Ein Contest (deutsch: Wettbewerb) ist im Amateurfunk ein zeitlich begrenzter Wettkampf. Die Teilnehmer versuchen, nach den Regeln der jeweiligen Ausschreibung möglichst viele Wertungspunkte zu erzielen. Diese ergeben sich meist aus gültigen Funkverbindungen, deren Punktwert und zusätzlichen Multiplikatoren. Contests gehören zum Funksport und finden weltweit statt - von kleinen regionalen Events bis zu großen internationalen Wettbewerben.
Wie funktioniert ein Contest?
Maßgeblich ist immer die Ausschreibung des Veranstalters. Kategorien, Leistungsgrenzen und erlaubte Hilfsmittel unterscheiden sich zum Teil erheblich zwischen den Wettbewerben - keine allgemeine Contestregel gilt automatisch für alle. In eine Ausschreibung gehören typischerweise:
- Zeitraum: Fester Start- und Endzeitpunkt (z.B. 48 Stunden)
- Bänder und Betriebsarten: Welche Frequenzbereiche und Modi (SSB, CW, Digital) erlaubt sind
- Teilnahme- und Leistungsklassen: z.B. Single-OP, Multi-OP, QRP, High Power
- Austausch: Welche Informationen übermittelt werden müssen
- QSO-Punkte und Multiplikatoren: Wie gewertet wird
- Zulässige Hilfsmittel: DX-Cluster, Skimmer, Remote-Betrieb, Self-Spotting
- Logformat und Einsendeschluss: meist Cabrillo, oft binnen weniger Tage
- Sanktionen: Gründe für Punktabzug oder Disqualifikation
Contest-Austausch
Der Austausch ist contestabhängig. Typische Bestandteile sind Signalrapport, laufende Seriennummer, CQ- oder ITU-Zone, DOK, Bundesstaat oder Provinz, Locator, Name oder eingesetzte Sendeleistung. Beim CQ WW DX Contest besteht der Austausch aus Signalrapport und CQ-Zone:
"CQ Contest, DL1ABC"
"DL1ABC von W1XYZ, 59 05" (Rapport + CQ-Zone 5)
"W1XYZ, 59 14" (Rapport + CQ-Zone 14)
"Thanks, QRZ?"
In schnellen SSB-Contests wird aus Zeitgründen fast immer "59" übermittelt, in CW meist "599". Formal gehört der Rapport zum Austausch, praktisch wird er häufig standardisiert gegeben und sagt dann wenig über die tatsächliche Signalstärke aus. Eingespielte Stationen wickeln ein vollständiges QSO in wenigen Sekunden ab - bei schwachen Signalen oder umfangreicherem Austausch dauert es länger.
Punktesystem
Die Wertung variiert je nach Contest. In vielen klassischen HF-Contests gilt vereinfacht:
Endpunktzahl = Summe der QSO-Punkte × Summe der Multiplikatoren
| Element | Bedeutung |
|---|---|
| QSO-Punkte | Punktwert jeder gültigen Verbindung (oft 1-3 Punkte, teils nach Entfernung) |
| Multiplikatoren | Zusätzlich gezählte Gebiete, Zonen, Präfixe oder andere Merkmale |
| Gesamtergebnis | Häufig Summe der QSO-Punkte multipliziert mit der Summe der Multiplikatoren |
500 QSOs ergeben zusammen 1.000 QSO-Punkte.
Gearbeitet wurden 50 Länder- und 20 Zonenmultiplikatoren.
Beim CQ WW werden Länder und Zonen addiert: 50 + 20 = 70 Multiplikatoren.
Endergebnis: 1.000 × 70 = 70.000 Punkte
Bekannte Contests
Internationale Großevents
| Contest | Zeitraum | Besonderheit |
|---|---|---|
| CQ WW DX | letztes volles WE Okt (SSB), Nov (CW) | Einer der größten HF-Contests; 48 h, sechs Bänder 160-10 m |
| CQ WPX | meist Ende März (SSB), Ende Mai (CW) | Rufzeichenpräfixe als Multiplikator |
| ARRL DX | Februar (CW), März (SSB) | USA/Kanada arbeiten ausschließlich DX und umgekehrt |
| WAE (Worked All Europe) | August (CW), September (SSB) | Besonderheit QTC-Verkehr (siehe unten) |
| IARU HF Championship | zweites volles Juli-WE | HQ-Stationen der Landesverbände als Multiplikatoren |
Deutsche und regionale Contests
| Contest | Veranstalter | Besonderheit |
|---|---|---|
| WAG (Worked All Germany) | DARC | Deutsche arbeiten die Welt und umgekehrt; DOK zentral in der Multiplikatorwertung |
| DARC 10 m Contest | DARC | Kurzer Jahresauftakt auf 10 m in CW und SSB |
| Regionale Kurz- und Ausbildungscontests | DARC-Distrikte und Ortsverbände | Oft einsteigerfreundlich, kurze Betriebszeit |
Die genauen Regeln und Termine ändern sich jährlich und sollten unmittelbar beim Veranstalter geprüft werden.
