Eine Yagi-Uda-Antenne ist eine Richtantenne aus einem gespeisten Element, einem Reflektor und einem oder mehreren Direktoren. Nur das gespeiste Element hängt an der Speiseleitung. Die übrigen Elemente werden durch das Nahfeld angeregt und tragen eigene Ströme. Deren phasenrichtige Überlagerung verstärkt die Abstrahlung entlang des Booms in Richtung der Direktoren und schwächt sie nach hinten ab. So erreicht die Yagi deutlich mehr Gewinn und eine schärfere Richtwirkung als ein einzelner Dipol.

💡 Merksatz: Der Reflektor wirft Funkwellen nicht wie ein Spiegel zurück, und die Direktoren ziehen sie nicht nach vorn. Die Richtwirkung entsteht aus der gegenseitigen Kopplung aller Elemente und der Überlagerung ihrer Felder.

Was ist eine Yagi-Antenne?

Kurz gesagt: Eine Yagi ist ein Endfire-Array - eine Gruppenantenne, die längs ihrer eigenen Achse strahlt. Ein einziges Element wird gespeist, alle anderen arbeiten parasitär. Und weil sie eine passive lineare Antenne ist, gilt Reziprozität: Beim Empfang hat sie dieselbe Richtcharakteristik und denselben Gewinn wie beim Senden.

❌ "Eine Yagi verstärkt das Sendesignal."
Sie erzeugt keine zusätzliche Leistung. Der Gewinn entsteht durch Bündelung: In Vorzugsrichtung wird mehr Feldstärke erzeugt, in anderen Richtungen entsprechend weniger. Die Antenne verteilt die abgestrahlte Leistung ungleichmäßiger. Dazu kommt der Wirkungsgrad - Verluste im Material und im Anpassnetzwerk drücken den realen Gewinn unter die reine Richtwirkung.

Wer hat sie erfunden?

Die Entwicklung fand ab etwa 1924 an der Universität Tohoku in Sendai statt. Shintaro Uda erarbeitete das Prinzip experimentell und veröffentlichte ab 1926 eine Serie von Aufsätzen. Sein Vorgesetzter Hidetsugu Yagi arbeitete an den zugrundeliegenden Fragen und machte das Konzept ab 1928 durch englischsprachige Veröffentlichungen außerhalb Japans bekannt. Weil Uda darin nicht im Vordergrund stand, setzte sich im Westen der kurze Name durch - fachlich korrekt heißt sie Yagi-Uda-Antenne. Das IEEE würdigte die Entwicklung 1995 als Milestone.

Woraus besteht eine Yagi?

Richtantenne in der Draufsicht: oben ein langer gerader Stab mit 1 beschriftet, in der Mitte ein Faltdipol mit Speisepunkt mit 2 beschriftet, unten ein kürzerer Stab mit 3 beschriftet
1 Reflektor, 2 Strahler (hier als Faltdipol), 3 Direktor. Gestrahlt wird in Richtung des Direktors (Quelle: BNetzA-Fragenkatalog)
ElementPositionLängeWirkung
Reflektorhinter dem Strahlermeist etwas längerprägt besonders die Rückdämpfung, wirkt aber ebenso auf Gewinn und Speisepunktimpedanz
Strahlerdas gespeiste Elementungefähr resonantder einzige Anschluss an die Speiseleitung
Direktorenvor dem Strahlermeist etwas kürzerbündeln nach vorn, bestimmen mit der Boomlänge den Gewinn

Der Strahler muss kein einfacher Halbwellendipol sein. Verbreitet sind auch Faltdipole - wie in der Zeichnung oben -, geteilte Dipole und Schleifenelemente. Exakt $\lambda/2$ lang ist er ohnehin selten: Die parasitären Elemente und das Anpassnetzwerk verschieben seine Resonanz.

⚠️ Zwei Verwechslungen, die sich hartnäckig halten. Der Boom zeigt die Hauptstrahlrichtung, die Elemente bestimmen die Polarisation - waagerechte Elemente heißt horizontal polarisiert, senkrechte vertikal. Und die Hauptkeule zeigt zu den Direktoren, nicht zum Reflektor. Wer die Antenne falsch herum montiert, richtet sie um 180 Grad daneben aus - mit der deutlich schwächeren Rückwärtsabstrahlung als einzigem Rest.

