Ein Contest (deutsch: Wettbewerb) ist im Amateurfunk ein zeitlich begrenzter Wettkampf. Die Teilnehmer versuchen, nach den Regeln der jeweiligen Ausschreibung möglichst viele Wertungspunkte zu erzielen. Diese ergeben sich meist aus gültigen Funkverbindungen, deren Punktwert und zusätzlichen Multiplikatoren. Contests gehören zum Funksport und finden weltweit statt - von kleinen regionalen Events bis zu großen internationalen Wettbewerben.

💡 Kurzfassung: Contest = Funkwettbewerb. In begrenzter Zeit werden gültige QSOs geführt und nach einer festgelegten Ausschreibung Punkte und Multiplikatoren gesammelt. Nicht die reine QSO-Zahl entscheidet, sondern die Punktzahl.

Wie funktioniert ein Contest?

Maßgeblich ist immer die Ausschreibung des Veranstalters. Kategorien, Leistungsgrenzen und erlaubte Hilfsmittel unterscheiden sich zum Teil erheblich zwischen den Wettbewerben - keine allgemeine Contestregel gilt automatisch für alle. In eine Ausschreibung gehören typischerweise:

  • Zeitraum: Fester Start- und Endzeitpunkt (z.B. 48 Stunden)
  • Bänder und Betriebsarten: Welche Frequenzbereiche und Modi (SSB, CW, Digital) erlaubt sind
  • Teilnahme- und Leistungsklassen: z.B. Single-OP, Multi-OP, QRP, High Power
  • Austausch: Welche Informationen übermittelt werden müssen
  • QSO-Punkte und Multiplikatoren: Wie gewertet wird
  • Zulässige Hilfsmittel: DX-Cluster, Skimmer, Remote-Betrieb, Self-Spotting
  • Logformat und Einsendeschluss: meist Cabrillo, oft binnen weniger Tage
  • Sanktionen: Gründe für Punktabzug oder Disqualifikation
🕐 Zeit immer in UTC: Internationale Contests werden fast immer in UTC ausgeschrieben und geloggt. Auch das Log muss Datum und Uhrzeit in UTC enthalten - nicht die lokale Sommer- oder Winterzeit.

Contest-Austausch

Der Austausch ist contestabhängig. Typische Bestandteile sind Signalrapport, laufende Seriennummer, CQ- oder ITU-Zone, DOK, Bundesstaat oder Provinz, Locator, Name oder eingesetzte Sendeleistung. Beim CQ WW DX Contest besteht der Austausch aus Signalrapport und CQ-Zone:

Beispiel CQ WW DX Contest:
"CQ Contest, DL1ABC"
"DL1ABC von W1XYZ, 59 05" (Rapport + CQ-Zone 5)
"W1XYZ, 59 14" (Rapport + CQ-Zone 14)
"Thanks, QRZ?"

In schnellen SSB-Contests wird aus Zeitgründen fast immer "59" übermittelt, in CW meist "599". Formal gehört der Rapport zum Austausch, praktisch wird er häufig standardisiert gegeben und sagt dann wenig über die tatsächliche Signalstärke aus. Eingespielte Stationen wickeln ein vollständiges QSO in wenigen Sekunden ab - bei schwachen Signalen oder umfangreicherem Austausch dauert es länger.

Punktesystem

Die Wertung variiert je nach Contest. In vielen klassischen HF-Contests gilt vereinfacht:

Endpunktzahl = Summe der QSO-Punkte × Summe der Multiplikatoren

ElementBedeutung
QSO-PunktePunktwert jeder gültigen Verbindung (oft 1-3 Punkte, teils nach Entfernung)
MultiplikatorenZusätzlich gezählte Gebiete, Zonen, Präfixe oder andere Merkmale
GesamtergebnisHäufig Summe der QSO-Punkte multipliziert mit der Summe der Multiplikatoren
📐 Beispielrechnung (CQ WW):
500 QSOs ergeben zusammen 1.000 QSO-Punkte.
Gearbeitet wurden 50 Länder- und 20 Zonenmultiplikatoren.
Beim CQ WW werden Länder und Zonen addiert: 50 + 20 = 70 Multiplikatoren.
Endergebnis: 1.000 × 70 = 70.000 Punkte
⚠️ Multiplikatoren pro Band: Beim CQ WW werden Länder und Zonen auf jedem Band getrennt gezählt. Ein DXCC-Gebiet kann deshalb auf mehreren Bändern jeweils erneut als Multiplikator zählen. Andere Contests werten abweichend, etwa mit Entfernungspunkten oder Bonusfaktoren.

