APRS ist ein digitales Informationssystem des Amateurfunks. Stationen senden damit Positionen, kurze Nachrichten, Wetterdaten, Messwerte und lokale Hinweise - alles über eine einzige, gemeinsam genutzte Frequenz.

💡 Kurzfassung: In Deutschland und weiten Teilen der IARU-Region 1 läuft terrestrisches APRS auf 144,800 MHz mit 1200 bit/s. Ein Funkgerät sendet ein kurzes Datenpaket, Digipeater wiederholen es, IGates schieben es ins Internet - und auf einer Weltkarte erscheint ein Punkt. Zum reinen Zuhören genügt ein Empfänger.

Was ist APRS?

Kurz gesagt: APRS steht für Automatic Packet Reporting System. Funkamateure übertragen damit per Funk Positionen, Nachrichten, Wetterdaten, Telemetrie und Objekte. Digipeater wiederholen die Pakete auf Funk, IGates leiten sie an das internetbasierte APRS-IS weiter.

Entwickelt hat es Bob Bruninga, WB4APR. Vorläufer entstanden bereits in den 1980er Jahren; 1992 stellte er das System auf der TAPR/ARRL Digital Communications Conference vor. Bruninga starb am 7. Februar 2022. Sein wichtigster Satz zu APRS steht bis heute auf der Startseite von aprs.org, und er richtet sich gegen genau das Missverständnis, das die meisten Leute mitbringen:

❌ "APRS ist ein Fahrzeug-Tracking-System"
Bruninga selbst widerspricht: "APRS is not a vehicle tracking system. It is a two-way tactical real-time digital communications system between all assets in a network sharing information about everything going on in the local area." Gedacht war es als Lagebild für alle Beteiligten - Positionen sind davon nur der sichtbarste Teil.

Packet oder Position? Die Quellen widersprechen sich selbst

Hier lohnt ein genauer Blick, weil beide Auflösungen im Umlauf sind - und zwar mit gutem Grund.

  • Die Website aprs.org nennt es durchgehend "Automatic Packet Reporting System".
  • Die offizielle Protokollreferenz APRS101.PDF von 2000 trägt auf der Titelseite "AUTOMATIC POSITION REPORTING SYSTEM" und schreibt in Kapitel 1: "APRS is short for Automatic Position Reporting System."
  • Bruninga bezeichnet die Position-Deutung später ausdrücklich als Irrtum: "Misconception that P stands for Position transmission instead of PACKET reception."

Die Auflösung: Die ursprüngliche Auflösung lautete "Automatic Position Reporting System". Später setzte Bruninga "Automatic Packet Reporting System" durch, weil Positionsmeldungen nur eine von vielen Funktionen sind. Die Protokollreferenz von 2000 verwendet noch die ältere Bezeichnung - sie bleibt als technische Referenz gültig, nur in diesem Punkt ist sie überholt.

Was APRS überträgt

Jedes APRS-Paket beginnt im Informationsfeld mit einem einzelnen Zeichen, dem Data Type Identifier. Er sagt dem Empfänger, was folgt:

ZeichenDatentypWofür
!Position ohne ZeitstempelDer Klassiker, ohne Nachrichtenfähigkeit
=Position ohne ZeitstempelWie oben, aber die Station kann Nachrichten empfangen
/ und @Position mit ZeitstempelWenn der Zeitpunkt mit übertragen wird
:NachrichtKurztext an ein bestimmtes Rufzeichen
;ObjektEin Punkt, den jemand anders setzt - Relais, Treffpunkt, Einsatzstelle
>StatusKurzer Hinweis zur eigenen Station
_WetterberichtTemperatur, Wind, Luftdruck, Niederschlag
TTelemetrieSpannungen, Füllstände, Zählerstände

Dazu kommen Items, Queries, Stationsfähigkeiten und die komprimierten Mic-E-Formate. Die Protokollreferenz zählt zehn Hauptkategorien auf - Fahrzeugpositionen sind eine davon.

Digitale Betriebsarten sind Prüfungsstoff. Digipeater, AFSK, Datenübertragungsraten und der Maidenhead-Locator stehen im offiziellen Fragenkatalog - in Klasse N ebenso wie in E und A. Bei 12db lernst du das strukturiert und übst direkt mit den Originalfragen der Bundesnetzagentur.
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Wie das APRS-Netz arbeitet

Der Weg eines Pakets ist kurz erzählt:

Funkgerät  --Funk-->  Digipeater  --Funk-->  IGate  --Internet-->  APRS-IS  -->  aprs.fi

Nicht jedes Paket durchläuft alle Stationen. Es kann direkt von einem IGate gehört werden, über einen oder zwei Digipeater laufen - oder rein lokal auf Funk bleiben und nie im Internet auftauchen.

BausteinAufgabe
TrackerErzeugt Pakete aus Rufzeichen, Position, Kurs, Geschwindigkeit, Symbol und Kommentar
DigipeaterEmpfängt Pakete auf Funk und sendet sie auf Funk erneut aus. Reine HF-Angelegenheit, kein Internet
IGateNimmt Funkpakete auf und leitet sie ins Internet weiter. Je nach Konfiguration auch zurück auf Funk
APRS-ISDas weltweite Servernetz, das die Daten zwischen IGates und Anwendungen verteilt
aprs.fiEine Kartenanwendung, die aus dem APRS-IS gespeist wird - nicht das System selbst
⚠️ Ein Punkt auf der Karte beweist keinen Funkempfang. Stationen können ihre Daten auch ohne Sender direkt ins APRS-IS einspeisen. Der offizielle Leitfaden von aprs.fi sagt das ausdrücklich. Solche Einträge tragen TCPIP im Pfad - und IGates schieben sie bewusst nicht zurück auf Funk.

Was ein IGate weiterleitet

Üblich ist: alles, was auf Funk gehört wurde, geht ins Internet - welche Pakete ein IGate dabei filtert, hängt aber von Software und Konfiguration ab. Typischerweise nicht weitergeleitet werden Pakete mit TCPIP, TCPXX, NOGATE oder RFONLY im Pfad sowie Drittanbieter- und Abfragepakete. In die Gegenrichtung ist ein IGate deutlich zurückhaltender: Auf Funk darf nur gezielt Ausgewähltes hinaus, in der Praxis vor allem Nachrichten an Stationen, die es kürzlich selbst gehört hat.

Fünf Prüfungsfragen rund um APRS

Fragetext und Antwortmöglichkeiten entsprechen dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (3. Auflage, März 2024). Die Reihenfolge der Antworten mischt diese Seite bei jedem Aufruf neu und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

NF118 Was wird unter einem Digipeater verstanden?

  • Eine Funkstation, die empfangene Datenpakete oder Teile davon automatisch erneut aussendet, ggf. auch zeitversetzt oder wiederholt. Hierbei können einzelne Datenfelder geändert werden.
  • Ein Lineartransponder, der empfangene Datenpakete auf ein anderes Frequenzband umsetzt. Hierbei bleiben die verwendete Modulationsart sowie der Inhalt des Pakets erhalten.
  • Ein integrierter Schaltkreis, der digitale Signale für die Modulation im Funkgerät vorbereitet. Hierbei wird das Rufzeichen der Station regelmäßig in den Datenstrom eingefügt.
  • Eine Relaisstation, die Sprachübertragungen auf einer anderen Frequenz erneut aussendet. Hierbei wird die Lautstärke adaptiv mittels digitaler Signalverarbeitung angepasst.

EE408 Was ist Audio Frequency Shift Keying (AFSK)?

  • Ein durch Frequenzumtastung erzeugtes NF-Signal, mit dem ein Hochfrequenzträger (z. B. mittels FM) moduliert werden kann
  • Ein hochfrequentes PSK-Signal, das mittels automatischer Umtastung auf zwei NF-Träger übertragen wird, um Bandbreite zu sparen
  • Eine Kombination aus digitaler Amplituden- und Frequenzmodulation, um zwei Informationen gleichzeitig zu übertragen
  • Ein unmodulierter Hochfrequenzträger, bei dem die Frequenzabweichung im hörbaren Bereich liegt

EJ212 Sie modulieren Ihren FM-Sender mit einem AFSK-Signal (Niederfrequenzumtastung). Wie können Sie die Bandbreite der Aussendung reduzieren? Durch ...

  • Absenken des NF-Pegels oder des Frequenzhubs
  • Anheben des NF-Pegels oder des Frequenzhubs
  • Absenken der Sendeleistung oder der ZF
  • Anheben der Sendeleistung oder der ZF

BE111 Was ist der Maidenhead-Locator (auch: QTH-Locator oder Standortkenner)?

  • Eine Positionsangabe durch Verweis auf Felder (fields) und Quadrate (squares), die mit Buchstaben und Ziffern kodiert werden
  • Ein Koordinatensystem, in dem der Standort einer Amateurfunkstelle der zuständigen Behörde mitgeteilt werden muss
  • Die Angabe der Standortdaten in Grad, Minuten und Sekunden geographischer Länge und Breite
  • Der geographische Bereich, der sich aus der Zeitzone des Standorts der jeweiligen Amateurfunkstelle ergibt

EA106 Welche Einheit wird üblicherweise für die Datenübertragungsrate verwendet?

  • Bit pro Sekunde (Bit/s)
  • Baud (Bd)
  • Hertz (Hz)
  • Dezibel (dB)

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

Frequenz und Modulation

In Europa läuft terrestrisches APRS auf 144,800 MHz. Der Bandplan der IARU Region 1 führt die Frequenz genau so auf. In Nordamerika ist es dagegen 144,390 MHz - wer amerikanische Anleitungen liest, muss das im Kopf umrechnen.

Technisch wird ein Tonpaar über einen ganz normalen FM-Kanal geschickt:

GrößeWert
VerfahrenAFSK nach Bell 202
Mark (logische 1)1200 Hz
Space (logische 0)2200 Hz
Datenrate1200 bit/s

Weil beide Töne im Sprachbereich liegen, braucht es kein besonderes Funkgerät: Das Signal geht über den Mikrofoneingang hinein und über den Lautsprecherausgang wieder heraus. Genau das macht APRS so zugänglich.

💡 "1200 Baud" oder "1200 bit/s"? Umgangssprachlich heißt es immer "1200 Baud". Sauber ist die Angabe in bit/s - das ist auch die Antwort, die der Prüfungskatalog als übliche Einheit der Datenübertragungsrate erwartet. Bei diesem zweiwertigen Verfahren fallen Symbolrate und Bitrate zahlenmäßig zusammen, deshalb fällt der Unterschied im Alltag nicht auf.

Der Gegenentwurf ist 9600 Baud nach G3RUH: Statt eines Tonpaars durch den Sprachkanal steuert dort ein bandbegrenztes Basisbandsignal den FM-Modulator direkt an. Das braucht Zugriff auf Diskriminator und Modulator, also eine echte Datenbuchse statt der Mikrofonbuchse - dafür überträgt dieselbe Funkstrecke ein Vielfaches an Daten.

Ein APRS-Rohpaket lesen

Wer einmal ein Rohpaket zerlegt hat, versteht APRS. Nehmen wir dieses:

DL1ABC-9>APRS,WIDE1-1,WIDE2-1:!4812.34N/01123.45E>088/013/A=000512 unterwegs
TeilBedeutung
DL1ABC-9Absender mit SSID. Die 9 steht üblicherweise für die Hauptmobilstation
APRSZielfeld. Wird bei APRS nicht zum Routing genutzt, sondern trägt Metadaten - meist eine Softwarekennung wie APDW17 für Dire Wolf
WIDE1-1,WIDE2-1Der gewünschte Digipeater-Pfad
!Data Type Identifier: Position ohne Zeitstempel
4812.34NBreite als Grad, Minuten und Hundertstelminuten
/Symboltabelle. / ist die primäre, \ die alternative
01123.45ELänge, dreistellig im Gradanteil
>Symbolzeichen - in der primären Tabelle ein Auto
088/013Kurs 88 Grad, Geschwindigkeit 13 Knoten
/A=000512Höhe 512 Fuß, nicht Meter
unterwegsFreier Kommentar
⚠️ Knoten und Fuß, nicht km/h und Meter. Das Protokoll stammt aus den USA, und Geschwindigkeit wie Höhe stehen in angelsächsischen Einheiten im Paket. Was deine Karte anzeigt, hat die Software schon umgerechnet - das Rohpaket nicht.

Taucht im Pfad ein Sternchen auf, etwa WIDE1-1*,WIDE2-1, dann hat dieser Digipeater das Paket bereits verarbeitet. Es ist die übliche Darstellung dafür, dass ein Adressfeld als abgearbeitet markiert wurde.

Symbole und Overlays

Ein Kartensymbol besteht immer aus zwei Zeichen: der Tabellenkennung und dem Symbolcode. Bei der alternativen Tabelle darf statt des Backslash auch eine Ziffer oder ein Großbuchstabe stehen - das legt sich als Overlay über das Symbol. Die Protokollreferenz nennt als Beispiel ein Auto-Symbol mit der Ziffer 3, um Fahrzeug Nummer 3 zu kennzeichnen.

Was bedeutet die SSID?

AX.25 sieht vier Bit für die SSID vor, also die Werte 0 bis 15. Ein Rufzeichen ohne sichtbaren Zusatz hat die SSID 0 - die meisten Programme blenden sie einfach aus.

SSIDÜbliche Verwendung
ohneHauptstation, meist fest
-5Andere Netze, Smartphones
-7Handfunkgerät, tragbar
-9Hauptmobilstation
-10Internet, IGates, Echolink, Winlink
-11Ballons, Flugzeuge, Raumfahrzeuge
-13Wetterstationen

Wichtig ist der Status dieser Liste. Sie ist ausdrücklich eine Empfehlung, kein Standard - aprs.org stellte 2012 sogar den Titel des Dokuments klar, um genau diesen Eindruck zu vermeiden. Historisch bestimmte die SSID einmal das Kartensymbol, das übernahm aber schon Mitte der 1990er das Zielfeld.

Digipeater-Pfade: WIDE1-1 und WIDE2-1

Der Pfad legt fest, welche Digipeater ein Paket weiterreichen dürfen. Er ist der wirksamste Hebel, mit dem ein einzelner Nutzer das gemeinsame Netz verbessern oder ruinieren kann.

  • WIDE1-1 spricht den ersten Hop an, auch über kleine lokale Füll-Digipeater. Die sind dort aufgestellt, wo mobile Stationen sonst schlecht herauskommen.
  • WIDE2-1 erlaubt danach einen weiteren Hop über einen Digipeater mit großer Reichweite.
  • Ein Digipeater, der einen passenden WIDEn-N-Eintrag verarbeitet, zählt die Ziffer um eins herunter und markiert den bearbeiteten Pfadabschnitt als benutzt. Bei null ist Schluss. Digipeater, die den Alias nicht unterstützen, lassen den Pfad unangetastet.

2004 räumte Bruninga mit dem sogenannten New-N-Paradigma auf: Die alten Pfadangaben RELAY, WIDE und TRACE ohne Zähler wurden abgeschafft, empfohlen wurde nur noch WIDEn-N mit einem regional passenden N - und zwar höchstens 2, nur in dünn besiedelten Gegenden 3. Europa hat sich dem im November 2008 angeschlossen.

❌ "Ein längerer Pfad bringt mehr Reichweite"
Er bringt vor allem mehr Kollisionen. Alle teilen sich einen einzigen Kanal, und jeder zusätzliche Hop vervielfacht die Aussendungen. Die Begründung von aprs.org ist unbequem konkret: Ist der lokale APRS-Kanal nicht rund 70 Prozent der Zeit still, wird er für die meisten Nutzer unzuverlässig.

Eine zentrale, verbindliche deutsche Pfad-Vorschrift existiert nicht, und eine universelle Empfehlung gibt es ebenso wenig - die richtige Einstellung hängt von Netzdichte, Topografie und örtlichen Absprachen ab. In gut ausgebauten oder stark belegten Gegenden genügen meist WIDE1-1,WIDE2-1 (bis zu zwei Weiterleitungen) oder auch nur WIDE2-1. Der längere Pfad WIDE1-1,WIDE2-2 erlaubt bis zu drei Weiterleitungen und ist nur dort sinnvoll, wo er regional empfohlen wird und die Kanalauslastung ihn verträgt. Feststationen mit guter Lage kommen oft ganz ohne Pfad aus - sie werden von den IGates direkt gehört.

Wer den Kanal versteht, funkt rücksichtsvoller. Bandbreite, Frequenzhub, Modulationsarten und die Regeln für automatisch arbeitende Stationen sind Prüfungsstoff in allen drei Klassen. Bei 12db übst du sie mit den Originalfragen und siehst nach jeder Antwort den Rechenweg.
Digitale Betriebsarten für die Prüfung lernen

Wie oft soll ein Tracker senden?

Die Antwort lautet: so oft wie nötig, so selten wie möglich. Eine Feststation, die sich nicht bewegt, muss ihre Position nicht im Minutentakt wiederholen - alle 30 Minuten genügen.

Für bewegte Stationen gibt es SmartBeaconing, entwickelt von Tony Arnerich, KD7TA, und Steve Bragg, KA9MVA, ursprünglich für den HamHUD. Es macht drei Dinge:

  • Tempoabhängige Rate: Unterhalb einer Mindestgeschwindigkeit wird selten gebakt, oberhalb einer Höchstgeschwindigkeit häufig, dazwischen gleitend interpoliert.
  • Corner Pegging: Überschreitet die Kursänderung einen Schwellenwinkel, geht sofort eine Bake raus - sonst würde jede Abbiegung als schnurgerade Linie erscheinen.
  • Turn Slope: Der Schwellenwinkel wächst bei langsamer Fahrt, damit kleine Richtungsschwankungen im Schritttempo nicht ständig Pakete auslösen.

APRS empfangen: drei Wege

✅ Ohne eigene Station: aprs.fi im Browser öffnen, Rufzeichen oder Ort suchen. Kostet nichts und zeigt sofort, was in deiner Gegend läuft. Nur: Das ist eine Internetkarte, kein Funkempfang.

Wer wirklich mithören will, hat zwei weitere Möglichkeiten:

  • Mit einem SDR-Empfänger: Ein günstiger USB-Stick, eine 2-m-Antenne, dazu Dire Wolf als Decoder. Damit lässt sich sogar ein reines Empfangs-IGate bauen.
  • Mit Funkgerät und Soundkarte: Ein FM-Empfänger auf 144,800 MHz, dessen Audioausgang in den Rechner geht. Dire Wolf übernimmt die Dekodierung.

Dire Wolf von John Langner, WB2OSZ, ist dabei das Arbeitspferd: ein Software-TNC für Windows, Linux und macOS, der als Decoder, Tracker, Digipeater und IGate arbeiten kann. An andere Programme wird er über das KISS-Protokoll angebunden.

💡 Amateurfunk mithören ist zulässig. Das Abhörverbot steht heute in § 5 TDDDG (früher § 89 TKG, zwischenzeitlich § 5 TTDSG). Danach dürfen mit einer Funkanlage nur Nachrichten abgehört werden, die für den Betreiber der Funkanlage, für Funkamateure, für die Allgemeinheit oder für einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind - Amateurfunkaussendungen fallen darunter, für andere Funkdienste gilt das nicht. Inhalte weiterzugeben oder zu veröffentlichen ist noch einmal eine eigene Frage. Für eigene Aussendungen brauchst du ein Amateurfunkzeugnis und die darauf aufbauende Zulassung mit Rufzeichen. Rechtsberatung ist das hier nicht.

Selbst senden

Für eigene Aussendungen brauchst du eine Lizenz und eine der folgenden Lösungen:

LösungVorteilNachteil
Funkgerät mit eingebautem APRSAlles aus einer Hand, GPS integriertMeist teurer
Externer Tracker oder Bluetooth-TNCKoppelt jedes Handfunkgerät mit dem SmartphoneMehrere Komponenten
Raspberry Pi mit Dire WolfSehr flexibel, auch als Digipeater oder IGateHöherer Einrichtungsaufwand
Reine Internet-AppSofort startklarKein Funkweg - das ist kein Amateurfunkbetrieb

Die letzte Zeile ist wichtiger, als sie aussieht: Eine App, die deine Position über das Mobilfunknetz ins APRS-IS schiebt, sendet keine einzige Aussendung über Funk. Auf der Karte sieht das identisch aus.

Die Reihenfolge beim Einrichten

  1. Rufzeichen und SSID eintragen
  2. Frequenz auf 144,800 MHz stellen
  3. Symbol passend zur Stationsart wählen
  4. Pfad setzen, im Zweifel WIDE1-1,WIDE2-1
  5. Sendeintervall festlegen
  6. Erst empfangen, dann senden - wer den eigenen Kanal nicht hört, kann seinen Audiopegel nicht beurteilen
  7. Nach der ersten Aussendung das eigene Rohpaket auf aprs.fi ansehen

Zum Audiopegel gibt es eine hübsche Verbindung zur Prüfung: Ein zu hoher NF-Pegel treibt den Frequenzhub hoch und damit die belegte Bandbreite. Wer die Aussendung schmaler machen will, senkt NF-Pegel oder Hub ab - genau danach fragt der Katalog.

aprs.fi richtig lesen

Die Karte verführt zu Fehlschlüssen. Die häufigsten:

Falsch gelesen
  • Eine alte Position für aktuell halten
  • Die Spur für eine lückenlose GPS-Aufzeichnung halten
  • Den Standort des IGate mit dem des Senders verwechseln
  • Internetpakete für Funkempfang halten
  • Vom Kartensymbol auf den Gerätetyp schließen
Richtig geprüft
  • Zeitstempel des letzten Pakets ansehen
  • Das Rohpaket öffnen und den Pfad lesen
  • Prüfen, welches IGate es aufgenommen hat
  • Auf TCPIP im Pfad achten
  • Symbol und Kommentar zusammen bewerten

Nachrichten über APRS

APRS kann mehr als Positionen zeigen: Es überträgt adressierte Kurznachrichten von bis zu 67 Zeichen. Hängt der Absender eine Nachrichtenkennung an, erwartet er eine Bestätigung - die Gegenstation antwortet dann mit ack und der Nummer. Ohne Kennung wird nicht bestätigt.

Solange keine Bestätigung kommt, wiederholt die sendende Station die Nachricht. Bulletins dagegen richten sich an alle und werden nicht bestätigt - typischerweise ein paar Mal pro Stunde für einige Stunden.

Ob dich eine Antwort erreicht, hängt allerdings am Rückweg: Nicht jedes IGate sendet Daten aus dem Internet zurück auf Funk. In Gegenden ohne bidirektionales IGate kommt deine Nachricht raus, aber nichts zurück.

Datenschutz: was öffentlich wird

Alles, was du sendest, ist öffentlich - Rufzeichen, Position, Geschwindigkeit, Kurs, Höhe, Kommentar. Und es bleibt es: aprs.fi speichert Positionsdaten nach eigener Datenschutzerklärung bis zu drei Jahre.

⚠️ Nachträglich verbergen geht nicht. aprs.fi formuliert das unmissverständlich: Die Historie einer APRS-Station lässt sich nicht löschen, weil die Seite gar nicht prüfen kann, wer du bist. Amateurfunkaussendungen gelten dort als öffentlich - jeder darf sie empfangen, weiterverbreiten und speichern.

Was hilft, muss vor dem Senden passieren: Die Pfadzusätze NOGATE oder RFONLY weisen IGates an, das Paket nicht ins Internet zu geben. Aber auch dazu ist aprs.fi ehrlich - es gibt keine Garantie, dass sich alle daran halten. Der Rat der Seite selbst lautet sinngemäß: Wer seine Position wirklich schützen will, sendet sie nicht.

Zwei praktische Punkte, die oft übersehen werden: Eine Feststation mit exakter Position macht den Wohnort öffentlich. Und ein Bewegungsprofil über Wochen sagt mehr über einen Tagesablauf aus, als den meisten bewusst ist.

APRS über die Raumstation

Auf der ISS läuft ein Digipeater, über den sich mit einfacher Ausrüstung Pakete umsetzen lassen. Hier ist Aktualität aber alles: Die Betriebszustände ändern sich laufend.

💡 Stand 3. August 2026: Laut der offiziellen ARISS-Statusseite ist APRS derzeit auf 437,825 MHz aktiv, über das Kenwood-Gerät im Modul Swesda unter dem Rufzeichen RS0ISS. ARISS bezeichnet den Betrieb ausdrücklich noch als Test- und Fehlersuchphase. Das weicht von der historisch bekannten Frequenz 145,825 MHz ab - vor jedem Versuch die ARISS-Seite prüfen.

APRS, Packet Radio und LoRa-APRS

SystemTechnikTypische Anwendung
APRSAX.25 als UI-Frames, AFSK auf 144,800 MHzPositionen, Nachrichten, Wetter, Objekte
Packet RadioAX.25 mit VerbindungsaufbauMailboxen, Dateiübertragung
LoRa-APRSLoRa auf 433,775 MHzEnergiesparende Tracker, eigene Infrastruktur

Der Unterschied zu klassischem Packet Radio ist grundsätzlich: APRS baut keine gesicherte Verbindung auf. Positions-, Wetter- und Statuspakete gehen unbestätigt raus, ohne Quittung und ohne automatische Wiederholung bei Verlust; nur adressierte APRS-Nachrichten werden auf Anwendungsebene bestätigt und bei ausbleibendem ACK wiederholt. Dafür kann jeder mithören - aus einer Punkt-zu-Punkt-Verbindung wird ein Rundruf. Die Aktualität sichert nicht ein Wiederholmechanismus, sondern die schlichte Tatsache, dass regelmäßig neu gesendet wird.

LoRa-APRS ist ein eigenes Ökosystem, kein Zubehör. Es nutzt eine andere Modulation und ein anderes Band - eine klassische Station auf 144,800 MHz kann LoRa-Pakete weder hören noch dekodieren. Gemeinsam sind vor allem die Datenformate und die Anbindung ans APRS-IS, nicht die Funkstrecke. Die in vielen europäischen LoRa-Netzen verwendete Frequenz 433,775 MHz ist eine regionale Konvention, kein weltweit einheitlicher Kanal: Vor dem Sendebetrieb gehört ein Blick in den nationalen Bandplan und auf die zulässigen Sendeparameter.

Häufige Fehler

  • APRS nur als Positionssystem erklären
  • Zu kurze Sendeintervalle bei Feststationen
  • Unnötig lange Digipeater-Pfade
  • SSID und Kartensymbol verwechseln
  • Internetpakete für Funkempfang halten
  • Eine alte Position für aktuell halten
  • Zu hoher NF-Pegel und damit zu große Bandbreite
  • Bidirektionales IGate ohne Verständnis der Folgen aktivieren
  • Einen Digipeater ohne regionale Abstimmung aufstellen
  • Die eigene Wohnadresse dauerhaft mitsenden

Häufige Fragen

Wofür steht APRS?

Für Automatic Packet Reporting System. Die ältere Auflösung "Automatic Position Reporting System" steht noch in der offiziellen Protokollreferenz von 2000, die in diesem Punkt überholt ist. Der Entwickler Bob Bruninga hat die Position-Deutung selbst ausdrücklich als Missverständnis bezeichnet.

Auf welcher Frequenz läuft APRS in Deutschland?

Auf 144,800 MHz im 2-m-Band, so im Bandplan der IARU Region 1 ausgewiesen. In Nordamerika wird stattdessen 144,390 MHz verwendet. LoRa-APRS ist ein eigenes System und arbeitet in Europa auf 433,775 MHz.

Was kann APRS außer Positionen übertragen?

Kurznachrichten an einzelne Stationen, Bulletins an alle, Wetterdaten, Telemetrie, Statusmeldungen sowie Objekte und Items, mit denen sich Treffpunkte, Relais oder Einsatzstellen auf der Karte markieren lassen. Die Protokollreferenz zählt zehn Hauptkategorien auf.

Was ist ein Digipeater?

Eine Funkstation, die empfangene Datenpakete automatisch erneut aussendet und dabei einzelne Datenfelder ändern kann, etwa den Pfadzähler. Sie arbeitet rein auf Funk und braucht keine Internetverbindung.

Was ist der Unterschied zwischen Digipeater und IGate?

Ein Digipeater wiederholt Pakete auf Funk und vergrößert so die Reichweite. Ein IGate nimmt Funkpakete auf und leitet sie ins Internet an das APRS-IS weiter. Je nach Konfiguration sendet es auch Nachrichten aus dem Internet zurück auf Funk, aber längst nicht jedes IGate tut das.

Was bedeutet WIDE1-1,WIDE2-1?

Das ist ein Digipeater-Pfad, der bis zu zwei Weiterleitungen zulässt. WIDE1-1 spricht die erste an, auch über kleine lokale Füll-Digipeater, WIDE2-1 danach einen Digipeater mit großer Reichweite. Seit dem New-N-Paradigma von 2004 gilt die Empfehlung, höchstens zwei Weiterleitungen zu verwenden; Europa hat sich dem im November 2008 angeschlossen. Ob ein Paket tatsächlich zweimal weitergereicht wird, hängt davon ab, welche Digipeater es hören.

Kann ich APRS empfangen, ohne eine Lizenz zu haben?

Ja. Nach § 5 TDDDG dürfen Nachrichten abgehört werden, die für Funkamateure, für die Allgemeinheit oder für einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind, und Amateurfunk fällt darunter. Zum Empfang genügt ein SDR-Stick oder ein FM-Empfänger mit Dekodersoftware. Für eigene Aussendungen sind dagegen ein Amateurfunkzeugnis und die darauf aufbauende Zulassung mit Rufzeichen nötig.

Warum erscheint meine Station nicht auf aprs.fi?

Meist fehlt der Weg ins Internet: Kein IGate hat dich gehört. Weitere häufige Ursachen sind ein falsch eingestellter Audiopegel, eine falsche Frequenz, ein leerer oder unpassender Digipeater-Pfad oder der Pfadzusatz NOGATE beziehungsweise RFONLY, der die Weiterleitung ins Internet absichtlich unterbindet.

Sind APRS-Positionen öffentlich?

Ja, vollständig. Rufzeichen, Position, Kurs, Geschwindigkeit und Kommentar kann jeder empfangen und speichern. aprs.fi bewahrt Positionsdaten nach eigener Datenschutzerklärung bis zu drei Jahre auf, und eine nachträgliche Löschung der Stationshistorie ist dort nicht vorgesehen.

Kann ich verhindern, dass meine Position im Internet erscheint?

Teilweise. Die Pfadzusätze NOGATE oder RFONLY weisen IGates an, das Paket nicht weiterzuleiten. Eine Garantie gibt es aber nicht, weil sich nicht jede Station daran halten muss, und der Funkempfang durch Dritte bleibt ohnehin möglich. Wirklich sicher ist nur, die Position gar nicht zu senden.

Was ist SmartBeaconing?

Ein Verfahren, das das Sendeintervall an die Fahrsituation anpasst. Bei langsamer Fahrt wird selten gesendet, bei schneller häufiger, und eine deutliche Kursänderung löst sofort eine Aussendung aus. Entwickelt wurde es von Tony Arnerich, KD7TA, und Steve Bragg, KA9MVA.

Ist LoRa-APRS dasselbe wie APRS?

Nein. LoRa-APRS nutzt ein anderes Modulationsverfahren und in Europa das 70-cm-Band auf 433,775 MHz. Eine klassische APRS-Station auf 144,800 MHz kann LoRa-Pakete weder empfangen noch dekodieren. Gemeinsam sind vor allem die Datenformate und die Anbindung ans APRS-IS; die Frequenz ist eine regionale Konvention und kein weltweit einheitlicher Kanal.

Vom Mitlesen zum eigenen Tracker

Empfangen darfst du sofort. Für eine eigene Aussendung brauchst du Zeugnis und Zulassung - und das Wissen dahinter ist genau das, was APRS verständlich macht: Modulation, Bandbreite, Bandpläne und die Regeln für automatisch arbeitende Stationen. 12db bringt dich mit dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur durch alle drei Klassen.

Kostenlos mit dem Lernen beginnen

Quellen:aprs.org: Automatic Packet Reporting System (Startseite) · APRS Protocol Reference 1.0.1, 2000 (PDF) · aprs.org: PROTOCOL.TXT · aprs.org: APRS Tactical Real-time Events · aprs.org: SSID-Empfehlungen · aprs.org: The New n-N Paradigm · aprs.org: WIDE1-1 Fill-in-Digipeater · IARU Region 1: VHF-Bandplan (PDF) · aprs.fi: User Guide · aprs.fi: FAQ zu Datenschutz und NOGATE · Dire Wolf (WB2OSZ) auf GitHub · § 5 TDDDG: Abhörverbot · ARISS: Current Status of ISS Stations · ARRL: Nachruf auf Bob Bruninga, WB4APR. Der Betriebszustand der ISS-Funkgeräte ändert sich laufend; die Angabe gibt den Stand vom 03.08.2026 wieder. Frequenz- und Pfadempfehlungen sind Konventionen der IARU beziehungsweise der APRS-Gemeinschaft, keine Rechtsvorschriften - verbindlich sind Amateurfunkgesetz, Amateurfunkverordnung und die Zuteilungsurkunde.

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