Notfunk - Kommunikation bei Stromausfall und Krise

Notfunk ist Kommunikation per Funk, wenn reguläre Netze wie Mobilfunk, Festnetz und Internet ausfallen - etwa bei Stromausfall, Naturkatastrophen oder Krisen. Wer vorsorgen will, hat drei Optionen: ein batteriebetriebenes Radio zum Empfang von Behörden-Durchsagen, lizenzfreie Funkgeräte (Freenet, PMR446, CB-Funk) für aktive Kommunikation im Nahbereich, oder eine Amateurfunklizenz für Sprechfunk von lokal bis weltweit und die Einbindung in organisierte Notfunkstrukturen des DARC.

3. Januar 2026, Berlin-Lichterfelde. Ein Brandanschlag auf eine Stromleitung legt Teile des Berliner Südwestens lahm. Über 45.000 Haushalte sind ohne Strom, S-Bahnen stehen still, Mobilfunk fällt stellenweise aus. Die Bundeswehr unterstützt mit Treibstoff für Notstromaggregate.

Wenige Jahre zuvor, im Ahrtal 2021: Die Flutkatastrophe zerstört die komplette Kommunikationsinfrastruktur. Zahlreiche Mobilfunkstandorte fallen aus. BOS-Digitalfunk, Mobilfunk, Festnetz - großflächig gestört. Manche Gemeinden sind nur noch physisch erreichbar.

Zwei Ereignisse, eine Erkenntnis: Unsere gesamte Kommunikation hängt am Stromnetz. Dieser Artikel zeigt dir alle Optionen für Krisenkommunikation per Funk - von lizenzfreien Lösungen wie Freenet und Meshtastic bis zum Amateurfunk mit Notfunk-Koffer. Ehrlich, faktenbasiert, ohne Panikmache.

⚠️ Wichtig vorweg: Für die meisten Menschen ist Amateurfunk nicht die richtige Lösung für Krisenvorsorge. Er ist die mächtigste Option - aber auch die mit dem höchsten Einstiegsaufwand. Dieser Artikel zeigt dir ehrlich, was für wen das Richtige ist.

Was passiert bei Stromausfall mit der Kommunikation?

Die meisten Menschen unterschätzen, wie abhängig unsere gesamte Kommunikation vom Stromnetz ist. Was bei einem großflächigen Blackout passiert, folgt einem vorhersehbaren Muster.

Mobilfunk: Verwundbar bei Stromausfall

Mobilfunkmasten haben USV-Batterien, die je nach Standort und Auslegung eine begrenzte Zeit überbrücken - oft nur wenige Stunden. Für Mobilfunkstandorte gibt es keine einheitliche allgemeine Mindest-Notstromdauer, auf die man sich verlassen könnte.

Gleichzeitig steigt die Netzlast enorm: Alle versuchen gleichzeitig zu telefonieren. Das Netz ist überlastet, oft bevor es ganz ausfällt.

Berlin 2026: Stromausfall im Südwesten

Der Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar 2026 zeigte, dass längere Stromausfälle auch Mobilfunk und andere Infrastrukturen beeinträchtigen können. Über 45.000 Haushalte waren betroffen, S-Bahnen standen still, Mobilfunk fiel stellenweise aus. Die Bundeswehr unterstützte im Rahmen der Amtshilfe unter anderem mit Treibstoff für Notstromaggregate.

Ahrtal 2021: Kommunikation komplett zerstört

In der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 fiel im Ahrtal die gesamte Kommunikationsinfrastruktur aus. Zahlreiche Mobilfunkstandorte wurden zerstört oder fielen wegen Stromausfall aus. Selbst der BOS-Digitalfunk versagte teilweise. Die Folgen:

🚨 Die Folgen: Betroffene konnten teilweise keinen Notruf absetzen. Einsatzkräfte konnten sich untereinander nur eingeschränkt koordinieren. Warn-Apps erreichten niemanden mehr, Cell Broadcast gab es in Deutschland damals noch nicht. Manche Ortschaften waren tagelang nur physisch erreichbar. Funkamateure des DARC unterstützten mit Notfunk und halfen, Kommunikationslücken zu schließen.

BOS-Digitalfunk: Warum Privatpersonen ihn nicht nutzen können

Oft kommt die Frage: "Können wir nicht einfach den Behördenfunk nutzen?" Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen - Privatpersonen haben keinen Zugang.