Bekannte Contests

Internationale Großevents

ContestZeitraumBesonderheit
CQ WW DXletztes volles WE Okt (SSB), Nov (CW)Einer der größten HF-Contests; 48 h, sechs Bänder 160-10 m
CQ WPXmeist Ende März (SSB), Ende Mai (CW)Rufzeichenpräfixe als Multiplikator
ARRL DXFebruar (CW), März (SSB)USA/Kanada arbeiten ausschließlich DX und umgekehrt
WAE (Worked All Europe)August (CW), September (SSB)Besonderheit QTC-Verkehr (siehe unten)
IARU HF Championshipzweites volles Juli-WEHQ-Stationen der Landesverbände als Multiplikatoren
📋 QTCs beim WAE: Eine Besonderheit des WAE DX Contest sind QTCs. Dabei werden Informationen über bereits geführte QSOs an andere Stationen übermittelt und zusätzlich gewertet.

Deutsche und regionale Contests

ContestVeranstalterBesonderheit
WAG (Worked All Germany)DARCDeutsche arbeiten die Welt und umgekehrt; DOK zentral in der Multiplikatorwertung
DARC 10 m ContestDARCKurzer Jahresauftakt auf 10 m in CW und SSB
Regionale Kurz- und AusbildungscontestsDARC-Distrikte und OrtsverbändeOft einsteigerfreundlich, kurze Betriebszeit

Die genauen Regeln und Termine ändern sich jährlich und sollten unmittelbar beim Veranstalter geprüft werden.

Contest-Kategorien

Die folgenden Kategorien sind typisch, aber keine universelle Klasseneinteilung - maßgeblich ist die Ausschreibung:

KategorieBeschreibung
Single-OPEine Person führt den gesamten Funkbetrieb durch
Multi-OPTeam; oft Unterklassen Multi-Single, Multi-Two, Multi-Multi
QRPHäufig höchstens 5 W Ausgangsleistung (contestabhängig)
Low PowerHäufig höchstens 100 W (contestabhängig)
High PowerOberhalb der Low-Power-Grenze, begrenzt durch Contestregeln und nationales Recht
AssistedSpot-Informationen über Cluster, Skimmer oder ähnliche Systeme erlaubt
UnassistedSolche externen Rufzeichen- und Frequenzinformationen dürfen nicht genutzt werden
⚠️ Nie mehr als erlaubt: Auch eine High-Power-Klasse erlaubt niemals eine Leistung, die nach der eigenen Lizenzklasse oder nach nationalem Recht unzulässig ist.

Betriebstechnik: Run und Search & Pounce

Es gibt zwei Grundstrategien im Contest:

  • Search and Pounce (S&P): Über das Band drehen, CQ-rufende Stationen suchen, Rufzeichen und Austausch vollständig hören, einmal mit eigenem Rufzeichen anrufen, Austausch bestätigen, weiterdrehen.
  • Running: Eine freie Frequenz suchen, mehrfach fragen, ob sie belegt ist, kurz und eindeutig "CQ Contest" rufen und anrufende Stationen nacheinander arbeiten.

