"Du bist fünf neun" gehört zu den bekanntesten Sätzen im Amateurfunk. Dahinter steckt der RS- beziehungsweise RST-Rapport: zwei oder drei Ziffern, die dem Funkpartner sagen, wie sein Signal ankommt. In klassischen Sprechfunk- und CW-Verbindungen gehört er fast immer dazu, auf vielen QSL-Karten steht er ebenfalls, und in der Prüfung wird er abgefragt. Wer neu dabei ist, hört im Contest allerdings vor allem eine Zahl, nämlich 59. Warum das so ist und was die Skala eigentlich hergibt, steht hier.

💡 Kurzfassung: RST steht für Readability, Strength und Tone, auf Deutsch Lesbarkeit, Signalstärke und Tonqualität. Die Lesbarkeit reicht von 1 bis 5, Signalstärke und Tonqualität von 1 bis 9. In CW werden alle drei Werte gegeben. In Telefonie entfällt die Tonziffer, dort heißt der zweistellige Rapport streng genommen RS, zum Beispiel 59.

Was bedeutet das RST-System?

Kurz gesagt: Das RST-System ist die im Amateurfunk übliche Kurzformel für die Empfangsqualität. R steht für Readability (Lesbarkeit, Stufen 1 bis 5), S für Strength (Signalstärke, 1 bis 9) und T für Tone (Tonqualität, 1 bis 9). Ein Rapport von 599 bedeutet also: einwandfrei lesbar, sehr starkes Signal, reiner Ton.

Zurückgeführt wird das System auf Arthur M. Braaten, W2BSR, und seinen Artikel "A New Standard System of Reporting Signals", erschienen im Oktober 1934 in der Zeitschrift QST. Im redaktionellen Vorwort derselben Ausgabe empfahl die ARRL das Verfahren als Standardpraxis. Kurios für heutige Verhältnisse: In der dort abgedruckten Urfassung reichte die Signalstärke nur von 1 bis 5. Die Erweiterung auf 9 Stufen, die den Bereich des älteren QSA-Codes abdeckt, folgte kurz darauf.

Der Grund für die Erfindung war ein Durcheinander. Vor RST existierten nebeneinander eine R-Skala von 1925 und der Q-Schlüssel mit QSA für die Signalstärke und QRK für die Verständlichkeit. Beide wurden munter gemischt, und niemand wusste mehr, was eine Angabe bedeutete. Braatens Idee war, Lesbarkeit und Stärke sauber zu trennen und die Tonqualität als dritte, unabhängige Größe daneben zu stellen.

⚠️ RST ist keine Norm, sondern eine Betriebskonvention. Anders als QSA und QRK, die in den Radio Regulations der ITU stehen, ist RST nirgends rechtlich verbindlich festgeschrieben. Die IARU Region 1 hat 1987 lediglich empfohlen, am bestehenden System nichts zu ändern, und bezeichnet es in ihren eigenen technischen Unterlagen ausdrücklich als "subjektiv". Auch für das S-Meter gibt es nur eine IARU-Kalibrierungsempfehlung, keine amtliche Norm - reale Geräte weichen davon deutlich ab.
RS und RST gehören zu den betrieblichen Kenntnissen der Klasse N. Im Fragenkatalog geht es um die Bedeutung der drei Buchstaben, den Umfang der Skalen und darum, aus einer S-Meter-Anzeige den richtigen Rapport abzulesen.
Betriebstechnik für die Prüfung lernen

Die drei Bestandteile des RST-Codes

R wie Readability: die Lesbarkeit

Die erste Ziffer beantwortet nur eine Frage: Verstehe ich, was du sagst? Sie hat bewusst nur fünf Stufen, weil eine feinere Abstufung niemand zuverlässig beurteilen kann.

RBedeutungIm Klartext
1unlesbarich höre etwas, verstehe aber nichts
2zeitweise lesbar, einzelne Wörter erkennbarBruchstücke
3mit erheblichen Schwierigkeiten lesbarich muss raten und nachfragen
4praktisch ohne Schwierigkeiten lesbargelegentlich fehlt ein Wort
5einwandfrei lesbarder Normalfall

In der Praxis liegt fast jeder Rapport zwischen R3 und R5. Unter R3 wird ein vollständiges QSO schwierig und kommt meist nur mit zahlreichen Wiederholungen zustande. Der DARC-Lehrgang bringt es auf den Punkt: Normalerweise gibt man R5, bei Schwierigkeiten mal R4 oder R3.

