Die Elevation ist der Winkel zwischen dem Horizont und der Richtung zu einem Ziel: 0° am Horizont, 90° senkrecht über dem Kopf. Sie ist die zweite Hälfte jeder Richtungsangabe - die erste ist das Azimut. Der Winkel begegnet einem allerdings in zwei verschiedenen Rollen, und genau daran scheitern die meisten Missverständnisse.

💡 Kurzfassung: Elevation ist immer ein Winkel in der senkrechten Ebene. Man trifft ihn in zwei Rollen: als Höhenwinkel zu einem Ziel - dorthin muss die Antenne zeigen - und im Elevationsdiagramm einer Antenne, dessen Hauptkeule bei einem bestimmten Abstrahlwinkel liegt. Der erste Wert kommt vom Satelliten, der zweite vor allem von der Aufbauhöhe über Grund.

Was ist die Elevation?

Kurz gesagt: Die Elevation ist der senkrechte Winkel zwischen der Horizontebene und der Blickrichtung zu einem Ziel. 0° liegt am Horizont, 45° schräg nach oben, 90° im Zenit direkt über dem Beobachter. Zusammen mit dem Azimut beschreibt sie eine Richtung vollständig.

ElevationBedeutung
-90°Nadir, senkrecht nach unten
unter 0°Ziel liegt unter der Horizontebene
Am mathematischen Horizont
10°Knapp über dem Horizont
45°Halbwegs zwischen Horizont und Zenit
90°Zenit, senkrecht über dem Beobachter

Im Deutschen heißt derselbe Winkel auch Höhenwinkel oder Elevationswinkel, in der Astronomie Höhe. Verwandt ist die Zenitdistanz: Sie zählt vom Zenit statt vom Horizont, es gilt also immer

$z = 90° - \varepsilon$

Astronomen greifen gern zur Zenitdistanz, weil sie ohne Vorzeichen auskommt.

Wann die Elevation negativ wird

Negative Werte sind kein Rechenfehler, sondern Alltag. Drei Fälle, die man auseinanderhalten sollte:

  • Das Ziel ist noch nicht aufgegangen. Ein Satellit vor dem Aufgang hat eine negative Elevation - die Trackingsoftware rechnet sie ganz normal aus, man kann ihn nur nicht hören.
  • Man steht erhöht. Von einer Bergstation aus liegt eine Talstation unterhalb der eigenen Horizontebene, der Höhenwinkel zu ihr ist negativ.
  • Das Koordinatensystem beschreibt beide Halbräume. Formal reicht die Elevation von -90° bis +90°, unabhängig davon, ob dort etwas zu empfangen ist.

Welcher Horizont ist gemeint?

Bei 0° Elevation liegt das Ziel am Horizont - nur: an welchem? Der Begriff ist mehrdeutig, und die Unterschiede sind für Funkamateure durchaus relevant.

HorizontWas er ist
Mathematischer HorizontDie waagerechte Ebene durch den Standort, senkrecht zur Lotrichtung. Rein geometrisch, ohne Gelände.
Natürlicher HorizontWas man tatsächlich sieht: Hügel, Bäume, Nachbarhaus. Kann über dem mathematischen Horizont liegen, von einem erhöhten Standort aus auch darunter.
KimmDie Grenzlinie zwischen Wasser und Himmel auf See. Bei erhöhtem Standort liegt sie unter dem mathematischen Horizont.
FunkhorizontWie weit die Funkwelle reicht. Unter Standardbedingungen weiter draußen als der optische Horizont.

Warum der Funkhorizont weiter reicht

Die Troposphäre wird nach oben hin dünner, ihr Brechungsindex nimmt mit der Höhe ab. Dadurch werden Funkwellen leicht zur Erde hin gekrümmt und laufen weiter, als es die reine Geometrie erlaubt. Die Funktechnik rechnet das nicht als Krümmung des Strahls, sondern rechnet die Erde größer: mit dem effektiven Erdradiusfaktor k = 4/3, der aus dem Standard-Brechungsindexprofil der ITU-R stammt.

