DMR steht für Digital Mobile Radio und ist ein digitaler Funkstandard des europäischen Normungsinstituts ETSI. Entwickelt wurde er für den Betriebsfunk - Feuerwehren, Werkschutz, Logistik. Funkamateure haben ihn übernommen, weil die Geräte bezahlbar sind und die Technik etwas kann, das analoges FM nicht kann: zwei Gespräche in einem einzigen 12,5-kHz-Kanal.
Schnellzugriff
Was ist DMR?
Kurz gesagt: DMR ist ein von der ETSI genormtes digitales Sprech- und Datenfunkverfahren. Die Norm ETSI TS 102 361 beschreibt in vier Teilen die Luftschnittstelle, die Sprach- und Datendienste sowie den Bündelfunk; das Übersichtsdokument TR 102 398 erklärt den Systemaufbau. Im Amateurfunk wird durchgängig Tier II eingesetzt.
| Stufe | Was der Standard darunter versteht | Betrieb |
|---|---|---|
| Tier I | Geräte mit fest angebauter Antenne für den Direktbetrieb ohne Infrastruktur, unter einer Allgemeinzuteilung ohne individuelle Rechte | lizenzfrei, ohne Repeater; nutzt eine Variante mit durchgehender Aussendung, keine zwei unabhängig belegbaren Zeitschlitze |
| Tier II | Lizenzierte konventionelle Systeme, direkt von Station zu Station oder über eine Basisstation als Repeater | der Amateurfunk-Fall |
| Tier III | Bündelfunk mit einer Steuerinstanz, die den Verkehr automatisch auf Kanäle verteilt | Behörden und Industrie |
Dass ein Betriebsfunkstandard im Amateurfunk landet, hat einen schlichten Grund: Stückzahlen. Weil Behörden und Unternehmen DMR-Geräte in großen Mengen kaufen, gibt es dieselbe Technik für Funkamateure zu Preisen, die ein reines Amateurfunkverfahren nie erreichen würde.
Prüfungsfragen zu DMR
Sechs Prüfungsfragen zu digitaler Sprache
Fragetext und Antwortmöglichkeiten entsprechen dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (3. Auflage, März 2024), aus den Klassen N, E und A. Die Reihenfolge der Antworten mischt diese Seite bei jedem Aufruf neu und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
NE404 Welche Übertragungsverfahren für digitalen Sprechfunk sind im Amateurfunk gebräuchlich?
- DMR, D-STAR, C4FM, M17, FreeDV
- AM-Sprechfunk, FM-Sprechfunk, SSB-Sprechfunk, Olivia, SSTV
- FM-Sprechfunk, RTTY, D-STAR, JS8, Olivia
- SSB-Sprechfunk, FT8, DMR, PSK31, SSTV
NE308 Welche Übertragungsverfahren werden bei VHF/UHF-Relaisfunkstellen für Sprache benutzt?
- FM-Sprechfunk, DMR, D-STAR
- CW-Morsetelegrafie, FT8, D-STAR
- SSB-Sprechfunk, DMR, RTTY
- AM-Sprechfunk, C4FM, FT8
BC208 Welche Frequenz empfiehlt der IARU-Bandplan für einen allgemeinen Anruf mit digitaler Telefonie im 70 cm-Band?
- 433,450 MHz
- 433,500 MHz
- 432,500 MHz
- 432,050 MHz
AE406 Bei einem digitalen Übertragungsverfahren (z. B. FT4) wird die Frequenz eines Senders zwischen vier Symbolfrequenzen (z. B. 14081,20 kHz, 14081,40 kHz, 14081,61 kHz und 14081,83 kHz) umgetastet, so dass pro Symbol zwei Bit (00, 01, 10 oder 11) übertragen werden können. Die Symbolrate beträgt 23,4 baud. Welcher Datenrate entspricht das?
- 46,8 Bit/s
- 11,7 Bit/s
- 23,4 Bit/s
- 93,6 Bit/s
AE415 Welche Auswirkung hat eine Erhöhung der Umschaltgeschwindigkeit zwischen verschiedenen Symbolen bei digitalen Übertragungsverfahren auf die benötigte Bandbreite? Die Bandbreite ...
- steigt.
- sinkt.
- bleibt gleich.
