieser Artikel zeigt dir ehrlich, was für wen das Richtige ist.
⚖️ Rechtlicher Hinweis: Frequenzen und Funkanlagen dürfen nur im Rahmen der jeweiligen Frequenzzuteilung, der Gerätevorgaben und der eigenen Berechtigung genutzt werden. Die hier genannten "Notfunkkanäle" der lizenzfreien Dienste sind informelle Community-Empfehlungen, keine staatlich überwachten Notrufkanäle. Bei unmittelbarer Gefahr gilt zuerst: 112 bzw. 110 oder die örtlichen Einsatzkräfte. Eine Notlage ist keine pauschale Erlaubnis, beliebige Funkfrequenzen zu benutzen.

Was passiert bei Stromausfall mit der Kommunikation?

Die meisten Menschen unterschätzen, wie abhängig unsere gesamte Kommunikation vom Stromnetz ist. Was bei einem großflächigen Blackout passiert, folgt einem vorhersehbaren Muster.

Mobilfunk: Verwundbar bei Stromausfall

Mobilfunkmasten haben USV-Batterien, die je nach Standort und Auslegung eine begrenzte Zeit überbrücken - oft nur wenige Stunden. Für Mobilfunkstandorte gibt es keine einheitliche allgemeine Mindest-Notstromdauer, auf die man sich verlassen könnte.

Gleichzeitig steigt die Netzlast enorm: Alle versuchen gleichzeitig zu telefonieren. Das Netz ist überlastet, oft bevor es ganz ausfällt.

Berlin 2026: Stromausfall im Südwesten

Der Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar 2026 zeigte, dass längere Stromausfälle auch Mobilfunk und andere Infrastrukturen beeinträchtigen können. Rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden waren betroffen; auch Verkehr, Wärmeversorgung und Telekommunikation waren teilweise beeinträchtigt. Die Bundeswehr unterstützte im Rahmen der Amtshilfe unter anderem mit Treibstoff für Notstromaggregate.

Ahrtal 2021: Kommunikationsinfrastruktur schwer beschädigt

In der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 war die Kommunikationsinfrastruktur im Ahrtal schwer beschädigt. Zahlreiche Mobilfunkstandorte wurden zerstört oder fielen wegen Stromausfall aus, und selbst der BOS-Digitalfunk war zeitweise erheblich gestört. Die Folgen:

🚨 Die Folgen: Betroffene konnten teilweise keinen Notruf absetzen. Einsatzkräfte konnten sich untereinander nur eingeschränkt koordinieren. Warn-Apps erreichten niemanden mehr, Cell Broadcast gab es in Deutschland damals noch nicht. Manche Ortschaften waren tagelang nur physisch erreichbar. Für den DARC war das Ahrtal ein wichtiger Anlass, sein Notfunkkonzept weiterzuentwickeln - ein flächendeckender, offiziell angeforderter DARC-Notfunkeinsatz fand dort nach Angaben des DARC allerdings nicht statt.

BOS-Digitalfunk: Warum Privatpersonen ihn nicht nutzen können

Oft kommt die Frage: "Können wir nicht einfach den Behördenfunk nutzen?" Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen - Privatpersonen haben keinen Zugang.

Im Vergleich zu Mobilfunk ist der BOS-Digitalfunk deutlich robuster ausgelegt: Laut BDBOS verfügen die Basisstationen in der Regel über USV und Netzersatzanlagen. Im Kernnetz sind mindestens 72 Stunden abgesichert, und die Notstromversorgung im Zugangsnetz wird an über 3.800 Standorten auf ebenfalls mindestens 72 Stunden ausgebaut. Bei großflächigen, lang andauernden Katastrophen können aber auch diese Systeme an ihre Grenzen stoßen.

Was fällt wann aus?

SystemOhne Strom funktionsfähigBemerkung
Internet (DSL/Kabel)Meist sofort wegOhne Notstrom für Router/Netzabschluss nicht nutzbar
Festnetz (IP-basiert)Meist sofort wegOhne Stromversorgung der lokalen Geräte nicht nutzbar
WLANSofort wegOhne Stromversorgung des Routers nicht nutzbar
MobilfunkBegrenzt (oft wenige Std.)USV-Batterien, je nach Standort unterschiedlich
Sirenen (elektronisch)Begrenzte USVHängt vom Standort ab
Digitalfunk BOS (TETRA)Deutlich robusterUSV + Netzersatzanlagen, Ausbau auf 72 Std.
UKW-Radio (ÖR-Sender)StandortabhängigViele Rundfunksender haben Notstromkonzepte; Betriebsdauer variiert
Freenet / PMR446Solange Akku hältDirekt, keine Infrastruktur nötig
SatellitentelefonSolange Akku hältNicht vom lokalen Mobilfunknetz abhängig, laufende Kosten
AmateurfunkAutark mit Akku/SolarIm Direktbetrieb keine Infrastruktur nötig, Reichweite je nach Band und Bedingungen
💡 Empfehlung des BBK: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt jedem Haushalt ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio (UKW/DAB+). Damit kannst du amtliche Warnungen und Informationen empfangen, die über den Rundfunk verbreitet werden, auch wenn alles andere ausfällt. Das ist die absolute Basis-Vorsorge.

Notfunk im Amateurfunk - Mehr als ein Hobby

Notfunk im Amateurfunk bedeutet: Lizenzierte Funkamateure stellen bei Krisen und Katastrophen Kommunikationsverbindungen her - auch ohne öffentliche Telekommunikationsinfrastruktur. Für einfache Punkt-zu-Punkt-Verbindungen reichen ein Funkgerät, ein Akku und eine Drahtantenne. Digitale Betriebsarten wie Winlink oder APRS nutzen teilweise zusätzliche Infrastruktur (Gateways, Digipeater), können aber auch im Direktbetrieb funktionieren.

Rechtliche Grundlage

Das Amateurfunkgesetz (AFuG) und die internationale Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO Funk) regeln den Notfunk. Artikel 25 der VO Funk ist dabei besonders wichtig:

💡 VO Funk, Artikel 25: Amateurfunkstellen dürfen bei Not- und Katastrophenfällen Nachrichten für Dritte übermitteln. Das ist eine der wenigen Ausnahmen, bei denen Funkamateure nicht nur untereinander, sondern auch für andere kommunizieren dürfen.

Der Amateurfunkdienst dient nach dem Amateurfunkgesetz auch der Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen. Die internationale VO Funk sieht zusätzlich vor, dass Amateurfunkstellen bei Notfällen und in der Katastrophenhilfe Nachrichten im Auftrag Dritter übermitteln können, soweit die zuständige nationale Verwaltung dies zulässt. Auch im Notfunk gelten aber weiterhin die gesetzlichen Vorgaben, die Frequenzzuteilung und die betrieblichen Regeln des Amateurfunks. Wichtig dabei: Notfunk ist eine Ergänzung zu den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), kein Ersatz. Funkamateure arbeiten im Katastrophenfall mit Feuerwehr, THW und Rettungsdiensten zusammen, nicht an ihnen vorbei.

Was Funkamateure im Notfunk konkret leisten

Die Möglichkeiten gehen weit über einfaches Sprechen ins Mikrofon hinaus:

📡 Sprechfunk: Auf UKW (2m/70cm) regionale Kommunikation, je nach Gelände, Antenne und Relaisnutzung auch über größere Entfernungen. Auf Kurzwelle je nach Band, Tageszeit und Ausbreitungsbedingungen regionale bis europaweite Verbindungen.
💡 Digitale Betriebsarten:
  • Winlink - Zugang zu E-Mail über Funk, ohne dass die eigene Station einen Internetanschluss braucht (die Weiterleitung ins öffentliche E-Mail-System läuft in der Regel über Funk-Gateways mit dahinterliegender Internet-Infrastruktur; vollständig direkt geht es nur in speziellen Peer-to-Peer-Betriebsarten)
  • APRS - automatische Positionsmeldungen und Kurznachrichten, auch als digitales Lagebild nutzbar
  • JS8Call - Tastatur-zu-Tastatur-Kommunikation, funktioniert selbst bei extrem schwachen Signalen
  • Temporäre Netze - Relaisstationen, Digipeater und Crossband-Repeater aufbauen

Notfunk-Frequenzen in Deutschland

Die folgenden Frequenzen werden im deutschsprachigen Raum für Notfunk empfohlen bzw. sind als Betriebs- und Anruffrequenzen etabliert. Die IARU-Frequenzen sind international koordiniert, die D-A-CH-Frequenzen basieren auf Empfehlungen des NotfunkWiki und des DARC-Notfunkreferats. Die Einträge haben nicht alle denselben offiziellen Status: Es handelt sich überwiegend um Anruf- bzw. Aktivitätszentren (Center of Activity), nicht um dauerhaft überwachte Notrufkanäle und nicht um exklusiv für Notfunk reservierte Frequenzen. Bei echtem Notverkehr ist die belegte Frequenz von anderem Verkehr freizuhalten.