Für die Sichtweite einer Antenne der Höhe $h$ in Metern ergibt das in Kilometern:

RechenwegFormelAntenne 10 mAntenne 30 mAntenne 100 m
Rein geometrisch$d \approx 3{,}57\sqrt{h}$11,3 km19,6 km35,7 km
Mit k = 4/3$d \approx 4{,}12\sqrt{h}$13,0 km22,6 km41,2 km

Zwischen diesen beiden Näherungen liegt konstant der Faktor $\sqrt{4/3} \approx 1{,}155$, also rund 15 Prozent - genau der Wert, der auch im Fragenkatalog steht.

⚠️ Die 15 Prozent gelten für die Standardatmosphäre. Der Faktor k ist keine Naturkonstante, sondern folgt aus dem Brechungsprofil der Luft. Bei Unterrefraktion fällt der Funkhorizont näher aus als die geometrische Rechnung, bei Überrefraktion oder Ducting kann er weit darüber hinausgehen - die Überreichweiten auf UKW leben genau davon.
⚠️ Nicht mit der optischen Refraktion verwechseln. Auch das Licht wird gebrochen: Ein Objekt am Horizont erscheint dadurch um rund 34 bis 39 Bogenminuten angehoben, also etwa einen halben Grad. Das ist ein anderes Modell für einen ähnlichen Effekt. Der k-Faktor beschreibt die Strahlkrümmung über einen vergrößerten Erdradius, der Refraktionswinkel beschreibt eine scheinbare Anhebung. Beide Zahlen gehören nicht in dieselbe Rechnung.
Funkhorizont, Azimut, Elevation: Diese Begriffe stehen wörtlich im Fragenkatalog - und sie gehören zu den Fragen, bei denen ein einziges Wort über richtig oder falsch entscheidet.
Ausbreitung und Satellitenbetrieb lernen

Drei Fragen aus dem Fragenkatalog

Die ersten beiden Fragen gehören zusammen und werden gern verwechselt - deshalb stehen sie hier nebeneinander. Fragetext und Antworten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

BE414 Was bedeutet der Begriff Elevation im Bereich der Satellitenkommunikation?

  • Vertikaler Winkel der Antenne
  • Horizontaler Winkel der Antenne
  • Senderichtung vom Satelliten zur Erde
  • Senderichtung von der Erde zum Satelliten

BE413 Was bedeutet der Begriff Azimut im Bereich der Satellitenkommunikation?

  • Horizontaler Winkel der Antenne
  • Vertikaler Winkel der Antenne
  • Senderichtung vom Satelliten zur Erde
  • Senderichtung von der Erde zum Satelliten

NH301 Wie weit etwa reicht der Funkhorizont im UKW-Bereich über den geografischen Horizont hinaus? Er reicht etwa ...

  • 15 % weiter.
  • doppelt so weit.
  • halb so weit.
  • bis zu viermal so weit.

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klasse N). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

Elevation im Satellitenbetrieb

Bei einem Satelliten im niedrigen Orbit läuft jeder Überflug nach demselben Muster ab:

PhaseAbkürzungWas passiert
SignalerfassungAOSAcquisition of Signal - das Signal wird erstmals aufgenommen. Der rein geometrische Aufgang liegt meist etwas davor: Gelände, Bebauung, Antennendiagramm und Empfängerempfindlichkeit entscheiden mit
AnstiegElevation wächst, Entfernung schrumpft, Signal wird stärker
KulminationTCATime of Closest Approach - Zeitpunkt der geringsten Entfernung. Höchste Elevation und Doppler-Nulldurchgang liegen praktisch daneben, sind aber nicht dasselbe Ereignis
AbstiegElevation fällt wieder
SignalverlustLOSLoss of Signal - das Signal bricht ab, in der Regel schon vor dem geometrischen Untergang
❌ "Die maximale Elevation ist die Höhe des Satelliten."
Nein. Die maximale Elevation ist der höchste Winkel, den ein Satellit bei diesem einen Überflug über deinem Standort erreicht. Sie ist bei jedem Überflug anders und für zwei Stationen zur selben Zeit verschieden. Die Bahnhöhe ist dagegen eine Entfernung in Kilometern und ändert sich während des Überflugs praktisch nicht.

