Ein Balun sitzt an der Stelle, an der zwei Welten aufeinandertreffen: die symmetrische Antenne und das unsymmetrische Koaxkabel. Der Name sagt genau das - balanced zu unbalanced. Was er dagegen nicht automatisch tut, ist Impedanz transformieren. Das ist eine Zusatzeigenschaft, und die Verwechslung der beiden Aufgaben ist die Quelle der meisten Missverständnisse zu diesem Bauteil.
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Was ist ein Balun?
Kurz gesagt: Ein Balun ist ein Übergangsglied zwischen einem symmetrischen und einem unsymmetrischen System. Im Amateurfunk speist er typischerweise einen symmetrischen Dipol aus einem unsymmetrischen Koaxkabel und unterdrückt dabei den Gleichtaktstrom auf dem Kabelmantel. Ob er zusätzlich die Impedanz transformiert, hängt vom Übersetzungsverhältnis ab - ein 1:1-Balun tut es ausdrücklich nicht.
Warum sich ein Koaxschirm bei HF wie zwei getrennte Strompfade verhält
Metallisch hat ein Koaxkabel zwei Leiter. Elektrisch verhält es sich bei Hochfrequenz aber wie drei, und das ist der Schlüssel zum ganzen Thema. Bei Hochfrequenz fließt der Strom wegen des Skineffekts nur in einer hauchdünnen Randschicht - auf 5 MHz sind das rund 30 Mikrometer, auf 50 MHz noch etwa 9. Ein Kabelschirm ist ein Vielfaches dicker als diese Schicht. Damit sind Innenseite und Außenseite des Schirms elektrisch zwei verschiedene Leiter, die nichts voneinander mitbekommen:
- Innenleiter und Schirm-Innenseite führen zwangsläufig betragsgleiche, gegenläufige Ströme. Das ist der Gegentaktstrom und der erwünschte Energietransport. Seine Felder heben sich nach außen auf.
- Die Schirm-Außenseite trägt ein davon weitgehend unabhängiges drittes Stromsystem. Was hier fließt, ist der Gleichtaktstrom - die Mantelwelle. Und ein Leiter, durch den HF fließt, strahlt.
Prüfungsfragen zum Balun
Sechs Fragen aus dem Fragenkatalog
Fragetext, Abbildungen und Antworten stammen wörtlich aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
EG304 Wann ist eine Speiseleitung unsymmetrisch?
- Wenn die beiden Leiter unterschiedlich geformt sind, z. B. Koaxialkabel.
- Wenn die hin- und zurücklaufende Leistung verschieden sind.
- Wenn sie außerhalb ihrer Resonanzfrequenz betrieben wird.
- Wenn die Länge nicht einem Vielfachen von $\lambda$/2 entspricht.
AG428 Die Darstellung zeigt die bei Ankopplung eines Koaxialkabels an eine Antenne auftretenden Ströme. Wie kann man den als $I_3$ bezeichneten, unerwünschten Mantelstrom reduzieren?
- Einfügen einer Gleichtaktdrossel oder bei symmetrischen Antennen auch eines Spannungs-Baluns
- Einfügen eines Oberwellenfilters oder bei unsymmetrischen Störeinflüssen auch eines Spannungs-Baluns
- Auftrennen des Koax-Schirms vom Arm 2 der dargestellten Antenne (direkt an oder kurz vor der Antenne)
- Herstellung einer direkten Verbindung zwischen dem Arm 1 der Antenne mit einer guten HF-Erde
EG408 Auf einem Ferritkern sind einige Windungen Koaxialkabel aufgewickelt. Mit diesem Aufbau ...
- lassen sich Mantelwellen dämpfen.
- lassen sich statische Aufladungen verhindern.
- lässt sich die Trennschärfe verbessern.
- lassen sich Oberwellen unterdrücken.
EG210 Welchen Eingangs- bzw. Fußpunktwiderstand hat ein Faltdipol?
- ca. 240 bis 300 Ohm
- ca. 30 bis 60 Ohm
- ca. 60 Ohm
- ca. 120 Ohm
AG422 Dargestellt ist ein HF-Übertrager (Balun). An den Anschlüssen a und b wird ein Faltdipol mit 200 Ohm Impedanz angeschlossen. Welche Impedanz misst man zwischen den Anschlüssen a und m?
