Die Ionosphäre ist der elektrisch geladene Bereich der oberen Erdatmosphäre. Sonnenstrahlung löst dort Elektronen aus Atomen und Molekülen, sodass freie Elektronen und positive Ionen entstehen. Diese Teilchen verändern die Ausbreitung von Funkwellen: Bestimmte Frequenzen werden gebrochen und kehren zur Erde zurück, andere werden absorbiert oder durchdringen die Ionosphäre ins Weltall. Genau das macht weltweite Kurzwellenverbindungen möglich - und erklärt zugleich Schwund, tote Zonen und Funkbedingungen, die sich stündlich ändern. Kein anderes Thema im Amateurfunk entscheidet so unmittelbar darüber, ob eine Verbindung zustande kommt.
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Was ist die Ionosphäre?
Kurz gesagt: Die Ionosphäre ist keine Schicht aus eigenem Material, sondern ein Zustand der oberen Atmosphäre: der Höhenbereich, in dem genug freie Elektronen vorhanden sind, um Funkwellen messbar zu beeinflussen. Ihre zentrale Kenngröße ist die Elektronendichte.
Nach einer festen Ober- und Untergrenze zu suchen, führt in die Irre. Die Angaben schwanken je nach Quelle und Messgröße erheblich:
| Quelle | Untergrenze | Obergrenze |
|---|---|---|
| NASA | rund 48 km | rund 965 km |
| NOAA SWPC | rund 80 km | rund 600 km |
| ARRL | rund 50 km | rund 650 km |
Diese Streuung ist kein Fehler, sondern die Sache selbst: Die Ionisation nimmt nach oben kontinuierlich ab und geht ohne Kante in die Plasmasphäre und die Magnetosphäre über. Als Konvention wird der Übergang oft bei 1000 km angesetzt, wo die Konzentration von Sauerstoff- und Wasserstoffionen etwa gleich ist. Auch das ist eine Festlegung und keine feste Höhe: Das Verhältnis verschiebt sich mit Sonnenaktivität, Tageszeit und geografischer Lage.
Wie entsteht die Ionosphäre?
Ionisation
Energiereiche Strahlung der Sonne schlägt Elektronen aus neutralen Atomen und Molekülen. Zurück bleiben ein freies Elektron und ein positives Ion. Entscheidend ist, dass verschiedene Wellenlängen in verschiedenen Höhen wirken:
- Lyman-Alpha bei 121,6 nm und harte Röntgenstrahlung dringen am tiefsten ein und ionisieren im Bereich der D-Region.
- Weiche Röntgenstrahlung und UV im Bereich weniger bis einiger zehn Nanometer wirken in der E-Region.
- Extremes UV wird bereits weiter oben absorbiert und speist die F-Region.
Dahinter steckt ein Gleichgewicht, das schon 1931 als Chapman-Theorie beschrieben wurde: Ganz oben ist die Strahlung am stärksten, es gibt aber kaum Teilchen zum Ionisieren. Weiter unten wächst die Teilchendichte, dafür ist die Strahlung schon geschwächt. Das Maximum liegt dazwischen.
Rekombination
Freie Elektronen finden ihre Ionen wieder - und wie schnell, hängt an der Luftdichte. Je dichter die Luft, desto häufiger treffen sich die Partner.
Deshalb verhalten sich die Regionen nach Sonnenuntergang so unterschiedlich: Die dichte D-Region löst sich in der Größenordnung von Minuten weitgehend auf, die E-Region verliert im Lauf etwa einer Stunde stark an Dichte, und die F2-Region bleibt über Nacht bestehen. Die genauen Zeiten hängen von Jahreszeit, Breite und Höhe ab.
Die geringe Dichte in der F2-Region ist dabei nur ein Teil der Erklärung. Dass sie nachts überlebt, liegt außerdem an Diffusion entlang des Erdmagnetfelds, an thermosphärischen Winden und am Plasmaaustausch mit den Bereichen darüber - reine Rekombinationsrechnung greift zu kurz.