Warum hohe Überflüge stärkere Signale bringen

Je flacher der Satellit steht, desto länger ist der Weg zu ihm. Für einen Orbit in 500 km Höhe, gerechnet mit Kugelerde und konstanter Bahnhöhe:

ElevationSchrägentfernungVerhältnis zur Bahnhöhe
90° (Zenit)500 km1,0-fach
60°571 km1,1-fach
30°909 km1,8-fach
10°1695 km3,4-fach
2077 km4,2-fach
2573 km5,1-fach

Die Tabelle ist ein vereinfachtes Modell: Erdabplattung, elliptische Bahnen und die Höhe des Standorts verschieben die Werte, für die Größenordnung reicht sie aber. Am Horizont ist der Funkweg gut fünfmal so lang wie im Zenit. Dazu kommen Abschattung durch Gelände und Bebauung, mehr Störungen aus der Umgebung und stärkere Mehrwegeausbreitung. Ein Überflug mit hoher Kulmination ist deshalb meist der angenehmere. Länger dauert er in der Regel auch, zwingend ist das aber nicht - Bahnhöhe, Geometrie und die gewählte Mindestelevation reden mit.

⚠️ Trotzdem gilt nicht "je höher, desto besser". Zwei Gegenargumente:
  • Das Antennendiagramm redet mit. Rundstrahlantennen für den Satellitenbetrieb wie Turnstile oder Eggbeater lassen sich so auslegen, dass sie zum Horizont hin mehr Gewinn haben und den längeren Weg damit ausgleichen. Eine Eigenschaft dieser Bauformen ist das aber nicht - das Diagramm hängt an Phasung, Geometrie, Aufbauhöhe und Reflektor. Wo es so ausgelegt ist, kann ein mittelhoher Überflug das bessere Signal liefern als einer direkt über dem Kopf.
  • Das Zenitproblem. Zieht ein Satellit dicht am Zenit vorbei, müsste sich der Azimut immer schneller drehen, im Grenzfall schlagartig um 180°. Übliche Rotoren schaffen das nicht. In der Fachsprache heißt das Keyhole-Problem. Manche Steuerungen behelfen sich mit dem Flip-Modus: Sie drehen den Azimut um 180° und fahren die Elevation stattdessen über 90° hinaus. Das setzt allerdings voraus, dass die Elevationsachse den Überschlag mechanisch kann, die Verkabelung ihn mitmacht und die Software ihn unterstützt - viele klassische Az/El-Rotoren können es nicht.

Gibt es eine Mindestelevation?

Trackingsoftware lässt sich auf eine Mindestelevation einstellen, unterhalb derer Überflüge gar nicht erst angezeigt werden. Verbreitete Werte sind 5° oder 10°, das Portal N2YO filtert seine Vorhersagen standardmäßig auf Überflüge über 10°.

Eine allgemeingültige Grenze gibt es aber nicht. Sie hängt vom Standort ab: Wer freien Blick über ein Tal hat, arbeitet Überflüge, die in einer Häuserschlucht aussichtslos wären. Und sie hängt von der Ausrüstung ab - für ein QSO mit Handfunkgerät und Handantenne empfehlen erfahrene Betreiber eher Überflüge ab 45°, während zum Mithören auch 10° reichen. Wer solche Zahlen als feste Regel liest, hat sie missverstanden.

💡 Handantenne: Nachführen nach Gefühl reicht. Eine typische Hand-Yagi für 2 m und 70 cm hat einen Öffnungswinkel in der Größenordnung von 45° bis 60°. Man führt sie von Hand nach und dreht auf maximales Signal - Rotor, Rechner und Grad-genaue Werte braucht es dafür nicht.

Geostationär: einmal ausrichten, fertig

Bei einem geostationären Satelliten steht die Antenne still. Die Elevation folgt aus der eigenen geografischen Breite und der Längendifferenz zur Position des Satelliten:

$\tan\varepsilon = \dfrac{\cos\delta - \frac{r_E}{r_S}}{\sin\delta} \qquad \text{mit} \qquad \cos\delta = \cos\varphi \cdot \cos\Delta\lambda$

Dabei ist $\varphi$ die geografische Breite, $\Delta\lambda$ die Längendifferenz zum Satelliten, $r_E \approx 6378$ km der Erdradius und $r_S \approx 42164$ km der Bahnradius. Das Verhältnis $r_E/r_S$ beträgt rund 0,151. Die geostationäre Bahn liegt damit etwa 35786 km über dem Äquator.

