BOS-Funk ist der Funk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, also von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, THW, Zoll und Katastrophenschutz. In Deutschland läuft er heute überwiegend über ein bundesweites digitales Netz nach dem Standard TETRA, betrieben unter der Verantwortung der Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS (BDBOS). Mithören darfst du nicht. Der Digitalfunk ist zusätzlich doppelt verschlüsselt, mit gewöhnlichen Scannern ist er nicht im Klartext zu empfangen.
Was suchst du?
Was ist BOS-Funk?
Kurz gesagt: BOS steht für "Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben". BOS-Funk ist ihr nichtöffentlicher Sprech- und Datenfunk. Nutzen dürfen ihn nur anerkannte Berechtigte, und nur für ihre gesetzlichen Aufgaben. Die Frequenzen teilt die Bundesnetzagentur ausschließlich diesem Kreis zu.
Die BDBOS beschreibt die BOS als staatliche und nichtstaatliche Akteure, die Aufgaben zur Bewahrung oder Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wahrnehmen. Deshalb gehören neben Behörden auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter oder der Arbeiter-Samariter-Bund dazu.
BOS-Funk auf einen Blick
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was bedeutet BOS? | Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben |
| Wer funkt damit? | Polizeien von Bund und Ländern, Feuerwehren, Rettungsdienste, THW, Zoll, Katastrophenschutz, Hilfsorganisationen, Teile der Bundeswehr |
| Welcher Standard? | Digitalfunk nach TETRA, daneben auslaufende analoge Netze |
| Wer ist verantwortlich? | Die BDBOS für das Gesamtnetz, Bund und Länder gemeinsam für den Betrieb |
| Wie groß ist das Netz? | Mehr als 5.000 Basisstationen, rund 1,3 Millionen Endgeräte, etwa 50 Millionen Funksprüche im Monat |
| Ist er öffentlich? | Nein, Teilnahme nur mit Berechtigung |
| Darf man mithören? | Nein. Abhören ist nach § 5 TDDDG verboten und nach § 27 TDDDG strafbar |
Netzzahlen laut BDBOS, abgerufen im Oktober 2026. Die BDBOS nennt dazu keinen Stichtag.

Wer darf am BOS-Funk teilnehmen?
Für den Digitalfunk setzt das BDBOS-Gesetz den Rahmen. Danach steht er den BOS des Bundes, der Bundeswehr und über ein Verwaltungsabkommen den BOS der Länder zur Verfügung. Wer im Einzelnen dazugehört, legt die "Funkrichtlinie Digitalfunk BOS - Anerkennungsrichtlinie" vom 7. Juli 2021 fest. Sie unterscheidet zwei Gruppen:
- Berechtigt kraft Aufgabe: Polizeien der Länder und des Bundes, THW, Zollverwaltung, öffentliche Feuerwehren und anerkannte Werkfeuerwehren, Katastrophen- und Zivilschutzbehörden, Verfassungsschutzbehörden.
- Berechtigt nach Anerkennung: Hilfsorganisationen, Rettungsdienste und weitere Organisationen im Brand- und Katastrophenschutz.
Seit einer Gesetzesänderung von 2019 ist auch die Bundeswehr dabei, etwa mit Sanitätsdienst, Feldjägern und Bundeswehrfeuerwehren. Laut BDBOS nimmt sie aktuell mit bis zu 40.000 Endgeräten teil. Weitere Stellen, zum Beispiel kommunale Ordnungsbehörden, können auf Antrag eine Berechtigung bekommen. Darüber entscheiden die obersten Landesbehörden, meist die Innenministerien.
Für die übrigen Funkanwendungen der BOS, also den analogen Sprech- und Datenfunk, die digitale Alarmierung und den Festfunk, gilt eine eigene Regelung: die "Funkrichtlinie Funkanwendungen BOS" vom 8. Juli 2024. Nach ihr enden unbefristete Berechtigungen zehn Jahre nach ihrem Inkrafttreten. Die Bundesnetzagentur hat die noch unbefristeten Frequenzzuteilungen deshalb im März 2026 nachträglich auf den 18. Juli 2034 befristet (Vfg. 13/2026). Das betrifft diese Zuteilungen, nicht den Digitalfunk der BDBOS, und es ist kein angekündigtes Ende des BOS-Funks.
Was unterscheidet BOS-Funk von Handy, Amateurfunk und CB-Funk?
Ein Handy baut eine Verbindung zu einer Person auf. Im BOS-Funk drückst du die Sprechtaste und erreichst sofort alle Mitglieder einer Rufgruppe, ohne Wählen und ohne Klingeln. Dazu kommen Dinge, die ein Mobilfunknetz für Privatkunden nicht bietet: ein Notruf, der im Netzbetrieb Vorrang vor laufenden Gesprächen bekommt, Statusmeldungen per Tastendruck und ein Direktbetrieb von Gerät zu Gerät, wenn das Netz fehlt.
| BOS-Funk | Amateurfunk | CB-Funk, PMR446, Freenet | |
|---|---|---|---|
| Wer darf senden? | Nur Berechtigte im Dienst | Funkamateure mit Prüfung und Rufzeichen | Jeder, ohne Anmeldung |
| Wozu? | Gefahrenabwehr, Einsatzführung | Technik, Experimente, Verbindungen weltweit, Notfunk | Freizeit, Nahbereich |
| Mithören erlaubt? | Nein | Ja, Amateurfunk ist für Funkamateure bestimmt | Ja, für die Allgemeinheit bestimmt |
| Ausbildung | Sprechfunklehrgang der Organisation | Prüfung bei der Bundesnetzagentur | Keine |
Mehr zu den lizenzfreien Funkdiensten steht unter CB-Funk, PMR446 und Freenet. Einen Überblick über Gerätearten gibt die Seite Funkgeräte.
BOS-Funk abhören: Ist das möglich und erlaubt?
Kurz gesagt: Erlaubt ist es nicht, weder mit Scanner noch mit SDR, App oder über das Internet. Der Digitalfunk ist zusätzlich verschlüsselt, ein Empfänger zeigt dir nur das Signal, keinen Klartext. Was du legal mithören kannst, ist zum Beispiel der Amateurfunk.
Darf man BOS-Funk in Deutschland abhören?
Nein. Die Regel steht in § 5 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG). Mit einer Funkanlage dürfen nur Nachrichten abgehört werden, die für dich selbst, für Funkamateure, für die Allgemeinheit oder für einen unbestimmten Personenkreis bestimmt sind. BOS-Funk ist für keine dieser Gruppen bestimmt.
Ein verbreiteter Irrtum lautet: "Hören ist erlaubt, nur Weitererzählen nicht." Das Gesetz sieht das anders. § 27 TDDDG bestraft beides, das Abhören selbst und die Mitteilung an andere, jeweils mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Das Gesetz trennt dabei zwei Verbote. § 5 Absatz 1 TDDDG verbietet das Abhören, § 5 Absatz 2 die Mitteilung an andere. Das Mitteilungsverbot gilt ausdrücklich auch bei unbeabsichtigtem Empfang: Weder den Inhalt noch die Tatsache, dass du etwas empfangen hast, darfst du weitergeben. Wo die Grenze zwischen zufälligem Empfang und Abhören liegt, ist eine Frage der Auslegung im Einzelfall.
Dass das Verbot nicht nur auf dem Papier steht, zeigt ein Fall aus der Analogzeit. Ein Journalist hatte 1998 Mitschnitte des Polizeifunks in einer Fernsehsendung ausgestrahlt und wurde verurteilt. Das Bundesverfassungsgericht nahm seine Beschwerde 2004 nicht an und hielt das strafbewehrte Abhör- und Mitteilungsverbot für verfassungsgemäß.
Kann man digitalen BOS-Funk abhören?
Mit gewöhnlichen Empfängern nicht. Der Digitalfunk BOS ist zweifach geschützt: Die Luftschnittstelle zwischen Funkgerät und Basisstation verschlüsselt der TETRA-Algorithmus TEA2, zusätzlich verschlüsselt die BOS-Sicherheitskarte im Gerät Ende-zu-Ende. Ein Scanner oder SDR sieht auf 390 MHz ein Signal im Wasserfall. Hörbar machen kann er den Inhalt nicht.
2023 veröffentlichten Forscher unter dem Namen TETRA:BURST fünf Schwachstellen im TETRA-Standard, darunter eine Hintertür im Algorithmus TEA1. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellte klar: Die deutschen BOS setzen TEA1 nicht ein, und in TEA2 und TEA3 fanden die Forscher keine Schwachstelle. Die Vertraulichkeit des Digitalfunks BOS sei "ausdrücklich nicht beeinträchtigt", weil die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht betroffen ist.
Was ist mit analogem BOS-Funk und der Alarmierung?
Analoger Sprechfunk ist unverschlüsselt. Er wird aber immer seltener, und wo er noch läuft, gilt dasselbe Verbot wie für den Digitalfunk. Ein heikler Rest ist die Alarmierung: Viele Feuerwehren und Rettungsdienste werden noch über analoge Funkmeldeempfänger oder digitale Pager nach dem POCSAG-Verfahren alarmiert. Die AG KRITIS stellte 2022 fest, dass solche Alarme in Teilen mehrerer Bundesländer unverschlüsselt gesendet wurden, teils mit Einsatzort und Patientendaten im Klartext. Manche Leitstellen verschlüsseln ihre Alarme inzwischen, teils aber nur die des Rettungsdienstes. Andere Regionen stellen auf digitale Alarmierung über das TETRA-Netz um.
Gibt es eine BOS-Funk-App zum Mithören?
Eine App, die echten BOS-Funk legal hörbar macht, kann es aus den genannten Gründen nicht geben. Hinter dem Suchbegriff "BOS-Funk-App" stecken meist zwei andere Dinge:
- Alarmierungs-Apps für Einsatzkräfte wie DIVERA 24/7. Sie schicken Alarme und Rückmeldungen an die Mitglieder einer Feuerwehr oder Hilfsorganisation, nicht an die Öffentlichkeit.
- Warn-Apps für die Bevölkerung wie NINA. Sie verbreiten amtliche Warnungen, keinen Funkverkehr.
Wer aktuelle Einsatzinfos sucht, findet sie in den Pressemeldungen und Social-Media-Kanälen von Polizei, Feuerwehr und Leitstellen.
Kann man BOS-Funk im Internet live hören?
Nicht legal. Ein Livestream ist eine Mitteilung an andere und fällt damit unter das Mitteilungsverbot, und beim Digitalfunk gäbe es ohnehin nichts Hörbares zu streamen. Legal live hören kannst du dagegen über einen WebSDR: Funkamateure betreiben weltweit Empfänger, die du im Browser bedienst. Darauf hörst du Amateurfunk, Rundfunk und viele andere Signale, die für die Allgemeinheit bestimmt sind.
Sind Funkscanner und SDR-Empfänger verboten?
Nein. Das Gesetz knüpft an das Abhören und Mitteilen an, nicht am Besitz. Anders bei getarnten Abhörgeräten, die einen anderen Gegenstand vortäuschen oder als Alltagsgegenstand verkleidet sind und zum unbemerkten Abhören bestimmt sind. Für sie verbietet § 8 TDDDG grundsätzlich schon Besitz, Herstellung, Vertrieb und Einfuhr, mit gesetzlichen Ausnahmen etwa für berechtigte Behörden. Einen gewöhnlichen Scanner darfst du kaufen und für alles verwenden, was du hören darfst. Welche Geräte es gibt und was sie können, steht im Artikel Funkscanner.
Wie funktioniert der Digitalfunk BOS?
Kurz gesagt: Funkgeräte buchen sich bei einer Basisstation ein, die an ein bundesweites Kernnetz angeschlossen ist. Gespräche laufen über Rufgruppen: Wer die Taste drückt, wird von allen Geräten der Gruppe gehört, egal ob sie im selben Ort oder hundert Kilometer entfernt sind. Fällt das Netz aus, können die Einsatzkräfte in den Direktbetrieb wechseln und von Gerät zu Gerät funken.
Aufbau des Netzes und wer es betreibt
Die Ministerpräsidentenkonferenz beschloss 2003, den Analogfunk durch ein gemeinsames Digitalnetz abzulösen. 2007 wurde die BDBOS gegründet, eine Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums mit Sitz in Berlin. Das Kernnetz war 2013 fertig, der Netzaufbau 2015 abgeschlossen, seit 2016 läuft bundesweit der Wirkbetrieb.
| Wer | Aufgabe |
|---|---|
| BDBOS | Gesamtverantwortung, Betriebsaufsicht, Weiterentwicklung, Zertifizierung der Funkgeräte |
| ALDB GmbH | Technischer Betrieb rund um die Uhr, seit 2019 eine Tochter der BDBOS |
| Koordinierende Stellen | Steuerung in Bund und Ländern, meist im Innenministerium |
| Autorisierte Stellen | Operativer Betrieb im jeweiligen Land, erste Anlaufstelle der Nutzer, legen Rufgruppen fest, geben Sicherheitskarten aus |
Das Kernnetz besteht aus 64 Vermittlungsstellen, vier Transitvermittlungsstellen und zwei Netzverwaltungszentren. Darunter hängen mehr als 5.000 Basisstationen. Die BDBOS gibt eine mittlere zeitliche Verfügbarkeit von 99,97 % an und übersetzt das selbst mit "ca. einer Minute" Ausfall pro Tag. Rechnerisch sind 0,03 % eines Tages sogar nur knapp eine halbe Minute. Wie viel das Netz tragen muss, zeigen Großlagen: Beim G7-Gipfel in Elmau 2015 waren rund 30.500 Endgeräte im Einsatz.
Was ist TETRA?
TETRA steht für Terrestrial Trunked Radio, einen 1995 vom europäischen Normungsinstitut ETSI veröffentlichten Standard für digitalen Bündelfunk. "Bündelfunk" heißt: Die Gruppen haben keine festen Kanäle, das Netz teilt freie Kanäle bei Bedarf zu. TETRA arbeitet im Zeitmultiplex (TDMA). Ein Träger wird in vier kurze, sich wiederholende Zeitschlitze geteilt, und jeder Zeitschlitz kann einen eigenen Sprechweg tragen. So laufen auf einer Frequenz mehrere Gespräche gleichzeitig.
Vier Zeitschlitze heißen trotzdem nicht automatisch vier Gespräche. In einer Schulungsunterlage für Schleswig-Holstein ist auf einem Träger einer der vier Zeitschlitze für die Organisation reserviert, drei bleiben für die Kommunikation. Welcher Zeitschlitz ein Gespräch trägt, entscheidet das Netz, nicht der Nutzer.
Für Daten ist TETRA schmalbandig. Breitbandige Anwendungen wie Video hält die BDBOS über TETRA für technisch nicht machbar. Dafür ist ein eigenes Netz geplant, siehe Zukunft.
Rufgruppen, Notruf und Statusmeldungen
| Dienst | Was er macht |
|---|---|
| Gruppenruf | Der Normalfall. Ein Funkspruch geht an alle Geräte einer Rufgruppe. Eine Einsatzkraft kann mehreren Rufgruppen gleichzeitig angehören |
| Einzelruf | Gespräch zwischen zwei Geräten, nur wenn taktisch unbedingt nötig |
| Notruf | Rote Notruftaste. Im Netzbetrieb verdrängt er laufende Gespräche und verbindet mit der Leitstelle, übermittelt werden die Kennung des Geräts und, soweit vorhanden, die zuletzt erfasste Position. Im Direktbetrieb geht der Notruf mit Vorrang in die eigene Rufgruppe, übertragen wird laut FwDV 810 nur die Kennung, keine Position |
| Status und SDS | Statusmeldungen per Zifferntaste, Kurznachrichten mit Text oder Position |
| Alarmierung | Alarme an Meldeempfänger, auch Ansteuerung von Sirenen |
Die Rufgruppen legen die Autorisierten Stellen der Länder fest. In Baden-Württemberg hat zum Beispiel jeder Stadt- und Landkreis eine Betriebsgruppe für das Tagesgeschäft, die die Leitstelle ständig mithört, dazu Führungs-, Abschnitts- und Lokalgruppen. Für Einsätze über Länder- und Organisationsgrenzen hinweg gibt es bundesweit einheitliche Zusammenarbeitsgruppen (TBZ), die nur nach Freigabe genutzt werden.
TMO und DMO: die zwei Betriebsarten
| TMO (Netzbetrieb) | DMO (Direktbetrieb) | |
|---|---|---|
| Weg | Gerät, Basisstation, Vermittlungsstelle, Gerät | Gerät zu Gerät, ohne Infrastruktur |
| Reichweite | Bundesweit, solange Netz da ist | Deutlich begrenzt, abhängig von Gelände und Gebäude |
| Frequenzen | Geräte senden 380 bis 385 MHz, Basisstationen 390 bis 395 MHz | Überwiegend 406,1 bis 410 MHz |
| Leitstelle erreichbar? | Ja | Normalerweise nicht, über ein Gateway möglich |
| Typischer Einsatz | Leitstelle, Anfahrt, Führung über große Entfernung | Einsatzstelle, Atemschutztrupps im Gebäude, Rückfallebene bei Netzausfall |
Zwei Hilfsmittel verbinden beide Welten. Ein Repeater, zum Beispiel ein Fahrzeugfunkgerät im Repeater-Modus, vergrößert die Reichweite im DMO. Ein Gateway verbindet eine DMO-Gruppe mit einer TMO-Gruppe, sodass die Leitstelle mithört. Beides darf nur in Absprache mit der Einsatzleitung laufen.
BOS-Funk-Simulator: Was geht bei welcher Störung?
Zwei Dinge muss man auseinanderhalten: den Zustand des Netzes und die Betriebsart des Funkgeräts. Fällt etwas im Netz aus, wechselt ein Gerät nicht von selbst in den Direktbetrieb. Den Wechsel nach DMO machen die Einsatzkräfte bewusst. Stell beides getrennt ein und sieh, wen "du" noch erreichst.
| Fall | Geräte in der Nähe | Geräte weit weg | Leitstelle | Notruf |
|---|---|---|---|---|
| TMO, Netz normal Der Normalfall: Alles läuft über Basisstationen und Vermittlungsstellen. | Ja | Ja, bundesweit in der Rufgruppe | Ja | Ja, mit Vorrang und, soweit vorhanden, Position |
| TMO, Anbindung unterbrochen Rückfallbetrieb: Die Basisstation arbeitet als Insel. Vereinfacht gezeigt sind Geräte, die in dieser Station eingebucht bleiben. | Ja, wenn beide in dieser Basisstation eingebucht sind | Nicht über die isolierte Funkzelle | Grundsätzlich nicht | Nicht oder nur eingeschränkt |
| TMO, Basisstation ausgefallen Das Gerät meldet Netzverlust. TMO geht nur weiter, wenn eine andere Basisstation das Gerät versorgt. | Nur, wenn eine andere Basisstation versorgt | Nur, wenn eine andere Basisstation versorgt | Nur, wenn eine andere Basisstation versorgt | Nur, wenn eine andere Basisstation versorgt |
| DMO, Netz egal Gerät zu Gerät auf einer Frequenz. Der Netzzustand spielt keine Rolle. | Ja, in Funkreichweite und in derselben DMO-Rufgruppe | Nicht direkt, außerhalb der Funkreichweite | Nur über ein Gateway | Mit Vorrang in die eigene DMO-Rufgruppe, übertragen wird nur die Kennung, keine Position |
Nach BDBOS (Aufbau und Funktionsweise, Dienste) und FwDV 810, Kapitel 2.1.3, 2.4 und 5.1. Vereinfacht: Wie sich ein Gerät im Einzelfall verhält, hängt von Programmierung und Lage ab.
Funk im Gebäude
Stahlbeton, Tiefgaragen, Tunnel und bedampfte Fenster schlucken Funkwellen. Für solche Gebäude gibt es Objektfunkanlagen, die das Signal ins Innere bringen. Bundesweit sind es mehrere Tausend, dazu mehrere hundert ertüchtigte Bahnhöfe und Tunnel. Verantwortlich für Planung, Errichtung und Betrieb ist der Bauherr oder Eigentümer. Die Pflicht dazu kann sich aus dem Baugenehmigungsverfahren oder anderen öffentlich-rechtlichen Vorschriften ergeben, die technische Lösung legt die Brandschutzbehörde fest. Ein Gateway oder DMO-Repeater überbrückt fehlende Anlagen nur vorübergehend.
Welche Frequenzen nutzt der BOS-Funk?
Kurz gesagt: Der Digitalfunk nutzt 380 bis 385 MHz (Funkgeräte senden), 390 bis 395 MHz (Basisstationen senden) und für den Direktbetrieb überwiegend 406,1 bis 410 MHz. Der analoge Funk lag vor allem im 4-m-Band um 75 und 85 MHz und im 2-m-Band um 165 bis 174 MHz.
| Bereich | Frequenzen | Nutzung |
|---|---|---|
| Digitalfunk TMO, Unterband | 380 - 385 MHz | Funkgerät sendet zur Basisstation |
| Digitalfunk TMO, Oberband | 390 - 395 MHz | Basisstation sendet zum Funkgerät |
| Digitalfunk DMO | 406,1 - 410 MHz | Direktbetrieb |
| Analog 4 m, Unterband | 74,205 - 74,785 MHz und 75,205 - 77,485 MHz | Sprache und Daten, 20-kHz-Raster |
| Analog 4 m, Oberband | 84,005 - 87,265 MHz | Duplexabstand 9,8 MHz zum Unterband, der Teil 84,585 - 85,005 MHz ohne Partner im Unterband |
| Analog 2 m, Unterband | 165,2 - 165,7 MHz und 167,55 - 169,39 MHz | Sprache und Daten, auch Alarmierung, 20-kHz-Raster |
| Analog 2 m, Oberband | 169,8 - 170,3 MHz und 172,15 - 173,99 MHz | Duplexabstand 4,6 MHz zum Unterband |
| Weitere Bereiche | Teile von 34,35 - 39,85 MHz (8 m) und 443,6 - 450 MHz (70 cm) | Sonderanwendungen |
Quelle: Frequenzplan der Bundesnetzagentur, Stand August 2026, und BDBOS. Im Frequenzplan liegen die Digitalfunkbänder in militärischen Bereichen von 380 bis 399,9 MHz, die die BOS laut Fußnote zivil mitnutzen.
Was bedeuten Oberband und Unterband?
Ein Frequenzpaar besteht aus zwei Frequenzen mit festem Abstand, dem Duplexabstand. Im Digitalfunk sendet das Funkgerät im Unterband und hört im Oberband, die Basisstation macht es umgekehrt. Die beiden Bänder liegen 10 MHz auseinander. Im Analogfunk gab es dasselbe Prinzip für den Relaisbetrieb, daneben wurde im einfachen Wechselsprechen auf nur einer Frequenz gefunkt. Das kennen Funkamateure von den Relais im Amateurfunk.
Haben Polizei und Feuerwehr unterschiedliche Frequenzen?
Im Digitalfunk nicht. Alle Berechtigten teilen sich das bundesweite TETRA-Netz, getrennt wird über Rufgruppen und Berechtigungen, nicht über Frequenzen. Konkrete Kanallisten stehen hier bewusst nicht: Sie wären ohnehin vielerorts veraltet und für Mithörer gedacht, die nicht mithören dürfen.
Wer darf BOS-Frequenzen nutzen?
Nur wer eine Zuteilung hat. Die Bundesnetzagentur teilt BOS-Frequenzen ausschließlich anerkannten Berechtigten zu, und nur für ihre gesetzlichen Sicherheitsaufgaben. Funkamateure dürfen mit ihrer Station nur auf den Frequenzen des Amateurfunkdienstes senden, das regelt § 5 des Amateurfunkgesetzes.
Analog oder digital: Was hat sich geändert?
Kurz gesagt: Der Analogfunk war abhörbar, kanalgebunden und regional zersplittert. Der Digitalfunk ist verschlüsselt, bundesweit einheitlich und kann Daten, Notruf und Positionen übertragen. Der Analogfunk läuft aus, aber nicht überall zum selben Zeitpunkt.
| Merkmal | Analoger BOS-Funk | Digitalfunk BOS |
|---|---|---|
| Übertragung | Analoge FM | Digital nach TETRA |
| Organisation | Feste Kanäle je Gebiet | Rufgruppen, das Netz vergibt die Kanäle |
| Reichweite | Regional, je nach Relais | Bundesweit im Netz |
| Verschlüsselung | Keine | Luftschnittstelle (TEA2) und Ende-zu-Ende |
| Status | Funkmeldesystem (FMS) | Status per SDS |
| Notruf | Taste 0, in Bayern laut FMS-Richtlinie von 2009 nicht aktiv | Eigene Notruftaste mit Vorrang und Position |
| Heute | Restanwendungen, vor allem Alarmierung und Einsatzstellenfunk | Kernsystem für alle BOS |
Wo wird analoger Funk noch eingesetzt?
Der Frequenzplan formuliert es so: Die analogen Frequenznutzungen "enden nach Migration in das digitale Mobilfunknetz der BOS". Das Auslaufen legt ein Rückgabekonzept fest, und Frequenzen für Sonderanwendungen wie Alarmierungsnetze können erhalten bleiben. Wie weit ein Land ist, unterscheidet sich stark. Baden-Württemberg etwa wollte den Landesbetrieb seiner analogen Gleichwellennetze spätestens Ende 2025 beenden, über verbleibende 4-m-Geräte entscheiden dort die Landkreise, und die 2-m-Handfunkgeräte bleiben, bis der digitale Einsatzstellenfunk steht. In Rheinland-Pfalz wurde 2021 in den Flutgebieten noch analoge Funktechnik für die Alarmierung vorgehalten.
Statusmeldungen 0 bis 9: Was bedeuten sie?
Kurz gesagt: Mit einer Zifferntaste meldet ein Fahrzeug der Leitstelle seinen Zustand, ohne zu sprechen. 1 und 2 heißen einsatzbereit, 3 Einsatz übernommen, 4 am Einsatzort, 5 Sprechwunsch, 6 nicht einsatzbereit.
| Status | Bedeutung |
|---|---|
| 0 | Priorisierter Sprechwunsch |
| 1 | Einsatzbereit über Funk |
| 2 | Einsatzbereit auf Wache |
| 3 | Einsatz übernommen |
| 4 | Am Einsatzort |
| 5 | Sprechwunsch |
| 6 | Nicht einsatzbereit |
| 7 | Einsatzgebunden |
| 8 | Bedingt verfügbar |
| 9 | Quittung oder Fremdanmeldung |
Nach der Feuerwehr-Dienstvorschrift FwDV 810 "Sprech- und Datenfunkverkehr", Ausgabe 2018. Landes- und organisationsspezifische Regelungen gehen vor.
Wie man einen Status sendet, hängt von Gerät und Programmierung ab. Eine Kurzanleitung des Kreisfeuerwehrverbands Haßberge beschreibt es so: Zifferntaste gedrückt halten, bis das Display "Status senden" zeigt. Nach dem Versand meldet das Gerät "Status gesendet". Auf einen Sprechwunsch (5 oder 0) antwortet die Leitstelle mit einer Sprechaufforderung.
Warum die Tabelle nicht überall gleich ist
Die FwDV 810 hat 2018 die Status 7 und 8 bundesweit und organisationsübergreifend vereinheitlicht. Ältere Regelungen aus der Analogzeit sehen anders aus. In der bayerischen FMS-Richtlinie von 2009 bedeutet 7 "mit Patient unterwegs zum Zielort", 8 "am Zielort angekommen" und 9 "Sprechwunsch mit hoher Priorität". Die FwDV 810 schließt die bisherigen Rettungsdienst-Status ausdrücklich in ihre neuen Bezeichnungen ein. Auch Status 0 hat sich gewandelt: Im Analogfunk war 0 der Notruf, im Digitalfunk ist es ein priorisierter Sprechwunsch, denn für den Notruf gibt es die rote Taste.

In der Gegenrichtung schickt die Leitstelle Kurzmeldungen an die Fahrzeuge. Im Analogfunk trugen sie Buchstaben, deren Belegung sich je nach Land deutlich unterschied. In den drei ausgewerteten Regelwerken sind nur wenige gleich, etwa "J" für die Sprechaufforderung und "H" für "Wache anfahren".
Funkrufnamen: Florian, Rotkreuz, Heros und Co.
Kurz gesagt: Ein Funkrufname besteht aus einem Kennwort für die Organisation, dem Ort und Kennzahlen für Wache und Fahrzeug. "Florian Baunatal 2-19-1" ist ein Feuerwehrfahrzeug aus Baunatal in Hessen.
| Kennwort | Organisation |
|---|---|
| Florian | Feuerwehr |
| Rotkreuz | Deutsches Rotes Kreuz |
| Akkon | Johanniter-Unfall-Hilfe |
| Johannes | Malteser Hilfsdienst |
| Sama | Arbeiter-Samariter-Bund |
| Pelikan | DLRG |
| Heros | Technisches Hilfswerk |
| Christoph | Rettungs- und Zivilschutzhubschrauber, bundeseinheitlich |
| Rettung | Private Rettungsdienste |
| Leitstelle | Leitstellen, zum Beispiel "Leitstelle Mainz" |
Nach den Funkrufnamenkatalogen von Hessen (2025) und Rheinland-Pfalz. Andere Länder weichen in Details ab, der Katastrophenschutz heißt zum Beispiel mal "Kater", mal "KATS". Das THW hat einen eigenen bundesweiten Katalog.
Was die Zahlen bedeuten
Nach dem Ort folgen Kennzahlen. In Hessen ist das eine Standortkennzahl für die Wache, dann eine Fahrzeugkennzahl und eine laufende Nummer, gesprochen "Florian Baunatal zwo-neunzehn-eins". Handfunkgeräte bekommen eine weitere Ziffer für den Trupp. Die Fahrzeugkennzahlen sind Ländersache, nur wenige stimmen in den ausgewerteten Katalogen überein:
| Kennzahl | Fahrzeug |
|---|---|
| 10 | Kommandowagen |
| 11 | Einsatzleitwagen 1 |
| 12 | Einsatzleitwagen 2 |
| 82 | Notarzteinsatzfahrzeug |
| 83 | Rettungswagen |
Bei den Löschfahrzeugen gehen die Länder auseinander. In Hessen steht 43 für das HLF 10, in Rheinland-Pfalz für das LF 10/6. Im Digitalfunk zeigt das Display außerdem eine technische Kurzadresse, die OPTA, die in Baden-Württemberg in der Regel vom gesprochenen Rufnamen abweicht.
Funkdisziplin und Sprechweise
Kurz gesagt: Erst die Gegenstelle, dann "von" und der eigene Rufname, dann die Nachricht und "kommen". Kurz, deutlich, ohne Höflichkeitsfloskeln, ohne Personennamen.
Die FwDV 810 regelt den Ablauf eines Funkgesprächs:
- Anruf: "Florian Musterstadt 1-11-1 von Florian Musterstadt 1-44-1, kommen."
- Antwort: "Hier Florian Musterstadt 1-11-1, kommen."
- Abschluss: Der Empfänger sagt "verstanden" und wiederholt das Wesentliche, der Anrufer beendet mit "Ende".
Dazu kommen feste Betriebsworte wie "Warten", "Ich buchstabiere", "Ich berichtige" oder "Wiederholen Sie". Dringende Nachrichten tragen eine Vorrangstufe, "Sofort" oder "Blitz". Ein Blitz ist für unmittelbare Gefahr für Leib und Leben gedacht, ein Notruf im Digitalfunk entspricht einer Blitz-Nachricht. Bei Übungen vereinbaren die Teilnehmer vorher ein Schlüsselwort, mit dem sie für einen echten Einsatz unterbrechen.
Buchstabieren im BOS-Funk
Zahlen werden deutlich gesprochen, also "zwo" statt "zwei". Zum Buchstabieren gilt laut der Dienstvorschrift FwDV 800 (Ausgabe 2017) grundsätzlich das nationale Buchstabieralphabet in der Form mit Personennamen, also Anton, Berta, Cäsar. Die Städtenamen-Tafel der DIN 5009 von 2022 steht dort noch nicht. Daneben steht das internationale Alphabet mit Alfa, Bravo, Charlie. Beide Tafeln findest du im Artikel NATO-Alphabet.
BOS-Sprechfunkausbildung
Kurz gesagt: Wer im BOS-Funk sprechen will, braucht einen Sprechfunklehrgang seiner Organisation. Bei der Feuerwehr dauert er mindestens 16 Stunden und endet mit einem Leistungsnachweis.
Für Feuerwehren legt die FwDV 2 den Lehrgang "Sprechfunker" fest: mindestens 16 Stunden, Voraussetzung ist der erste Teil der Truppmannausbildung. Er soll vor den Lehrgängen für Atemschutz und Maschinisten abgeschlossen sein. Die Stunden verteilen sich so:
| Inhalt | Stunden |
|---|---|
| Lehrgangsorganisation | 2 |
| Rechtliche Grundlagen, Verschwiegenheit | 1 |
| Physikalisch-technische Grundlagen | 2 |
| Sprechfunkbetrieb | 9 |
| Kartenkunde | 1 |
| Leistungsnachweis | 1 |
Ausgerichtet wird der Lehrgang nach Landesrecht, auf Kreisebene oder an den Landesfeuerwehrschulen. Nordrhein-Westfalen hat 2023 einen Musterausbildungsplan für die gesamte nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr veröffentlicht, ebenfalls mit 16 Stunden. Hilfsorganisationen und THW bilden nach eigenen Unterlagen aus. Zum Lehrgang gehört eine Belehrung: Wer am BOS-Funk teilnimmt, ist zur Verschwiegenheit verpflichtet.
Die Berechtigung hängt am Dienst in der Organisation, nicht an einer persönlichen Lizenz. Ganz anders im Amateurfunk: Dort legst du eine staatliche Prüfung ab und bekommst ein eigenes Rufzeichen, mit dem du privat und weltweit funken darfst.
Welche BOS-Funkgeräte gibt es?
Kurz gesagt: Handfunkgeräte (HRT), Fahrzeugfunkgeräte (MRT) und feste Stationen (FRT), dazu Alarmempfänger. Sprechfunkgeräte brauchen eine Zertifizierung der BDBOS, eine Anmeldung bei der Autorisierten Stelle und eine Sicherheitskarte, sonst kommen sie nicht ins Netz.
| Kürzel | Bedeutung | Wo |
|---|---|---|
| HRT | Handheld Radio Terminal | Handfunkgerät am Mann |
| MRT | Mobile Radio Terminal | Eingebaut im Fahrzeug, auch als Repeater oder Gateway |
| FRT | Fixed Radio Terminal | Leitstelle, Wache, Dienstgebäude |
| APRT | Active Paging Radio Terminal | Digitaler Alarmempfänger |
| SRT | Special Radio Terminal | Sondergeräte für Spezialeinheiten |


Nach § 15a BDBOS-Gesetz dürfen im Netz nur Geräte arbeiten, die die BDBOS zertifiziert hat. Dafür durchläuft jedes Modell eine Prüfung auf der Testplattform der BDBOS, und das Zertifikat gilt nur für die geprüfte Hard- und Softwareversion. Beschafft werden die Geräte dezentral von den einzelnen Organisationen. Bekannte Hersteller von TETRA-Technik stehen auf der Seite Funkgeräte.
Kann man ein BOS-Funkgerät kaufen und benutzen?
Benutzen im BOS-Netz kannst du es nicht. Die Sicherheitskarte, die das BSI für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung entwickelt hat, ist laut BDBOS "Grundvoraussetzung für die Inbetriebnahme". Ausgegeben wird sie nur über die Autorisierten Stellen an Berechtigte, und jedes Gerät muss dort angemeldet sein. Verlorene oder gestohlene Geräte kann die Autorisierte Stelle aus dem Netz ausschließen. Für Alarmempfänger und Sondergeräte können abweichende technische Anforderungen gelten. Auf BOS-Frequenzen zu senden, ohne eine Zuteilung zu haben, ist ohnehin nicht erlaubt.
Wie sicher und zuverlässig ist BOS-Funk?
Kurz gesagt: Die Verschlüsselung gilt nach heutigem Stand als sicher. Gegen Stromausfall sind die Vermittlungsstellen für mindestens 72 Stunden gerüstet, die Basisstationen werden gerade darauf ausgebaut. Ausfälle gab es trotzdem, und dann zeigte sich, wie wichtig der Direktbetrieb ist.
Verschlüsselung
Der TETRA-Standard selbst bringt nur eine Verschlüsselung der Luftschnittstelle mit. Für die deutschen BOS hat das BSI seit dem Jahr 2000 zusätzlich eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung entwickeln lassen, die auf der Sicherheitskarte im Gerät sitzt. Das BSI betreibt dafür das Trustcenter, die Karten sind nach Common Criteria zertifiziert. BDBOS und BSI prüfen die Absicherung regelmäßig.
Stromausfall und Netzhärtung
Die Vermittlungsstellen im Kernnetz haben eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und Netzersatzanlagen, doppelt ausgelegt für mindestens 72 Stunden. Basisstationen haben in der Regel ebenfalls beides. An weit über 4.000 Standorten wird die Notstromversorgung derzeit auf mindestens 72 Stunden ausgebaut. Das ist ein laufendes Programm, kein abgeschlossener Zustand, und für die Netzersatzanlagen der Basisstationen sind die Länder zuständig.
Verliert eine Basisstation ihre Anbindung, schaltet sie in den Rückfallbetrieb (zum Ausprobieren im Simulator). Dann funken die Geräte in dieser einen Funkzelle weiter miteinander, die Leitstelle ist aber nicht mehr erreichbar, und Notruf, Status und Kurznachrichten funktionieren nicht oder nur eingeschränkt. Das gilt nur, solange die Basisstation selbst arbeitet. Fällt sie ganz aus, etwa ohne Strom, bleiben in ihrem Gebiet der Direktbetrieb und, wo erreichbar, eine Nachbarzelle.
Ausfälle in der Praxis
- Flut im Ahrtal, Juli 2021: 34 Basisstationen waren betroffen, die längste Unterbrechung dauerte gut acht Tage. Die Stationen selbst standen auf Anhöhen und blieben heil. Zerstört waren Knotenpunkte des Zugangsnetzes und Leitungen über Brücken. Die Zellen liefen im Rückfallbetrieb weiter, wo nötig ersetzten mobile Basisstationen mit Satellitenanbindung die Leitungen. Mehr zur Lage im Ahrtal steht auf der Seite Notfunk.
- Bundesweite Störung am 6. Mai 2025: Von 16:20 bis 17:50 Uhr war die Netzanbindung vieler Basisstationen gestört, Ursache war ein Softwarefehler eines Herstellers. Einsatzaufträge, Statusmeldungen und Positionen kamen nicht durch. Innerhalb der Funkzellen und im Direktbetrieb ging es oft weiter, für die Alarmierung sprangen regionale POCSAG-Netze ein. Feuerwehrverbände fordern seitdem einen Störungs- und Betriebsmonitor der BDBOS und zugelassene Rückfallebenen für den Leitstellenfunk.
Dazu kommen Grenzen im Alltag. Bei Großlagen können alle Sprachkanäle einer Zelle belegt sein, dann gibt es eine Warteschlange, und Gruppengespräche gehen vor Einzelgesprächen. Am Rand der Versorgung reißt eine digitale Verbindung abrupt ab, statt wie im Analogfunk langsam zu verrauschen. Oft genügen dann wenige Meter Standortwechsel.
BOS-Funk in den Bundesländern und bei den Nachbarn
Kurz gesagt: Das Netz ist bundesweit eines. Was sich je Land unterscheidet, sind Funkrufnamen, Rufgruppen, Feinheiten der Statusmeldungen, die Alarmierungstechnik und der Stand beim Abschalten des Analogfunks.
| Thema | Beispiele für Unterschiede |
|---|---|
| Funkrufnamen | Hessen mit Standortkennzahl je Wache, Baden-Württemberg mit eigener OPTA im Display, abweichende Fahrzeugkennzahlen |
| Rufgruppen | Baden-Württemberg mit Betriebs-, Führungs-, Abschnitts- und Lokalgruppen je Kreis, Nordrhein-Westfalen mit eigenen DMO-Gruppen |
| Statusmeldungen | Ältere Landesregeln mit anderer Bedeutung für 7, 8 und 9 |
| Alarmierung | Analog, POCSAG oder TETRA-Pager, oft je Leitstellenbereich verschieden. In Passau und Freyung-Grafenau etwa läuft seit April 2025 die digitale Alarmierung |
| Zuständige Stelle | Jedes Land hat eine eigene Autorisierte Stelle als Anlaufpunkt |
Wer in einer Feuerwehr oder Hilfsorganisation aktiv ist, findet die gültigen Regeln bei der Autorisierten Stelle und der Landesfeuerwehrschule seines Landes. Die Dienstvorschriften FwDV 810 und FwDV 2 geben den bundesweiten Rahmen, die Länder füllen ihn aus.
Schweiz
Die Schweiz nutzt kein TETRA, sondern ein eigenes Sicherheitsfunknetz namens Polycom. Es verbindet Grenzschutz, Polizei, Feuerwehr, Rettungswesen, Zivilschutz und unterstützende Armeeverbände, rund 55.000 Nutzer arbeiten täglich damit. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz sichert den Betrieb bis mindestens 2030, die Netzinfrastruktur soll bei Stromausfall mindestens 14 Tage durchhalten.
Zukunft: Breitband für die BOS
Kurz gesagt: TETRA bleibt vorerst. Parallel baut die BDBOS ein eigenes breitbandiges Netz auf, das Bilder, Videos und Daten trägt. Ab Anfang der 2030er Jahre soll TETRA schrittweise abgeschaltet werden.
Zunächst wird die vorhandene Technik modernisiert: Die 64 Vermittlungsstellen werden durch eine serverbasierte Lösung auf IP-Basis ersetzt, die bis zu vier Millionen Endgeräte verkraftet. Damit soll das TETRA-Netz mindestens bis 2030 tragen. Der Weg zum Breitbandnetz ist in vier Phasen geplant:
- Mitnutzung kommerzieller Mobilfunknetze mit einheitlichen Verträgen
- Ein eigenes breitbandiges Kernnetz
- Ein eigenes Funk- und Zugangsnetz, schrittweise bundesweit
- Die Sprache wandert ins neue Netz, TETRA wird nach und nach abgeschaltet, Start derzeit für Anfang der 2030er Jahre geplant
Für die Dienste setzt die BDBOS auf die internationalen Standards für einsatzkritische Kommunikation, etwa Mission Critical Push-to-Talk. Frequenzen sind ein offener Punkt: Im 700-MHz-Band weist der Frequenzplan den BOS und der Bundeswehr bereits Teilbereiche zu, etwa 698 bis 703 MHz. Die BDBOS fordert darüber hinaus mindestens 60 MHz im UHF-Bereich 470 bis 694 MHz, den heute noch DVB-T2 und drahtlose Veranstaltungstechnik nutzen. Für das Breitbandnetz plant die Bundesregierung von 2026 bis 2029 rund 450 Millionen Euro ein.
BOS-Funk und Amateurfunk
Beide Welten berühren sich. Wer in Feuerwehr, THW oder einer Hilfsorganisation aktiv ist und zusätzlich Amateurfunk betreibt, kennt beide Seiten. Und wenn die professionelle Kommunikation an ihre Grenzen kommt, kann der Amateurfunk ergänzen: Das Amateurfunkgesetz nennt die Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen ausdrücklich als Zweck des Amateurfunkdienstes. Wie das aussieht und wo die Grenzen liegen, steht auf der Seite Notfunk.
Der große Unterschied: Im BOS-Funk funkst du im Rahmen der Berechtigung deiner Organisation. Im Amateurfunk funkst du für dich selbst, mit eigener Station, eigenem Rufzeichen und auf Bändern von der Kurzwelle bis zum Satelliten. Technisch lernst du dort vieles, was auch hinter dem BOS-Funk steckt: Frequenzen und Duplexabstände, Relais, digitale Verfahren wie DMR mit Zeitschlitzen, Antennen und Ausbreitung.
Ist der BOS-Digitalfunk so etwas wie ein Relais?
Im Prinzip ja: Eine ortsfeste Station vergrößert die Reichweite der Funkgeräte. Der Unterschied steckt dahinter. Ein klassisches Relais im Amateurfunk arbeitet für sich allein. Im BOS-Netz ist jede Basisstation Teil eines Systems, das Gespräche vermittelt. Am nächsten kommt aus Sicht des Amateurfunks ein DMR-Netz wie BrandMeister, aber auch dazu gibt es einen wichtigen Unterschied.
| Relais (Amateurfunk) | BrandMeister-Netz (DMR) | Digitalfunk BOS (TMO) | |
|---|---|---|---|
| Weg | Funkgerät, Relais, Funkgerät | Funkgerät, Relais oder Hotspot, Internet, Masterserver, Relais, Funkgerät | Funkgerät, Basisstation, Vermittlungsstelle, Basisstation, Funkgerät |
| Frequenz | Fest, mit Ablage zwischen Ein- und Ausgabe | Fest je Relais, zwei Zeitschlitze | Kein fester Kanal je Gruppe, das Netz teilt Zeitschlitze bei Bedarf zu |
| Wer hört mit? | Alle, die auf der Frequenz sind | Wer die Talkgroup aktiv hat | Alle Geräte der Rufgruppe, bundesweit |
| Infrastruktur | Einzelne Station von Funkamateuren | Relais von Funkamateuren, verbunden über das Internet | Eigenes Netz mit Notstrom, Leitungen teils angemietet |
| Ohne Infrastruktur | Direkt auf einer Simplexfrequenz | Direkt auf einer Simplexfrequenz | DMO, bei Bedarf mit DMO-Repeater |
Der Kern ist der Bündelfunk. Bei BrandMeister liegt eine Talkgroup auf einem festen Zeitschlitz eines festen Relais. Im BOS-Netz hat keine Rufgruppe einen festen Kanal: Erst wer die Sprechtaste drückt, bekommt von der Basisstation einen freien Zeitschlitz zugeteilt, und in den anderen Funkzellen, in denen Geräte der Gruppe eingebucht sind, stellt das Netz ebenfalls einen Weg bereit. Du musst deshalb nicht wissen, über welche Basisstation die anderen erreichbar sind, das Netz organisiert die Verbindung. Im Direktbetrieb ist es dagegen wie Simplex im Amateurfunk: Gerät zu Gerät auf einer Frequenz.
Vom Zuhören zum eigenen Rufzeichen
BOS-Funk bleibt Behörden und Hilfsorganisationen vorbehalten. Amateurfunk steht jedem offen, der die Prüfung bei der Bundesnetzagentur besteht. Auf 12db bereitest du dich darauf vor: alle Originalfragen, Lerneinheiten zu Technik, Betrieb und Vorschriften und eine Prüfungssimulation.
Kostenlos mit dem Lernen beginnenPrüfungsfragen zu Zeitschlitzen und Abhören
Zwei Dinge aus diesem Artikel stehen auch im Fragenkatalog der Amateurfunkprüfung: das Zeitschlitzverfahren, das TETRA und das im Amateurfunk verbreitete DMR gemeinsam haben, und die Frage, ob Funkamateure fremde Gespräche abhören dürfen.
Zwei Prüfungsfragen aus Klasse N
Fragetext stammt aus dem offiziellen BNetzA-Fragenkatalog. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
NE403 Ist es bei bestimmten digitalen Verfahren zur Sprachübertragung (z. B. DMR oder TETRA) möglich, mehrere Sprechverbindungen gleichzeitig auf derselben Frequenz innerhalb eines Empfangsgebiets abzuwickeln?
- Ja. Die Sprachdaten werden abwechselnd in periodischen, kurzen Zeitschlitzen übertragen.
- Ja. Die Sendeleistung wird zur Verbesserung der digitalen Fehlerkorrektur erhöht.
- Nein. Zeitgleich stattfindende digitale Übertragungen stören sich prinzipbedingt gegenseitig.
- Nein. Sprachübertragungen können nicht in Datenpakete aufgeteilt werden.
VE201 Darf ein Funkamateur seine Amateurfunkstelle zum Abhören des nichtöffentlich gesprochenen Wortes verwenden?
- Das Abhören des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ist ein Straftatbestand.
- Der Funkamateur gilt als sachkundige Person und darf daher selbst entscheiden, auf welchen Frequenzen er hören darf.
- Das Abhören des nichtöffentlich gesprochenen Wortes durch den Funkamateur bedarf einer besonderen Zulassung der BNetzA.
- Der Funkamateur ist dazu berechtigt, wenn er dazu technisch zugelassene Empfänger benutzt.
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klasse N). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Häufige Fragen zum BOS-Funk
Wofür steht BOS?
BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Dazu gehören Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, THW, Zoll, Katastrophenschutz und anerkannte Hilfsorganisationen wie DRK, Johanniter oder ASB. BOS-Funk ist ihr gemeinsamer, nichtöffentlicher Funk.
Ist es erlaubt, BOS-Funk abzuhören?
Nein. Nach § 5 TDDDG dürfen nur Nachrichten abgehört werden, die für dich, für Funkamateure oder für die Allgemeinheit bestimmt sind. BOS-Funk gehört nicht dazu. Abhören und Weitergeben sind nach § 27 TDDDG strafbar, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe.
Kann man Polizeifunk noch mit einem Scanner hören?
Den Digitalfunk nicht. Er ist auf der Funkstrecke mit TEA2 und zusätzlich Ende-zu-Ende verschlüsselt. Ein Scanner zeigt nur das Signal, keinen Inhalt. Unabhängig davon wäre das Abhören verboten.
Ist ein Funkscanner verboten?
Nein. Kauf und Besitz eines normalen Scanners sind erlaubt. Verboten ist das Abhören von Funk, der nicht für dich bestimmt ist. Für getarnte Abhörgeräte verbietet § 8 TDDDG dagegen schon den Besitz.
Welche Frequenzen nutzt der BOS-Digitalfunk?
Funkgeräte senden auf 380 bis 385 MHz, Basisstationen auf 390 bis 395 MHz. Für den Direktbetrieb ohne Netz liegen die meisten Frequenzen bei 406,1 bis 410 MHz. Der ältere Analogfunk lag im 4-m-Band um 75 und 85 MHz und im 2-m-Band zwischen 165 und 174 MHz.
Was ist der Unterschied zwischen TMO und DMO?
TMO ist der Netzbetrieb über Basisstationen und Vermittlungsstellen, bundesweit und mit Verbindung zur Leitstelle. DMO ist der Direktbetrieb von Gerät zu Gerät ohne Netz, mit begrenzter Reichweite. DMO nutzen Einsatzkräfte an der Einsatzstelle, im Gebäude und als Rückfallebene bei Netzausfall.
Was bedeutet Status 5 im BOS-Funk?
Status 5 ist der Sprechwunsch. Das Fahrzeug meldet der Leitstelle, dass es etwas mitteilen will, und wartet auf die Sprechaufforderung. Status 0 ist ein priorisierter Sprechwunsch für dringende Fälle.
Wer betreibt den BOS-Digitalfunk?
Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS (BDBOS) trägt die Gesamtverantwortung. Den technischen Betrieb übernimmt ihre Tochter ALDB GmbH. Bund und Länder betreiben das Netz gemeinsam, die Autorisierten Stellen der Länder sind Anlaufstelle für die Nutzer.
Funktioniert BOS-Funk bei Stromausfall?
Ja, zumindest für einige Zeit. Die Vermittlungsstellen sind für mindestens 72 Stunden mit Notstrom versorgt. Basisstationen haben in der Regel eine Batterieversorgung und eine Netzersatzanlage, ihr Ausbau auf mindestens 72 Stunden läuft. Fällt die Anbindung einer Basisstation aus, funken die Geräte in dieser Zelle weiter miteinander.
Dürfen Funkamateure auf BOS-Frequenzen senden?
Nein. Funkamateure dürfen nur auf den Frequenzen des Amateurfunkdienstes senden, so steht es in § 5 des Amateurfunkgesetzes. Im Katastrophenfall können sie Hilfsaktionen auf ihren eigenen Bändern unterstützen.