Im Vergleich zu Mobilfunk ist der BOS-Digitalfunk deutlich robuster ausgelegt: Laut BDBOS verfügen die Basisstationen in der Regel über USV und Netzersatzanlagen. Im Kernnetz sind mindestens 72 Stunden abgesichert, und die Notstromversorgung im Zugangsnetz wird an über 3.800 Standorten auf ebenfalls mindestens 72 Stunden ausgebaut. Bei großflächigen, lang andauernden Katastrophen können aber auch diese Systeme an ihre Grenzen stoßen.

Was fällt wann aus?

SystemOhne Strom funktionsfähigBemerkung
Internet (DSL/Kabel)Sofort wegRouter braucht Strom
Festnetz (IP-basiert)Sofort wegAlte analoge Leitungen gibt es kaum noch
WLANSofort wegRouter braucht Strom
MobilfunkBegrenzt (oft wenige Std.)USV-Batterien, je nach Standort unterschiedlich
Sirenen (elektronisch)Begrenzte USVHängt vom Standort ab
Digitalfunk BOS (TETRA)Deutlich robusterUSV + Netzersatzanlagen, Ausbau auf 72 Std.
UKW-Radio (ÖR-Sender)Längere ZeitGroße Sender haben eigene Notstromaggregate
Freenet / PMR446Solange Akku hältDirekt, keine Infrastruktur nötig
SatellitentelefonSolange Akku hältNicht vom lokalen Mobilfunknetz abhängig, laufende Kosten
AmateurfunkAutark mit Akku/SolarKeine Infrastruktur nötig, Reichweite je nach Band und Bedingungen
💡 Empfehlung des BBK: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt jedem Haushalt ein batteriebetriebenes oder Kurbelradio (UKW/DAB+). Damit kannst du Behörden-Durchsagen empfangen, auch wenn alles andere ausfällt. Das ist die absolute Basis-Vorsorge.

Notfunk im Amateurfunk - Mehr als ein Hobby

Notfunk im Amateurfunk bedeutet: Lizenzierte Funkamateure stellen bei Krisen und Katastrophen Kommunikationsverbindungen her - auch ohne öffentliche Telekommunikationsinfrastruktur. Für einfache Punkt-zu-Punkt-Verbindungen reichen ein Funkgerät, ein Akku und eine Drahtantenne. Digitale Betriebsarten wie Winlink oder APRS nutzen teilweise zusätzliche Infrastruktur (Gateways, Digipeater), können aber auch im Direktbetrieb funktionieren.

Rechtliche Grundlage

Das Amateurfunkgesetz (AFuG) und die internationale Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO Funk) regeln den Notfunk. Artikel 25 der VO Funk ist dabei besonders wichtig:

💡 VO Funk, Artikel 25: Amateurfunkstellen dürfen bei Not- und Katastrophenfällen Nachrichten für Dritte übermitteln. Das ist eine der wenigen Ausnahmen, bei denen Funkamateure nicht nur untereinander, sondern auch für andere kommunizieren dürfen.

Im Normalfall dürfen Funkamateure nur untereinander funken (§ 5 AFuG). Im Notfall hebt sich diese Beschränkung auf - dann zählt die Hilfeleistung. Wichtig dabei: Notfunk ist eine Ergänzung zu den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), kein Ersatz. Funkamateure arbeiten im Katastrophenfall mit Feuerwehr, THW und Rettungsdiensten zusammen, nicht an ihnen vorbei.

Was Funkamateure im Notfunk konkret leisten

Die Möglichkeiten gehen weit über einfaches Sprechen ins Mikrofon hinaus:

📡 Sprechfunk: Auf UKW (2m/70cm) regionale Kommunikation, je nach Gelände, Antenne und Relaisnutzung auch über größere Entfernungen. Auf Kurzwelle je nach Band, Tageszeit und Ausbreitungsbedingungen regionale bis europaweite Verbindungen.
💡 Digitale Betriebsarten:
  • Winlink - E-Mail über Funk senden und empfangen, ganz ohne Internet
  • APRS - automatische Positionsmeldungen und Kurznachrichten, auch als digitales Lagebild nutzbar
  • JS8Call - Tastatur-zu-Tastatur-Kommunikation, funktioniert selbst bei extrem schwachen Signalen
  • Temporäre Netze - Relaisstationen, Digipeater und Crossband-Repeater aufbauen

Notfunk-Frequenzen in Deutschland

Die folgenden Frequenzen werden im deutschsprachigen Raum für Notfunk empfohlen bzw. sind als Betriebs- und Anruffrequenzen etabliert. Die IARU-Frequenzen sind international koordiniert, die D-A-CH-Frequenzen basieren auf Empfehlungen des NotfunkWiki und des DARC-Notfunkreferats.