QO-100 über Mitteleuropa

Die Amateurfunk-Nutzlast QO-100 sitzt auf Es'hail-2 bei 25,9° Ost. Mit der Formel oben ergibt sich:

StandortElevationAzimut
Hamburg27,1°160,5°
Frankfurt am Main30,3°158,0°
München33,0°161,1°
Wien33,9°167,3°
Warschau30,1°173,8°
✅ Diese Werte sind gegengeprüft. Das ÖVSV-Wiki nennt für Österreich rund 34° Elevation, ein polnischer Klub für seinen Standort 30° bei 174° Azimut - beides trifft die Rechnung auf ein Zehntelgrad genau. Für den eigenen Standort rechnet der Pointing-Rechner von BATC und AMSAT-UK zusätzlich den Polarisationswinkel des LNB mit aus. Die Werte hier sind Stadtmittelpunkte und ersetzen ihn nicht.

Bemerkenswert an der Tabelle: Von Hamburg nach München ändert sich die Elevation um rund 6°, der Azimut aber kaum. Wer also aus einer Anleitung "Elevation 30 Grad" übernimmt, ohne den eigenen Standort einzusetzen, liegt schnell mehrere Grad daneben. Bei einer 60-cm-Schüssel für 10 GHz mit rund 3,5° Öffnungswinkel ist das bereits der Unterschied zwischen Empfang und Rauschen.

⚠️ Bei etwa 81,3° geografischer Breite ist Schluss. Das ist der Grenzfall: Beobachter und Satellit auf demselben Längengrad, Elevation genau 0°. Sobald eine Längendifferenz dazukommt, sinkt der Satellit schon früher unter den Horizont. Praktisch ist die Grenze ohnehin eher erreicht, weil flache Elevationen Gelände, Bebauung und Bäume ins Spiel bringen.

Die Offset-Schüssel täuscht

Hier steckt der teuerste Anfängerfehler des ganzen Themas. Bei einer Prime-Focus-Schüssel sitzt der Erreger mittig vor dem Spiegel, und die Neigung des Spiegels entspricht direkt der Elevation. Bei einer Offset-Schüssel - also praktisch jeder Sat-Schüssel am Balkon - sitzt der Erreger unten außerhalb der Achse. Dadurch blickt der Spiegel deutlich höher, als er aussieht.

❌ "Der Spiegel steht fast senkrecht, also zeigt er zum Horizont."
Falsch. Steht die Spiegelfläche einer Offset-Schüssel mit 22° Offsetwinkel senkrecht, blickt sie bereits mit 22° Elevation nach oben. Die Skala an der Halterung ist bei Markengeräten dafür oft schon korrigiert - verlassen sollte man sich darauf nicht.

Die Rechenregel ist einfach:

Kippwinkel des Spiegels = gewünschte Elevation − Offsetwinkel

OffsetwinkelZiel-ElevationSpiegel kippen um
22°63°41°
22°30°
27°30°
30°30°0°, der Spiegel steht senkrecht

Gängige Haushaltsschüsseln haben Offsetwinkel um 22°, 27° oder 30°; die Bandbreite reicht von etwa 11° bis 30°. Steht der Wert nicht im Datenblatt, lässt er sich ausmessen: Man nimmt den großen Durchmesser $A$ (oben nach unten) und den kleinen Durchmesser $B$ (seitlich), dann gilt

$\cos(\text{Offsetwinkel}) = \dfrac{B}{A}$

Bei 1,30 m zu 1,20 m ergibt das rund 22,6°. Das ist allerdings eine Näherung für die ideale Projektion einer kreisrunden Apertur. Ein realer Offsetreflektor ist ein Ausschnitt aus einem größeren Paraboloid; Randzuschnitt, Reflektorform und Messrichtung verfälschen das Ergebnis. Wo es genau werden muss, gehen Herstellerangaben oder eine Messung an der elektrischen Achse vor.