S wie Strength: die Signalstärke

Die zweite Ziffer beschreibt, wie laut das Signal ankommt, von 1 bis 9.

SBedeutung
1kaum wahrnehmbares Signal
2sehr schwaches Signal
3schwaches Signal
4mäßiges Signal
5ziemlich gutes Signal
6gutes Signal
7mäßig starkes Signal
8starkes Signal
9sehr starkes Signal

Diese Bezeichnungen sind subjektive Kategorien und nicht deckungsgleich mit einem exakt abgelesenen Instrumentenwert.

Hier kommt das S-Meter ins Spiel. Die IARU-Empfehlung R.1 sieht für ein entsprechend kalibriertes Instrument eine Abstufung von 6 dB je S-Stufe vor. Als Referenzwert für S9 gelten auf Kurzwelle -73 dBm, also 50 µV an 50 Ohm, auf VHF und darüber 5 µV. Oberhalb von S9 zählt die Skala in dB weiter, deshalb gibt es Rapporte wie "59 plus 20 dB".

💡 S-Meter und S-Wert sind nicht dasselbe. Für die Prüfung liest du die Signalstärke am Instrument ab, und das ist auch die praktikabelste Antwort. Streng genommen ist der Rapport aber eine Höreinschätzung. Bei vielen klassischen Empfängern wird die Anzeige aus der Regelgröße der Verstärkungsregelung abgeleitet, moderne Geräte können den Pegel auch rechnerisch bestimmen. Unabhängig vom Verfahren sind Amateurfunkgeräte selten genau kalibriert, viele halten die empfohlenen 6 dB pro Stufe nicht ein. Zwei Stationen können also denselben Pegel mit unterschiedlichen S-Werten bewerten, ohne dass eine von beiden falsch liegt.

T wie Tone: die Tonqualität

Die dritte Ziffer wird im klassischen RST-System bei CW verwendet. Sie bewertet, wie sauber der getastete Ton klingt. In einigen anderen Betriebsarten gibt es ebenfalls dreistellige Rapporte, deren dritte Ziffer aber etwas anderes bedeuten kann.

TBedeutung
1äußerst rauer, zischender Ton
2sehr rauer Wechselstromton
3rauer Ton, gleichgerichtet, aber ungesiebt
4rauer Ton, erste Filterwirkung hörbar
5gesiebt, aber deutlich brummmoduliert
6gefilterter Ton mit deutlicher Restwelligkeit
7fast reiner Ton, Spur von Brummmodulation
8nahezu reiner Ton, geringe Modulationsspuren
9reiner Ton, keinerlei Brumm oder Modulation

Diese Skala stammt aus der Zeit der selbstgebauten Röhrensender. Wer seine Anodenspannung schlecht siebte, sendete einen brummenden Wechselstromton, und der Rapport war eine echte Rückmeldung über die Bauqualität. Heute erzeugt praktisch jeder Transceiver einen sauberen Ton, deshalb hört man im CW-Betrieb fast ausschließlich T9. Die Stufen 1 bis 8 sind zu einem Diagnosewerkzeug geworden: Ein T-Wert unter 9 weist bei einem modernen Sender auf eine auffällige Tonqualität hin. Die Ursache kann im Sender liegen, aber auch in der Stromversorgung, der Ansteuerung oder im Übertragungsweg.

Ergänzend gibt es Zusatzbuchstaben, die an den Rapport gehängt werden: X für einen besonders stabilen, quarzgesteuerten Ton, C für Chirp (die Frequenz zieht beim Tasten) und K für Klickgeräusche. "599K" heißt also: einwandfrei lesbar, sehr stark und tonal rein, aber mit hörbaren Tastklicks. Auch diese Buchstaben stammen aus der Röhrenzeit; X ist schon im Originalartikel von 1934 beschrieben und heute kaum noch nötig, weil praktisch jeder Sender frequenzstabil ist.

Welchen Rapport gibst du?