- steigt im oberen und sinkt im unteren Seitenband.
EE401 Welcher Unterschied besteht zwischen der Bandbreite und der Datenübertragungsrate?
- Als Bandbreite wird der genutzte Frequenzbereich (in Hz) und als Datenübertragungsrate die je Zeiteinheit übertragene Datenmenge (in Bit/s) bezeichnet.
- Als Bandbreite wird die übertragene Datenmenge (in Hz) und als Datenübertragungsrate die je Zeiteinheit übertragenen Symbole (in Baud) bezeichnet.
- Die Datenübertragungsrate (in Bit/s) entspricht der Symbolrate (in Baud). Die Bandbreite (in Hz) entspricht der maximal möglichen Datenübertragungsrate (in Bit/s).
- Die Datenübertragungsrate (in Baud) entspricht der Symbolrate (in Bit/s). Die Bandbreite (in Hz) entspricht der minimal möglichen Datenübertragungsrate (in Baud).
AE406 rechnet genau das, was auch DMR macht: vier Symbolfrequenzen, zwei Bit je Symbol, Symbolrate mal zwei ergibt die Datenrate. Im Lernbereich übst du diese Fragen mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Wie funktioniert DMR?
Zwei Zeitschlitze auf einer Frequenz
Der Kern von DMR ist TDMA. Der 12,5-kHz-Kanal wird nicht in zwei Frequenzhälften geteilt, sondern in Zeitabschnitte:
| Größe | Wert |
|---|---|
| Dauer eines Zeitschlitzes (Burst) | 30 ms, davon 27,5 ms Inhalt und 2,5 ms Schutzzeit |
| Vollständiger Rahmen aus beiden Zeitschlitzen | 60 ms |
| Zeitschlitze je Kanal | 2 (TS1 und TS2) |
Dein Funkgerät sendet also nicht durchgehend, sondern in 30-Millisekunden-Päckchen, mit einer Pause gleicher Länge dazwischen. In dieser Pause kann der Repeater den anderen Zeitschlitz bedienen. Die Schutzzeit von 2,5 ms ist kein Verschnitt, sondern gibt der Endstufe Zeit zum Hoch- und Runterfahren und fängt Laufzeiten ab.
Modulation und Datenrate
Auf der Funkstrecke arbeitet DMR mit 4FSK: Die Trägerfrequenz springt zwischen vier Werten, jeder Sprung überträgt zwei Bit. Aus der Norm:
- 4800 Symbole pro Sekunde, jedes Symbol trägt 2 Bit
- daraus folgt eine Bruttodatenrate von 9600 bit/s
- die vier Symbole liegen bei +1944 Hz, +648 Hz, -648 Hz und -1944 Hz Frequenzablage
- alles innerhalb einer Kanalbandbreite von 12,5 kHz
Wer die Prüfungsaufgabe AE406 oben gerechnet hat, kennt das Prinzip schon: Symbolrate mal Bits je Symbol ergibt die Datenrate. Bei DMR sind das 4800 mal 2.
Der Vocoder - und warum er nicht in der Norm steht
Aus 9600 bit/s brutto muss Sprache werden. Das erledigt der AMBE+2-Vocoder der Firma DVSI: 2450 bit/s für die eigentliche Sprachinformation, dazu 1150 bit/s Fehlerschutz, macht 3600 bit/s je Gesprächskanal.
Nein. Das Übersichtsdokument TR 102 398 sagt ausdrücklich, man habe sich darauf verständigt, keinen bestimmten Vocoder in der Norm festzulegen; vorgesehen ist nur eine Schnittstelle, in die ein passender Codec eingesetzt wird. AMBE+2 wurde stattdessen von den Herstellern als gemeinsamer Codec vereinbart, damit Geräte verschiedener Marken zusammenarbeiten - die DMR Association datiert diese Verständigung auf 2006. Der Unterschied ist mehr als Wortklauberei: Weil die verbreitete AMBE+2-Implementierung proprietär ist und nicht als freie Referenzimplementierung zur Norm gehört, lässt sich DMR nicht ohne Weiteres frei nachbauen - und genau deshalb gibt es Projekte wie M17 mit offenem Codec.
