FT8 ist eine der weltweit meistgenutzten digitalen Betriebsarten im Amateurfunk. Sie überträgt kurze, fest strukturierte Nachrichten in 15-Sekunden-Takten - und funktioniert noch, wenn vom Signal im Lautsprecher nichts mehr zu hören ist.
Was ist FT8?
Kurz gesagt: FT8 ist eine digitale Betriebsart für besonders schwache Funksignale. Sie arbeitet mit 15-Sekunden-Zeitschlitzen und stark komprimierten, fehlergeschützten Nachrichten. Dadurch lassen sich Signale dekodieren, die deutlich unter dem hörbaren Rauschpegel liegen. Gebraucht werden dafür ein SSB-Transceiver, ein Computer, eine Audioverbindung und eine genau gehende Uhr.
Der Name steht für die Entwickler Steve Franke (K9AN) und Joe Taylor (K1JT) sowie die verwendete 8-FSK-Modulation. FT8 kam 2017 mit der Version 1.8.0 des Softwarepakets WSJT-X dazu und verbreitete sich innerhalb weniger Jahre so stark, dass die IARU 2020 offiziell eine Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der Digimode-Bandpläne einsetzte - Begründung: das "explosive Wachstum" der digitalen Betriebsarten, besonders FT8.
Joe Taylor erhielt 1993 zusammen mit Russell Hulse den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung eines neuen Pulsartyps. Seine wissenschaftliche Arbeit drehte sich über Jahrzehnte um die Auswertung extrem schwacher Radiosignale - eine Erfahrung, die später die Weak-Signal-Verfahren der WSJT-Familie geprägt hat.
Schnellzugriff
Wie funktioniert FT8?
Alles hängt an der Uhr. FT8 teilt jede Minute in vier 15-Sekunden-Zeitschlitze, die an der UTC ausgerichtet sind. Wer sendet, sendet 12,64 Sekunden lang; die restlichen gut zwei Sekunden bleiben der Software zum Dekodieren. Beide Stationen wissen deshalb exakt, wann ein Signal kommen muss - und genau das macht die Dekodierung so empfindlich.
Eine FT8-Nachricht ist immer gleich lang: 77 Bit Nutzdaten. In eine Standardnachricht passen damit zwei Rufzeichen plus Locator oder Rapport; daneben gibt es Formate für sehr kurzen Freitext und einige Sonderfälle. Diese 77 Bit bekommen eine 14-Bit-Prüfsumme und werden anschließend mit einem LDPC-(174,91)-Code gegen Übertragungsfehler geschützt. Aus den 174 Bit werden 58 Symbole zu je drei Bit, dazu kommen 21 Synchronisationssymbole in drei Blöcken - am Anfang, in der Mitte und am Ende der Aussendung.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Modulation | 8-GFSK (8 Töne, gaußgefiltert) |
| Symbolrate | 6,25 Baud |
| Tonabstand | 6,25 Hz |
| Belegte Bandbreite | rund 50 Hz |
| Symbole je Aussendung | 79 (58 Daten + 21 Synchronisation) |
| Sendedauer | 12,64 Sekunden |
| Zykluszeit | 15 Sekunden |
| Nutzdaten | 77 Bit + 14 Bit Prüfsumme |
| Fehlerschutz | LDPC (174,91) |
| Dekodierschwelle | -21 dB (2500 Hz Bandbreite, 50 % Dekodierwahrscheinlichkeit) |
| Zeitgenauigkeit | ±1 Sekunde zur UTC |
Warum FT8 so empfindlich ist
Vier Dinge wirken zusammen:
- Schmale Bandbreite: 50 Hz statt 2400 Hz bei SSB. Weniger Bandbreite heißt weniger Rauschleistung im Empfangskanal.
- Vorwärtsfehlerkorrektur: Der LDPC-Code rekonstruiert die Nachricht, auch wenn ein erheblicher Teil der Symbole falsch ankommt.
- Festes Timing: Die Software weiß auf die Sekunde, wann sie suchen muss.
- Strukturierte Nachrichten: Rufzeichen, Locator und Rapporte werden besonders effizient codiert. Unter bestimmten Bedingungen kann der Decoder zusätzlich bereits bekannte Informationen einbeziehen.