Nein. Sie verändert sich. Die unteren Regionen werden schwach, die F2-Region bleibt - und genau deshalb funktionieren die unteren Bänder nachts überhaupt erst richtig: Die Absorption geht stark zurück, während die Raumwellenausbreitung über F2 weiterhin möglich ist.
Die Regionen der Ionosphäre
Die klassische Einteilung in D, E, F1 und F2 stammt aus der Frühzeit der Ionosphärenforschung. Sie ist nützlich, darf aber nicht als Stapel fester Schichten missverstanden werden. Auch die Höhenangaben unterscheiden sich je nach Quelle um mehrere zehn Kilometer.
| Region | Grobe Höhe | Tagsüber | Nachts | Wirkung auf Funk |
|---|---|---|---|---|
| D | etwa 50 bis 90 km | ausgeprägt | löst sich weitgehend auf | starke Absorption der unteren Kurzwellenbänder |
| E | etwa 90 bis 150 km | vorhanden | stark geschwächt | kürzere Sprünge, gelegentlich Sporadic E |
| F1 | etwa 150 bis 220 km | oft getrennt erkennbar | verschmilzt mit F2 | trägt zur Ausbreitung bei |
| F2 | etwa 200 bis 400 km, stark variabel | höchste Elektronendichte | bleibt bestehen | die Region für Weitverkehr und DX |
Warum die D-Region dämpft statt zu reflektieren
Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt. Eine Funkwelle regt die freien Elektronen zum Mitschwingen an. Was danach passiert, entscheidet die Stoßhäufigkeit:
- hohe Luftdichte
- das schwingende Elektron stößt millionenfach je Sekunde mit Neutralteilchen zusammen
- bei jedem Stoß geht Energie als Wärme verloren
- Ergebnis: Absorption
- sehr geringe Luftdichte
- das Elektron schwingt weitgehend ungestört
- die Energie bleibt im Plasma statt in Wärme überzugehen
- Ergebnis: Brechung und Rückkehr zur Erde
Genau genommen ist das eine Vereinfachung: Die Brechung entsteht nicht dadurch, dass einzelne Elektronen Energie zurückstrahlen, sondern aus der gemeinsamen Antwort des gesamten Elektronenplasmas, die sich im Brechungsindex ausdrückt. Für das Verständnis reicht das Bild, für die Rechnung nicht.
In vereinfachten Modellen nimmt die Dämpfung in der D-Region näherungsweise mit dem Quadrat der Frequenz ab: Verdoppelst du die Frequenz, sinkt die Dämpfung etwa auf ein Viertel. Die tatsächliche Absorption hängt zusätzlich an Stoßfrequenz, Elektronendichte, Erdmagnetfeld und der Länge des Weges durch die Region. Deshalb ist 80 m mittags für große Entfernungen kaum brauchbar, während 20 m gleichzeitig um die halbe Welt geht - für kurze Strecken über steile Abstrahlung funktioniert 80 m tagsüber durchaus.
Elektronendichte in Zahlen
Die Größenordnungen machen anschaulich, warum die F2-Region den Weitverkehr trägt:
| Region | Elektronen je Kubikzentimeter |
|---|---|
| D | etwa 100 bis 10.000 |
| E | Größenordnung 100.000 |
| F2 (Tagesmaximum) | bis etwa 1.000.000 |
Sporadic E
Ein Sonderfall, der jeden Sommer für Aufregung sorgt. Sporadic E besteht aus dünnen, lokal stark ionisierten Wolken in Höhe der E-Region. Sie können Frequenzen zurückführen, die dort niemand erwarten würde - auf 10 m, 6 m und gelegentlich sogar 2 m entstehen dadurch Verbindungen über mehrere hundert bis über tausend Kilometer.
Wie beeinflusst die Ionosphäre Funkwellen?
Im Funkalltag heißt es, die Ionosphäre "reflektiere" Kurzwellen. Als Bild ist das brauchbar, physikalisch aber verkürzt.