Amateurfunk - Kurzwelle (HF)

FrequenzBandBetriebsartRegionNutzung
1,873 MHz160mLSBD-A-CHNacht-Nahbereich (NVIS)
3,643 MHz80mLSBD-A-CHPrimäre Notfunkfrequenz D-A-CH
3,760 MHz80mLSBEuropaIARU Region 1 Notfunkfrequenz
7,085 MHz40mLSBD-A-CHÜberregionale Koordination
7,110 MHz40mLSBEuropaIARU Region 1 Notfunkfrequenz
10,138 MHz30mCWD-A-CHCW-Notfunkfrequenz
14,300 MHz20mUSBEuropaWeitverkehr tagsüber
18,160 MHz17mUSBEuropaWeitverkehr tagsüber
21,360 MHz15mUSBEuropaWeitverkehr bei hoher Sonnenaktivität
28,238 MHz10mUSBDeutschlandWeitverkehr bei Sporadic-E

Amateurfunk - UKW (VHF/UHF)

FrequenzBandBetriebsartRegionNutzung
144,260 MHz2mUSBD-A-CHSSB-Notfunkfrequenz (DARC-Empfehlung)
145,500 MHz2mFMD-A-CHFM-Anruffrequenz, erster Anlaufpunkt
433,500 MHz70cmFMEuropaFM-Anruffrequenz
DMR: Talkgroup 9112 (EMACOM EU) im BrandMeister-Netz - Community-basierte Notfunk-Talkgroup

Lizenzfreie Funkdienste - Empfohlene Kanäle

DienstKanalFrequenzNutzung
CB-FunkKanal 927,065 MHz (FM)Internationaler Notrufkanal
CB-FunkKanal 326,985 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
FreenetKanal 1149,025 MHz (FM)Notrufkanal
FreenetKanal 3149,050 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
PMR446Kanal 1446,00625 MHz (FM)Notrufkanal
PMR446Kanal 3446,03125 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
💡 Merkhilfe: Diese Kanalempfehlungen stammen aus der Notfunk-Community (u.a. NotfunkWiki, Initiative "Deutschland funkt!") und sind keine offizielle staatliche Festlegung. Bei Freenet und PMR446: Kanal 1 = Notruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit. Beim CB-Funk: Kanal 9 = internationaler Notruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit.

NVIS - Die Geheimwaffe für den Nahbereich auf Kurzwelle

Eine besonders wertvolle Technik für Notfunk ist NVIS (Near Vertical Incidence Skywave). Dabei wird die Kurzwelle fast senkrecht nach oben abgestrahlt und von der Ionosphäre zurück reflektiert. Das Ergebnis: flächendeckende Abdeckung im Umkreis von 50-500 km - ohne toten Winkel und ohne Relaisstationen. Auf dem 80m-Band (3,5 MHz) funktioniert das besonders gut.

Für NVIS braucht man keine aufwendige Antenne: Ein Drahtdipol in nur 2-5 Metern Höhe über dem Boden reicht aus. Das macht NVIS ideal für Notfunk-Koffer.

Relaisstationen - Reichweitenverlängerung auf UKW

Über Relaisstationen (Repeater) lässt sich die Reichweite auf UKW erheblich vergrößern. In Deutschland gibt es hunderte Relaisstationen auf Bergkuppen und Türmen - einige davon verfügen über eigene Notstromversorgung.

Ein einfaches Handfunkgerät mit 5 Watt kann über ein günstig gelegenes Relais je nach Standort und Topografie erhebliche Reichweiten erzielen. Das ist ein großer Vorteil gegenüber lizenzfreien Funkdiensten, die auf Direktverbindungen beschränkt sind.