Schwelle: etwa +10 dB
Bandbreite: ca. 2400 Hz
Das Signal muss deutlich über dem Rauschen liegen
Schwelle: etwa -15 dB
Bandbreite: 50-200 Hz
Geübte Ohren holen auch schwache Signale heraus
Schwelle: -21 dB
Bandbreite: 50 Hz
Die Software dekodiert Unhörbares
Nur der FT8-Wert stammt aus einer Spezifikation. Die Vergleichswerte für SSB und CW sind grobe Praxiswerte: Sie hängen von Bandbreite, Störlage, Signalqualität und den Fähigkeiten des Operators ab und sind nicht auf dieselbe Weise gemessen wie der FT8-Wert. Die Gegenüberstellung zeigt die Größenordnung, nicht einen normierten Vergleich.
Welche Ausrüstung braucht man für FT8?
Weniger, als viele denken. FT8 läuft über die normale SSB-Aufbereitung des Transceivers - du brauchst keinen speziellen Modulator.
| Komponente | Was gebraucht wird |
|---|---|
| Transceiver | SSB-fähig, Betriebsart USB |
| Computer | Windows, Linux oder macOS - Rechenleistung ist unkritisch |
| Audio-Verbindung | USB-Kabel bei modernen Geräten mit eingebauter Soundkarte, sonst ein externes Interface |
| CAT-Steuerung | Optional, aber praktisch: Software schaltet Frequenz und Sender |
| Software | WSJT-X (kostenlos, Open Source, GPLv3) |
| Genaue Uhrzeit | Pflicht: ±1 Sekunde zur UTC |
Geräte wie der Icom IC-7300, der Icom IC-705 oder der Yaesu FT-710 haben eine USB-Soundkarte eingebaut. Ein einziges Kabel überträgt dann Audio und Steuerung.
Das ist Prüfungsstoff
Digitale Betriebsarten sind fester Bestandteil des BNetzA-Fragenkatalogs - und zwar genau die Punkte, an denen im Betrieb etwas schiefgeht: die Verkabelung, die richtige Modulationsart, der NF-Pegel und der Bandplan.
Prüfungsfragen zu FT8
Fünf Prüfungsfragen zu FT8 und Digimodes
Originalfragen aus dem Fragenkatalog der Bundesnetzagentur - eine aus Klasse N, eine aus "Betriebliche Kenntnisse", drei aus Klasse E. Fragetext und Antworten sind wörtlich übernommen. Im offiziellen Katalog ist Antwort A immer die richtige; auf dieser Seite wird die Reihenfolge bei jedem Aufruf neu gemischt. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
NF114 Wie kann eine Verbindung zwischen Funkgerät und Computer für digitale Übertragungsverfahren (z. B. FT8 oder WSPR) hergestellt werden?
- Eine Audioverbindung (NF-Signal oder digital z. B. per USB-Kabel) wird zwischen Computer und Funkgerät hergestellt oder es wird ein Hardware-Modem verwendet.
- Der ALC-Anschluss des Funkgeräts wird mittels eines Hardware-Modems mit Audio- oder Datenanschlüssen des Computers verbunden.
- Es wird ein Software-Modem installiert und der ALC-Anschluss des Funkgeräts direkt mit dem Computer verbunden (ggf. auch mittels Adapter).
- Der HF-Anschluss (z. B. Antennenausgang) des Funkgeräts wird mittels eines Y-Kabels mit einer geeigneten Datenschnittstelle des Computers verbunden.
EE402 Welche Modulation wird am Transceiver eingestellt, um ein schmalbandiges digitales Signal (z. B. BPSK31 oder FT8), das per Audiosignal als NF eingespeist wird, unter Beibehaltung der Bandbreite in HF umzusetzen?
- Einseitenbandmodulation (SSB)
- Frequenzmodulation (FM)
- Amplitudenmodulation (AM)
- Phasenmodulation (PM)
EJ218 Wie sollte bei digitalen Übertragungsverfahren (z. B. FT8, JS8, PSK31) der NF-Pegel am Eingang eines Funkgerätes mit automatischer Pegelregelung (ALC) im SSB-Betrieb eingestellt sein, um Störungen zu vermeiden?
- So niedrig, dass die automatische Pegelregelung (ALC) nicht eingreift.
- 18 dB höher als die Lautstärke, bei der die automatische Pegelregelung (ALC) eingreift.
