Auf einigen Antarktis-Forschungsstationen funken Mitglieder der Überwinterungsteams in ihrer Freizeit. Die bekannteste deutsche Station ist DP0GVN auf der Neumayer-Station III. Der Betrieb ist allerdings an Personen gebunden - und damit alles andere als dauerhaft garantiert.

💡 Kurzfassung: Eine Forschungsstation kann ganzjährig besetzt sein, ihr Amateurfunkrufzeichen aber nur zeitweise. Wer eine Antarktisstation arbeiten will, prüft zuerst, wer gerade dort ist - und rechnet mit polarer Absorption, die selbst ein starkes Signal verschluckt.

Amateurfunk aus der Antarktis

Kurz gesagt: Zahlreiche Antarktisstationen verfügen über professionelle Funk- und Satellitenkommunikation. Auf einem Teil davon betreiben lizenzierte Mitglieder der Besatzung zusätzlich Amateurfunk. Bekanntestes deutsches Beispiel ist DP0GVN auf der Neumayer-Station III, unter anderem über den geostationären Satelliten QO-100.

Die Größenordnung: Die nationalen Antarktisprogramme, zusammengeschlossen im COMNAP, betreiben rund 80 Forschungsstationen - die genaue Zahl hängt davon ab, ob man nur Stationen zählt oder auch saisonale Camps, Refugien und Depots. Häufig zitierte Größenordnungen nennen im Südsommer etwa 4800 Menschen auf dem Kontinent und den vorgelagerten Inseln, im Juni nur noch rund 1200. Wie viele davon ein Amateurfunkzeugnis haben, ist Zufall - und genau das macht Antarktis-Verbindungen so unberechenbar.

Die Neumayer-Station III und DP0GVN

Die Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts steht auf dem Ekström-Schelfeis in der Atka-Bucht, bei rund 70,67 Grad Süd und 8,27 Grad West. In Betrieb ging sie 2009. Weil sie auf hydraulischen Stelzen steht und mit dem Schnee mitwachsen kann, rechnet das AWI mit einer Nutzung bis mindestens 2035.

Im Südsommer arbeiten dort ungefähr 50 Menschen. Über den Winter bleibt ein kleines Team von etwa acht bis neun Personen zurück, rund dreizehn Monate lang - über weite Teile des antarktischen Winters ist ein regulärer Personalwechsel schlicht nicht möglich.

✅ DP0GVN gibt es seit 1982. Das Klubrufzeichen wurde bereits während der zweiten Überwinterung auf der damaligen Georg-von-Neumayer-Station verwendet und über Neumayer I, II und III hinweg beibehalten. Es ist damit eines der langlebigsten Antarktis-Rufzeichen überhaupt.

Wer gerade dort sitzt

Hier liegt der entscheidende Unterschied zu einer normalen Klubstation: DP0GVN ist nur aktiv, wenn ein lizenzierter Funkamateur überwintert. Für die laufende Saison ist das Lasse, DL9LU - er traf am 18. November 2025 mit dem Überwinterungsteam ein und bleibt voraussichtlich bis kurz vor Weihnachten 2026 vor Ort (Stand 3. August 2026; Operatorangaben wechseln mit jeder Saison). In den Jahren davor waren es Alex, DL2ALY, und davor Jörg, DO5JL.

Daneben existiert DP1POL. Das ist kein Stationsrufzeichen, sondern das persönliche Sonderrufzeichen von Felix Riess, DL5XL, das er bei eigenen Antarktisaufenthalten nutzt. Für die Saison 2025/26 sagte er seine Reise ab, sodass DP1POL in dieser Zeit nicht auf Sendung war.

⚠️ Diese Angaben veralten. Operatoren wechseln jede Saison, Reisen platzen, Geräte fallen aus. Der Stand hier ist der 3. August 2026. Vor einem Versuch lohnt immer ein Blick in aktuelle DX-Bulletins oder das Stationsprofil.

