Ein bedrahteter Widerstand ist zu klein, um seinen Wert lesbar aufzudrucken. Deshalb tragen diese Bauteile seit den Anfängen der industriellen Elektronikfertigung Farbringe - genormt sind sie heute in IEC 60062. Wer die Ringe lesen kann, erkennt in zwei Sekunden, ob der Widerstand in der Bastelkiste 470 Ohm oder 470 Kiloohm hat - und das ist ein Unterschied um den Faktor 1000.
Für Funkamateure ist das kein Nostalgiethema. Bedrahtete Widerstände stecken im Amateurfunk in Bausätzen, in Selbstbauprojekten und in jedem älteren Gerät, das repariert oder restauriert wird. Und wer sich eine Kunstlast aus mehreren Widerständen aufbaut, muss Werte und Toleranzen kennen, bevor er sie zur Parallelschaltung zusammenlötet.
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Was zeigt der Farbcode - und was nicht?
Kurz gesagt: Der Farbcode nennt Widerstandswert und Toleranz, bei sechs Ringen zusätzlich den Temperaturkoeffizienten. Er sagt nichts über die Belastbarkeit in Watt, nichts über die Bauart und nichts über die Spannungsfestigkeit. Geregelt ist die Zuordnung in der internationalen Norm IEC 60062.
Das ist die wichtigste Abgrenzung überhaupt. Immer wieder wird angenommen, ein zusätzlicher Ring codiere die Wattzahl. Das tut er nicht. Die Baugröße gibt dir immerhin einen Anhaltspunkt: Innerhalb derselben Baureihe ist ein 2-Watt-Widerstand deutlich dicker und länger als ein 0,25-Watt-Typ. Baureihenübergreifend trägt die Größe aber keine verlässliche Aussage, denn die zulässige Leistung hängt zusätzlich an Widerstandstechnologie, Gehäusematerial, Montageart, Umgebungstemperatur und Kühlung. Verbindlich ist allein das Datenblatt.
Auch sonst gilt der Farbcode nicht lückenlos: Der übliche IEC-Code kennt Wert, Multiplikator, Toleranz und Temperaturkoeffizient. Einzelne Hersteller- und Militärkennzeichnungen nutzen zusätzliche Ringe für ganz andere Angaben - bei Bauteilen nach US-Militärspezifikation etwa für die Ausfallrate.
Genormt ist übrigens nur die Zuordnung Farbbezeichnung zu Wert, nicht der Farbton selbst. IEC 60062 und die Farbbezeichnungsnorm IEC 60757 legen ausdrücklich keine Farbgrenzen fest. Deshalb sieht das Rot des einen Herstellers anders aus als das des anderen, und deshalb ist der Farbcode bei schlechtem Licht, bei Alterung und bei vergilbtem Lack auch fehleranfällig.
Im Fragenkatalog: ein ganzer Block zu den Ringen
Der Farbcode ist einer der ergiebigsten Einzelpunkte im Prüfungsstoff der Klasse N. Der Fragenkatalog der Bundesnetzagentur enthält dazu Fragen in drei Varianten: Ringe vorgegeben, Wert gesucht (NC104 bis NC107) - Wert vorgegeben, Ringe gesucht (NC103) - und reine Zuordnungsfragen zu Multiplikator und Toleranz (NC102, NC108 bis NC110). In der Klasse E kommt die Toleranzrechnung dazu.
Dazu gehört auch das Schaltzeichen: NC101 zeigt das schlichte Rechteck, und die falschen Antworten sind Diode, Spule und Kondensator - also genau die Nachbarbauteile, die du sicher auseinanderhalten musst.
Das Gute daran: Es ist reines Handwerk. Wer die Tabelle einmal verstanden hat, holt sich hier sichere Punkte, ohne etwas verstehen zu müssen, was physikalisch schwierig wäre.
Kannst du die Ringe lesen?
