Das Azimut ist der waagerechte Richtungswinkel zu einem Ziel, gemessen von Norden aus im Uhrzeigersinn. Es beantwortet genau eine Frage: In welche Himmelsrichtung muss die Antenne zeigen? Für die vollständige Ausrichtung braucht es noch eine zweite Angabe, den Höhenwinkel - aber ohne das Azimut geht gar nichts.
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Was ist das Azimut?
Kurz gesagt: Das Azimut ist der horizontale Richtungswinkel zu einem Ziel, in Funk, Navigation und Satellitentechnik gezählt von geografisch Nord im Uhrzeigersinn über Ost, Süd und West. Es läuft von 0° bis 360°, wobei 0° und 360° dieselbe Richtung bezeichnen.
| Azimut | Himmelsrichtung |
|---|---|
| 0° oder 360° | Nord |
| 45° | Nordost |
| 90° | Ost |
| 135° | Südost |
| 180° | Süd |
| 225° | Südwest |
| 270° | West |
| 315° | Nordwest |
Das Wort stammt aus dem Arabischen: as-sumut heißt "die Wege", Einzahl as-samt, "der Weg". Über das Spanische kam es in die europäischen Sprachen. Aus derselben Wortfamilie stammt übrigens der Zenit.
Eine Fußnote: die Zählung von Süden
Historisch zählte die Astronomie das Azimut nicht von Nord, sondern von Süden über Westen. Diese Konvention gilt heute als überholt, ist aber nicht ganz ausgestorben: In Formelwerken der Solartechnik, die auf der astronomischen Tradition nach Jean Meeus aufbauen, taucht sie weiterhin auf. Das amerikanische NREL hat für seinen Solar Position Algorithm bewusst auf die Nordzählung umgestellt, um Verwechslungen zu vermeiden.
Für Funk, Navigation und Satellitentechnik gilt einheitlich: von Nord, im Uhrzeigersinn, 0 bis 360 Grad. Wer eine Azimutangabe aus einer fremden Quelle übernimmt und das Ergebnis um 180° danebenliegt, sollte trotzdem kurz an diese Fußnote denken.
Von welchem Norden ist eigentlich die Rede?
Hier steckt der Fehler, der in der Praxis am meisten Ärger macht. "Nord" gibt es nämlich dreimal:
| Bezugsrichtung | Zeigt wohin? | Wo man sie trifft |
|---|---|---|
| Geografisch Nord (wahr Nord) | Zum Nordpol der Erdachse | Rechner, Logbuchsoftware, Satellitenbahndaten - üblicherweise diese Richtung |
| Magnetisch Nord | Dorthin, wo die Kompassnadel hinzeigt | Jeder Magnetkompass, auch der im Smartphone |
| Gitternord | Parallel zu den Gitterlinien der Karte | UTM- und Gauß-Krüger-Karten |
Die Missweisung
Der Winkel zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord heißt Missweisung oder Deklination. Er hängt vom Standort ab und - das wird oft übersehen - von der Zeit. Für München ist die Reihe gut dokumentiert: um 1841 lag die Missweisung bei fast 17° West, Ende der 1980er-Jahre bei 0°, 2014 bei rund 3° Ost und 2021 bei rund 4° Ost. Sie wandert dort also mit knapp 10 Bogenminuten pro Jahr weiter nach Osten.
Praktisch heißt das: Wer eine Yagi mit dem Kompass ausrichtet, misst zunächst eine missweisende Peilung und muss sie umrechnen. Bei wenigen Grad Missweisung und einer Antenne mit 60° Öffnungswinkel ist das folgenlos. Bei einem Spiegel für 10 GHz nicht mehr.
Gitternord und Meridiankonvergenz
Auf einer UTM- oder Gauß-Krüger-Karte laufen die Gitterlinien nur auf dem Mittelmeridian des jeweiligen Streifens exakt nach Norden. Daneben weichen sie ab, weil die Meridiane zu den Polen hin zusammenlaufen. Diese Abweichung heißt Meridiankonvergenz und lässt sich abschätzen mit
$\gamma \approx \Delta\lambda \cdot \sin\varphi$
wobei $\Delta\lambda$ die Längendifferenz zum Bezugsmeridian und $\varphi$ die geografische Breite ist. Ein 3°-Streifen reicht höchstens 1,5° vom Mittelmeridian weg; auf 51° Breite ergibt das am Streifenrand rund 1,2°.