- 50 Ohm
- 0 Ohm
- 100 Ohm
- 200 Ohm
AC305 Für die Anpassung einer Antenne mit einem Fußpunktwiderstand von 450 Ohm an eine 50 Ohm-Übertragungsleitung sollte ein Übertrager mit einem Windungsverhältnis von ...
- 3:1 verwendet werden.
- 4:1 verwendet werden.
- 9:1 verwendet werden.
- 16:1 verwendet werden.
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klassen E und A). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Strombalun oder Spannungsbalun?
Das ist die wichtigste Unterscheidung, wichtiger als jedes Übersetzungsverhältnis. Beide Bauarten haben Namen nach ihren Erfindern:
Setzt dem Gleichtaktstrom eine hohe Impedanz entgegen und gleicht die Ströme in beiden Antennenhälften dadurch weitgehend an.
- Hohe Gleichtaktimpedanz, sperrt die Mantelwelle wirksam
- Bleibt auch bei schiefer, unsymmetrisch belasteter Antenne weitgehend wirksam
- Der Kern sieht im Idealfall nur den unerwünschten Gleichtaktanteil
- Für die meisten Amateurfunkanwendungen die robustere Wahl
Erzwingt gleiche Spannungen an beiden Ausgangsklemmen.
- Symmetrische Ströme nur, solange die Last selbst symmetrisch ist
- In der üblichen Bauform nur geringe Gleichtaktimpedanz, deshalb zur gezielten Mantelwellenunterdrückung ungeeignet
- Der Kern überträgt die volle Nutzleistung und kann bei Fehlanpassung in die Sättigung geraten
- Einfacher und billiger zu bauen
Namensgeber sind der Schweizer Elektroingenieur Gustav Guanella, dessen Patent auf eine "in einem elektrischen Netzwerk eingeschaltete Übertragungsvorrichtung mit Leitungscharakter" vom 25. Februar 1944 datiert, und C. L. Ruthroff von den Bell Labs, der seine Bauform 1959 in den Proceedings of the IRE veröffentlichte.
Was der Fragenkatalog dazu sagt
Hier lohnt genaues Hinsehen, weil der Katalog auf den ersten Blick zwei Dinge zu sagen scheint. Frage AG428 nennt als Abhilfe gegen den Mantelstrom "eine Gleichtaktdrossel oder bei symmetrischen Antennen auch einen Spannungs-Balun". Frage AG429 fragt umgekehrt, wieso Mantelwellen auftreten, obwohl ein Spannungsbalun verwendet wird - Antwort: durch ungleichmäßige Belastung der Antenne durch Bäume oder Gebäude sowie durch Einkopplung in den Koaxschirm.
Zusammengenommen ergibt das eine saubere Aussage, und sie deckt sich mit der Messung: Der Spannungsbalun genügt im idealen, symmetrisch belasteten Fall. Sobald ein Dipolschenkel näher am Haus hängt als der andere, hilft er nicht mehr. Genau diese Situation ist im Garten die Regel und nicht die Ausnahme.
1:1, 4:1, 9:1 - Windungen gegen Impedanz
Ein Übertrager transformiert die Spannung im Verhältnis der Windungszahlen und die Impedanz im Quadrat davon. Aus einem Windungsverhältnis von 1:2 wird also ein Impedanzverhältnis von 1:4. Genau das ist gemeint, wenn jemand "4:1-Balun" sagt - das Verhältnis der Impedanzen, nicht der Windungen.
| Verhältnis | Windungsverhältnis | Von 50 Ohm aus | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| 1:1 | 1:1 | 50 Ohm | Dipol, Yagi, Schleife. Reine Symmetrierung |
| 4:1 | 1:2 | 200 Ohm | Faltdipol, OCF-Dipol |
| 9:1 | 1:3 | 450 Ohm | Meist als Unun am Langdraht |
| 49:1 | 1:7 | 2450 Ohm | Als Unun an der endgespeisten Halbwelle |
Nein, es ist ein Verhältnis. Ein 1:1-Balun lässt 50 Ohm als 50 Ohm durch, 450 Ohm als 450 Ohm. Er transformiert nichts - und das ist bei einem Dipol, der ohnehin schon in der Nähe von 50 Ohm liegt, genau das Gewünschte.
Balun oder Unun?
