SDR steht für Software Defined Radio. Die Idee dahinter ist simpel: Statt fest verdrahteter Schaltungen übernimmt Software die Signalverarbeitung. Das klingt technisch - bedeutet aber vor allem: maximale Flexibilität zum kleinen Preis.
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Warum SDR?
Ein klassisches Funkgerät hat fest verbaute Filter und Demodulatoren. Neue Betriebsart? Neues Gerät. Beim SDR ist das anders: Die Hardware digitalisiert nur das Signal - alles Weitere macht Software.
- Das gesamte 2m-Band auf einen Blick sehen - nicht nur eine Frequenz
- Mehrere Stationen gleichzeitig hören
- Komplette Bänder aufnehmen und später in Ruhe auswerten
- Neue Modi wie FT8 per Software-Update hinzufügen
So funktioniert's
Die Technik dahinter ist gar nicht kompliziert:
- Antenne empfängt - wie bei jedem Radio
- ADC digitalisiert - wandelt die Funkwellen in Zahlen um
- Software verarbeitet - Filter, Demodulation, alles per Programm
Der Clou: Weil alles in Software passiert, kannst du Filter beliebig einstellen, zwischen Betriebsarten wechseln und das Signal visualisieren. Im Wasserfall-Display siehst du auf einen Blick, wo gerade Aktivität ist.
SDR Empfänger kaufen: Welches Gerät passt zu dir?
Die gute Nachricht: Der Einstieg kostet weniger als ein Restaurantbesuch. Hier ein Überblick, welchen SDR Empfänger du kaufen solltest.
| Gerät | Preis | Frequenzen | Für wen? |
|---|---|---|---|
| RTL-SDR Blog V4 | ~35 € | 24 MHz - 1,7 GHz | Einsteiger, UKW/VHF/UHF |
| SDRplay RSP1B | ~120 € | 1 kHz - 2 GHz | Kurzwelle bis UHF |
| Airspy Mini | ~100 € | 24 MHz - 1,8 GHz | Beste Empfangsleistung VHF/UHF |
SDR für Anfänger: RTL-SDR
Für 35 Euro bekommst du einen USB-Stick, der ursprünglich für DVB-T gedacht war. Findige Bastler entdeckten: Der Chip kann viel mehr. Heute ist der RTL-SDR der beliebteste Einstieg in die SDR-Welt.
Damit empfängst du: UKW-Radio, Flugfunk, Amateurfunk auf 2m und 70cm, Wettersatelliten, ADS-B von Flugzeugen - alles mit einem 35-Euro-Stick.
Kurzwelle inklusive: SDRplay
Der SDRplay RSP1B empfängt alles - von Längstwelle bis UHF, ohne Lücken. Die 14-Bit-Auflösung (statt 8 Bit beim RTL-SDR) bedeutet: bessere Signaltrennung, weniger Verzerrungen bei starken Sendern.
Ideal wenn: Du auf Kurzwelle hören willst oder in der Nähe starker Sender wohnst.
Maximum Performance: Airspy
Der Airspy ist der Ferrari unter den günstigen SDRs. Die Empfangsleistung auf VHF/UHF ist hervorragend - perfekt für schwache Satellitensignale oder DX auf 2m.
Senden mit SDR?
Die obigen Geräte sind reine Empfänger. Zum Senden brauchst du SDR-Transceiver:
| Gerät | Preis | Frequenzen |
|---|---|---|
| HackRF One | ~350 € | 1 MHz - 6 GHz |
| PlutoSDR | ~200 € | 325 MHz - 3,8 GHz |
| Flex-6400 | ~3.500 € | 160m - 6m, 100 W |
Die richtige Software
Hardware ohne Software ist nutzlos. Hier die wichtigsten Programme - alle kostenlos:
- SDR Console - Profi-Features, trotzdem kostenlos
- GNU Radio - Baue eigene Signalverarbeitung
- SDRangel - Auch für DATV und Transceiver
Erst testen - ohne Geld auszugeben
Bevor du Hardware kaufst: Probier SDR im Browser aus! Weltweit stehen hunderte Empfänger online - kostenlos und ohne Anmeldung.
- websdr.org - Die Original-WebSDR-Liste
- KiwiSDR - Über 600 Empfänger weltweit
- OpenWebRX - Modernes Interface, viele deutsche Stationen
Was kannst du damit machen?
Ein SDR ist kein Spielzeug - es ist ein ernsthaftes Werkzeug:
- Amateurfunk: Bänder beobachten, FT8/WSPR dekodieren, bei Contesten mehrere QRGs gleichzeitig im Blick
- Flugfunk: ADS-B empfangen und Flugzeuge auf der Karte verfolgen
- Wetter: NOAA-Satellitenbilder direkt empfangen
- Lernen: Signale visualisieren und Modulationsarten verstehen
RTL-SDR Anleitung: So startest du
- RTL-SDR Blog V4 bestellen (~35 €)
- Eine Teleskopantenne dazu (~10 €)
- SDR++ installieren (kostenlos)
- Stick einstecken, Software starten, staunen
Der häufigste Anfängerfehler: Die mitgelieferte Mini-Antenne verwenden. Die ist praktisch nutzlos. Investiere 10-20 Euro in eine bessere Antenne - der Unterschied ist enorm.
Drei Irrtümer über SDR
Stimmt nicht. SDR++ installieren, Stick einstecken, Frequenz wählen - das dauert keine 10 Minuten.
Für RTL-SDR reicht jeder Laptop der letzten 10 Jahre. Nur bei sehr breitbandiger Verarbeitung wird mehr Leistung nötig.
Ergänzt ja, ersetzt nein. Für portablen Betrieb oder schnelles QSO ist ein klassischer Transceiver praktischer.
Mit SDR senden?
Dafür brauchst du eine Amateurfunklizenz. Die Prüfungsvorbereitung ist kostenlos - starte jetzt!
Zur PrüfungsvorbereitungHäufige Fragen
Was kostet der Einstieg?
Ab 35 Euro für einen RTL-SDR Blog V4. Mit vernünftiger Antenne bist du bei etwa 50 Euro. Willst du auch Kurzwelle empfangen, rechne mit 120-150 Euro für einen SDRplay.
Kann ich damit auch senden?
Mit den günstigen SDRs (RTL-SDR, SDRplay, Airspy) nicht - die können nur empfangen. Zum Senden brauchst du einen SDR-Transceiver wie HackRF oder PlutoSDR - und eine Amateurfunklizenz.
Welche Software soll ich nehmen?
Für den Einstieg empfehle ich SDR++ - läuft auf Windows, Mac und Linux, ist übersichtlich und unterstützt alle gängigen SDRs. Später kannst du zu SDR Console oder GNU Radio wechseln.
Geht Kurzwelle mit dem RTL-SDR?
Nicht direkt - der RTL-SDR empfängt erst ab 24 MHz. Für Kurzwelle brauchst du einen Upconverter (ca. 50 Euro), der die Frequenzen nach oben verschiebt. Einfacher: Gleich einen SDRplay kaufen.
Kann ich SDR erst mal testen?
Ja! Auf websdr.org kannst du hunderte SDR-Empfänger weltweit kostenlos im Browser nutzen. Perfekt zum Ausprobieren, bevor du eigene Hardware kaufst.
Was ist besser als ein normales Funkgerät?
Du siehst das gesamte Spektrum visuell - nicht nur eine Frequenz. Du kannst mehrere Signale gleichzeitig empfangen, ganze Bänder aufzeichnen und neue Betriebsarten per Software-Update hinzufügen.