Fünf Originalfragen aus dem BNetzA-Fragenkatalog. Fragetext und Abbildung stammen aus dem offiziellen Katalog. Die Reihenfolge der Antworten wird bei jedem Aufruf neu gemischt und weicht deshalb vom Katalog ab. Nichts wird gespeichert, du kannst beliebig oft probieren.
NC101 Welches Bauteil wird durch das Schaltzeichen symbolisiert?
- Widerstand
- Diode
- Spule
- Kondensator
NC102 Welchem Multiplikator entspricht ein grüner Farbring auf einem Widerstand mit 4 Farbringen?
- 100000
- 10000
- 1000000
- 10000000
NC107 Die Farbringe gelb, violett und orange auf einem Widerstand mit 4 Farbringen bedeuten einen Widerstandswert von ...
- 47 kOhm.
- 4,7 kOhm.
- 470 kOhm.
- 4,7 MΩ.
NC109 Welche Toleranz weist ein Widerstand mit 4 Farbcodes auf, wenn der vierte Farbring ein goldener Farbring ist?
- $±$5 %
- $±$0,5 %
- $±$0,1 %
- $±$1 %
EC113 Die Farbringe grün, blau und rot sowie ein silberner auf einem Widerstand mit 4 Farbringen bedeuten einen Widerstandswert zwischen ...
- 5040 bis 6160 Ohm.
- 4760 bis 6440 Ohm.
- 4760 bis 6840 Ohm.
- 5240 bis 6360 Ohm.
Diese Fragen stammen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur (Klassen N und E). Im Lernbereich übst du sie mit Fortschrittsspeicherung und persönlicher Auswertung.
Leserichtung: an welchem Ende fängst du an?
Bevor du den ersten Wert abliest, musst du wissen, wo vorne ist. Falsch herum gelesen wird aus einem 1,2-Kiloohm-Widerstand schnell etwas ganz anderes. Es gibt drei Hilfsmerkmale, und sie sind unterschiedlich zuverlässig.
| Merkmal | Wie es hilft | Verlässlichkeit |
|---|---|---|
| Abstand | Der erste Ring sitzt näher am Bauteilende, vor dem letzten Ring klafft eine größere Lücke | Herstellerkonvention, meistens erkennbar |
| Ringbreite | Der Toleranzring ist oft breiter als die Wertringe | Verbreitet, aber nicht garantiert |
| Gold und Silber | Beide haben keinen Ziffernwert und können deshalb nie der erste Ring sein | Zwingend - das ist keine Konvention, sondern folgt aus der Tabelle |
Das dritte Merkmal ist der einzige harte Ausschluss. Siehst du an einem Ende einen goldenen oder silbernen Ring, ist das garantiert das Ende, nicht der Anfang. Bei den allermeisten Widerständen der Bastelkiste erledigt sich die Frage damit von selbst, denn 5 und 10 Prozent Toleranz sind die verbreitetsten Klassen.
Vier Farbringe ablesen
Das ist die verbreitetste Form, und sie steckt in fast allem, was in Bausätzen und älteren Geräten zu finden ist. Meist geht es dabei um 5 oder 10 Prozent Toleranz, gelegentlich auch um 2 Prozent - der Vierring-Code ist nicht auf bestimmte Toleranzklassen festgelegt, sondern darauf, dass zwei Ziffern für den Wert reichen.
| Ring | Bedeutung | Beispiel gelb-violett-rot-gold |
|---|---|---|
| 1 | Erste Ziffer | gelb = 4 |
| 2 | Zweite Ziffer | violett = 7 |
| 3 | Multiplikator | rot = mal 100 |
| 4 | Toleranz | gold = plus/minus 5 % |
Rechnung: Die beiden Ziffern ergeben 47, der Multiplikator macht daraus $47 \times 100 = 4700$ Ohm. Das sind 4,7 Kiloohm mit 5 Prozent Toleranz.
Fehlt der vierte Ring komplett, gilt die Toleranz plus/minus 20 Prozent. Solche Widerstände sind heute selten, in Geräten aus den 1960er und 1970er Jahren begegnen sie dir aber noch.
