SSB steht für Single Sideband, auf Deutsch Einseitenbandmodulation. Es ist die wichtigste analoge Sprechfunkart auf Kurzwelle: Statt Träger und zwei Seitenbändern wie bei AM überträgt ein SSB-Sender nur ein einziges Seitenband und unterdrückt den Träger. Das halbiert die Bandbreite und steckt die Sendeleistung dorthin, wo die Sprache steckt. Weil SSB eine Sprechfunkart ist, gehört zur Praxis auch das Buchstabieren nach der internationalen Buchstabiertafel - bei den schwachen Signalen, für die SSB gemacht ist, entscheidet das oft über ein sauberes Log.
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Was ist SSB?
Kurz gesagt: SSB ist eine Form der Amplitudenmodulation, bei der nur eines der beiden Seitenbänder übertragen und der Träger weitgehend unterdrückt wird. Ein Sprachsignal von etwa 300 bis 2700 Hz belegt damit rund 2,4 bis 2,7 kHz statt der etwa doppelten Breite bei klassischer AM - und der weit überwiegende Teil der Sendeleistung liegt im informationstragenden Seitenband.
Der Begriff "SSB" ist außerhalb des Funks mehrdeutig; die Bundesnetzagentur verwendet dieselbe Abkürzung zum Beispiel für "Schnittstellenbeschreibung". Gemeint ist hier ausschließlich die Modulationsart.
Die im Amateurfunk übliche Sprechfunkart trägt die internationale Sendeartenkennzeichnung J3E. Die drei Zeichen bedeuten:
- J - Amplitudenmodulation, Einseitenband, unterdrückter Träger
- 3 - ein Kanal mit analoger Information
- E - Telefonie, also Sprache
Daneben gibt es weitere Einseitenbandarten. Zwei davon unterscheiden sich von J3E allein im Umgang mit dem Träger: H3E überträgt ihn voll, R3E reduziert. B8E ist dagegen etwas anderes - dort werden zwei unabhängige Seitenbänder gesendet, die verschiedene Informationskanäle tragen können. Das erkennt man schon an der mittleren Stelle: die 8 steht für mehrere analoge Kanäle, die 3 bei J3E für einen einzigen. Wenn Funkamateure "SSB" sagen, meinen sie praktisch immer J3E.
Wie entsteht ein SSB-Signal?
Der Weg führt in zwei Schritten von der klassischen Amplitudenmodulation zum Einseitenband. Am einfachsten lässt sich das mit einem einzelnen Ton zeigen.
Angenommen, ein Träger von 7,100 MHz wird mit einem Ton von 1 kHz moduliert. Bei gewöhnlicher AM entstehen drei Anteile:
| Anteil | Frequenz | Trägt Information? |
|---|---|---|
| Unteres Seitenband | 7,099 MHz | ja |
| Träger | 7,100 MHz | nein |
| Oberes Seitenband | 7,101 MHz | ja |
Bei SSB bleibt genau einer der beiden Seitenbandanteile übrig:
- LSB (Lower Sideband, unteres Seitenband): 7,099 MHz
- USB (Upper Sideband, oberes Seitenband): 7,101 MHz
Der Träger wird unterdrückt. Für einen einzelnen Ton bleibt also eine einzige Frequenz übrig - genau das fragt der Fragenkatalog ab, wenn er wissen will, welche Frequenz bei einem 3,65-MHz-Träger und 2 kHz Modulation in LSB entsteht.
Echte Sprache besteht natürlich nicht aus einem einzelnen Ton. Ein Sprachspektrum von etwa 300 bis 2700 Hz erzeugt ein entsprechend breites Seitenband neben der unterdrückten Trägerfrequenz. Direkt daneben liegt es allerdings nicht: Weil unterhalb von 300 Hz nichts übertragen wird, bleibt zwischen dem virtuellen Träger und der ersten gesendeten Komponente eine rund 300 Hz breite Lücke. Genau deshalb reicht das Signal bei USB nicht bis zur Anzeigefrequenz herunter.
Die drei Spektren im Vergleich
Warum ein Seitenband genügt
Bei der Modulation wird das Sprachsignal mit dem Träger gemischt. Für jede einzelne Frequenzkomponente der Sprache entsteht dabei eine Summen- und eine Differenzfrequenz. Deshalb liegt oberhalb und unterhalb des Trägers jeweils eine vollständige, gespiegelte Kopie des Modulationssignals. Eine davon kann ersatzlos entfallen, ohne dass Information verloren geht.
