Seefunk ist der Sprech- und Datenfunk der Schifffahrt - vom Sportboot bis zum Handelsschiff. Er hält Schiffe untereinander und mit dem Land in Verbindung, übermittelt Sicherheitsinformationen für die Schifffahrt (Wetter- und Navigationswarnungen) und unterstützt die Alarmierung und Koordination in Notfällen. Offiziell heißt er mobiler Seefunkdienst und ist wie der Amateurfunk oder der Flugfunk ein eigener, international geregelter Funkdienst - nur mit ganz eigenen Frequenzen, Regeln und Zeugnissen.

💡 Kurzfassung: Seefunk läuft auf mehreren Wellenbereichen: UKW (156-162 MHz) für den Nahbereich, Grenz- und Kurzwelle (SSB) für die Weite und ergänzend Satellitenfunk. Das Sicherheitsrückgrat ist das GMDSS, das terrestrischen Funk, digitale Alarmierung (DSC), Seenotfunkbaken und automatische Sicherheitsinformationen kombiniert. Wer eine sendefähige Seefunkanlage bedienen will, braucht ein passendes Funkbetriebszeugnis - je nach Ausrüstung und Fahrtgebiet vor allem SRC oder LRC; auf Binnenwasserstraßen das UBI.

Was ist Seefunk?

Seefunk ist der Funkverkehr zwischen Seefunkstellen (Schiffen), Küstenfunkstellen (Stationen an Land) und Verkehrszentralen. Er erfüllt drei Aufgaben auf einmal:

  • Sicherheit: Notrufe, Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen, Sicherheitsinformationen für die Schifffahrt (Maritime Safety Information).
  • Betrieb: Anmeldung bei Verkehrszentralen, Absprachen zwischen Schiffen, Schleusen- und Hafenfunk.
  • Öffentlicher Verkehr: früher der Weg, um vom Schiff aus zu telefonieren - heute weitgehend durch Satellit und Mobilfunk ersetzt.

Anders als beim Hobbyfunk geht es hier nicht um Freizeit, sondern um handfeste Sicherheit. Deshalb sind die wesentlichen Regeln - vom Sprechablauf bis zur zulässigen Sendeleistung - international festgeschrieben. Die Grundlage bilden die Radio Regulations der ITU. In Deutschland verwaltet die Bundesnetzagentur die Frequenzen, Rufzeichen und MMSI-Nummern.

Die Funkverkehrskreise

Wer im Seefunk mithört, merkt schnell: Nicht jeder darf mit jedem plaudern. Der Verkehr ist in klar getrennte Kreise gegliedert:

  • Schiff-Schiff: direkte Absprachen zwischen zwei Fahrzeugen (z.B. Ausweichmanöver).
  • Schiff-Küste: Verbindung zu einer Küstenfunkstelle, etwa für öffentlichen Verkehr.
  • Hafen- und Revierfunk: Verkehrszentralen regeln Ein- und Auslaufen sowie den Verkehr in engen Revieren.
  • Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr: hat immer Vorrang vor allem anderen.
💡 Ein Stück Funkgeschichte: Der Seefunk war die Wiege des gesamten Funkwesens. Während des Untergangs der Titanic 1912 ermöglichten drahtlose Notmeldungen die Alarmierung anderer Schiffe und trugen zur Rettung Überlebender bei. Die Katastrophe war einer von mehreren Auslösern für strengere internationale Funk- und Sicherheitsvorschriften. Aus dem frühen kommerziellen und maritimen Funkverkehr stammen bis heute vertraute Bausteine wie das SOS und der Q-Schlüssel (QRP, QRT, QTH ...), der später auch im Amateurfunk verbreitet wurde.

Die Wellenbereiche des Seefunks

Wie weit ein Funkspruch trägt, hängt vom Wellenbereich ab. Der Seefunk nutzt drei terrestrische Bereiche - plus Satellit.