Was auf der Station gefunkt wird

  • Kurzwelle: unter anderem 20 m in SSB und Telegrafie
  • WSPR-Bake: eine Bake, mit der sich Funkwellen wissenschaftlich beobachten lassen - jede Empfangsmeldung weltweit ist ein Datenpunkt zur Ausbreitung
  • QO-100: über den geostationären Satelliten, in SSB und digitalen Betriebsarten
  • 2 m: Versuche über Erde-Mond-Erde

Die WSPR-Bake ist dabei der Punkt, an dem Amateurfunk selbst zum Forschungsinstrument wird: Jede Empfangsmeldung ist ein Datenpunkt darüber, wann welche Frequenz den Weg aus der Antarktis heraus findet.

Kontakt über QO-100

Über den geostationären Amateurfunksatelliten QO-100 ist die Neumayer-Station seit Februar 2020 erreichbar - und das ist bemerkenswerter, als es klingt.

❌ "Ein Satellit über dem Äquator ist von der Antarktis aus nicht zu sehen"
Doch, wenn auch knapp. QO-100 steht bei rund 26 Grad Ost über dem Äquator. Von der Position der Neumayer-Station aus erscheint er nur 7,3 Grad über dem Horizont - nachgerechnet ergibt die Geometrie genau den Wert, den auch AMSAT-DL für die Bodenstation angibt. Zum Vergleich: In Mitteleuropa steht derselbe Satellit rund 29 Grad hoch. Auf dem flachen Schelfeis ist der Blick zum Horizont frei, deshalb funktioniert es.

Der Schmalbandtransponder arbeitet mit Uplink im 13-cm-Band um 2400 MHz und Downlink im 3-cm-Band um 10489 MHz. Die Station nutzt eine Parabolantenne von 1,2 Metern Durchmesser in einem Radom - deutlich größer als die 60 bis 75 Zentimeter, die im Zentrum der Ausleuchtzone genügen. Am Rand des Footprints, bei 7,3 Grad Elevation, braucht es diese Reserve.

Über QO-100 laufen auch Schulkontakte: Schulklassen sprechen direkt mit den Überwinterern. Koordiniert wird das von Charly Eichhorn, DK3ZL, bei der AMSAT-DL; mehrere solcher Kontakte sind dokumentiert.

⚠️ Schulkontakte sind derzeit ausgesetzt. Die AMSAT-DL teilt mit, dass Schulkontakte mit DP0GVN aus organisatorischen Gründen bis zum Eintreffen der neuen Crew nicht möglich sind - erwartet wird sie etwa Mitte November 2026. Stand dieser Angabe: 3. August 2026.
Satellitenfunk und Ausbreitung sind Prüfungsstoff. Transponder, Uplink und Downlink, die Schichten der Ionosphäre und die Wirkung von Aurora stehen alle im offiziellen Fragenkatalog. Bei 12db lernst du das strukturiert und übst mit den Originalfragen der Bundesnetzagentur - kostenlos.
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Warum Funkwege über die Polregion schwierig sind

Die Entfernung ist nicht das Hauptproblem. Von Mitteleuropa aus sind es auf dem kurzen Weg rund 13.500 Kilometer zur Neumayer-Station - das schaffen andere Verbindungen auch. Das Problem liegt darüber.

Das Erdmagnetfeld lenkt geladene Teilchen aus dem All normalerweise ab. Über den geomagnetischen Polkappen erlauben Magnetfeldkonfiguration und Magnetosphärenprozesse energiereichen Teilchen aber einen bevorzugten Zugang - in der verbreiteten Kurzform: Dort stehen die Feldlinien offen. Die Teilchen dringen dann bis in die untere Ionosphäre vor. Genau dort, in der D-Schicht zwischen etwa 50 und 90 Kilometern Höhe, richten sie den Schaden an: Dort ist das Produkt aus Elektronendichte und Stoßhäufigkeit mit neutralen Luftmolekülen am größten - und damit die Umwandlung von Wellenenergie in Wärme.