Fragetext, Antworten und Abbildungen stammen aus dem offiziellen BNetzA-Fragenkatalog (Klasse N). Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

BE201 Was versteht man unter dem RST-Rapport? Es ist eine Kurzformel, ...

  • um die Empfangsqualität zu beschreiben.
  • um die Sendeleistung zu beschreiben.
  • um den Ionosphärenzustand zu beschreiben.
  • um die Sonnenfleckenaktivität zu beschreiben.

BE202 Was bedeuten die Buchstaben RST, mit denen Sie die Empfangsqualität einer Sendung beurteilen können?

  • R = Lesbarkeit, S = Signalstärke, T = Tonqualität
  • R = Rufzeichen, S = Signalstärke, T = Tonqualität
  • R = Lesbarkeit, S = Signalstärke, T = Trägerfrequenz
  • R = Rufzeichen, S = Standort, T = Tonqualität

BE203 In welcher Weise wird nach dem RST-System die Empfangsqualität einer Amateurfunkaussendung beurteilt?

  • Lesbarkeit in Stufen von 1-5, Signalstärke in Stufen von 1-9 und Tonqualität in Stufen von 1-9
  • Lesbarkeit in Stufen von 1-5, Signalstärke in Stufen von 1-5 und Tonhöhe in Stufen von 1-9
  • Signalqualität in Stufen von 1-5, Signalstärke in Stufen von 1-5 und Tonqualität in Stufen von 1-9
  • Lesbarkeit in Stufen von 1-9, Signalqualität in Stufen von 1-5 und Tonhöhe in Stufen von 1-4

BE205 Sie hören die Gegenstation in SSB-Telefonie einwandfrei. Das Anzeigeinstrument Ihres Funkgerätes zeigt den dargestellten Zeigerausschlag. Welchen Rapport nach dem RST-System geben Sie?

Analoges Zeigerinstrument eines Transceivers mit mehreren übereinanderliegenden Skalen: außen die S-Skala von S1 bis S9 und daran anschließend die graue dB-Skala mit +20, +40 und +60 dB, darunter PWR von 0 bis 100, SWR von 1 bis unendlich und ein ALC-Balken. Der Zeiger steht genau auf S9.
  • 59
  • 39
  • 95
  • 56

BE206 Sie hören die Gegenstation in SSB-Telefonie einwandfrei. Das Anzeigeinstrument Ihres Funkgerätes zeigt den dargestellten Zeigerausschlag. Welchen Rapport nach dem RST-System geben Sie?

Dasselbe Zeigerinstrument mit S-Skala, anschließender dB-Skala, PWR, SWR und ALC. Der Zeiger steht diesmal rechts von S9 auf der grauen dB-Skala, genau auf der Marke +20 dB.
  • 59+20 dB
  • 69
  • 4,2
  • 520

BE207 Sie hören in einem Funkgespräch in SSB-Telefonie die Gegenstation einwandfrei. Das Display Ihres Funkgerätes zeigt die abgebildeten Informationen an. Welchen Empfangsrapport nach dem RST-System geben Sie?

Display eines modernen Transceivers: oben die Frequenzanzeige 144.315.0 mit den Kürzeln USB und RX, daneben ein Lautstärkebalken von 0 bis 100. Darunter ein waagerechter Balken als S-Meter mit der Skala S1, 3, 5, 7, 9, +20, +40, dessen gefüllter Bereich kurz hinter der 5 endet, rechts daneben ein SWR-Balken. Im unteren Teil Spektrumanzeige und Wasserfalldiagramm mit einem starken Signal in der Mitte.
  • 55
  • 7
  • 100
  • 1

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

Das Muster der Bildfragen ist immer gleich: Weil du die Gegenstation "einwandfrei" hörst, steht die erste Ziffer fest auf 5. Danach musst du nur noch die richtige Skala am Instrument finden, und in SSB fällt die Tonziffer weg. Bei zwei Ziffern und einem Zeiger auf S9 lautet die Antwort also 59.

Warum sagt man meistens 59 oder 599?

