HAMNET steht für Highspeed Amateurradio Multimedia Network - das "Intranet der Funkamateure". Ein in sich geschlossenes, TCP/IP-basiertes Amateurfunknetz - kein Internetersatz, sondern ein eigenständiges Funknetz. Aufgebaut und betrieben von Funkamateuren, für Funkamateure.
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Was ist HAMNET?
Stell dir vor: Ein Netzwerk wie das Internet - aber ohne Provider, ohne Zensur, ohne monatliche Kosten. Aufgebaut aus Hunderten von Richtfunkstrecken zwischen Berggipfeln, Funktürmen und Hochhäusern. Das ist HAMNET.
HAMNET entstand als Nachfolger des alten Packet Radio-Netzes. Ab 2008/2009 wurde es in Österreich und Deutschland aufgebaut. Heute ist HAMNET ein europaweites Netz mit zahlreichen Backbone- und Userstandorten - um Größenordnungen schneller als das alte Packet Radio.
- Maximal 9,6 kBit/s
- Nur Text und kleine Dateien
- Hohe Latenz
- Je nach Technik 1 Mbit/s bis GBit/s
- Video, VoIP, Webserver
- Echtzeit-Kommunikation
Warum nicht einfach das Internet nutzen?
HAMNET ist kein Internet-Ersatz - und das ist Absicht. Das Netz ist komplett vom kommerziellen Internet getrennt. Kein Zugang zum Internet, kein Zugang vom Internet.
Das klingt nach Einschränkung, ist aber eine Stärke:
- Unabhängigkeit: Funktioniert auch bei Internet-Ausfall
- Notfunk: Eigene Infrastruktur für Krisenszenarien
- Experimentierfeld: Freies Testen ohne Sicherheitsrisiken
- Amateurfunk-Dienste: EchoLink, APRS, ATV direkt über Funk
Was kannst du mit HAMNET machen?
Viele typische IP-Dienste lassen sich über HAMNET betreiben, soweit amateurfunkrechtlich zulässig. Hier die wichtigsten:
| Dienst | Beschreibung |
|---|---|
| VoIP/SIP-Telefonie | Kostenlos telefonieren über Funk |
| EchoLink | Weltweite Relais-Verbindungen |
| WinLink | E-Mail über Funk (teils mit Internet-Gateways) |
| APRS-Gateways | Positionsdaten und Telemetrie |
| ATV/DATV | Amateur-Fernsehen in Echtzeit |
| WebSDR | Ferngesteuerte Empfänger |
| Webserver | Amateurfunk-exklusive Websites |
| Chat/Messaging | Instant Messaging über Funk |
HAMNET Einstieg: So kommst du rein
Der Einstieg ins HAMNET ist einfacher als du denkst. Du brauchst drei Dinge:
- Amateurfunklizenz Klasse E oder A (Klasse N reicht nicht - seit Juni 2024 darf auch Klasse E die HAMNET-Frequenzen nutzen)
- Sichtverbindung zu einem HAMNET-Knoten
- Die richtige Hardware (ca. 150-300 €)
Schritt 1: Knoten in der Nähe finden
Zuerst prüfst du, ob es überhaupt einen Zugangsknoten in deiner Nähe gibt. Die HamnetDB-Karte zeigt alle Standorte. Achte auf Knoten mit einem "U" im Symbol - das sind User-Zugänge.
Schritt 2: Hardware für den HAMNET Zugang
Für den Einstieg ins HAMNET hat sich bestimmte Hardware bewährt:
| Gerät | Preis | Frequenz | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Ubiquiti NanoStation M5 | ~80 € | 5 GHz | Häufig für User-Zugänge eingesetzt |
| MikroTik QRT2 | ~100 € | 2,4 GHz | 17 dBi Flachantenne, robust |
| Ubiquiti LiteBeam 5AC | ~60 € | 5 GHz | Günstiger Einstieg, 23 dBi |
Diese Geräte kombinieren Antenne und Transceiver in einem wetterfesten Gehäuse. Die Stromversorgung läuft über PoE durchs Netzwerkkabel - praktisch für die Montage am Mast.
Schritt 3: Antenne ausrichten
Die Antenne muss exakt auf den Zielknoten zeigen. Bei 5 GHz hast du nur wenige Grad Öffnungswinkel - kleine Abweichungen bedeuten große Signalverluste.
Schritt 4: Konfiguration
Nach der Montage musst du das Gerät konfigurieren:
- SSID: Die des Zielknotens (findest du in der HamnetDB)
- Frequenz: Passend zum Einstiegsknoten
- IP-Adresse: Aus dem HAMNET-Bereich 44.0.0.0/8
- Rufzeichen: Muss im Gerät hinterlegt sein
Detaillierte Anleitungen gibt es bei DL1NUX und im ÖVSV-Wiki.