Prüfungsfragen zu SSB
Sechs Fragen aus dem Fragenkatalog
Fragetext und Abbildung stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, aus den Klassen N und E. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
NE203 Was ist der Unterschied zwischen AM und SSB?
- AM hat einen Träger und zwei Seitenbänder, SSB arbeitet mit Trägerunterdrückung und nur einem Seitenband.
- AM hat einen Träger und ein Seitenband, SSB arbeitet mit Trägerunterdrückung und hat zwei Seitenbänder.
- AM hat keinen Träger und zwei Seitenbänder, SSB arbeitet mit Trägerunterdrückung und nur einem Seitenband.
- AM hat keinen Träger und zwei Seitenbänder, SSB arbeitet mit Träger und nur einem Seitenband.
NE207 Welche spektrale Darstellung ergibt sich für Einseitenbandmodulation in USB bei diesem Audiospektrum?
EE204 Ein Träger von 3,65 MHz wird mit der NF-Frequenz von 2 kHz in SSB (LSB) moduliert. Welche Frequenz/Frequenzen treten im modulierten HF-Signal hauptsächlich auf?
- 3,648 MHz
- 3,648 MHz und 3,650 MHz
- 3,652 MHz
- 3,648 MHz und 3,652 MHz
NE211 Im 80 m-Band wird bei Sprechfunk das Modulationsverfahren SSB "Unteres Seitenband" verwendet. Auf welchen "MODE" stellen Sie den Amateurfunk-Empfänger ein?
- LSB
- USB
- AM
- SSB
EJ210 Um Störungen auf benachbarten Frequenzen zu minimieren, sollte die Übertragungsbandbreite bei SSB ...
- höchstens 2,7 kHz betragen.
- höchstens 1,8 kHz betragen.
- höchstens 3,1 kHz betragen.
- höchstens 15,0 kHz betragen.
EF402 Wie und wo wird die Ausgangsleistung eines SSB-Senders gemessen? Die maximale Hüllkurvenleistung (PEP) wird gemessen...
- direkt am Senderausgang bei Ein- oder Zweitonaussteuerung.
- zwischen Antennentuner und Speisepunkt der Antenne mit unmoduliertem Träger.
- zwischen Antennentuner und Speisepunkt bei Sprachmodulation.
- direkt am Senderausgang mit unmoduliertem Träger.
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klassen N und E). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
USB und LSB - was ist der Unterschied?
Beide Seitenbänder übertragen dieselbe Information. Der Unterschied liegt allein in der spektralen Lage relativ zum unterdrückten Träger:
- Die HF-Anteile liegen oberhalb der unterdrückten Trägerfrequenz
- Ein 1-kHz-Ton erscheint 1 kHz oberhalb der Anzeige
- Tiefe Töne liegen dicht an der Anzeige, hohe weiter weg
- Die HF-Anteile liegen unterhalb der unterdrückten Trägerfrequenz
- Ein 1-kHz-Ton erscheint 1 kHz unterhalb der Anzeige
- Das Spektrum ist gegenüber USB gespiegelt
Wann USB, wann LSB?
Die Faustregel kennt jeder Funkamateur: unter 10 MHz LSB, ab 10 MHz USB. Wichtig ist ihr Status. Der IARU-Region-1-Bandplan formuliert sie ausdrücklich als Empfehlung, nicht als Vorschrift, und nennt gleich eine Ausnahme:
| Band | Übliches Seitenband | Anmerkung |
|---|---|---|
| 160 m | LSB | |
| 80 m | LSB | |
| 60 m | USB | ausdrückliche Ausnahme von der 10-MHz-Regel |
| 40 m | LSB | |
| 30 m | - | Der Bandplan sieht dort kein Segment für Sprechfunk vor, nur CW und Schmalband-Digimodes |
| 20 bis 10 m | USB | |
| 6 m, 2 m, 70 cm | USB | Aktivitätszentren 50,150 / 144,300 / 432,200 MHz |
Die Konvention ist historisch gewachsen. Die verbreitetste Erklärung führt sie auf die Filtertechnik der frühen Transceiver mit 9-MHz-Zwischenfrequenz zurück, bei denen unterhalb dieser Grenze LSB und oberhalb USB einfacher zu erzeugen war. Eine lückenlos belegte Ursache gibt es allerdings nicht - die früheste dokumentierte Erwähnung der Regel stammt aus einer ARRL-Veröffentlichung von 1965.