EffektAuslöserWo
Polar Cap AbsorptionSonnenprotonen aus Teilchenausbrüchen, etwa 1 bis 200 MeVÜber der gesamten Polkappe
Aurorale AbsorptionEnergieärmere Elektronen aus der MagnetosphäreIm ringförmigen Polarlichtgürtel

Beide dämpfen tiefe Frequenzen stärker als hohe. Wer bei einer polaren Störung auf 80 m nichts mehr hört, kann auf 20 m durchaus noch arbeiten.

Zwei Kennzahlen werden dabei gern durcheinandergebracht. Der Kp-Index, eine Dreistundenkennziffer von 0 bis 9, beschreibt die globale geomagnetische Aktivität; an ihm hängt die G-Skala der amerikanischen Wetterbehörde NOAA für geomagnetische Stürme, und er hilft abzuschätzen, wie weit sich die Polarlichtzone äquatorwärts ausdehnt. Die Polkappenabsorption geht dagegen auf energiereiche Protonen der Sonne zurück; dafür führt die NOAA eine eigene S-Skala für solare Strahlungsstürme. Schon deren unterste Stufe nennt ausdrücklich "geringe Auswirkungen auf den Kurzwellenfunk in den Polarregionen", die oberen bedeuten dort einen vollständigen Ausfall.

💡 Der lange Weg lohnt selten. Von Mitteleuropa aus liegt die Neumayer-Station auf dem kurzen Weg bei etwa 186 Grad, also fast genau Süd, bei rund 13.500 Kilometern. Der lange Weg über Norden misst rund 26.500 Kilometer - und quert dabei zwei Polarzonen statt einer. Beide Peilungen sind aus den Stationskoordinaten berechnet.

Aurora: einmal Fluch, einmal Segen

Dieselben Teilchen, die auf Kurzwelle die Dämpfung verursachen, erzeugen weiter oben in der E-Schicht bei rund 100 bis 110 Kilometern stark ionisierte, an den Feldlinien ausgerichtete Strukturen. An denen lassen sich UKW-Signale streuen - aus dem Störer wird eine Ausbreitungsart.

Wer eine Aurora-Verbindung fährt, dreht die Antenne in Europa nach Norden - nicht zur Gegenstation, sondern zur streuenden Region. Und das Signal klingt eigentümlich: Die Struktur bewegt sich ständig, das Echo flattert und brummt. Sprache wird dabei so rau, dass in der Praxis fast nur Telegrafie durchkommt. Deshalb bekommt ein Aurora-Signal auch keine Tonbewertung, sondern ein "A" an ihrer Stelle.

Sechs Prüfungsfragen zu Aurora

Fragetext und Antwortmöglichkeiten entsprechen dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (3. Auflage, März 2024). Die Reihenfolge der Antworten mischt diese Seite bei jedem Aufruf neu und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

AH303 Was ist die Ursache für Aurora-Erscheinungen?

  • Das Eindringen geladener Teilchen von der Sonne in die Atmosphäre der Polarregionen.
  • Eine hohe Sonnenfleckenzahl.
  • Eine niedrige Sonnenfleckenzahl.
  • Das Eindringen starker Meteoritenschauer in die Atmosphäre der Polarregionen.

AH302 In welchem ionosphärischen Bereich treten gelegentlich Aurora-Erscheinungen auf?

  • In der E-Region in der Nähe der Pole
  • In der F-Region
  • In der E-Region in der Nähe des Äquators.
  • In der D-Region

AH306 In welche Himmelsrichtung muss eine Funkstation in Europa ihre VHF-Antenne drehen, um eine Verbindung über "Aurora" abzuwickeln?

  • Norden
  • Süden
  • Osten
  • Westen

AH308 Wie wirkt sich "Aurora" auf die Signalqualität eines Funksignals aus?

  • CW-Signale haben einen flatternden und verbrummten Ton.
  • CW-Signale haben einen besseren Ton.
  • Die Lesbarkeit von Fonie-Signalen verbessert sich.
  • CW- und Fonie-Signale haben ein Echo.

AH307 Welches der folgenden Übertragungsverfahren eignet sich am besten für Auroraverbindungen?