Reale Einsatzbeispiele

Ahrtal 2021: DARC-Ortsverbände aus der Region unterstützten mit Notfunk, als die regulären Kommunikationswege massiv beeinträchtigt waren. Funkamateure halfen bei der Koordination von Hilfslieferungen und bei der Kommunikation mit schwer erreichbaren Gemeinden.

International: Bei Erdbeben, Hurrikans und Tsunamis weltweit unterstützen Funkamateure die Krisenkommunikation. Die IARU (International Amateur Radio Union) koordiniert den internationalen Notfunk. In den USA ist das ARES (Amateur Radio Emergency Service) mit tausenden freiwilligen Funkamateuren fester Bestandteil des Katastrophenschutzes.

⚠️ Ehrliche Einordnung: Notfunk im Amateurfunk ist eine Ergänzung, kein Ersatz für professionelle Rettungskommunikation. Er springt ein, wenn die regulären Systeme versagen - und das ist häufiger, als die meisten denken. Aber er ersetzt weder den Notruf 112 noch den BOS-Digitalfunk.

DARC Notfunk-Referat und die Notfunkkarte

Der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) betreibt ein eigenes Referat Not- und Katastrophenfunk, das die Notfunk-Aktivitäten auf drei Ebenen koordiniert:

Die drei Ebenen des DARC-Notfunks

📡 Lokal (Ortsverband): Notfunk-Gruppen vor Ort, regelmäßige Übungen, direkte Zusammenarbeit mit lokalen Bedarfsträgern (THW, Feuerwehr, Katastrophenschutz)
🌍 National: Überregionale Koordination, Technik-Standards, zentrale Ausbildung, Zusammenarbeit mit Bundesbehörden
🌍 International: Einbindung in die IARU-Notfunkstrukturen, grenzüberschreitende Übungen und Kooperationen

Die DARC Notfunkkarte

Eines der praktischsten Werkzeuge des DARC ist die interaktive Notfunkkarte. Sie zeigt auf einer Deutschland-Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Fähigkeiten erreichbar sind. Die Marker haben eine klare Farbcodierung:

MarkerBedeutung
GrünNotfunk-Gruppe (organisierte Gruppe im Ortsverband)
BlauEinzelner Funkamateur mit Notfunk-Ausrüstung
RotFunkamateur, der Anschluss an eine Notfunk-Gruppe sucht

So können Behörden und Hilfsorganisationen - die sogenannten Bedarfsträger - im Ernstfall schnell lokale Funkamateure mit der passenden Ausrüstung finden. Der DARC bietet zusätzlich einen Helfer-Kalkulator zur Personalbedarfsermittlung bei größeren Einsätzen.

MoWaS-Zugang und Bedarfsträger-Kooperation

Der DARC hat durch eine vertragliche Vereinbarung mit dem BBK Zugang zum Modularen Warnsystem (MoWaS) - dem zentralen Warnsystem des Bundes. Damit kann der DARC offizielle Warnmeldungen im Rohformat empfangen und über Amateurfunk weiterverbreiten.

Darüber hinaus arbeitet der DARC aktiv mit Organisationen wie THW, Feuerwehren und dem Katastrophenschutz zusammen. Ziel ist es, dass Funkamateure im Ernstfall nicht improvisieren müssen, sondern bereits in die bestehenden Strukturen integriert sind. In vielen Regionen gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen DARC-Ortsverbänden und den lokalen Katastrophenschutz-Behörden.

Kooperation DARC und Notfunk Deutschland e.V.

Seit 2024/2025 kooperieren der DARC und der Verein Notfunk Deutschland e.V. offiziell. Die Zusammenarbeit wurde auf der HAM RADIO in Friedrichshafen besiegelt und bündelt die Expertise beider Organisationen - insbesondere bei Ausbildung und Seminarprogrammen.