Und der praktische Kern der Sache: Stellen zwei Stationen unterschiedliche Seitenbänder ein, verstehen sie sich nicht. Das Sprachspektrum wird dann gespiegelt, tiefe Töne werden zu hohen und umgekehrt. Genau nach diesem Prinzip arbeiteten früher einfache Sprachverschleierer.
Wie breit ist ein SSB-Signal?
Die belegte Bandbreite ergibt sich aus dem übertragenen Sprachbereich:
$\displaystyle B_{\mathrm{SSB}} = f_{\mathrm{NF,max}} - f_{\mathrm{NF,min}}$
Bei einem Sprachkanal von 300 bis 2700 Hz sind das 2400 Hz. Genau diese Zahl nennt der Fragenkatalog auch für das Filter, das das unerwünschte Seitenband abtrennt.
Die geläufigere Zahl 2,7 kHz misst dagegen vom unterdrückten Träger bis zur oberen Kante des Seitenbands und schließt den ungenutzten Bereich unterhalb von 300 Hz mit ein. Sie ist damit die Obergrenze für den belegten Kanal, nicht die Breite des Sprachanteils. Der IARU-Bandplan führt für alle SSB-Segmente auf Kurzwelle genau diesen Wert als "MAX BANDWIDTH 2700 Hz".
Warum SSB Bandbreite spart
Klassische AM überträgt Träger und beide Seitenbänder, SSB nur eines davon. Bei gleichem Sprachbereich braucht SSB deshalb ungefähr die halbe Bandbreite - so formuliert es auch der Fragenkatalog, der von "weniger als der halben Bandbreite der Modulationsart AM" spricht.
| Sprachbereich | AM | SSB |
|---|---|---|
| 300 bis 3000 Hz | ca. 6 kHz | ca. 2,7 bis 3 kHz |
Das ist eine Näherung. Reale Filterflanken und Emissionsmasken brauchen zusätzlich einen Übergangsbereich.
Warum SSB die Sendeleistung besser nutzt
Bei klassischer AM steckt der größte Teil der Leistung im Träger, der überhaupt keine Information transportiert. Der DARC rechnet das an einem Beispiel vor: Von 75 W Gesamtleistung entfallen 50 W auf den Träger und je 12,5 W auf die beiden Seitenbänder. Nur ein Drittel der Leistung trägt also Information, und selbst davon ist die Hälfte redundant.
Bei SSB entfallen Träger und zweites Seitenband. Fast die gesamte abgestrahlte Hochfrequenz trägt damit Sprache - "vollständig" wäre zu viel gesagt, denn ein Restträger, ein Rest des unerwünschten Seitenbands und unerwünschte Aussendungen bleiben immer übrig (siehe Trägerunterdrückung).
Diese Rechnung vergleicht zwei verschiedene Leistungsangaben. Die 400 W stammen daher, dass ein AM-Signal bei 100 Prozent Modulation eine Spitzenhüllkurvenleistung vom Vierfachen der Trägerleistung erreicht - ein AM-Sender wird aber traditionell mit seiner Trägerleistung angegeben, ein SSB-Sender mit seiner Spitzenleistung. Rechnet man stattdessen über die Leistungsaufteilung wie der DARC, kommt man auf Faktor 6. Belastbar ist nur die Richtung, nicht der Faktor: Bei gleicher zulässiger Spitzenleistung steckt bei SSB ein deutlich größerer Anteil der Energie in der Sprachinformation.
Die Anzeige ist nicht das ganze Signal
Ein Amateurfunkgerät zeigt bei SSB die unterdrückte Trägerfrequenz an - also eine Frequenz, auf der gar nichts gesendet wird. Das tatsächlich belegte Spektrum liegt bei USB oberhalb und bei LSB unterhalb davon.
An Bandgrenzen wird das zur Falle. Der IARU-Bandplan stellt deshalb ausdrücklich klar, dass sich seine Frequenzangaben auf die gesendeten Frequenzen beziehen und nicht auf den unterdrückten Träger.