Tatsächlich läuft die Welle in ein Medium mit stetig zunehmender Elektronendichte. Der Brechungsindex sinkt dabei kontinuierlich, und die Welle wird Stück für Stück von der Senkrechten weggekrümmt - bis sie unter günstigen Bedingungen so weit umgebogen ist, dass sie zur Erde zurückkehrt. Es gibt keinen Spiegelpunkt, sondern einen ausgedehnten Bogen. Der "virtuelle Spiegel" ist ein Rechenmodell, kein Ort.
Ob eine Welle zurückkommt, hängt vom Verhältnis ihrer Frequenz zur örtlichen Plasmafrequenz ab:
| Frequenz | Was passiert |
|---|---|
| zu niedrig | starke Absorption in der D-Region, das Signal kommt nicht durch |
| passend | Brechung in E oder F, Rückkehr zur Erde |
| zu hoch | die Welle durchdringt die Ionosphäre und verschwindet im Weltall |
Für die Brechung stimmt das, für die Praxis nicht. Was die untere Kurzwelle tagsüber unbrauchbar macht, ist nicht fehlende Brechung, sondern die Absorption auf dem Weg dorthin. Die Welle würde zurückkommen - sie schafft es nur nicht durch die D-Region.
Wie gut sitzt die Physik?
Vier Originalfragen aus dem Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, aus den Klassen N, E und A. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
NH102 Warum ist die Ionosphäre ausschlaggebend für die Kurzwellenausbreitung? In der Ionosphäre werden elektromagnetische Wellen durch ...
- elektrisch geladene Teilchen gebrochen (refraktiert).
- Wärme verstärkt und reflektiert.
- Kälte gebrochen und reflektiert.
- Temperaturübergänge gebrochen (refraktiert).
AH101 Welcher Effekt sorgt hauptsächlich dafür, dass ionosphärische Regionen Funkwellen zur Erde ablenken können?
- Die von der Sonne ausgehende UV-Strahlung ionisiert - je nach Strahlungsintensität - die Moleküle in den verschiedenen Regionen.
- Die von der Sonne ausgehende Infrarotstrahlung ionisiert - je nach Strahlungsintensität - die Moleküle in den verschiedenen Regionen.
- Die von der Sonne ausgehende UV-Strahlung aktiviert - je nach Strahlungsintensität - die Sauerstoffatome in den verschiedenen Regionen.
- Die von der Sonne ausgehende Infrarotstrahlung aktiviert - je nach Strahlungsintensität - die Sauerstoffatome in den verschiedenen Regionen.
EH103 Welche ionosphärische Region ermöglicht im wesentlichen Weitverkehrsverbindungen im Kurzwellenbereich?
- F2-Region
- D-Region
- E-Region
- F1-Region
EH304 Was verstehen Sie unter dem Begriff "Sporadic-E"?
- Die Refraktion (Brechung) in lokal begrenzten Bereichen mit ungewöhnlich hoher Ionisation innerhalb der E-Region.
- Kurzfristige plötzliche Inversionsänderungen in der E-Region, die Fernausbreitung im VHF-Bereich ermöglichen.
- Kurzzeitig auftretende starke Reflexion von VHF-Signalen an Meteorbahnen innerhalb der E-Region.
- Lokal begrenzten kurzzeitigen Ausfall der Reflexion durch ungewöhnlich hohe Ionisation innerhalb der E-Region.
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Kritische Frequenz, MUF und LUF
Hier liegt das fachliche Zentrum. Drei Begriffe, die oft durcheinandergehen.