Wie funktioniert eine Yagi wirklich?

Nur der Strahler bekommt HF-Leistung. Sein Nahfeld induziert Ströme in Reflektor und Direktoren, und diese Ströme strahlen ihrerseits ab. Entscheidend ist ihre Phase - und die hängt daran, ob ein Element länger oder kürzer als resonant ist:

Reflektor - länger als resonant
  • seine Selbstimpedanz ist bei Betriebsfrequenz induktiv
  • der induzierte Strom bekommt dadurch eine andere Phasenlage
  • seine Abstrahlung löscht nach hinten teilweise aus
Direktor - kürzer als resonant
  • seine Selbstimpedanz ist kapazitiv
  • die Phase verschiebt sich in die entgegengesetzte Richtung
  • seine Abstrahlung addiert sich nach vorn

Sauber beschreiben lässt sich das nur über die gegenseitige Impedanz. Ein parasitäres Element hat keine eigene Klemmenspannung wie ein gespeistes Bauteil - Amplitude und Phase seines Stroms ergeben sich erst aus Selbstimpedanz, Kopplung, Abstand und Länge aller Elemente zusammen. Deshalb koppeln auch die parasitären Elemente untereinander, und deshalb hat eine Yagi eine andere Speisepunktimpedanz als ein freier Dipol.

Bei längeren Yagis kommt eine zweite Sichtweise dazu: Die Direktorenkette lässt sich als langsamwellige gekoppelte Struktur beschreiben, entlang derer sich eine Welle mit einer Phasengeschwindigkeit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit fortpflanzt. Ein Hohlleiter ist das nicht - es fehlt jede geschlossene leitende Struktur. Wie die Direktoren dabei dimensioniert werden, hängt an der Entwurfsfamilie: Manche Reihen staffeln Längen und Abstände fortlaufend, andere arbeiten über weite Strecken mit gleich langen Direktoren in konstantem Abstand.

❌ "Reflektor 5 Prozent länger, Direktoren 5 Prozent kürzer, Abstand 0,2 Lambda."
Das sind Startwerte für eine allererste Skizze, kein Bauplan. In optimierten Entwürfen hat praktisch jedes Element eine eigene Länge und einen eigenen Abstand. Richtdiagramm und Impedanz ergeben sich gemeinsam aus Zahl, Länge, Durchmesser und Abstand aller Elemente.

Die wichtigsten Kenngrößen

Gewinn - und der Bezug dazu

Eine Gewinnangabe ohne Bezugsantenne ist nicht eindeutig:

$G_\mathrm{dBi} = G_\mathrm{dBd} + 2{,}15\ \mathrm{dB}$

dBi bezieht sich auf den isotropen Kugelstrahler, dBd auf den Halbwellendipol. Der Unterschied von gut zwei Dezibel klingt harmlos, macht in Prospekten aber genau den Unterschied zwischen einer guten und einer herausragenden Antenne. Prüfe im Datenblatt immer, welcher Bezug gemeint ist.

Vor-Rück-Verhältnis

Das F/B vergleicht die Abstrahlung nach vorn mit der bei exakt 180 Grad. Vorsicht: Manche Entwürfe erreichen genau bei 180 Grad ein tiefes Minimum, haben aber daneben kräftige Rückkeulen. Deshalb wird zusätzlich ein Worst-Case-Wert über den gesamten rückwärtigen Bereich angegeben - und die beiden Zahlen können weit auseinanderliegen. Für eine 19-Element-Yagi nach DL6WU nennt eine NEC-Modellrechnung 30,0 dB bei 180 Grad, aber nur 23,8 dB im ungünstigsten Fall.

Öffnungswinkel

Die Halbwertsbreite ist der Winkel zwischen den Punkten, an denen die Leistung auf die Hälfte abgefallen ist - also 3 dB. Eine Angabe wie "Öffnungswinkel 40 Grad" ist ohne Ebene unvollständig: Die E-Ebene enthält den elektrischen Feldvektor und die Hauptstrahlrichtung, die H-Ebene steht senkrecht dazu. Bei einer üblich montierten Yagi mit waagerechtem Boom und waagerechten Elementen entspricht der E-Ebenen-Schnitt dem Azimutdiagramm - bei anderer räumlicher Ausrichtung gilt diese Zuordnung nicht.