  • CW
  • SSB
  • FM
  • RTTY

EH305 Wie wird ein Aurora-Signal in Morsetelegrafie beurteilt?

  • Es wird beurteilt mit R, S und "A" für Aurora, da der Ton bei Aurora sehr rau ist und nicht beurteilt werden kann.
  • Es wird beurteilt mit R, S und T, da Aurora-Verbindungen überwiegend in CW getätigt werden.
  • Es wird beurteilt mit R und T, weil die Signalstärke stark schwankt.
  • Es wird beurteilt mit R, S, T und "A" für Aurora.

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

Polarnacht und Polartag

Über der Antarktis geht monatelang die Sonne nicht auf. Ohne direkte Einstrahlung sinkt die Elektronendichte der Ionosphäre über der Station deutlich, vor allem in den unteren Schichten - die nutzbaren Frequenzen und die Zeitfenster, in denen ein Weg trägt, verschieben sich dadurch spürbar. Ein Funker auf der Neumayer-Station beschreibt es zugespitzt so, dass die Wellen dann ins All hinausgehen, statt reflektiert zu werden. Ganz verschwindet die Ionosphäre allerdings nicht, und eine Verbindung hängt ohnehin nicht nur von den Bedingungen direkt über der Station ab, sondern vom gesamten Weg.

Was daraus für die beste Jahreszeit folgt, lässt sich seriös nicht in eine Zahl fassen. Eine belastbare Statistik, wann Verbindungen von Mitteleuropa in die Antarktis am häufigsten gelingen, habe ich nicht gefunden. Der Mechanismus spricht für den antarktischen Sommer, mehr lässt sich ohne eigene Auswertung nicht sagen.

Rufzeichen und Präfixe

Antarktika hat keinen einheitlichen Rufzeichenpräfix. Internationale Rufzeichenserien werden an Staaten beziehungsweise deren Fernmeldeverwaltungen vergeben, und einen solchen Staat gibt es in der Antarktis nicht. Also nutzt jedes Land für seine Antarktisstationen Rufzeichen aus dem eigenen Kontingent.

BetreiberstaatBeispiele antarktischer Rufzeichen
DeutschlandDP0GVN, DP1POL
USAKC4AAA, KC4USV
RusslandRI1AN und weitere RI1A-Rufzeichen
GroßbritannienVP8-Rufzeichen
ArgentinienLU1ZV und weitere LU...Z-Rufzeichen
AustralienVK0-Rufzeichen
ChileCE9-Rufzeichen
Japan8J1RL

Beispiele, keine vollständige oder exklusive Zuteilungsliste - welche Serie ein Land für die Antarktis einsetzt, kann sich ändern.

Bekannte Stationen anderer Länder sind etwa 8J1RL auf der japanischen Syowa-Station, KC4AAA am geografischen Südpol und LU1ZV auf der argentinischen Esperanza-Basis. Für all diese gilt dasselbe wie für DP0GVN: Sie sind aktiv, wenn jemand vor Ort ist, der funkt. Eine tagesaktuelle Bestätigung für 2026 habe ich nur für DP0GVN gefunden.

Ist die gesamte Antarktis ein einziges DXCC-Gebiet?

Nein - und das überrascht viele. "Antarctica" ist zwar eine eigene DXCC-Entity, aber längst nicht alles im Süden zählt dazu: Im DXCC-System der ARRL ist die Region in mehrere Einträge zerlegt.

GebietDXCC-NummerKontinent
Antarctica013AN
Peter-I.-Insel199AN
Südgeorgien235SA
Südliche Orkneyinseln238SA
Südliche Sandwichinseln240SA
Südliche Shetlandinseln241SA

DP0GVN zählt zu "Antarctica" mit der Nummer 013. Dass mehrere subantarktische Inselgruppen dem Kontinent Südamerika zugeordnet sind, ist eine historisch gewachsene Eigenheit der DXCC-Liste und keine geografische Aussage.

