DX und Ausbreitung - Weltkarte mit Kurzwellen-Funkwegen

DX steht im Amateurfunk für Distanz und bezeichnet Funkverbindungen über große Entfernungen - typischerweise zwischen Kontinenten. Ob ein Band "offen" ist, hängt von der Ionosphäre ab, die wiederum von der Sonnenaktivität beeinflusst wird.

💡 Kurzfassung: Diese Seite zeigt dir in Echtzeit, welche Kurzwellenbänder gerade für DX-Verbindungen offen sind - basierend auf aktuellen Spots aus PSK Reporter und DXCluster.

Aktuelle Sonnenaktivität

🟡 Mäßige Bedingungen
Bei SFI 117 ist die Ionisation für die oberen Bänder begrenzt - 10m/12m können tagsüber öffnen, 15m-40m funktionieren zuverlässig. K-Index 3 zeigt leicht aktive Bedingungen.
117
SFI
Mittel
Sonnenfluss-Index: Je höher, desto besser die Ausbreitung auf den oberen Bändern (10m-20m).
3
K-Index
Leicht gestört
Geomagnetische Aktivität (0-9): Niedrig = ruhig, hoch = gestört. Ab K>4 sind polare Wege beeinträchtigt.
12
A-Index
Leicht gestört
Täglicher Durchschnitt der geomagnetischen Aktivität. Unter 10 = stabil, über 30 = Sturm.
66
Sonnenflecken
Mittel
Anzahl der Sonnenflecken: Mehr Flecken = mehr Ionisation = bessere KW-Ausbreitung.

Aktuelle Bandöffnungen für Deutschland

CW/SSB

CW (Morsen) und SSB (Sprechfunk) sind die klassischen Betriebsarten im Amateurfunk. Diese Spots stammen aus dem DXCluster und dem Reverse Beacon Network (RBN). Hier werden nur stärkere Signale gemeldet - wenn ein Band hier auftaucht, sind gute Verbindungen möglich.

Zuletzt aktualisiert: 10.01.2026, 10:02 Uhr

BandStatusSpotsDX-Regionen
12m🔴 Gering1W
15m🔴 Gering1BY
20m⚫ Geschlossen0-
40m⚫ Geschlossen0-

Digimodes (FT8/FT4)

FT8 und FT4 sind digitale Betriebsarten, bei denen Computer die Signale automatisch dekodieren. Selbst extrem schwache Signale werden erkannt - ideal um zu sehen, welche Bänder gerade "offen" sind. Die Daten stammen von PSK Reporter, einem weltweiten Netzwerk von Empfangsstationen.

Zuletzt aktualisiert: 10.01.2026, 10:02 Uhr

BandStatusSpotsDX-Regionen
10m🔴 Gering44JA, ZS, BY, HL
12m🔴 Gering12JA, BY, HL
15m🔴 Gering31JA, VK, BY
17m🔴 Gering21JA, HL
20m🔴 Gering27JA, VK
30m🔴 Gering6JA
40m🔴 Gering6ZL, W

HF-Ausbreitungsvorhersage

Die Vorhersage wird mit dem VOACAP-Modell berechnet - dem Industriestandard für HF-Ausbreitungsprognosen. Basierend auf der aktuellen Sonnenfleckenzahl (SSN) und historischen Ionosphärendaten wird für jeden Funkpfad von JN49 das erwartete Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) ermittelt.

Zuletzt aktualisiert: 10.01.2026, 05:05 Uhr

🌅 Greyline (UTC): ☀️ 07:16 | 🌙 15:39
Uhrzeit (UTC):09:00
0023
180°120°W60°W60°E120°E180°60°N30°N30°S60°SNASAEUAFASOC8.200 km10.500 km6.500 km9.200 km16.000 km
40-50 dB
30-40 dB
20-30 dB
10-20 dB
<10 dB

Was bedeutet DX?

Das Kürzel DX stammt aus der Telegrafie und steht für "Distanz" oder "Distance". Im Amateurfunk bezeichnet es:

  • Weitverbindungen über mehrere tausend Kilometer
  • Seltene Länder oder Gebiete (z.B. Inseln, Antarktis)
  • Schwache Signale aus entfernten Regionen

Eine Verbindung nach Japan, Australien oder Südamerika von Deutschland aus ist typisches "DX". Verbindungen innerhalb Europas gelten meist nicht als DX, außer zu sehr seltenen Ländern.

✅ DX-Präfixe: Am Rufzeichen erkennst du die Herkunft: JA = Japan, VK = Australien, ZL = Neuseeland, W/K = USA, PY = Brasilien, ZS = Südafrika.