Amateurfunk - Kurzwelle (HF)

FrequenzBandBetriebsartRegionNutzung
1,873 MHz160mLSBD-A-CHNacht-Nahbereich (NVIS)
3,643 MHz80mLSBD-A-CHPrimäre Notfunkfrequenz D-A-CH
3,760 MHz80mLSBEuropaIARU Region 1 Notfunkfrequenz
7,085 MHz40mLSBD-A-CHÜberregionale Koordination
7,110 MHz40mLSBEuropaIARU Region 1 Notfunkfrequenz
10,138 MHz30mUSBD-A-CHRegionale Notfunkempfehlung; keine ausgewiesene IARU-Notfunk-Aktivitätsfrequenz
14,300 MHz20mUSBEuropaWeitverkehr tagsüber
18,160 MHz17mUSBEuropaWeitverkehr tagsüber
21,360 MHz15mUSBEuropaWeitverkehr bei hoher Sonnenaktivität
28,238 MHz10mUSBDeutschlandWeitverkehr bei Sporadic-E

Amateurfunk - UKW (VHF/UHF)

FrequenzBandBetriebsartRegionNutzung
144,260 MHz2mUSBD-A-CHSSB-Notfunkfrequenz (DARC-Empfehlung)
145,500 MHz2mFMD-A-CHFM-Anruffrequenz, erster Anlaufpunkt
433,500 MHz70cmFMEuropaFM-Anruffrequenz
DMR: Talkgroup 9112 (EMACOM EU) im BrandMeister-Netz - Community-basierte Notfunk-Talkgroup

Lizenzfreie Funkdienste - Empfohlene Kanäle

DienstKanalFrequenzNutzung
CB-FunkKanal 927,065 MHz (FM)Traditioneller Not- und Hilferufkanal (keine Hörgarantie)
CB-FunkKanal 326,985 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
FreenetKanal 1149,025 MHz (FM)Anrufkanal (informell empfohlen)
FreenetKanal 3149,050 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal (informell)
PMR446Kanal 1446,00625 MHz (FM)Anrufkanal (informell empfohlen)
PMR446Kanal 3446,03125 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
💡 Merkhilfe: Diese Kanalempfehlungen stammen aus der Notfunk-Community (u.a. NotfunkWiki, Initiative "Deutschland funkt!") und sind keine offizielle staatliche Festlegung. Bei Freenet und PMR446: Kanal 1 = Anruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit (informell empfohlen). Beim CB-Funk: Kanal 9 = traditioneller Not-/Hilferuf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit. Eine Abhör- oder Hilfegarantie besteht bei keinem dieser Kanäle.

NVIS - Steilstrahlung für den Nahbereich auf Kurzwelle

Eine besonders wertvolle Technik für Notfunk ist NVIS (Near Vertical Incidence Skywave). Dabei wird die Kurzwelle fast senkrecht nach oben abgestrahlt und von der Ionosphäre zurück reflektiert. So lassen sich regionale Verbindungen über typischerweise einige Dutzend bis mehrere Hundert Kilometer herstellen - ohne den toten Bereich einer flach strahlenden Antenne und ohne Relaisstationen. Reichweite und Zuverlässigkeit hängen aber stark von Frequenz, Tageszeit, Ionosphäre, Antenne, Boden und Störpegel ab. Auf dem 80m-Band (3,5 MHz) klappt das nachts oft sehr gut; tagsüber dämpft die D-Schicht dieses Band oft stark, sodass je nach Ionosphäre 40m günstiger sein kann. Welche Frequenz gerade trägt, prüft man am besten praktisch oder anhand aktueller Ausbreitungsdaten.

Für NVIS braucht man keine aufwendige Antenne: Ein niedrig aufgehängter Drahtdipol (nur 2-5 Meter über dem Boden) begünstigt die hohen Abstrahlwinkel. Das macht NVIS zu einer beliebten Technik für Notfunk-Koffer - eine lückenlose Abdeckung ist damit aber nicht garantiert.

⚠️ Wichtig zur Lizenzklasse: Klassisches NVIS auf 80m oder 40m setzt eine Amateurfunkzulassung der Klasse E oder A voraus. Die Einsteigerklasse N erlaubt nur die Bänder 10m, 2m und 70cm (max. 10 W ERP auf 10m, 6,1 W ERP auf 2m und 70cm) - für den weiter unten beschriebenen 80m-Notfunk-Koffer reicht sie also nicht.

Relaisstationen - Reichweitenverlängerung auf UKW

Über Relaisstationen (Repeater) lässt sich die Reichweite auf UKW erheblich vergrößern. In Deutschland gibt es hunderte Relaisstationen auf Bergkuppen und Türmen - einige davon verfügen über eigene Notstromversorgung.

Ein einfaches Handfunkgerät mit 5 Watt kann über ein günstig gelegenes Relais je nach Standort und Topografie erhebliche Reichweiten erzielen. Das ist ein großer Vorteil gegenüber lizenzfreien Funkdiensten, die auf Direktverbindungen beschränkt sind.

Reale Einsatzbeispiele

Ahrtal 2021: Die Flutkatastrophe zeigte drastisch, wie verletzlich die Kommunikationsinfrastruktur ist. Ein flächendeckender, offiziell angeforderter DARC-Notfunkeinsatz fand nach Angaben des DARC nicht statt; die Katastrophe war aber der zentrale Anlass, das Notfunkkonzept des DARC neu aufzustellen und die Zusammenarbeit mit den Behörden zu vertiefen.

International: Bei Erdbeben, Hurrikans und Tsunamis weltweit unterstützen Funkamateure die Krisenkommunikation. Die IARU (International Amateur Radio Union) koordiniert den internationalen Notfunk. In den USA ist das ARES (Amateur Radio Emergency Service) mit tausenden freiwilligen Funkamateuren fester Bestandteil des Katastrophenschutzes.

⚠️ Ehrliche Einordnung: Notfunk im Amateurfunk ist eine Ergänzung, kein Ersatz für professionelle Rettungskommunikation. Er springt ein, wenn die regulären Systeme versagen - und das ist häufiger, als die meisten denken. Aber er ersetzt weder den Notruf 112 noch den BOS-Digitalfunk.

DARC Notfunk-Referat und die Notfunkkarte

Der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) betreibt ein eigenes Referat Not- und Katastrophenfunk, das die Notfunk-Aktivitäten auf drei Ebenen koordiniert:

Die drei Ebenen des DARC-Notfunks

📡 Lokal (Ortsverband): Notfunk-Gruppen vor Ort, regelmäßige Übungen, direkte Zusammenarbeit mit lokalen Bedarfsträgern (THW, Feuerwehr, Katastrophenschutz)
🌍 National: Überregionale Koordination, Technik-Standards, zentrale Ausbildung, Zusammenarbeit mit Bundesbehörden
🌍 International: Einbindung in die IARU-Notfunkstrukturen, grenzüberschreitende Übungen und Kooperationen

Die DARC Notfunkkarte

Eines der praktischsten Werkzeuge des DARC ist die interaktive Notfunkkarte. Sie zeigt auf einer Deutschland-Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Fähigkeiten erreichbar sind. Die Marker haben eine klare Farbcodierung:

MarkerBedeutung
GrünNotfunk-Gruppe (organisierte Gruppe im Ortsverband)
BlauEinzelner Funkamateur mit Notfunk-Ausrüstung
RotFunkamateur, der Anschluss an eine Notfunk-Gruppe sucht

So können Behörden und Hilfsorganisationen - die sogenannten Bedarfsträger - im Ernstfall schnell lokale Funkamateure mit der passenden Ausrüstung finden. Der DARC bietet zusätzlich einen Helfer-Kalkulator zur Personalbedarfsermittlung bei größeren Einsätzen.