Rufzeichen und Präfixe sind kein Zufall. Wie Rufzeichen aufgebaut sind, wer sie zuteilt, was Zusätze bedeuten und welche Regeln international gelten - das ist ein eigener Prüfungsblock. Bei 12db übst du ihn mit den Originalfragen und siehst nach jeder Antwort, warum sie stimmt.
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Aktive Antarktisstationen finden

Die Werkzeuge unterscheiden sich stark in ihrer Aussagekraft:

QuelleZeigtGrenzen
DX-ClusterWer gerade gehört wirdEin Spot kann ein Tippfehler sein. Kein Beleg für dauerhaften Betrieb
Club LogTatsächlich hochgeladene LogsDeutlich belastbarer als ein Spot
PSK ReporterEmpfangsmeldungen digitaler BetriebsartenMomentaufnahme der Ausbreitung
DX-BulletinsOperator, Zeitraum, QSL-WegDie verlässlichste Quelle für Planung
⚠️ Ein Spot ist kein Beleg. Wer aus einem einzelnen Cluster-Eintrag schließt, eine Station sei dauerhaft aktiv, wartet unter Umständen wochenlang vergeblich. Für die Frage "lohnt sich das Warten?" sind Bulletins mit Namen und Zeitraum die bessere Grundlage.

QSL und Diplome

Der QSL-Weg wechselt mit dem Operator - eine pauschale Adresse gibt es nicht. Für DP0GVN läuft die Bestätigung derzeit über Club Log.

Wer Antarktis-Verbindungen sammeln will, findet beim Worldwide Antarctic Program die passenden Diplome: WAP-WACA zählt gearbeitete Rufzeichen, WAP-WADA die Basen und Standorte. Die Verzeichnisse sind erstaunlich umfangreich - über 4300 seit 1945 verwendete Rufzeichen und mehr als 1000 Basen, Camps und Hütten (Stand der Abfrage: 3. August 2026).

Technik bei 207 Kilometern pro Stunde

Wie hart die Bedingungen sind, zeigt ein konkreter Fall besser als jede Aufzählung. In der Nacht vom 13. auf den 14. August 2021 fegte ein Sturm über die Atka-Bucht. An der Neumayer-Station wurden Spitzen von 207 Kilometern pro Stunde gemessen. Radom und QO-100-Antenne wurden dabei vollständig zerstört.

Der Ersatz brauchte Zeit: Die neue Antenne kam Ende Dezember 2021 unbeschädigt an, wurde Anfang Januar 2022 aufgesetzt, und seit dem 9. Januar 2022 ist DP0GVN wieder über den Satelliten erreichbar - mit besseren Signalen als zuvor. Dass zwischen Schaden und Reparatur fast fünf Monate lagen, hat einen einfachen Grund: Außenarbeiten an Antennen sind nur im antarktischen Sommer möglich. Was im Winter kaputtgeht, bleibt kaputt.

Ein zweites Problem ist subtiler und für Funkamateure besonders interessant: Bei starker Schneedrift lädt sich die Station elektrostatisch auf. Im Empfänger klingt das wie ein Dauergewitter. Der Kurzwellen-Antennenmast steht deshalb rund 250 Meter von der Station entfernt, um Störungen aus dem Stationsbetrieb aus dem Weg zu gehen.

Wissenschaft mit Funk, aber kein Amateurfunk

In der Antarktis läuft viel Forschung mit Radiowellen - sie hat mit Amateurfunk aber nichts zu tun. Diese Abgrenzung lohnt sich, weil beides gern durcheinandergerät.

  • Geophysikalisches Observatorium Neumayer III: Rund 1,5 Kilometer von der Station entfernt messen ein Dreiachsen-Magnetometer und ein Deklinometer laufend das Erdmagnetfeld, eingebunden in ein weltweites Beobachtungsnetz. Von 2013 bis 2017 stand dort zusätzlich ein Neutronenmonitor für kosmische Strahlung.
  • SuperDARN: Ein Netz wissenschaftlicher Kurzwellenradare kartiert die Plasmaströmungen in der Ionosphäre. In der Antarktis stehen Anlagen unter anderem an der britischen Halley-Station - nicht auf Neumayer III.