Ab wann gilt eine Verbindung als DX?

Die Definition von DX hängt vom genutzten Frequenzbereich ab:

FrequenzbereichDX-DefinitionBeispiele
Kurzwelle (HF)Ab 3.000 km oder anderer KontinentDeutschland - USA, Japan, Australien
2m / 70cm (VHF/UHF)Ab 300 km (über Sichtweite hinaus)München - Berlin per Tropo
6m (Magic Band)Ab 1.000 kmEuropa - USA bei Sporadic-E

Wie funktioniert Kurzwellenausbreitung?

Kurzwellen (3-30 MHz) können die Erde umrunden, weil sie an der Ionosphäre reflektiert werden. Diese Schicht in 60-400 km Höhe wird durch Sonnenstrahlung ionisiert und wirkt wie ein Spiegel für Funkwellen.

Die Ionosphären-Schichten

SchichtHöheBedeutung für Funk
D-Schicht60-90 kmDämpft niedrige Frequenzen tagsüber (80m/160m)
E-Schicht90-150 kmErmöglicht Sporadic-E (plötzliche Bandöffnungen)
F1-Schicht150-250 kmTagsüber aktiv, verschmilzt nachts mit F2
F2-Schicht250-400 kmWichtigste Schicht für DX - reflektiert bis 30 MHz
📡 Ein "Hop": Bei einer Reflexion an der Ionosphäre (ein "Hop") sind Reichweiten bis ca. 3.000 km möglich. Für interkontinentale Verbindungen sind mehrere Hops nötig - das Signal springt zwischen Ionosphäre und Erdoberfläche hin und her.

Sonnenaktivität und Funkwetter

Die Qualität der Ionosphäre hängt direkt von der Sonnenaktivität ab. Mehr Sonnenflecken bedeuten stärkere UV-Strahlung, bessere Ionisation und damit bessere DX-Bedingungen auf den oberen Bändern.

Die wichtigsten Indizes

IndexBedeutungGute Werte
SFISolar Flux Index - Maß für Sonnenaktivitätüber 100 (besser: über 150)
K-IndexUnruhe des Erdmagnetfelds (0-9)0-2 (ruhig)
A-IndexTäglicher Durchschnitt der Magnetfeld-Aktivitätunter 10
SSNSonnenfleckenzahlüber 100
⚠️ Faustregel: Hoher SFI + niedriger K-Index = gute DX-Bedingungen. Bei K > 4 sind polare Funkwege gestört (Nordamerika, Skandinavien).

Der 11-Jahres-Sonnenzyklus

Die Sonnenaktivität schwankt in einem etwa 11-jährigen Zyklus. Im Sonnenfleckenmaximum (wie aktuell 2024-2026) sind die oberen Bänder (10m, 12m, 15m) oft weltweit offen. Im Minimum (ca. 2030) funktioniert DX hauptsächlich auf den unteren Bändern (40m, 80m, 160m).

📈 Aktuell: Wir befinden uns im Sonnenfleckenmaximum des Zyklus 25. Die oberen Bänder bieten exzellente DX-Möglichkeiten - nutze die Chance!

Die HF-Bänder im Detail

Jedes Amateurfunkband hat seinen eigenen "Charakter" - bestimmte Tageszeiten, Jahreszeiten und Bedingungen, unter denen es am besten funktioniert. Das Verständnis dieser Eigenschaften ist der Schlüssel zu erfolgreichem DX.

160m - Das Topband (1,8-2,0 MHz)

Das 160-Meter-Band ist technisch ein Mittelwellenband (MF) und verhält sich ähnlich wie der AM-Rundfunk. Es gilt als die "Königsdisziplin" des DX - anspruchsvoll, aber mit einzigartigen Erlebnissen.

Eigenschaft160m
Beste ZeitNacht, besonders Mitternacht bis Morgendämmerung
Beste JahreszeitWinter (niedriges atmosphärisches Rauschen)
Typische ReichweiteTag: 50-100 km | Nacht: bis weltweit
SonnenaktivitätBesser bei Sonnenminimum (weniger E-Schicht-Absorption)

Besonderheiten: Anders als bei höheren Bändern ist DX auf 160m im Sonnenfleckenminimum oft besser. Bei hoher Sonnenaktivität absorbiert die E-Schicht nachts mehr Signale. Ducting - wo Signale entlang der Ionosphäre "geleitet" werden - ist hier der Hauptmechanismus für DX.

⚠️ Herausforderung: 160m erfordert große Antennen (Dipol = 80m lang!), viel Sendeleistung und Geduld. Im Sommer ist das Band durch atmosphärisches Rauschen (Gewitter) oft unbrauchbar.

