Amateurfunk 2025 - Von ISS-Kontakten bis Mondfunk

Lohnt sich Amateurfunk noch? Klingt nach verstaubten Kellerräumen, Opa mit Kopfhörern und Morsezeichen aus dem letzten Jahrhundert, oder? Falsch gedacht! Während du diesen Artikel liest, funken gerade irgendwo Jugendliche mit Astronauten auf der ISS, reflektieren Signale am Mond oder erreichen mit selbstgebauten Geräten Menschen auf der anderen Seite des Planeten - ganz ohne Internet, ohne Handynetz, ohne irgendwelche Konzerne dazwischen.

Und das ist der eigentliche Reiz: Du weißt vorher nie, ob es klappt. Du spannst einen Draht zwischen zwei Bäume, drehst die Leistung auf fünf Watt und rufst ins Nichts. Vielleicht hört dich niemand. Vielleicht antwortet jemand aus dem Nachbarort. Und vielleicht meldet sich eine Station aus Argentinien, weil die Ionosphäre in genau dieser Minute mitspielt. Kein Dienst, kein Abo, keine Garantie - genau deshalb ist der Moment, in dem sich jemand meldet, etwas wert.

💡 Fun Fact: 2025 haben in Deutschland 753 Menschen die Prüfung zur Einsteigerklasse N bestanden - mehr als bei Klasse E (706) und Klasse A (631). Die jüngste Lizenzklasse ist damit auf Anhieb die meistbestandene. Die Zahlen im Detail gibt es hier.

1. Mit Astronauten sprechen - Live von der ISS

Stell dir vor: Du stehst auf dem Schulhof, hast ein Funkgerät in der Hand und plötzlich hörst du eine Stimme - direkt aus dem Weltall. Das ist keine Science-Fiction, das passiert regelmäßig.

Das ARISS-Programm ermöglicht es Schulen weltweit, direkt mit Astronauten zu sprechen. Die Raumstation zieht in rund 400 Kilometern Höhe mit etwa 27.600 km/h vorbei - ein Überflug dauert je nach Bahn nur wenige Minuten, für den eigentlichen Kontakt bleiben rund zehn Minuten. Danach ist sie hinter dem Horizont weg, und die Fragenliste der Klasse ist entweder abgearbeitet oder eben nicht.

Deutsche Schulen haben das mehrfach durchgezogen. Am 4. Februar 2022 sprach das Johannes-Kepler-Gymnasium Lebach zehn Minuten lang mit Matthias Maurer, der als Funkamateur das Rufzeichen KI5KFH führt. Das Programm läuft weiter: Für 2026 sind Schulkontakte in mehreren Ländern terminiert.

✅ Das Beste: Schon ein einfaches Handfunkgerät reicht, um die ISS zu hören - vorausgesetzt, du erwischst einen passenden Überflug und hast freie Sicht zum Himmel. Bei ARISS-SSTV-Aktionen sendet die Station SSTV-Bilder auf 145,800 MHz, die du dir auf dem Handy dekodieren lassen kannst. Weltraumfotos, live empfangen, ohne Internet.

2. Mondfunk - Dein Signal fliegt 770.000 km

Ja, du hast richtig gelesen. Funkamateure nutzen den Mond als Reflektor. Das nennt sich EME (Earth-Moon-Earth) oder "Moonbounce".

Du schickst dein Signal rund 384.000 Kilometer zum Mond, es wird an der Oberfläche gestreut und kommt nach etwa 2,5 Sekunden wieder auf der Erde an. Gesamtstrecke: gut 770.000 Kilometer. Mit einer entsprechend leistungsfähigen Station hörst du dabei sogar dein eigenes Echo - du rufst und bekommst dich selbst zweieinhalb Sekunden später zurück.

Klingt verrückt? Ist es auch. Von der ausgesendeten Leistung kommt nur ein winziger Bruchteil zurück. Früher waren dafür typischerweise große Antennenanlagen und hohe Sendeleistungen nötig. Digitale Weak-Signal-Verfahren wie JT65 und Q65 haben die Hürde deutlich gesenkt: Heute gelingen Verbindungen auch mit einer einzelnen großen Yagi und einem guten Vorverstärker. Betrieben wird EME vor allem auf 2 m, 70 cm und 23 cm.

💡 Der Reiz: Auf Frequenzen, auf denen sonst nach ein paar hundert Kilometern Schluss ist, kannst du über einen Reflektor in 384.000 Kilometern Entfernung andere Kontinente erreichen - wenn der Mond für beide Stationen gleichzeitig über dem Horizont steht.

3. SOTA & POTA - Wandern trifft Technik

Keine Lust auf Kellerfunk? Dann raus. SOTA (Summits on the Air) und POTA (Parks on the Air) verbinden Outdoor-Abenteuer mit Funktechnik.

Das Prinzip ist bei beiden gleich: Du gehst raus an einen gelisteten Ort, baust dort deine Station auf und sammelst Verbindungen. Zu Hause sitzen die "Jäger" und warten darauf, dass jemand eine neue Referenz aktiviert. Kaum bist du auf dem Band, geht es los - dein Rufzeichen taucht in den Spot-Listen auf, und plötzlich rufen zehn Stationen gleichzeitig.

ProgrammSeitWo du funkstWas die Regeln verlangenFür die Wertung
SOTA2002Gelistete BerggipfelStandort in der Aktivierungszone (in der Regel höchstens 25 Höhenmeter unter dem Gipfel), Stationsausrüstung vom Team selbst zum Standort gebracht, portable Stromversorgung (z.B. Akku oder Solar, kein fossiler Generator), nicht im oder direkt am Fahrzeug4 QSOs mit verschiedenen Stationen
POTAseit 2017/2018 als eigenes ProgrammGelistete Parks und SchutzgebieteDu und die gesamte Ausrüstung innerhalb der Parkgrenze; Betrieb aus dem Fahrzeug ist ausdrücklich erlaubt10 QSOs an einem UTC-Tag

Der Unterschied steckt also nicht darin, ob man wandert oder fährt, sondern in der Strenge: Bei SOTA bringst du deine Stationsausrüstung selbst zum Aktivierungsort und betreibst sie unabhängig von fest installierter Versorgung. Ein fossiler Generator oder ein Kabel zum Auto macht die Aktivierung ungültig. In der Praxis heißt das: Gerät, Antenne und Akku passen problemlos in einen Rucksack. Bei POTA darfst du aus dem Kofferraum funken, dafür brauchst du zehn statt vier Verbindungen, und der Zähler springt um Mitternacht UTC auf null.

In Deutschland gibt es rund 686 aktivierbare SOTA-Gipfel in den beiden Assoziationen DM (Mittelgebirge) und DL (Alpen), und über 1.200 gelistete POTA-Referenzen. Die Chance, dass in deiner Nähe etwas dabei ist, steht gut.

✅ Deine Ausrüstung: Ein kleiner QRP-Transceiver mit fünf bis zehn Watt, eine Drahtantenne am Teleskopmast und ein Akku. Das passt in einen Tagesrucksack. Mehr braucht es nicht, um von einem Gipfel im Harz in Skandinavien gehört zu werden. Details stehen im Lexikon-Eintrag zu SOTA und dem zu POTA.

4. "Geht doch besser mit dem Handy" - Nope!

Ach ja? Dann ruf mal jemanden im Vatikan an. Oder auf einer Antarktis-Forschungsstation. Oder auf einer unbewohnten Insel im Südatlantik.

Im Amateurfunk ist genau das möglich - ohne Telefongebühren, ohne Roaming, ohne Internet. Die deutsche Station DP0GVN auf der Neumayer-Station III in der Antarktis ist über den geostationären Satelliten QO-100 erreichbar. Der Satellit steht rund um die Uhr am selben Fleck des Himmels - ob jemand antwortet, hängt aber daran, ob die Überwinterer gerade an der Station sitzen und auf Sendung sind. Eine Handvoll Menschen auf einem Schelfeis hat schließlich auch anderes zu tun.

Und die Kurzwelle? Die kommt ohne jede Technik im Orbit aus. Die Ionosphäre wirft dein Signal zur Erde zurück, mal nach Italien, mal nach Südafrika, mal nach Australien. Wann welche Richtung offen ist, hängt von Tageszeit, Jahreszeit und Sonnenaktivität ab. Verbindungen über tausende Kilometer sind mit etwas Geduld keine Sensation - planbar sind sie trotzdem nicht.

💡 DX-Challenge: Die ARRL führt derzeit 340 DXCC-Gebiete. Das sind keine Staaten - abgelegene Inseln zählen einzeln, teils sogar unbewohnte wie die norwegische Bouvetinsel im Südatlantik. Auch der Vatikan und der Mönchsstaat Athos stehen eigenständig auf der Liste. Genau das macht die Jagd reizvoll: Manche dieser Gebiete sind nur zu hören, wenn eine DXpedition hinfährt und für zwei Wochen eine Station aufbaut.

Die Sprache der DX-Jäger: drei Fragen aus dem Prüfungskatalog

Fragetext und Antwortmöglichkeiten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab, wo die richtige Antwort immer an erster Stelle steht. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

BB103 Was bedeutet die betriebliche Abkürzung DX?

  • Große Entfernung
  • Kleine Entfernung
  • Auf dem indirektem Weg
  • Auf dem direktem Weg

BE312 Was versteht man im Amateurfunk unter einer "DX-Pedition"?

  • Es ist eine Amateurfunkexpedition zu Ländern oder Inseln, die selten im Amateurfunk zu hören sind.
  • Es ist eine weltweite Aktivitätswoche.
  • Es ist ein internationaler Funkwettbewerb.
  • Es ist eine Zusammenstellung aller noch von Funkamateuren begehrten Länder.

BB105 Eine Station ruft in der Nacht auf 3790 kHz "CQ DX". Wer soll antworten? Nur Stationen ...

  • Stationen von anderen Kontinenten
  • mit DX-Präfix
  • im Nahbereich bis 50 km Entfernung
  • aus Deutschland

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

Live-DX: Wer funkt gerade wohin?

Sieh in Echtzeit, welche Verbindungen gerade weltweit gemacht werden - mit aktuellen Bandöffnungen und Solar-Daten.

Funkwetter öffnen

5. Prominente Funkamateure - Wer ist alles dabei?

Du denkst, Amateurfunk ist nur was für Nerds? Dann schau mal, wer alles ein Rufzeichen hat:

NameRufzeichenBekannt als
Friedrich MerzDK7DQBundeskanzler, CDU-Vorsitzender
Thomas ReiterDF4TRDeutscher Astronaut
Alexander GerstKF5ONODeutscher Astronaut ("Astro-Alex")
Matthias MaurerKI5KFHDeutscher Astronaut
Hans SchlegelDG1KIHDeutscher Astronaut
Steve WozniakWA6BNDApple-Mitgründer
Joe WalshWB6ACUEagles-Gitarrist ("Hotel California")
König Juan CarlosEA0JCEhem. König von Spanien
Fürst Albert II.3A0AGFürst von Monaco (ehrenhalber)

Ob und wie oft die Genannten tatsächlich auf dem Band sind, ist eine andere Frage. Aber die Regeln sind für alle dieselben: Wer sich meldet, wird beantwortet. Es gibt keine VIP-Frequenz und keine Warteschlange, an der man sich vorbeikaufen kann.

6. Satellitenfunk - Dein Zugang zum Orbit

Es gibt nicht nur die ISS da oben. Es gibt Satelliten und Satelliten-Nutzlasten speziell für den Amateurfunk - viele davon tragen die Bezeichnung OSCAR (Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio). Gebaut und betrieben werden sie von AMSAT-Organisationen, von Hochschulen als Ausbildungsprojekte oder als Zusatznutzlast auf einer fremden Mission.

Der Star ist QO-100. Genau genommen ist das kein eigener Amateurfunksatellit, sondern eine Amateurfunk-Nutzlast an Bord des kommerziellen Satelliten Es'hail-2, betreut von der AMSAT-DL. Er sitzt geostationär bei 25,9 Grad Ost - also auf der klassischen Bahn 35.786 Kilometer über dem Äquator, auf der ein Satellit genau so schnell kreist, wie sich die Erde dreht. Für dich heißt das: Der Satellit steht immer an derselben Stelle am Himmel. Antenne einmal ausrichten, fertig, kein Nachführen.

💡 Der Weg ist länger, als die Bahnhöhe vermuten lässt: 35.786 Kilometer gelten nur senkrecht über dem Äquator. Von Deutschland aus schaust du schräg dorthin - der tatsächliche Funkweg ist rund 38.500 Kilometer lang, und der Satellit steht je nach Standort nur etwa 27 bis 33 Grad über dem Horizont. Zwischen Hamburg und München macht das schon einige Grad Unterschied.

Über QO-100 laufen auch Schulkontakte in die Antarktis: Schulklassen sprechen direkt mit den Überwinterern der Neumayer-Station. Koordiniert wird das von der AMSAT-DL, und es braucht Vorlauf und Absprache - der Betrieb hängt an der jeweiligen Crew vor Ort.

Satellitenfunk: drei Fragen aus dem Prüfungskatalog

Fragetext und Antwortmöglichkeiten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.

BE411 Was bedeutet der Begriff Uplink im Bereich der Satellitenkommunikation?

  • Senderichtung von der Erde zum Satelliten
  • Senderichtung vom Satelliten zur Erde
  • Horizontaler Winkel der Antenne
  • Vertikaler Winkel der Antenne

BE412 Was bedeutet der Begriff Downlink im Bereich der Satellitenkommunikation?

  • Senderichtung vom Satelliten zur Erde
  • Senderichtung von der Erde zum Satelliten
  • Horizontaler Winkel der Antenne
  • Vertikaler Winkel der Antenne

NF113 Warum befinden sich bei Satellitenbetrieb Up- und Downlink in der Regel nicht im gleichen Frequenzband? Man benutzt unterschiedliche Frequenzbänder, weil ...

  • dies eine einfachere Trennung von Sende- und Empfangssignal ermöglicht und die Baugröße von Filtern auf dem Satelliten reduziert wird.
  • der Uplink durch die Ionosphäre stärker bedämpft wird als der Downlink.
  • die Bandbreite auf beiden Frequenzbändern aufgeteilt wird und Bandbereiche besser ausgenutzt werden können.
  • man damit den Dopplereffekt vermindert.

Genau darum funkt QO-100 auf 2,4 GHz hinauf und auf 10,5 GHz herunter. Mehr dazu im Lexikon-Eintrag Amateurfunksatelliten - im Lernbereich übst du die Fragen mit Fortschrittsspeicherung.

7. CW - Morsen lebt!

Während alle Welt auf Bildschirme starrt, gibt es Funkamateure, die es noch richtig machen: mit einer Morsetaste, dem eigenen Gehör und jahrelang trainiertem Geschick. Kein Computer, kein Decoder - nur du und die Funkwellen.

CW (Continuous Wave) gehört zu den ältesten Betriebsarten des Amateurfunks - und ist bis heute erstaunlich wirksam. Ganz am Anfang stand allerdings etwas anderes: Die ersten Sender arbeiteten mit Funkenstrecken und gedämpften Wellen, die das halbe Spektrum zukleisterten. Erst Lichtbogen-, Maschinen- und schließlich Röhrensender brachten die saubere, ungedämpfte Welle. Die Funkenstrecke wurde ab 1927 international schrittweise verboten. CW ist also nicht der Urzustand des Funks, sondern das, was übrig blieb, als man es besser konnte.

✅ Warum CW heute noch fasziniert:
  • Funktioniert mit minimaler Ausrüstung - ideal für SOTA und POTA
  • Sehr schmales Signal, deshalb kommt es durch, wo Sprache untergeht
  • Kein Computer nötig - funktioniert auch dann, wenn kein Strom für den Laptop da ist
  • Eine echte Fertigkeit, die du dir erarbeitest
  • Weltweite Gemeinschaft, die diese Tradition pflegt

CW ist für die, die es wirklich selbst machen wollen. Kein automatischer Decoder, keine Software - nur dein Ohr, deine Hand und die Verbindung zu jemandem auf der anderen Seite der Welt. Der erste selbst aufgenommene Anruf, bei dem plötzlich Buchstaben statt Piepsen im Kopf ankommen, ist ein Moment, den dir kein Touchscreen liefert.

Morsen im Prüfungskatalog: verstehst du diese drei?

Keine Sorge, für die Prüfung musst du kein Morsen können - abgefragt wird nur, was die gängigen Abkürzungen bedeuten. Fragetext und Antworten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt.

BB109 Was bedeutet "K" am Ende eines Durchgangs in Telegrafie?

  • Aufforderung zum Senden
  • Unterbrechung der Sendung
  • Bitte warten
  • Beendigung des Funkverkehrs

BB110 Was bedeutet "R" am Anfang eines Durchgangs in Telegrafie?

  • Received (empfangen)
  • Repeat (wiederhole)
  • Rapport (Bericht)
  • Readability (Lesbarkeit)

BE117 Mit welcher Geschwindigkeit sollten Sie einen Anruf in Morsetelegrafie beantworten? In der Regel antworte ich ...

  • genauso schnell oder langsamer als der Anruf.
  • mit meiner gewohnten Geschwindigkeit.
  • mit einem Gebetempo von maximal 60 CPM.
  • mit dem höchsten Tempo, das ich fehlerfrei geben kann.

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

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8. FT8 - Die digitale Seite

Am anderen Ende des Spektrums steht FT8 - eine digitale Betriebsart, die noch arbeitet, wenn längst nichts mehr zu hören ist. Der Decoder holt Verbindungen aus dem Rauschen, bei denen dein Ohr nur noch Zischen wahrnimmt.

Entwickelt haben FT8 der Physik-Nobelpreisträger Joe Taylor (K1JT) und Steve Franke (K9AN), veröffentlicht wurde es 2017. Der Ablauf ist streng getaktet: Alle 15 Sekunden ein Durchgang, davon 12,6 Sekunden Sendezeit. Ein QSO besteht aus wenigen festen Informationen und dauert etwa anderthalb Minuten.

MerkmalFT8CWSprache (SSB)
Schwache Signaledekodiert bis etwa -21 dBsehr gut, die Grenze setzt das Gehörbraucht das stärkste Signal
Computer nötig?JaNeinNein
Lernaufwandgeringhochgering
Ablauffest standardisiertfreifrei
Worauf es ankommtsaubere Station, Pegel, Zeitsynchronisation, AusbreitungHören und GebenSprechen und Bedienen

Die -21 dB nennt die WSJT-X-Dokumentation als Richtwert unter definierten Bedingungen - eine harte Empfangsgrenze ist das nicht, je nach Ausbreitung geht mal mehr, mal weniger. Wichtig ist der Bezug: Alle Signal-Rausch-Angaben in WSJT-X beziehen sich auf eine Referenzbandbreite von 2500 Hz, also ungefähr die Breite eines SSB-Signals. Ohne diese Angabe lassen sich solche Werte nicht sinnvoll vergleichen.

💡 Und die Bandbreite? Ein FT8-Signal belegt rund 50 Hz. Auch ein CW-Signal ist sehr schmal - wie schmal genau, hängt vor allem davon ab, wie weich die Tastflanken geformt sind, weniger vom Gebetempo. Für SSB erlaubt die Amateurfunkverordnung in den klassischen Telefoniebereichen höchstens 2,7 kHz. Aufgepasst bei den oft genannten "250 bis 500 Hz" für CW: Das ist die Filterbandbreite im Empfänger, nicht die Breite des gesendeten Signals.

FT8 und CW sind keine Konkurrenten. Sie verlangen nur Unterschiedliches: CW dein Gehör und deine Hand, FT8 eine saubere Station und Verständnis für Ausbreitung. Wer glaubt, FT8 sei "einfach nur Software anmachen", hat noch keine drei Abende damit verbracht, herauszufinden, warum die eigene Station niemand dekodiert.

9. Maker-Spirit - Bau dein eigenes Funkgerät

In Zeiten von Wegwerf-Elektronik ist Amateurfunk ein Paradies für Bastler. Es gibt unzählige Bausätze - vom einfachen CW-Transceiver für unter 50 Euro bis zum kompletten SDR-Empfänger.

Der Clou: Mit deiner Amateurfunklizenz darfst du deine Geräte auch wirklich benutzen. Ein selbst gebauter Sender am Antennenanschluss ist im Amateurfunk nicht die Ausnahme, sondern ausdrücklich vorgesehen. Du lernst nicht nur Theorie, sondern setzt sie direkt um - und hörst am Ende, ob es funktioniert hat.

💡 Für Einsteiger: QRP Labs bietet günstige Bausätze speziell für den Einstieg. Wer es moderner mag: Ein SDR macht deinen Computer zum Empfänger, und ein Stick für rund 35 Euro reicht, um damit anzufangen.

10. Die Zahlen sprechen für sich

Amateurfunk stirbt aus? Die aktuellen Zahlen sagen etwas anderes:

Klasse31.12.202431.12.2025Trend
Klasse N342817+475 (Klasse erst seit Juni 2024)
Klasse E8.8589.133+275
Klasse A52.11551.155-960
Gesamt61.31561.105stabil

Quelle: Bundesnetzagentur, personengebundene Amateurfunkzulassungen

Die Gesamtzahl bleibt stabil - aber schau genauer hin. Klasse E wächst, und die neue Klasse N hat nach eineinhalb Jahren schon über 800 Funkamateure. Noch deutlicher wird es bei den Prüfungen: 1.578 Teilnehmer 2023, 2.291 im Jahr 2024 - ein Plus von rund 45 Prozent im ersten Jahr mit Klasse N. 2025 waren es 2.261, das Niveau hält sich also. Von den Bestandenen entfielen 753 auf Klasse N, mehr als auf E und A.

💡 Warum sinkt Klasse A? Viele langjährige Funkamateure werden älter, und jede Zulassung, die nicht verlängert wird, fällt aus der Statistik. Der Zuwachs findet derzeit vor allem bei E und N statt - und zeigt, dass weiterhin neue Menschen in den Amateurfunk einsteigen.

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11. Funktioniert, wenn alles andere ausfällt

Kein Strom? Kein Internet? Kein Handynetz? Eine Funkstation spricht direkt mit einer anderen Funkstation - dazwischen muss kein Mobilfunknetz, kein Rechenzentrum und kein Anbieter funktionieren. Das ist der Unterschied.

Notfunk ist dabei kein Randthema, sondern steht im Gesetz: Das Amateurfunkgesetz nennt in § 2 ausdrücklich die "Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen" als einen Zweck des Amateurfunkdienstes - neben Experimenten, technischer Weiterbildung und Völkerverständigung. Und normalerweise dürfen Funkamateure keine Nachrichten für Dritte übermitteln; im Not- und Katastrophenfall entfällt diese Beschränkung.

⚠️ Ehrlich bleiben: Dasselbe Gesetz stellt klar, dass der Amateurfunkdienst kein Sicherheitsfunkdienst ist. Funkamateure ersetzen weder Feuerwehr noch Behördenfunk - sie können die regulären Kommunikationswege in Not- und Katastrophenfällen ergänzen, und arbeiten dabei mit den Einsatzkräften zusammen, nicht an ihnen vorbei.

Der Denkanstoß bleibt trotzdem: Dein Smartphone hängt an Sendemasten, Internet und Stromversorgung. Ein Funkgerät mit Akku und einem Draht im Baum hängt an nichts davon.

12. Funk ist überall - und Funkamateure dürfen experimentieren

Schau dich mal um: Du bist von Funk umgeben. Dein Smartphone nutzt 4G und 5G, dein Laptop WLAN, deine Kopfhörer Bluetooth, dein Auto GPS. Selbst deine Mikrowelle arbeitet mit Funkwellen. Die moderne Welt funktioniert nur, weil Funk funktioniert.

Aber weißt du, wie das alles wirklich funktioniert? Die meisten Menschen nutzen Funk, ohne ihn zu verstehen. Funkamateure sind anders - sie verstehen, experimentieren und entwickeln.

TechnologieFrequenzAmateurfunk-Band in der Nähe
UKW-Radio87-108 MHz2m-Band (144-146 MHz)
WLAN 2,4 GHz2.400-2.483 MHz13cm-Band (2.320-2.450 MHz)
WLAN 5 GHz5.150-5.725 MHz6cm-Band (5.650-5.850 MHz)
5G (mmWave)24-28 GHz1,2cm-Band (24.000-24.250 MHz)

Dafür gibt es für den Amateurfunkdienst ausgewiesene Frequenzbereiche, von Langwelle bis weit in den Mikrowellenbereich. Exklusiv sind sie allerdings nicht. Die Amateurfunkverordnung kennt in Anlage 1 nur zwei Kennzeichnungen, primär (P) und sekundär (S), und stellt in einer Fußnote sogar ausdrücklich klar, dass auch die mit P gekennzeichneten Bereiche gleichzeitig anderen primären Funkdiensten zugewiesen sein können.

Was das praktisch heißt: Auf 40 m (7000 bis 7200 kHz) hat der Amateurfunkdienst primären Status und kann Schutz vor Störungen durch sekundäre Dienste verlangen. Auf 30 m, 60 m und 6 m sowie im 23cm-Band ist er dagegen nur sekundär unterwegs - dort darf er andere nicht stören und muss selbst Störungen hinnehmen. Wer auf 30 m funkt, teilt sich das Band also und ist dabei der Nachrangige.

Primär oder sekundär? Drei Fragen aus dem Prüfungskatalog

Genau dieses Thema kommt in der Prüfung im Bereich Vorschriften dran. Fragetext und Antworten stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur, die Reihenfolge wird bei jedem Aufruf neu gemischt.

VD704 Wie ist ein primärer Funkdienst laut Amateurfunkverordnung (AFuV) definiert?

  • Ein primärer Funkdienst ist ein Funkdienst, dessen Funkstellen Schutz gegen Störungen durch Funkstellen sekundärer Funkdienste verlangen können.
  • Kommerzielle Funkstellen, Funkstellen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sind immer Funkstellen des primären Funkdienstes.
  • Amateurfunkstellen sind keine Funkstellen eines primären Funkdienstes, da der Amateurfunk nach den Bestimmungen des Amateurfunkgesetzes (AFuG) kein Sicherheitsfunkdienst ist.
  • Die Unterteilung in primäre und sekundäre Funkdienste gilt nur für kommerzielle Funkstellen oder Funkstellen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

VD705 Wie ist ein sekundärer Funkdienst laut Amateurfunkverordnung (AFuV) definiert?

  • Ein sekundärer Funkdienst ist ein Funkdienst, dessen Funkstellen weder Störungen bei den Funkstellen eines primären Funkdienstes verursachen dürfen noch Schutz vor Störungen durch solche Funkstellen verlangen können.
  • Ein sekundärer Funkdienst ist ein Funkdienst, dessen Frequenzzuteilung zeitlich später erfolgte. Die Einteilung bedeutet nicht, dass der sekundäre Funkdienst dem primären Funkdienst nachgeordnet ist.
  • Ein sekundärer Funkdienst muss Störungen durch andere hinnehmen und kann die Störungen nicht an die Funkstörungsannahme der Bundesnetzagentur melden.
  • Die Unterteilung in primäre und sekundäre Funkdienste gilt nur für kommerzielle Funkstellen oder Funkstellen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

VD706 In welchem der genannten Frequenzbereiche hat der Amateurfunkdienst primären Status?

  • 7000 bis 7200 kHz
  • 10100 bis 10150 kHz
  • 1850 bis 1890 kHz
  • 135,7 bis 137,8 kHz

Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.

Innerhalb dieser Bereiche darfst du bauen, messen und ausprobieren - auch Dinge, die es kommerziell so noch nicht gibt. Genau daraus sind über die Jahrzehnte Verfahren entstanden, die heute selbstverständlich sind.

✅ Funkamateure helfen der Wissenschaft: Als 2025 angekündigt wurde, die Verteilung von DMSP-Wetterdaten einzustellen, arbeiteten Funkamateure an einem eigenen Decoder. Das Open-Source-Projekt "SatDump" ermöglicht den Direktempfang von Satellitensignalen - ein Beispiel dafür, wie die Amateurfunk-Gemeinschaft technische Lösungen entwickelt, wenn offizielle Wege wegfallen.

Das ist der Geist des Amateurfunks: Probleme lösen, Wissen teilen, Technik vorantreiben - nicht für Profit, sondern aus Neugier und für die Gemeinschaft.

Amateurfunk für Anfänger - Der Einstieg ist einfacher als je zuvor

Du bist Amateurfunk-Anfänger und weißt nicht, wo du starten sollst? Die Klasse N gibt es seit Juni 2024, und sie ist genau dafür gemacht:

  • 195 Technik-Fragen - deutlich weniger als bei Klasse E (463) oder A (716)
  • 10 W ERP auf 10 m, 6,1 W ERP auf 2 m und 70 cm - genug für Relais, lokale Runden und mit etwas Glück die ersten Verbindungen über größere Entfernungen
  • 6 bis 8 Wochen Lernzeit - viele schaffen es in dieser Zeit
  • Kostenlose Lernplattformen - alles online verfügbar

Und die Kosten? Die Bundesnetzagentur berechnet für die Erstprüfung Klasse N 68 Euro, dazu kommen 20 Euro für die Zulassung samt persönlichem Rufzeichen. Macht 88 Euro, einmalig. Zum Vergleich: Klasse E kostet 73,50 Euro, Klasse A 81 Euro Prüfungsgebühr. Ein gebrauchtes Handfunkgerät für 2 m und 70 cm gibt es ab etwa 50 Euro.

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Fazit: Die Zukunft des Amateurfunks ist jetzt

Amateurfunk ist kein Relikt aus der Vergangenheit. Wo sonst kannst du mit Astronauten sprechen, Signale am Mond reflektieren, über einen Satelliten in die Antarktis funken und nebenbei noch Elektronik lernen?

Während Apps kommen und gehen, besteht Amateurfunk seit über 100 Jahren. Die Technik entwickelt sich weiter, aber der Kern bleibt: Menschen verbinden sich über Funkwellen - direkt, ohne Vermittler, über alle Grenzen hinweg. Und niemand garantiert dir, dass es klappt. Genau darum lohnt es sich.

73 - das ist Funkergruß für "Beste Grüße"!

Häufige Fragen

Ist Amateurfunk noch zeitgemäß?

Ja. 2024 gab es in Deutschland rund 45 Prozent mehr Prüfungsteilnehmer als im Vorjahr (2.291 statt 1.578), 2025 waren es 2.261 - das Niveau hält sich. Die Einsteigerklasse N war 2025 mit 753 Bestandenen sogar die meistbestandene Klasse. Moderne Betriebsarten wie FT8, Satellitenfunk über QO-100 und weltweite DX-Verbindungen zeigen: Das Hobby entwickelt sich weiter.

Kann man mit Amateurfunk Astronauten kontaktieren?

Ja. Das ARISS-Programm ermöglicht Schulen direkten Funkkontakt mit der ISS; die Kontakte werden vorher koordiniert und dauern etwa zehn Minuten. Empfangen kannst du die ISS auf 145,800 MHz schon mit einem einfachen Handfunkgerät - vorausgesetzt, du erwischst einen passenden Überflug und hast freie Sicht zum Himmel.

Was kostet der Einstieg in den Amateurfunk?

Die Bundesnetzagentur berechnet für die Erstprüfung der Klasse N 68 Euro, für Klasse E 73,50 Euro und für Klasse A 81 Euro. Dazu kommen einmalig 20 Euro für die Zulassung samt persönlichem Rufzeichen. Ein Einstiegs-Handfunkgerät für 2 m und 70 cm gibt es ab etwa 50 Euro.

Wie lange brauche ich bis zur Lizenz?

Mit der Klasse N sind 6 bis 8 Wochen realistisch. Der Fragenkatalog umfasst dort nur 195 Technik-Fragen - deutlich weniger als bei Klasse E (463) oder A (716).

Sind die Amateurfunkbänder exklusiv für Funkamateure reserviert?

Nein. Die Amateurfunkverordnung unterscheidet in Anlage 1 nur zwischen primärem und sekundärem Status und weist ausdrücklich darauf hin, dass auch primär zugewiesene Bereiche gleichzeitig anderen primären Funkdiensten zustehen können. Auf 40 Metern ist der Amateurfunkdienst primär, auf 30 Metern, 60 Metern, 6 Metern und im 23-Zentimeter-Band dagegen sekundär - dort darf er andere nicht stören und muss Störungen selbst hinnehmen.

Wie viele QSOs braucht eine SOTA- oder POTA-Aktivierung?

Bei SOTA zählt eine Aktivierung formal schon ab einer Verbindung, die Punkte für den Gipfel gibt es aber erst ab vier QSOs mit vier verschiedenen Stationen. Der Standort muss dabei in der Aktivierungszone liegen, in der Regel höchstens 25 Höhenmeter unter dem Gipfel. Bei POTA sind 10 QSOs innerhalb eines UTC-Tages nötig.

Quellen

Angaben zu Reichweiten, Ausrüstung und Ausbreitungsbedingungen sind Größenordnungen und hängen von Standort, Antenne und Bedingungen ab. Gebühren und Zahlen entsprechen dem Stand August 2026. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung.

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