Als Notfunk (auch Katastrophenfunk) bezeichnet man den Funkbetrieb, mit dem Funkamateure in Not- und Katastrophensituationen Hilfe leisten. Wenn Mobilfunk, Festnetz und Internet ausfallen, können Funkamateure mit ihrer Ausrüstung und ihrem Know-how die Kommunikation aufrechterhalten.
Was ist Notfunk?
Notfunk ist spezialisierte Funktechnik, die von lizenzierten Funkamateuren genutzt wird, um in Notfällen Kommunikationsverbindungen aufrechtzuerhalten. Funkamateure unterstützen dabei:
- Hilfsorganisationen (DRK, THW, Feuerwehr)
- Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)
- Katastrophenschutzbehörden
- Die Bevölkerung durch Weiterleitung von Notrufen
Wann wird Notfunk aktiviert?
| Situation | Beispiel |
|---|---|
| Naturkatastrophen | Hochwasser, Erdbeben, Stürme, Waldbrände |
| Infrastrukturausfälle | Stromausfall (Blackout), Netzwerkausfall |
| Technische Störungen | Ausfall von Mobilfunk und Festnetz |
| Großveranstaltungen | Überlastung der regulären Netze |
Rechtliche Grundlage
Notfunk ist im deutschen Amateurfunkgesetz (AFuG) ausdrücklich verankert:
„Im Sinne dieses Gesetzes ist Amateurfunkdienst ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen wird."
Damit ist Notfunk eine der offiziellen Aufgaben des Amateurfunkdienstes. Besonders wichtig: Für Notfunk sind Funkamateure ausdrücklich vom Verbot des Nachrichtenaustauschs für Dritte ausgenommen - sie dürfen also Nachrichten für andere Personen übermitteln.
Notfunkfrequenzen
Anders als im Seefunk oder Flugfunk gibt es im Amateurfunk keine verbindlichen Notruffrequenzen. Die IARU hat jedoch Aktivitätszentren (Center of Activity) empfohlen, die bei Notfällen bevorzugt genutzt werden:
Internationale Notfunkfrequenzen (IARU)
| Band | Frequenz | Betriebsart | Reichweite |
|---|---|---|---|
| 80m | 3.760 kHz | LSB | Regional (IARU Region 1) |
| 40m | 7.110 kHz | LSB | Regional (IARU Region 1 & 3) |
| 20m | 14.300 kHz | USB | Weltweit |
| 17m | 18.160 kHz | USB | Weltweit |
| 15m | 21.360 kHz | USB | Weltweit |
Nationale Frequenzen (Deutschland, Österreich, Schweiz)
| Band | Frequenz | Betriebsart | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 160m | 1.873 kHz | LSB | Nacht, regional |
| 80m | 3.643 kHz | LSB | DACH-Raum |
| 40m | 7.085 kHz | LSB | DACH-Raum |
| 30m | 10.138 kHz | CW/USB | DACH-Raum |
| 20m | 14.180 kHz | USB | DACH-Raum |
| 2m | 145.500 MHz | FM | Anruffrequenz mobil |
| 70cm | 434.000 MHz | FM | DACH-Raum |
Praxisbeispiel: Hochwasser im Ahrtal 2021
Die Flutkatastrophe im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zeigte die Bedeutung des Notfunks: Strom, Mobilfunk und Festnetz fielen großflächig aus. Straßen waren zerstört, das Ahrtal von der Außenwelt abgeschnitten.
„Im Ahrtal war das Netz tot - aber unser Funkkoffer lief."
Funkamateure konnten helfen bei:
- Koordination von Hilfsgütern
- Kommunikation für medizinische Versorgung
- Suche nach Vermissten
- Bereitstellung von Internetzugängen (für Online-Soforthilfe-Anträge)
Die Erfahrungen führten zu einer Neuausrichtung des DARC-Notfunkkonzepts: Moderne Notfunk-Einheiten müssen nicht nur Sprechfunk, sondern auch digitale Kommunikation und Internetzugang bereitstellen können.