MoWaS-Zugang und Bedarfsträger-Kooperation

Nach Angaben des DARC besteht eine Zusammenarbeit mit dem BBK rund um das Modulare Warnsystem (MoWaS), das zentrale Warnsystem des Bundes, sodass Warnmeldungen empfangen und im Amateurfunk weiterverbreitet werden können. Die genauen Konditionen können sich ändern - maßgeblich sind die aktuellen Angaben von DARC und BBK.

Darüber hinaus arbeitet der DARC aktiv mit Organisationen wie THW, Feuerwehren und dem Katastrophenschutz zusammen. Ziel ist es, dass Funkamateure im Ernstfall nicht improvisieren müssen, sondern bereits in die bestehenden Strukturen integriert sind. In vielen Regionen gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen DARC-Ortsverbänden und den lokalen Katastrophenschutz-Behörden.

Kooperation DARC und Notfunk Deutschland e.V.

Seit 2024/2025 kooperieren der DARC und der Verein Notfunk Deutschland e.V. offiziell. Die Zusammenarbeit wurde auf der HAM RADIO in Friedrichshafen besiegelt und bündelt die Expertise beider Organisationen - insbesondere bei Ausbildung und Seminarprogrammen.

Ausbildung und Mitmachen

Der DARC bietet verschiedene Wege, sich im Notfunk zu engagieren:

  • Notfunk-Seminare: Mehrtägige Ausbildungswochenenden (z.B. in Immenreuth, Oberpfalz), auch über die Ausbildungsplattform 50ohm.de
  • Akku-Freitag: Initiative, bei der Funkamateure regelmäßig den Akkubetrieb ihrer Notfunk-Ausrüstung testen - denn ein Notfunk-Koffer nützt nichts, wenn die Akkus leer sind
  • Ortsverband finden: Über darc.de den nächsten Ortsverband suchen und bei der Notfunk-Gruppe vorbeischauen. Viele Ortsverbände freuen sich über Verstärkung
  • Notfunkkarte eintragen: Eigene Notfunk-Fähigkeiten auf der Karte registrieren
✅ So kannst du mitmachen: Für eigenen Sendebetrieb auf Amateurfunkfrequenzen brauchst du eine Amateurfunkzulassung (Einstieg: Klasse N); an Vorbereitung, Technik, Logistik oder Ausbildung können sich je nach Gruppe auch Personen ohne Zulassung beteiligen. Such dir über darc.de einen Ortsverband in deiner Nähe und frag nach der Notfunk-Gruppe. Viele Ortsverbände haben monatliche Treffen und regelmäßige Übungen.

In 4 Wochen auf den Bändern funken

Die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie: 195 Technikfragen (dazu die Teile Betrieb und Vorschriften) lernen, Prüfung ablegen, eigenes Rufzeichen erhalten. Bereite dich mit dem offiziellen BNetzA-Fragenkatalog vor - verständlich erklärt und mit Wissenskontrolle.

Jetzt kostenlos lernen

Der Notfunk-Koffer - Sofort einsatzbereit

Ein Notfunk-Koffer (auch Go-Kit oder Funkkoffer genannt) ist eine komplett vorbereitete, portable Funkstation in einem robusten Koffer. Das Konzept: Im Ernstfall Koffer greifen, Antenne aufbauen, funken - ohne erst die Heimstation abbauen zu müssen.

Notfunk-Koffer mit QRP-Transceiver, Antennenhaspel und Zubehör auf einem Feldtisch
Notfunk-Koffer in der Praxis: QRP-Transceiver mit Antennenhaspel und Zubehör - kompakt und sofort einsatzbereit. (Foto: DL4KE)

Drei Levels: Vom Rucksack bis zur Kofferleitstelle

📦 Level 1 - Minimal-Kit (unter 200 Euro)
Amateurfunk-Handfunkgerät für 2m/70cm, Ersatzakku und AA-Batteriefach, Rollantenndraht oder J-Pole-Antenne, Notizblock mit lokaler Relaisliste. Passt in einen Rucksack und reicht für lokale UKW-Kommunikation. (Hinweis: Frei programmierbare Amateurfunkgeräte dürfen nicht automatisch auf PMR446- oder Freenet-Kanälen betrieben werden.)
📡 Level 2 - Standard-Koffer (500-1.500 Euro)
Portabler KW-Transceiver (z.B. Yaesu FT-891, Xiegu G90) oder ein KW/UKW-Allrounder wie der ICOM IC-705, LiFePO4-Akku 12V/20-50 Ah, NVIS-Drahtantenne mit GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m), UKW-Antenne (J-Pole oder Roll-up Yagi). Ermöglicht auf Kurzwelle je nach Ausbreitungsbedingungen regionale bis europaweite Verbindungen - mit NVIS je nach Frequenz, Tageszeit und Ionosphäre regionale Entfernungen von einigen Dutzend bis mehreren Hundert Kilometern.
🔧 Level 3 - Kofferleitstelle (2.000+ Euro)
Vollständige KW/UKW-Station mit digitalem Interface, Laptop mit Winlink/APRS/Logbuch-Software, faltbares Solarpanel (50-100 W), mehrere Antennen für verschiedene Bänder. Kann bei guter Sonneneinstrahlung über Tage autark betrieben werden - die mobile Leitstelle für den Ernstfall.

Stromversorgung: LiFePO4 und Solar

LiFePO4-Akkus werden für portable Funkstationen häufig eingesetzt: relativ stabile Spannung, hohe Zyklenfestigkeit und - gegenüber manchen anderen Lithium-Ionen-Chemien - hohe thermische Stabilität. Die konkrete Zyklenzahl hängt von Zellqualität, Entladetiefe und Temperatur ab. Ein gutes BMS (Battery Management System) gehört dazu. Die Laufzeit ergibt sich aus nutzbarer Kapazität sowie Sende- und Empfangsstrom - nicht aus der HF-Ausgangsleistung: Ein 20-Ah-Akku kann eine kleine Station je nach Gerät und Betriebsprofil grob mehrere Stunden bis über einen Tag versorgen; eine belastbare Angabe erfordert die Stromaufnahmewerte des konkreten Transceivers.

Ein faltbares Solarpanel (50-100 W) kann die Einsatzdauer verlängern oder bei günstigen Bedingungen den Tagesverbrauch ausgleichen. Ob ein dauerhaft autarker Betrieb möglich ist, hängt von Jahreszeit, Wetter, Ausrichtung, Akkugröße und Sendeanteil ab und sollte über eine Energiebilanz abgeschätzt werden.

Faltbares Solarpanel für autarke Notfunk-Stromversorgung
Faltbares Solarpanel im Feldeinsatz
Zwei Bleiakkus mit Multimeter zur Spannungskontrolle
Bleiakkus mit Spannungskontrolle
Kompakter Scheppach Stromgenerator mit 720 Watt
Stromgenerator (720 W) als Backup

Stromversorgung für den Notfunk: Solar, Akku und Generator - autark über Tage. (Fotos: DL4KE)

Die NVIS-Antenne für den Notfunk-Koffer

Für regionale Kurzwellenverbindungen kann ein niedrig aufgehängter Drahtdipol für NVIS-Betrieb eine geeignete Antenne im Notfunk-Koffer sein: aufgehängt in nur 2-5 Metern Höhe über dem Boden. Mit einem zerlegbaren GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m) passt die Antenne in den Koffer. Aufbauzeit: etwa 10-15 Minuten.

✅ Praxistipp: Starte klein! Ein Handfunkgerät mit geladenen Akkus ist besser als ein perfekt geplanter Koffer, den du nie zusammenbaust. Viele Notfunk-Gruppen bauen ihre Koffer gemeinsam auf - ein guter Einstieg für Neulinge. Notfunk Deutschland e.V. und das NotfunkWiki haben detaillierte Bauanleitungen.

Freenet - Lizenzfreier Funk auf 149 MHz

Was ist, wenn du keine Amateurfunklizenz hast? Hier kommen lizenzfreie Funkdienste ins Spiel. Freenet ist ein rein deutscher lizenzfreier Funkdienst auf 149 MHz. Keine Prüfung, keine Gebühr, keine Anmeldung - man braucht nur ein für diese Allgemeinzuteilung geeignetes, konformes Handsprechfunkgerät.

Technische Daten

EigenschaftFreenet
Frequenzbereich149,01875 - 149,11875 MHz
KanäleAnaloge/digitale Sprachkanäle nach aktueller BNetzA-Allgemeinzuteilung; 12,5-kHz- und teils 6,25-kHz-Raster
SendeleistungMax. 1 Watt ERP (0,5 W im 10-km-Grenzstreifen zu Belgien/Polen)
AntenneFest verbaut oder Wechselantenne am Handfunkgerät; keine externen Antennen per Koax
ReichweiteTypisch 500 m - 5 km (stark abhängig von Gelände und Bebauung)
BetriebNur Peer-to-Peer (keine Repeater, kein Gateway)
ZulassungNur Deutschland
Kosten GerätAb ca. 50 Euro (Paar)

Stärken und Grenzen für die Krise

Stärken

  • Sofort einsatzbereit, keine Lizenz, keine Anmeldung
  • 149 MHz: tendenziell bessere Gebäudedurchdringung als höhere Frequenzen (PMR, LoRa)
  • Geräte sind robust, einfach und intuitiv
  • Günstig und jahrelang haltbar

Grenzen

  • Wenige Kanäle - bei vielen Nutzern schnell überlastet
  • Keine Repeater erlaubt - nur Peer-to-Peer
  • Keine externen Antennen per Koax erlaubt
  • Nur 1 Watt - Reichweite stark geländeabhängig
  • Nur in Deutschland zugelassen
💡 Ehrliche Einschätzung: Freenet ist eine solide Nachbarschafts-Lösung. Absprachen mit der Familie im selben Stadtteil? Ja. Kommunikation mit dem anderen Ende der Stadt? Schwierig. Über 10 km hinaus? Kaum realistisch. Für echte Krisenkommunikation über größere Entfernungen braucht es mehr - aber als Baustein im Gesamtkonzept ist Freenet durchaus sinnvoll.

Weitere lizenzfreie Alternativen: PMR446 und CB-Funk

PMR446

  • PMR446 - der Klassiker unter den "Walkie-Talkies"
  • 0,5 Watt, 16 Kanäle, 446 MHz
  • In großen Teilen Europas harmonisiert (nationale Bestimmungen beachten)
  • Nur mit fester, integrierter Antenne - keine externen Antennen zulässig
  • Extrem günstig (ab 20 Euro pro Paar)
  • Geringere Sendeleistung als Freenet (0,5 W vs. 1 W)

CB-Funk

  • Citizens Band - 27 MHz, international etabliert
  • 4 Watt auf 80 Kanälen
  • Externe Antennen erlaubt
  • Deutlich mehr Reichweite mit externer Antenne möglich
  • Traditioneller Not- und Hilferufkanal 9 (keine Hörgarantie)
  • Nachteil: größere Geräte, störanfällig

Vergleichstabelle: Alle lizenzfreien Funkdienste

FunkdienstFrequenzLeistungKanäleReichweiteExterne AntenneZulassung
PMR446446 MHz0,5 W160,5-3 km*NeinEU-weit
Freenet149 MHz1 W12,5-kHz-Raster0,5-5 km*Nein (extern)Nur DE
CB-Funk27 MHz4 W (FM)805-30 km*JaInternational
💡 Tipp: Jeder Funkdienst hat seinen Einsatzbereich: Freenet ist einfach und durch die niedrigere Frequenz tendenziell besser in Gebäuden. PMR446 funktioniert EU-weit und ist am günstigsten. CB-Funk bietet mit externer Antenne die größte lizenzfreie Reichweite. Alle Reichweitenangaben sind grobe Erfahrungswerte - die tatsächliche Reichweite hängt stark von Gelände, Bebauung und Antennenhöhe ab.

Meshtastic - Das LoRa Mesh-Netzwerk

Meshtastic ist eine Open-Source-Firmware für günstige LoRa-Funkmodule. Die Geräte bilden automatisch ein Mesh-Netzwerk: Knoten können Nachrichten anderer Teilnehmer aufnehmen und weiterreichen (je nach Rolle und Konfiguration). So kann die Reichweite mit jedem Gerät im Netz wachsen. In der Prepper- und Maker-Szene ist Meshtastic in den letzten Jahren stark gewachsen und stellt weltweit die mit Abstand größte Community. In Deutschland hat sich allerdings seit 2025 ein wachsender Teil der Szene der Alternative MeshCore zugewandt (dazu weiter unten mehr) - je nach Region ist dort inzwischen mal das eine, mal das andere Netz aktiver.

So funktioniert es

Du kaufst ein LoRa-Gerät (ab ca. 20 Euro), flashst die Meshtastic-Firmware, verbindest dein Smartphone per Bluetooth - fertig. Nachrichten, die du in der App tippst, werden als Datenpakete per LoRa-Funk verschickt. Andere Meshtastic-Geräte in Reichweite können die Nachricht aufnehmen und weiterreichen, bis sie den Empfänger erreicht - wie stark ein Gerät weiterleitet, hängt von seiner Rolle und Konfiguration ab.

Meshtastic nutzt ein vermaschtes Routing-Verfahren, das je nach Firmwareversion und Konfiguration Flooding- und Next-Hop-Mechanismen kombiniert - neuere Versionen leiten nicht mehr blind von jedem Knoten weiter, sondern gezielter über bekannte Routen.

Technische Daten (Europa - EU_868)

EigenschaftMeshtastic (EU_868)
Frequenz869,400 - 869,650 MHz (SRD-Band)
SendeleistungMax. +27 dBm (500 mW)
Duty CycleMax. 10% (EU-Regulierung)
Reichweite (Knoten zu Knoten)1-5 km (Stadt), 5-20 km (freie Sicht)
Reichweite (Mesh, mehrere Hops)Theoretisch unbegrenzt, praktisch abhängig von Knotendichte
Max. Hops3 (Standard), bis 7 konfigurierbar
NachrichtentypText, GPS-Position, Telemetrie
VerschlüsselungAES-256
Lizenz nötig?Nein (SRD-Band, EU Radio Equipment Directive 2014/53/EU)

Beliebte Hardware

GerätPreis (ca.)Besonderheit
Heltec LoRa32 V315-20 EuroGünstigster Einstieg, OLED-Display
LILYGO T-Beam25-35 EuroEingebautes GPS, guter Allrounder
LILYGO T-Deck40-55 EuroEigene Tastatur, ohne Smartphone nutzbar
RAK WisBlock30-50 EuroModulares System, sehr stromsparend
Seeed T1000-E25-35 EuroWinziger Tracker mit GPS

Duty Cycle - Das EU-Limit verstehen

In der EU gilt für das genutzte SRD-Band ein Duty Cycle von maximal 10%. Das bedeutet: Ein Gerät darf pro Stunde maximal 6 Minuten senden. In einem Meshtastic-Netz können Knoten abhängig von Rolle und Konfiguration auch Nachrichten anderer Teilnehmer weiterleiten. Bei vielen weiterleitenden Knoten und hoher Netzauslastung kann das Limit schneller erreicht werden.

Erreicht das Gerät das zulässige Duty-Cycle-Limit, setzt die Firmware weitere Aussendungen vorübergehend aus. Nachrichten können dadurch verspätet übertragen werden oder - je nach Warteschlange und Ablaufzeit - nicht mehr zugestellt werden. Das ist kein Bug, sondern eine gesetzliche Anforderung.

Pro und Contra für Notfunk

Pro

  • Keine Lizenz nötig - sofort loslegen
  • Extrem günstig - ab 15 Euro pro Knoten
  • Mesh-Netzwerk - mehr Knoten = mehr Abdeckung
  • Verschlüsselte Kanäle (AES-256) - vertraulich aber nur mit eigenem, geheim gehaltenem Kanalschlüssel; die verbreiteten Standardschlüssel schützen nicht
  • Sehr stromsparend - Tage bis Wochen Laufzeit
  • Open Source - große und aktive Community
  • GPS-Tracking - Positionen teilen ohne Internet
  • Große weltweite Verbreitung (in DE regional zunehmend neben MeshCore)

Contra

  • Nur Text - keine Sprache, keine Bilder
  • 10 % Duty Cycle im verwendeten Frequenzbereich - begrenzt die Sendezeit; weiterleitende Knoten verbrauchen zusätzlich Airtime für fremde Pakete
  • Reichweite über mehrere Hops braucht weitere Knoten - zwei eigene Geräte funken aber auch direkt miteinander
  • Latenz - Sekunden bis Minuten pro Nachricht
  • Smartphone nötig bei den meisten Geräten
⚠️ Wichtig für Europa: In Europa nutzt Meshtastic das EU_868-Profil mit maximal +27 dBm (500 mW) und einem Duty Cycle von 10% - das heißt maximal 6 Minuten Sendezeit pro Stunde. In der Praxis schränkt das die Nutzung stärker ein als die Sendeleistung. Die Reichweite hängt stark von Gelände und Aufstellhöhe ab: In der Stadt typisch 1-3 km, mit Sichtverbindung deutlich mehr.