Wer zum ersten Mal in einen Contest hineinhört, wundert sich: Alle Stationen sind offenbar perfekt zu hören. Das liegt daran, dass der Rapport dort reine Formsache ist. Viele traditionelle Wettbewerbe verlangen ihn als Teil des Austauschs, geben aber keine Genauigkeit vor; andere verzichten ganz darauf und tauschen nur Locator, Nummern oder Zonen aus:

ContestGeforderter Austausch
CQ WW DXRS(T) plus CQ-Zone, zum Beispiel "59 05" in SSB oder "599 05" in CW
CQ WPXRS(T) plus fortlaufende Verbindungsnummer ab 001
ARRL International DXRapport plus Bundesstaat/Provinz beziehungsweise Sendeleistung
IARU HF ChampionshipRapport plus ITU-Zone, Hauptquartierstationen stattdessen das Kürzel ihrer IARU-Mitgliedsorganisation
WAE (DARC)RS/RST plus fortlaufende Nummer ab 001

Der Hauptgrund für den Gefälligkeitsrapport ist schlicht Tempo: Ein vorhersehbarer Standardwert ist schnell gesendet, sicher aufzunehmen und spart Rückfragen. Dazu kommt die Auswertungspraxis mancher Wettbewerbe. Beim CQ WPX etwa wird ein falsch aufgenommener Austausch nur gestrichen, ein falsch aufgenommenes Rufzeichen kostet zusätzlich Strafpunkte. Wie fehlerhafte Austauschteile gewertet werden, regelt aber jede Ausschreibung selbst.

Dasselbe gilt im Pileup einer DXpedition. Dort zählt Tempo, ein QSO besteht oft nur aus Rufzeichen, "5NN" und "TU". Kritik daran gibt es seit Jahrzehnten, sie kommt allerdings von einzelnen Autoren und nicht von den Verbänden. Contestregeln legen üblicherweise fest, welche Angaben ausgetauscht werden, verlangen aber kein Messverfahren für den Rapport.

✅ Wo ein ehrlicher Rapport zählt
  • Im normalen Ragchew-QSO, wo dein Gegenüber wissen will, ob die neue Antenne etwas taugt
  • Bei QRP-Betrieb, weil ein ehrlicher Rapport zeigt, wie gut das schwache Signal am konkreten Empfangsort ankommt. Die Sendeleistung selbst gehört separat ins Log oder ins Gespräch
  • Bei Tests und Vergleichen, etwa zwischen zwei Antennen oder Standorten
  • Immer dann, wenn du ein technisches Problem hörst: Brumm, Splatter, Chirp

RST in den verschiedenen Betriebsarten

SSB und AM: zwei Ziffern

In SSB entfällt die Tonziffer, es bleibt der zweistellige RS-Rapport. Gesprochen wird er als "fünf neun" beziehungsweise "five nine", nicht als "neunundfünfzig". Beim Contest-Austausch hängt direkt die Zone oder die laufende Nummer dran.

FM: oft Quieting statt Rapport

Auch in FM ist ein zweistelliger RS-Rapport möglich, bei Direktverbindungen ohne Relais sogar naheliegend. Über ein Relais wird er allerdings schnell sinnlos: Dein S-Meter zeigt dann den Pegel des Relaissenders, nicht den der Gegenstation am Relaiseingang. Üblich sind dort Beschreibungen des Rauschens, das der Begrenzer im Empfänger übrig lässt: "voll quieting" heißt rauschfrei, sonst etwa "du rauschst noch etwas" oder "du öffnest das Relais gerade so". Die Begrenzung hält die hörbare Lautstärke oberhalb einer gewissen Schwelle ohnehin weitgehend konstant.

CW: die volle Dreiergruppe, meist als 5NN

In CW ist der dreistellige Rapport zu Hause, weil hier die Tonziffer überhaupt Sinn ergibt. Im Contest wird er allerdings abgekürzt gesendet: 5NN statt 599. Das sind die sogenannten Cut Numbers, verkürzte Morsezeichen, bei denen die Striche der Ziffern durch kürzere Buchstaben ersetzt werden.

ZifferCut NumberZifferCut Number
0T5E
1A7G
2U8D
3V9N

Am häufigsten ist die 9 als N, weil "599" während eines großen Contests sehr häufig gesendet wird. Cut Numbers gehören nur dahin, wo eindeutig eine Zahl erwartet wird, niemals als Ersatz für Ziffern in einem Rufzeichen. Im normalen QSO sorgen sie sonst für Verwirrung.