Die kritische Frequenz
Die kritische Frequenz ist die höchste Frequenz, die bei senkrechtem Einfall von einer Region noch zurückgeführt wird. Für die F2-Region heißt sie foF2. Sie hängt allein von der maximalen Elektronendichte ab:
$f_\mathrm{c} \approx 9 \cdot \sqrt{N_\mathrm{e}}$
MUF - die höchste nutzbare Frequenz
Schräg eingestrahlt kommt deutlich mehr zurück als senkrecht. Die MUF ist die höchste Frequenz, die auf einem konkreten Funkweg noch nutzbar ist. Näherungsweise gilt die Sekantenregel:
$\displaystyle MUF = \frac{f_\mathrm{c}}{\cos \theta}$
Dabei ist $\theta$ der Einfallswinkel gegen die Senkrechte. Je flacher die Welle eintritt, desto größer der Faktor. Für lange, flach eingestrahlte Wege kann die MUF ein Mehrfaches der kritischen Frequenz erreichen - bei sehr flachem Einfall liegt der Faktor in der Größenordnung von drei. Eine allgemeine Regel ist das nicht: Der Faktor hängt an Weglänge, Einfallswinkel und Höhenprofil. Und die Näherung setzt eine ebene, gleichmäßige Schicht voraus, während bei großen Entfernungen die Erdkrümmung hineinmuss und die reale Ionosphäre nirgends gleichmäßig ist.
Sie gilt immer für einen bestimmten Funkweg, einen bestimmten Zeitpunkt und einen bestimmten Ausbreitungsmodus. Eine MUF von 24 MHz nach Japan sagt nichts über den Weg nach Brasilien. Und in Vorhersagen ist sie ein Medianwert: An etwa der Hälfte der Tage eines Monats liegt die tatsächliche Grenzfrequenz darüber, an der anderen Hälfte darunter.
LUF - die niedrigste nutzbare Frequenz
Die LUF ist das Gegenstück, aber sie ist keine geometrische Größe. Sie beschreibt, ab wann unten so viel Absorption dazukommt, dass das Signal im Rauschen verschwindet. Damit hängt sie an ganz anderen Dingen:
- Absorption in der D-Region und damit an Tageszeit und Sonnenstand
- Sendeleistung und Antennengewinn
- Störpegel am Empfangsort
- Betriebsart und dem Signal-Rausch-Abstand, den sie braucht
Zwischen LUF und MUF liegt das nutzbare Frequenzfenster. Ist es geschlossen - weil die Absorption bis über die MUF reicht - hilft auf diesem Weg keine Frequenz mehr.
FOT - die optimale Arbeitsfrequenz
In der Praxis arbeitet man mit Sicherheitsabstand unter der MUF. Verbreitet ist die Konvention FOT etwa 0,85 mal MUF, je nach Verfahren werden auch 80 bis 90 Prozent angesetzt. Das ist keine Naturkonstante, sondern eine statistische Faustregel aus der Ausbreitungsvorhersage: Sie soll eine Frequenz treffen, die deutlich häufiger trägt als der Median. Welche Zuverlässigkeit dahintersteht, hängt am jeweiligen Vorhersageverfahren.
Sprungdistanz, tote Zone und Mehrfachsprünge
Zwei Begriffe werden hier gern vermischt. Die Sprungweite ist die Entfernung, die ein einzelner Sprung überbrückt. Die Sprungdistanz im klassischen Sinn ist enger gefasst: die kürzeste Entfernung vom Sender, in der eine bestimmte Frequenz über die Raumwelle wieder ankommt - steiler abgestrahlt durchdringt sie die Ionosphäre nämlich.
Beides hängt ab von Frequenz, dem Abstrahlwinkel der Antenne, der Höhe der wirksamen Region und dem Elektronendichteprofil - nicht von der Sendeleistung.
Zwischen dem Ende der Bodenwelle und dem ersten Auftreffpunkt der Raumwelle liegt die tote Zone. Dort ist die Station schlicht nicht zu hören, obwohl sie tausend Kilometer weiter gut ankommt.
| Region | Verbreitete Lehrwerte für einen Einzelsprung |
|---|---|
| E | bis etwa 2.000 km |
| F2 | bis etwa 4.000 km |
Diese Zahlen sind Rechenwerte, keine Naturkonstanten: Sie folgen aus Erdkrümmung und Schichthöhe und hängen davon ab, welchen flachsten noch nutzbaren Abstrahlwinkel man ansetzt. Je nach Annahme kommt man auch auf deutlich andere Werte. Für größere Entfernungen braucht es Mehrfachsprünge - und jeder Bodenkontakt dazwischen kostet Energie, besonders über Land.