Und andersherum? Genau das fragt NC103: Welche drei Ringe hat ein 1,2-Kiloohm-Widerstand? 1200 Ohm zerlegst du in die Ziffern 1 und 2 sowie den Multiplikator 100. Das ergibt braun, rot, rot.
Fünf und sechs Farbringe
Manche Werte brauchen mehr Auflösung. Ein Wert wie 4,99 Kiloohm lässt sich mit zwei Ziffern nicht darstellen. Deshalb bekommen solche Widerstände eine dritte Ziffer, und alle folgenden Ringe rutschen eine Position nach hinten. Typisch ist das bei Werten aus den feineren Reihen E48, E96 und E192. Ein fünfter Ring beweist aber nicht, dass es sich um ein besonders hochwertiges Bauteil handelt - er sagt nur, dass drei Wertziffern gebraucht werden.
| Ring | Bei 4 Ringen | Bei 5 Ringen | Bei 6 Ringen |
|---|---|---|---|
| 1 | 1. Ziffer | 1. Ziffer | 1. Ziffer |
| 2 | 2. Ziffer | 2. Ziffer | 2. Ziffer |
| 3 | Multiplikator | 3. Ziffer | 3. Ziffer |
| 4 | Toleranz | Multiplikator | Multiplikator |
| 5 | - | Toleranz | Toleranz |
| 6 | - | - | Temperaturkoeffizient |
Daraus folgt eine Falle, die viel Verwirrung stiftet: Derselbe Widerstandswert sieht in beiden Systemen völlig unterschiedlich aus. 22 Kiloohm schreibt sich mit drei Wertringen als rot-rot-orange (22, dann drei Nullen), mit vier Wertringen aber als rot-rot-schwarz-rot (220, dann zwei Nullen). Wer die Ringe nicht zählt, bevor er anfängt, liest zwangsläufig falsch.
Die vollständige Farbtabelle
Eine Tabelle, alle vier Spalten - die Zuordnung folgt IEC 60062:2016. In der Prüfung brauchst du die Spalten Ziffer, Multiplikator und Toleranz, der Temperaturkoeffizient ist Praxiswissen.
| Farbe | Ziffer | Multiplikator | Toleranz | TK in ppm/K |
|---|---|---|---|---|
| Rosa | - | mal 0,001 | - | - |
| Silber | - | mal 0,01 | plus/minus 10 % | - |
| Gold | - | mal 0,1 | plus/minus 5 % | - |
| Schwarz | 0 | mal 1 | - | 250 |
| Braun | 1 | mal 10 | plus/minus 1 % | 100 |
| Rot | 2 | mal 100 | plus/minus 2 % | 50 |
| Orange | 3 | mal 1000 | plus/minus 0,05 % | 15 |
| Gelb | 4 | mal 10000 | plus/minus 0,02 % | 25 |
| Grün | 5 | mal 100000 | plus/minus 0,5 % | 20 |
| Blau | 6 | mal 1000000 | plus/minus 0,25 % | 10 |
| Violett | 7 | mal 10000000 | plus/minus 0,1 % | 5 |
| Grau | 8 | mal 100000000 | plus/minus 0,01 % | 1 |
| Weiß | 9 | mal 1000000000 | - | - |
| kein Ring | - | - | plus/minus 20 % | - |
Zwei Zeilen verdienen einen zweiten Blick. Gold und Silber stehen zweimal in der Tabelle - einmal als Multiplikator, einmal als Toleranz. Ein Widerspruch ist das nicht, denn es entscheidet allein die Position: Als dritter Ring eines Vier-Ring-Widerstands sind sie Multiplikator, als letzter Ring sind sie Toleranz. Ein Widerstand mit gelb-violett-gold-gold hat also 4,7 Ohm bei 5 Prozent Toleranz.
Rosa als Multiplikator ist eine Ergänzung neuerer Codetabellen und fehlt in älteren Übersichten. An gewöhnlichen bedrahteten Widerständen aus der Bastelkiste wirst du der Farbe praktisch nie begegnen.