Die Begriffe unterscheiden sich in einem einzigen Buchstaben und in der entscheidenden Eigenschaft:
| Balun | Unun | |
|---|---|---|
| Name | Balanced - Unbalanced | Unbalanced - Unbalanced |
| Eingang | Unsymmetrisch (Koax) | Unsymmetrisch (Koax) |
| Ausgang | Symmetrisch | Unsymmetrisch |
| Symmetriert? | Ja | Nein |
| Beispiel | Koax an Dipol | Koax an Langdraht oder EFHW |
Ein Langdraht hat keinen zweiten, gleichwertigen Anschluss - beide Seiten sind unsymmetrisch. Was dort sitzt, ist deshalb ein Unun, auch wenn "Balun" auf dem Gehäuse steht. Der Unterschied ist nicht akademisch: Ein Unun unterbricht den Gleichtaktstrom nicht, das Koaxkabel wird zum Teil der Antenne und strahlt. Wolfgang Wippermann, DG0SA, hat genau diesen Fall untersucht und formuliert es unmissverständlich: "Zunächst ist festzustellen, dass es sich beim 'magnetischen Balun' um einen Transformator, nicht um einen Balun handelt. Da der 'magnetische Balun' Gleichtaktströme nicht unterbricht, ist das Koaxialkabel mit seiner Länge von 20 m Bestandteil der Antenne und strahlt."
Seine Empfehlung ist entsprechend eindeutig: Zusätzlich zum Übertrager gehört ein 1:1-Strombalun in die Speiseleitung, und zwar möglichst weit außerhalb des häuslichen Störfeldes. Sonst leitet der Schirm die Störungen aus dem Haus ungebremst zur Antenne und wieder zurück.
Welchen Balun brauche ich für meine Antenne?
Die folgende Tabelle ist eine Orientierung und kein Gesetz. Was im Einzelfall passt, hängt von Aufbauhöhe, Umgebung und Bandbelegung ab - und die Speisepunktimpedanz einer realen Antenne weicht regelmäßig von den Lehrbuchwerten ab.
| Antenne | Üblich | Warum |
|---|---|---|
| Halbwellendipol, mittengespeist | 1:1 Strombalun | Speisepunkt liegt ohnehin nahe 50 Ohm. Es geht allein um die Symmetrierung |
| Inverted-V | 1:1 Strombalun | Elektrisch ein Dipol, nur anders aufgehängt. Keine eigene Regel |
| Faltdipol | Meist 4:1 | Fußpunktwiderstand rund 240 bis 300 Ohm, siehe unten |
| OCF-Dipol / Windom | 4:1, teils 6:1, plus Sperre | Außermittige Speisung, dadurch besonders mantelwellenanfällig |
| Delta-Loop, Ganzwellenschleife | 1:1 oder 2:1, je nach Aufbau | Volle Schleifen liegen oft um 100 bis 120 Ohm, höher montierte höher |
| Yagi mit Hairpin | 1:1 Strombalun | Speisepunkt ist symmetrisch, das Kabel soll nicht mitstrahlen |
| Yagi mit Gamma-Match | Kein Balun | Das Gamma-Match speist von Haus aus unsymmetrisch |
| Doublet an Hühnerleiter | 1:1 Strombalun am Tunerausgang | Kein 4:1: Der macht ohnehin niederohmige Bänder noch niederohmiger |
| EFHW | 49:1 Unun plus Sperre | Beide Seiten unsymmetrisch, deshalb kein Balun. Gegengewicht nicht vergessen |
| Langdraht / Random Wire | 9:1 Unun plus Sperre | Wie oben. Der Übertrager allein sperrt keine Mantelwelle |
| Vertikal mit Radials | Kein Balun, aber eine Sperre | Unsymmetrische Antenne, da gibt es nichts zu symmetrieren |
| Magnetic Loop | Kein Balun | Die Koppelschleife wirkt selbst schon wie eine Übertragerwicklung |
Wo gehört der Balun hin?
Zwei Antworten, je nach Aufbau:
- An den Speisepunkt der Antenne. Der Regelfall. Dort entsteht die Unsymmetrie, dort soll sie aufhören.
- An den Ausgang des Antennentuners, wenn eine symmetrische Leitung an einem unsymmetrischen Antennentuner hängt. Ausdrücklich an den Ausgang, nicht an den Eingang: Messungen an realen Tunern zeigen, dass die Streukapazitäten der Bauteile gegen das Chassis die Symmetrie sonst deutlich stören.