80m/75m - Das Nachtband (3,5-3,8 MHz)

Ein klassisches Nachtband mit lebhafter Aktivität. In Europa ist 3,5-3,6 MHz für CW reserviert, 3,6-3,8 MHz für SSB ("75m" im amerikanischen Sprachgebrauch).

Eigenschaft80m
Beste ZeitNacht (ab ca. 1 Stunde nach Sonnenuntergang)
Beste JahreszeitWinter (weniger QRN, bessere F-Schicht)
Typische ReichweiteTag: 100-300 km | Nacht: ganz Europa, selten USA
SonnenaktivitätFunktioniert bei jeder Sonnenaktivität

Besonderheiten: Tagsüber absorbiert die D-Schicht 80m-Signale stark - nur Bodenwelle funktioniert. Nach Sonnenuntergang verschwindet die D-Schicht, und plötzlich sind Reichweiten von mehreren tausend Kilometern möglich. An guten Winternächten ist transatlantisches DX möglich.

40m - Das Übergangsband (7,0-7,2 MHz)

Das 40-Meter-Band ist ein echter Allrounder: Es funktioniert sowohl tagsüber als auch nachts und bietet zu fast jeder Zeit brauchbare Bedingungen.

Eigenschaft40m
Beste ZeitGanztägig, DX besonders nachts
Beste JahreszeitWinter für DX, Sommer für Europa
Typische ReichweiteTag: 500-2000 km | Nacht: weltweit
SonnenaktivitätFunktioniert bei jeder Sonnenaktivität

Besonderheiten: 40m ist das zuverlässigste DX-Band bei niedrigen Sonnenfleckenzahlen. Tagsüber erreicht man ganz Europa, nachts öffnet sich das Band für interkontinentales DX. Die Greyline-Zeiten (Dämmerung) sind besonders produktiv.

✅ Für Klasse A: 40m ist ideal zum Einstieg ins DX - es funktioniert fast immer, die Antennen sind noch handhabbar (Dipol = 20m), und es gibt viel Aktivität.

30m - Das WARC-Band (10,1-10,15 MHz)

Das 30-Meter-Band ist ein WARC-Band - keine Contests, nur CW und digitale Betriebsarten. Es liegt genau zwischen 40m und 20m und kombiniert deren Eigenschaften.

Eigenschaft30m
Beste ZeitGanztägig, oft besser nachts
Beste JahreszeitGanzjährig nutzbar
Typische ReichweiteTag: Europa | Nacht: weltweit
SonnenaktivitätFunktioniert bei jeder Sonnenaktivität

Besonderheiten: 30m ist oft offen, wenn 20m "tot" ist. Da keine Contests stattfinden, ist das Band ruhiger und entspannter. Besonders für Stationen mit durchschnittlicher Ausrüstung interessant, da weniger "Big Guns" unterwegs sind. In den USA gilt ein Leistungslimit von 200 Watt.

20m - Das DX-Band Nr. 1 (14,0-14,35 MHz)

Das 20-Meter-Band ist das wichtigste und zuverlässigste DX-Band im Amateurfunk. Es funktioniert zu fast jeder Tageszeit und bei fast jeder Sonnenaktivität.

Eigenschaft20m
Beste ZeitGanztägig, auch nachts bei hoher Sonnenaktivität
Beste JahreszeitGanzjährig, Frühling/Herbst optimal
Typische ReichweiteInterkontinental (nicht für lokale QSOs geeignet)
SonnenaktivitätFunktioniert immer, nachts nur bei hohem SFI
💡 20m nachts: Die Frage "Funktioniert 20m nachts?" hört man oft. Die Antwort: Es kommt darauf an.
  • Bei hoher Sonnenaktivität (SFI > 120): 20m kann die ganze Nacht offen bleiben
  • Im Sonnenmaximum: Stationen berichten von wochenlangen 24/7-Öffnungen
  • Bei niedriger Sonnenaktivität: 20m schließt oft 1-2 Stunden nach Sonnenuntergang
  • Long-Path: Nachts können Signale über den "langen Weg" (über den Pazifik) nach Australien/Japan ankommen, wenn dort Tag ist

Besonderheiten: 20m hat eine große Skip-Zone - Stationen innerhalb von ca. 500-800 km sind oft nicht erreichbar. Für lokale Kontakte ist 20m daher ungeeignet.

17m - Das WARC-Band (18,068-18,168 MHz)

Ein weiteres WARC-Band ohne Contestbetrieb. Verhält sich ähnlich wie 20m, aber mit kürzeren Öffnungszeiten.