Prüfungsfragen zu Azimut und Elevation
Drei Fragen aus dem Fragenkatalog
Fragetext und Antworten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, aus den Klassen N und A. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
BE413 Was bedeutet der Begriff Azimut im Bereich der Satellitenkommunikation?
- Horizontaler Winkel der Antenne
- Vertikaler Winkel der Antenne
- Senderichtung vom Satelliten zur Erde
- Senderichtung von der Erde zum Satelliten
AH217 Eine Amateurfunkstation in Frankfurt/Main will eine Verbindung nach Tokio auf dem langen Weg herstellen. Auf welchen Winkel gegen Nord (Azimut) muss der Funkamateur seinen Kurzwellenbeam drehen, wenn die Beamrichtung für den kurzen Weg 38 ° beträgt? Er muss die Antenne drehen auf ...
- 218 °
- 322 °
- 122 °
- 308 °
AH218 Eine Amateurfunkstation in Frankfurt/Main will eine Verbindung nach Buenos Aires auf dem langen Weg herstellen. Auf welchen Winkel gegen Nord (Azimut) muss der Funkamateur seinen Kurzwellenbeam drehen, wenn die Beamrichtung für den kurzen Weg 231 ° beträgt? Er muss die Antenne drehen auf ...
- 51 °
- 321 °
- 141 °
- 129 °
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klassen N und A). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Azimut und Elevation: das Horizontsystem
Azimut allein reicht nicht. Zusammen mit der Elevation, dem Höhenwinkel über dem Horizont, bildet es das Horizontsystem - ein Koordinatensystem, das jede Richtung vom eigenen Standort aus beschreibt. Bezieht man es auf den Beobachtungsort, spricht man von topozentrischen Koordinaten - astronomische Rechnungen setzen mitunter geozentrisch an und rechnen erst zum Schluss um.
| Koordinate | Beschreibt | Wertebereich |
|---|---|---|
| Azimut | Die waagerechte Richtung | 0° bis 360° |
| Elevation | Den Winkel über dem Horizont | -90° bis +90°, sichtbar 0° bis 90° |
Bei 0° Elevation zeigt die Antenne zum Horizont, bei 90° senkrecht nach oben. Negative Werte sind kein Fehler: Ein Satellit, der noch nicht aufgegangen ist, hat rechnerisch eine negative Elevation, und von einer Bergstation aus liegt eine Talstation ebenfalls unterhalb der eigenen Horizontebene.
Der Großkreis: warum der Kurs nicht auf der Karte steht
Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten auf der Erdkugel ist ein Großkreis, in der Navigation Orthodrome genannt. Auf einer Mercator-Weltkarte sieht dieser Weg krumm aus - und umgekehrt ist die gerade Linie auf so einer Karte eben nicht der kürzeste Weg, sondern eine Loxodrome mit konstantem Kurswinkel.
Das geht schief. Von Mitteleuropa nach Japan führt der Großkreis weit über Sibirien, nicht gerade nach Osten. Nach Kalifornien läuft er über Grönland, nicht nach Westen. Genau deshalb fliegen Verkehrsflugzeuge diese Bögen - aus demselben Grund muss auch der Beam dorthin zeigen.
Anfangsazimut, nicht Kurs
Ein Großkreis hat keinen festen Kurswinkel. Er ändert sich unterwegs laufend, weil man dabei ständig andere Meridiane kreuzt. Was man ausrechnet und was auf die Rotorskala kommt, ist deshalb streng genommen der Anfangsazimut:
$\theta = \operatorname{atan2}\!\left(\sin\Delta\lambda \cdot \cos\varphi_2,\; \cos\varphi_1 \sin\varphi_2 - \sin\varphi_1 \cos\varphi_2 \cos\Delta\lambda\right)$
Dabei sind $\varphi_1$ und $\varphi_2$ die geografischen Breiten der beiden Standorte und $\Delta\lambda$ die Längendifferenz. Das Ergebnis wird mit $(\theta + 360°) \bmod 360°$ auf den Bereich 0 bis 360 gebracht.
Wie stark sich der Kurs unterwegs dreht, zeigt ein Beispiel aus der Navigationsliteratur: Bagdad und Osaka liegen beide fast genau auf 35° Nord. Trotzdem beginnt der Großkreis mit einem Anfangsazimut von 60° und endet mit 120° - weil er dazwischen weit nach Norden ausbaucht.