Speisepunktimpedanz

Eine Yagi hat nicht automatisch 50 Ohm. Die gegenseitige Kopplung zieht die Impedanz gegenüber dem freien Dipol nach unten, und viele klassische Hochgewinnentwürfe landen im Bereich 20 bis 30 Ohm. Das ist kein Fehler, sondern Absicht - es braucht dann eben ein Anpassnetzwerk. Andere Yagis werden umgekehrt gezielt auf rund 50 Ohm gerechnet.

Bandbreite

Auch hier lohnt die Differenzierung. Eine Antenne kann über ein ganzes Band gutes SWR zeigen, während Gewinn und Rückdämpfung an den Bandenden längst eingebrochen sind. Klassische schmalbandige Yagis erreichen Größenordnungen von zwei bis drei Prozent der Mittenfrequenz, eine auf maximalen Gewinn getrimmte Dreielement-Yagi kann darunter liegen. Breitband-Entwürfe wie OWA kommen deutlich weiter.

Boomlänge statt Elementzahl

Das ist die praktisch wichtigste Erkenntnis dieses Artikels: Die Elementzahl allein sagt fast nichts über den Gewinn. Maßgeblich ist die Boomlänge in Wellenlängen. Die folgenden Werte stammen aus NEC-4-Modellrechnungen von L. B. Cebik an der DL6WU-Reihe für 432 MHz im Freiraum - sie zeigen den Trend, lassen sich aber nicht auf beliebige Yagis übertragen.

BoomlängeElementeModellierter Freiraumgewinn
2,85 λ12rund 14,7 dBi
5,6 λ19rund 17,2 dBi
8,4 λ26rund 18,6 dBi
14 λ40rund 20,4 dBi

Zwei Dinge fallen auf. Erstens flacht die Kurve deutlich ab: Von 2,85 auf 5,6 Wellenlängen bringt eine Verdopplung des Booms noch 2,5 dB, von 8,4 auf 14 Wellenlängen nur noch 1,8 dB. Zweitens unterscheiden sich Entwürfe bei gleicher Boomlänge und gleicher Elementzahl je nach Optimierungsverfahren um mehr als ein halbes Dezibel. Eine Einzel-Yagi mit rund 20 dBi ist bereits sehr lang und mechanisch anspruchsvoll. Eine physikalische Obergrenze ist das nicht - mehr geht mit noch längeren Strukturen, nur wird der Mehrertrag immer kleiner.

💡 Was daraus folgt: Eine eng gepackte Yagi mit elf Elementen auf kurzem Boom muss keinen höheren Gewinn haben als eine sauber optimierte mit sieben Elementen auf längerem Boom. Wenn ein Datenblatt nur die Elementzahl nennt und die Boomlänge verschweigt, fehlt die entscheidende Angabe.

Warum man nicht alles gleichzeitig optimieren kann

Ein Yagi-Entwurf ist immer ein Kompromiss. Was du an einer Stelle gewinnst, zahlst du an anderer.

OptimierungszielTypischer Preis bei begrenzter Boomlänge
maximaler Gewinnschmalere Bandbreite, oft schlechteres Vor-Rück-Verhältnis
maximales Vor-Rück-Verhältnisetwas weniger Gewinn
direkte 50-Ohm-Anpassungandere Elementabstände, häufig etwas weniger Maximalgewinn
große Bandbreitedickere Elemente, geringerer Spitzengewinn
kurzer Boombegrenzt den erreichbaren Gewinn grundsätzlich

Deshalb gibt es Entwurfsfamilien mit unterschiedlichen Prioritäten. DL6WU bezeichnet systematisch dimensionierte Langboom-Yagis für VHF und UHF. Die NBS-Entwürfe gehen auf eine Messreihe des amerikanischen National Bureau of Standards von 1976 zurück und entstanden vor der Verbreitung numerischer Modellierung. OWA-Entwürfe nutzen eine gezielte Anordnung der ersten parasitären Elemente, um Impedanz- und Richtdiagrammbandbreite zu verbessern; die Zielimpedanz hängt vom konkreten Design ab.

Die Tabelle nennt Tendenzen, keine Naturgesetze. Moderne numerische Optimierung kann mehrere Ziele gleichzeitig ordentlich erfüllen - nur eben keines davon absolut maximieren.