Treffen mehrere Wege gleichzeitig ein, überlagern sie sich. Daraus entsteht Fading: als Nahschwund durch Überlagerung von Boden- und Raumwelle, oder als selektiver Schwund, bei dem einzelne Frequenzanteile innerhalb desselben Signals unterschiedlich stark ausgelöscht werden. Deshalb klingt eine SSB-Station bei Mehrwegeempfang manchmal verzerrt statt nur leise.
Tagesgang, Jahreszeit und Sonnenzyklus
Die Ionosphäre ist nie zweimal gleich. Drei Rhythmen überlagern sich.
| Situation | Was passiert | Begünstigt |
|---|---|---|
| Tag | starke Ionisation, D-Region aktiv, hohe MUF | die höheren Bänder |
| Nacht | D-Region stark abgeschwächt, MUF sinkt | die unteren Bänder |
| Dämmerung | Übergangszustand entlang der Tag-Nacht-Grenze | Greyline-Verbindungen |
| Sonnenfleckenmaximum | höhere F2-Ionisation | die oberen Bänder, häufiger und über größere Entfernungen |
Alles davon sind Tendenzen, keine Garantien. Und der Funkweg zählt als Ganzes: Bei einer Verbindung nach Australien ist es unterwegs irgendwo Nacht, egal wie hell es bei dir ist.
Die Winteranomalie
Ein schönes Beispiel dafür, dass mehr Einstrahlung nicht automatisch mehr Elektronen bedeutet: In vielen mittleren Breiten liegt die Elektronendichte der F2-Region tagsüber im Winter höher als im Sommer - obwohl die Sonne im Sommer viel stärker einstrahlt. Verantwortlich ist nicht die Produktion, sondern die Verlustseite: Die Zusammensetzung der neutralen Atmosphäre verändert sich mit der jahreszeitlichen Zirkulation und treibt im Sommer die Verlustrate hoch. Ausgeprägt ist der Effekt nicht überall und nicht zu jeder Zeit gleich.
Der Sonnenzyklus
Über etwa elf Jahre schwankt die Sonnenaktivität. Im Maximum steigt im Mittel die Ionisation der F2-Region, die MUF liegt höher, und die oberen Bänder öffnen sich regelmäßig für weltweite Verbindungen mit kleiner Leistung. Mehr dazu im Beitrag über den Sonnenzyklus - und wie es aktuell aussieht, zeigt das Funkwetter.
Langfristig steigt die MUF, kurzfristig steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit für Flares und geomagnetische Stürme. Ein starkes Maximum bringt beides: mehr offene Bänder und mehr Tage, an denen einzelne Wege, Frequenzen oder Regionen erheblich gestört sind.
Wenn die Sonne stört
Vier Ereignistypen wirken auf ganz unterschiedliche Weise - und mit ganz unterschiedlicher Vorwarnzeit.
