Die Wellenlänge ist eine der fundamentalen Größen in der Funktechnik. Sie beschreibt den Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Punkten gleicher Phase einer Welle - beispielsweise zwischen zwei Wellenbergen. Im Amateurfunk bestimmt die Wellenlänge die Antennendimensionen, das Ausbreitungsverhalten und gibt den Frequenzbändern ihre Namen: 80-Meter-Band, 2-Meter-Band, 70-Zentimeter-Band.

💡 Kurzfassung: Die Wellenlänge λ berechnet sich aus λ = 300 / f (mit f in MHz und λ in Metern). Je höher die Frequenz, desto kürzer die Wellenlänge. Diese einfache Formel ist die Grundlage für alle Antennenberechnungen im Amateurfunk.

Physikalische Grundlagen

Was ist eine Wellenlänge?

Die Wellenlänge λ (griechisch: Lambda) ist der kleinste Abstand zweier Punkte gleicher Phase einer periodischen Welle. Anschaulich ausgedrückt: der Abstand von Wellenberg zu Wellenberg oder von Wellental zu Wellental.

Zwei Punkte haben die gleiche Phase, wenn sie:

  • Die gleiche Auslenkung (Elongation) haben
  • Sich in die gleiche Richtung bewegen

Die Wellenlänge ist das räumliche Analogon zur zeitlichen Periodendauer. Während die Periodendauer angibt, wie lange eine Schwingung dauert, gibt die Wellenlänge an, wie weit sich die Welle in dieser Zeit ausbreitet.

Elektromagnetische Wellen

Elektromagnetische Wellen - zu denen auch Funkwellen gehören - entstehen durch beschleunigte elektrische Ladungen. Sie breiten sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit aus:

📐 Lichtgeschwindigkeit:
c = 299.792.458 m/s ≈ 300.000 km/s

Für praktische Berechnungen im Amateurfunk wird c = 300.000.000 m/s verwendet.

Im Nahfeld einer Antenne sind elektrisches und magnetisches Feld phasenverschoben. Im Fernfeld (ab ca. 2λ Entfernung) schwingen beide Felder in Phase - erst dann spricht man von einer sich ausbreitenden elektromagnetischen Welle.

Das elektromagnetische Spektrum

Funkwellen (auch Radiowellen oder Hertzsche Wellen genannt) sind elektromagnetische Wellen im Frequenzbereich von etwa 10 kHz bis 300 GHz. Sie werden nach Wellenlänge in verschiedene Bereiche eingeteilt:

BezeichnungAbkürzungFrequenzbereichWellenlänge
LängstwellenVLF3 - 30 kHz100 - 10 km
LangwellenLF30 - 300 kHz10 - 1 km
MittelwellenMF300 kHz - 3 MHz1000 - 100 m
KurzwellenHF3 - 30 MHz100 - 10 m
UltrakurzwellenVHF30 - 300 MHz10 - 1 m
DezimeterwellenUHF300 MHz - 3 GHz100 - 10 cm
ZentimeterwellenSHF3 - 30 GHz10 - 1 cm
MillimeterwellenEHF30 - 300 GHz10 - 1 mm

Fett markiert: Für den Amateurfunk besonders relevante Bereiche.

Berechnung der Wellenlänge

Die Grundformel

Der Zusammenhang zwischen Wellenlänge, Frequenz und Ausbreitungsgeschwindigkeit ist:

📐 Grundformel:

$\displaystyle \lambda = \frac{c}{f}$

λ = Wellenlänge in Metern
c = Lichtgeschwindigkeit (299.792.458 m/s)
f = Frequenz in Hertz

Da Frequenz und Wellenlänge durch die konstante Lichtgeschwindigkeit verbunden sind, besteht eine umgekehrt proportionale Beziehung: Verdoppelt sich die Frequenz, halbiert sich die Wellenlänge - und umgekehrt.

Die vereinfachte Formel für den Amateurfunk

Für praktische Berechnungen im Amateurfunk wird eine vereinfachte Formel verwendet:

📐 Praktische Formel:

$\displaystyle \lambda_{[m]} = \frac{300}{f_{[MHz]}}$ bzw. $\displaystyle f_{[MHz]} = \frac{300}{\lambda_{[m]}}$

Die Lichtgeschwindigkeit wird auf 300 (Millionen m/s) gerundet, die Frequenz in MHz eingesetzt.