Ausrüstung und Technik
Klassische Notfunk-Ausrüstung
- Kurzwellen-Transceiver: Für Fernverbindungen (100+ km)
- UKW-Handfunkgerät: Für lokale Kommunikation
- Antenne: Portabel, schnell aufbaubar (z.B. Drahtantenne, Mobilantenne)
- Stromversorgung: Akkus, Solarpanels, Generator
- Funkkoffer: Komplett ausgestattete, transportable Einheit
Digitale Notfunk-Systeme
Weltweites E-Mail-System über Amateurfunk:
- E-Mails mit Anhängen (bis 50 KB)
- Funktioniert ohne Internet
- Positionsmeldungen möglich
- FEMA-Formulare integriert
Modernes HF-Modem für Winlink:
- Hohe Übertragungsraten
- VARA HF (Kurzwelle)
- VARA FM (UKW)
- Kostenlose Basisversion
Weitere digitale Systeme:
- APRS: Automatische Positionsmeldungen (144.800 MHz)
- DMR: Digitaler Sprechfunk (z.B. Brandmeister TG 265112)
- Packet Radio: Datenübertragung über Funk
Organisation in Deutschland
DARC Referat Not- und Katastrophenfunk
Der DARC betreibt ein eigenes Referat für Notfunk mit folgenden Aufgaben:
- Ausbildung von Funkamateuren für den Notfunk
- Koordination mit Behörden und Hilfsorganisationen
- Bereitstellung von Ausrüstung und Konzepten
- Zusammenarbeit mit dem BBK
Weitere Organisationen
| Organisation | Schwerpunkt |
|---|---|
| Notfunk Deutschland e.V. | Mobile Funkeinheiten, Ausrüstung |
| Intermar e.V. | Seefunk, maritime Notfälle |
| Regionale Notfunkgruppen | Lokale Einsatzbereitschaft |
Wie kann ich mitmachen?
Jeder lizenzierte Funkamateur kann im Notfunk aktiv werden:
- Amateurfunkprüfung ablegen: Grundvoraussetzung für legalen Sendebetrieb
- Ausrüstung vorbereiten: Portables Equipment, Notstromversorgung
- Notfunkfrequenzen kennen: Im Gerät als Speicherplätze hinterlegen
- Notfunkgruppe beitreten: DARC-Ortsverband oder lokale Gruppe
- Schulungen besuchen: DARC-Notfunkseminare, Übungen
- Beginne mit einem 2m/70cm-Handfunkgerät und übe lokale Kommunikation
- Baue dir eine autarke Stromversorgung auf (Akkus, Solar)
- Informiere dich beim DARC-Ortsverband über lokale Notfunkaktivitäten
- Teste Winlink - E-Mail über Funk ist eine wichtige Notfunk-Fähigkeit
Mythen und Irrtümer
Falsch! Notfunk ist eine Ergänzung, kein Ersatz. Funkamateure unterstützen die professionellen Rettungskräfte mit Kommunikation - sie übernehmen keine Rettungseinsätze.
Falsch! Anders als im See- oder Flugfunk gibt es keine ständig überwachten Notruffrequenzen. Die IARU-Frequenzen sind Empfehlungen, keine garantiert besetzten Kanäle.
Kompliziert! In einem echten Notfall zur Rettung von Menschenleben gilt der rechtfertigende Notstand. Für regulären Notfunk-Einsatz ist aber eine gültige Amateurfunklizenz erforderlich.
Jetzt auf die Prüfung vorbereiten
Die Amateurfunkprüfung ist der erste Schritt zum Notfunker. Lerne die Grundlagen mit dem offiziellen BNetzA-Fragenkatalog.
Kostenlos startenHäufige Fragen zum Notfunk
Welche Frequenzen werden für Notfunk-Koordination genutzt?
Für die Koordination bei Katastrophen ist international 14.300 kHz USB die wichtigste Frequenz. Im Nahbereich (UKW) wird die Anruffrequenz 145.500 MHz FM genutzt. Wichtig: Persönliche Notfälle werden über 112 (Handy/Festnetz) gemeldet - nicht über Amateurfunk! Nur wenn keine Infrastruktur verfügbar ist, kann man über Funk einen anderen Funkamateur bitten, Hilfe zu organisieren.
Brauche ich eine spezielle Ausbildung für Notfunk?
Die Amateurfunkprüfung ist die Grundvoraussetzung. Darüber hinaus bietet der DARC spezielle Notfunk-Seminare an. Eine formale Zusatzausbildung ist aber nicht vorgeschrieben.
Ist Notfunk im Amateurfunkgesetz geregelt?
Ja! §2 Nr. 2 des Amateurfunkgesetzes nennt ausdrücklich die „Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen" als Aufgabe des Amateurfunkdienstes.
Was ist Winlink?
Winlink ist ein weltweites E-Mail-System über Amateurfunk. Es ermöglicht das Senden und Empfangen von E-Mails ohne Internet - ideal für Notfunk, wenn die reguläre Infrastruktur ausgefallen ist.
Wie finde ich eine Notfunkgruppe in meiner Nähe?
Kontaktiere deinen lokalen DARC-Ortsverband oder das DARC-Referat Not- und Katastrophenfunk. Auch der Verein „Notfunk Deutschland e.V." ist bundesweit aktiv.
Welche Ausrüstung brauche ich für Notfunk?
Mindestens ein portables Funkgerät (z.B. 2m/70cm-Handfunkgerät) mit autarker Stromversorgung (Akkus). Für Fernverbindungen ist ein Kurzwellen-Transceiver mit portabler Antenne sinnvoll.