Die gesamte belegte Bandbreite muss innerhalb des zulässigen Bereichs bleiben. Bei einer Sprachbandbreite bis 2,7 kHz heißt das rund 3 kHz Sicherheitsabstand zur Bandkante - bei USB nach oben, bei LSB nach unten.
| Fall | Bandkante | Höchste bzw. tiefste VFO-Einstellung |
|---|---|---|
| 40 m, LSB, untere Kante des Allmodenbereichs | 7050 kHz | 7053 kHz |
| 80 m, LSB | 3600 kHz | 3603 kHz |
| 160 m, LSB | 1810 kHz | 1843 kHz (Bandplansegment) |
| 60 m, USB, obere Kante | 5366,5 kHz | 5363 kHz |
| 20 bis 10 m, USB | obere Bandkante | 3 kHz darunter |
Diese Werte stammen aus den Fußnoten des IARU-Bandplans. Sie sind eine Empfehlung zur Selbstregulierung - die Bandgrenze der nationalen Frequenzzuteilung selbst ist dagegen verbindlich.
PEP: Was "100 Watt" bei SSB bedeutet
PEP steht für Peak Envelope Power, die Spitzenleistung der Hüllkurve. Die deutsche Amateurfunkverordnung definiert sie als die Leistung, die der Sender "während einer Periode der Hochfrequenzschwingung bei der höchsten Spitze der Modulationshüllkurve durchschnittlich an einen reellen Abschlusswiderstand abgeben kann".
Weil die SSB-Hüllkurve der Sprache folgt, schwankt die Ausgangsleistung ständig:
- In Sprechpausen sendet das Gerät praktisch nichts
- Bei leisen Silben fließt wenig Leistung
- Nur auf Sprachspitzen wird die volle PEP kurz erreicht
Warum das Wattmeter zu wenig anzeigt
Ein gewöhnliches, träges Wattmeter kann die kurzen Spitzen der Sprachhüllkurve gar nicht auflösen und zeigt deshalb einen deutlich niedrigeren Wert als die tatsächliche PEP. Das ist kein Gerätefehler.
Wie weit die mittlere Leistung unter der PEP liegt, hängt stark von Stimme, Sprechweise und Kompression ab. Die Angaben in der Literatur reichen von rund einem Fünftel bei völlig unbearbeiteter Sprache bis zu etwa der Hälfte bei kräftiger Sprachbearbeitung - eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Eindeutig ist nur der Zweiton-Test: Bei zwei gleich starken Tönen beträgt die mittlere Leistung exakt die Hälfte der PEP. Genau deshalb misst man PEP mit Ein- oder Zweitonaussteuerung und nicht mit Sprache.
Mögliche Ursachen, wenn die Anzeige verdächtig niedrig bleibt:
- Das Messgerät ist zu träge oder hat keine echte Spitzenwerthaltung
- Mikrofonverstärkung zu niedrig eingestellt
- Der Sender regelt wegen Fehlanpassung oder Schutzfunktion zurück
- Es wird schlicht mit Sprache statt mit einem Testsignal gemessen
Mikrofon, ALC und Sprachprozessor
Was die ALC macht
Die ALC regelt den Pegel im Sendeweg und begrenzt die Ansteuerung, damit der vorgesehene Ausgangspegel eingehalten und die Endstufe nicht übersteuert wird. Sie ist damit eine Pegelregelung - kein Lautstärkeregler, aber auch nicht dasselbe wie eine reine Schutzschaltung der Endstufe.
Die ARRL empfiehlt für den praktischen Betrieb, das ALC-Instrument beim Sprechen zu beobachten und die Mikrofonverstärkung zurückzunehmen, sobald der Zeiger aus dem vorgesehenen Bereich schlägt - ein dauerhaft hoher ALC-Ausschlag zeigt Übersteuerung an.
Genau umgekehrt. Übersteuerung erzeugt Intermodulationsprodukte, verbreitert das Sendespektrum und produziert Splatter auf den Nachbarfrequenzen. Genau das fragt der Katalog ab, wenn er nach den Folgen einer zu hohen Mikrofonverstärkung fragt.
Eine allgemeine Empfehlung nach dem Muster "drei Balken ALC" gibt es bewusst nicht: Die Skalen sind von Hersteller zu Hersteller verschieden, und der richtige Wert hängt zusätzlich von Stimme, Mikrofonabstand und aktiver Kompression ab. Maßgeblich ist das Handbuch des jeweiligen Geräts.