Beispielrechnungen

✅ Beispiel 1: Wellenlänge aus Frequenz

Gegeben: Frequenz f = 145 MHz (2-Meter-Band)
Gesucht: Wellenlänge λ

$\lambda = \frac{300}{145} = 2{,}07\,\text{m}$

Ergebnis: Die Wellenlänge beträgt ca. 2 Meter - daher der Name "2-Meter-Band".
✅ Beispiel 2: Frequenz aus Wellenlänge

Gegeben: Wellenlänge λ = 80 m
Gesucht: Frequenz f

$f = \frac{300}{80} = 3{,}75\,\text{MHz}$

Ergebnis: Das 80-Meter-Band liegt bei ca. 3,5 - 3,8 MHz.
✅ Beispiel 3: 70-Zentimeter-Band

Gegeben: Frequenz f = 435 MHz
Gesucht: Wellenlänge λ

$\lambda = \frac{300}{435} = 0{,}69\,\text{m} = 69\,\text{cm}$

Ergebnis: Die Wellenlänge beträgt ca. 70 cm.

Schnellreferenz: Typische Werte

FrequenzWellenlängeλ/2λ/4
3,5 MHz85,7 m42,9 m21,4 m
7 MHz42,9 m21,4 m10,7 m
14 MHz21,4 m10,7 m5,4 m
21 MHz14,3 m7,1 m3,6 m
28 MHz10,7 m5,4 m2,7 m
145 MHz2,07 m1,03 m52 cm
435 MHz69 cm34,5 cm17 cm
1296 MHz23 cm11,5 cm5,8 cm

Amateurfunkbänder und ihre Wellenlängen

Die Amateurfunkbänder werden traditionell nach ihrer gerundeten Wellenlänge benannt. Diese Bezeichnungen haben sich international durchgesetzt:

Kurzwellenbänder (HF)

BandFrequenzbereichWellenlängeCharakteristik
160 m1,810 - 2,000 MHz166 - 150 mNachtband, große Reichweiten möglich
80 m3,500 - 3,800 MHz86 - 79 mEuropaband, nachts DX möglich
40 m7,000 - 7,200 MHz43 - 42 mTag und Nacht nutzbar, Europa
30 m10,100 - 10,150 MHz30 mWARC-Band, nur CW/Digi
20 m14,000 - 14,350 MHz21 mDX-Band, tagsüber weltweit
17 m18,068 - 18,168 MHz17 mWARC-Band, sonnenabhängig
15 m21,000 - 21,450 MHz14 mGutes DX bei Sonnenaktivität
12 m24,890 - 24,990 MHz12 mWARC-Band, sonnenabhängig
10 m28,000 - 29,700 MHz11 - 10 mStark sonnenabhängig, DX

VHF/UHF-Bänder

BandFrequenzbereichWellenlängeCharakteristik
6 m50 - 52 MHz6 mSporadic-E, Tropo
2 m144 - 146 MHz2,08 - 2,05 mBeliebtestes VHF-Band
70 cm430 - 440 MHz70 - 68 cmBeliebtestes UHF-Band
23 cm1240 - 1300 MHz24 - 23 cmMikrowellen-Einstieg
13 cm2320 - 2450 MHz13 - 12 cmMikrowellen

Wellenlänge und Ausbreitung

Die Wellenlänge beeinflusst maßgeblich, wie sich Funkwellen ausbreiten. Dabei unterscheidet man zwei grundlegende Mechanismen:

Bodenwelle

Die Bodenwelle breitet sich entlang der Erdoberfläche aus. Ihre Reichweite nimmt mit steigender Frequenz ab:

  • 160-m-Band: Bodenwellenreichweite bis 200 km
  • 80-m-Band: Etwa 100 km
  • 40-m-Band: Nur noch ca. 50 km
  • Ab 20 m: Bodenwelle praktisch bedeutungslos

Raumwelle

Die Raumwelle verlässt die Erdoberfläche in steilem Winkel und wird an der Ionosphäre reflektiert. Diese Reflexion ermöglicht weltweite Funkverbindungen auf Kurzwelle.