💡 Nebenwirkung: Liegt die gewünschte Elevation unter dem Offsetwinkel, muss die Spiegelfläche nach vorn geneigt werden. Optisch ist das kein Hindernis, mechanisch je nach Halterung aber unbequem bis unmöglich. Ein Prime-Focus-Spiegel kennt diese Einschränkung nicht.

Womit man den Winkel einstellt

Skala an der Halterung, Neigungsmesser, digitale Wasserwaage oder die Sensor-App im Telefon - alles gebräuchlich. Zwei Dinge sind dabei wichtiger als das Messmittel:

  • Der Mast muss lotrecht stehen. Ein schiefer Mast verdreht Azimut und Elevation gleichzeitig, und zwar richtungsabhängig. Diesen Fehler holt keine Skala wieder herein.
  • Am Ende zählt das Signal. Der berechnete Winkel bringt die Antenne in die Nähe. Fein ausgerichtet wird auf maximalen Empfangspegel, nicht nach Gradzahl.
Antennengewinn, Öffnungswinkel, Strahlungsdiagramm, Ausbreitung: Wer einmal verstanden hat, warum eine Schüssel anders zeigt als sie aussieht, hat auch die halbe Antennentechnik der Prüfung mitgenommen.
Kostenlos mit dem Lernen beginnen

Die zweite Rolle: der Abstrahlwinkel

Bis hierher ging es um die Richtung zu einem Ziel. Derselbe Winkel beschreibt aber auch eine Eigenschaft der Antenne selbst: Das Elevationsdiagramm ist der senkrechte Schnitt durch ihr Strahlungsdiagramm und zeigt, unter welchen Winkeln sie ihre Leistung abgibt. Der Winkel der stärksten Keule heißt Abstrahlwinkel.

Der Unterschied in einem Satz: Die eine Angabe sagt, wo das Ziel ist; die andere, wohin die Antenne strahlt. Bei einer azimutal rundstrahlenden Antenne gilt eine Hauptkeule bei 14° in jede Himmelsrichtung. Eine Yagi hat dagegen auch waagerecht eine Vorzugsrichtung: Ihre Keule bei 14° liegt in der Richtung, in die der Boom zeigt.

Die Aufbauhöhe bestimmt den Winkel

Über leitendem Grund überlagern sich der direkte Strahl und der am Boden reflektierte. Daraus entstehen Keulen und Nullstellen, und ihre Lage hängt vor allem an einer Größe: der Höhe über Grund, gemessen in Wellenlängen. Antennentyp, Elementanordnung, Gelände und Bodenbeschaffenheit wirken zusätzlich mit. Für eine vereinfachte waagerechte Quelle über ebenem, ideal leitendem Boden gilt für die unterste Keule

$\varepsilon = \arcsin\left(\dfrac{0{,}25}{h}\right)$

mit $h$ als Antennenhöhe in Wellenlängen. Die folgende Tabelle stellt diese Formel den Ergebnissen einer NEC-Modellierung über realem, gutem Boden gegenüber:

Höhe über GrundFormel, idealer BodenNEC-Modell, guter Boden
0,2 λsteil, keine untere Keule90°
0,4 λ38,7°35°
0,5 λ30,0°
0,6 λ24,6°23°
0,8 λ18,2°18°
1,0 λ14,5°16° (bei 0,9 λ)
1,5 λ9,6°
3,0 λ4,8°

Beide Wege liegen auf wenige Grad zusammen - für die Praxis ist die einfache Formel also gut genug. Es bleiben aber Modellwerte: Jede Umgebung, jede Dachkante und jeder Hang verschiebt sie.

❌ "Eine Antenne mit viel Gewinn strahlt automatisch flach ab."
Der häufigste Praxisirrtum. Gewinn und Abstrahlwinkel sind zwei verschiedene Eigenschaften. Eine hochwertige Yagi in einer halben Wellenlänge Höhe strahlt ähnlich steil wie ein Dipol in derselben Höhe - sie tut es nur lauter und in eine Richtung. Ganz identisch sind die Diagramme nicht, weil das Freiraumdiagramm der Yagi und die Wechselwirkung ihrer Elemente mit dem Boden das Ergebnis mitprägen. Wer flach abstrahlen will, muss die Antenne höher hängen, nicht mehr Elemente kaufen.