Was der Sprachprozessor macht
Ein Sprachprozessor oder Dynamikkompressor verringert den Dynamikumfang: Leise Anteile werden angehoben, Spitzen begrenzt. Die mittlere Sendeleistung steigt dadurch, die PEP-Obergrenze bleibt unverändert. Genau so beschreibt es auch der Fragenkatalog, der von einer "verzerrungsarm angehobenen mittleren Sendeleistung" spricht.
- Bessere Durchschlagskraft bei schwachen Signalen
- Hilfreich bei kleiner Leistung oder bescheidener Antenne
- Gleichmäßigerer Pegel für die Gegenstation
- Unnatürlicher Klang, schlechtere Verständlichkeit
- Stärkere Intermodulationsprodukte
- Breiteres Signal
- Höhere thermische Belastung der Endstufe
Ablauf beim Einstellen
- Band und zulässigen Sprechfunkbereich wählen
- USB oder LSB nach der Betriebskonvention einstellen
- Sendefilter beziehungsweise Bandbreite passend wählen
- Mikrofon etwa in Fingerbreite Abstand halten und normal laut sprechen
- Mikrofonverstärkung nach Handbuch einstellen, ALC beobachten
- Sprachprozessor zunächst aus oder zurückhaltend einstellen
- Ausgangsleistung und SWR kontrollieren
- Sendesignal mit Monitor, Zweitempfänger oder Spektrumanzeige prüfen
Wie SSB empfangen wird
Weil der Träger fehlt, muss der Empfänger ihn selbst wieder beisteuern. Das übernimmt ein BFO, dessen Signal im Produktdetektor mit dem empfangenen Seitenband gemischt wird. Daraus entsteht das ursprüngliche Sprachspektrum zurück.
Ein einfacher Hüllkurvendetektor, wie er für AM genügt, versagt hier: Die Hüllkurve eines SSB-Signals entspricht nicht dem Sprachsignal. Deshalb braucht SSB einen aufwändigeren Empfänger - und einen ausreichend frequenzstabilen Hilfsträger. Der Fragenkatalog fragt genau danach und will als Antwort einen quarzgesteuerten Oszillator.
Der Donald-Duck-Effekt
Stimmt die Empfängerfrequenz nicht genau, werden alle Sprachfrequenzen um denselben Betrag verschoben. Die natürlichen Verhältnisse zwischen Grundton und Obertönen stimmen dann nicht mehr, und die Stimme klingt unnatürlich.
Die Richtung ist bei den beiden Seitenbändern spiegelverkehrt - dieser Punkt wird oft falsch dargestellt:
| Verstimmung | USB | LSB |
|---|---|---|
| Anzeige zu tief | Stimme klingt zu hoch | Stimme klingt zu tief |
| Anzeige zu hoch | Stimme klingt zu tief | Stimme klingt zu hoch |
| Falsches Seitenband | Spektrale Inversion, Sprache völlig unverständlich | |
Wie viel Abweichung man hört, dazu nennt die Literatur unterschiedliche Größenordnungen. Bereits wenige zehn Hertz sind wahrnehmbar; bei rund 100 Hz wird eine vertraute Stimme laut ARRL kaum noch wiedererkennbar. Eine harte Schwelle gibt es nicht, weil "gerade noch tolerierbar" und "völlig unverständlich" verschiedene Dinge sind.
Wie ein SSB-Signal erzeugt wird
Die beiden klassischen analogen Verfahren beginnen mit einem Balancemodulator: Durch seine symmetrische Beschaltung heben sich die Trägeranteile gegenseitig auf, übrig bleibt ein Zweiseitenbandsignal mit unterdrücktem Träger. Danach trennen sich die Wege - und die digitale Erzeugung geht ohnehin einen anderen: Sie bildet das gewünschte Seitenband direkt als komplexes Basisbandsignal, ohne dass je ein Zweiseitenbandsignal entsteht.