💡 Ionosphäre: In 100 - 500 km Höhe befinden sich ionisierte Schichten (D, E, F1, F2), die durch Sonneneinstrahlung entstehen. Die F2-Schicht reflektiert Kurzwellen am effektivsten und ermöglicht DX-Verbindungen.

Tote Zone

Zwischen dem Ende der Bodenwellenreichweite und dem Auftreffpunkt der reflektierten Raumwelle liegt ein Bereich ohne Empfang - die tote Zone (Skip Zone). Ihre Ausdehnung hängt von Frequenz und Ionosphärenzustand ab.

Quasioptische Ausbreitung (VHF/UHF)

Ab dem VHF-Bereich (2 m und kürzer) werden Funkwellen nicht mehr an der Ionosphäre reflektiert. Sie breiten sich nahezu geradlinig aus - ähnlich wie Licht. Die Reichweite ist durch den Radiohorizont begrenzt:

📐 Radiohorizont:

$d_{[km]} \approx 4{,}12 \times (\sqrt{h_1} + \sqrt{h_2})$

d = Reichweite in km
h₁, h₂ = Antennenhöhen in Metern

Der Radiohorizont ist etwas weiter als der optische Horizont, da die Erdatmosphäre Funkwellen leicht bricht.
AntennenhöheRadiohorizont
2 m (Handfunkgerät)ca. 6 km
10 m (Hausdach)ca. 13 km
30 m (Mast)ca. 23 km
100 m (Turm)ca. 41 km
500 m (Berg)ca. 92 km

Wellenlänge und Antennen

Die Wellenlänge bestimmt die physikalischen Dimensionen von Antennen. Die wichtigsten Antennentypen basieren auf Bruchteilen der Wellenlänge.

Der Halbwellendipol (λ/2)

Die einfachste resonante Antenne hat eine Länge von einer halben Wellenlänge. In der Praxis wird ein Verkürzungsfaktor von ca. 0,95 angewendet:

📐 Dipollänge berechnen:

$L_{Dipol} = \frac{\lambda}{2} \times 0{,}95 = \frac{300}{f_{[MHz]}} \times 0{,}475 = \frac{142{,}5}{f_{[MHz]}}$

Beispiel 40-m-Band (7,1 MHz):
$L = \frac{142{,}5}{7{,}1} = 20{,}07\,\text{m}$

Jeder Schenkel ist dann 10,03 m lang.

Der Verkürzungsfaktor ergibt sich aus dem Durchmesser des Antennenmaterials - dickere Drähte verkürzen stärker.

Die Viertelwellenantenne (λ/4)

Groundplane-Antennen und Mobilantennen arbeiten oft mit einer Länge von λ/4. Sie benötigen ein Gegengewicht (Radials, Fahrzeugkarosserie).

📐 Viertelwellenlänge:

$L_{\lambda/4} = \frac{300}{f_{[MHz]} \times 4} \times 0{,}95 = \frac{71{,}25}{f_{[MHz]}}$

Beispiel 2-m-Band (145 MHz):
$L = \frac{71{,}25}{145} = 0{,}49\,\text{m} = 49\,\text{cm}$

Typische Antennenlängen

BandFrequenzλ/2-Dipolλ/4-Strahler
80 m3,65 MHz39,0 m19,5 m
40 m7,1 MHz20,1 m10,0 m
20 m14,2 MHz10,0 m5,0 m
15 m21,2 MHz6,7 m3,4 m
10 m28,5 MHz5,0 m2,5 m
2 m145 MHz98 cm49 cm
70 cm435 MHz33 cm16 cm

Die exakten Werte hängen vom Verkürzungsfaktor des Drahtes ab. Mit dem Antennen-Längenrechner kannst du die Antennenlänge für jede Frequenz und jeden Drahttyp interaktiv berechnen.

Resonanz und Impedanz

Eine Antenne ist in Resonanz, wenn ihre Länge ein Vielfaches von λ/4 beträgt. Die erste Resonanz tritt bei λ/4 auf, die nächste bei λ/2, dann bei 3λ/4 usw.