Fehlerkorrektur
Digital heißt nicht automatisch fehlerfrei. DMR schützt die verschiedenen Felder eines Bursts unterschiedlich stark: Je nach Nutz-, Signalisierungs- oder Kopfdatenfeld kommen Block Product Turbo Codes (BPTC), Golay-, Hamming- oder Reed-Solomon-Codierungen zum Einsatz - nicht alle gleichzeitig auf demselben Block. Das erklärt auch das typische Verhalten am Rand der Reichweite: Erst hält die Verbindung stabil und sauber, dann kommt es zu kurzen Aussetzern, und dann bricht sie ab - das langsame Verrauschen des analogen FM gibt es hier nicht.
Die wichtigsten DMR-Begriffe
DMR-ID
Für die Teilnahme an den vernetzten DMR-Systemen brauchst du eine registrierte, weltweit eindeutige Nummer. Sie wird kostenlos bei radioid.net beantragt, ist an das eigene Rufzeichen gebunden und wird bei jeder Aussendung mitgesendet. Persönliche IDs sind üblicherweise siebenstellig; deutsche Teilnehmer-IDs beginnen derzeit mit 262 oder 263. Relaisfunkstellen bekommen ein eigenes, meist sechsstelliges Nummernschema.
Talkgroup
Eine Talkgroup ist eine Zieladresse für Gruppenrufe - eine Nummer, keine Frequenz. Der Standard kennt den Gruppenruf als Adressierungsart; welche Nummer wohin führt, legt dagegen das angeschlossene Netz fest. Deshalb steht auf demselben Repeater je nach eingestellter Talkgroup ein völlig anderes Gespräch an.
Color Code
Der Color Code ist eine 4-Bit-Systemkennung mit den Werten 0 bis 15. Geräte und Repeater verarbeiten normalerweise nur Aussendungen mit dem eingestellten Code. Damit lassen sich benachbarte Systeme auf derselben Frequenz auseinanderhalten - Hochfrequenzstörungen verhindert der Code deshalb aber nicht, er blendet sie nur aus. Zum Adressieren taugt er ausdrücklich nicht, dafür sind Talkgroup und ID da.
Zeitschlitz (Timeslot)
TS1 und TS2 sind die beiden Zeitschlitze eines Kanals. Welche Talkgroups auf welchem Zeitschlitz liegen, ist keine Eigenschaft von DMR, sondern eine Entscheidung des Netzes und des jeweiligen Relaisbetreibers.
Codeplug
Der Codeplug ist die vollständige Konfiguration deines Geräts: Kanäle mit Frequenz, Ablage, Color Code und Zeitschlitz, dazu Zonen, Kontakte und Empfangsgruppen. Ohne korrekt eingerichtete Kanäle, Kontakte und Empfangsgruppen ist ein DMR-Gerät kaum sinnvoll zu benutzen, obwohl technisch alles in Ordnung ist. Manche Modelle lassen sich zur Not am Gerät programmieren; der übliche Weg ist der Codeplug vom Rechner, und erstellt wird er selten von Null:
- Herstellersoftware (CPS): jedes Modell bringt seine eigene mit, Bedienung und Dateiformat unterscheiden sich deutlich
- qdmr: quelloffenes, plattformübergreifendes Werkzeug von DM3MAT für viele gängige Geräte
- DMR Contact Manager (N0GSG): pflegt vor allem die Kontaktlisten und importiert Nutzerdatenbanken
- Fertige Codeplugs: mehrere DARC-Ortsverbände stellen regionale Vorlagen zum Download bereit, die man anpasst statt neu aufzubauen
Welche Hardware brauchst du?
Ein DMR-taugliches Gerät, ein Programmierkabel - und entweder ein Relais in Reichweite oder einen Hotspot. Mehr nicht.
| Klasse | Beispiele | Preisbereich |
|---|---|---|
| Einstiegs-Handfunkgerät | Retevis RT3S | gut hundert Euro |
| Handfunkgerät mit GPS und Bluetooth | Alinco DJ-MD5X-EG, Anytone AT-D878UV II Plus | rund 200 Euro aufwärts |
| Mobilgerät | TYT MD-9600 | knapp unter 300 Euro |
| Betriebsfunkgerät | Hytera, Motorola | stark schwankend, im Amateurfunk meist gebraucht |
Preisbereiche nach einer Stichprobe bei deutschen Fachhändlern am 03.08.2026 - keine Empfehlung, keine vollständige Marktübersicht und ausdrücklich kein Festpreis: Preise und Lieferbarkeit ändern sich schnell, Modelle verschwinden wieder. Der bei Einsteigern lange beliebte Radioddity GD-77 wird vom Hersteller inzwischen als abgekündigt geführt.