MeshCore - Die leichtgewichtige Alternative

MeshCore ist eine jüngere Alternative zu Meshtastic mit einem anderen Architektur-Ansatz. Das Projekt startete 2025, ist Open Source (MIT-Lizenz) und ist in Europa - besonders in den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland - nach Projekt- und Community-Angaben schnell gewachsen. Die tatsächliche Verbreitung unterscheidet sich aber regional stark: In manchen deutschen Regionen gibt es bereits eigene MeshCore-Netze mit festen Repeatern (etwa in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet), anderswo kaum. Vor der Gerätewahl lohnt daher der Blick, welches Netz am eigenen Standort vorhanden ist.

Der fundamentale Unterschied: Wer routet?

Hier liegt der entscheidende Architektur-Unterschied zwischen Meshtastic und MeshCore:

  • Meshtastic: Endgeräte können im vermaschten Netz grundsätzlich auch Pakete anderer Teilnehmer weiterleiten. Wie stark, hängt von Rolle, Konfiguration, Firmwareversion und Hop-Limit ab.
  • MeshCore: Es gibt eine klare Trennung: Endgeräte (Companions) senden und empfangen nur. Repeater übernehmen die Weiterleitung. Clients routen nicht.

Das hat eine wichtige Konsequenz: MeshCore verbraucht deutlich weniger Airtime, weil nicht jedes Gerät im Netz jede Nachricht weiterleitet. In Europa mit dem 10% Duty-Cycle-Limit ist das ein echter Vorteil.

Meshtastic

  • Clients können Pakete weiterleiten (rollen-/konfigurationsabhängig)
  • Managed Flooding + Next-Hop (ab v2.6)
  • Kein fester Infrastruktur-Aufbau nötig
  • Große, aktive Community
  • Mehr Geräte, mehr Dokumentation
  • Komplett kostenlos (Open Source)

MeshCore

  • Dedizierte Repeater übernehmen das Routing
  • Braucht feste Repeater-Infrastruktur
  • In DE/NL/UK wachsend; Verbreitung regional sehr unterschiedlich
  • Geringerer Airtime-Verbrauch
  • Firmware frei (MIT), erweiterte App-Features kostenpflichtig

Lizenzmodell

Die MeshCore-Firmware ist Open Source (MIT-Lizenz). Erweiterte App-Funktionen (Karten, Telemetrie, GPS-Broadcast, Store-and-Forward) sind über den offiziellen Store kostenpflichtig. Basis-Funktionen (Nachrichten senden/empfangen) bleiben kostenlos.

Wer sollte was wählen?

Meshtastic hat weltweit die größte Community, die meiste Dokumentation und die meisten Geräte im Feld - Gerät einschalten, App verbinden, fertig, ganz ohne festen Infrastruktur-Aufbau.

MeshCore ist seit 2025 in Deutschland und den Nachbarländern schnell gewachsen und in manchen Regionen bereits gut ausgebaut (regional aber sehr unterschiedlich). Durch die dedizierten Repeater verbraucht es weniger Airtime - unter dem europäischen Duty-Cycle-Limit ein Vorteil. Es setzt allerdings auf feste Repeater, die jemand betreiben muss.

💡 Pragmatische Empfehlung: Entscheidend ist, welches Netz es in deiner Region schon gibt - schau vor dem Kauf, ob dort Meshtastic- oder MeshCore-Knoten aktiv sind (regionale Communitys wie "Mesh Hessen" oder LocalMesh helfen weiter). In Deutschland sind 2025/2026 vielerorts MeshCore-Netze entstanden, während Meshtastic global die größere Community bleibt. Der Umstieg ist unkritisch: Die gleiche Hardware läuft mit beiden Firmwares, du kannst also jederzeit wechseln.

Empfang oder Senden - Was brauchst du wirklich?

Bevor du Geld ausgibst, stell dir eine Frage: Willst du nur informiert bleiben oder aktiv kommunizieren? Die Antwort bestimmt, was du brauchst.

Nur informiert bleiben

  • Batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+)
  • Empfang von Behörden-Durchsagen
  • Keine Lizenz, keine Anmeldung
  • Ab 20 Euro (Kurbelradio)
  • BBK-Empfehlung für jeden Haushalt
  • Reicht für reine Informationsbeschaffung

Aktiv kommunizieren

  • Freenet/PMR446 für den Nahbereich (ohne Lizenz)
  • CB-Funk für mehr Reichweite (ohne Lizenz)
  • Meshtastic für Textnachrichten (ohne Lizenz)
  • Amateurfunk für große Reichweiten auf Kurzwelle (mit Lizenz)
  • Du kannst andere erreichbare Funkteilnehmer kontaktieren (keine garantierte Hörbereitschaft/Leitstelle)
  • Ab 50 Euro (lizenzfrei) bis 500+ Euro (Amateurfunk)
💡 Empfehlung: Die sinnvollste Kombination ist beides: Ein Radio zum Empfangen und ein Funkgerät zum Senden. So bist du sowohl informiert als auch handlungsfähig.

Satellitentelefon und Satelliten-Messenger

Wer im Notfall zuverlässig kommunizieren will, sollte Satellitentelefone und Satelliten-Messenger kennen. Sie gehören zu den robustesten Kommunikationsoptionen bei Krisenlagen, weil sie nicht vom lokalen Mobilfunknetz abhängen. Auch direkter Funk (Amateurfunk, Freenet, PMR, CB) funktioniert ohne Mobilfunkmasten - aber Satellitentelefone ermöglichen zusätzlich Anrufe ins Festnetz und zu anderen Sat-Telefonen weltweit.

Wie funktioniert Satellitenkommunikation?

Das Endgerät funkt direkt zum Satelliten im Orbit - ohne lokale Sendemasten oder Internetverbindung. Die Gesamtdienstleistung hängt aber weiterhin von der Infrastruktur des Satellitenbetreibers ab: Bodenstationen (Gateways) und Kernnetze auf mehreren Kontinenten vermitteln die Gespräche. Diese Infrastruktur ist redundant ausgelegt und liegt außerhalb Deutschlands - ein nationaler Stromausfall beeinträchtigt sie daher in der Regel nicht.

Die drei großen Satellitennetze

NetzSatellitenAbdeckungBesonderheit
Iridium66 LEO-SatellitenWeltweit inkl. PoleEinziges Netz mit echter Globalabdeckung
ThurayaGeostationärEuropa, Afrika, Naher/Mittlerer Osten, Teile AsiensGünstig im Standby; Asien/Pazifik seit dem Ausfall von Thuraya-3 (2024) eingeschränkt
InmarsatGeostationärWeltweit (ohne Pole)Bewährt in Schifffahrt und Luftfahrt
⚠️ Thuraya-Abdeckung seit 2024 eingeschränkt: Der Satellit Thuraya-3, der Süd- und Ostasien sowie den Pazifik versorgte, fiel im April 2024 durch einen Defekt am Nutzlast-System dauerhaft aus. Thuraya betreibt das Netz seither über den älteren Satelliten Thuraya-2: Dienste in Südostasien und großen Teilen Chinas wurden dorthin verlagert, Australien ist aber dauerhaft ausgeschlossen und die Versorgung am östlichen Rand (u.a. Richtung Japan) bleibt eingeschränkt. Für Europa, Afrika und den Nahen Osten ändert sich nichts - wer aber Richtung Asien/Pazifik plant, sollte die aktuelle Abdeckung beim Anbieter prüfen oder auf Iridium (echte Globalabdeckung) setzen.
💡 Wichtig: Satellitentelefone benötigen freie Sicht zum Himmel. In Gebäuden, unter dichtem Baumbestand oder in engen Straßenschluchten funktionieren sie nicht oder nur eingeschränkt. Iridium braucht freie Sicht rundherum, Thuraya und Inmarsat freie Sicht Richtung Südhimmel. Für stationären Betrieb in Gebäuden gibt es Dockingstationen mit externer Antenne.
⚠️ Wichtige Einschränkung: Ein Satellitentelefon kann senden, auch wenn das lokale Mobilfunknetz ausgefallen ist - aber der Anruf kommt nur an, wenn die Gegenseite erreichbar ist. Wenn bei einem Blackout das Mobilfunknetz ausfällt, kannst du deine Familie auf dem normalen Handy nicht erreichen. Zwei Satellitentelefone untereinander sind in der Regel auch dann erreichbar, weil der Anruf komplett über die Satelliteninfrastruktur vermittelt wird - unabhängig vom lokalen Mobilfunknetz. Wer ein Sat-Telefon für Krisenkommunikation anschafft, sollte also idealerweise sicherstellen, dass auch die wichtigsten Kontaktpersonen erreichbar sind - etwa durch ein zweites Gerät in der Familie oder bei Freunden.