In Resonanz verschwindet der Blindanteil der Impedanz - es bleibt nur der Strahlungswiderstand:

  • λ/2-Dipol: ca. 73 Ω am Speisepunkt
  • λ/4-Groundplane: ca. 36 Ω (mit 50 Ω bei abgewinkelten Radials)
  • Gefalteter Dipol: ca. 300 Ω

Aufbauhöhe

Für optimale Abstrahlung sollte ein Dipol mindestens λ/4 über dem Boden montiert werden:

BandMinimale Höhe (λ/4)Optimale Höhe (λ/2)
80 m20 m40 m
40 m10 m20 m
20 m5 m10 m
2 m50 cm1 m

Praktische Anwendungen

Wellenlänge und Bandwahl

Lange Wellenlängen (80-160 m)
  • Große Antennen erforderlich
  • Gute Nahbereichsausbreitung
  • Nachts große Reichweiten
  • Weniger Störanfällig
Kurze Wellenlängen (10-15 m)
  • Kompakte Antennen möglich
  • DX bei Sonnenaktivität
  • Tagsüber weltweite Reichweiten
  • Störanfälliger

Verkürzte Antennen

Wenn die volle Antennenlänge nicht realisierbar ist, können Antennen elektrisch verkürzt werden - allerdings mit Einbußen bei Wirkungsgrad und Bandbreite:

  • Verlängerungsspulen: Induktivität kompensiert fehlende Länge
  • Kapazitätshüte: Kapazitive Endbelastung
  • Traps: Sperrkreise für Mehrbandbetrieb
⚠️ Faustregel: Eine Antenne sollte nicht kürzer als λ/10 sein. Darunter sinkt der Wirkungsgrad drastisch, und die Bandbreite wird extrem schmal.

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Häufige Fragen zur Wellenlänge

Wie berechnet man die Wellenlänge?

Die vereinfachte Formel lautet: λ = 300 / f, wobei f die Frequenz in MHz ist und λ die Wellenlänge in Metern. Beispiel: Bei 145 MHz ergibt sich 300 / 145 = 2,07 m - daher "2-Meter-Band".

Warum heißt es 2-Meter-Band und nicht 2,07-Meter-Band?

Die Bandbezeichnungen sind gerundete Werte, die sich auf die ungefähre Wellenlänge im Bandbereich beziehen. Sie dienen als praktische Kurzbezeichnungen. Die exakte Wellenlänge variiert ja auch über das Band.

Warum werden Antennen verkürzt?

Ein Dipol mit exakt λ/2 Länge hätte seinen Speisepunktwiderstand nicht bei genau 50 Ω. Durch den Verkürzungsfaktor (ca. 0,95) erreicht man bessere Anpassung. Zusätzlich spielt der Drahtdurchmesser eine Rolle - dickere Drähte verkürzen stärker.

Was ist der Unterschied zwischen Bodenwelle und Raumwelle?

Die Bodenwelle breitet sich entlang der Erdoberfläche aus und hat begrenzte Reichweite. Die Raumwelle wird an der Ionosphäre reflektiert und ermöglicht weltweite Verbindungen. Auf VHF/UHF gibt es praktisch keine Raumwellenausbreitung.

Wie lang muss eine 2-m-Antenne sein?

Ein λ/2-Dipol für 145 MHz ist etwa 98 cm lang (mit Verkürzungsfaktor). Eine λ/4-Groundplane oder Mobilantenne ist etwa 49 cm lang. Die genaue Länge hängt vom Antennendurchmesser und der exakten Frequenz ab.

Warum funktioniert Kurzwelle weltweit, UKW aber nicht?

Kurzwellen (3-30 MHz) werden an der Ionosphäre reflektiert und können so um die Erde "springen". UKW-Wellen (>30 MHz) durchdringen die Ionosphäre und breiten sich nur quasi-optisch aus - ihre Reichweite ist durch den Radiohorizont begrenzt.

Was ist die tote Zone?

Die tote Zone (Skip Zone) ist der Bereich zwischen dem Ende der Bodenwellenreichweite und dem ersten Auftreffpunkt der reflektierten Raumwelle. In diesem Bereich ist kein Empfang möglich. Die Größe variiert mit Frequenz und Ionosphärenzustand.

Warum sind 80-m-Antennen so groß?

Die Antennenlänge ist direkt proportional zur Wellenlänge. Bei 3,5 MHz beträgt die Wellenlänge ca. 85 m - ein Halbwellendipol wäre also über 40 m lang. Für Kurzwelle sind daher verkürzte Antennen oder Kompromisslösungen wie Vertikalantennen üblich.

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