| Verfahren | Wie das zweite Seitenband verschwindet | Knackpunkt |
|---|---|---|
| Filtermethode | Ein steilflankiges Quarzfilter lässt nur ein Seitenband durch; anschließend setzt eine weitere Mischstufe das Signal auf die Sendefrequenz um | Das Filter ist nicht abstimmbar, deshalb der Umweg über eine feste Zwischenfrequenz |
| Phasenmethode | Zwei um 90 Grad phasenverschobene Signalwege und zwei Balancemodulatoren; bei der Addition löscht sich ein Seitenband aus | Die 90-Grad-Verschiebung muss über den ganzen Sprachbereich stimmen, sonst leidet die Seitenbandunterdrückung |
| Digitale Erzeugung | Das Audiosignal wird per Hilbert-Transformation in ein komplexes Basisbandsignal überführt und komplex gemischt | Rechenaufwand statt Bauteileaufwand; heute der Normalfall in SDR-Geräten |
Die Filtermethode ist die klassische Lösung und in der Prüfung der Klasse A die maßgebliche: Dort wird gefragt, welche Baugruppe im Signalweg das gewünschte Seitenband auswählt - die Antwort ist das Quarzfilter als Bandpass.
Wie gut ist "unterdrückt"?
Vollständig ist die Unterdrückung nie. Ein aktueller Amateurfunk-Transceiver erreicht typischerweise über 50 dB Trägerunterdrückung; das gibt Icom für den IC-7300 an, und die unabhängige ARRL-Labormessung bestätigt denselben Wert. Für das unerwünschte Seitenband gilt die gleiche Größenordnung.
Ein kleiner Restträger bleibt also immer. Deshalb ist die Formulierung "SSB hat keinen Träger" streng genommen zu absolut - richtig ist "unterdrückter Träger", und genau das steht auch im J der Sendeartenkennung.
SSB, AM und FM im Vergleich
| Merkmal | SSB (J3E) | AM (A3E) | Schmalband-FM |
|---|---|---|---|
| Bandbreite | ca. 2,4 bis 2,7 kHz | ca. 6 kHz | ca. 12 kHz |
| Träger | unterdrückt (> 50 dB) | voll vorhanden | konstante Hüllkurve |
| Mittlere Leistung | sprachabhängig, weit unter PEP | hoher Trägeranteil, dauerhaft | konstant |
| Abstimmung | kritisch | unkritisch | unkritisch |
| Amplitudenstörungen | schlagen durch | schlagen durch | werden vom Begrenzer unterdrückt |
| Typischer Einsatz | Kurzwelle, Schwachsignal auf UKW | Rundfunk, Sonderbetrieb | lokaler UKW-Betrieb, Relais |
Der wichtigste Unterschied im Störverhalten: Bei SSB und AM steckt die Information in der Amplitude, weshalb Amplitudenstörungen wie Zündfunken oder Schaltnetzteil-Knacken direkt durchschlagen. FM begrenzt das Signal vor der Demodulation und wertet nur die Frequenzänderung aus - solche Störungen verschwinden dabei weitgehend. Genau diesen Vorteil fragt der Fragenkatalog ab.
Umgekehrt hat SSB im Schwachsignalbereich die Nase vorn: FM braucht eine Mindestfeldstärke, unterhalb derer die Rauschunterdrückung des Demodulators zusammenbricht. Ein SSB-Signal bleibt dagegen auch dicht am Rauschen noch mühsam lesbar.
Wo SSB eingesetzt wird
- Kurzwelle: die Standard-Sprechfunkart für DX-Verbindungen, Conteste und Portabelbetrieb. Der IARU-Bandplan weist auf praktisch jedem Band eigene SSB-Segmente aus, dazu QRP-Aktivitätszentren wie 3690, 7090, 14285, 18130, 21285, 24950 und 28360 kHz.
- UKW-Schwachsignalbetrieb: Aktivitätszentren bei 50,150 MHz, 144,300 MHz und 432,200 MHz. Für Tropo-DX ist SSB die übliche Sprechfunkart. Bei Meteorscatter und Erde-Mond-Erde hat sich der Schwerpunkt dagegen längst zu digitalen Verfahren verschoben - MSK144 beim Meteorscatter, Q65 und JT65 bei EME, dazu weiterhin CW. SSB kommt dort nur noch bei entsprechend starken Signalen zum Zug.
- Satellitenbetrieb: Lineare Transponder übertragen ein ganzes Passband, in dem mehrere Stationen gleichzeitig in SSB und CW arbeiten können.
- Digitale Betriebsarten: FT8, PSK31 und Verwandte werden als Audiosignal durch einen ganz normalen SSB-Sender geschickt.