BereichFrequenzenBetriebsartTypische Nutzung und Reichweite
UKW (VHF)156-162 MHzFM (F3E/G3E)weitgehend Sichtverbindung; je nach Antennenhöhe einige bis mehrere Dutzend Seemeilen. Nahbereich, Hafen, Schiff-zu-Schiff.
Grenzwelle (MF)~1,6-4 MHzSSB (J3E)Küsten- und regionale Verbindungen; stark abhängig von Tageszeit und Ausbreitung.
Kurzwelle (HF)4-27 MHzSSB (J3E)große bis interkontinentale Entfernungen unter geeigneten Ausbreitungsbedingungen. Hochsee.
Satellit1,5 GHz u.a.digitalfast weltweite Abdeckung; Inmarsat/Iridium, Sprache und Daten.

Im MF-Bereich (Grenzwelle) können sich Bodenwellen über Meerwasser vergleichsweise weit ausbreiten - Salzwasser ist ein guter Leiter. Nachts kann zusätzlich ionosphärische Ausbreitung auftreten, wodurch Reichweite und Störsituation deutlich variieren. Kurzwellenverbindungen nutzen unter geeigneten Bedingungen die Brechung bzw. Rückführung von Funkwellen in ionisierten Atmosphärenschichten (der Ionosphäre) und schaffen so interkontinentale Reichweiten - genau wie im Amateurfunk. Auf MF und HF wird für Sprechfunk überwiegend SSB verwendet, weil es Bandbreite und Sendeleistung effizient nutzt.

UKW-Seefunk: Kanäle und Frequenzen

Der UKW-Seefunk ist der Alltag an Bord. Statt einer freien Frequenzwahl arbeitet man mit festen Kanälen: Jede Kanalnummer steht für eine oder zwei feste Frequenzen zwischen 156 und 162 MHz. Insgesamt gibt es rund 60 internationale Kanäle. Gesendet wird in Frequenzmodulation (FM), üblicherweise mit 25 Watt, für den Nahbereich umschaltbar auf 1 Watt.

KanalFrequenzZweck
16156,800 MHzInternationaler Not-, Dringlichkeits-, Sicherheits- und Anrufkanal (Sprechfunk)
70156,525 MHzDigitaler Selektivruf (DSC) für Not- und Anrufe - nur Daten, kein Sprechfunk
06156,300 MHzSchiff-zu-Schiff, u.a. für koordinierte Suche und Rettung (SAR)
13156,650 MHzBrücke-zu-Brücke, nautische Sicherheit
AIS 1 / AIS 2161,975 / 162,025 MHzAutomatic Identification System (Positionsdaten, kein Sprechfunk)

Weitere Simplexkanäle wie 09, 72 oder 77 werden je nach Küstengebiet und örtlicher Regelung für Schiff-zu-Schiff- oder Arbeitsverkehr genutzt. Welche Kanäle wo zulässig oder üblich sind, kann regional, national und nach Verkehrskreis variieren - maßgeblich sind die zuständigen Revierinformationen und die aktuellen Funkunterlagen (Seefunk-Handbücher, nautische Warnnachrichten).

⚠️ Kanal 16 freihalten: Der Kanal dient dem Not-, Dringlichkeits-, Sicherheits- und Anrufverkehr. Nach dem Anruf wird sofort auf einen geeigneten Arbeitskanal gewechselt - jedes überflüssige Gespräch kann einen echten Notruf überdecken. Viele ausrüstungspflichtige Schiffe und Küstenfunkstellen halten auf Kanal 16 bzw. über DSC auf Kanal 70 Hörbereitschaft. Auch Sportbooten wird empfohlen, Kanal 16 zu überwachen, solange die Anlage eingeschaltet ist und kein anderer Funkverkehr stattfindet.

Simplex, Duplex und Dual Watch

Viele Kanäle sind Simplex: Senden und Empfangen laufen auf derselben Frequenz, es kann immer nur einer sprechen. Die Sprechtaste (PTT) schaltet dabei technisch auf Senden; das gesprochene Verfahrenswort dafür ist „over". Duplexkanäle verwenden getrennte Sende- und Empfangsfrequenzen: Küstenfunkstellen können damit gleichzeitig senden und empfangen; viele Schiffsfunkanlagen arbeiten auf diesen Kanälen dennoch nur im Wechselsprechbetrieb. Kanal 16 wird international als Simplexkanal für Not-, Dringlichkeits-, Sicherheits- und Anrufverkehr genutzt.