- Alle Bedienelemente sind auf das Maximum einzustellen.
- Die NF-Lautstärke muss $-\infty$ dB (also Null) betragen.
EJ217 Was kann auftreten, wenn bei digitalen Übertragungsverfahren (z. B. RTTY, FT8, Olivia) die automatische Pegelregelung (ALC) eines Funkgerätes im SSB-Betrieb eingreift?
- Störungen von Übertragungen auf Nachbarfrequenzen
- Störungen von Computern oder anderen digitalen Geräten
- Störungen von Stationen auf anderen Frequenzbändern
- Störungen von nachfolgenden Sendungen auf derselben Frequenz
BC213 Warum sollten Sie RTTY, PSK31 oder FT8 nicht auf 144,075 MHz verwenden? Der IARU-Bandplan empfiehlt ...
- diesen Bereich bevorzugt für Morsetelegrafie zu nutzen.
- in diesem Bereich maximal 500 Hz Bandbreite zu belegen, damit der Bereich besser genutzt werden kann.
- den Einsatz von Computern für die Signalerzeugung zu vermeiden.
- digitale Verfahren oberhalb von 430 MHz durchzuführen, da dort mehr Bandbreite zur Verfügung steht.
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
So läuft ein FT8-QSO ab
Ein typisches QSO umfasst fünf bis sechs Aussendungen und dauert unter günstigen Bedingungen etwa 75 bis 90 Sekunden - jede Aussendung belegt einen 15-Sekunden-Zeitschlitz. Muss etwas wiederholt werden, dauert es länger; wird die Schlussnachricht weggelassen, entsprechend kürzer. Die Software kann die Abfolge weitgehend selbst abarbeiten:
| Nr. | Sendet | Nachricht | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 | Station A | CQ DL1XYZ JO31 | Allgemeiner Anruf mit Locator |
| 2 | Station B | DL1XYZ DK2ABC JN49 | Antwort mit eigenem Locator |
| 3 | Station A | DK2ABC DL1XYZ -12 | Signalrapport (-12 dB) |
| 4 | Station B | DL1XYZ DK2ABC R-08 | Bestätigung plus eigener Rapport |
| 5 | Station A | DK2ABC DL1XYZ RR73 | Alles empfangen, 73 |
| 6 | Station B | DL1XYZ DK2ABC 73 | Ebenfalls 73, QSO beendet |
Die Standardnachrichten sind stark strukturiert. Sehr kurze Freitexte sind zwar möglich, für ein Gespräch über Name, Wetter oder Station reicht das aber nicht - dafür ist die Betriebsart nicht gemacht.
FT8-Frequenzen in Deutschland
Für FT8 haben sich international weit verbreitete Dial-Frequenzen etabliert. Die Spalte "Klassen" sagt, wer das Band nach Anlage 1 der Amateurfunkverordnung überhaupt nutzen darf.
Kurzwelle
| Band | Dial-Frequenz (USB) | Klassen |
|---|---|---|
| 160 m | 1,840 MHz | A, E |
| 80 m | 3,573 MHz | A, E |
| 60 m | 5,357 MHz | A |
| 40 m | 7,074 MHz | A |
| 30 m | 10,136 MHz | A |
| 20 m | 14,074 MHz | A |
| 17 m | 18,100 MHz | A |
| 15 m | 21,074 MHz | A, E |
| 12 m | 24,915 MHz | A |
| 10 m | 28,074 MHz | A, E, N |
UKW und darüber
| Band | Dial-Frequenz (USB) | Klassen |
|---|---|---|
| 6 m | 50,313 MHz | A |
| 2 m | 144,174 MHz | A, E, N |
| 70 cm | 432,174 MHz | A, E, N |
| 23 cm | 1296,174 MHz | A, E |
Was bedeuten FT8-Signalrapporte?
Statt eines RST-Rapports überträgt FT8 einen Signal-Rausch-Abstand in dB - bezogen auf dieselben 2500 Hz Referenzbandbreite wie die Dekodierschwelle. Ein Rapport von -12 heißt: Der Decoder der Gegenstation schätzt den Signal-Rausch-Abstand auf -12 dB in dieser Referenzbandbreite.