Ein Balun wirkt am besten dort, wo der Gleichtaktstrom seinen Höchstwert hat. Das ist meist, aber nicht zwingend, direkt am Speisepunkt - wo genau, hängt von Frequenz und Kabellänge ab. In hartnäckigen Fällen sitzen deshalb zwei Sperren im Kabel.
Ferritmaterial: es gibt kein "passt immer"
Die Mischung entscheidet über den Frequenzbereich. Beim Lesen der Herstellerangaben lohnt aber ein genauer Blick: Fair-Rite nennt für jedes Material getrennt, wofür es gedacht ist - Entstörung ist etwas anderes als induktive Anwendung, und ein Balun kann beides sein.
| Mischung | Typ | Anfangspermeabilität | Zur Entstörung | Für induktive Anwendungen |
|---|---|---|---|---|
| 31 | MnZn | 1500 | 1 bis 500 MHz | Nicht dafür beworben |
| 43 | NiZn | 800 | 20 bis 250 MHz | Genannt, unter anderem für Gleichtaktdrosseln |
| 61 | NiZn | 125 | Oberhalb 200 MHz | Bis 25 MHz |
| 77 | MnZn | 2000 | Nicht dafür beworben | Bis rund 100 kHz |
Der Kern ist beliebt und für vieles brauchbar, aber ein Universalmaterial gibt es nicht. Für Mantelwellensperren auf 160 und 80 m ist Mischung 31 häufig die günstigere Wahl, weil Fair-Rite sie zur Entstörung schon ab 1 MHz führt, Mischung 43 dagegen erst ab 20 MHz. Für transformierende Baluns lässt sich aus diesen Entstörbereichen dagegen gar keine Empfehlung ableiten - dort zählen niedrige Verluste, ausreichende Magnetisierungsimpedanz und die Flussdichte im Kern, und dafür kommen andere Mischungen in Frage. Und die Mischung allein entscheidet ohnehin nichts: Kerngröße, Windungszahl und Wickeltechnik gehen genauso ein. Veröffentlichte Messkurven für die konkrete Kombination sagen mehr als jede Materialtabelle.
Wie viel Leistung verträgt ein Balun?
Die Zahl auf dem Gehäuse ist ein Anhaltspunkt für einen Idealfall, nicht mehr. Was tatsächlich zählt:
- Kernmaterial, Kerngröße und Anzahl der Kerne
- Windungszahl und Wickeltechnik
- Frequenz und wie weit sie vom Auslegungsbereich abweicht
- SWR und Blindanteil der Last - bei extremer Fehlanpassung sieht der Kern Spannungen und Ströme, für die er nicht gebaut ist
- Betriebsart - eine Dauerträger-Betriebsart wie FT8 belastet thermisch ein Vielfaches dessen, was dieselbe PEP-Angabe in SSB bedeutet
- Kühlung und Umgebungstemperatur
Wolfgang Krautschneider, DK3SS, hat gebrauchte Baluns vermessen und dabei einen Ringkern gefunden, der mehrfach gebrochen und regelrecht zerbröselt war. Die Symmetrierung war auf 28 MHz vollständig ausgefallen - der Phasenunterschied lag bei null Grad statt bei 180. Das SWR blieb dabei unauffällig gut. Wer einen Balun im Verdacht hat, muss die Gleichtaktunterdrückung messen, nicht das SWR.
Woran man einen fehlenden oder überlasteten Balun erkennt
- Das SWR ändert sich, wenn man das Koaxkabel anfasst oder verlegt
- HF im Shack: kribbelnde Mikrofone, Anzeigen spinnen
- Nachbargeräte stören sich am Sendebetrieb
- Auffällig hohes Empfangsrauschen, das mit der Hausinstallation kommt und geht
- Das Gehäuse wird spürbar warm
- Das SWR driftet während längerer Durchgänge
- Der Effekt ist bei FT8 oder RTTY deutlich stärker als bei SSB
- Ein einzelnes Band fällt aus dem Rahmen
Selbst bauen
Ein 1:1-Strombalun ist ein dankbares Selbstbauprojekt: ein Ringkern, ein paar Windungen, fertig. Zwei verbreitete Wickeltechniken:
- Bifilar gewickelt - zwei verdrillte oder parallel geführte Drähte auf dem Kern. Der Wellenwiderstand der Wicklung sollte zur erwarteten Last passen.
