HAMNET steht für Highspeed Amateurradio Multimedia Network - das "Intranet der Funkamateure". Ein in sich geschlossenes, TCP/IP-basiertes Amateurfunknetz - kein Internetersatz, sondern ein eigenständiges Funknetz. Aufgebaut und betrieben von Funkamateuren, für Funkamateure.

💡 Kurzfassung: HAMNET ist ein Breitband-Datennetz über Richtfunk im GHz-Bereich. Datenraten je nach Technik von 1 Mbit/s bis in den GBit/s-Bereich, viele Standorte in Europa. Der Einstieg kostet etwa 150-300 Euro.

Was ist HAMNET?

Stell dir vor: Ein Netzwerk wie das Internet - aber ohne Provider, ohne Zensur, ohne monatliche Kosten. Aufgebaut aus Hunderten von Richtfunkstrecken zwischen Berggipfeln, Funktürmen und Hochhäusern. Das ist HAMNET.

HAMNET entstand als Nachfolger des alten Packet Radio-Netzes. Ab 2008/2009 wurde es in Österreich und Deutschland aufgebaut. Heute ist HAMNET ein europaweites Netz mit zahlreichen Backbone- und Userstandorten - um Größenordnungen schneller als das alte Packet Radio.

Packet Radio (1980er)
  • Maximal 9,6 kBit/s
  • Nur Text und kleine Dateien
  • Hohe Latenz
HAMNET (heute)
  • Je nach Technik 1 Mbit/s bis GBit/s
  • Video, VoIP, Webserver
  • Echtzeit-Kommunikation

Warum nicht einfach das Internet nutzen?

HAMNET ist kein Internet-Ersatz - und das ist Absicht. Das Netz ist komplett vom kommerziellen Internet getrennt. Kein Zugang zum Internet, kein Zugang vom Internet.

Das klingt nach Einschränkung, ist aber eine Stärke:

  • Unabhängigkeit: Funktioniert auch bei Internet-Ausfall
  • Notfunk: Eigene Infrastruktur für Krisenszenarien
  • Experimentierfeld: Freies Testen ohne Sicherheitsrisiken
  • Amateurfunk-Dienste: EchoLink, APRS, ATV direkt über Funk

Was kannst du mit HAMNET machen?

Viele typische IP-Dienste lassen sich über HAMNET betreiben, soweit amateurfunkrechtlich zulässig. Hier die wichtigsten:

DienstBeschreibung
VoIP/SIP-TelefonieKostenlos telefonieren über Funk
EchoLinkWeltweite Relais-Verbindungen
WinLinkE-Mail über Funk (teils mit Internet-Gateways)
APRS-GatewaysPositionsdaten und Telemetrie
ATV/DATVAmateur-Fernsehen in Echtzeit
WebSDRFerngesteuerte Empfänger
WebserverAmateurfunk-exklusive Websites
Chat/MessagingInstant Messaging über Funk
✅ Praxis-Beispiel: Du sitzt zu Hause und steuerst einen WebSDR auf einem Berggipfel 100 km entfernt - komplett über HAMNET, ohne einen Byte über das Internet zu schicken.

HAMNET Einstieg: So kommst du rein

Der Einstieg ins HAMNET ist einfacher als du denkst. Du brauchst drei Dinge:

  1. Amateurfunklizenz Klasse E oder A (Klasse N reicht nicht - seit Juni 2024 darf auch Klasse E die HAMNET-Frequenzen nutzen)
  2. Sichtverbindung zu einem HAMNET-Knoten
  3. Die richtige Hardware (ca. 150-300 €)
⚠️ Warum brauche ich eine Lizenz? Anders als beim passiven Mithören von Amateurfunk ist HAMNET ein bidirektionales Netzwerk. Dein Gerät sendet automatisch, sobald du Daten anforderst - wie bei WLAN. "Nur empfangen" gibt es nicht. Deshalb ist eine Lizenz Pflicht.

Schritt 1: Knoten in der Nähe finden

Zuerst prüfst du, ob es überhaupt einen Zugangsknoten in deiner Nähe gibt. Die HamnetDB-Karte zeigt alle Standorte. Achte auf Knoten mit einem "U" im Symbol - das sind User-Zugänge.

⚠️ Sichtverbindung meist erforderlich: HAMNET arbeitet im GHz-Bereich. Für typische Userzugänge ist freie Sicht zum Knoten praktisch nötig. Hindernisse dämpfen das Signal erheblich.

Schritt 2: Hardware für den HAMNET Zugang

Für den Einstieg ins HAMNET hat sich bestimmte Hardware bewährt:

GerätPreisFrequenzBesonderheit
Ubiquiti NanoStation M5~80 €5 GHzHäufig für User-Zugänge eingesetzt
MikroTik QRT2~100 €2,4 GHz17 dBi Flachantenne, robust
Ubiquiti LiteBeam 5AC~60 €5 GHzGünstiger Einstieg, 23 dBi

Diese Geräte kombinieren Antenne und Transceiver in einem wetterfesten Gehäuse. Die Stromversorgung läuft über PoE durchs Netzwerkkabel - praktisch für die Montage am Mast.

Schritt 3: Antenne ausrichten

Die Antenne muss exakt auf den Zielknoten zeigen. Bei 5 GHz hast du nur wenige Grad Öffnungswinkel - kleine Abweichungen bedeuten große Signalverluste.

💡 Tipp: Die meisten HAMNET-Geräte haben ein Web-Interface, das die Signalstärke in Echtzeit anzeigt. Drehe langsam und beobachte den Pegel.