- Schätzung des Operators
- Drei Ziffern: Lesbarkeit, Stärke, Ton
- Subjektiv, je nach Ohr und Empfänger
- Automatisch vom Decoder ermittelt
- Eine Zahl in dB, häufig etwa zwischen -24 und +10
- Abhängig von Empfänger, Störpegel und Signalbedingungen
Der FT8-Wert ist weniger subjektiv als ein RST-Rapport, aber kein absoluter Messwert: Empfänger, Softwareversion, Regelung, Filter, lokale Störungen und Mehrwegeausbreitung gehen mit ein. Zwei Stationen können dasselbe Signal deshalb unterschiedlich bewerten, und Werte außerhalb des genannten Bereichs kommen ebenfalls vor.
In RST umrechnen lässt sich das nicht - beide Angaben messen Unterschiedliches. Ein FT8-Rapport von -20 dB ist kein "schlechtes" QSO, sondern genau der Bereich, für den die Betriebsart gebaut wurde.
Zeitsynchronisation: Warum die Uhr stimmen muss
Der WSJT-X-Guide nennt als Systemvoraussetzung eine Uhr, die "within ±1 second" zur UTC läuft. Ohne das dekodiert nichts - und zwar ohne Fehlermeldung, es kommen einfach keine Zeilen.
- NTP: Zeitsynchronisation über das Internet, unter Linux und macOS in der Regel bereits aktiv
- GPS: sekundengenau und internetunabhängig, ideal für Portabelbetrieb
- DCF77: Zeitzeichensender Mainflingen, funktioniert offline
Sendeleistung, Audiopegel und ALC
Zur Leistung sagt der offizielle Guide: Auf den Kurzwellenbändern sind weltweite Verbindungen "using power levels of a few watts (or even milliwatts) and compromise antennas" möglich. Eine feste Wattzahl nennt er bewusst nicht - sie hängt von Band, Bedingungen und Antenne ab.
Für den Pegel gibt es dagegen eine konkrete Vorgehensweise: Stelle am Transceiver zuerst die gewünschte maximale Ausgangsleistung ein. Senke dann den Leistungsregler in WSJT-X so weit ab, bis die tatsächlich abgegebene HF-Leistung gerade unter diesen Wert fällt - und achte darauf, dass die ALC dabei nicht oder nur minimal anspricht.
FT8, DX und die Bestätigung der QSOs
FT8 hat die DX-Jagd verändert. Weil die Betriebsart auch dann noch trägt, wenn ein Band scheinbar tot ist, kommen Verbindungen zustande, die in SSB nie funktioniert hätten - mit kleiner Leistung und einfachen Antennen.
- DXpeditionen nutzen besondere Betriebsarten von WSJT-X: den älteren Fox-and-Hound-Modus und den neueren SuperFox-Modus, mit dem eine DX-Station mehrere Anrufer parallel abarbeitet
- PSK Reporter sammelt weltweit die Dekodierungen aller angeschlossenen Stationen und zeigt auf einer Karte, wohin dein Signal gerade kommt - auch ohne QSO
- LoTW ist der digital signierte Bestätigungsdienst der ARRL. Dort bestätigte QSOs lassen sich für Diplome wie DXCC einreichen - je nach Diplom sind aber auch andere Nachweiswege möglich, etwa geprüfte QSL-Karten. eQSL und Club Log sind weitere verbreitete Wege, QSOs zu bestätigen und auszuwerten
Übertragen wird statt einer Adresse der Locator. Ein vierstelliges Feld umfasst 2 Grad geografische Länge und 1 Grad Breite - in Deutschland grob 110 mal 140 Kilometer, weiter nördlich schmaler. Ins Logbuch schreibt WSJT-X die QSOs automatisch.
FT8 oder FT4?
FT4 ist die schnellere Schwester für Conteste. Sie halbiert die Zykluszeit und kostet dafür Empfindlichkeit:
| Eigenschaft | FT8 | FT4 |
|---|---|---|
| Zykluszeit | 15 Sekunden | 7,5 Sekunden |
| Sendedauer | 12,64 s | 5,04 s |
| Modulation | 8-GFSK, 6,25 Baud | 4-GFSK, 20,83 Baud |
| Bandbreite | 50 Hz | 83 Hz |
| Dekodierschwelle | -21 dB | -17,5 dB |
| Typischer Einsatz | DX, täglicher Betrieb | Conteste, Sprints |
Der WSJT-X-Guide formuliert den Unterschied so: FT4 ist 3,5 dB unempfindlicher und braucht die 1,6-fache Bandbreite, ermöglicht dafür aber die doppelte QSO-Rate. Das Protokoll-Papier der Entwickler nennt an einer Stelle rund 3,2 dB - je nach zugrunde gelegtem Testmodell liegt der Unterschied also bei etwa 3 bis 3,5 dB.