Die meisten ausdrücklich für Funkamateure angebotenen Modelle sind Dualmode-Geräte: Sie beherrschen DMR und analoges FM, oft im selben Kanalspeicher nebeneinander. Der Umstieg kostet dann kein zweites Gerät für die alten FM-Relais. Bei Betriebsfunkgeräten lohnt der Blick ins Datenblatt - selbstverständlich ist das dort nicht.
Der Hotspot
Ein Hotspot ist eine kleine Funkbrücke ins Internet für den Eigenbedarf: ein MMDVM-Modem, meist auf einem Raspberry Pi, dazu eine Stummelantenne. Das Funkgerät spricht per Funk mit dem Hotspot, der Hotspot spricht per IP mit einem Server. Damit erreichst du das Netz auch ohne Relais in Reichweite.
- Selbstbau: MMDVM-Modem plus Einplatinenrechner, meist ein Raspberry Pi Zero 2 W - der Rechner allein liegt je nach Angebot im Bereich von zwanzig bis dreißig Euro
- Fertiggerät: etwa der openSPOT4 Pro von SharkRF, im Herstellershop in der Größenordnung von knapp 300 Euro (Stichprobe 03.08.2026)
- Software: lange war Pi-Star gesetzt; inzwischen wird verbreitet WPSD eingesetzt, das auf denselben Bausteinen aufsetzt, aber aktiver gepflegt wird
DMR über Relais
Ein DMR-Relais nimmt deine Aussendung auf einer Frequenz auf und gibt sie auf einer anderen wieder aus - so weit wie beim analogen FM. Zwei Dinge kommen dazu: Es bedient zwei Zeitschlitze gleichzeitig, und es hängt am Internet.
| Band | Im Bandplan für digitale Sprache vorgesehene Relaisausgaben | Ablage der Eingabe |
|---|---|---|
| 2 m | 145,575 bis 145,7875 MHz | -600 kHz |
| 70 cm | 438,1875 bis 439,5875 MHz | -7,6 MHz |
| 70 cm | 439,800 bis 439,975 MHz | -9,4 MHz |
Dazu kommen die Simplex-Anruffrequenzen für digitale Telefonie: 145,375 MHz auf 2 m und 433,450 MHz auf 70 cm. Das sind keine Relaisfrequenzen, sondern Empfehlungen für den allgemeinen Anruf von Station zu Station - und genau danach fragt der Prüfungskatalog in BC208.
Nach dem DARC-Bandplan 70 cm (Stand Mai 2025) und 2 m (Stand August 2017) sowie den zugehörigen IARU-Region-1-Bandplänen. Die genannten Bereiche sind für digitale Sprache vorgesehen, aber nicht ausschließlich DMR vorbehalten - Bandpläne koordinieren Betriebsarten, sie teilen keine Frequenzen zu. Sie werden außerdem überarbeitet, deshalb vor dem Programmieren die aktuelle Fassung prüfen.
Die Zahl der DMR-Relais in Deutschland lässt sich nur näherungsweise angeben. Eine Auswertung der Geräteliste des BrandMeister-Netzes über dessen Programmierschnittstelle, gefiltert auf deutsche Relais-Rufzeichen im typischen DMR-Relaisbereich, ergab am 03.08.2026 rund 300 Einträge. Darin können inaktive oder doppelte Datensätze stecken, und Relais anderer Netze fehlen - eine unabhängige zweite Datenquelle gibt es nicht. Die Zahl ist also eine Momentaufnahme und Größenordnung, kein Registerstand.
Was die Vorschriften verlangen
- Gesonderte Rufzeichenzuteilung: Nach § 13 Absatz 1 AFuV braucht der Betrieb einer fernbedienten oder automatisch arbeitenden Amateurfunkstelle eine eigene Zuteilung. Ein Relais fällt darunter - mit dem eigenen persönlichen Rufzeichen ist das nicht zu machen.