Short Path und Long Path
Jeder Großkreis lässt sich in zwei Richtungen befahren. Der kurze Weg heißt Short Path, der Weg einmal andersherum um die Erde Long Path. Da beide auf demselben Großkreis liegen, gilt vom eigenen Standort aus exakt:
$Az_\text{LP} = (Az_\text{SP} + 180°) \bmod 360°$
Auf Kurzwelle ist das mehr als eine Spielerei: Besonders in der Nähe von Sonnenauf- und Sonnenuntergang kann der lange Weg zeitweise das stärkere Signal liefern. Ob er das tut, hängt von Frequenz, Ionosphäre, Tages- und Jahreszeit und vom Verlauf des gesamten Ausbreitungsweges ab - entlang der Dämmerungszone führt er nicht automatisch.
Der Rückweg ist nicht Hinweg plus 180 Grad
Jetzt wird es knifflig, und hier verwechseln viele zwei völlig verschiedene Dinge:
- Long Path ist mein eigener Beam, um 180° gedreht. Gleicher Standort, andere Richtung auf demselben Großkreis. Da stimmen die 180° exakt.
- Rückazimut ist die Richtung, in die die Gegenstation ihre Antenne drehen muss, um mich zu erreichen. Und der ist fast nie Hinweg plus 180°.
Der Grund ist wieder die Meridiankonvergenz: Die Meridiane an beiden Enden der Strecke stehen nicht parallel zueinander. Das Ausmaß überrascht:
| Strecke | Azimut hin | Naiv: hin + 180° | Tatsächlicher Rückazimut |
|---|---|---|---|
| Frankfurt nach Tokio | 38,1° | 218,1° | 330,9° |
| Frankfurt nach Buenos Aires | 231,2° | 51,2° | 37,4° |
| Frankfurt nach Kapstadt | 171,9° | 351,9° | 353,7° |
Nach Tokio liegt die naive Rechnung um mehr als 110° daneben, nach Kapstadt dagegen nur um knapp 2°. Der Unterschied: Die Strecke nach Kapstadt verläuft fast entlang eines Meridians, dort fällt die Konvergenz kaum ins Gewicht. Je weiter eine Strecke in Ost-West-Richtung läuft und je höher die Breiten, desto größer wird der Fehler.
Wie genau muss man überhaupt ausrichten?
Das ist die praktisch wichtigste Frage - und die Antwort hängt nicht am Azimut, sondern an der Antenne. Maßgeblich ist ihr Öffnungswinkel, also der Bereich, in dem die Leistung um höchstens 3 dB gegenüber der Hauptrichtung abfällt.
| Antenne | Öffnungswinkel waagerecht | Gewinn |
|---|---|---|
| Halbwellendipol, hoch aufgehängt | ~80° | Bezugsantenne |
| Halbwellendipol, niedrig montiert | ~110° | Bezugsantenne |
| 5-Element-Yagi für 2 m | ~51° | 8,2 dBd |
| 6-Element-Yagi für 2 m | ~44° | 10,2 dBd |
| 12-Element-Yagi für 70 cm | ~29° | 13,8 dBd |
| 27-Element-Yagi für 70 cm | ~18° | 17,7 dBd |
| Parabolspiegel 60 cm bei 10 GHz | ~3,5° | je nach Ausleuchtung |
| Parabolspiegel 80 cm bei 10 GHz | ~2,6° | je nach Ausleuchtung |
Die Yagi-Werte stammen aus den veröffentlichten Entwürfen von DK7ZB, die Dipolwerte aus dem DARC-Lehrgang. Es sind Größenordnungen: Jeder Aufbau, jede Höhe über Grund und jede Umgebung verschiebt sie. Die Spiegelwerte sind mit der üblichen Näherung
$\vartheta \approx \dfrac{70° \cdot \lambda}{D}$
gerechnet, wobei $\lambda$ die Wellenlänge und $D$ der Spiegeldurchmesser ist. Der Faktor 70 ist selbst schon eine Näherung und liegt je nach Ausleuchtung zwischen etwa 65 und 75.
- Drahtantenne oder kurze Yagi: Ein Fehler von ±10° liegt komfortabel innerhalb der Hauptkeule. Kompass, Karte, Augenmaß - alles gut genug.
- Lange UKW-Yagi: Bei 18° Öffnungswinkel kosten 10° Fehler bereits spürbar Signal. Hier lohnt sich eine sorgfältige Kalibrierung der Rotorskala.
- Spiegel für 10 GHz: Bei 2,6° geht es um jedes Grad. Ausgerichtet wird am Ende ohnehin nicht nach Skala, sondern nach maximalem Empfangssignal.
Azimut in der Praxis
Antennenrotoren
Ein Azimutrotor dreht die Antenne waagerecht, ein Azimut-Elevations-Rotor zusätzlich in der Höhe - Letzteres braucht man für Satellitenbetrieb und EME. Zwei Dinge, die man wissen sollte, bevor man sich auf die Skala verlässt:
- Der Drehbereich ist oft größer als 360°. Gängige Modelle fahren 450°, also mit 90° Überlappung. Das erspart die volle Rückdrehung, wenn ein Ziel knapp jenseits des Anschlags liegt.
- Wo der Anschlag sitzt, ist nicht einheitlich. Verbreitet ist die Annahme, in Europa liege er im Süden. Das stimmt so nicht: Neuere Modelle haben ihn im Norden, ältere im Süden. Wer eine gebrauchte Steuerung übernimmt, prüft das besser nach, statt es vorauszusetzen.
Für die Anbindung an den Rechner haben sich zwei Befehlssätze durchgesetzt: das GS-232-Protokoll von Yaesu und das DCU-1 von Hy-Gain. Beide werden von der Bibliothek Hamlib beziehungsweise deren Dienst rotctld bedient, über den praktisch jede Logbuch- und Trackingsoftware den Rotor ansteuern kann.
Satellitenbetrieb
Bei Satelliten im niedrigen Orbit ändern sich Azimut und Elevation während des gesamten Überflugs. Tracking-Programme wie gpredict oder SatPC32 rechnen beides laufend aus den Bahndaten aus und schicken die Sollwerte an den Rotor.
Bei geostationären Satelliten entfällt das Nachführen. Für QO-100 auf 25,9° Ost wird die Antenne einmal ausgerichtet und bleibt dann stehen. Die Werte sind allerdings standortabhängig, und zwar schon innerhalb eines Landes: Für Wien ergeben sich rund 34° Elevation, für Warschau rund 30° bei etwa 174° Azimut. Eine Angabe "für Österreich" oder "für Polen" wäre deshalb irreführend. Für den eigenen Standort rechnet der Pointing-Rechner von BATC und AMSAT-UK Azimut, Elevation und Polarisationswinkel aus - eine Tabelle nach Städten gibt es nicht, und sie wäre auch nicht sinnvoll.
EME: Antenne auf den Mond
Beim Funken über den Mond kommen zwei Bewegungen zusammen. Die Erdrotation lässt den Mond mit rund 15° pro Stunde über den Himmel wandern, seine Eigenbewegung von etwa 12 bis 13° pro Tag wirkt dem entgegen - das sind nur rund 0,5° pro Stunde. Praktisch dominiert also die Erdrotation.
Wie oft nachgeführt werden muss, entscheidet auch hier der Öffnungswinkel. Ein Antennenfeld aus acht 14-Element-Yagis für 2 m hat rund 12° Öffnungswinkel, also das gut Zwanzigfache des Monddurchmessers von 0,5° - da genügt grobes Peilen. Ein 2,4-m-Spiegel für 47 GHz kommt dagegen auf 0,18° und ist damit schmaler als der Mond selbst. Dort kostet es Signal, wenn beide Stationen auf verschiedene Stellen der Mondscheibe zielen. Unmöglich wird die Verbindung dadurch nicht - der Mond streut über eine ausgedehnte Fläche zurück -, aber jede Abweichung verschenkt Pegel und verändert Doppler und Libration.
Peilen und Fuchsjagd
Beim Amateurfunkpeilen, international ARDF genannt, ist das Azimut das eigentliche Werkzeug. Im klassischen Wettbewerb senden fünf versteckte Sender nacheinander je eine Minute auf derselben Frequenz mit eigener Kennung; gesucht wird mit Peilempfänger, Karte und Kompass. Daneben gibt es weitere Formen wie Sprint und Foxoring mit anderen Senderzahlen, Zyklen und Frequenzkonzepten. Aus zwei Peilungen von verschiedenen Standorten aus lässt sich der Sender einkreisen - der Schnittpunkt beider Richtungslinien ist sein Standort.
Ausrichten ohne Rotor
Die meisten Antennen stehen fest. Für die einmalige Ausrichtung gilt:
- Kompass: Missweisung nicht vergessen, sonst zeigt die Antenne systematisch daneben.