Bei einer eingeschalteten DSC-fähigen Anlage überwacht ein dafür vorgesehener Empfangsteil Kanal 70. Eine Dual- oder Tri-Watch-Funktion kann zusätzlich Kanal 16 und einen gewählten Arbeitskanal überwachen; die genaue Funktion hängt vom Gerät ab.

💡 Norddeich Radio ist Geschichte: Die legendäre deutsche Küstenfunkstelle Norddeich Radio stellte Ende 1998 den Betrieb ein. Nach dem Ende der früheren staatlichen Küstenfunkstellen entstanden verschiedene Nachfolgestrukturen. DP07 Seefunk bietet öffentliche UKW-Küstenfunkdienste für die Schifffahrt an. Den maritimen Not- und Dringlichkeitsverkehr in den deutschen Seegebieten bearbeitet dagegen Bremen Rescue Radio, die Funkstelle der Seenotleitung der DGzRS, die u.a. die UKW-Kanäle 16 und 70 überwacht.
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DSC und MMSI - der Notruf per Knopfdruck

Das Herzstück des modernen Seefunks ist der DSC (Digital Selective Calling, digitaler Selektivruf). DSC ist nicht satellitengestützt, sondern wird terrestrisch übertragen - auf UKW (Kanal 70), Grenz- und Kurzwelle. Ein längerer Druck auf die - meist rot abgedeckte - Distress-Taste sendet einen digitalen Notalarm mit der MMSI und, sofern eine gültige Navigationsposition verfügbar ist, Position und Zeit. Je nach Gerät kann zuvor auch die Art des Notfalls ausgewählt werden. Empfangsfähige DSC-Geräte und Küstenfunkstellen im Versorgungsbereich können den Alarm empfangen und akustisch anzeigen.

Nach einem UKW-DSC-Notalarm folgt der gesprochene Notruf üblicherweise auf Kanal 16. Bei MF- oder HF-DSC werden dagegen die jeweils zugeordneten Sprechfunk-Notfrequenzen verwendet (auf Grenzwelle z.B. 2182 kHz).

Damit klar ist, wer ruft, hat jede Funkstelle eine MMSI (Maritime Mobile Service Identity) - eine neunstellige maritime Funkkennung. Sie wird nicht nur Schiffen zugeordnet, sondern u.a. Schiffsfunkstellen, Küstenfunkstellen sowie bestimmten Gruppen oder Sicherheitseinrichtungen:

📟 Aufbau einer MMSI: Bei klassischen Schiffs-MMSI bilden die ersten drei Ziffern die Maritime Identification Digits (MID), die dem zuständigen Staat zugeordnet sind; danach folgen sechs Ziffern für das einzelne Schiff. Deutschland verwendet u.a. die MIDs 211 und 218. Eine deutsche Schiffs-MMSI beginnt also mit 211... oder 218.... Küstenfunkstellen besitzen üblicherweise eine MMSI mit zwei führenden Nullen, gefolgt von MID und Stationskennung.

GMDSS - das weltweite Seenotsystem

Das GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) ist seit 1999 das Sicherheitsrückgrat der Seefahrt. Es ist kein rein satellitengestütztes System, sondern verbindet terrestrischen See- und Satellitenfunk mit digitaler Alarmierung (DSC), Seenotfunkbaken und automatischen Sicherheitsinformationen. Die Grundidee: Ein Notruf soll automatisch, digital und mit Positionsangabe abgesetzt werden - statt darauf zu hoffen, dass zufällig jemand die richtige Frequenz abhört. GMDSS löste damit das klassische Morse-SOS in der Berufsschifffahrt ab.

Welche Technik ein Schiff nutzt, hängt davon ab, wie weit von der Küste es fährt. Dafür teilt GMDSS die Weltmeere in vier Seegebiete ein. Wichtig: Die Gebiete werden nicht durch feste Entfernungen definiert, sondern durch die tatsächliche Funkabdeckung geeigneter Stationen bzw. Dienste.

SeegebietDefinitionFunktechnik
A1Gebiet mit durchgehender UKW-DSC-Abdeckung mindestens einer KüstenfunkstelleUKW mit DSC (Kanal 70 / 16)
A2Gebiet außerhalb A1 mit durchgehender MF-DSC-Abdeckung einer Küstenfunkstelle+ Grenzwelle (DSC 2187,5 kHz / Sprech 2182 kHz)
A3Gebiet außerhalb A1/A2 innerhalb der Abdeckung eines anerkannten mobilen Satellitendienstes+ Kurzwelle & Satellit
A4Gebiet außerhalb von A1, A2 und A3vor allem Kurzwelle
💡 A3 und A4 haben sich gewandelt: Lange galt A3 als der Bereich zwischen etwa 70° N und 70° S (Inmarsat-Abdeckung) und A4 pauschal als die Polargebiete. Mit der Anerkennung weiterer Satellitendienste (Iridium, seit 2020) wurde die Definition modernisiert: A3 richtet sich nun nach der Abdeckung eines anerkannten mobilen Satellitendienstes. Bei einem global abdeckenden Dienst wie Iridium kann praktisch kein A4-Gebiet mehr verbleiben - A4 ist also nicht mehr fest mit den Polargebieten gleichzusetzen, sondern hängt von der tatsächlich verwendeten Satellitenabdeckung ab.

Als grobe Orientierung erstreckt sich A1 typischerweise einige Dutzend Seemeilen weit. Auch die Ausdehnung von A2 hängt von der tatsächlichen MF-DSC-Abdeckung der jeweiligen Küstenfunkstellen und den Ausbreitungsbedingungen ab - nicht von einer festen Grenze.

⚠️ Ausrüstungspflicht ≠ jedes Sportboot: Bei GMDSS-ausrüstungspflichtigen Schiffen richtet sich der erforderliche Umfang der Funkausstattung wesentlich nach den befahrenen Seegebieten. Ob und in welchem Umfang überhaupt eine Ausrüstungspflicht besteht, hängt außerdem u.a. von Schiffstyp, Größe, Fahrtgebiet und Flaggenstaat ab. Diese Pflichten stammen vor allem aus dem SOLAS-Übereinkommen und betreffen die Berufsschifffahrt; für Sportboote können abweichende oder freiwillige Anforderungen gelten.

EPIRB, SART, NAVTEX und AIS

Neben dem gewöhnlichen Funkgerät gehören mehrere Spezialgeräte zum maritimen Sicherheitsumfeld. Nicht alle sind Kernelemente der GMDSS-Alarmierung - AIS etwa ist in erster Linie ein Navigations- und Identifikationssystem:

SystemWas es tut
EPIRBSeenotfunkbake, sendet auf 406 MHz einen Seenotalarm mit ihrer eindeutigen Kennung an das Cospas-Sarsat-System. Geräte mit GNSS können zusätzlich eine aktuelle Position übertragen; andernfalls kann die Position durch das Satellitensystem bestimmt werden. Float-free installierte Modelle können sich beim Sinken automatisch lösen und aktivieren; andere werden manuell ausgelöst.
Radar-SARTErzeugt auf dem X-Band-Radar (9 GHz) eines Suchfahrzeugs ein charakteristisches Signal und führt die Retter die letzten Meilen zur Position.
AIS-SARTSpezielles Such- und Rettungsmittel: sendet eine digitale Positionsmeldung über AIS an Schiffe und Küstenstellen in der Nähe.
NAVTEXEmpfängt automatisch Navigations- und Wetterwarnungen als Text, meist auf 518 kHz (international, Englisch) und 490 kHz (national).
AISSendet automatisch Position, Kurs, Geschwindigkeit und Name auf 161,975 / 162,025 MHz. Grundlage moderner Schiffsverfolgung und Kollisionsvermeidung - ein Navigationssystem, kein Kernelement der GMDSS-Alarmierung.
DSCDigitale Alarmierung und Selektivruf auf UKW, MF und HF - das Bindeglied zwischen Funkgerät und GMDSS (siehe oben).