Logging und Logeinreichung

Ein Contestlogger erfasst Zeit (UTC), Band, Betriebsart, Rufzeichen und Austausch, erkennt mögliche Doppelverbindungen, berechnet vorläufige Punkte, steuert auf Wunsch Funkgerät und CW-Tastung und erzeugt nach dem Contest die Einreichungsdatei. Verbreitete Programme (jeweils für Windows) sind:

  • N1MM Logger+ - kostenlos, sehr weit verbreitet, unterstützt zahlreiche Contests
  • Win-Test - kommerziell, mit umfangreichen Multi-OP-Funktionen
  • DXLog.net - kostenlos, mit Contest- und Netzwerkunterstützung
📤 Logeinreichung: Nach dem Contest wird das Log elektronisch eingereicht. Viele HF-Veranstalter verlangen eine Cabrillo-Datei, bei VHF-/UHF-Contests ist auch EDI verbreitet. Die Datei enthält UTC-Zeit, Band oder Frequenz, Betriebsart, Rufzeichen sowie gesendeten und empfangenen Austausch. Einsendefristen sind contestabhängig (oft wenige Tage).

Logprüfung und typische Fehler

Die Veranstalter gleichen die eingereichten Logs automatisiert miteinander ab. Fehlerhafte Rufzeichen, falscher Austausch oder stark abweichende Zeiten können dazu führen, dass ein QSO gestrichen wird und je nach Regeln Strafpunkte entstehen. Das endgültige Ergebnis liegt deshalb oft unter der vom Programm angezeigten Rohpunktzahl. Wichtige Begriffe:

  • Dupe: erneutes, nach den Regeln nicht nochmals wertbares QSO
  • Busted Call: falsch aufgenommenes Rufzeichen
  • NIL (Not In Log): die Gegenstation führt das behauptete QSO nicht im Log
  • Bad Exchange: falsch aufgenommener Austausch

Contestfreie Bänder

⚠️ Wichtig: Nach den Empfehlungen der IARU Region 1 soll auf 5, 10, 18 und 24 MHz keine Contestaktivität stattfinden. Für die klassischen WARC-Bänder bedeutet das: 30 m, 17 m und 12 m bleiben auch während großer Wettbewerbe dem normalen Funkbetrieb vorbehalten. Auch auf 60 m ist kein Contestbetrieb vorgesehen. Die IARU-Bandpläne sind Betriebsvereinbarungen; zusätzlich gelten stets die nationalen Frequenzbestimmungen.

Auch auf den regulären Contestbändern sind Bakenbereiche, Notfunkfrequenzen, internationale Aktivitätszentren und andere im Bandplan besonders geschützte Bereiche freizuhalten. Contestaktivität heißt nicht, dass jede rechtlich verfügbare Frequenz benutzt werden sollte.

Fairness und Regeln

🚫 Self-Spotting: Das Melden der eigenen Station im DX-Cluster ist in vielen Contests verboten oder nur in ausdrücklich definierten Fällen zulässig. Auch andere zum Spotten zu veranlassen, kann gegen die Regeln verstoßen.

Weitere typische Regelverstöße sind die Nutzung unzulässiger Hilfe, Betrieb außerhalb zugelassener Frequenzen, Überschreiten der erlaubten Leistung, mehrere Signale trotz unzulässiger Kategorie, falsche Kategorieangabe sowie erfundene oder manipulierte QSOs.

Einstieg in Contests

Contests sind auch für Einsteiger geeignet - man muss nicht gewinnen wollen, um dabei viel zu lernen.

✅ Tipps für Anfänger:
  • Die Ausschreibung vor dem Start vollständig lesen
  • Mit einem kürzeren oder regionalen Contest beginnen
  • Zunächst nur wenige QSOs im "Search & Pounce" machen, später selbst CQ rufen
  • Rufzeichen und Austausch vor dem Senden sicher aufnehmen; bei Unsicherheit lieber nachfragen
  • Vor dem CQ-Ruf prüfen, ob die Frequenz belegt ist
  • Bandgrenzen, Lizenzklasse und contestfreie Bereiche beachten
  • Beobachte das Funkwetter und nutze die besten Bandöffnungen

Contest-Kalender

Contests finden das ganze Jahr statt. Der Kalender ersetzt aber nie die aktuelle Ausschreibung des Veranstalters. Hilfreiche Ressourcen:

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