Eigenschaft17m
Beste ZeitTagsüber, schließt früher als 20m
Beste JahreszeitFrühling, Herbst
Typische ReichweiteInterkontinental
SonnenaktivitätBraucht moderate Sonnenaktivität

15m - Das High-Band (21,0-21,45 MHz)

Ein klassisches Tagesband, das bei guten Bedingungen exzellentes DX bietet.

Eigenschaft15m
Beste ZeitVormittag bis früher Nachmittag
Beste JahreszeitFrühling, Herbst (Äquinoktien)
Typische ReichweiteWeltweit bei guten Bedingungen
SonnenaktivitätBraucht moderate bis hohe Sonnenaktivität

Besonderheiten: Im Sonnenfleckenmaximum ist 15m oft das produktivste DX-Band überhaupt. Im Minimum kann es monatelang "tot" sein. Die Öffnungen sind kürzer als auf 20m, aber die Signale können sehr stark sein.

✅ Für Klasse E: 15m ist neben 10m dein bestes DX-Band. Im aktuellen Sonnenmaximum sind weltweite Verbindungen möglich - nutze die Chance!

12m - Das WARC-Band (24,89-24,99 MHz)

Das dritte WARC-Band, verhält sich ähnlich wie 10m, aber ohne Contests.

Eigenschaft12m
Beste ZeitMittag, kürzere Öffnungen
Beste JahreszeitÄquinoktien bei hoher Sonnenaktivität
Typische ReichweiteWeltweit, wenn offen
SonnenaktivitätBraucht hohe Sonnenaktivität

10m - Das oberste KW-Band (28,0-29,7 MHz)

Das höchste HF-Band - unberechenbar, aber mit spektakulären Öffnungen. Bei guten Bedingungen ist weltweites DX mit QRP und einfachen Antennen möglich.

Eigenschaft10m
Beste ZeitTagsüber, kurze intensive Öffnungen
Beste JahreszeitSommer (Sporadic-E), Äquinoktien (F2)
Typische ReichweiteWeltweit oder tot - kaum Mittelding
SonnenaktivitätStark abhängig von hoher Sonnenaktivität

Besonderheiten: 10m zeigt zwei verschiedene Ausbreitungsarten:

  • F2-Propagation: Bei hoher Sonnenaktivität - weltweites DX möglich
  • Sporadic-E: Im Sommer (Mai-August) - plötzliche Öffnungen nach Europa mit sehr starken Signalen über 800-2400 km
✅ Für Klasse N: 10m ist das einzige Kurzwellenband für Klasse N. Nutze das aktuelle Sonnenmaximum - die Bedingungen sind exzellent!

6m - Das Magic Band (50,0-52,0 MHz)

Das 6-Meter-Band liegt an der Grenze zwischen Kurzwelle und UKW und wird als "Magic Band" bezeichnet - weil es völlig unvorhersehbar zwischen "komplett tot" und "spektakulären Öffnungen" wechseln kann.

Eigenschaft6m
Beste ZeitUnvorhersehbar - plötzliche Öffnungen
Beste JahreszeitSommer (Sporadic-E), Sonnenmaximum (F2)
Typische ReichweiteLokal oder 1000-5000+ km - kein Mittelding
SonnenaktivitätF2: Nur bei sehr hoher Aktivität | Es: Unabhängig

Ausbreitungsarten auf 6m:

  • Sporadic-E (Es): Die häufigste DX-Möglichkeit auf 6m. Im Sommer (Mai-August) entstehen plötzlich ionisierte Wolken in der E-Schicht, die Signale über 800-2400 km reflektieren. Öffnungen dauern Minuten bis Stunden.
  • F2-Propagation: Nur im Sonnenmaximum bei sehr hohem SFI (>150). Dann ist sogar transatlantisches und weltweites DX möglich - extrem selten und begehrt!
  • TEP (Trans-Equatorial Propagation): Signale können entlang des magnetischen Äquators über tausende Kilometer reisen.
  • Meteorscatter: Reflexion an Meteoritenbahnen - sehr kurze Bursts, ideal für digitale Modi.
💡 Warum "Magic Band"? Weil 6m unberechenbar ist. An 364 Tagen im Jahr passiert nichts - und dann plötzlich arbeitet man mit 5 Watt und einem Dipol Stationen in 3000 km Entfernung. Diese "magischen Momente" machen das Band so faszinierend.
⚠️ Nur Klasse A: Das 6m-Band ist in Deutschland nur für Klasse A freigegeben.