Prüfungsfragen zur Yagi-Antenne

Yagi in der Prüfung

Fünf Originalfragen aus dem Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, aus den Klassen E und A. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

EG212 An welchem Element einer Yagi-Uda-Antenne erfolgt die Energieeinspeisung? Sie erfolgt am ...

  • Strahler
  • Direktor
  • Reflektor
  • Strahler und am Reflektor gleichzeitig

EB309 Die Polarisation des Sendesignals in der Hauptstrahlrichtung dieser Richtantenne ist ...

Perspektivische Zeichnung: Auf einem Gittermast sitzt eine Yagi, deren Boom waagerecht verläuft und deren Elemente ebenfalls waagerecht liegen; der Strahler ist ein Faltdipol
  • horizontal.
  • vertikal.
  • rechtsdrehend.
  • linksdrehend.

AG222 Worin unterscheidet sich eine Yagi-Uda-Antenne mit 11 Elementen von einer mit 3 Elementen? Bei der Antenne mit 11 Elementen ist ...

  • der Öffnungswinkel verringert.
  • der Öffnungswinkel erhöht.
  • der Strahlungswiderstand erhöht.
  • das Vor-Rück-Verhältnis verringert.

AG221 Die folgende Skizze zeigt das Horizontaldiagramm der relativen Feldstärke einer Yagi-Uda-Antenne. Wie groß ist im vorliegenden Fall die Halbwertsbreite (Öffnungswinkel)?

Polardiagramm der relativen Feldstärke mit breiter Hauptkeule nach rechts, kleiner Rückkeule nach links und Winkelskala von 320 bis 40 Grad
  • Etwa 55 °
  • Etwa 34 °
  • Etwa 69 °
  • Etwa 27 °

AG126 Für die Erzeugung von zirkularer Polarisation mit Yagi-Uda-Antennen wird eine horizontale und eine dazu um 90 ° um die Strahlungsachse gedrehte Yagi-Uda-Antenne zusammengeschaltet. Was ist dabei zu beachten, damit tatsächlich zirkulare Polarisation entsteht?

  • Bei einer der Antennen muss die Welle um $\lambda/4$ verzögert werden. Dies kann entweder durch eine zusätzlich eingefügte Viertelwellen-Verzögerungsleitung oder durch mechanische "Verschiebung" beider Yagi-Uda-Antennen um $\lambda/4$ gegeneinander hergestellt werden.
  • Bei einer der Antennen muss die Welle um $\lambda/2$ verzögert werden. Dies kann entweder durch eine zusätzlich eingefügte $\lambda/2$-Verzögerungsleitung oder durch mechanische "Verschiebung" beider Yagi-Uda-Antennen um $\lambda/2$ gegeneinander hergestellt werden.
  • Die Zusammenschaltung der Antennen muss über eine Halbwellen-Lecherleitung erfolgen. Zur Anpassung an den Wellenwiderstand muss zwischen der Speiseleitung und den Antennen noch ein $\lambda/4$-Transformationsstück eingefügt werden.
  • Die kreuzförmig angeordneten Elemente der beiden Antennen sind um 45 ° zu verdrehen, so dass in der Draufsicht ein liegendes Kreuz gebildet wird. Die Antennen werden über Leitungsstücke gleicher Länge parallel geschaltet. Die Anpassung erfolgt mit einem Symmetrierglied.

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

⚠️ Zu AG222 eine Einordnung. Die Prüfungsfrage vergleicht zwei vergleichbar ausgelegte Yagis, und in dem Rahmen ist die Antwort richtig: mehr Elemente, engerer Öffnungswinkel. In der realen Konstruktion lässt sich der Öffnungswinkel aus der Elementzahl allein aber nicht ableiten - dazu gleich mehr.
Antennendiagramme lesen können ist Prüfungsstoff in den Klassen E und A - vom Erkennen der Antennenart bis zum Ablesen der Halbwertsbreite.
Antennentechnik für die Prüfung lernen

Speisung und Anpassung

Weil die Speisepunktimpedanz selten genau 50 Ohm beträgt, braucht es meist ein Anpassnetzwerk. Die Auswahl ist überschaubar:

VerfahrenPrinzipPasst gut, wenn ...
Direktspeisungder Entwurf ist auf 50 Ohm gerechnetEinfachheit wichtiger ist als das letzte Dezibel
Faltdipoltransformiert nach obendie Kopplung die Impedanz stark gedrückt hat
Gamma-Matchunsymmetrischer Abgriff mit Serienkondensatordas Element leitend am Boom sitzen soll
Hairpin oder BetaShunt-Induktivität am kapazitiv gemachten Strahlerder Speisewiderstand deutlich unter 50 Ohm liegt
T-Matchsymmetrische Variante des Gamma-Matchein symmetrischer Aufbau gewünscht ist
ViertelwellentrafoLeitungsstück als Übersetzereine saubere reelle Impedanz vorliegt

Für den Viertelwellentransformator gilt $Z_t = \sqrt{Z_1 \cdot Z_2}$. Von 25 auf 50 Ohm brauchst du also $\sqrt{25 \cdot 50} \approx 35{,}4\ \Omega$ - ein Wert, den es kaum zu kaufen gibt. In der Praxis behilft man sich mit zwei parallelgeschalteten Leitungen: Zwei mal 70 Ohm ergeben 35 Ohm, zwei mal 75 Ohm ergeben 37,5 Ohm - beides nah genug am Sollwert. Beide Stücke müssen dieselbe elektrische Länge haben, und Verkürzungsfaktor und Schirmführung gehören mitgedacht.

⚠️ Der Faltdipol transformiert nicht immer 4:1. Die bekannte Regel "aus 73 werden rund 290 Ohm" gilt nur, wenn beide Leiter denselben Durchmesser haben. Speist du den dünneren Leiter, wird das Verhältnis größer, speist du den dickeren, kleiner. Modellrechnungen zeigen bei stark unterschiedlichen Durchmessern Faktoren von unter 3 bis über 7. Für den isolierten Faltdipol liegt das Verhältnis dabei immer über eins - er transformiert also nach oben. Im vollständig gekoppelten Yagi-System hängt die tatsächliche Speisepunktimpedanz zusätzlich von Kopplung und Geometrie ab.

Balun ist nicht dasselbe wie Anpassung

Diese beiden Aufgaben werden oft in einen Topf geworfen, sind aber verschieden:

  • Anpassung verändert die Impedanz.
  • Symmetrierung sorgt dafür, dass beide Hälften des Strahlers gleiche, gegenphasige Ströme führen.

Fehlt die Symmetrierung, koppelt der Koaxschirm einseitig mit einer Strahlerhälfte. Auf seiner Außenseite fließt dann ein Gleichtaktstrom, das Kabel wird Teil der Antenne und strahlt mit. Die Folgen sind ein verzerrtes Richtdiagramm und eine Speisepunktimpedanz, die sich mit der Kabelführung ändert. Ein Balun oder eine Mantelwellensperre am Speisepunkt wirkt dagegen - vorausgesetzt, sie ist für den Frequenzbereich und den konkreten Aufbau ausreichend dimensioniert. Ein Gamma-Match ist dafür kein Ersatz: Es speist einen durchgehenden Strahler unsymmetrisch und transformiert die Impedanz, sagt über den Gleichtaktstrom aber nichts.

Boom, Material und was die Maße verschiebt

Der leitende Boom

Sitzen die Elemente leitend auf einem metallischen Boom, verschiebt sich ihre elektrisch wirksame Länge - Nachbauer kennen das. Interessanterweise zeigen NEC-Modelle diesen Effekt kaum, solange die Elemente an ihrem Strommittelpunkt befestigt sind. Der Grund liegt vermutlich in den Grenzen der Modellierung: Klassische Dünndraht-Modelle bilden rechtwinklige Verbindungen unterschiedlich dicker Leiter, reale Rohrdurchführungen und lokale Oberflächenstromverteilungen nur eingeschränkt ab. Für die Praxis heißt das: Der Effekt ist real, das Modell ist hier nicht der richtige Schiedsrichter.

❌ Universelle Boomkorrekturformeln. Wie stark korrigiert werden muss, hängt an Boomdurchmesser, Elementdurchmesser, Art der Durchführung und Position. Isoliert aufgesetzt, durchgesteckt oder auf Platten geschraubt sind drei verschiedene Fälle. Nimm die Korrektur, die zu deiner konkreten Befestigung dokumentiert ist - oder baue einen Prototyp und miss nach.

Elementdurchmesser

Dickere Elemente verkürzen die Resonanzlänge und verbreitern in der Regel die Bandbreite. Wie sich Speisewiderstand und Gewinn dabei verhalten, hängt vom Gesamtentwurf ab. Eine Modellrechnung an einer bestimmten Dreielement-Yagi für 20 m - Elementabstände unverändert, nur die Durchmesser variiert - zeigt in diesem Fall:

ElementdurchmesserGewinnSpeisewiderstandSWR-Bandbreite
0,5 Zoll7,91 dBi29,6 Ωam schmalsten
1,0 Zoll8,11 dBi25,7 Ωmittel
1,5 Zoll8,25 dBi23,1 Ωam breitesten

Diese Zahlen gelten für genau diesen Entwurf und sind keine allgemeine Regel - bei anderer Geometrie kann der Speisewiderstand mit dickeren Elementen auch steigen. Bei gestuften Elementen aus ineinandergeschobenen Rohren zählt außerdem, wie gestuft wird. Zwei Elemente mit demselben Enddurchmesser können unterschiedlich wirken. Wer einen veröffentlichten Entwurf mit anderem Rohrmaterial nachbaut, muss deshalb neu rechnen.

Einen Entwurf auf eine andere Frequenz skalieren

$L_\mathrm{neu} = L_\mathrm{alt} \cdot \dfrac{f_\mathrm{alt}}{f_\mathrm{neu}}$

Sauber ist das nur, wenn alle linearen Maße mitskalieren - auch Element- und Boomdurchmesser und die Befestigungsgeometrie. Dann skaliert die Boomkopplung näherungsweise mit. Genau daran scheitert es in der Praxis: Man nimmt das Rohr, das man bekommt. Nicht mitskalieren lassen sich ohnehin die Bauteilwerte des Anpassnetzwerks; die müssen nach elektrischen Größen neu bestimmt werden.

✅ Der zuverlässigste Weg zur eigenen Yagi
  1. Einen erprobten Entwurf wählen, der zu deinem verfügbaren Material passt.
  2. Ihn unverändert nachbauen - nicht einzelne Elemente mit einer Dipolformel nachrechnen.
  3. Wenn du etwas ändern musst, die ganze Antenne simulieren, nicht nur das geänderte Element.
  4. Erst am fertigen Aufbau in Endkonfiguration abgleichen.

Abgleich mit dem VNA

Die Reihenfolge entscheidet über den Erfolg:

  1. Antenne vollständig aufbauen, in der Konfiguration, in der sie später hängt
  2. Speiseleitung und Symmetrierglied montieren
  3. Möglichst am Speisepunkt kalibrieren
  4. Komplexe Impedanz über das ganze Band messen, nicht nur das SWR
  5. Zuerst Resonanz und Blindanteil beurteilen, dann das Anpassnetzwerk einstellen
  6. Richtdiagramm und Gewinn separat prüfen

Warum am Speisepunkt? Weil sich die Impedanz entlang einer fehlangepassten Leitung fortlaufend ändert - genau das nutzt ja der Viertelwellentransformator aus. Eine Messung am fernen Kabelende ist deshalb nicht wertlos: Sie zeigt, was der Sender sieht, und bei bekannter Leitung lässt sich die Antennenimpedanz zurückrechnen. Zum gezielten Abstimmen der Antenne ist die Kalibrierung am Speisepunkt trotzdem der bessere Weg - oder ein sauberes Herausrechnen der Speiseleitung.

⚠️ Ein gutes SWR beweist wenig. Es sagt nur, dass die Impedanz am Messpunkt nahe am Wellenwiderstand liegt. Über Gewinn, Vor-Rück-Verhältnis, Nebenkeulen, Mantelwellen und die tatsächliche Hauptstrahlrichtung sagt es nichts. Eine falsch herum montierte Yagi kann ein hervorragendes SWR zeigen.