Schritt 4: Konfiguration

Nach der Montage musst du das Gerät konfigurieren:

  • SSID: Die des Zielknotens (findest du in der HamnetDB)
  • Frequenz: Passend zum Einstiegsknoten
  • IP-Adresse: Aus dem HAMNET-Bereich 44.0.0.0/8
  • Rufzeichen: Muss im Gerät hinterlegt sein

Detaillierte Anleitungen gibt es bei DL1NUX und im ÖVSV-Wiki.

Alternative: VPN-Zugang

Keinen Knoten in Reichweite? Einige Gruppen bieten VPN-Tunnel ins HAMNET an - zum Beispiel die Amateurfunkgruppe der RWTH Aachen. Damit kannst du HAMNET-Dienste nutzen, auch ohne Funk-Einstieg.

HAMNET Frequenzen und Technik

HAMNET nutzt Frequenzen im GHz-Bereich - spektral benachbart zu WLAN, aber auf für Amateurfunk reservierten Frequenzen:

BandFrequenzVerwendung
13 cm2,3 - 2,4 GHzUser-Zugänge
6 cm5,6 - 5,8 GHzLinkstrecken, User-Zugänge
3 cm10 GHzBackbone-Links
💡 Frequenzplanung: HAMNET nutzt Amateurfunkbereiche mit angepassten Kanälen/Bandbreiten. Koexistenz mit WLAN hängt von Planung und örtlicher HF-Situation ab.

Bandbreiten und Datenraten

Die Bandbreite ist gesetzlich geregelt:

  • 2,3 GHz: 5 MHz Bandbreite (typisch für User-Einstiege)
  • 5 GHz: 10 MHz Bandbreite (Linkstrecken)

Die erreichbare Datenrate am User-Einstieg variiert je nach Standort, Technik und Auslastung. Für VoIP, Webserver und viele Anwendungen reicht sie in der Regel aus.

Sendeleistung

Für HAMNET-Linkstrecken gelten besondere Leistungsregelungen nach aktueller BNetzA-Verfügung. Für User-Zugänge reichen deutlich geringere Leistungen.

HAMNET und Notfunk

HAMNET kann bei entsprechend notstromfähigen Standorten auch bei Ausfall anderer Kommunikationsnetze weiterarbeiten. Das macht es besonders interessant für den Notfunk.

Bei Naturkatastrophen oder großflächigen Ausfällen kann HAMNET als Kommunikations-Backbone dienen:

  • Autarke Stromversorgung: Knoten können mit Notstrom betrieben werden
  • Keine Abhängigkeiten: Kein Provider, kein Rechenzentrum nötig
  • Bewährte Technik: Standard-IP-Protokolle, keine Spezialsoftware
⚠️ Wichtig: HAMNET ersetzt keine professionelle BOS-Infrastruktur. Es ist eine Ergänzung - betrieben von Freiwilligen.

Selbst Knoten betreiben

Du willst nicht nur nutzen, sondern das Netz erweitern? Funkamateure können eigene HAMNET-Knoten aufbauen - vom einfachen User-Einstieg bis zur komplexen Backbone-Verbindung.

Was du dafür brauchst:

  • Standort: Möglichst hoch mit Sicht zu anderen Knoten
  • Genehmigung: Als automatisch arbeitende Amateurfunkstelle
  • Koordination: IP-Adressen und AS-Nummern über de.ampr.org
  • Hardware: Router, Richtfunkantennen, ggf. Sektorantennen für User-Zugänge
HAMNET-Karte ansehen: Finde Knoten in deiner Nähe und prüfe die Abdeckung.
HamnetDB öffnen

Noch keine Amateurfunklizenz?

Für HAMNET brauchst du mindestens die Klasse E. Die Prüfungsvorbereitung ist kostenlos!

Zur Prüfungsvorbereitung

Häufige Fragen zu HAMNET

Was kostet der HAMNET Einstieg?

Die Hardware kostet zwischen 150 und 300 Euro - je nach Gerät und ob du gebraucht kaufst. Die laufenden Kosten sind gering (hauptsächlich Strom), können aber je nach Aufbau variieren (z.B. Standortbeteiligung, Wartung).

Brauche ich eine Amateurfunklizenz?

Ja, HAMNET nutzt Amateurfunk-Frequenzen im 13-cm- und 6-cm-Band. Seit der AFuV-Novelle im Juni 2024 hat auch Klasse E Zugang zu diesen Bändern, allerdings mit eingeschränkter Leistung gemäß Anlage 1 der AFuV. Die konkreten Bedingungen hängen vom genutzten Frequenzbereich ab. Die Einsteigerklasse N hat keinen Zugang zu diesen Frequenzen.

Kann ich über HAMNET ins Internet?

HAMNET ist grundsätzlich als eigenständiges, vom kommerziellen Internet unabhängiges Netzwerk konzipiert und kein Internetersatz. Das ermöglicht autarken Betrieb und vermeidet rechtliche Probleme.

Wie finde ich einen Knoten in meiner Nähe?

Auf hamnetdb.net gibt es eine interaktive Karte aller HAMNET-Knoten. Achte auf Standorte mit "U" - das sind User-Zugänge. Prüfe dann, ob du Sichtverbindung hast.

Welche Hardware ist die beste für Einsteiger?

Die Ubiquiti NanoStation M5 ist ein häufig genutztes Einstiegsgerät mit guter Dokumentation in der HAMNET-Community. Je nach lokalem Userzugang kommen auch MikroTik-Geräte zum Einsatz. Welche Hardware passt, hängt vom Knoten in deiner Nähe ab - frage am besten beim lokalen Sysop nach.

Was ist der Unterschied zu Packet Radio?

Packet Radio aus den 1980ern schaffte maximal 9,6 kBit/s. HAMNET erreicht je nach Technik Datenraten im MBit/s- bis GBit/s-Bereich - um Größenordnungen schneller. Außerdem nutzt HAMNET Standard-IP-Protokolle statt AX.25.

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