Und der Temperaturkoeffizient läuft nicht sauber mit der Farbreihenfolge: Gelb steht bei 25 ppm/K und damit über Orange mit 15 ppm/K. Wer die TK-Spalte aus der Ziffernlogik herleiten will, liegt falsch. Sie muss auswendig gelernt oder nachgeschlagen werden.
Diese Zuordnung ist neu und in der Praxis kaum verbreitet. Vor der Fassung IEC 60062:2016 verwendeten einzelne Hersteller Gelb und Grau als Ersatz für Gold und Silber - nämlich bei Hochspannungswiderständen, wo man Metallpartikel im Lack vermeiden wollte. An einem älteren Bauteil kann ein gelber Toleranzring also 5 Prozent bedeuten statt 0,02 Prozent. Im Zweifel nachmessen.
Toleranz: von welchem bis welchem Wert?
Der aufgedruckte Wert ist der Sollwert. Die Toleranz sagt, wie weit der tatsächliche Wert unter den festgelegten Messbedingungen davon abweichen darf - sie ist also eine Aussage über den Anfangswert, keine Garantie über die Lebensdauer. Erwärmung, Alterung und Überlastung kommen obendrauf. Der Rechenweg selbst ist simpel, wird aber in der Prüfung der Klasse E genau so abgefragt.
Nimm den Nennwert und rechne beide Grenzen aus:
$R_{min} = R \cdot (1 - t)$ und $R_{max} = R \cdot (1 + t)$
Frage EC113 macht daraus eine Aufgabe in zwei Schritten. Die Ringe grün-blau-rot ergeben zunächst den Wert: 5, 6, mal 100 - also 5600 Ohm. Der silberne Ring nennt die Toleranz mit 10 Prozent. Damit:
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Nennwert aus den Ringen | $56 \times 100$ | 5600 Ohm |
| Untere Grenze | $5600 \cdot 0{,}9$ | 5040 Ohm |
| Obere Grenze | $5600 \cdot 1{,}1$ | 6160 Ohm |
Die Antwort lautet also 5040 bis 6160 Ohm. Frage EC112 ist dieselbe Rechnung ohne den Umweg über die Farben - dort ist der Nennwert 5,6 Kiloohm bereits gegeben.
Der sechste Ring: Temperaturkoeffizient
Jeder Widerstand ändert seinen Wert mit der Temperatur. Der Temperaturkoeffizient sagt, wie stark. Die Einheit ist ppm/K - millionstel Teile pro Kelvin.
Ein Beispiel macht die Größenordnung greifbar: Ein 10-Kiloohm-Widerstand mit 100 ppm/K ändert sich bei 50 Kelvin Erwärmung um $10000 \cdot 100 \cdot 10^{-6} \cdot 50 = 50$ Ohm. Das sind 0,5 Prozent - für einen normalen Vorwiderstand völlig egal, für den Spannungsteiler in einem Messgerät aber schon relevant.
Deshalb findet sich ein sechster Ring vor allem bei enger spezifizierten Typen. In der Prüfung wird er nicht abgefragt. Wichtig zu wissen ist er trotzdem, weil ein sechster Ring sonst leicht als Teil des Werts fehlinterpretiert wird.
E-Reihen: warum 4,7 ein Standardwert ist und 5,0 nicht
Beim Sortieren der Bastelkiste fällt es sofort auf: Es gibt 4,7 Kiloohm und 5,6 Kiloohm, aber kein 5,0. Das hat System und heißt E-Reihe, genormt in IEC 60063. Die Norm legt bevorzugte Werte fest - keine Verbotsliste. Einen 5,00-Kiloohm-Widerstand kannst du als Präzisions- oder Sonderanfertigung durchaus bekommen, im normalen Sortiment taucht er nur nicht auf.