Fehlersuche

SymptomMögliche Ursache
Resonanz deutlich verschobenBoomkopplung, falscher Rohrdurchmesser, Maße nicht eingehalten
gutes SWR, wenig RichtwirkungElemente vertauscht, schlechte Kontakte, falsche Abstände
Hauptkeule zeigt nach hintenReflektor und Direktoren vertauscht
SWR ändert sich beim Bewegen des KoaxkabelsGleichtaktstrom auf dem Schirm, Symmetrierung fehlt oder wirkt nicht
Vor-Rück-Verhältnis schlechter als simuliertMastkopplung, Kabel, Umgebung, Fertigungstoleranzen
Bandbreite zu kleinsehr dünne Elemente oder ein auf Spitzengewinn getrimmter Entwurf
Regen verändert die AbstimmungWasser im Anschluss oder im Anpassgehäuse

Der hervorgehobene Punkt ist besonders aussagekräftig: Wenn das Messergebnis von der Kabelführung abhängt, koppelt die Speiseleitung ins Antennenfeld. Meist steckt Gleichtaktstrom dahinter - ein Beweis ist es aber nicht, denn auch ein wackliger Stecker, ein schlechter Schirmkontakt oder Bewegung am Speisepunkt selbst können dasselbe Bild erzeugen. Prüfe erst die Kontakte und die Symmetrie des Aufbaus, dann die Gleichtaktdrossel.

Varianten und Ausbaustufen

BauformKennzeichen
ZweielementStrahler plus Reflektor oder Direktor, kompakt, moderater Gewinn
Dreielementder klassische Einstieg für den Selbstbau
Langboomviele Direktoren, schmale Keule, hohe mechanische Anforderungen
OWAauf Bandbreite und stabile 50 Ohm optimiert
Kreuz-Yagizwei um 90 Grad versetzte Ebenen auf einem Boom
MehrbandTraps, verschachtelte Elemente oder getrennte Strahler

Kreuz-Yagi und zirkulare Polarisation

Für Satellitenbetrieb ist zirkulare Polarisation praktisch, weil sich die Polarisationsebene auf dem Weg durch die Ionosphäre dreht. Eine mechanische Kreuzanordnung allein reicht dafür aber nicht: Es braucht zusätzlich eine Phasenverschiebung um 90 Grad, entweder über eine elektrische Viertelwellen-Verzögerungsleitung oder indem beide Antennen um $\lambda/4$ gegeneinander entlang der Strahlungsachse versetzt werden. Genau das fragt der Katalog in AG126 ab. In der realen Kreuz-Yagi ist das ein idealisiertes Modell - Kopplung zwischen beiden Ebenen, verschobene Phasenzentren und die Kabelwege müssen zusammen stimmen.

Gestockte Yagis

Zwei identische Antennen phasenrichtig zusammengeschaltet ergeben theoretisch bis zu 3 dB mehr Gewinn. In Modellrechnungen an konkreten Dreielement-Yagis blieben davon eher 2,0 bis 2,4 dB übrig. Eine allgemeine Grenze ist das nicht: Mit sauberer Phasung, gutem Abstand und verlustarmem Speisenetz kommt man näher an die 3 dB heran, mit ungünstigem Abstand oder verlustreichen Leitungen deutlich weniger weit. Die gegenseitige Kopplung verändert Impedanz und Diagramm, und schon kleine Phasenfehler kosten. Einen universellen Stockungsabstand gibt es nicht - je nachdem, ob du auf Gewinn oder auf Rückdämpfung optimierst, liegt das Optimum woanders.

Antennen verstehen statt Maße abschreiben

Richtdiagramm, Gewinn, Polarisation und Vor-Rück-Verhältnis gehören in den Klassen E und A zum Prüfungsstoff, inklusive Rechenaufgaben zu ERP und Sicherheitsabstand. Im Lernbereich übst du die Originalfragen der Bundesnetzagentur mit Fortschrittsanzeige und persönlicher Auswertung, kostenlos und ohne Zeitdruck.

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Einen Überblick über die übrigen Bauformen von der Groundplane bis zur Drahtantenne findest du im Antennen-Guide.

Häufige Fragen

Was ist eine Yagi-Antenne?

Eine Richtantenne aus einem gespeisten Element und mehreren parasitären Elementen. Reflektor und Direktoren hängen nicht an der Speiseleitung, sondern werden durch das Feld des gespeisten Elements angeregt. Fachlich korrekt heißt sie Yagi-Uda-Antenne.

In welche Richtung strahlt eine Yagi?

Entlang des Booms, vom Reflektor über den Strahler in Richtung der Direktoren. Der Boom zeigt also die Hauptstrahlrichtung an, während die Elemente quer dazu liegen und die Polarisation bestimmen.

Welches Element ist der Reflektor?

Üblicherweise das längste Element, und es sitzt hinter dem gespeisten Strahler. Direktoren sind meist kürzer und sitzen davor. Die genauen Längen hängen aber vom Gesamtentwurf ab, feste Prozentregeln gibt es nicht.

Wie viel Gewinn hat eine Yagi?

Das lässt sich aus der Elementzahl nicht ableiten. Entscheidend ist die Boomlänge in Wellenlängen. In einer konkreten simulierten Langboom-Reihe erreicht ein Boom von rund 3 Wellenlängen etwa 15 dBi und einer von 14 Wellenlängen etwa 20 dBi. Andere Entwürfe weichen davon ab, und eine Einzel-Yagi mit 20 dBi ist bereits sehr lang.

Was bedeutet das Vor-Rück-Verhältnis?

Es vergleicht die Abstrahlung in Hauptstrahlrichtung mit der bei exakt 180 Grad, angegeben in Dezibel. Zusätzlich wird oft ein Worst-Case-Wert über den gesamten rückwärtigen Bereich genannt, weil manche Entwürfe genau bei 180 Grad ein tiefes Minimum haben, daneben aber deutliche Rückkeulen.

Braucht eine Yagi einen Balun?

Bei einem symmetrischen Strahler und Koaxspeisung ist eine Symmetrierung oder Mantelwellensperre meist sinnvoll. Sonst wird der Kabelschirm Teil der Antenne, das Richtdiagramm verzerrt sich und die gemessene Impedanz hängt von der Kabelführung ab. Anpassung und Symmetrierung sind dabei zwei verschiedene Aufgaben.

Kann man eine Yagi direkt an 50 Ohm anschließen?

Nur wenn der Entwurf darauf ausgelegt ist. Viele klassische Hochgewinn-Yagis liegen bei 20 bis 30 Ohm und brauchen ein Anpassnetzwerk. Ein Hairpin-Match passt dabei nur, wenn der Strahler entsprechend kapazitiv eingestellt ist - Strahlerlänge und Shunt-Induktivität wirken zusammen. Alternativen sind Gamma-Match, T-Match oder ein Viertelwellentransformator.

Wie berechnet man eine Yagi?

Am zuverlässigsten, indem du einen erprobten Entwurf unverändert nachbaust oder maßstäblich skalierst. Einzelne Elemente mit einer Dipolformel zu berechnen funktioniert nicht, weil alle Elemente miteinander koppeln. Für eigene Änderungen ist eine vollständige Simulation der richtige Weg.

Bedeutet gutes SWR auch guten Gewinn?

Nein. Das SWR beschreibt allein die Impedanzanpassung am Messpunkt. Eine falsch herum montierte oder fehlerhaft aufgebaute Yagi kann ein hervorragendes SWR zeigen und trotzdem kaum Richtwirkung haben.

Wie wird eine Yagi polarisiert?

Durch die Ausrichtung der Elemente, nicht durch die Richtung des Booms. Waagerechte Elemente bedeuten horizontale Polarisation, senkrechte vertikale. Für zirkulare Polarisation braucht es zwei um 90 Grad versetzte Yagis plus eine Phasenverschiebung um eine Viertelwellenlänge.

Warum ändert sich mein SWR, wenn ich das Kabel bewege?

Meist, weil auf der Außenseite des Koaxschirms ein Gleichtaktstrom fließt und das Kabel dadurch selbst abstrahlt. Das ist ein starker Hinweis auf eine fehlende oder unwirksame Symmetrierung - ein Beweis allerdings nicht, denn auch ein schlechter Schirmkontakt oder ein wackliger Stecker erzeugt dasselbe Bild. Nachstellen am Anpassnetzwerk behebt die Ursache in keinem Fall.

Quellen:Peter P. Viezbicke: Yagi Antenna Design. NBS Technical Note 688, 1976 · L. B. Cebik, W4RNL: Antenna Modeling Notes · Wikipedia: Yagi-Uda-Antenne · Wikipedia: Yagi-Uda antenna · Wikipedia: Balun. Prüfungsfragen und Zeichnungen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Gewinn-, Impedanz- und Bandbreitenangaben stammen überwiegend aus Modellrechnungen und sind Größenordnungen, keine garantierten Werte einer konkreten Antenne.

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