| Ereignis | Laufzeit zur Erde | Wirkung |
|---|---|---|
| Flare | rund 8 Minuten | Röntgenstrahlung ionisiert die D-Region zusätzlich, Kurzwelle bricht auf der Tagseite ein |
| Protonenereignis | Stunden | starke Absorption über den Polkappen, Polrouten fallen aus |
| Koronaler Massenauswurf | etwa ein bis mehrere Tage | geomagnetischer Sturm, F2-Dichte kann steigen oder einbrechen |
Der Kurzwellenausfall nach einem Flare heißt im deutschen Sprachraum Mögel-Dellinger-Effekt, international meist Radio Blackout oder Sudden Ionospheric Disturbance. Der unmittelbare Röntgeneffekt in der D-Region wirkt auf der sonnenbeschienenen Seite - die Nachtseite ist davon direkt nicht betroffen. Die NOAA skaliert diese Blackouts nach dem Röntgenfluss von R1 bis R5, beschreibt dabei aber erwartbare Auswirkungen, keine garantierten Werte:
| Stufe | Röntgenklasse | Beschriebene Wirkung |
|---|---|---|
| R1 | M1 | schwache Beeinträchtigung, gelegentlicher Verbindungsverlust |
| R2 | M5 | begrenzter Ausfall, Verlust für einige zehn Minuten |
| R3 | X1 | großflächiger Ausfall, rund eine Stunde |
| R4 | X10 | Ausfall auf fast der gesamten Tagseite, ein bis zwei Stunden |
| R5 | X20 | vollständiger Ausfall auf der gesamten Tagseite, mehrere Stunden |
Ein geomagnetischer Sturm wirkt langsamer und komplizierter. Ob ein koronaler Massenauswurf überhaupt etwas anrichtet, hängt an Geschwindigkeit, Dichte, Dauer und vor allem an der Richtung des mitgeführten Magnetfelds: Erst ein länger anhaltender südwärts gerichteter Anteil koppelt wirksam Energie ein. Danach kann die F2-Elektronendichte anormal steigen (positiver Ionosphärensturm) oder einbrechen (negativer Ionosphärensturm) - hohe Breiten reagieren meist früh und kräftig, je nach Sturmphase verändern sich aber auch mittlere und niedrige Breiten deutlich.
Welche Kennzahlen helfen wirklich?
| Kennzahl | Beschreibt | Sagt nicht |
|---|---|---|
| SFI (F10.7) | solare Radiostrahlung bei 10,7 cm als Aktivitätsindikator | die MUF eines konkreten Funkwegs |
| Sonnenfleckenzahl | langfristige Aktivität | die Bedingungen heute Abend |
| Kp | globale geomagnetische Aktivität, Skala 0 bis 9, alle 3 Stunden | die Dämpfung auf deinem Weg |
| Röntgenfluss | aktuelle Flare-Aktivität | die F2-Bedingungen der nächsten Tage |
MUF, Sprungdistanz und Störungen
Vier weitere Originalfragen aus dem BNetzA-Fragenkatalog. Antwortreihenfolge wird bei jedem Aufruf neu gemischt, es wird nichts gespeichert.
EH204 Was bedeutet die "MUF" bei der Kurzwellenausbreitung?
- Höchste nutzbare Frequenz
- Niedrigste nutzbare Frequenz
- Kritische Grenzfrequenz
- Mittlere Nutzfrequenz
EH208 Von welchem der genannten Parameter ist die Sprungdistanz abhängig, die ein KW-Signal auf der Erdoberfläche überbrücken kann? Sie ist abhängig ...
- vom Abstrahlwinkel der Antenne.
- von der Polarisation der Antenne.
- von der Sendeleistung.
- vom Antennengewinn.
NH201 Was ist ein wesentlicher Faktor für die Ausbreitung von Kurzwellen über die Ionosphäre?
- Der elfjährige Sonnenzyklus
- Die Filterfunktion des Empfängers
- Die Bandbreite der Antenne
- Die präzise Antennenausrichtung zum Äquator
EH214 Ein plötzlicher Anstieg der Intensitäten von UV- und Röntgenstrahlung nach einem Flare (Energieausbruch auf der Sonne) führt zu erhöhter Ionisierung der D-Region und damit zu zeitweiligem Ausfall der Raumwellenausbreitung auf der Kurzwelle. Diese Erscheinung bezeichnet man als ...
- Mögel-Dellinger-Effekt.
- sporadische E-Ausbreitung.
- kritischer Schwund.
- Aurora-Effekt.
Auch diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Den kompletten Ausbreitungsteil übst du im Lernbereich.
Wie wird die Ionosphäre gemessen?