FT8 und Co.: statt RST ein Messwert

In FT8, FT4 und JT65 wird kein RST übertragen, sondern ein Signal-Rausch-Verhältnis in dB. Der Ablauf sieht so aus:

AussendungBedeutung
CQ K1ABC FN42Anruf mit Locator
K1ABC G0XYZ IO91Antwort mit Locator
G0XYZ K1ABC -19Rapport: der Decoder misst für dein Signal ein Signal-Rausch-Verhältnis von -19 dB, normiert auf 2500 Hz
K1ABC G0XYZ R-22Bestätigung und Gegenrapport
G0XYZ K1ABC RRRalles angekommen
K1ABC G0XYZ 73Verabschiedung
Je nach eingestellter Nachrichtenfolge fasst RR73 Bestätigung und Verabschiedung zusammen, dann entfällt ein Durchgang.

Dass da meistens ein Minus steht, verunsichert Einsteiger. Es ist aber kein schlechtes Zeichen. Der Wert bezieht sich immer auf eine Rauschbandbreite von 2500 Hz, also ungefähr die Breite eines SSB-Kanals, während das Signal selbst nur rund 50 Hz belegt. Allein dieser Bezug macht etwa 17 dB aus. Dazu kommt, dass der Decoder nicht einfach zuhört: Er kennt das Synchronisationsmuster, wertet die gesamte Übertragung aus und arbeitet mit einer leistungsfähigen Fehlerkorrektur. Ein negativer Wert heißt deshalb nicht, dass das Signal unbrauchbar wäre.

Unter idealisierten Testbedingungen ohne Schwund liegt die Schwelle, ab der die Hälfte der Übertragungen dekodiert wird, bei FT8 um -21 dB und bei FT4 um -17,5 dB. JT65 kommt je nach Untermodus und Decodereinstellung noch tiefer, ein einzelner allgemeingültiger Grenzwert lässt sich dafür nicht angeben. In der Praxis verschieben Fading, Doppler, Störungen sowie Zeit- und Frequenzfehler diese Schwellen.

⚠️ SNR und RST lassen sich nicht direkt ineinander umrechnen. Der S-Wert beschreibt den Signalpegel am Empfängereingang, mit -73 dBm bei S9 als Bezugspunkt. Das SNR beschreibt dagegen ein Verhältnis von Signal zu Rauschen in einer festgelegten Bandbreite. Ein starkes Signal auf einem verrauschten Band kann ein mieses SNR haben, ein schwaches Signal auf einem ruhigen Band ein gutes. Mit bekanntem Rauschpegel, bekannter Bandbreite und kalibriertem Empfänger lässt sich zwar rechnen, aus dem SNR-Wert allein folgt aber keine S-Stufe.

Für die klassischen Digimodes wie PSK31 wurde einmal das RSQ-System vorgeschlagen, bei dem Q für Quality steht und die sichtbaren Nebenlinien im Wasserfall bewertet. Allgemein durchgesetzt hat es sich nicht. In der Praxis wandert bei PSK31 meist ein pauschales 599 über den Bildschirm, obwohl gerade dort Lesbarkeit und Signalsauberkeit am Bildschirm gut zu beurteilen wären.

Eine Kuriosität am Rande, die es sogar in den Fragenkatalog geschafft hat: In SSTV schreibt man den Rapport direkt in das übertragene Bild.

Betriebstechnik ist der leichteste Teil der Prüfung. RST, Q-Gruppen, Logbuch und QSL-Karte lassen sich in wenigen Abenden sicher lernen, während die Technik mehr Zeit braucht.
Mit der Betriebstechnik anfangen

Rapporte, die man wirklich hört

RapportBetriebsartBedeutung nach der Skala
59Telefonieeinwandfrei lesbar, sehr starkes Signal
57Telefonieeinwandfrei lesbar, mäßig starkes Signal
55Telefonieeinwandfrei lesbar, ziemlich gutes Signal
44Telefoniepraktisch ohne Schwierigkeiten lesbar, mäßiges Signal
33Telefoniemit erheblichen Schwierigkeiten lesbar, schwaches Signal
599CWeinwandfrei lesbar, sehr stark, reiner Ton
579CWeinwandfrei lesbar, mäßig starkes Signal, reiner Ton
559CWeinwandfrei lesbar, ziemlich gutes Signal, reiner Ton
339CWmit erheblichen Schwierigkeiten lesbar, schwaches Signal, reiner Ton
599KCWeinwandfrei lesbar, sehr stark, reiner Ton, aber mit hörbaren Tastklicks

Aus einem Rapport lassen sich weder Entfernung noch Antennengröße ableiten, er beschreibt allein die Empfangsqualität am Ort der Gegenstation. Auffällig ist außerdem, dass die Tonziffer in fast allen Fällen 9 ist. Genau das ist der Alltag: Die T-Ziffer wird mitgesendet, sagt aber selten etwas aus.