Was der Boden ausmacht - und was nicht

"Wer am Meer wohnt, hat den besseren Boden" - das stimmt, aber nur für die Hälfte aller Antennen. Die Modellrechnungen von DL3AO zeigen einen deutlichen Unterschied:

Waagerecht polarisiert (Dipol, Yagi)
  • Der Bodenunterschied zwischen Meerwasser und trockenem Sand macht unter 10° Elevation weniger als 1 dB aus.
  • Für den Abstrahlwinkel spielt die Bodenleitfähigkeit praktisch keine Rolle.
  • Entscheidend ist stattdessen, ob die reflektierende Fläche eben und frei ist.
Senkrecht polarisiert (Groundplane, Vertikal)
  • Hier entscheidet der Boden mit. Eine Vertikalantenne auf dem Hausdach verliert unter 10° Elevation schnell 10 dB und mehr gegenüber einer Station an der Küste.
  • Ein guter Anhaltspunkt ist der Brewster-Winkel: Salzwasser 2 bis 3°, Süßwasser 5°, Lehmboden rund 15°, trockener Sand und Hausdach rund 30°. Das sind grobe Modellwerte - Permittivität, Leitfähigkeit, Oberflächenrauigkeit und Aufbauhöhe wirken zusammen.
  • Je kleiner dieser Winkel, desto besser die Flachstrahlung.

Flach für DX, steil für die Nachbarschaft

Warum das alles zählt, zeigt der Blick auf die Ausbreitung. Bei fester Reflexionshöhe gilt eine einfache Regel: Je flacher der Abstrahlwinkel, desto weiter der Sprung. Für eine Kugelerde gerechnet:

AbstrahlwinkelSprungweite über die E-Schicht (110 km)Sprungweite über die F2-Schicht (300 km)
1780 km3230 km
1370 km2720 km
10°1000 km2190 km
20°560 km1370 km
30°370 km930 km

Jeder Sprung weniger bedeutet eine Bodenreflexion und einen Durchgang durch die D-Schicht weniger - und damit weniger Dämpfung. Deshalb suchen DX-Stationen flache Abstrahlwinkel.

⚠️ In der Wirklichkeit verläuft die Kurve nicht so glatt. Die Tabelle setzt eine feste Reflexionshöhe voraus. Echte Strahlverfolgungen zeigen Sprünge, weil sich mit dem Winkel auch die reflektierende Schicht ändert: In einer von DL3AO gerechneten Situation werden Strahlen zwischen 6 und 9° noch an der E-Schicht zurückgeworfen und landen nach rund 1500 km, während sie bei 10 bis 12° durch die E-Schicht hindurchgehen und erst an der F-Schicht umkehren - dann über 2500 km. Welcher Winkel für eine bestimmte Strecke der beste ist, hängt von Frequenz, Ionisationsdichte, Schichthöhe sowie Tages- und Jahreszeit ab. Verbindungsvorhersagen nach ITU-R P.533 rechnen deshalb mit mehreren möglichen Ausbreitungsmoden statt mit einer Winkelregel.

Als Faustregel bleibt: Für Strecken über mehrere tausend Kilometer sind flache Winkel unter 15° meist die günstigen. Eine feste Obergrenze, oberhalb derer "nichts mehr zurückkommt", gibt es dagegen nicht - ob eine Welle umkehrt, entscheidet vor allem die Frequenz im Verhältnis zur Grenzfrequenz der Schicht. Genau davon lebt der nächste Abschnitt.

NVIS: der Gegenfall

Manchmal will man genau das Gegenteil. Bei NVIS strahlt die Antenne nahezu senkrecht nach oben, die Welle kommt fast im Lot zurück und versorgt einen Kreis von einigen hundert Kilometern um den Standort - ohne die tote Zone, die bei flacher Abstrahlung zwischen Bodenwelle und erstem Sprung klafft.