Die Werte sind nicht linear, sondern logarithmisch über jede Dekade verteilt. Die Zahl hinter dem E sagt, wie viele Werte pro Dekade es gibt. Der Gedanke dahinter: Die Toleranzbereiche benachbarter Werte sollen aneinander stoßen, ohne große Lücken zu lassen.
| Reihe | Traditionell zugeordnete Toleranz | Werte pro Dekade |
|---|---|---|
| E6 | plus/minus 20 % | 6 |
| E12 | plus/minus 10 % | 12 |
| E24 | plus/minus 5 % | 24 |
| E48 | plus/minus 2 % | 48 |
| E96 | plus/minus 1 % | 96 |
| E192 | plus/minus 0,5 % | 192 |
Die für Einsteiger wichtigen Reihen sind kurz genug zum Merken:
- E12: 1,0 - 1,2 - 1,5 - 1,8 - 2,2 - 2,7 - 3,3 - 3,9 - 4,7 - 5,6 - 6,8 - 8,2
- E24: zusätzlich 1,1 - 1,3 - 1,6 - 2,0 - 2,4 - 3,0 - 3,6 - 4,3 - 5,1 - 6,2 - 7,5 - 9,1
Diese Reihen sind gleichzeitig deine Plausibilitätsprüfung beim Ablesen. Kommt beim Entziffern ein Wert heraus, der in keiner gängigen Reihe vorkommt, hast du dich wahrscheinlich vertan - falsche Leserichtung oder eine verwechselte Farbe. Ein Beweis ist es nicht: Bei fünf Ringen stammen die Werte oft aus E96 oder E192 und wirken deshalb ungewohnt.
Die fünf häufigsten Ablesefehler
Der Farbcode ist einfach. Falsch gelesen wird er trotzdem, und zwar meistens auf eine dieser fünf Arten.
- Ringe nicht gezählt, Vier-Ring-Logik auf einen Fünf-Ring-Widerstand angewendet
- Von der falschen Seite gelesen
- Braun, Rot und Orange verwechselt
- Gold und Silber als Ziffer gedeutet
- Verfärbtem Bauteil vertraut
- Immer zuerst zählen, dann zuordnen
- Gold oder Silber markiert das Ende
- Bei Tageslicht prüfen, im Zweifel messen
- Beide stehen nie an erster Stelle
- Verbrannt heißt ersetzen, nicht ablesen
Der dritte Punkt ist keine Anfängerschwäche, sondern ein bekanntes Problem: Bei Überhitzung oder Staubablagerung lässt sich Braun von Rot und Orange nicht mehr sicher unterscheiden. Genau diese drei liegen im Wert direkt beieinander (1, 2, 3), und ein Fehler beim Multiplikator kostet gleich eine Zehnerpotenz.
Der fünfte Punkt ist der wichtigste beim Reparieren. Ein Widerstand, der zu heiß geworden ist, kann seinen Wert dauerhaft verändert haben - bei Kohleschichttypen sowohl nach oben als auch nach unten. Der Farbcode zeigt dann noch den Nennwert, das Bauteil hat ihn aber längst verlassen. Ein sichtbar verfärbter, blasiger oder verkohlter Widerstand gehört ersetzt, nicht abgelesen.
SMD-Widerstände: Zahlen statt Farben
Sobald du ein Gerät aus den letzten drei Jahrzehnten öffnest, findest du kaum noch Farbringe. Oberflächenmontierte Bauteile sind zu klein für Ringe und werden ohnehin maschinell bestückt - die Zuordnung läuft über die Position im Gurt, nicht über Sichtprüfung. Ab Bauform 0402 und kleiner tragen sie meist gar keine Kennzeichnung mehr.