Der einzige echte Berührungspunkt ist die WSPR-Bake: Dort dient Amateurfunk selbst als Messinstrument.

Häufige Irrtümer

Über die Stationen
  • Jede Forschungsstation habe eine Amateurfunkstation
  • Das Stationsrufzeichen sei ganzjährig besetzt
  • Der professionelle Stationsfunk laufe über Amateurfunk
  • Antarktisstationen hätten feste Amateurfunkfrequenzen
Über Funk und Wertung
  • Antarktika habe einen einheitlichen Präfix
  • Alles südlich davon sei dasselbe DXCC-Gebiet
  • Ein Kartenpunkt beweise aktuelle Aktivität
  • Eine alte QSL-Route gelte weiter

Häufige Fragen

Welches Amateurfunkrufzeichen hat die deutsche Antarktisstation?

DP0GVN. Das Klubrufzeichen wird seit 1982 verwendet, zunächst auf der Georg-von-Neumayer-Station und später auf Neumayer II und III. Aktiv ist es nur dann, wenn ein lizenzierter Funkamateur zum Überwinterungsteam gehört.

Ist DP0GVN dauerhaft aktiv?

Nein. Der Betrieb ist personengebunden und hängt davon ab, wer gerade überwintert und wie viel Freizeit bleibt. Die Station selbst ist ganzjährig besetzt, das Rufzeichen aber nicht ständig auf Sendung. Vor einem Versuch lohnt der Blick in aktuelle DX-Bulletins.

Kann man die Antarktis über QO-100 erreichen?

Ja. Die Neumayer-Station III ist seit Februar 2020 über den geostationären Satelliten QO-100 erreichbar. Der Satellit steht dort allerdings nur etwa 7,3 Grad über dem Horizont, weshalb die Station eine 1,2 Meter große Parabolantenne in einem Radom verwendet.

Hat die Antarktis einen eigenen Rufzeichenpräfix?

Nein, einen einheitlichen gibt es nicht. Internationale Rufzeichenserien werden an Staaten und deren Fernmeldeverwaltungen vergeben, und Antarktika ist kein solcher Staat. Jedes Land nutzt deshalb Rufzeichen aus dem eigenen Kontingent: Deutschland etwa DP0GVN und DP1POL, die USA KC4-Rufzeichen, Russland RI1A-Rufzeichen und Großbritannien VP8.

Ist die Antarktis ein einziges DXCC-Gebiet?

Nein. Die DXCC-Liste der ARRL führt Antarctica als Gebiet 013, daneben aber eigene Einträge für die Peter-I.-Insel, Südgeorgien sowie die Südlichen Orkney-, Sandwich- und Shetlandinseln. Mehrere dieser Inselgruppen sind dort historisch bedingt dem Kontinent Südamerika zugeordnet.

Warum sind Funkverbindungen über die Pole so schwierig?

Über den geomagnetischen Polkappen haben energiereiche Teilchen von der Sonne einen bevorzugten Zugang zur oberen Atmosphäre. Sie dringen dort bis in die D-Schicht der Ionosphäre in etwa 50 bis 90 Kilometern Höhe vor und ionisieren sie zusätzlich. Dort wird Wellenenergie in Wärme umgesetzt, das Signal also gedämpft. Tiefe Frequenzen trifft es stärker als hohe.

Was ist Polar Cap Absorption?

Eine starke Dämpfung von Kurzwellensignalen über den Polkappen, ausgelöst durch energiereiche Sonnenprotonen nach Teilchenausbrüchen auf der Sonne. Sie ionisieren die D-Schicht zusätzlich. Nach der Sturmskala der NOAA bedeuten schon geringe Stufen Auswirkungen auf den Kurzwellenfunk in den Polarregionen, starke Stufen einen vollständigen Ausfall.

Wie wirkt sich Aurora auf Funksignale aus?