- CB-Funk: Auch dort ist SSB erlaubt. Die Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur lässt auf den Kanälen 1 bis 40 12 W PEP in SSB zu, gegenüber 4 W bei FM und AM. Mehr dazu im Artikel zum 11-Meter-Band.
Woher SSB kommt
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1915 | John Renshaw Carson (AT&T) meldet das Verfahren zum Patent an; erteilt wird es 1923 |
| 1927 | Am 7. Januar geht die transatlantische Funktelefonverbindung New York - London in SSB in Betrieb |
| 1928 | Ralph Hartley lässt die Phasenmethode patentieren |
| 1930 | Ellison S. Purington meldet ein weiteres SSB-Patent an, erteilt 1935 |
| 1933/34 | Erste Sprachversuche von Funkamateuren auf 75 m in LSB |
| 1957 | Der Collins KWM-1 ist der erste mobile SSB-Transceiver für den Amateurfunk |
| Ende der 1950er | Der Wechsel von AM zu SSB im Amateurfunk ist weitgehend vollzogen |
Die späte Verbreitung im Amateurfunk hatte einen technischen Grund: Erst mit bezahlbaren, steilflankigen Quarzfiltern und ausreichend stabilen Oszillatoren wurde SSB für den Selbstbau praktikabel.
Neun Sätze, die so nicht stimmen
| Behauptung | Richtig ist |
|---|---|
| "SSB ist keine Amplitudenmodulation" | SSB ist eine Sonderform der AM. Das J in J3E steht ausdrücklich für Amplitudenmodulation mit Einseitenband und unterdrücktem Träger. |
| "SSB hat gar keinen Träger" | Der Träger ist unterdrückt, typisch um mehr als 50 dB. Ein Restträger bleibt. Es gibt zudem Einseitenbandarten mit reduziertem (R3E) und vollem Träger (H3E). |
| "USB ist besser als LSB" | Beide tragen dieselbe Information. Die Wahl folgt einer Betriebskonvention. |
| "SSB braucht genau 2,7 kHz" | 2,7 kHz ist die Obergrenze aus dem Bandplan. Die tatsächliche Breite hängt von Sendeaudio und Filter ab. |
| "100 Watt SSB heißt dauerhaft 100 Watt" | Die Angabe ist PEP. Die mittlere Sprachleistung liegt deutlich darunter. |
| "Mehr Mikrofonverstärkung bringt mehr Reichweite" | Nur bis zum korrekten Aussteuerungspunkt. Darüber entstehen Verzerrungen und Splatter, nicht mehr Leistung. |
| "Der Sprachprozessor erhöht die Spitzenleistung" | Er hebt die mittlere Leistung an. Die PEP-Grenze bleibt, wo sie war. |
| "Unter 10 MHz muss LSB verwendet werden" | Es ist eine Empfehlung des IARU-Bandplans, keine Pflicht - und auf 60 m gilt ausdrücklich USB. |
| "SSB ist schmaler als jede digitale Betriebsart" | FT8 belegt etwa 50 Hz und ist damit deutlich schmaler. Amateurfunkfernsehen dagegen ist um Größenordnungen breiter. |
Von der Modulation zur ersten Verbindung
Seitenbandlage, Bandbreite, PEP, Aussteuerung: SSB verbindet fast alle Themen der Technikprüfung mit der Betriebstechnik am Gerät. Genau diese Verbindung prüft die Amateurfunkprüfung ab - und danach steht der ersten eigenen Verbindung auf Kurzwelle nichts mehr im Weg.
Prüfungsvorbereitung startenHäufige Fragen zu SSB
Was bedeutet SSB?
SSB steht für Single Sideband, auf Deutsch Einseitenbandmodulation. Dabei wird nur eines der beiden Seitenbänder einer amplitudenmodulierten Aussendung übertragen, der Träger ist beim üblichen Amateurfunk-SSB weitgehend unterdrückt. Die internationale Sendeartenkennung lautet J3E.
Ist SSB nun AM oder FM?
SSB gehört zur Amplitudenmodulation. Im Gegensatz zur klassischen AM werden aber nur ein Seitenband und normalerweise kein dauerhafter Träger übertragen. Mit Frequenzmodulation hat SSB nichts zu tun.