  • Höhe: bewusst niedrig, etwa 0,05 bis 0,25 Wellenlängen über Grund.
  • Bänder: praktisch 160 m, 80 m und 40 m. Nach oben begrenzt die senkrechte Grenzfrequenz der Ionosphäre den Betrieb - liegt sie unter der Bandfrequenz, geht das Signal verloren, was 40 m zeitweise ausfallen lässt. Nach unten begrenzt die Absorption in der D-Schicht, die 160 m tagsüber stark dämpft.
  • Reichweite: bis in die Größenordnung von 650 km.

Ein tief hängender Dipol, der für DX als unbrauchbar gilt, ist damit für Notfunk und regionale Runden genau richtig. Dieselbe Antenne, derselbe Abstrahlwinkel - nur ein anderes Ziel.

Acht verbreitete Irrtümer

BehauptungWie es wirklich ist
"Elevation ist die Höhe des Satelliten"Elevation ist ein Winkel vom Beobachtungsort aus. Die Bahnhöhe ist eine Entfernung.
"90 Grad Elevation heißt Norden"90° Elevation heißt senkrecht nach oben. Die Himmelsrichtung steckt im Azimut.
"Bei 90 Grad ist der Azimut egal"Er ist im Zenit mathematisch unbestimmt, nicht belanglos. Genau daraus entsteht das Keyhole-Problem der Rotorsteuerung.
"Je höher die Elevation, desto stärker das Signal"Der Weg wird kürzer, das hilft meistens. Antennendiagramm, Polarisation und Satellitenlage reden aber mit.
"0 Grad heißt: am sichtbaren Horizont"Nur am mathematischen. Gelände, Bebauung und die Brechung in der Atmosphäre verschieben die praktische Grenze.
"Die Schüsselfläche zeigt zum Satelliten"Bei Offset-Schüsseln nicht. Ihre Blickrichtung liegt um den Offsetwinkel über der Spiegelfläche.
"Bei geostationären Satelliten ist die Elevation überall gleich"Sie hängt vom Standort ab. Zwischen Hamburg und München liegen bei QO-100 rund 6 Grad.
"Mehr Antennengewinn bedeutet flachere Abstrahlung"Den Abstrahlwinkel bestimmt vor allem die Höhe über Grund in Wellenlängen.

Winkel, die man messen kann

Höhenwinkel, Abstrahlwinkel, Öffnungswinkel, Funkhorizont: Die Amateurfunkprüfung fragt diese Begriffe einzeln ab - und wer sie einmal auseinandergehalten hat, richtet die eigene Antenne hinterher deutlich zielsicherer aus. Der Lernbereich führt dich mit den Originalfragen der Bundesnetzagentur durch alle drei Prüfungsteile.

Prüfungsvorbereitung starten

Häufige Fragen zur Elevation

Was bedeutet Elevation?

Die Elevation ist der senkrechte Winkel zwischen dem Horizont und der Richtung zu einem Ziel. 0 Grad liegt am Horizont, 90 Grad senkrecht über dem Beobachter. Im Amateurfunk beschreibt sie, wie hoch eine Antenne zeigen muss - zusammen mit dem Azimut ergibt das die vollständige Richtung.

Was ist der Unterschied zwischen Azimut und Elevation?

Das Azimut ist die waagerechte Himmelsrichtung von 0 bis 360 Grad, die Elevation der Winkel über dem Horizont von 0 bis 90 Grad. Beide zusammen bilden das Horizontsystem. Für einen Satelliten braucht man immer beide Werte.

Was bedeutet maximale Elevation bei einem Satellitenüberflug?

Den höchsten Winkel, den der Satellit bei diesem einen Überflug über dem eigenen Standort erreicht. Der Wert ist beobachterabhängig: Zwei Stationen sehen denselben Überflug mit unterschiedlicher maximaler Elevation. Mit der Bahnhöhe des Satelliten hat er nichts zu tun.

Warum ist eine hohe Elevation beim Satellitenfunk günstig?