Contest-Kategorien
Die folgenden Kategorien sind typisch, aber keine universelle Klasseneinteilung - maßgeblich ist die Ausschreibung:
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Single-OP | Eine Person führt den gesamten Funkbetrieb durch |
| Multi-OP | Team; oft Unterklassen Multi-Single, Multi-Two, Multi-Multi |
| QRP | Häufig höchstens 5 W Ausgangsleistung (contestabhängig) |
| Low Power | Häufig höchstens 100 W (contestabhängig) |
| High Power | Oberhalb der Low-Power-Grenze, begrenzt durch Contestregeln und nationales Recht |
| Assisted | Spot-Informationen über Cluster, Skimmer oder ähnliche Systeme erlaubt |
| Unassisted | Solche externen Rufzeichen- und Frequenzinformationen dürfen nicht genutzt werden |
Betriebstechnik: Run und Search & Pounce
Es gibt zwei Grundstrategien im Contest:
- Search and Pounce (S&P): Über das Band drehen, CQ-rufende Stationen suchen, Rufzeichen und Austausch vollständig hören, einmal mit eigenem Rufzeichen anrufen, Austausch bestätigen, weiterdrehen.
- Running: Eine freie Frequenz suchen, mehrfach fragen, ob sie belegt ist, kurz und eindeutig "CQ Contest" rufen und anrufende Stationen nacheinander arbeiten.
Logging und Logeinreichung
Ein Contestlogger erfasst Zeit (UTC), Band, Betriebsart, Rufzeichen und Austausch, erkennt mögliche Doppelverbindungen, berechnet vorläufige Punkte, steuert auf Wunsch Funkgerät und CW-Tastung und erzeugt nach dem Contest die Einreichungsdatei. Verbreitete Programme (jeweils für Windows) sind:
- N1MM Logger+ - kostenlos, sehr weit verbreitet, unterstützt zahlreiche Contests
- Win-Test - kommerziell, mit umfangreichen Multi-OP-Funktionen
- DXLog.net - kostenlos, mit Contest- und Netzwerkunterstützung
Logprüfung und typische Fehler
Die Veranstalter gleichen die eingereichten Logs automatisiert miteinander ab. Fehlerhafte Rufzeichen, falscher Austausch oder stark abweichende Zeiten können dazu führen, dass ein QSO gestrichen wird und je nach Regeln Strafpunkte entstehen. Das endgültige Ergebnis liegt deshalb oft unter der vom Programm angezeigten Rohpunktzahl. Wichtige Begriffe:
- Dupe: erneutes, nach den Regeln nicht nochmals wertbares QSO
- Busted Call: falsch aufgenommenes Rufzeichen
- NIL (Not In Log): die Gegenstation führt das behauptete QSO nicht im Log
- Bad Exchange: falsch aufgenommener Austausch
Contestfreie Bänder
Auch auf den regulären Contestbändern sind Bakenbereiche, Notfunkfrequenzen, internationale Aktivitätszentren und andere im Bandplan besonders geschützte Bereiche freizuhalten. Contestaktivität heißt nicht, dass jede rechtlich verfügbare Frequenz benutzt werden sollte.
Fairness und Regeln
Weitere typische Regelverstöße sind die Nutzung unzulässiger Hilfe, Betrieb außerhalb zugelassener Frequenzen, Überschreiten der erlaubten Leistung, mehrere Signale trotz unzulässiger Kategorie, falsche Kategorieangabe sowie erfundene oder manipulierte QSOs.
Einstieg in Contests
Contests sind auch für Einsteiger geeignet - man muss nicht gewinnen wollen, um dabei viel zu lernen.
- Die Ausschreibung vor dem Start vollständig lesen
- Mit einem kürzeren oder regionalen Contest beginnen
- Zunächst nur wenige QSOs im "Search & Pounce" machen, später selbst CQ rufen
- Rufzeichen und Austausch vor dem Senden sicher aufnehmen; bei Unsicherheit lieber nachfragen
- Vor dem CQ-Ruf prüfen, ob die Frequenz belegt ist
- Bandgrenzen, Lizenzklasse und contestfreie Bereiche beachten
- Beobachte das Funkwetter und nutze die besten Bandöffnungen
Contest-Kalender
Contests finden das ganze Jahr statt. Der Kalender ersetzt aber nie die aktuelle Ausschreibung des Veranstalters. Hilfreiche Ressourcen: