Eine Yagi-Uda-Antenne ist eine Richtantenne aus einem gespeisten Element, einem Reflektor und einem oder mehreren Direktoren. Nur das gespeiste Element hängt an der Speiseleitung. Die übrigen Elemente werden durch das Nahfeld angeregt und tragen eigene Ströme. Deren phasenrichtige Überlagerung verstärkt die Abstrahlung entlang des Booms in Richtung der Direktoren und schwächt sie nach hinten ab. So erreicht die Yagi deutlich mehr Gewinn und eine schärfere Richtwirkung als ein einzelner Dipol.
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Was ist eine Yagi-Antenne?
Kurz gesagt: Eine Yagi ist ein Endfire-Array - eine Gruppenantenne, die längs ihrer eigenen Achse strahlt. Ein einziges Element wird gespeist, alle anderen arbeiten parasitär. Und weil sie eine passive lineare Antenne ist, gilt Reziprozität: Beim Empfang hat sie dieselbe Richtcharakteristik und denselben Gewinn wie beim Senden.
Sie erzeugt keine zusätzliche Leistung. Der Gewinn entsteht durch Bündelung: In Vorzugsrichtung wird mehr Feldstärke erzeugt, in anderen Richtungen entsprechend weniger. Die Antenne verteilt die abgestrahlte Leistung ungleichmäßiger. Dazu kommt der Wirkungsgrad - Verluste im Material und im Anpassnetzwerk drücken den realen Gewinn unter die reine Richtwirkung.
Wer hat sie erfunden?
Die Entwicklung fand ab etwa 1924 an der Universität Tohoku in Sendai statt. Shintaro Uda erarbeitete das Prinzip experimentell und veröffentlichte ab 1926 eine Serie von Aufsätzen. Sein Vorgesetzter Hidetsugu Yagi arbeitete an den zugrundeliegenden Fragen und machte das Konzept ab 1928 durch englischsprachige Veröffentlichungen außerhalb Japans bekannt. Weil Uda darin nicht im Vordergrund stand, setzte sich im Westen der kurze Name durch - fachlich korrekt heißt sie Yagi-Uda-Antenne. Das IEEE würdigte die Entwicklung 1995 als Milestone.
Woraus besteht eine Yagi?
| Element | Position | Länge | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Reflektor | hinter dem Strahler | meist etwas länger | prägt besonders die Rückdämpfung, wirkt aber ebenso auf Gewinn und Speisepunktimpedanz |
| Strahler | das gespeiste Element | ungefähr resonant | der einzige Anschluss an die Speiseleitung |
| Direktoren | vor dem Strahler | meist etwas kürzer | bündeln nach vorn, bestimmen mit der Boomlänge den Gewinn |
Der Strahler muss kein einfacher Halbwellendipol sein. Verbreitet sind auch Faltdipole - wie in der Zeichnung oben -, geteilte Dipole und Schleifenelemente. Exakt $\lambda/2$ lang ist er ohnehin selten: Die parasitären Elemente und das Anpassnetzwerk verschieben seine Resonanz.
Wie funktioniert eine Yagi wirklich?
Nur der Strahler bekommt HF-Leistung. Sein Nahfeld induziert Ströme in Reflektor und Direktoren, und diese Ströme strahlen ihrerseits ab. Entscheidend ist ihre Phase - und die hängt daran, ob ein Element länger oder kürzer als resonant ist:
- seine Selbstimpedanz ist bei Betriebsfrequenz induktiv
- der induzierte Strom bekommt dadurch eine andere Phasenlage
- seine Abstrahlung löscht nach hinten teilweise aus
- seine Selbstimpedanz ist kapazitiv
- die Phase verschiebt sich in die entgegengesetzte Richtung
- seine Abstrahlung addiert sich nach vorn
Sauber beschreiben lässt sich das nur über die gegenseitige Impedanz. Ein parasitäres Element hat keine eigene Klemmenspannung wie ein gespeistes Bauteil - Amplitude und Phase seines Stroms ergeben sich erst aus Selbstimpedanz, Kopplung, Abstand und Länge aller Elemente zusammen. Deshalb koppeln auch die parasitären Elemente untereinander, und deshalb hat eine Yagi eine andere Speisepunktimpedanz als ein freier Dipol.
Bei längeren Yagis kommt eine zweite Sichtweise dazu: Die Direktorenkette lässt sich als langsamwellige gekoppelte Struktur beschreiben, entlang derer sich eine Welle mit einer Phasengeschwindigkeit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit fortpflanzt. Ein Hohlleiter ist das nicht - es fehlt jede geschlossene leitende Struktur. Wie die Direktoren dabei dimensioniert werden, hängt an der Entwurfsfamilie: Manche Reihen staffeln Längen und Abstände fortlaufend, andere arbeiten über weite Strecken mit gleich langen Direktoren in konstantem Abstand.
Das sind Startwerte für eine allererste Skizze, kein Bauplan. In optimierten Entwürfen hat praktisch jedes Element eine eigene Länge und einen eigenen Abstand. Richtdiagramm und Impedanz ergeben sich gemeinsam aus Zahl, Länge, Durchmesser und Abstand aller Elemente.
Die wichtigsten Kenngrößen
Gewinn - und der Bezug dazu
Eine Gewinnangabe ohne Bezugsantenne ist nicht eindeutig:
$G_\mathrm{dBi} = G_\mathrm{dBd} + 2{,}15\ \mathrm{dB}$
dBi bezieht sich auf den isotropen Kugelstrahler, dBd auf den Halbwellendipol. Der Unterschied von gut zwei Dezibel klingt harmlos, macht in Prospekten aber genau den Unterschied zwischen einer guten und einer herausragenden Antenne. Prüfe im Datenblatt immer, welcher Bezug gemeint ist.
Vor-Rück-Verhältnis
Das F/B vergleicht die Abstrahlung nach vorn mit der bei exakt 180 Grad. Vorsicht: Manche Entwürfe erreichen genau bei 180 Grad ein tiefes Minimum, haben aber daneben kräftige Rückkeulen. Deshalb wird zusätzlich ein Worst-Case-Wert über den gesamten rückwärtigen Bereich angegeben - und die beiden Zahlen können weit auseinanderliegen. Für eine 19-Element-Yagi nach DL6WU nennt eine NEC-Modellrechnung 30,0 dB bei 180 Grad, aber nur 23,8 dB im ungünstigsten Fall.
Öffnungswinkel
Die Halbwertsbreite ist der Winkel zwischen den Punkten, an denen die Leistung auf die Hälfte abgefallen ist - also 3 dB. Eine Angabe wie "Öffnungswinkel 40 Grad" ist ohne Ebene unvollständig: Die E-Ebene enthält den elektrischen Feldvektor und die Hauptstrahlrichtung, die H-Ebene steht senkrecht dazu. Bei einer üblich montierten Yagi mit waagerechtem Boom und waagerechten Elementen entspricht der E-Ebenen-Schnitt dem Azimutdiagramm - bei anderer räumlicher Ausrichtung gilt diese Zuordnung nicht.
Speisepunktimpedanz
Eine Yagi hat nicht automatisch 50 Ohm. Die gegenseitige Kopplung zieht die Impedanz gegenüber dem freien Dipol nach unten, und viele klassische Hochgewinnentwürfe landen im Bereich 20 bis 30 Ohm. Das ist kein Fehler, sondern Absicht - es braucht dann eben ein Anpassnetzwerk. Andere Yagis werden umgekehrt gezielt auf rund 50 Ohm gerechnet.
Bandbreite
Auch hier lohnt die Differenzierung. Eine Antenne kann über ein ganzes Band gutes SWR zeigen, während Gewinn und Rückdämpfung an den Bandenden längst eingebrochen sind. Klassische schmalbandige Yagis erreichen Größenordnungen von zwei bis drei Prozent der Mittenfrequenz, eine auf maximalen Gewinn getrimmte Dreielement-Yagi kann darunter liegen. Breitband-Entwürfe wie OWA kommen deutlich weiter.
Boomlänge statt Elementzahl
Das ist die praktisch wichtigste Erkenntnis dieses Artikels: Die Elementzahl allein sagt fast nichts über den Gewinn. Maßgeblich ist die Boomlänge in Wellenlängen. Die folgenden Werte stammen aus NEC-4-Modellrechnungen von L. B. Cebik an der DL6WU-Reihe für 432 MHz im Freiraum - sie zeigen den Trend, lassen sich aber nicht auf beliebige Yagis übertragen.
| Boomlänge | Elemente | Modellierter Freiraumgewinn |
|---|---|---|
| 2,85 λ | 12 | rund 14,7 dBi |
| 5,6 λ | 19 | rund 17,2 dBi |
| 8,4 λ | 26 | rund 18,6 dBi |
| 14 λ | 40 | rund 20,4 dBi |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens flacht die Kurve deutlich ab: Von 2,85 auf 5,6 Wellenlängen bringt eine Verdopplung des Booms noch 2,5 dB, von 8,4 auf 14 Wellenlängen nur noch 1,8 dB. Zweitens unterscheiden sich Entwürfe bei gleicher Boomlänge und gleicher Elementzahl je nach Optimierungsverfahren um mehr als ein halbes Dezibel. Eine Einzel-Yagi mit rund 20 dBi ist bereits sehr lang und mechanisch anspruchsvoll. Eine physikalische Obergrenze ist das nicht - mehr geht mit noch längeren Strukturen, nur wird der Mehrertrag immer kleiner.
Warum man nicht alles gleichzeitig optimieren kann
Ein Yagi-Entwurf ist immer ein Kompromiss. Was du an einer Stelle gewinnst, zahlst du an anderer.
| Optimierungsziel | Typischer Preis bei begrenzter Boomlänge |
|---|---|
| maximaler Gewinn | schmalere Bandbreite, oft schlechteres Vor-Rück-Verhältnis |
| maximales Vor-Rück-Verhältnis | etwas weniger Gewinn |
| direkte 50-Ohm-Anpassung | andere Elementabstände, häufig etwas weniger Maximalgewinn |
| große Bandbreite | dickere Elemente, geringerer Spitzengewinn |
| kurzer Boom | begrenzt den erreichbaren Gewinn grundsätzlich |
Deshalb gibt es Entwurfsfamilien mit unterschiedlichen Prioritäten. DL6WU bezeichnet systematisch dimensionierte Langboom-Yagis für VHF und UHF. Die NBS-Entwürfe gehen auf eine Messreihe des amerikanischen National Bureau of Standards von 1976 zurück und entstanden vor der Verbreitung numerischer Modellierung. OWA-Entwürfe nutzen eine gezielte Anordnung der ersten parasitären Elemente, um Impedanz- und Richtdiagrammbandbreite zu verbessern; die Zielimpedanz hängt vom konkreten Design ab.
Die Tabelle nennt Tendenzen, keine Naturgesetze. Moderne numerische Optimierung kann mehrere Ziele gleichzeitig ordentlich erfüllen - nur eben keines davon absolut maximieren.
Prüfungsfragen zur Yagi-Antenne
Yagi in der Prüfung
Fünf Originalfragen aus dem Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, aus den Klassen E und A. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
EG212 An welchem Element einer Yagi-Uda-Antenne erfolgt die Energieeinspeisung? Sie erfolgt am ...
- Strahler
- Direktor
- Reflektor
- Strahler und am Reflektor gleichzeitig
EB309 Die Polarisation des Sendesignals in der Hauptstrahlrichtung dieser Richtantenne ist ...
- horizontal.
- vertikal.
- rechtsdrehend.
- linksdrehend.
AG222 Worin unterscheidet sich eine Yagi-Uda-Antenne mit 11 Elementen von einer mit 3 Elementen? Bei der Antenne mit 11 Elementen ist ...
- der Öffnungswinkel verringert.
- der Öffnungswinkel erhöht.
- der Strahlungswiderstand erhöht.
- das Vor-Rück-Verhältnis verringert.
AG221 Die folgende Skizze zeigt das Horizontaldiagramm der relativen Feldstärke einer Yagi-Uda-Antenne. Wie groß ist im vorliegenden Fall die Halbwertsbreite (Öffnungswinkel)?
- Etwa 55 °
- Etwa 34 °
- Etwa 69 °
- Etwa 27 °
AG126 Für die Erzeugung von zirkularer Polarisation mit Yagi-Uda-Antennen wird eine horizontale und eine dazu um 90 ° um die Strahlungsachse gedrehte Yagi-Uda-Antenne zusammengeschaltet. Was ist dabei zu beachten, damit tatsächlich zirkulare Polarisation entsteht?
- Bei einer der Antennen muss die Welle um $\lambda/4$ verzögert werden. Dies kann entweder durch eine zusätzlich eingefügte Viertelwellen-Verzögerungsleitung oder durch mechanische "Verschiebung" beider Yagi-Uda-Antennen um $\lambda/4$ gegeneinander hergestellt werden.
- Bei einer der Antennen muss die Welle um $\lambda/2$ verzögert werden. Dies kann entweder durch eine zusätzlich eingefügte $\lambda/2$-Verzögerungsleitung oder durch mechanische "Verschiebung" beider Yagi-Uda-Antennen um $\lambda/2$ gegeneinander hergestellt werden.
- Die Zusammenschaltung der Antennen muss über eine Halbwellen-Lecherleitung erfolgen. Zur Anpassung an den Wellenwiderstand muss zwischen der Speiseleitung und den Antennen noch ein $\lambda/4$-Transformationsstück eingefügt werden.
- Die kreuzförmig angeordneten Elemente der beiden Antennen sind um 45 ° zu verdrehen, so dass in der Draufsicht ein liegendes Kreuz gebildet wird. Die Antennen werden über Leitungsstücke gleicher Länge parallel geschaltet. Die Anpassung erfolgt mit einem Symmetrierglied.
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Speisung und Anpassung
Weil die Speisepunktimpedanz selten genau 50 Ohm beträgt, braucht es meist ein Anpassnetzwerk. Die Auswahl ist überschaubar:
| Verfahren | Prinzip | Passt gut, wenn ... |
|---|---|---|
| Direktspeisung | der Entwurf ist auf 50 Ohm gerechnet | Einfachheit wichtiger ist als das letzte Dezibel |
| Faltdipol | transformiert nach oben | die Kopplung die Impedanz stark gedrückt hat |
| Gamma-Match | unsymmetrischer Abgriff mit Serienkondensator | das Element leitend am Boom sitzen soll |
| Hairpin oder Beta | Shunt-Induktivität am kapazitiv gemachten Strahler | der Speisewiderstand deutlich unter 50 Ohm liegt |
| T-Match | symmetrische Variante des Gamma-Match | ein symmetrischer Aufbau gewünscht ist |
| Viertelwellentrafo | Leitungsstück als Übersetzer | eine saubere reelle Impedanz vorliegt |
Für den Viertelwellentransformator gilt $Z_t = \sqrt{Z_1 \cdot Z_2}$. Von 25 auf 50 Ohm brauchst du also $\sqrt{25 \cdot 50} \approx 35{,}4\ \Omega$ - ein Wert, den es kaum zu kaufen gibt. In der Praxis behilft man sich mit zwei parallelgeschalteten Leitungen: Zwei mal 70 Ohm ergeben 35 Ohm, zwei mal 75 Ohm ergeben 37,5 Ohm - beides nah genug am Sollwert. Beide Stücke müssen dieselbe elektrische Länge haben, und Verkürzungsfaktor und Schirmführung gehören mitgedacht.
Balun ist nicht dasselbe wie Anpassung
Diese beiden Aufgaben werden oft in einen Topf geworfen, sind aber verschieden:
- Anpassung verändert die Impedanz.
- Symmetrierung sorgt dafür, dass beide Hälften des Strahlers gleiche, gegenphasige Ströme führen.
Fehlt die Symmetrierung, koppelt der Koaxschirm einseitig mit einer Strahlerhälfte. Auf seiner Außenseite fließt dann ein Gleichtaktstrom, das Kabel wird Teil der Antenne und strahlt mit. Die Folgen sind ein verzerrtes Richtdiagramm und eine Speisepunktimpedanz, die sich mit der Kabelführung ändert. Ein Balun oder eine Mantelwellensperre am Speisepunkt wirkt dagegen - vorausgesetzt, sie ist für den Frequenzbereich und den konkreten Aufbau ausreichend dimensioniert. Ein Gamma-Match ist dafür kein Ersatz: Es speist einen durchgehenden Strahler unsymmetrisch und transformiert die Impedanz, sagt über den Gleichtaktstrom aber nichts.
Boom, Material und was die Maße verschiebt
Der leitende Boom
Sitzen die Elemente leitend auf einem metallischen Boom, verschiebt sich ihre elektrisch wirksame Länge - Nachbauer kennen das. Interessanterweise zeigen NEC-Modelle diesen Effekt kaum, solange die Elemente an ihrem Strommittelpunkt befestigt sind. Der Grund liegt vermutlich in den Grenzen der Modellierung: Klassische Dünndraht-Modelle bilden rechtwinklige Verbindungen unterschiedlich dicker Leiter, reale Rohrdurchführungen und lokale Oberflächenstromverteilungen nur eingeschränkt ab. Für die Praxis heißt das: Der Effekt ist real, das Modell ist hier nicht der richtige Schiedsrichter.
Elementdurchmesser
Dickere Elemente verkürzen die Resonanzlänge und verbreitern in der Regel die Bandbreite. Wie sich Speisewiderstand und Gewinn dabei verhalten, hängt vom Gesamtentwurf ab. Eine Modellrechnung an einer bestimmten Dreielement-Yagi für 20 m - Elementabstände unverändert, nur die Durchmesser variiert - zeigt in diesem Fall:
| Elementdurchmesser | Gewinn | Speisewiderstand | SWR-Bandbreite |
|---|---|---|---|
| 0,5 Zoll | 7,91 dBi | 29,6 Ω | am schmalsten |
| 1,0 Zoll | 8,11 dBi | 25,7 Ω | mittel |
| 1,5 Zoll | 8,25 dBi | 23,1 Ω | am breitesten |
Diese Zahlen gelten für genau diesen Entwurf und sind keine allgemeine Regel - bei anderer Geometrie kann der Speisewiderstand mit dickeren Elementen auch steigen. Bei gestuften Elementen aus ineinandergeschobenen Rohren zählt außerdem, wie gestuft wird. Zwei Elemente mit demselben Enddurchmesser können unterschiedlich wirken. Wer einen veröffentlichten Entwurf mit anderem Rohrmaterial nachbaut, muss deshalb neu rechnen.
Einen Entwurf auf eine andere Frequenz skalieren
$L_\mathrm{neu} = L_\mathrm{alt} \cdot \dfrac{f_\mathrm{alt}}{f_\mathrm{neu}}$
Sauber ist das nur, wenn alle linearen Maße mitskalieren - auch Element- und Boomdurchmesser und die Befestigungsgeometrie. Dann skaliert die Boomkopplung näherungsweise mit. Genau daran scheitert es in der Praxis: Man nimmt das Rohr, das man bekommt. Nicht mitskalieren lassen sich ohnehin die Bauteilwerte des Anpassnetzwerks; die müssen nach elektrischen Größen neu bestimmt werden.
- Einen erprobten Entwurf wählen, der zu deinem verfügbaren Material passt.
- Ihn unverändert nachbauen - nicht einzelne Elemente mit einer Dipolformel nachrechnen.
- Wenn du etwas ändern musst, die ganze Antenne simulieren, nicht nur das geänderte Element.
- Erst am fertigen Aufbau in Endkonfiguration abgleichen.
Abgleich mit dem VNA
Die Reihenfolge entscheidet über den Erfolg:
- Antenne vollständig aufbauen, in der Konfiguration, in der sie später hängt
- Speiseleitung und Symmetrierglied montieren
- Möglichst am Speisepunkt kalibrieren
- Komplexe Impedanz über das ganze Band messen, nicht nur das SWR
- Zuerst Resonanz und Blindanteil beurteilen, dann das Anpassnetzwerk einstellen
- Richtdiagramm und Gewinn separat prüfen
Warum am Speisepunkt? Weil sich die Impedanz entlang einer fehlangepassten Leitung fortlaufend ändert - genau das nutzt ja der Viertelwellentransformator aus. Eine Messung am fernen Kabelende ist deshalb nicht wertlos: Sie zeigt, was der Sender sieht, und bei bekannter Leitung lässt sich die Antennenimpedanz zurückrechnen. Zum gezielten Abstimmen der Antenne ist die Kalibrierung am Speisepunkt trotzdem der bessere Weg - oder ein sauberes Herausrechnen der Speiseleitung.
Fehlersuche
| Symptom | Mögliche Ursache |
|---|---|
| Resonanz deutlich verschoben | Boomkopplung, falscher Rohrdurchmesser, Maße nicht eingehalten |
| gutes SWR, wenig Richtwirkung | Elemente vertauscht, schlechte Kontakte, falsche Abstände |
| Hauptkeule zeigt nach hinten | Reflektor und Direktoren vertauscht |
| SWR ändert sich beim Bewegen des Koaxkabels | Gleichtaktstrom auf dem Schirm, Symmetrierung fehlt oder wirkt nicht |
| Vor-Rück-Verhältnis schlechter als simuliert | Mastkopplung, Kabel, Umgebung, Fertigungstoleranzen |
| Bandbreite zu klein | sehr dünne Elemente oder ein auf Spitzengewinn getrimmter Entwurf |
| Regen verändert die Abstimmung | Wasser im Anschluss oder im Anpassgehäuse |
Der hervorgehobene Punkt ist besonders aussagekräftig: Wenn das Messergebnis von der Kabelführung abhängt, koppelt die Speiseleitung ins Antennenfeld. Meist steckt Gleichtaktstrom dahinter - ein Beweis ist es aber nicht, denn auch ein wackliger Stecker, ein schlechter Schirmkontakt oder Bewegung am Speisepunkt selbst können dasselbe Bild erzeugen. Prüfe erst die Kontakte und die Symmetrie des Aufbaus, dann die Gleichtaktdrossel.
Varianten und Ausbaustufen
| Bauform | Kennzeichen |
|---|---|
| Zweielement | Strahler plus Reflektor oder Direktor, kompakt, moderater Gewinn |
| Dreielement | der klassische Einstieg für den Selbstbau |
| Langboom | viele Direktoren, schmale Keule, hohe mechanische Anforderungen |
| OWA | auf Bandbreite und stabile 50 Ohm optimiert |
| Kreuz-Yagi | zwei um 90 Grad versetzte Ebenen auf einem Boom |
| Mehrband | Traps, verschachtelte Elemente oder getrennte Strahler |
Kreuz-Yagi und zirkulare Polarisation
Für Satellitenbetrieb ist zirkulare Polarisation praktisch, weil sich die Polarisationsebene auf dem Weg durch die Ionosphäre dreht. Eine mechanische Kreuzanordnung allein reicht dafür aber nicht: Es braucht zusätzlich eine Phasenverschiebung um 90 Grad, entweder über eine elektrische Viertelwellen-Verzögerungsleitung oder indem beide Antennen um $\lambda/4$ gegeneinander entlang der Strahlungsachse versetzt werden. Genau das fragt der Katalog in AG126 ab. In der realen Kreuz-Yagi ist das ein idealisiertes Modell - Kopplung zwischen beiden Ebenen, verschobene Phasenzentren und die Kabelwege müssen zusammen stimmen.
Gestockte Yagis
Zwei identische Antennen phasenrichtig zusammengeschaltet ergeben theoretisch bis zu 3 dB mehr Gewinn. In Modellrechnungen an konkreten Dreielement-Yagis blieben davon eher 2,0 bis 2,4 dB übrig. Eine allgemeine Grenze ist das nicht: Mit sauberer Phasung, gutem Abstand und verlustarmem Speisenetz kommt man näher an die 3 dB heran, mit ungünstigem Abstand oder verlustreichen Leitungen deutlich weniger weit. Die gegenseitige Kopplung verändert Impedanz und Diagramm, und schon kleine Phasenfehler kosten. Einen universellen Stockungsabstand gibt es nicht - je nachdem, ob du auf Gewinn oder auf Rückdämpfung optimierst, liegt das Optimum woanders.
Antennen verstehen statt Maße abschreiben
Richtdiagramm, Gewinn, Polarisation und Vor-Rück-Verhältnis gehören in den Klassen E und A zum Prüfungsstoff, inklusive Rechenaufgaben zu ERP und Sicherheitsabstand. Im Lernbereich übst du die Originalfragen der Bundesnetzagentur mit Fortschrittsanzeige und persönlicher Auswertung, kostenlos und ohne Zeitdruck.
Kostenlos mit dem Lernen beginnenEinen Überblick über die übrigen Bauformen von der Groundplane bis zur Drahtantenne findest du im Antennen-Guide.
Häufige Fragen
Was ist eine Yagi-Antenne?
Eine Richtantenne aus einem gespeisten Element und mehreren parasitären Elementen. Reflektor und Direktoren hängen nicht an der Speiseleitung, sondern werden durch das Feld des gespeisten Elements angeregt. Fachlich korrekt heißt sie Yagi-Uda-Antenne.
In welche Richtung strahlt eine Yagi?
Entlang des Booms, vom Reflektor über den Strahler in Richtung der Direktoren. Der Boom zeigt also die Hauptstrahlrichtung an, während die Elemente quer dazu liegen und die Polarisation bestimmen.
Welches Element ist der Reflektor?
Üblicherweise das längste Element, und es sitzt hinter dem gespeisten Strahler. Direktoren sind meist kürzer und sitzen davor. Die genauen Längen hängen aber vom Gesamtentwurf ab, feste Prozentregeln gibt es nicht.
Wie viel Gewinn hat eine Yagi?
Das lässt sich aus der Elementzahl nicht ableiten. Entscheidend ist die Boomlänge in Wellenlängen. In einer konkreten simulierten Langboom-Reihe erreicht ein Boom von rund 3 Wellenlängen etwa 15 dBi und einer von 14 Wellenlängen etwa 20 dBi. Andere Entwürfe weichen davon ab, und eine Einzel-Yagi mit 20 dBi ist bereits sehr lang.
Was bedeutet das Vor-Rück-Verhältnis?
Es vergleicht die Abstrahlung in Hauptstrahlrichtung mit der bei exakt 180 Grad, angegeben in Dezibel. Zusätzlich wird oft ein Worst-Case-Wert über den gesamten rückwärtigen Bereich genannt, weil manche Entwürfe genau bei 180 Grad ein tiefes Minimum haben, daneben aber deutliche Rückkeulen.
Braucht eine Yagi einen Balun?
Bei einem symmetrischen Strahler und Koaxspeisung ist eine Symmetrierung oder Mantelwellensperre meist sinnvoll. Sonst wird der Kabelschirm Teil der Antenne, das Richtdiagramm verzerrt sich und die gemessene Impedanz hängt von der Kabelführung ab. Anpassung und Symmetrierung sind dabei zwei verschiedene Aufgaben.
Kann man eine Yagi direkt an 50 Ohm anschließen?
Nur wenn der Entwurf darauf ausgelegt ist. Viele klassische Hochgewinn-Yagis liegen bei 20 bis 30 Ohm und brauchen ein Anpassnetzwerk. Ein Hairpin-Match passt dabei nur, wenn der Strahler entsprechend kapazitiv eingestellt ist - Strahlerlänge und Shunt-Induktivität wirken zusammen. Alternativen sind Gamma-Match, T-Match oder ein Viertelwellentransformator.
Wie berechnet man eine Yagi?
Am zuverlässigsten, indem du einen erprobten Entwurf unverändert nachbaust oder maßstäblich skalierst. Einzelne Elemente mit einer Dipolformel zu berechnen funktioniert nicht, weil alle Elemente miteinander koppeln. Für eigene Änderungen ist eine vollständige Simulation der richtige Weg.
Bedeutet gutes SWR auch guten Gewinn?
Nein. Das SWR beschreibt allein die Impedanzanpassung am Messpunkt. Eine falsch herum montierte oder fehlerhaft aufgebaute Yagi kann ein hervorragendes SWR zeigen und trotzdem kaum Richtwirkung haben.
Wie wird eine Yagi polarisiert?
Durch die Ausrichtung der Elemente, nicht durch die Richtung des Booms. Waagerechte Elemente bedeuten horizontale Polarisation, senkrechte vertikale. Für zirkulare Polarisation braucht es zwei um 90 Grad versetzte Yagis plus eine Phasenverschiebung um eine Viertelwellenlänge.
Warum ändert sich mein SWR, wenn ich das Kabel bewege?
Meist, weil auf der Außenseite des Koaxschirms ein Gleichtaktstrom fließt und das Kabel dadurch selbst abstrahlt. Das ist ein starker Hinweis auf eine fehlende oder unwirksame Symmetrierung - ein Beweis allerdings nicht, denn auch ein schlechter Schirmkontakt oder ein wackliger Stecker erzeugt dasselbe Bild. Nachstellen am Anpassnetzwerk behebt die Ursache in keinem Fall.