- Leistungsgrenze: Für terrestrische fernbediente oder automatisch arbeitende Amateurfunkstellen gilt oberhalb von 30 MHz eine maximal zulässige Strahlungsleistung von 50 Watt ERP, ausgenommen Remote-Betrieb.
- Hotspots: Die Verordnung kennt keine eigene Kategorie für persönliche Hotspots. Ob ein konkreter Aufbau als fernbediente oder automatisch arbeitende Amateurfunkstelle einzuordnen ist, hängt davon ab, wie er technisch und betrieblich ausgestaltet ist. Verbreitet ist die Auffassung, dass ein nur unter Aufsicht betriebener Hotspot nicht darunterfällt - im Verordnungstext steht das so aber nicht. Wer unbeaufsichtigt und dauerhaft senden will, klärt die Einordnung besser vorab mit der Bundesnetzagentur.
Betriebstechnik: die zwei Sekunden
Der auffälligste Unterschied zum analogen Betrieb ist die Verzögerung. Bei einem gut laufenden Netz liegt die reine Sprachlaufzeit meist deutlich unter einer Sekunde; über ungünstige Wege, bei schlechter Anbindung oder beim Aktivieren einer dynamischen Talkgroup können daraus spürbar mehrere Sekunden werden. Dazu kommt die Zeit, die Zeitschlitz und Netzweg zum Freigeben brauchen. Deshalb die wichtigste Regel im vernetzten Betrieb: nach jedem Durchgang eine kurze Pause.
- Nach jedem Durchgang mindestens zwei Sekunden Pause lassen
- Vor dem Rufen prüfen, ob auf Talkgroup und Zeitschlitz schon Verkehr läuft
- Längere Gespräche auf eine kleinere Talkgroup verlegen
- Für Funktionstests den Echo-Dienst nutzen: im BrandMeister-Netz ein Einzelruf an 262997, der die Aussendung aufzeichnet und zurückspielt. Solche Dienstnummern gehören zum Netz, nicht zum Standard - im Zweifel in der Dokumentation des zuständigen Masters nachsehen
- Sofort nach dem Loslassen der Taste weitersprechen
- Kurzes Antippen der Sendetaste ohne Ansage
- Stundenlange Ortsrunden auf einer weltweiten Talkgroup
- Fremde Codeplugs ungeprüft übernehmen
DMR-Netzwerke im Überblick
Der Standard sagt nichts darüber, wie Relais untereinander verbunden werden. Das machen Netze - und davon gibt es mehrere:
| Netz | Prinzip | Bedeutung in Deutschland |
|---|---|---|
| BrandMeister | Talkgroups, dezentral betreute Masterserver | das verbreitetste Netz |
| DMRplus / IPSC2 | Talkgroups und zusätzlich Reflektoren | weiter aktiv, aber kleiner |
| FreeDMR | quelloffene Serversoftware, Verbund unabhängiger Server | kleine Nutzerbasis |
| DMR-MARC | ältestes Amateurfunk-DMR-Netz | weltweit aktiv, das deutsche Teilnetz wurde 2017 abgeschaltet |
DMR, D-STAR, C4FM und M17
| Verfahren | Von wem | Vielfachzugriff | Codec |
|---|---|---|---|
| DMR | ETSI | TDMA, 2 Zeitschlitze in 12,5 kHz | AMBE+2 (proprietär) |
| D-STAR | JARL | FDMA, etwa 6,25-kHz-Kanaläquivalenz je Gespräch | AMBE (proprietär) |
| System Fusion (C4FM-Modulation) | Yaesu | FDMA, 12,5 kHz je Gespräch | AMBE+2 (proprietär) |
| P25 Phase 1 | TIA | FDMA, 12,5 kHz | IMBE (proprietär) |
| M17 | offenes Projekt | FDMA, 4FSK | Codec2 (offen, patentfrei) |
So pauschal stimmt das nicht. Gegenüber System Fusion trifft es zu: Dort belegt ein Gespräch die vollen 12,5 kHz, bei DMR teilen sich zwei Gespräche denselben Kanal. D-STAR dagegen arbeitet mit einer Kanaläquivalenz von etwa 6,25 kHz je Gespräch - rechnerisch also in derselben Größenordnung wie ein DMR-Zeitschlitz. Sauber getrennt gehören hier vier Dinge: die tatsächlich belegte Hochfrequenzbandbreite, das Kanalraster, die Gesprächskapazität je zugeteiltem 12,5-kHz-Kanal und der Koordinierungsaufwand. Der eigentliche Vorteil von DMR liegt beim dritten Punkt: zwei Gespräche in einem einzigen zugeteilten Kanal. Das spart Relaisfrequenzen und Koordinierung, nicht Bandbreite je QSO.