Welche Seefunkgeräte gibt es?

Je nach Fahrtgebiet und Zeugnis kommen unterschiedliche Funkgeräte zum Einsatz:

  • UKW-Handfunkgerät - kompakt und meist wassergeschützt; einzelne Modelle verfügen zusätzlich über DSC, GNSS oder AIS-Empfang.
  • UKW-Einbaugerät - die feste Bordstation mit DSC-Controller.
  • MF/HF-Seefunkanlage - Grenz- und Kurzwelle für die Hochsee (LRC/GOC).
  • AIS-Transponder - sendet und empfängt Positionsdaten.
  • EPIRB und AIS-SART / Radar-SART - die Notfall- und Ortungssender.

Notverfahren: MAYDAY, PAN PAN, SÉCURITÉ

Der Sprechfunk kennt drei Dringlichkeitsstufen. Das jeweilige Kennwort wird dreimal wiederholt und legt fest, wie ernst die Lage ist:

KennwortStufeBedeutung
MAYDAYNotUnmittelbare Gefahr für Schiff oder Leben - sofortige Hilfe nötig (vom frz. m'aider, „helft mir").
PAN PANDringlichkeitErnste Lage, aber (noch) keine unmittelbare Lebensgefahr - z.B. Maschinenausfall.
SÉCURITÉSicherheitAnkündigung wichtiger Navigations- oder Wetterwarnungen.

Der gesprochene Notverkehr folgt einem festgelegten Ablauf. Genannt werden insbesondere das Notzeichen MAYDAY, Schiffsname und Rufzeichen, die Position, die Art der Notlage, die benötigte Hilfe sowie weitere wichtige Angaben wie die Zahl der Personen an Bord. Nach einem DSC-Alarm wurde die MMSI bereits digital übermittelt. Buchstabiert wird mit der internationalen Buchstabiertafel (Alpha, Bravo, Charlie ...) - dieselbe, die auch Funkamateure nutzen.

❌ Missbrauch ist eine Straftat: Ein versehentlich ausgelöster Fehlalarm - versehentlich gedrückte Distress-Taste inklusive - muss unverzüglich über den für das jeweilige System vorgesehenen Weg widerrufen und der zuständigen Stelle gemeldet werden. Vorsätzliche Falschnotrufe binden Rettungskräfte und werden empfindlich bestraft.

Funkzeugnis und Schiffsfunkstelle sind nicht dasselbe

Ein häufiges Missverständnis: Das Zeugnis allein reicht nicht. Zu unterscheiden sind zwei Dinge:

  • Das Funkbetriebszeugnis ist personenbezogen und berechtigt eine Person zur Bedienung bestimmter Funkanlagen.
  • Rufzeichen und MMSI werden dagegen der Schiffsfunkstelle bzw. dem Schiff zugeteilt.

Für den legalen Betrieb müssen also beide Voraussetzungen vorliegen: die persönliche Berechtigung und die korrekte Zuteilung für die Anlage. In Deutschland teilt die Bundesnetzagentur der Schiffsfunkstelle Rufzeichen und MMSI im Rahmen des jeweiligen Antragsverfahrens zu.

Welches Seefunkzeugnis brauche ich?

Wer eine sendefähige Seefunkanlage bzw. eine GMDSS-Funkanlage bedient, benötigt grundsätzlich das dafür passende Funkbetriebszeugnis - unabhängig davon, ob das Schiff ein 8-Meter-Segelboot oder ein Frachter ist. Welche Berechtigung erforderlich ist, hängt von Anlage, Fahrtgebiet und Verwendungszweck ab:

ZeugnisBereichTypische Nutzung
UBISprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk (kein Seefunkzeugnis, ohne GMDSS)Flüsse & Seen
SRCUKW-Seefunk und entsprechende GMDSS-Funkanlagen in der Sportschifffahrtküstennah (A1)
LRCzusätzlich MF/HF und anerkannte GMDSS-Satellitenfunkanlagen (Sportschifffahrt)Hochsee (A1-A4)
ROCBeschränkt gültiges Betriebszeugnis für GMDSS-Funkanlagen auf Schiffen im Seegebiet A1 (Berufsschifffahrt)küstennah
GOCAllgemeines GMDSS-Betriebszeugnis für die Berufsschifffahrt (alle Frequenzbereiche)weltweit