Satellitentelefone: Kosten und Geräte

Thuraya-Geräte sind in der Regel am günstigsten (ab ca. 500 Euro neu), Inmarsat liegt im Mittelfeld, Iridium ist am teuersten (ab ca. 1.100 Euro), bietet dafür aber globale Polabdeckung. Gebrauchte Geräte sind deutlich günstiger erhältlich. Gesprächskosten liegen je nach Netz und Tarif typischerweise zwischen 0,70 und 2,00 Euro pro Minute. Konkrete Preise ändern sich - vor dem Kauf beim Händler oder Betreiber aktuell prüfen.

Zusätzlich zum Gerät fallen laufende Kosten an (Prepaid-Guthaben oder Vertrag). Wer das Gerät nur für Notfälle bereithält, fährt mit Thuraya-Prepaid am günstigsten: Die jährliche Grundgebühr liegt bei ca. 40-45 Euro, das Gerät bleibt erreichbar und empfangsbereit. Satellitentelefone lassen sich auch mieten, z.B. für Reisen oder Veranstaltungen.

Satelliten-Messenger: Günstiger Einstieg

Wer kein vollwertiges Satellitentelefon braucht, kann mit einem Satelliten-Messenger deutlich günstiger einsteigen. Diese Geräte senden Textnachrichten und GPS-Positionen über das Iridium-Netz und haben einen SOS-Notfallknopf, der eine internationale Rettungsleitstelle alarmiert.

Garmin bietet mit dem inReach Messenger und dem inReach Mini 2 kompakte Geräte mit SOS-Button, Zwei-Wege-Textnachrichten und GPS-Tracking über das Iridium-Netz. Die Geräte kosten je nach Modell ab ca. 230-400 Euro, dazu kommt ein monatliches Abo (ab ca. 20 Euro/Monat, pausierbar).

Wichtig: Satelliten-Messenger sind keine Telefone - sie senden Textnachrichten und GPS-Positionen, keine Sprache. Für Sprachtelefonie via Satellit braucht es ein echtes Satellitentelefon.

Bei Garmin inReach lässt sich das Abo pausieren, wenn man das Gerät gerade nicht aktiv nutzt. Die SOS-Funktion verbindet mit der Garmin IERCC (International Emergency Response Coordination Center), einer 24/7-Rettungsleitstelle.

Notruf via Satellit im Smartphone

Seit Ende 2022 bietet Apple auf dem iPhone 14 und neuer die Funktion Notruf SOS via Satellit an - auch in Deutschland. Per Textnachricht über Globalstar-Satelliten kann man Rettungsdienste kontaktieren, wenn kein Mobilfunkempfang verfügbar ist. Apple erweitert die Satellitenfunktionen schrittweise - neben dem Notruf gibt es in einigen Ländern bereits Nachrichten an Kontakte via Satellit. Aktuelle Verfügbarkeit für Deutschland auf der Apple-Supportseite prüfen. Die Notruf-Funktion war bisher für einen begrenzten Zeitraum nach Aktivierung kostenlos; Apple hat die Gratisphase mehrfach verlängert.

💡 Einordnung: Die iPhone-Satellitenfunktionen sind ein praktischer Zusatz für den Notfall, aber kein vollwertiger Ersatz für ein Satellitentelefon. Sprachtelefonie ist nicht möglich, und der Dienst läuft über Apples Partner Globalstar - er ist also an einen bestimmten Anbieter und dessen Bodeninfrastruktur gebunden. Für planbare, regelmäßige Satellitenkommunikation eignen sich dedizierte Geräte besser.

In einer Übersicht der Satellitendienste darf Starlink nicht fehlen - der Dienst von SpaceX gewinnt für die Krisenkommunikation zunehmend an Bedeutung. Starlink funkt über tausende erdnahe LEO-Satelliten und deckt zwei sehr unterschiedliche Anwendungsfälle ab:

🛰️ Satelliten-Internet über eine Antenne (heute verfügbar): Mit einem Starlink-Terminal ("Dishy") bekommt man auch ohne funktionierendes Fest- oder Mobilfunknetz eine vollwertige Breitband-Internetverbindung - inklusive Telefonie über Internet-Dienste, Messenger und E-Mail. In Deutschland ist das seit 2021 regulär buchbar. Für den Notfall entscheidend: Das Terminal braucht Strom (grob 50-75 W, per Powerstation oder Solar überbrückbar) und freie Sicht zum Himmel. Genau in dieser Rolle wird Starlink weltweit in Katastrophengebieten eingesetzt, wenn die terrestrische Infrastruktur zerstört ist. Die portable Variante Starlink Mini passt in einen Rucksack.
📱 Direkt ans Handy (Direct to Cell / satellite-to-mobile - in Deutschland noch nicht): Starlink baut zusätzlich einen Dienst auf, der normale Handys ohne Zusatzgerät direkt per Satellit anbindet. Ende 2025/Anfang 2026 ist er in einigen Ländern (u.a. USA, Australien, Japan, Neuseeland) mit SMS und ersten Apps live. In Deutschland ist er noch nicht produktiv: Die Deutsche Telekom hat eine Partnerschaft mit Starlink angekündigt, die Frequenzkoordination mit der Bundesnetzagentur läuft aber noch. Ein regulärer Start in Deutschland wird erst gegen Ende des Jahrzehnts erwartet (die Telekom nennt 2028). Für die Krisenvorsorge heute ist das Handy-per-Satellit hierzulande also noch keine verlässliche Option - anders als das Starlink-Internet über eine eigene Antenne.

Rechtliche Lage in Deutschland

In Deutschland können Privatpersonen Satellitentelefone ohne eigene Funkgenehmigung nutzen - die Frequenzzuteilung und Netzzulassung läuft über den jeweiligen Satellitenbetreiber. Praktisch heißt das: Gerät kaufen, SIM-Karte beim Anbieter aktivieren, nutzen. In einigen Regionen können Einschränkungen gelten, etwa zum Schutz von Radioteleskopen. In einigen Ländern außerhalb Europas (z.B. Indien, Nordkorea) sind Satellitentelefone verboten oder genehmigungspflichtig - bei Reisen vorher informieren.

Satellitentelefon vs. Amateurfunk

Satellitentelefon

  • Sofort einsatzbereit, keine Ausbildung nötig
  • Telefonate ins Festnetz/Mobilnetz möglich
  • SOS-Notruf an Rettungsleitstelle
  • Hohe Anschaffungs- und laufende Kosten
  • Punkt-zu-Punkt-Kommunikation (1:1)
  • Abhängig von kommerziellem Netzbetreiber

Amateurfunk

  • Lizenz und Ausbildung erforderlich
  • Keine Telefonate ins Festnetz
  • Kein SOS-Button, aber Notfunkfrequenzen
  • Geringe laufende Kosten nach Anschaffung
  • Gruppen- und Netzkommunikation mit mehreren Funkstellen
  • Direktverbindungen unabhängig; manche Digital-/Relaisdienste nutzen Infrastruktur
✅ Fazit: Satellitentelefone und Amateurfunk ergänzen sich. Ein Satellitentelefon ist ideal, um im Notfall schnell Hilfe zu rufen oder die Familie zu erreichen. Amateurfunk ist stärker, wenn es um koordinierte Kommunikation über längere Zeit geht - etwa bei der Organisation von Hilfsmaßnahmen, beim Austausch von Lageberichten oder beim Aufbau temporärer Kommunikationsnetze. Wer es sich leisten kann, hat beides.