FT8-Software: WSJT-X, JTDX und MSHV
| Programm | Einordnung |
|---|---|
| WSJT-X | Das Original von K1JT und dem WSJT-Team, Open Source (GPLv3). Enthält neben FT8 auch FT4, Q65, JT65, MSK144, WSPR und weitere Modi. |
| JTDX | Aus WSJT-X abgeleitete Variante mit Schwerpunkt auf Dekodierleistung und DX-Betrieb. Community-Projekt, nicht Teil der offiziellen WSJT-X-Entwicklung. |
| MSHV | Alternative von LZ2HV, kann mehrere QSOs gleichzeitig führen. Beliebt bei DXpeditionen und Contest-Stationen. |
Häufige Fehler bei FT8
- Uhr auf ±1 Sekunde zur UTC synchronisieren
- NF-Pegel so weit senken, bis die HF-Leistung gerade absinkt
- USB einstellen, auch auf 80 und 160 Meter
- Vor dem Senden prüfen, ob die Klasse das Band abdeckt
- Erst mitschauen, dann rufen
- Windows-Zeit ungeprüft vertrauen
- Audio bis zum Anschlag aufdrehen, bis die ALC regelt
- Mit voller Leistung senden, weil "mehr hilft mehr"
- Digimodes in die CW-Segmente des Bandplans legen
- Auf einer belegten Frequenz senden, ohne den Wasserfall anzusehen
Die Kritik an FT8
FT8 ist nicht unumstritten, und das gehört zum Bild. Die verbreitetsten Einwände:
- Bandbelegung: Die IARU verwies 2020 ausdrücklich auf das starke Wachstum der digitalen Betriebsarten und die dadurch empfundene Enge in den Digimode-Segmenten - deshalb die Arbeitsgruppe zur Bandplan-Überarbeitung.
- Kein echtes Gespräch: In 77 Bit passt kein Ragchew. Wer Funkkontakt als Gespräch versteht, findet in FT8 wenig davon.
- Automatisierung: Ist ein Kontakt einmal angestoßen, arbeitet die Software die standardisierte Nachrichtenfolge weitgehend selbst ab - einrichten, auslösen und überwachen muss ihn aber weiterhin der Operator. In der Community wird kontrovers diskutiert, wie viel eigenes Zutun dabei übrig bleibt.
Für die Gegenrichtung spricht: FT8 bringt Stationen mit kleiner Antenne, wenig Leistung und schwieriger Umgebung überhaupt erst auf die Bänder - und liefert mit PSK Reporter nebenbei eine der besten Ausbreitungsdatenbanken, die es je gab.
Bereit für die Amateurfunkprüfung?
Digitale Betriebsarten wie FT8 stehen im Fragenkatalog - von der Verkabelung bis zum ALC-Pegel. Lerne mit den echten BNetzA-Fragen, verständlich erklärt.
Kostenlos mit dem Lernen beginnenHäufige Fragen zu FT8
Was ist FT8 im Amateurfunk?
FT8 ist eine digitale Betriebsart für besonders schwache Signale. Sie überträgt kurze, fest strukturierte Nachrichten in 15-Sekunden-Zeitschlitzen; Kodierung und Dekodierung übernimmt die Software WSJT-X. Der Name steht für die Entwickler Steve Franke (K9AN) und Joe Taylor (K1JT) sowie die 8-FSK-Modulation.
Wie funktioniert FT8?
Jede Minute wird in vier 15-Sekunden-Zeitschlitze geteilt, die an der UTC ausgerichtet sind. Eine Aussendung dauert 12,64 Sekunden und trägt 77 Bit Nutzdaten, geschützt durch eine 14-Bit-Prüfsumme und einen LDPC-Fehlerschutzcode. Weil beide Stationen Timing und Nachrichtenstruktur kennen, dekodiert die Software noch Signale weit unterhalb der Hörschwelle.