Grob gilt: Binnen = UBI, Küste = SRC, Hochsee = LRC. ROC und GOC sind die Pendants für die Berufsschifffahrt - aber nicht einfach dieselben Zeugnisse für andere Nutzer, sondern eigene Ausbildungs- und Prüfungsanforderungen. Für die Sportschifffahrt nehmen die Wassersportverbände DSV (Segler) und DMYV (Motoryachtfahrer) die Prüfungen zu UBI, SRC und LRC im amtlichen Auftrag ab. Die Berufszeugnisse ROC und GOC stellt das BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie) aus.

✅ Faustregel für Sportbootfahrer:
  • Nur auf Fluss und See unterwegs? → UBI
  • Küstennah auf der Ostsee oder Nordsee? → SRC
  • Planst du Blauwasser und Atlantiküberquerung? → LRC

ATIS im Binnenfunk

Eine Besonderheit des Binnenschifffahrtsfunks (UBI-Bereich) ist ATIS (Automatic Transmitter Identification System). Anders als DSC/MMSI im Seefunk sendet ATIS nach jeder Aussendung automatisch eine Kennung, die das Rufzeichen der Funkstelle enthält, und dient so der Identifikation. Auf Binnenwasserstraßen ist ein Funkgerät mit ATIS-Aussendung Pflicht. ATIS wird also im Binnenschifffahrtsfunk verwendet: Bei umschaltbaren See-/Binnenfunkanlagen muss für den Seefunkbetrieb der korrekte Seefunkmodus ohne ATIS-Aussendung gewählt werden.

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Seefunk und Amateurfunk - der große Unterschied

Beides ist Funk, beide nutzen UKW und Kurzwelle, beide buchstabieren mit derselben Tafel - trotzdem sind es zwei völlig getrennte Funkdienste mit eigenen Frequenzen, Zeugnissen und Zwecken.

⚓ Seefunk
  • Zweck: Sicherheit der Schifffahrt
  • Frequenzen: feste Kanäle (156-162 MHz), MF/HF
  • Kennung: Schiffs-Rufzeichen + MMSI
  • Zeugnis: SRC, LRC, ROC oder GOC (Binnen: UBI)
  • Anlagen müssen die geltenden Anforderungen erfüllen
📻 Amateurfunk
  • Zweck: Technik, Experiment, Hobby
  • Frequenzen: eigene Amateurbänder
  • Kennung: persönliches Rufzeichen
  • Zeugnis: Amateurfunkzeugnis (Klasse N/E/A)
  • Selbstbau ausdrücklich erlaubt

Seefunk- und Amateurfunkfrequenzen dürfen jeweils nur im Rahmen des geltenden Funkdienstes und mit der entsprechenden Berechtigung genutzt werden. Ein Amateurfunkzeugnis berechtigt nicht zum Seefunkbetrieb, ein Seefunkzeugnis nicht zum Amateurfunk. Seefunkanlagen müssen zudem die für ihren Einsatz geltenden technischen und regulatorischen Anforderungen erfüllen; eigenmächtige Änderungen können Zulassung und regelkonformen Betrieb beeinträchtigen.

Viele segelnde Funkamateure haben trotzdem beides in der Tasche: Das SRC ergänzt das Amateurfunkzeugnis hervorragend, wenn man sein Boot funktechnisch absichern will. Und wer die Technik hinter Modulation, Antennen und Ausbreitung einmal verstanden hat, dem fallen die Seefunk-Prüfungsthemen deutlich leichter.