Übersichtstabelle: Tag vs. Nacht

BandTagNachtGreyline
160mNur lokal (50-100 km)DX möglichExcellent
80mRegional (100-300 km)Europa, selten DXSehr gut
40mEuropa (500-2000 km)Weltweit DXSehr gut
30mEuropa bis kurzes DXWeltweit DXGut
20mWeltweitEingeschränkt*Gut
17mWeltweit (wenn offen)Meist geschlossenMöglich
15mWeltweit (wenn offen)GeschlossenKurz
12mWeltweit (wenn offen)GeschlossenSelten
10mWeltweit (wenn offen)GeschlossenSelten
6mSporadic-E möglichGeschlossen-

* 20m nachts: Bei hoher Sonnenaktivität (SFI > 120) kann 20m auch nachts offen bleiben.

Greyline-Propagation

Die Greyline (auch "Dämmerungslinie" oder "Terminator") ist der schmale Streifen auf der Erde, wo gerade Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang stattfindet. Entlang dieser Linie herrschen besondere Ausbreitungsbedingungen.

Warum funktioniert die Greyline so gut?

Die D-Schicht, die tagsüber HF-Signale absorbiert, verschwindet bei Sonnenuntergang sehr schnell. Gleichzeitig ist die F-Schicht noch gut ionisiert. Dieses kurze Zeitfenster - etwa 30-60 Minuten bei Sonnenaufgang und -untergang - bietet ideale Bedingungen:

  • Kaum D-Schicht-Absorption: Signale werden nicht gedämpft
  • Noch hohe MUF: Auch höhere Frequenzen werden reflektiert
  • Fokussierungseffekt: Signale werden entlang der Dämmerungslinie "gebündelt"
💡 Maximum-Effekt: Die Greyline wirkt am stärksten, wenn beide Stationen gleichzeitig in der Dämmerungszone sind. Das ermöglicht QSOs, die sonst unmöglich wären - etwa Europa nach Neuseeland auf 80m.

Greyline nach Bändern

BandGreyline-EffektTypische Dauer
160mExtrem wichtig - oft die einzige DX-Chance5-30 Minuten
80mSehr wichtig für transatlantisches DX10-30 Minuten
40mDeutlich verstärkte Signale, zuverlässig30-60 Minuten
30mGuter Effekt, längere Öffnungen30-60 Minuten
20mVerstärkung, aber weniger kritisch30-60 Minuten
15m-10mGeringer Effekt-

Praktische Nutzung

Erfahrene DXer planen ihre Aktivität gezielt um die Greyline-Zeiten:

  • Sonnenaufgang: Beste Zeit für DX nach Westen (Pazifik, Amerika)
  • Sonnenuntergang: Beste Zeit für DX nach Osten (Asien, Pazifik)
  • Tools nutzen: Greyline-Karten zeigen die aktuelle Dämmerungslinie
✅ Tipp: Notiere dir die Sonnenauf- und -untergangszeiten für deinen Standort. 30 Minuten vor bis 30 Minuten nach diesen Zeiten solltest du auf den unteren Bändern (40m, 80m, 160m) QRV sein!

Skip-Zone und tote Zone

Die Skip-Zone (auch "tote Zone" oder "Schweigebereich") ist ein Bereich, in dem ein Sender nicht empfangen werden kann - obwohl er weiter entfernte Stationen erreicht.

Wie entsteht die Skip-Zone?

Sie liegt zwischen zwei Bereichen:

  1. Bodenwelle: Reicht nur wenige Kilometer (je nach Frequenz und Gelände)
  2. Erste Raumwellenrückkehr: Wo das Signal nach der Ionosphärenreflexion wieder auftrifft

Zwischen diesen beiden Bereichen - der Skip-Zone - gibt es keinen Empfang.

BandTypische Skip-Zone
160m-80mMeist keine oder sehr klein
40mTagsüber: 300-800 km | Nachts: größer
20m500-1500 km (je nach Tageszeit)
15m-10m800-2500 km (kann sehr groß sein)

Einflussfaktoren

  • Frequenz: Je höher, desto größer die Skip-Zone
  • Tageszeit: Nachts ist die Skip-Zone größer
  • Sonnenaktivität: Bei niedrigem SSN wird die Skip-Zone größer
  • Jahreszeit: Im Winter größer als im Sommer
⚠️ Praxisbeispiel: Auf 20m kannst du Moskau und Madrid arbeiten, aber nicht Berlin oder Amsterdam - die liegen in deiner Skip-Zone. Das ist kein Gerätefehler, sondern Physik!

NVIS - Die Skip-Zone schließen

NVIS (Near Vertical Incidence Skywave) ist eine Antennentechnik, die Signale fast senkrecht nach oben abstrahlt. So werden auch Stationen innerhalb der Skip-Zone erreicht.