Auf Kurzwelle dämpft die aurorale Absorption in der D-Schicht. Auf UKW dagegen lässt sich die verstärkte Ionisation in der E-Schicht nahe den Polen zur Streuung nutzen. Die Signale flattern dabei und klingen verbrummt, weshalb Telegrafie die geeignete Betriebsart ist und ein Aurora-Signal statt einer Tonbewertung ein A erhält.

Wie finde ich aktive Antarktisstationen?

Am verlässlichsten über DX-Bulletins, die Operator, Zeitraum und QSL-Weg nennen. Club Log zeigt, ob eine Station tatsächlich Logs hochgeladen hat. DX-Cluster und PSK Reporter sind Momentaufnahmen und belegen keinen dauerhaften Betrieb.

Welche Diplome gibt es für Antarktis-Verbindungen?

Das Worldwide Antarctic Program vergibt unter anderem WAP-WACA für gearbeitete antarktische Rufzeichen und WAP-WADA für Basen und Standorte. Die zugehörigen Verzeichnisse umfassen über 4300 seit 1945 verwendete Rufzeichen und mehr als 1000 Basen, Camps und Hütten (Stand der Abfrage: 3. August 2026).

Wie halten Antennen den antarktischen Stürmen stand?

Nicht immer. In der Nacht vom 13. auf den 14. August 2021 wurden an der Neumayer-Station Spitzen von 207 Kilometern pro Stunde gemessen, wobei Radom und QO-100-Antenne vollständig zerstört wurden. Der Ersatz konnte erst Anfang Januar 2022 montiert werden, weil Außenarbeiten nur im antarktischen Sommer möglich sind; seit dem 9. Januar 2022 ist die Station wieder über QO-100 erreichbar.

Kann eine Schule mit der Antarktis funken?

Grundsätzlich ja, über QO-100 sind mehrere Schulkontakte mit DP0GVN dokumentiert; koordiniert werden sie von der AMSAT-DL. Nach deren Mitteilung sind weitere Schulkontakte allerdings aus organisatorischen Gründen bis zum Eintreffen der neuen Crew ausgesetzt, erwartet etwa Mitte November 2026. Da der Betrieb an die jeweiligen Überwinterer gebunden ist, braucht so ein Kontakt ohnehin Vorlauf und Absprache.

Ein Signal vom anderen Ende der Welt

Zuhören darfst du ohne alles. Für ein QSO mit einer Antarktisstation brauchst du ein Amateurfunkzeugnis - und das Wissen, das dahintersteckt: Ausbreitung, Ionosphäre, Antennen und Betriebstechnik. 12db bringt dich mit dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur durch alle drei Klassen.

Kostenlos mit dem Lernen beginnen

Quellen:Alfred-Wegener-Institut: Neumayer-Station III · DARC: Funkkontakte in die Antarktis über QO-100 · AMSAT-DL: Aktuelles zu DP0GVN und QO-100 (Status der Schulkontakte) · AMSAT-DL: QO-100 ground station arrived in Antarctica · DD1US: Amateurfunk über QO-100 in der Antarktis (PDF, UKW-Tagung 2022) · AWI-Blog: Amateurfunk auf der Neumayer-Station (Dezember 2025) · AWI-Blog: Kommunikationseinrichtungen auf Neumayer III · NOAA SWPC: D-Region Absorption Prediction · NOAA SWPC: Space Weather Scales · NOAA SWPC: Planetary K-Index · Übersicht der Antarktis-Präfixe · Worldwide Antarctic Program (WAP) · AWI: Geophysikalisches Observatorium Neumayer III · British Antarctic Survey: SuperDARN. Angaben zu Operatoren, Aktivitätszeiträumen und QSL-Wegen geben den Stand vom 03.08.2026 wieder und ändern sich mit jeder Saison. Peilungen und Elevationswinkel sind aus den veröffentlichten Stationskoordinaten berechnet. Für die beste Jahreszeit oder das beste Band auf der Strecke Mitteleuropa - Antarktis liegt keine belastbare Statistik vor.

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