QO-100 - Amateurfunk über Satellit ohne laufende Kosten

Für lizenzierte Funkamateure gibt es eine weitere Option für Satellitenkommunikation: den geostationären Satelliten QO-100 (Qatar-OSCAR 100, auf Es'hail-2). Seit 2019 ermöglicht er Amateurfunkverbindungen rund um die Uhr - die Abdeckung reicht von Ostbrasilien über Europa und Afrika bis nach Südostasien. Im Gegensatz zu Iridium oder Thuraya fallen keine laufenden Kosten an - allerdings ist QO-100 kein Ersatz für ein Satellitentelefon, sondern ein Amateurfunk-Transponder: nur für Lizenzinhaber, keine Verschlüsselung, keine garantierte Privatkommunikation.

QO-100 bietet zwei Transponder: einen Schmalband-Transponder für SSB, CW und digitale Betriebsarten (z.B. JS8Call, FT8) sowie einen Breitband-Transponder für digitales Fernsehen (DATV). Für den Notfunk besonders relevant: Die IARU hat auf QO-100 eine internationale Notfunkfrequenz eingerichtet (Downlink 10489,860 MHz).

Die Ausrüstung ist allerdings nicht trivial:

  • Uplink: 2,4 GHz (13-cm-Band) über eine Parabolantenne; die nötige Leistung hängt stark von Antenne, Feed und Verlusten ab (grob wenige Watt)
  • Downlink: 10 GHz (3-cm-Band), Empfang mit handelsüblichem LNB an einer Satellitenschüssel (ab 60 cm)
  • Vollduplex-Betrieb dringend empfohlen - man sollte das eigene Signal auf dem Downlink mithören, um den Transponder nicht zu übersteuern
  • Gesamtkosten für eine Grundausstattung: ca. 300-600 Euro
💡 Für den Notfunk: QO-100 ist kein Gerät, das man im Ernstfall zum ersten Mal auspackt. Wer es als Notfunk-Option nutzen will, sollte die Station vorher aufgebaut und getestet haben. Der Vorteil gegenüber Kurzwelle: Die Verbindung ist sehr stabil, weil der Satellit geostationär ist - keine ionosphärischen Ausbreitungsbedingungen wie auf KW. Bei starkem Regen kann es allerdings zu Signaldämpfung auf dem 10-GHz-Downlink kommen (Regenfading). Portabler Betrieb mit Powerstation und Klappschüssel ist möglich, erfordert aber Übung beim Ausrichten der Antenne.

Ehrliche Einschätzung - Was ist für wen das Richtige?

Jetzt wird es ernst. Denn die meisten Leute, die sich für Notfunk interessieren, brauchen keinen Amateurfunk. Klingt komisch auf einer Seite, die auf die Amateurfunkprüfung vorbereitet - ist aber ehrlich.

Die große Vergleichstabelle

AnforderungFreenetPMR446CB-FunkMeshtasticSat-TelefonAmateurfunk
SpracheJaJaJaNeinJaJa
TextNeinNeinNeinJaJa (SMS)Ja (Winlink, APRS)
E-Mail ohne InternetNeinNeinNeinNeinNeinÜber Funk-Gateway (Station ohne eigenen Internetanschluss; Gateway meist mit Internet)
Reichweite lokal*0,5-5 km0,5-3 km5-30 km1-10 km (Mesh)WeltweitJe nach Relais/Gelände
Reichweite überregionalNeinNeinNeinBegrenztWeltweitJa (KW, bedingungsabhängig)
Lizenz nötigNeinNeinNeinNeinNeinJa
Kosten Einstieg50-100 Euro20-60 Euro80-200 Euro15-50 EuroAb 230 Euro (Messenger) / ab 500 Euro (Telefon)150-500 Euro
Laufende KostenKeineKeineKeineKeineAbo oder Prepaid erforderlichKeine
Infrastruktur nötigNeinNeinNeinMesh-KnotenSatellit (kommerziell)Nein im Direktbetrieb (Simplex/KW); Relais, Gateways und Digimodi-Netze brauchen Infrastruktur
Autarker DauerbetriebStundenStundenStundenTage-WochenStunden (Akku)Tage+ (Akku/Solar)

* Reichweitenangaben sind grobe Erfahrungswerte. Die tatsächliche Reichweite hängt stark von Gelände, Bebauung, Antenne und Aufstellhöhe ab.

Ohne Lizenz (für die meisten)

  • Freenet-Geräte für die Familie (Sprachfunk)
  • Meshtastic für Textnachrichten
  • Batteriebetriebenes Radio für Behörden-Durchsagen
  • Morgen einsatzbereit, unter 150 Euro
  • Reicht für die meisten realistischen Szenarien

Mit Amateurfunklizenz (für Engagierte)

  • Sprechfunk über Relais und Kurzwelle (je nach Bedingungen)
  • E-Mail über Funk (Winlink)
  • Einbindung in DARC-Notfunkstrukturen
  • Autarker Dauerbetrieb mit Notfunk-Koffer
  • Du hilfst nicht nur dir, sondern auch anderen

Für die meisten Menschen: Freenet + Radio

✅ Einfachste Lösung - schnell einsatzbereit
  • Ein Paar Freenet-Funkgeräte (je eins pro Familienmitglied/Haushalt) - Sprachfunk in der Nachbarschaft
  • Ein batteriebetriebenes UKW-Radio (mit Kurbel oder Solar) - Behörden-Durchsagen empfangen
  • Optional: Ein Meshtastic-Knoten - Textnachrichten, wenn es in deiner Region ein Netz gibt

Gesamtkosten: unter 150 Euro. Keine Lizenz. Reicht für die meisten realistischen Szenarien.

Für Technikbegeisterte: Meshtastic oder CB-Funk

💡 Für Bastler und Tüftler
Meshtastic ist spannend: günstig, Open Source, Mesh-Netzwerk. Gut geeignet, wenn du gerne an Hardware und Software tüftelst. Aber: nur kleine Datenpakete (Text, Position, Telemetrie), und für größere Reichweiten müssen weitere Knoten vorhanden sein.

CB-Funk bietet 4 Watt auf 80 Kanälen mit externen Antennen - deutlich mehr Reichweite als Freenet oder PMR446. Kanal 9 wird traditionell für Not- und Hilferufe genutzt (kein staatlich überwachter Notrufkanal). Nachteil: größere Geräte, störanfällig auf 27 MHz.

Für Engagierte: Amateurfunklizenz

📡 Die anspruchsvollste, aber vielseitigste Option
Wer auch ohne öffentliche Infrastruktur über größere Entfernungen kommunizieren will - mit Sprechfunk, Digitalmodi, E-Mail über Funk - kommt am Amateurfunk kaum vorbei. Die Amateurfunklizenz ist nicht nur für dich selbst eine Absicherung: Du kannst im Ernstfall auch anderen helfen, indem du Kommunikationsverbindungen unterstützt, wo reguläre Wege ausgefallen sind.
✅ Die beste Strategie ist eine Kombination: Freenet für die Familie im Nahbereich, ein Radio für Behörden-Durchsagen - und wer es ernst meint, macht die Amateurfunklizenz. Das eine schließt das andere nicht aus. Und die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie.