Ausbildung und Mitmachen

Der DARC bietet verschiedene Wege, sich im Notfunk zu engagieren:

  • Notfunk-Seminare: Mehrtägige Ausbildungswochenenden (z.B. in Immenreuth, Oberpfalz), auch über die Ausbildungsplattform 50ohm.de
  • Akku-Freitag: Initiative, bei der Funkamateure regelmäßig den Akkubetrieb ihrer Notfunk-Ausrüstung testen - denn ein Notfunk-Koffer nützt nichts, wenn die Akkus leer sind
  • Ortsverband finden: Über darc.de den nächsten Ortsverband suchen und bei der Notfunk-Gruppe vorbeischauen. Viele Ortsverbände freuen sich über Verstärkung
  • Notfunkkarte eintragen: Eigene Notfunk-Fähigkeiten auf der Karte registrieren
✅ So kannst du mitmachen: Du brauchst eine Amateurfunklizenz (mindestens Klasse N), ein Funkgerät und den Willen, dich vorzubereiten. Such dir über darc.de einen Ortsverband in deiner Nähe und frag nach der Notfunk-Gruppe. Viele Ortsverbände haben monatliche Treffen und regelmäßige Übungen.

In 4 Wochen auf den Bändern funken

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Der Notfunk-Koffer - Sofort einsatzbereit

Ein Notfunk-Koffer (auch Go-Kit oder Funkkoffer genannt) ist eine komplett vorbereitete, portable Funkstation in einem robusten Koffer. Das Konzept: Im Ernstfall Koffer greifen, Antenne aufbauen, funken - ohne erst die Heimstation abbauen zu müssen.

Notfunk-Koffer mit QRP-Transceiver, Antennenhaspel und Zubehör auf einem Feldtisch
Notfunk-Koffer in der Praxis: QRP-Transceiver mit Antennenhaspel und Zubehör - kompakt und sofort einsatzbereit. (Foto: DL4KE)

Drei Levels: Vom Rucksack bis zur Kofferleitstelle

📦 Level 1 - Minimal-Kit (unter 200 Euro)
Handfunkgerät (z.B. Baofeng UV-5R oder Yaesu FT-65), Ersatzakku und AA-Batteriefach, Rollantenndraht oder J-Pole-Antenne, Notizblock mit lokaler Relaisliste. Passt in einen Rucksack und reicht für lokale UKW-Kommunikation.
📡 Level 2 - Standard-Koffer (500-1.500 Euro)
Portabler KW-Transceiver (z.B. Yaesu FT-891, Xiegu G90) oder ein KW/UKW-Allrounder wie der ICOM IC-705, LiFePO4-Akku 12V/20-50 Ah, NVIS-Drahtantenne mit GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m), UKW-Antenne (J-Pole oder Roll-up Yagi). Ermöglicht auf Kurzwelle je nach Ausbreitungsbedingungen regionale bis europaweite Verbindungen - mit NVIS typischerweise 50-500 km.
🔧 Level 3 - Kofferleitstelle (2.000+ Euro)
Vollständige KW/UKW-Station mit digitalem Interface, Laptop mit Winlink/APRS/Logbuch-Software, faltbares Solarpanel (50-100 W), mehrere Antennen für verschiedene Bänder. Kann bei guter Sonneneinstrahlung über Tage autark betrieben werden - die mobile Leitstelle für den Ernstfall.

Stromversorgung: LiFePO4 und Solar

LiFePO4-Akkus sind der Standard für Notfunk-Koffer. Sie sind deutlich sicherer und thermisch stabiler als andere Lithium-Chemien, langlebig (2.000-5.000 Ladezyklen) und haben ein stabiles Entladeverhalten. Ein gutes BMS (Battery Management System) gehört dazu. Ein 20-Ah-Akku kann einen 10-Watt-Transceiver im SSB-Betrieb je nach Sende-/Empfangsanteil grob 10-20 Stunden versorgen - die tatsächliche Laufzeit hängt stark vom Betriebsprofil ab.

In Kombination mit einem faltbaren Solarpanel (50-100 W) ist bei ausreichender Sonneneinstrahlung und moderatem Funkbetrieb Dauerbetrieb über Tage möglich - ohne externe Stromquelle.

Faltbares Solarpanel für autarke Notfunk-Stromversorgung
Faltbares Solarpanel im Feldeinsatz
Zwei Bleiakkus mit Multimeter zur Spannungskontrolle
Bleiakkus mit Spannungskontrolle
Kompakter Scheppach Stromgenerator mit 720 Watt
Stromgenerator (720 W) als Backup

Stromversorgung für den Notfunk: Solar, Akku und Generator - autark über Tage. (Fotos: DL4KE)

Die NVIS-Antenne für den Notfunk-Koffer

Die ideale Antenne für einen Notfunk-Koffer auf Kurzwelle ist eine NVIS-Antenne: ein einfacher Drahtdipol, der in nur 2-5 Metern Höhe über dem Boden aufgehängt wird. Mit einem zerlegbaren GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m) passt die gesamte Antenne in den Koffer. Aufbauzeit: etwa 10-15 Minuten.