Was ist der Unterschied zwischen USB und LSB?
Bei USB liegt das übertragene Seitenband oberhalb der unterdrückten Trägerfrequenz, bei LSB darunter. Beide enthalten dieselbe Sprachinformation. Der Unterschied liegt allein in der spektralen Lage und damit in der Abstimmrichtung.
Wann verwendet man USB und wann LSB?
Im Amateurfunk gilt die Konvention: unterhalb von 10 MHz unteres Seitenband, oberhalb oberes Seitenband. Der IARU-Bandplan formuliert das ausdrücklich als Empfehlung und nennt eine Ausnahme - auf dem 60-Meter-Band wird USB empfohlen, obwohl es unterhalb von 10 MHz liegt. Digitale Betriebsarten, die ihr Signal als Tonsignal durch den SSB-Sender schicken, laufen dagegen bandunabhängig in USB.
Welche Bandbreite hat ein SSB-Signal?
Ein Sprachkanal von 300 bis 2700 Hz belegt rechnerisch 2400 Hz. Der IARU-Bandplan nennt als Obergrenze für SSB-Segmente 2700 Hz, gemessen vom unterdrückten Träger bis zur oberen Kante. Die tatsächliche Bandbreite hängt vom übertragenen Audiofrequenzbereich und den Filtern des Senders ab.
Warum ist SSB effizienter als AM?
SSB sendet weder einen Dauerträger noch ein zweites Seitenband mit derselben Information. Dadurch wird weniger Bandbreite belegt, und bei gleicher zulässiger Spitzenleistung trägt ein deutlich größerer Anteil der Energie die Sprachinformation. Der oft genannte feste Faktor gegenüber AM ist allerdings irreführend, weil dabei Trägerleistung und Spitzenleistung verglichen werden.
Warum klingt ein SSB-Signal manchmal verstimmt?
Weil der Empfänger den unterdrückten Träger lokal wieder erzeugen muss. Schon eine kleine Frequenzabweichung verschiebt das gesamte Sprachspektrum und verändert die Tonhöhe. Bei USB klingt die Stimme zu hoch, wenn die Anzeige zu tief steht; bei LSB ist es genau umgekehrt. Steht das falsche Seitenband, wird das Spektrum gespiegelt und die Sprache ist völlig unverständlich.
Warum zeigt mein Wattmeter bei SSB keine 100 Watt?
Weil Sprache keine konstante Hüllkurve hat. Die volle Spitzenleistung wird nur während kurzer Sprachspitzen erreicht, und ein träges Wattmeter kann diese Spitzen nicht auflösen. Für eine belastbare PEP-Messung braucht man ein spitzenwertfähiges Messgerät und eine Ein- oder Zweitonaussteuerung statt Sprache.
Was bedeutet J3E?
J3E ist die internationale Sendeartenkennzeichnung für Einseitenbandmodulation mit unterdrücktem Träger und einem analogen Sprachkanal. Das J steht für Einseitenband mit unterdrücktem Träger, die 3 für einen Kanal mit analoger Information und das E für Telefonie.
Kann man SSB mit einem AM-Empfänger hören?
Mit einem gewöhnlichen Hüllkurvendetektor klingt ein SSB-Signal unverständlich, weil die Hüllkurve nicht dem Sprachsignal entspricht. Zum Empfang muss ein lokaler Hilfsträger zugesetzt und das Seitenband in einem Produktdetektor demoduliert werden. Empfänger mit BFO können SSB deshalb hörbar machen.
Warum darf die angezeigte Frequenz nicht bis an die Bandgrenze reichen?
Weil das Gerät die unterdrückte Trägerfrequenz anzeigt, das Sendesignal aber daneben liegt - bei USB oberhalb, bei LSB unterhalb. Bei einer Sprachbandbreite von 2,7 Kilohertz braucht man deshalb rund 3 Kilohertz Abstand zur Bandkante. Der IARU-Bandplan nennt dafür konkrete Werte, etwa 7053 Kilohertz als tiefste Anzeige für LSB auf 40 Meter.
Darf man SSB auch im CB-Funk verwenden?
Ja. Die Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur erlaubt SSB auf den Kanälen 1 bis 40 mit bis zu 12 Watt Spitzenleistung, während für FM und AM 4 Watt gelten. Eine Amateurfunkzulassung ist dafür nicht erforderlich.