M17 ist die interessante Gegenbewegung: ein offener Standard mit dem patentfreien Codec2, entstanden 2019 in der Amateurfunk-Community. Inzwischen gibt es ein internationales Netz aus Reflektoren und Gateways sowie erste kommerziell erhältliche Hardware - das CS7000-M17 von Connect Systems kam 2024 auf den Markt. Gegen die Gerätevielfalt von DMR kommt M17 bislang nicht an; dafür lässt es sich vollständig frei nachbauen, was bei DMR am Vocoder scheitert.
Was für DMR spricht - und was dagegen
- Zwei Gespräche je zugeteiltem Kanal
- Gleichbleibende Sprachqualität bis kurz vor dem Abriss
- Große Gerätevielfalt zu Preisen aus dem Betriebsfunk
- Weltweite Vernetzung über Relais und Hotspots
- Die meisten Amateurfunkgeräte können zusätzlich analoges FM
- Ohne Codeplug läuft nichts, und der ist Fleißarbeit
- Der Codec ist proprietär und lizenzpflichtig
- Die Reichweite endet abrupt statt langsam zu verrauschen
- Ohne Netzanbindung bleibt vom Reiz wenig übrig
- Talkgroup, Zeitschlitz und Color Code müssen zusammenpassen
Typische Fehler
- Falscher Color Code: Das Relais reagiert überhaupt nicht - der häufigste Grund für "mein Gerät funkt nicht"
- Falscher Zeitschlitz: Die Talkgroup liegt auf dem anderen Slot, du rufst ins Leere
- Talkgroup nur als Kontakt angelegt: Senden geht, Hören nicht - die Empfangskonfiguration fehlt
- Keine oder falsche DMR-ID: Das Netz weist die Aussendung ab
- Fremder Codeplug ohne Anpassung: falsche Region, falsche Relais, falsche ID
- Zu schnell antworten: Der Anfang des Durchgangs geht in der Netzlaufzeit unter
Häufige Fragen zu DMR
Was ist DMR im Amateurfunk?
DMR steht für Digital Mobile Radio, einen von der ETSI genormten digitalen Funkstandard. Er wurde für den Betriebsfunk entwickelt und wird im Amateurfunk in der Stufe Tier II eingesetzt. Sprache wird digitalisiert, komprimiert und in Zeitschlitzen übertragen; über einen Repeater laufen dadurch zwei Gespräche gleichzeitig auf einer Frequenz.
Wie funktioniert DMR technisch?
Über Zeitmultiplex: Ein 12,5-kHz-Kanal wird in Zeitschlitze von je 30 Millisekunden geteilt, zwei Zeitschlitze ergeben einen Rahmen von 60 Millisekunden. Moduliert wird mit 4FSK, also vier Symbolfrequenzen mit je zwei Bit; 4800 Symbole pro Sekunde ergeben 9600 Bit pro Sekunde brutto. Davon entfallen je Gesprächskanal 3600 Bit pro Sekunde auf den Vocoder samt Fehlerschutz.
Was ist eine DMR-ID und wie bekomme ich sie?
Die DMR-ID ist eine weltweit eindeutige Nummer, die dein Gerät bei jeder Aussendung mitsendet und die du für die Teilnahme an den vernetzten DMR-Systemen brauchst. Sie wird kostenlos bei radioid.net beantragt und ist an dein Rufzeichen gebunden, ersetzt es aber nicht. Persönliche IDs sind üblicherweise siebenstellig und beginnen in Deutschland mit 262 oder 263; Relaisfunkstellen erhalten ein eigenes Nummernschema.
Was ist eine Talkgroup?