Ionosonde und Ionogramm
Eine Ionosonde arbeitet wie ein Echolot nach oben: Sie fährt einen Frequenzbereich durch, sendet senkrecht nach oben und misst, welche Frequenz nach welcher Laufzeit zurückkommt. Das Ergebnis ist ein Ionogramm, aus dem sich foF2, foE, die Sporadic-E-Grenzfrequenz foEs, virtuelle Höhen und der Faktor M(3000)F2 bestimmen lassen. Echte Höhenprofile entstehen daraus erst durch Modellrechnung.
TEC
Der Total Electron Content zählt die Elektronen entlang eines Weges durch die Ionosphäre, bezogen auf einen Quadratmeter Querschnitt. Gemessen wird er in TECU, wobei ein TECU 1016 Elektronen je Quadratmeter entspricht. Je nach Ort, Tageszeit und Sonnenaktivität reicht die Spanne von wenigen TECU nachts über mehrere Dutzend tagsüber bis über hundert in äquatorialen Regionen und bei hoher Aktivität.
Für Kurzwelle allein reicht TEC nicht: Dort entscheidet die vertikale Verteilung der Elektronen über die MUF, nicht ihre aufsummierte Zahl. Wichtig wird er bei allem, was durch die Ionosphäre läuft: Satellitennavigation, Satellitenfunk, Laufzeitfehler, Drehung der Polarisationsebene und Szintillation.
Prognosen richtig lesen
Es gibt drei Informationsarten, und sie beantworten drei verschiedene Fragen.
| Art | Antwortet auf | Beispiele |
|---|---|---|
| Klimatologisches Modell | Was ist in diesem Monat um diese Uhrzeit üblich? | ITU-R P.533, VOACAP, IRI |
| Aktuelles Funkwetter | Ist gerade etwas Besonderes los? | Röntgenfluss, Kp, Ionogramme, Blackout-Warnungen |
| Beobachtung | Was geht in diesem Moment wirklich? | WSPR, Reverse Beacon Network, Baken, selbst hinhören |
Die verbreiteten Vorhersagen rechnen mit Monatsmedianen. Die ITU-R P.533 stützt sich auf monatliche Medianwerte wie foF2 und M(3000)F2, rechnet daraus aber ein ganzes Modell aus Ausbreitungsmoden, Feldstärken, Rauschen und Zuverlässigkeit - ein reiner MUF-Rechner ist sie nicht. Das IRI, ein gemeinsames Referenzmodell von COSPAR und URSI (aktuell IRI-2020), liefert ebenfalls klimatologische Mittelwerte und keine Tagesvorhersage.
Von der Ionosphäre zum eigenen Rufzeichen
Wellenausbreitung gehört in jeder Klasse zum Prüfungsstoff: In Klasse N die Grundlagen, in E und A dazu MUF, Sprungdistanz, Sporadic E und die Wirkung von Sonnenereignissen. Im Lernbereich übst du die Originalfragen der Bundesnetzagentur mit Fortschrittsanzeige und persönlicher Auswertung - kostenlos und ohne Zeitdruck.
Kostenlos mit dem Lernen beginnenHäufige Fragen
Was ist die Ionosphäre?
Der elektrisch geladene Bereich der oberen Erdatmosphäre. Sonnenstrahlung löst dort Elektronen aus Atomen und Molekülen, sodass freie Elektronen und positive Ionen entstehen. Diese beeinflussen die Ausbreitung von Funkwellen und machen weltweite Kurzwellenverbindungen möglich.
In welcher Höhe liegt die Ionosphäre?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Je nach Quelle wird sie ab etwa 50 bis 80 Kilometern Höhe angesetzt und reicht mehrere hundert Kilometer nach oben, mit fließendem Übergang in die Plasmasphäre. Als Konvention wird dieser Übergang oft bei 1.000 Kilometern angesetzt.
Welche Schichten hat die Ionosphäre?
Üblich ist die Einteilung in D-, E- und F-Region, wobei die F-Region tagsüber oft in F1 und F2 zerfällt. Es sind allerdings keine festen Schichten, sondern Bereiche unterschiedlicher Elektronendichte, deren Höhe und Ausprägung sich ständig ändern.