Praktische Tipps: Notfunk-Vorsorge heute starten

✅ Sofort umsetzbar (ohne Lizenz, ohne Vorkenntnisse)
  • Batteriebetriebenes Radio kaufen (UKW/DAB+, mit Kurbel oder Solar) - um Behörden-Durchsagen zu empfangen
  • Freenet-Funkgeräte für die Familie anschaffen und einen gemeinsamen Kanal festlegen
  • Analogen Treffpunkt vereinbaren - "Wenn wir uns nicht erreichen, treffen wir uns bei..."
  • Powerbank und Ersatzbatterien bereithalten
💡 Mittelfristig (mit etwas Vorbereitung)
  • Meshtastic ausprobieren - Heltec LoRa32 für unter 20 Euro bestellen und testen, ob es in deiner Region Knoten gibt
  • Amateurfunklizenz Klasse N ins Auge fassen - je nach Vorkenntnissen in einigen Wochen Lernzeit machbar
  • DARC-Ortsverband besuchen und Notfunk-Gruppe kennenlernen
  • Meshtastic-Knoten an erhöhtem Punkt aufstellen (Dachboden, Balkon) mit kleinem Solarpanel
📡 Langfristig (für Engagierte)
  • Aufstieg auf Klasse E oder A für Kurzwelle und höhere Sendeleistung
  • Notfunk-Koffer aufbauen (Level 2 oder 3) mit autarker Stromversorgung
  • Winlink-Station einrichten für E-Mail über Funk
  • An DARC-Notfunkübungen teilnehmen und Zusammenarbeit mit THW/Feuerwehr vor Ort aufbauen
  • Akku-Freitag mitmachen - regelmäßig die Einsatzbereitschaft des eigenen Go-Kits testen

Amateurfunklizenz - Dein Einstieg in mehr Unabhängigkeit

Mit der Amateurfunklizenz darfst du senden, wo andere nur zuhören können. Die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie: 195 Technikfragen (dazu die Teile Betrieb und Vorschriften) lernen, Prüfung ablegen, eigenes Rufzeichen erhalten.

Klasse N kennenlernen

Häufige Fragen

Brauche ich eine Lizenz für Notfunk?

Kommt drauf an, welches System du nutzt. Für Freenet, PMR446, CB-Funk und Meshtastic brauchst du keine Lizenz. Für Amateurfunk brauchst du eine Lizenz (Klasse N, E oder A). Ohne die erforderliche Berechtigung darf man Funkanlagen grundsätzlich nicht auf zugeteilten Amateurfunk-, BOS- oder anderen geschützten Frequenzen betreiben. In einer gegenwärtigen, anders nicht abwendbaren Gefahr für Leib und Leben kann eine einzelne Hilfehandlung im Ausnahmefall über den rechtfertigenden Notstand (§ 34 StGB) gerechtfertigt sein - das ist aber immer eine Einzelfallabwägung und keine allgemeine Sendeerlaubnis. Für vorbereitenden Notfunk brauchst du die entsprechende Berechtigung.

Funktioniert mein Handy bei Stromausfall noch?

Dein Handy selbst funktioniert, solange der Akku geladen ist. Aber das Mobilfunknetz fällt bei längerem Stromausfall aus, weil die Sendemasten nur begrenzt notstromversorgt sind. Dann zeigt dein Handy "Kein Netz" an - selbst mit vollem Akku. Zusätzlich ist das Netz oft schon vorher überlastet, weil alle gleichzeitig telefonieren wollen.

Was ist besser: Meshtastic oder Amateurfunk?

Beides hat seinen Platz und ergänzt sich. Meshtastic ist ideal für Textnachrichten ohne Lizenz und kostet fast nichts. Amateurfunk ermöglicht Sprechfunk, höhere Leistung und je nach Bedingungen große Reichweiten auf Kurzwelle. Die beste Lösung für ernsthafte Krisenvorsorge ist eine Kombination aus beidem.

Was empfiehlt das BBK für die Krisenkommunikation?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt ein batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+) im Haushalt, um amtliche Warnungen und Informationen über den Rundfunk empfangen zu können. Zusätzlich empfiehlt das BBK, Treffpunkte mit der Familie zu vereinbaren und örtliche Notfallanlaufstellen zu kennen. Unabhängig davon kann als private Vorsorge ein geeignetes lizenzfreies Funkgerät sinnvoll sein - dann sollten Kanal, Kommunikationspartner und Treffpunkte vorher vereinbart sein.

Was kostet der Einstieg in Notfunk?

Ohne Lizenz: Ein Paar Freenet-Geräte ab ca. 80 Euro, ein batteriebetriebenes Radio ab 20 Euro, ein Meshtastic-Knoten ab 15 Euro. Mit Amateurfunklizenz: Prüfungsgebühr ca. 80 Euro, ein einfaches Handfunkgerät ab 30 Euro. Ein Notfunk-Koffer mit Kurzwelle und autarker Stromversorgung kostet 500-1.500 Euro.

Was ist der Unterschied zwischen MeshCore und Meshtastic?

Beide nutzen LoRa-Funk für Mesh-Netzwerke, unterscheiden sich aber im Routing: Bei Meshtastic können die Knoten je nach Rolle und Konfiguration Pakete anderer weiterleiten. Bei MeshCore übernehmen dedizierte Repeater das Routing - Endgeräte senden und empfangen nur. MeshCore ist dadurch airtime-effizienter (ein Vorteil unter dem europäischen Duty-Cycle-Limit), braucht aber feste Repeater. Meshtastic hat global die größere Community; in Deutschland ist MeshCore seit 2025 vielerorts gewachsen. Die Verbreitung ist regional unterschiedlich - am wichtigsten ist, welches Netz es an deinem Standort gibt.

Wie finde ich eine Notfunk-Gruppe in meiner Nähe?

Über die Website des DARC (darc.de) kannst du den nächsten Ortsverband in deiner Nähe finden. Viele Ortsverbände haben eigene Notfunk-Gruppen mit regelmäßigen Treffen und Übungen. Die DARC Notfunkkarte zeigt auf einer interaktiven Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Ausrüstung aktiv sind. Du brauchst eine Amateurfunklizenz, um aktiv mitzufunken.

Kann ich mit Meshtastic auch Sprachnachrichten senden?

Nein. Meshtastic ist für kleine Datenpakete ausgelegt - Textnachrichten, Positions- und Telemetriedaten. Die Datenrate von LoRa ist für kontinuierliche Sprache oder reguläre Bildübertragung zu niedrig. Für Sprachkommunikation brauchst du ein klassisches Funkgerät (Freenet, PMR446, CB-Funk oder Amateurfunk).

Was ist BOS-Digitalfunk und warum kann ich ihn nicht nutzen?

Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland, betrieben von der BDBOS. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen; zugelassene, im Netz registrierte Endgeräte erhalten nur berechtigte Stellen. Privatpersonen dürfen den BOS-Digitalfunk nicht nutzen und sich keinen unberechtigten Zugang zum Netz verschaffen. Die Basisstationen haben eine bessere Notstromversorgung als Mobilfunkmasten, stoßen bei tagelangem Stromausfall aber ebenfalls an ihre Grenzen.

Welche Frequenzen werden bei Notfunk verwendet?

Im Amateurfunk sind die wichtigsten Notfunkfrequenzen 3,643 MHz und 3,760 MHz (80m, Kurzwelle) sowie 145,500 MHz (2m, UKW-Anruffrequenz) - das sind Center-of-Activity- bzw. Anruffrequenzen, keine dauerhaft bewachten Notrufkanäle. Bei den lizenzfreien Funkdiensten gibt es keine staatlich festgelegten Notrufkanäle: Für Freenet und PMR446 empfehlen Notfunkinitiativen informell Kanal 1 als Anruf- und Kanal 3 als Arbeitskanal; beim CB-Funk gilt traditionell Kanal 9 (27,065 MHz) als Ruf für Not- und Hilfefälle. Eine Abhör- oder Hilfegarantie gibt es bei keinem davon.

Kann ich im Notfall ohne Lizenz auf Amateurfunkfrequenzen senden?

Ohne die erforderliche Berechtigung dürfen Funkanlagen grundsätzlich nicht auf Amateurfunk-, BOS- oder anderen geschützten Frequenzen betrieben werden - das Telekommunikationsgesetz enthält keine pauschale Notfall-Erlaubnis dafür. In einer gegenwärtigen, anders nicht abwendbaren Gefahr für Leib und Leben kann eine einzelne Hilfehandlung im Ausnahmefall über den rechtfertigenden Notstand (§ 34 StGB) gerechtfertigt sein; daraus folgt aber keine allgemeine Erlaubnis, vorsorglich oder zu Übungszwecken ohne Zulassung zu senden. Für vorbereitenden Notfunk (regelmäßige Übungen, organisierte Krisenkommunikation) brauchst du zwingend eine Amateurfunklizenz - die Klasse N reicht für UKW-Notfunk auf 2m und 70cm.

Quellen

×Vollbild