Stattdessen gilt ein Zahlencode, und der funktioniert wie der Multiplikator beim Farbcode: Die letzte Ziffer ist die Zehnerpotenz. Das gilt für den üblichen Widerstandscode - Thermistoren, Strommesswiderstände und herstellerspezifische Bauteile können nach ganz anderen Systemen beschriftet sein.
| Aufdruck | Lesart | Wert |
|---|---|---|
| 103 | 10 mal $10^3$ | 10 Kiloohm |
| 221 | 22 mal $10^1$ | 220 Ohm |
| 223 | 22 mal $10^3$ | 22 Kiloohm |
| 470 | 47 mal $10^0$ | 47 Ohm, nicht 470 |
| 4R7 | R ersetzt das Komma | 4,7 Ohm |
| 1002 | vierstellig: 100 mal $10^2$ | 10 Kiloohm, engere Toleranz |
Die vierte Zeile ist die klassische Falle: 470 sind 47 Ohm, nicht 470 Ohm. Die letzte Null ist der Multiplikator $10^0$, also mal 1. Wer 470 Ohm braucht, sucht den Aufdruck 471.
Als Faustregel steht die dreistellige Variante für Widerstände aus der E24-Reihe mit 5 Prozent, die vierstellige für enger tolerierte Typen mit drei Wertziffern. Sicher ableiten lässt sich die Toleranz daraus aber nicht: Die Ziffernzahl sagt zunächst nur, wie viele signifikante Stellen dargestellt werden. Verbindlich ist auch hier das Datenblatt.
SMD-Kennzeichnung in der Prüfung
Zwei Fragen aus dem Katalog der Klasse E. Fragetext und Abbildung stammen aus dem offiziellen BNetzA-Fragenkatalog, die Antwortreihenfolge wird bei jedem Aufruf neu gemischt.
EC114 Wie wird in der Regel bei SMD-Widerständen der Widerstandswert angegeben?
- Auf dem Widerstand ist der Wert in Form von Zahlen abgedruckt, wobei die letzte Ziffer die Zehnerpotenz angibt.
- Auf dem Widerstand ist der Wert in Form von Farbringen aufgedruckt, wobei der letzte Farbring die Toleranz angibt.
- Auf dem Widerstand ist der Wert in Form von Farbringen aufgedruckt, wobei der letzte Farbring die Zehnerpotenz angibt.
- Auf dem Widerstand ist der Wert in Form von Zahlen abgedruckt, wobei die angegebene Zahl dem Wert des Widerstands entspricht.
EC115 Welchen Wert hat der dargestellte SMD-Widerstand?
- 10 kOhm
- 103 Ohm
- 1 kOhm
- 10,3 Ohm
Beide Fragen gehören zum Prüfungsstoff der Klasse E. Den kompletten Bauteil-Abschnitt übst du im Lernbereich.
Zwei Sonderfälle solltest du kennen. Eine Null-Ohm-Brücke trägt den Aufdruck 000 oder 0000. Sie dient als Drahtbrücke im Widerstandsgehäuse, damit der Bestückungsautomat sie setzen kann - null Ohm hat sie aber nicht wirklich. Ihr Widerstand ist nur sehr klein, üblicherweise im Milliohm-Bereich, und sie hat wie jedes Bauteil eine Strombelastbarkeit, die im Datenblatt steht. Und beim EIA-96-Code stehen zwei Ziffern plus ein Buchstabe: Die Ziffern sind ein Index in die E96-Reihe, der Buchstabe ist der Multiplikator. 01C bedeutet Position 01 gleich 100, mal 100 - also 10 Kiloohm.
Nachmessen mit dem Multimeter
Der Farbcode sagt, was das Bauteil sein sollte. Das Multimeter sagt, was es ist. Bei einem Reparaturfall ist die zweite Auskunft die interessantere - aber nur, wenn du richtig misst.
Der wichtigste Punkt: Auf der Platine misst du fast nie den Widerstand allein. Alles, was parallel dazu liegt, geht in den Messwert ein - und weil sich bei einer Parallelschaltung die Kehrwerte addieren, fällt der Messwert zu klein aus. Zeigt das Messgerät weniger an als erwartet, ist das noch kein Defekt, sondern erst mal ein Hinweis auf einen Parallelpfad.
Für eine belastbare Aussage muss mindestens ein Anschluss elektrisch vom Rest der Schaltung getrennt sein. Meist heißt das auslöten - manchmal reicht aber auch ein Blick in den Schaltplan, der zeigt, dass an dieser Stelle gar kein Parallelpfad existiert. Das ist der schonendere Weg, gerade bei empfindlichen Leiterplatten.
- Schaltung spannungsfrei machen, Elkos kontrolliert entladen und die Spannungsfreiheit nachmessen. Ein Widerstandsmessgerät speist einen kleinen Strom ein und liefert bei Restspannung Unsinn. Große Kondensatoren nicht einfach kurzschließen.
- Ein Bein auslöten, damit keine Parallelpfade mitmessen.
- Nicht beide Prüfspitzen gleichzeitig anfassen - dein Körper liegt sonst als weiterer Widerstand parallel. Bei hochohmigen Werten verfälscht das messbar.
- Toleranzbereich ausrechnen und vergleichen: 4700 Ohm mit 5 Prozent dürfen zwischen 4465 und 4935 Ohm liegen.
Bei sehr niederohmigen Widerständen kommt der Eigenwiderstand der Messleitungen dazu. Der liegt typischerweise deutlich unter einem Ohm und ist bei Kiloohm-Werten bedeutungslos - bei einem 1-Ohm-Shunt aber der größte Fehler in der Messung. Halte die Prüfspitzen kurz aneinander und lies den angezeigten Wert ab. Viele Multimeter haben dafür eine REL- oder Null-Taste, die den Wert direkt als Bezugspunkt übernimmt - das ist genauer als von Hand abziehen, weil sich der Leitungswiderstand mit Anpressdruck und Oxidation ohnehin ändert. Bessere Tischmultimeter lösen das über eine Vierleitermessung, bei der die Zuleitung das Ergebnis nicht mehr beeinflusst. Und wirklich präzise Widerstandsbestimmungen laufen ohnehin nicht über ein Handmultimeter, sondern über eine Brückenschaltung - dasselbe Prinzip, das auch hinter resistiven SWR-Messbrücken steckt.
Liegt der Messwert deutlich außerhalb der Toleranz, ist das Bauteil gealtert, thermisch geschädigt - oder du hast dich beim Ablesen vertan. Auch das kommt vor, und dann ist die Messung nicht das Problem, sondern die Lösung.
Bauteilkunde ist Prüfungsstoff ab der ersten Klasse
Farbcode, Schaltzeichen, Toleranzrechnung: In der Klasse N sind das sichere Punkte, wenn du die Systematik einmal verstanden hast. Im Lernbereich übst du die Originalfragen der Bundesnetzagentur mit Fortschrittsanzeige und Auswertung - kostenlos und ohne Zeitdruck.
Kostenlos mit dem Lernen beginnenHäufige Fragen
Wie lese ich einen Widerstand mit vier Farbringen ab?
Ring 1 und 2 sind die beiden Ziffern, Ring 3 ist der Multiplikator, Ring 4 die Toleranz. Beispiel gelb-violett-rot-gold: 4 und 7 ergeben 47, rot bedeutet mal 100, macht 4700 Ohm - also 4,7 Kiloohm mit 5 Prozent Toleranz.
Woran erkenne ich, an welchem Ende ich anfangen muss?
An drei Merkmalen. Der erste Ring sitzt näher am Bauteilende, vor dem Toleranzring ist meist eine größere Lücke, und der Toleranzring ist oft breiter. Der einzige harte Ausschluss: Gold und Silber haben keinen Ziffernwert und können deshalb nie der erste Ring sein. Hilft nichts davon, lies beide Richtungen und nimm die, die einen gebräuchlichen Wert ergibt. Das ist allerdings nur eine Plausibilitätskontrolle und kein Beweis - bleibt es mehrdeutig, helfen Schaltplan oder eine Messung mit gelöstem Anschluss.
Was bedeutet ein goldener Ring?
Das hängt von der Position ab. Als letzter Ring bedeutet Gold eine Toleranz von plus/minus 5 Prozent. Als Multiplikator-Ring bedeutet er mal 0,1, dient also für Werte unter 10 Ohm. Silber funktioniert genauso: als Toleranz plus/minus 10 Prozent, als Multiplikator mal 0,01.
Was passiert, wenn der vierte Ring fehlt?
Dann gilt eine Toleranz von plus/minus 20 Prozent. Solche Widerstände sind heute selten, in Geräten aus den 1960er und 1970er Jahren tauchen sie aber noch auf.
Warum gibt es 4,7 Kiloohm, aber kein 5 Kiloohm?
Weil Widerstände in genormten Stufen gefertigt werden, den sogenannten E-Reihen nach IEC 60063. Die Werte sind logarithmisch über jede Dekade verteilt, damit sich die Toleranzbereiche benachbarter Werte gerade berühren. Die Reihe E12 enthält 1,0 - 1,2 - 1,5 - 1,8 - 2,2 - 2,7 - 3,3 - 3,9 - 4,7 - 5,6 - 6,8 - 8,2. Ein Wert 5,0 kommt darin nicht vor - als Präzisions- oder Sonderanfertigung gibt es ihn aber durchaus.
Steckt die Belastbarkeit in Watt im Farbcode?
Nein. Der Farbcode nennt nur Wert, Toleranz und bei sechs Ringen den Temperaturkoeffizienten. Innerhalb derselben Baureihe verträgt ein größerer Widerstand meist mehr Leistung - baureihenübergreifend ist die Größe aber kein verlässlicher Leistungscode, weil Technologie, Gehäusematerial, Montage und Kühlung mitreden. Verbindlich ist das Datenblatt.
Was bedeutet ein einzelner schwarzer Ring?
Das ist ein Null-Ohm-Widerstand, ein als Drahtbrücke verwendetes Bauteil im Widerstandsgehäuse. Ganz null Ohm hat es nicht, sondern einen sehr kleinen Restwiderstand und eine im Datenblatt angegebene Strombelastbarkeit. Sie dient dazu, auf einer Platine zwei Leiterbahnen zu überbrücken oder eine Konfiguration festzulegen - und zwar in einer Bauform, die der Bestückungsautomat verarbeiten kann. In SMD-Ausführung trägt sie den Aufdruck 000 oder 0000.
Warum haben SMD-Widerstände keinen Farbcode?
Sie sind zu klein für Ringe und werden maschinell bestückt, wobei die Zuordnung über die Position im Gurt läuft. Stattdessen tragen sie einen Zahlencode, bei dem die letzte Ziffer die Zehnerpotenz angibt: 103 bedeutet 10 mal 1000, also 10 Kiloohm. Ab Bauform 0402 und kleiner fehlt meist jede Kennzeichnung. Eine Ausnahme ist die zylindrische MELF-Bauform, die häufig doch Farbringe trägt.
Kann ich den Widerstand einfach auf der Platine nachmessen?
Meist nicht zuverlässig. Alles, was parallel liegt, wird mitgemessen, und weil sich bei einer Parallelschaltung die Kehrwerte addieren, fällt der Messwert zu niedrig aus. Bei Kondensatoren und Halbleitern auf der Platine kann die Anzeige zusätzlich wandern oder von der Polarität der Prüfspitzen abhängen. Für eine belastbare Aussage lötest du mindestens ein Anschlussbein aus. Außerdem: Schaltung vorher spannungsfrei machen, Kondensatoren entladen und nicht beide Prüfspitzen gleichzeitig anfassen, weil sonst der eigene Körper parallel liegt.
Quellen: Farbtabelle, Toleranz- und Temperaturkoeffizientenwerte nach IEC 60062:2016, wiedergegeben in Wikipedia: Electronic color code; E-Reihen und Toleranzzuordnung nach IEC 60063 über Wikipedia: E-Reihe; SMD-Kennzeichnung, Bauformen und MELF über Wikipedia: Widerstand (Bauelement); Prüfungsfragen aus dem offiziellen Fragenkatalog der Bundesnetzagentur. Angaben zu Baugrößen und Belastbarkeit sind Größenordnungen - verbindlich ist immer das Datenblatt des Herstellers.