Warum reflektiert die Ionosphäre Funkwellen?
Streng genommen reflektiert sie nicht. Die Welle läuft in ein Medium mit steigender Elektronendichte, wird dort fortlaufend gebrochen und dadurch so weit gekrümmt, dass sie zur Erde zurückkehrt. Reflexion an einem Spiegelpunkt ist ein vereinfachtes Rechenmodell, kein realer Vorgang.
Was ist die MUF?
Die höchste Frequenz, die auf einem bestimmten Funkweg zu einem bestimmten Zeitpunkt noch über die Ionosphäre nutzbar ist. Sie gilt immer für genau diesen Weg, nicht global, und ist in Vorhersagen ein Medianwert für etwa die Hälfte der Tage eines Monats.
Was ist die LUF?
Die niedrigste Frequenz, die unter den gegebenen Bedingungen noch brauchbar ankommt. Sie ist keine geometrische Größe, sondern wird vor allem durch die Absorption in der D-Region, den Störpegel, die Sendeleistung und die Betriebsart bestimmt. Zwischen LUF und MUF liegt das nutzbare Frequenzfenster.
Warum funktioniert Kurzwelle nachts anders?
Weil die stark absorbierende D-Region nach Sonnenuntergang binnen Minuten weitgehend verschwindet, während die F2-Region bestehen bleibt. Dadurch werden die unteren Bänder wie 160 m und 80 m nachts brauchbar. Gleichzeitig sinkt die MUF, sodass die oberen Bänder schließen.
Was ist die tote Zone?
Der Bereich zwischen dem Ende der Bodenwellenreichweite und dem ersten Auftreffpunkt der Raumwelle. Dort ist eine Station nicht zu hören, obwohl sie weiter entfernt gut ankommt. Ihre Größe hängt von Frequenz, Abstrahlwinkel und Schichthöhe ab, nicht von der Sendeleistung.
Was ist Sporadic E?
Dünne, lokal stark ionisierte Wolken in Höhe der E-Region. Sie können Frequenzen zurückführen, die von der normalen E-Region nicht zu erwarten wären, und ermöglichen dadurch besonders auf 10 m, 6 m und gelegentlich 2 m ungewöhnlich große Reichweiten. Für mittlere Breiten gilt die Windscherungstheorie als gut gestützte Erklärung: Windscherung konzentriert langlebige Metallionen aus Meteoren zu dünnen Schichten. Details und Variabilität sind weiter Forschungsgegenstand.
Was bedeutet ein hoher Kp-Index?
Erhöhte globale geomagnetische Aktivität, gemessen auf einer Skala von 0 bis 9 in Drei-Stunden-Abschnitten. Was das für deine Verbindung bedeutet, sagt er nicht: Die Wirkung hängt von Funkweg, geografischer Breite, Frequenz und Sturmphase ab. Hohe Breiten trifft es zuerst.
Reicht eine Ausbreitungsprognose für die Frequenzwahl?
Als Ausgangspunkt ja, als alleinige Grundlage nein. Verbreitete Prognosen rechnen mit Monatsmedianen und beschreiben, was üblich ist. Ob heute etwas dazwischenkommt, zeigt das aktuelle Funkwetter, und was gerade tatsächlich geht, zeigen Baken, Spots und das eigene Hinhören.
Quellen: Aufbau, Ionisation und Rekombination nach Wikipedia: Ionosphäre und dem NOAA Space Environment Center; Höhenangaben zusätzlich nach NASA und ARRL; Absorptionsverhalten der D-Region und maximale Sprungweiten nach ARRL/QST, Radio Waves and the Ionosphere; kritische Frequenz und Sekantenregel nach Wikipedia: Maximum usable frequency; Skala der Radio Blackouts nach NOAA Space Weather Scales; Ionogramm und virtuelle Höhe nach NOAA NCEI; Prüfungsfragen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Alle Höhen, Elektronendichten und Sprungweiten sind Größenordnungen - die Ionosphäre ist eine veränderliche Region ohne feste Grenzen.