- Smartphone: Der Magnetsensor im Telefon ist empfindlich gegen Störfelder. Direkt am Metallmast oder neben der Antenne ist die Anzeige nicht brauchbar - besser einige Meter entfernt peilen und die Richtung auf den Mast übertragen.
- Karte und Luftbild: Zwei markante Punkte in der Zielrichtung heraussuchen und die Antenne danach ausrichten. Unabhängig vom Erdmagnetfeld und meist genauer als ein Handkompass.
Azimut bestimmen
Für den Alltag braucht niemand die Formel. Drei Wege führen zum Ziel:
| Weg | Eingabe | Wofür geeignet |
|---|---|---|
| Online-Großkreisrechner | Locator oder Koordinaten | Einzelne Ziele, schnelle Kontrolle |
| Logbuchsoftware | Rufzeichen der Gegenstation | Laufender Betrieb, oft mit Rotorsteuerung |
| Azimutale Karte | Eigener Standort im Zentrum | Überblick, Wandschmuck, Planung |
Der Weg über den Locator
Aus dem Maidenhead-Locator lassen sich Koordinaten und daraus der Großkreiskurs berechnen. Ein sechsstelliger Locator beschreibt ein Feld von 2,5 Bogenminuten in der Breite und 5 Bogenminuten in der Länge. Zwei Stationen im selben Feld liegen immer weniger als 10,4 km auseinander. Für eine Yagi ist das reichlich genau. Bei einem schmalbündigen Mikrowellenspiegel lohnt der genauere Blick: 10 km Querversatz auf 500 km Entfernung entsprechen rund 1,2°, vom Feldmittelpunkt bis zum Rand immer noch etwa ein halbes Grad.
Azimutale Karten
Eine azimutale äquidistante Karte mit dem eigenen Standort im Mittelpunkt ist das klassische Werkzeug für den Antennenkurs: Von diesem Mittelpunkt aus stimmen sowohl Richtungen als auch Entfernungen zu jedem Punkt der Erde. Genau deshalb hängt sie in so vielen Funkbuden.
Der Preis dafür: Alles andere ist verzerrt. Entfernungen und Richtungen zwischen zwei Punkten, von denen keiner das Zentrum ist, kann man auf so einer Karte nicht ablesen, und die Verzerrung wächst nach außen hin deutlich.
Das Azimutdiagramm
Der Begriff taucht auch in Datenblättern auf. Das Azimut- oder Horizontaldiagramm zeigt die Richtwirkung einer Antenne in der Ebene parallel zum Boden. Daraus liest man ab:
- die Hauptkeule und ihren Öffnungswinkel,
- die Nebenkeulen zu den Seiten,
- das Vor-Rück-Verhältnis, also die Pegeldifferenz in Dezibel zwischen der Abstrahlung in Hauptrichtung und der in die Gegenrichtung.
Solche Diagramme werden fast immer logarithmisch aufgetragen. Bei linearer Darstellung wären schwache Nebenkeulen schlicht nicht erkennbar. Das Gegenstück in der senkrechten Ebene ist das Elevationsdiagramm - dieselbe Antenne, anderer Schnitt.
Sieben verbreitete Irrtümer
| Behauptung | Wie es wirklich ist |
|---|---|
| "Azimut wird vom Kompassnorden gemessen" | Gemeint ist geografisch Nord. Der Kompass zeigt magnetisch Nord, dazwischen liegt die Missweisung. |
| "0° und 360° sind verschiedene Richtungen" | Beide bezeichnen Nord. Das Azimut ist eine Kreisgröße. |
| "Aus dem Azimut folgt auch die Entfernung" | Nein. Das Horizontsystem beschreibt nur Richtungen. Zwei Ziele in derselben Richtung haben dasselbe Azimut, egal wie weit sie weg sind. |
| "Der Rückweg hat Azimut plus 180°" | Gilt für den Long Path vom eigenen Standort aus. Der Rückazimut der Gegenstation weicht dagegen oft um viele Grad ab. |
| "Auf der Weltkarte kann man den Kurs mit dem Lineal abgreifen" | Nur auf einer azimutalen Karte mit dem eigenen Standort im Zentrum. Auf einer Mercator-Karte ist die Gerade eine Loxodrome, nicht der kürzeste Weg. |
| "Die Antenne zeigt dorthin, wo der Boom hinzeigt" | Meistens ja, aber nicht immer. Bei Offset-Parabolspiegeln liegt die Blickrichtung deutlich über der Spiegelfläche, und eine falsch montierte Rotorskala verdreht alles um einen festen Betrag. |
| "Mit dem Azimut ist die Antenne ausgerichtet" | Die Richtung ist erst mit der Elevation vollständig beschrieben. Die Polarisation gehört nicht zur Richtung, muss bei vielen Betriebsarten aber zusätzlich stimmen. |
Vom Winkel zum QSO
Großkreiskurse, Öffnungswinkel, Vor-Rück-Verhältnis, Ausbreitung auf dem langen Weg: Antennentechnik und Funkausbreitung sind die Kapitel, in denen die Amateurfunkprüfung am unmittelbarsten mit dem eigenen Stationsaufbau zu tun hat. Der Lernbereich führt dich mit den Originalfragen der Bundesnetzagentur durch alle drei Prüfungsteile.