✅ Praxistipp: Starte klein! Ein Handfunkgerät mit geladenen Akkus ist besser als ein perfekt geplanter Koffer, den du nie zusammenbaust. Viele Notfunk-Gruppen bauen ihre Koffer gemeinsam auf - ein guter Einstieg für Neulinge. Notfunk Deutschland e.V. und das NotfunkWiki haben detaillierte Bauanleitungen.

Freenet - Lizenzfreier Funk auf 149 MHz

Was ist, wenn du keine Amateurfunklizenz hast? Hier kommen lizenzfreie Funkdienste ins Spiel. Freenet ist ein rein deutscher lizenzfreier Funkdienst auf 149 MHz. Keine Prüfung, keine Gebühr, keine Anmeldung - Gerät kaufen und loslegen.

Technische Daten

EigenschaftFreenet
Frequenzbereich149,01875 - 149,11875 MHz
Kanäle12,5-kHz-Raster, Sprachkommunikation
SendeleistungMax. 1 Watt ERP (0,5 W im 10-km-Grenzstreifen zu Belgien/Polen)
AntenneFest verbaut oder Wechselantenne am Handfunkgerät; keine externen Antennen per Koax
ReichweiteTypisch 500 m - 5 km (stark abhängig von Gelände und Bebauung)
BetriebNur Peer-to-Peer (keine Repeater, kein Gateway)
ZulassungNur Deutschland
Kosten GerätAb ca. 50 Euro (Paar)

Stärken und Grenzen für die Krise

Stärken

  • Sofort einsatzbereit, keine Lizenz, keine Anmeldung
  • 149 MHz: tendenziell bessere Gebäudedurchdringung als höhere Frequenzen (PMR, LoRa)
  • Geräte sind robust, einfach und intuitiv
  • Günstig und jahrelang haltbar

Grenzen

  • Wenige Kanäle - bei vielen Nutzern schnell überlastet
  • Keine Repeater erlaubt - nur Peer-to-Peer
  • Keine externen Antennen per Koax erlaubt
  • Nur 1 Watt - Reichweite stark geländeabhängig
  • Nur in Deutschland zugelassen
💡 Ehrliche Einschätzung: Freenet ist eine solide Nachbarschafts-Lösung. Absprachen mit der Familie im selben Stadtteil? Ja. Kommunikation mit dem anderen Ende der Stadt? Schwierig. Über 10 km hinaus? Vergiss es. Für echte Krisenkommunikation über größere Entfernungen braucht es mehr - aber als Baustein im Gesamtkonzept ist Freenet durchaus sinnvoll.

Weitere lizenzfreie Alternativen: PMR446 und CB-Funk

PMR446

  • PMR446 - der Klassiker unter den "Walkie-Talkies"
  • 0,5 Watt, 16 Kanäle, 446 MHz
  • EU-weit zugelassen
  • Extrem günstig (ab 20 Euro pro Paar)
  • Geringere Sendeleistung als Freenet (0,5 W vs. 1 W)

CB-Funk

  • Citizens Band - 27 MHz, international etabliert
  • 4 Watt auf 80 Kanälen
  • Externe Antennen erlaubt
  • Deutlich mehr Reichweite mit externer Antenne möglich
  • Internationaler Notfunk-Kanal 9
  • Nachteil: größere Geräte, störanfällig

Vergleichstabelle: Alle lizenzfreien Funkdienste

FunkdienstFrequenzLeistungKanäleReichweiteExterne AntenneZulassung
PMR446446 MHz0,5 W160,5-3 km*NeinEU-weit
Freenet149 MHz1 W12,5-kHz-Raster0,5-5 km*Nein (extern)Nur DE
CB-Funk27 MHz4 W (FM)805-30 km*JaInternational
💡 Tipp: Jeder Funkdienst hat seinen Einsatzbereich: Freenet ist einfach und durch die niedrigere Frequenz tendenziell besser in Gebäuden. PMR446 funktioniert EU-weit und ist am günstigsten. CB-Funk bietet mit externer Antenne die größte lizenzfreie Reichweite. Alle Reichweitenangaben sind grobe Erfahrungswerte - die tatsächliche Reichweite hängt stark von Gelände, Bebauung und Antennenhöhe ab.