Weil der Funkweg kürzer wird. Bei einem Satelliten in 500 Kilometern Höhe beträgt die Schrägentfernung im Zenit 500 Kilometer, bei 5 Grad Elevation dagegen rund 2077 Kilometer. Dazu kommen weniger Abschattung durch Gelände und weniger Störungen aus der Umgebung. Ein starkes Signal ist damit trotzdem nicht garantiert.

Warum sieht eine Offset-Schüssel so flach aus?

Weil ihr Erreger unterhalb der Achse sitzt und die Blickrichtung deshalb um den Offsetwinkel über der Spiegelfläche liegt. Bei 22 Grad Offset blickt eine senkrecht stehende Schüssel bereits mit 22 Grad nach oben. Es gilt: Kippwinkel des Spiegels gleich Ziel-Elevation minus Offsetwinkel.

Welche Elevation hat QO-100 in Deutschland?

Sie hängt vom Standort ab. Für Hamburg ergeben sich rund 27 Grad, für Frankfurt am Main rund 30 Grad und für München rund 33 Grad, jeweils bei einem Azimut um 160 Grad. Für die eigene Adresse rechnet der Pointing-Rechner von BATC und AMSAT-UK die genauen Werte samt Polarisationswinkel aus.

Was ist der Abstrahlwinkel einer Antenne?

Der Elevationswinkel, unter dem die Antenne ihre Leistung am stärksten abgibt. Er hängt vor allem von der Höhe über Grund in Wellenlängen ab: In einer halben Wellenlänge Höhe liegt er bei rund 30 Grad, in einer ganzen Wellenlänge bei rund 15 Grad. Mehr Antennengewinn macht den Winkel nicht flacher.

Welcher Abstrahlwinkel ist gut für DX?

Ein flacher. Für Strecken über mehrere tausend Kilometer liegen die günstigen Winkel meist unter 15 Grad, weil jeder Sprung dann weiter reicht und damit weniger Sprünge nötig sind. Einen festen Bestwert gibt es nicht: Frequenz, Schichthöhe, Sonnenaktivität sowie Tages- und Jahreszeit verschieben ihn. Für Nahverkehr im Umkreis von einigen hundert Kilometern will man das Gegenteil, nämlich eine fast senkrechte Abstrahlung.

Kann die Elevation negativ sein?

Ja. Ein Satellit vor dem Aufgang hat rechnerisch eine negative Elevation, und von einer erhöhten Position aus liegt ein tiefer gelegenes Ziel unterhalb der eigenen Horizontebene. Formal reicht der Wertebereich von minus 90 bis plus 90 Grad.

Quellen:Wikipedia: Horizontsystem · Wikipedia: Zenitdistanz · Wikipedia: Radio horizon (Funkhorizont, Faktor k = 4/3) · ITU-R P.834-8: Effects of tropospheric refraction on radiowave propagation · Wikipedia: Astronomische Refraktion · Wikipedia: Geostationärer Satellit (Elevationsformel und Sichtbarkeitsgrenze) · ÖVSV-Wiki: QO-100 · BATC und AMSAT-UK: QO-100 Dish Pointing Calculator · Satsig: Setting the elevation angle of an offset dish · Satsig: Finding the dish offset angle · Wikipedia: Keyhole problem · ARRL: Antenna Height and Communications Effectiveness (Formel für die unterste Keule) · AA3RL: Dipole Height (EZNEC-Modellwerte über realem Grund) · DL3AO: Der verflixte flache Abstrahlwinkel (Bodeneinfluss, Brewster-Winkel, Sprungweiten) · Wikipedia: Near vertical incidence skywave · ITU-R P.533: Method for the prediction of the performance of HF circuits · N2YO: Vorhersage von Amateurfunksatelliten-Überflügen · Ham Radio School: Amateur Satellite Contacts. Die Werte für Schrägentfernung, Funkhorizont, Abstrahlwinkel und QO-100 sind mit den angegebenen Formeln gerechnet und lassen sich nachvollziehen; die QO-100-Werte gelten für Stadtmittelpunkte. Angaben zu Abstrahlwinkeln und Bodeneinfluss sind Modellwerte und hängen von Aufbau, Gelände und Umgebung ab. Prüfungsfragen und Antworten stammen wörtlich aus dem Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, abgerufen am 6. August 2026.

×Vollbild