Eine Talkgroup ist eine Zieladresse für Gruppenrufe, also eine Nummer und keine Frequenz. Sie bestimmt, an welche verbundenen Relais und Teilnehmer ein Gespräch verteilt wird. Der DMR-Standard kennt den Gruppenruf als Adressierungsart; welche Nummer wofür steht, legt dagegen das jeweilige Netz fest.
Was bedeutet Timeslot bei DMR?
Timeslot ist der englische Begriff für Zeitschlitz. DMR teilt jeden Kanal in zwei davon, TS1 und TS2, die sich alle 30 Millisekunden abwechseln. Über einen Repeater kann dadurch in jedem Zeitschlitz ein eigenes Gespräch laufen. Welche Talkgroup auf welchem Zeitschlitz liegt, entscheidet der Netz- und Relaisbetreiber, nicht der Standard.
Was ist der Color Code?
Ein Zahlenfeld mit den Werten 0 bis 15, das benachbarte Netze auf derselben Frequenz unterscheidbar macht und Gleichkanalstörungen erkennen lässt. In der Wirkung ähnelt er dem CTCSS-Subton beim analogen FM, ist aber anders als dieser zwingender Bestandteil jeder Aussendung. In Deutschland arbeiten die Relais fast durchgehend mit Color Code 1.
Welche Geräte unterstützen DMR?
Im Amateurfunk verbreitet sind Handfunkgeräte und Mobilgeräte von Anytone, TYT, Retevis und Alinco; dazu kommen Betriebsfunkgeräte von Hytera oder Motorola, die vor allem gebraucht in Umlauf sind. Die meisten ausdrücklich für Funkamateure angebotenen Modelle beherrschen zusätzlich analoges FM; bei Betriebsfunkgeräten lohnt der Blick ins Datenblatt. Zum Programmieren brauchst du ein passendes Kabel und die Software des Herstellers oder ein freies Werkzeug wie qdmr.
Brauche ich für DMR ein Relais in der Nähe?
Nein. Ohne erreichbares Relais nimmt man einen Hotspot: ein kleines MMDVM-Modem, meist auf einem Raspberry Pi, das per Funk mit dem Handfunkgerät und per Internet mit einem Server spricht. Ganz ohne Netz geht es ebenfalls, dann allerdings nur im Direktbetrieb von Gerät zu Gerät und mit nur einem genutzten Zeitschlitz.
Was ist der Unterschied zwischen DMR und C4FM?
DMR ist ein ETSI-Standard und nutzt Zeitmultiplex mit zwei Zeitschlitzen in einem 12,5-kHz-Kanal. C4FM stammt von Yaesu und belegt den Kanal mit einem einzigen Gespräch. Pro Gespräch braucht C4FM damit die doppelte Kanalbandbreite. Beide Verfahren verwenden proprietäre Codecs der Firma DVSI und sind untereinander nicht kompatibel.
Ist DMR verschlüsselt?
Nein. DMR ist digital, aber nicht vertraulich: Die Sprache wird codiert übertragen, und jedes DMR-Gerät auf derselben Frequenz und Talkgroup kann mithören. Viele Geräte aus dem Betriebsfunk bringen zwar eine Verschlüsselungsfunktion mit - im Amateurfunk darf sie nicht benutzt werden. Nach § 16 der Amateurfunkverordnung ist der Funkverkehr in offener Sprache abzuwickeln und darf nicht zur Verschleierung des Inhalts verschlüsselt werden; ausgenommen sind eng begrenzte Steuersignale.
Welche DMR-Netzwerke gibt es?
Am verbreitetsten ist in Deutschland BrandMeister. Daneben existieren DMRplus beziehungsweise IPSC2, das zusätzlich mit Reflektoren arbeitet, das quelloffene FreeDMR und das älteste Netz DMR-MARC, dessen deutsches Teilnetz 2017 abgeschaltet wurde. Der DMR-Standard selbst schreibt keine Vernetzung vor - die Netze sind eine Ebene darüber.
Vom Verstehen zum eigenen Rufzeichen
Digitale Sprechfunkverfahren, Zeitmultiplex, Bandpläne und die Vorschriften für automatisch arbeitende Stationen sind Prüfungsstoff - und zwar in allen drei Klassen. 12db bringt dich mit dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur dorthin, mit Erklärung statt Auswendiglernen.
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