- Koaxkabel auf den Ring - genau das, was Prüfungsfrage EG408 zeigt. Einfach, robust und für die Sperrwirkung völlig ausreichend.
Für die reine Sperrwirkung gibt es außerdem die Bauform ohne Wicklung: Ferrithülsen über das Kabel geschoben. Sie ist bequem, erreicht aber meist eine deutlich kleinere Gleichtaktimpedanz als ein bewickelter Ringkern. Eine Luftspule aus aufgewickeltem Koaxkabel kommt ganz ohne Ferrit aus, wirkt dafür überwiegend induktiv statt ohmsch und ist wegen der Wicklungskapazität schmalbandig.
Balun, Unun, Sperre - wer macht was?
| Bauteil | Symmetriert | Transformiert | Sperrt Gleichtakt |
|---|---|---|---|
| 1:1 Strombalun | Ja | Nein | Ja |
| 1:1 Spannungsbalun | Ja, nur bei symmetrischer Last | Nein | Praktisch nicht |
| 4:1 Balun | Ja | Ja | Je nach Bauart |
| Unun | Nein | Ja | Nein |
| Mantelwellensperre | Nein | Nein | Ja |
| Antennentuner | Nein | Ja, einstellbar | Nein |
Die Zeilen eins und fünf sehen sich nicht zufällig ähnlich: Viele 1:1-Strombaluns sind elektrisch als Gleichtaktdrossel aufgebaut und wirken damit zugleich als Mantelwellensperre. Der Unterschied liegt in der Aufgabe, nicht zwingend im Bauteil - eine Sperre kann auch in einer rein unsymmetrischen Speiseleitung sitzen, wo es gar nichts zu symmetrieren gibt. Alles zur Auslegung, zu Messkurven und zur Frage, wie hoch die Gleichtaktimpedanz sein muss, steht dort ausführlich.
Ein Balun hat ein festes Verhältnis. Passt es nicht zur Last, wird die Anpassung nicht besser, sondern schlechter - ein 4:1 an einer ohnehin niederohmigen Last macht sie noch niederohmiger. Was ein einstellbares Verhältnis braucht, ist Sache des Antennentuners.
Antennen und Anpassung sind Prüfungsschwerpunkt
Symmetrierglieder, Übertrager und Mantelwellen ziehen sich durch Klasse E und A. Der Lernbereich führt dich mit den Originalfragen der Bundesnetzagentur durch die Antennenkapitel, merkt sich deinen Fortschritt und zeigt, welche Themen noch wackeln.
Prüfungsvorbereitung startenHäufige Fragen zum Balun
Brauche ich am Dipol wirklich einen Balun?
In den meisten Fällen ja. Ein Dipol ist symmetrisch, das Koaxkabel nicht - ohne Symmetrierung fließt ein Gleichtaktstrom auf der Außenseite des Kabelmantels, und der strahlt. Die Folgen sind ein verzogenes Strahlungsdiagramm, HF im Shack und Störungen in Nachbargeräten. Empfohlen ist ein 1:1-Strombalun am Speisepunkt. Er transformiert nichts, sondern sorgt nur für gleiche Ströme in beiden Antennenhälften.
Was ist der Unterschied zwischen Balun und Unun?
Ein Balun verbindet eine unsymmetrische Leitung mit einer symmetrischen Last, etwa Koaxkabel und Dipol. Ein Unun verbindet zwei unsymmetrische Systeme und transformiert dabei nur die Impedanz, ohne zu symmetrieren. Am Langdraht und an der endgespeisten Halbwelle sitzt deshalb fast immer ein Unun, auch wenn auf dem Gehäuse Balun steht. Wichtig: Ein Unun unterbricht den Gleichtaktstrom nicht, dort gehört zusätzlich eine Mantelwellensperre in die Leitung.
Strombalun oder Spannungsbalun - was soll ich nehmen?
Für die meisten Amateurfunkanwendungen den Strombalun. Er setzt dem Gleichtaktstrom eine hohe Impedanz entgegen und gleicht die Ströme in beiden Antennenhälften dadurch auch dann weitgehend an, wenn die Antenne unsymmetrisch belastet ist. Ein Spannungsbalun erzwingt nur gleiche Spannungen und hat in der üblichen Bauform kaum Gleichtaktimpedanz. Sobald ein Dipolschenkel näher an Haus oder Baum hängt als der andere, fließen wieder Mantelwellen. Genau darauf zielt auch die Prüfungsfrage AG429 ab.