Typische Fehler

So ist es richtig
  • In Telefonie, also SSB, AM und FM, zwei Ziffern, in CW drei
  • R nach dem eigenen Verstehen, S nach dem Instrument als Orientierung
  • Oberhalb von S9 in dB weiterzählen: "59 plus 20"
  • Auffälligkeiten ansprechen, für die es keine Ziffer gibt: Splatter, Brumm, Überhub
Das geht schief
  • 509 geben, wenn das Instrument nichts anzeigt. Die S-Skala beginnt bei 1, ein hörbares Signal ohne Zeigerausschlag ist also mindestens S1
  • Die Tonziffer in SSB mitgeben ("599" in Telefonie)
  • Den Rapport für eine Messung halten
  • Aus einem SNR-Wert von -10 dB eine S-Stufe ableiten
  • Im Ragchew reflexhaft 59 geben, obwohl der Partner gerade an der Antenne baut

Der letzte Punkt ist der eigentliche Verlust. Der Rapport ist die standardisierte erste Rückmeldung über die Empfangsqualität, und daneben lässt sich alles beschreiben, wofür es keine Ziffer gibt: Modulation, Brumm, Splatter, Überhub oder Frequenzstabilität. Im Contest ist die 59 eine harmlose Konvention. Im normalen QSO ist ein ehrliches "du bist heute nur 55, gestern warst du deutlich lauter" die wertvollere Information.

Vom ersten Rapport zum eigenen Rufzeichen

RST, Q-Gruppen, Logbuch und QSL-Karte gehören zur Betriebstechnik und werden schon in Klasse N geprüft, inklusive der Bildfragen zum S-Meter. Im Lernbereich übst du die Originalfragen der Bundesnetzagentur mit Fortschrittsanzeige und persönlicher Auswertung, kostenlos und ohne Zeitdruck.

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Fazit

RST ist über 90 Jahre alt, nirgends verbindlich festgeschrieben und wird trotzdem weltweit verstanden. Drei Ziffern reichen, um Lesbarkeit, Stärke und Tonqualität zu beschreiben, wobei die dritte heute fast immer 9 lautet und in Telefonie ganz entfällt. Für die Prüfung brauchst du die Skalenbereiche 1 bis 5 und 1 bis 9 sowie den Blick aufs S-Meter. Und für den Funkbetrieb gilt: Im Contest ist 59 die Höflichkeitsformel, im echten Gespräch lohnt sich der ehrliche Rapport.

Häufige Fragen

Was bedeutet RST im Amateurfunk?

RST ist die Kurzformel für die Empfangsqualität einer Aussendung. Die drei Buchstaben stehen für Readability, Strength und Tone, also Lesbarkeit, Signalstärke und Tonqualität. Ein Funkamateur teilt seinem Gegenüber damit mit, wie dessen Signal bei ihm ankommt. Bei klassischen Telefonie- und CW-Verbindungen wird er üblicherweise geloggt und steht häufig auf der QSL-Karte. Digitale Betriebsarten verwenden teils andere Signalberichte, etwa einen SNR-Wert.

Wofür stehen die Buchstaben R, S und T?

R steht für Readability, die Lesbarkeit, und wird in Stufen von 1 bis 5 angegeben. S steht für Strength, die Signalstärke, in Stufen von 1 bis 9. T steht für Tone, die Tonqualität, ebenfalls in Stufen von 1 bis 9. Die Tonziffer wird im klassischen RST-System bei CW verwendet, in Telefonie besteht der Rapport nur aus zwei Ziffern und heißt streng genommen RS.

Warum wird oft 59 oder 599 gegeben?