  • Funktioniert auf: 80m (nachts), 40m (tagsüber), 60m
  • Reichweite: 50-500 km (regional)
  • Antennenhöhe: Sehr niedrig (ca. 3-5m für 40m)
  • Anwendung: Notfunk, Bergfunk (SOTA), regionale Netze

Short-Path vs. Long-Path

Jede Funkverbindung kann theoretisch über zwei Wege erfolgen: den kurzen Weg (Short-Path) oder den langen Weg (Long-Path) um die Erde herum.

Beispiel: Deutschland nach Australien

PfadRichtungEntfernungAnzahl Hops
Short-PathOstsüdost (ca. 70°)~16.500 km5-6 Hops
Long-PathWestsüdwest (ca. 250°)~23.500 km7-8 Hops

Wann ist Long-Path besser?

Obwohl Long-Path mehr Hops benötigt, kann er manchmal stärkere Signale liefern:

  • Weg über Wasser: Der Long-Path führt oft über Ozeane - Salzwasser reflektiert besser als Land
  • Chordal Hops: Signale können innerhalb der Ionosphäre "gleiten" ohne den Boden zu berühren
  • Sonnenlicht-Pfad: Wenn der Long-Path durch Tageslicht führt (höhere MUF), der Short-Path aber durch Dunkelheit
💡 Long-Path erkennen: Wenn ein Signal aus der "falschen" Richtung kommt (z.B. Japan aus Westen statt Osten), ist es Long-Path. Die Signale sind oft mit charakteristischem "Flutter" versehen.

Beste Zeiten für Long-Path

Long-Path funktioniert am besten:

  • Um Sonnenaufgang nach Westen (Pazifik, Amerika)
  • Um Sonnenuntergang nach Osten (Asien)
  • Wenn der Pfad möglichst lange durch Tageslicht (auf höheren Bändern) oder Dunkelheit (auf niedrigen Bändern) führt

Jahreszeitliche Unterschiede

Die Jahreszeit beeinflusst die Kurzwellenausbreitung erheblich:

Winter

  • Niedrige Bänder (160m, 80m): Beste Jahreszeit! Weniger atmosphärisches Rauschen, längere Nächte = mehr DX-Zeit
  • MUF höher: Paradoxerweise ist die MUF der F2-Schicht im Winter höher als im Sommer
  • Kurze Tage: Weniger D-Schicht-Absorption auf den unteren Bändern
  • Hohe Bänder: Kürzere Öffnungszeiten, da weniger Sonneneinstrahlung

Sommer

  • Sporadic-E: Mai-August ist Sporadic-E-Saison auf 10m und 6m
  • Hohes QRN: Gewitter verursachen starkes Rauschen auf 80m und 160m
  • Längere Tage: Mehr Zeit für die oberen Bänder
  • Niedrige Bänder: Oft durch Störungen unbrauchbar

Frühling und Herbst (Äquinoktien)

  • Beste Zeit für 10m-20m: Die ausgeglichene Sonneneinstrahlung über beide Hemisphären begünstigt stabile Ausbreitungsbedingungen
  • Zuverlässige Öffnungen: Weniger extreme Schwankungen als im Sommer/Winter
  • Gute DX-Zeit: Die Äquinoktien (März, September) gelten als die produktivsten DX-Monate
✅ Faustregel: Im Winter auf die unteren Bänder (160m, 80m, 40m), im Sommer auf die oberen (15m, 10m, 6m). Frühling und Herbst sind ideal für 20m und 15m.

Betriebsarten im Vergleich: Wer kommt weiter?

Nicht nur die Bedingungen entscheiden über den DX-Erfolg - auch die Betriebsart macht einen enormen Unterschied. Digitale Modi wie FT8 können Signale dekodieren, die für das menschliche Ohr völlig unhörbar sind.

Minimaler Signal-Rauschabstand (SNR)

Der SNR gibt an, wie weit ein Signal über (positiv) oder unter (negativ) dem Rauschen liegen muss, um dekodiert/verstanden zu werden:

BetriebsartMin. SNRBandbreiteVorteil vs. SSB
SSB (Sprache)+10 dB~2500 HzReferenz
CW (Morsen)-12 bis -15 dB~100 Hz~22-25 dB
FT8-20 bis -21 dB~6 Hz~30 dB
FT4-17 dB~21 Hz~27 dB
JS8Call-22 dB~16 Hz~32 dB
📊 Was bedeuten diese dB-Werte?
  • 10 dB Unterschied = 10-fache Leistung nötig (oder 10× bessere Antenne)
  • 30 dB Unterschied = 1000-fache Leistung nötig!
FT8 benötigt also theoretisch nur 1/1000 der Leistung von SSB für die gleiche Verbindung.