Prüfungsvorbereitung startenHäufige Fragen zum Azimut
Was bedeutet Azimut?
Das Azimut ist der waagerechte Richtungswinkel zu einem Ziel, gemessen von geografisch Nord im Uhrzeigersinn. 0 Grad ist Nord, 90 Grad Ost, 180 Grad Süd und 270 Grad West. Im Amateurfunk gibt es damit an, in welche Himmelsrichtung eine Antenne zeigen muss.
Was ist der Unterschied zwischen Azimut und Elevation?
Das Azimut beschreibt die waagerechte Richtung, die Elevation den Winkel über dem Horizont. Zusammen bilden beide das Horizontsystem und beschreiben eine Blickrichtung vollständig. Für einen Satelliten braucht man immer beide Werte.
Bezieht sich das Azimut auf geografisch oder magnetisch Nord?
Im Funk üblicherweise auf geografisch Nord: Rechner, Logbuchsoftware und Satellitenbahndaten liefern in aller Regel Werte gegen die geografische Nordrichtung. Allgemein kann ein Azimut aber auch gegen magnetisch Nord oder Gitternord angegeben werden, deshalb gehört der Bezug immer dazu. Ein Magnetkompass zeigt magnetisch Nord; die Differenz heißt Missweisung, hängt vom Standort ab und verschiebt sich von Jahr zu Jahr.
Welche Himmelsrichtung sind 180 Grad?
180 Grad Azimut entspricht Süden. Der Vollkreis beginnt bei 0 Grad im Norden und läuft im Uhrzeigersinn über 90 Grad Osten und 180 Grad Süden bis 270 Grad Westen.
Wie berechnet man den Azimut zu einer Gegenstation?
Aus den Koordinaten oder dem Locator beider Standorte über die Großkreisformel. Das Ergebnis ist der Anfangsazimut, denn der Kurs eines Großkreises ändert sich unterwegs laufend. In der Praxis übernehmen das Online-Rechner oder die Logbuchsoftware, die den Wert direkt an den Rotor weitergeben kann.
Was ist der Long Path?
Der Weg einmal andersherum um die Erde, auf demselben Großkreis. Vom eigenen Standort aus liegt er exakt 180 Grad gegenüber dem kurzen Weg. Auf Kurzwelle liefert er rund um Sonnenauf- und Sonnenuntergang oft das bessere Signal.
Wie genau muss eine Antenne ausgerichtet werden?
Das hängt vom Öffnungswinkel der Antenne ab. Ein Dipol oder eine kurze Yagi verzeiht mit rund 50 bis 80 Grad Öffnungswinkel auch zehn Grad Fehler. Eine lange Yagi fürs 70-Zentimeter-Band liegt bei etwa 18 Grad, ein 80-Zentimeter-Spiegel für 10 Gigahertz nur noch bei rund 2,6 Grad. Dort zählt jedes Grad, und ausgerichtet wird nach maximalem Signal.
Warum ändert sich der Azimut eines Satelliten?
Weil sich ein Satellit im niedrigen Orbit relativ zur Bodenstation bewegt. Azimut und Elevation ändern sich während des gesamten Überflugs. Zieht der Satellit dicht am Zenit vorbei, dreht sich der Azimut so schnell, dass übliche Rotoren nicht mehr folgen können. Bei geostationären Satelliten wie QO-100 bleiben beide Werte dagegen praktisch konstant - durch die Bahnregelung schwankt die Position geringfügig, für eine normale Station spielt das keine Rolle.