Weil im Contest- und DX-Betrieb Tempo und eindeutiges Aufnehmen zählen. Ein vorhersehbarer Standardwert ist schnell gesendet und spart Rückfragen, deshalb hat sich der Gefälligkeitsrapport 59 beziehungsweise 599 eingebürgert, unabhängig davon, wie das Signal tatsächlich ankommt. Wie fehlerhaft aufgenommene Teile des Austauschs gewertet werden, regelt jede Ausschreibung selbst.

Was bedeutet ein Rapport von 57?

Die 5 steht für einwandfreie Lesbarkeit, die 7 für ein mäßig starkes Signal. Der Funkpartner ist also problemlos zu verstehen, kommt aber deutlich leiser an als eine sehr starke Station. In der Praxis ist 57 ein ganz normaler Rapport für eine solide Verbindung ohne Störungen.

Wann wird die T-Komponente verwendet?

Im klassischen RST-System bei CW. In Telefonie, also SSB, AM und FM, entfällt sie, dort gibt es nur zwei Ziffern. Da moderne Sender einen sauberen Ton erzeugen, lautet die Tonziffer in der Praxis fast immer 9. Ein niedrigerer Wert weist auf eine auffällige Tonqualität hin, deren Ursache im Sender, in der Stromversorgung, der Ansteuerung oder im Übertragungsweg liegen kann.

Ist der RST-Rapport dasselbe wie das S-Meter?

Nein. Das S-Meter ist eine Anzeige im Empfänger und liefert die Orientierung für die zweite Ziffer, der Rapport selbst ist aber eine Einschätzung des Operators. Bei klassischen Geräten wird die Anzeige aus der Regelgröße der Verstärkungsregelung abgeleitet, moderne Geräte bestimmen den Pegel auch rechnerisch. Viele Geräte halten die von der IARU empfohlenen 6 dB je S-Stufe nicht ein. Die IARU bezeichnet das RST-System deshalb ausdrücklich als subjektiv.

Wie wird ein RST-Rapport im Contest verwendet?

Als fester Bestandteil des vorgeschriebenen Austauschs, meist ergänzt um eine weitere Angabe. Beim CQ WW DX ist es der Rapport plus CQ-Zone, beim CQ WPX und beim WAE-Contest der Rapport plus eine fortlaufende Nummer ab 001, beim IARU HF Championship der Rapport plus ITU-Zone oder Verbandskürzel. In CW wird 599 als 5NN gesendet, weil das kürzer zu tasten ist.

Welche Signalberichte werden bei FT8 genutzt?

Statt eines RST-Rapports wird ein Signal-Rausch-Verhältnis in dB übertragen, zum Beispiel minus 19. Der Wert ist auf eine Rauschbandbreite von 2500 Hz normiert, während das Signal selbst nur etwa 50 Hz belegt. Negative Werte sind deshalb völlig normal. Unter idealisierten Bedingungen liegt die Dekodierschwelle bei rund minus 21 dB; in der Praxis hängt sie von Ausbreitung, Störungen und Decoderbedingungen ab. In S-Stufen umrechnen lässt sich der Wert nicht.

Quellen: Arthur M. Braaten, W2BSR: "A New Standard System of Reporting Signals", QST Oktober 1934 (Originalausgabe im Zeitschriftenarchiv) · IARU Region 1 HF Manager's Handbook (Technical Recommendation R.1, Konferenzbeschluss Noordwijkerhout 1987) · ARRL Quick Reference Operating Aids (RST-Skalen, Zusatzbuchstaben X, C, K) · DARC-Online-Lehrgang Betriebstechnik, Kapitel 13 (RST, Logbuch, QSL) · CQ WW DX Contest: Ausschreibung · CQ WPX Contest: Ausschreibung · ARRL International DX Contest: Ausschreibung · IARU HF World Championship: Ausschreibung · WAE DX Contest: Ausschreibung · WSJT-X User Guide (K1JT): Signalrapporte und Nachrichtenfolge · Franke, Somerville, Taylor: The FT4 and FT8 Communication Protocols, QEX 2020 · Wikipedia: RST-System · Bundesnetzagentur: Amateurfunk (Fragenkatalog). Die Beschreibungen der Skalenstufen sind sinngemäße Übersetzungen, deutschsprachige Quellen formulieren sie unterschiedlich.

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