Praktische Umrechnung: FT8-Report zu CW/SSB

Wenn du einen FT8-Report erhältst, kannst du abschätzen, ob CW oder SSB möglich wäre:

FT8-ReportCW möglich?SSB möglich?
-20 bis -14 dBNeinNein
-14 bis -10 dBJa, mit ÜbungNein
-10 bis 0 dBJa, einfachSchwierig
0 dB und höherJaJa

Wann welche Betriebsart?

SituationEmpfehlungBegründung
Marginale Bedingungen, schwache SignaleFT8/FT4Funktioniert noch bei -20 dB SNR
Mäßige Bedingungen, mehr Austausch gewünschtCWEffizient und flexibel
Gute Bedingungen, echte GesprächeSSBPersönlicher Kontakt
Sporadic-E, kurze ÖffnungenFT8/CWSchnelle QSOs
ContestsCW/SSBMehr Punkte pro QSO
✅ DX-Effizienz-Ranking: Für maximale Reichweite mit minimaler Ausrüstung: FT8 > CW > SSB. Für echte Gespräche und persönlichen Kontakt: SSB > CW. Beides hat seinen Reiz!

Antennen zählen doppelt

Eine Verbesserung der Antenne bringt doppelten Gewinn: +3 dB beim Senden UND +3 dB beim Empfangen = effektiv +6 dB Vorteil. Im Vergleich:

  • Sendeleistung verdoppeln: +3 dB Vorteil
  • Antenne von Dipol auf 3-Element-Yagi: +6 dB Vorteil (Senden) + +6 dB (Empfangen) = +12 dB effektiv

Deshalb lohnt sich die Investition in eine gute Antenne mehr als in einen Verstärker!

✅ Empfehlung für Einsteiger: Starte mit FT8 auf 10m - im aktuellen Sonnenmaximum ist das Band oft weltweit offen und steht allen Lizenzklassen (N, E, A) zur Verfügung. Für Klasse A ist 20m das zuverlässigste DX-Band.

DX-Cluster und Spots

Ein DX-Cluster ist ein Netzwerk, in dem Funkamateure melden, welche seltenen Stationen sie gerade hören. Diese "Spots" helfen dir, interessante DX-Stationen zu finden.

Beliebte DX-Cluster

  • DXSummit (dxsummit.fi) - Web-Interface mit Filtermöglichkeiten
  • DXWatch (dxwatch.com) - Übersichtliche Darstellung
  • PSK Reporter (pskreporter.info) - Automatische Spots für Digimodes (FT8, FT4)
  • Reverse Beacon Network (reversebeacon.net) - Automatische CW/RTTY-Spots

DXCC - Der DX Century Club

Das bekannteste DX-Diplom ist der DXCC (DX Century Club) der amerikanischen ARRL. Die Grundanforderung: bestätigte Funkverbindungen mit mindestens 100 verschiedenen DXCC-Entitäten (Ländern/Gebieten).

Die DXCC-Liste umfasst derzeit über 340 Entitäten - darunter nicht nur Länder, sondern auch Inseln, Territorien und Sondergebiete.

StufeAnforderung
DXCC100 Entitäten bestätigt
5-Band DXCC100 Entitäten auf 80, 40, 20, 15 und 10m
DXCC Challenge1.000+ Band-Entitäten (160m - 6m)
Honor RollTop 10 der aktuellen DXCC-Liste (330+ Entitäten)
🏆 Tipp: Mit dem kostenlosen Logbuch-Programm Log4OM oder WSJT-X kannst du deinen DXCC-Stand automatisch tracken.

DXpeditionen

Eine DXpedition ist eine Funkexpedition zu einem seltenen oder schwer erreichbaren Ort. Teams reisen an abgelegene Orte, um von dort Funkbetrieb zu machen und anderen Funkamateuren seltene Länder zu ermöglichen.

Beliebte DXpeditions-Ziele:

  • Abgelegene Inseln (z.B. Bouvet Island, Heard Island)
  • Länder ohne aktive Funkamateure
  • Antarktis-Stationen
  • Umstrittene oder schwer zugängliche Gebiete
⚠️ Pile-Up: Bei beliebten DXpeditionen rufen hunderte Stationen gleichzeitig - das nennt man Pile-Up. Hier sind Geduld und gute Betriebstechnik gefragt!