⚠️ Mithören ist in Deutschland nicht erlaubt: Mit einer Funkanlage dürfen nur Nachrichten empfangen werden, die für die Allgemeinheit oder einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind (sowie für den Betreiber selbst und für Funkamateure). Seefunkverkehr richtet sich an bestimmte Funkstellen und ist gerade nicht für die Allgemeinheit bestimmt - sein gezieltes Abhören ist deshalb nicht gestattet. Wird etwas unbeabsichtigt empfangen, gilt zudem eine Geheimhaltungspflicht: Inhalt und die Tatsache des Empfangs dürfen nicht an andere weitergegeben werden. Rechtsgrundlage ist das Abhörverbot in § 5 TDDDG (früher § 89 TKG).
ℹ️ Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für Ausbildung, Prüfung und Betrieb sind die jeweils aktuellen amtlichen Vorschriften, Funkunterlagen und Bedienungsanleitungen maßgeblich. Im Notfall gelten die eingeübten offiziellen Notverfahren.

Häufige Fragen zum Seefunk

Brauche ich für ein UKW-Handfunkgerät an Bord ein Funkzeugnis?

Für das Bedienen einer sendefähigen UKW-Seefunkanlage auf See wird grundsätzlich ein passendes Seefunkzeugnis benötigt. Bei einer GMDSS-fähigen UKW-Anlage in der Sportschifffahrt ist dies üblicherweise das SRC. Auf Binnenwasserstraßen gilt das UBI. Das Funkbetriebszeugnis betrifft die Bedienung der sendefähigen Anlage; unabhängig davon sind die Vorgaben zur Schiffsfunkstelle sowie die rechtlichen Grenzen beim Empfang nicht für die Allgemeinheit bestimmter Kommunikation zu beachten.

Was ist der Unterschied zwischen SRC und LRC?

Das SRC (Short Range Certificate) berechtigt zum UKW-Seefunk mit DSC und entsprechenden GMDSS-Anlagen (typischerweise küstennah, Seegebiet A1). Das LRC (Long Range Certificate) deckt zusätzlich Grenzwelle, Kurzwelle und anerkannte GMDSS-Satellitenfunkanlagen ab - also weltweiten Seefunk in allen Seegebieten A1 bis A4.

Wofür ist Kanal 16 im Seefunk?

Kanal 16 (156,800 MHz) ist der internationale Not-, Dringlichkeits-, Sicherheits- und Anrufkanal im UKW-Seefunk. Man ruft hier nur an und wechselt danach auf einen Arbeitskanal. Für den digitalen Notruf per DSC dient dagegen Kanal 70.

Was bedeutet MMSI?

MMSI steht für Maritime Mobile Service Identity - eine neunstellige maritime Funkkennung, die u.a. Schiffs- und Küstenfunkstellen im DSC- und AIS-System eindeutig identifiziert. Bei Schiffs-MMSI nennen die ersten drei Ziffern das Land; deutsche Schiffe beginnen mit 211 oder 218.

Ist Seefunk dasselbe wie Amateurfunk?

Nein. Seefunk ist ein eigener Funkdienst für die Sicherheit der Schifffahrt mit festen Kanälen und eigenen Zeugnissen (UBI, SRC, LRC). Amateurfunk ist ein Experimentierfunkdienst auf eigenen Bändern mit persönlichem Rufzeichen. Beide dürfen jeweils nur mit der passenden Berechtigung genutzt werden.

Was ist GMDSS?

GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) ist das seit 1999 weltweit gültige Seenot- und Sicherheitsfunksystem. Es verbindet terrestrischen See- und Satellitenfunk mit digitaler Alarmierung (DSC), Seenotfunkbaken (EPIRB) und automatischen Sicherheitsinformationen wie NAVTEX.

Lust bekommen auf Funk?

Seefunk sichert Schiffe ab - Amateurfunk lässt dich die Technik dahinter selbst erforschen: Antennen, Ausbreitung, Digimodes. Der Einstieg ist die Amateurfunkprüfung, und die kannst du bei uns kostenlos üben.

Zur Prüfungsvorbereitung

Quellen: Wikipedia: Mobiler Seefunkdienst (UKW) · Wikipedia: Funkbetriebszeugnis · Wikipedia: GMDSS · Wikipedia: Bremen Rescue Radio · Wikipedia: Binnenschifffahrtsfunk (ATIS) · Bundesnetzagentur: Seefunk · BSH · ELWIS (Binnenschifffahrt)

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