Welche Software und Hardware braucht man für FT8?
Softwareseitig WSJT-X, kostenlos und Open Source unter der GPLv3; Alternativen aus der Community sind JTDX und MSHV. An Hardware genügen ein SSB-fähiger Transceiver, ein Computer und eine Audioverbindung zwischen beiden. Geräte mit eingebauter USB-Soundkarte brauchen nur ein einziges Kabel für Audio und Steuerung, sonst ist ein externes Interface nötig.
Muss man für FT8 USB oder LSB einstellen?
Immer USB, auf allen Bändern. Bei Sprechfunk gilt unterhalb von 10 MHz zwar die Konvention LSB, für FT8 gilt sie nicht: Die Dial-Frequenz ist die unterdrückte Trägerfrequenz, und alle Stationen rechnen mit oberem Seitenband. Wer auf 80 oder 160 Meter LSB einstellt, erscheint an der falschen Stelle im Wasserfall.
Welche Frequenzen werden für FT8 genutzt?
International verbreitete Dial-Frequenzen sind unter anderem 3,573 MHz auf 80 m, 7,074 MHz auf 40 m, 14,074 MHz auf 20 m, 28,074 MHz auf 10 m und 144,174 MHz auf 2 m. Das sind Betriebskonventionen, keine zugeteilten Exklusivfrequenzen. Welche Bänder genutzt werden dürfen, regelt Anlage 1 der Amateurfunkverordnung.
Ist FT8 auf 40 m für Klasse E erlaubt?
Nein. Nach Anlage 1 der Amateurfunkverordnung stehen der Klasse E auf Kurzwelle 160 m, 80 m, 15 m und 10 m offen - 40 m, 30 m, 20 m, 17 m und 12 m sind der Klasse A vorbehalten. Klasse E kann FT8 zusätzlich auf 2 m, 70 cm und 23 cm nutzen, Klasse N auf 10 m, 2 m und 70 cm.
Was bedeuten die Signalberichte bei FT8?
Der Rapport ist ein vom Decoder ermittelter Signal-Rausch-Abstand in dB, bezogen auf 2500 Hz Referenzbandbreite. Ein Wert von -12 heißt: Der Decoder der Gegenstation schätzt den Abstand auf -12 dB. Häufig liegen die Werte etwa zwischen -24 und +10 dB, Ausreißer kommen vor. Mit dem RST-System ist das nicht vergleichbar.
Warum dekodiert WSJT-X keine Signale?
Häufigste Ursache ist die Uhr: Der WSJT-X-Guide verlangt ±1 Sekunde zur UTC, sonst passt der Zeitschlitz nicht und es erscheinen einfach keine Zeilen - ohne Fehlermeldung. Weitere typische Ursachen sind ein falsch gewähltes Audiogerät, ein zu niedriger oder übersteuerter NF-Pegel, die Betriebsart LSB statt USB und eine falsche Dial-Frequenz.
Wie viel Watt sollte man bei FT8 verwenden?
So viel wie für eine zuverlässige Verbindung nötig, nicht mehr. Der offizielle WSJT-X-Guide nennt für Kurzwelle weltweite Verbindungen mit wenigen Watt oder sogar Milliwatt und einfachen Antennen als möglich; eine feste Wattzahl gibt es nicht. Entscheidend ist die Sauberkeit: Der NF-Pegel muss so niedrig bleiben, dass die ALC nicht eingreift.
Was ist der Unterschied zwischen FT8 und FT4?
FT4 halbiert die Zykluszeit auf 7,5 Sekunden und ist für Conteste gedacht. Dafür ist es unempfindlicher: Der WSJT-X-Guide nennt 3,5 dB, das Protokoll-Papier der Entwickler rund 3,2 dB - je nach Testmodell also etwa 3 bis 3,5 dB. FT4 braucht zudem die 1,6-fache Bandbreite, ermöglicht aber die doppelte QSO-Rate.
Ist FT8 für Einsteiger geeignet?
Ja, mit einer Einschränkung: Audio, Steuerung und Uhrzeit müssen einmal sauber eingerichtet werden, danach ist der Betrieb sehr einfach. Für Klasse N und E lohnt vorher der Blick in die Frequenztabelle - die klassischen FT8-DX-Bänder sind in Deutschland der Klasse A vorbehalten.