DX auf UKW

Auf VHF/UHF (2m, 70cm) sind DX-Verbindungen seltener als auf Kurzwelle, aber durch besondere Ausbreitungsbedingungen möglich:

  • Troposphärische Überreichweiten (Tropo): Inversionswetterlagen ermöglichen 500-2.000 km
  • Sporadic-E: Reflexion an ionisierten Wolken, besonders im Sommer auf 6m und 2m
  • Meteorscatter: Reflexion an Meteoritenbahnen - sehr kurze Bursts von wenigen Sekunden
  • EME (Erde-Mond-Erde): Reflexion am Mond - das ultimative DX! Erfordert große Antennen und viel Leistung
📡 Tipp: Auf DXMaps.com siehst du aktuelle Sporadic-E und Tropo-Öffnungen in Echtzeit.

Ausbreitungsphänomene

Sporadic-E (Es)

Plötzliche, unvorhersehbare Öffnungen auf 6m und 10m durch ionisierte Wolken in der E-Schicht. Besonders häufig im Sommer (Mai-August). Reichweiten: 800-2400 km.

Aurora

Bei starker geomagnetischer Aktivität (hoher K-Index) können Signale an den Polarlichtern reflektiert werden. Der Klang ist verzerrt und "flatternd". Funktioniert auf 6m und 2m.

Mögel-Dellinger-Effekt

Nach starken Sonneneruptionen (Flares) kann die gesamte Kurzwelle für Minuten bis Stunden ausfallen - die D-Schicht absorbiert alle Signale. Erkennbar am plötzlichen Verschwinden aller Stationen.

DX-Begriffe im Überblick

BegriffBedeutung
DXFernverbindung, weit entfernte Station
DXenGezieltes Jagen von Fernverbindungen
DXerFunkamateur, der sich auf DX spezialisiert
DXpeditionFunkexpedition zu seltenem Ort
DX-ClusterNetzwerk zum Austausch von DX-Meldungen
DX-SpotMeldung über gehörte DX-Station
Pile-UpViele Stationen rufen gleichzeitig eine DX-Station
DXCCDX Century Club - Diplom für 100+ Länder
EntitätLand oder Gebiet in der DXCC-Liste
QSLBestätigungskarte für eine Funkverbindung
73 und gute DX! - Der typische Abschiedsgruß unter DXern. Bedeutet: Viele Grüße und mögest du viele Weitverbindungen machen!

Bereit für DX?

Lerne die Grundlagen der Funktechnik und Wellenausbreitung - mit dem offiziellen Prüfungsfragenkatalog.

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Häufige Fragen zu DX und Ausbreitung

Wie sind die aktuellen DX-Bedingungen?

SFI: 117 (gut) · K-Index: 3 (leicht erhöht) · Sonnenflecken: 66

Der aktuelle SFI von 117 zeigt gute Bedingungen - die oberen Bänder (10m, 15m, 20m) sollten offen sein. Der K-Index von 3 zeigt leicht erhöhte Aktivität - polare Funkwege können beeinträchtigt sein.

Welche Bänder sind gerade offen?

Aktuell zeigen folgende Bänder gute DX-Aktivität: aktuell keine Bänder mit guten Bedingungen.

Die Daten basieren auf Echtzeit-Spots von PSK Reporter (FT8/FT4) und DXCluster (CW/SSB) und werden alle 15 Minuten aktualisiert.

Was bedeutet DX im Amateurfunk?

DX steht für "Distanz" und bezeichnet Funkverbindungen über große Entfernungen - typischerweise zwischen Kontinenten. Auf Kurzwelle gilt eine Verbindung ab etwa 3.000 km oder zu einem anderen Kontinent als DX.

Was zeigt der SFI-Wert an?

Der SFI (Solar Flux Index) misst die Sonnenaktivität auf einer Skala von etwa 70 bis über 300. Je höher der SFI, desto stärker wird die Ionosphäre ionisiert und desto besser werden die höheren Bänder reflektiert.

Aktuell: SFI 117 - Der aktuelle SFI von 117 zeigt gute Bedingungen - die oberen Bänder (10m, 15m, 20m) sollten offen sein.

Welches Band ist am besten für DX?

Das 20-Meter-Band (14 MHz) gilt als zuverlässigstes DX-Band - es ist fast den ganzen Tag offen. Tagsüber funktionieren auch 10m und 15m gut (bei hoher Sonnenaktivität), nachts sind 40m und 80m besser.

Was ist ein DX-Cluster?

Ein DX-Cluster ist ein Netzwerk, in dem Funkamateure melden, welche DX-Stationen sie gerade hören. Diese "Spots" enthalten Rufzeichen, Frequenz und Uhrzeit. Beliebte DX-Cluster sind DXSummit, DXWatch und PSK Reporter.

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