Was bedeutet 4:1 bei einem Balun?
Das ist das Verhältnis der Impedanzen, nicht der Windungen. Ein 4:1-Balun macht aus 200 Ohm auf der Antennenseite 50 Ohm auf der Kabelseite. Das zugehörige Windungsverhältnis ist die Wurzel daraus, also 1:2. Diese Quadratbeziehung wird in der Prüfung abgefragt: Bei AC305 sollen 450 Ohm an 50 Ohm angepasst werden, das Impedanzverhältnis ist 9, das gesuchte Windungsverhältnis 3:1.
Ist ein 1:1-Balun dasselbe wie eine Mantelwellensperre?
Nicht begrifflich, aber oft praktisch: Viele 1:1-Strombaluns sind elektrisch als Gleichtaktdrossel aufgebaut und wirken deshalb zugleich als Mantelwellensperre. Der Unterschied liegt in der Aufgabe - eine Sperre kann auch in einer rein unsymmetrischen Leitung sitzen, wo es nichts zu symmetrieren gibt. Für einen Spannungsbalun gilt die Gleichsetzung ausdrücklich nicht: Der hat in der üblichen Bauform kaum Gleichtaktimpedanz. Entscheidend ist also nicht das Verhältnis auf dem Etikett, sondern die Bauart.
Welcher Ferritkern ist der richtige?
Das hängt vom Frequenzbereich und von der Aufgabe ab, ein Universalkern existiert nicht. Für Mantelwellensperren auf 160 und 80 m ist Mischung 31 häufig günstiger als die verbreitete 43, weil der Hersteller sie zur Entstörung schon ab 1 MHz führt statt erst ab 20 MHz. Für transformierende Baluns lässt sich aus diesen Entstörbereichen dagegen keine Empfehlung ableiten, dort zählen niedrige Verluste und die Flussdichte im Kern. Dazu kommt: Kerngröße, Windungszahl und Wickeltechnik beeinflussen das Ergebnis mindestens genauso stark wie das Material.
Wie viel Leistung verträgt ein Balun wirklich?
Weniger, als die Zahl auf dem Gehäuse vermuten lässt, sobald die Bedingungen vom Idealfall abweichen. Entscheidend sind Kernmaterial und Kerngröße, Windungszahl, Frequenz, SWR und Blindanteil der Last sowie die Betriebsart. Eine Dauerträger-Betriebsart wie FT8 belastet thermisch ein Vielfaches dessen, was dieselbe Angabe in SSB bedeutet. Das Problem ist dabei fast immer die Erwärmung und nicht die Sättigung des Kerns.
Braucht eine Vertikalantenne einen Balun?
Zum Symmetrieren nicht - eine Vertikalantenne gegen Radials oder Erde ist selbst unsymmetrisch, da gibt es nichts zu symmetrieren. Sinnvoll ist dort aber oft eine Mantelwellensperre, damit der Kabelmantel nicht als zusätzliches Gegengewicht mitarbeitet und Störungen ins Shack trägt. Das ist begrifflich etwas anderes als ein Balun, auch wenn dasselbe Bauteil dahinterstecken kann.
Woran merke ich, dass der Balun defekt ist?
Am SWR meist gar nicht. Bei einer Messreihe an gebrauchten Baluns fand sich ein Ringkern, der mehrfach gebrochen war und dessen Symmetrierung auf 28 MHz vollständig ausgefallen war - das SWR blieb dabei unauffällig gut. Verdächtig sind stattdessen: ein warmes Gehäuse, ein SWR das während längerer Durchgänge wegdriftet, HF im Shack und ein SWR, das sich beim Anfassen des Kabels ändert. Belastbar ist nur eine Messung der Gleichtaktunterdrückung.
Warum verschlechtert ein falscher Balun die Anpassung?
Weil das Übersetzungsverhältnis fest ist. Ein 4:1-Balun teilt die Impedanz stur durch vier. Liegt am Leitungsende gerade ein niederohmiger Wert an, wird er dadurch noch niedriger, und die Anpassung wird schlechter statt besser. Deshalb sitzt an einer mit Hühnerleiter gespeisten Doublet in der Regel ein 1:1-Strombalun, und die eigentliche Transformation übernimmt der Antennentuner.