Alternative: VPN-Zugang
Keinen Knoten in Reichweite? Einige Gruppen bieten VPN-Tunnel ins HAMNET an - zum Beispiel die Amateurfunkgruppe der RWTH Aachen. Damit kannst du HAMNET-Dienste nutzen, auch ohne Funk-Einstieg.
HAMNET Frequenzen und Technik
HAMNET nutzt Frequenzen im GHz-Bereich - spektral benachbart zu WLAN, aber auf für Amateurfunk reservierten Frequenzen:
| Band | Frequenz | Verwendung |
|---|---|---|
| 13 cm | 2,3 - 2,4 GHz | User-Zugänge |
| 6 cm | 5,6 - 5,8 GHz | Linkstrecken, User-Zugänge |
| 3 cm | 10 GHz | Backbone-Links |
Bandbreiten und Datenraten
Die Bandbreite ist gesetzlich geregelt:
- 2,3 GHz: 5 MHz Bandbreite (typisch für User-Einstiege)
- 5 GHz: 10 MHz Bandbreite (Linkstrecken)
Die erreichbare Datenrate am User-Einstieg variiert je nach Standort, Technik und Auslastung. Für VoIP, Webserver und viele Anwendungen reicht sie in der Regel aus.
Sendeleistung
Für HAMNET-Linkstrecken gelten besondere Leistungsregelungen nach aktueller BNetzA-Verfügung. Für User-Zugänge reichen deutlich geringere Leistungen.
HAMNET und Notfunk
HAMNET kann bei entsprechend notstromfähigen Standorten auch bei Ausfall anderer Kommunikationsnetze weiterarbeiten. Das macht es besonders interessant für den Notfunk.
Bei Naturkatastrophen oder großflächigen Ausfällen kann HAMNET als Kommunikations-Backbone dienen:
- Autarke Stromversorgung: Knoten können mit Notstrom betrieben werden
- Keine Abhängigkeiten: Kein Provider, kein Rechenzentrum nötig
- Bewährte Technik: Standard-IP-Protokolle, keine Spezialsoftware
Selbst Knoten betreiben
Du willst nicht nur nutzen, sondern das Netz erweitern? Funkamateure können eigene HAMNET-Knoten aufbauen - vom einfachen User-Einstieg bis zur komplexen Backbone-Verbindung.
Was du dafür brauchst:
- Standort: Möglichst hoch mit Sicht zu anderen Knoten
- Genehmigung: Als automatisch arbeitende Amateurfunkstelle
- Koordination: IP-Adressen und AS-Nummern über de.ampr.org
- Hardware: Router, Richtfunkantennen, ggf. Sektorantennen für User-Zugänge
Noch keine Amateurfunklizenz?
Für HAMNET brauchst du mindestens die Klasse E. Die Prüfungsvorbereitung ist kostenlos!
Zur PrüfungsvorbereitungHäufige Fragen zu HAMNET
Was kostet der HAMNET Einstieg?
Die Hardware kostet zwischen 150 und 300 Euro - je nach Gerät und ob du gebraucht kaufst. Die laufenden Kosten sind gering (hauptsächlich Strom), können aber je nach Aufbau variieren (z.B. Standortbeteiligung, Wartung).
Brauche ich eine Amateurfunklizenz?
Ja, HAMNET nutzt Amateurfunk-Frequenzen im 13-cm- und 6-cm-Band. Seit der AFuV-Novelle im Juni 2024 hat auch Klasse E Zugang zu diesen Bändern, allerdings mit eingeschränkter Leistung gemäß Anlage 1 der AFuV. Die konkreten Bedingungen hängen vom genutzten Frequenzbereich ab. Die Einsteigerklasse N hat keinen Zugang zu diesen Frequenzen.
Kann ich über HAMNET ins Internet?
HAMNET ist grundsätzlich als eigenständiges, vom kommerziellen Internet unabhängiges Netzwerk konzipiert und kein Internetersatz. Das ermöglicht autarken Betrieb und vermeidet rechtliche Probleme.
Wie finde ich einen Knoten in meiner Nähe?
Auf hamnetdb.net gibt es eine interaktive Karte aller HAMNET-Knoten. Achte auf Standorte mit "U" - das sind User-Zugänge. Prüfe dann, ob du Sichtverbindung hast.
Welche Hardware ist die beste für Einsteiger?
Die Ubiquiti NanoStation M5 ist ein häufig genutztes Einstiegsgerät mit guter Dokumentation in der HAMNET-Community. Je nach lokalem Userzugang kommen auch MikroTik-Geräte zum Einsatz. Welche Hardware passt, hängt vom Knoten in deiner Nähe ab - frage am besten beim lokalen Sysop nach.
Was ist der Unterschied zu Packet Radio?
Packet Radio aus den 1980ern schaffte maximal 9,6 kBit/s. HAMNET erreicht je nach Technik Datenraten im MBit/s- bis GBit/s-Bereich - um Größenordnungen schneller. Außerdem nutzt HAMNET Standard-IP-Protokolle statt AX.25.