Meshtastic - Das LoRa Mesh-Netzwerk

Meshtastic ist eine Open-Source-Firmware für günstige LoRa-Funkmodule. Die Geräte bilden automatisch ein Mesh-Netzwerk: Jeder Knoten empfängt Nachrichten und leitet sie weiter. So wächst die Reichweite mit jedem Gerät im Netz. In der Prepper- und Maker-Szene ist Meshtastic in den letzten Jahren regelrecht explodiert.

So funktioniert es

Du kaufst ein LoRa-Gerät (ab ca. 20 Euro), flashst die Meshtastic-Firmware, verbindest dein Smartphone per Bluetooth - fertig. Nachrichten, die du in der App tippst, werden als Datenpakete per LoRa-Funk verschickt. Jedes andere Meshtastic-Gerät in Reichweite empfängt die Nachricht und leitet sie weiter, bis sie den Empfänger erreicht.

Seit Version 2.6 verwendet Meshtastic ein verbessertes Routing-Verfahren: Managed Flooding mit Next-Hop. Das bedeutet, dass Nachrichten nicht mehr blind von jedem Knoten weitergeleitet werden, sondern gezielter über bekannte Routen laufen.

Technische Daten (Europa - EU_868)

EigenschaftMeshtastic (EU_868)
Frequenz869,400 - 869,650 MHz (SRD-Band)
SendeleistungMax. +27 dBm (500 mW)
Duty CycleMax. 10% (EU-Regulierung)
Reichweite (Knoten zu Knoten)1-5 km (Stadt), 5-20 km (freie Sicht)
Reichweite (Mesh, mehrere Hops)Theoretisch unbegrenzt, praktisch abhängig von Knotendichte
Max. Hops3 (Standard), bis 7 konfigurierbar
NachrichtentypText, GPS-Position, Telemetrie
VerschlüsselungAES-256
Lizenz nötig?Nein (SRD-Band, EU Radio Equipment Directive 2014/53/EU)

Beliebte Hardware

GerätPreis (ca.)Besonderheit
Heltec LoRa32 V315-20 EuroGünstigster Einstieg, OLED-Display
LILYGO T-Beam25-35 EuroEingebautes GPS, guter Allrounder
LILYGO T-Deck40-55 EuroEigene Tastatur, ohne Smartphone nutzbar
RAK WisBlock30-50 EuroModulares System, sehr stromsparend
Seeed T1000-E25-35 EuroWinziger Tracker mit GPS

Duty Cycle - Das EU-Limit verstehen

In der EU gilt für das genutzte SRD-Band ein Duty Cycle von maximal 10%. Das bedeutet: Ein Gerät darf pro Stunde maximal 6 Minuten senden. Klingt viel, aber in einem Mesh-Netzwerk leitet jeder Knoten auch die Nachrichten anderer weiter. Bei vielen aktiven Nutzern kann das Limit schnell erreicht werden.

Bei Überschreitung pausiert die Firmware automatisch - Nachrichten werden verzögert oder gehen verloren. Das ist kein Bug, sondern eine gesetzliche Anforderung.

Pro und Contra für Notfunk

Pro

  • Keine Lizenz nötig - sofort loslegen
  • Extrem günstig - ab 15 Euro pro Knoten
  • Mesh-Netzwerk - mehr Knoten = mehr Abdeckung
  • AES-256 verschlüsselt - Nachrichten sind privat
  • Sehr stromsparend - Tage bis Wochen Laufzeit
  • Open Source - große und aktive Community
  • GPS-Tracking - Positionen teilen ohne Internet
  • Aktive Netze in vielen deutschen Städten

Contra

  • Nur Text - keine Sprache, keine Bilder
  • 10% Duty Cycle - begrenzt Sendezeit massiv
  • 10% Duty Cycle in Europa - begrenzt die effektive Nutzung
  • Netz muss vorher existieren - ohne Knoten kein Mesh
  • Latenz - Sekunden bis Minuten pro Nachricht
  • Smartphone nötig bei den meisten Geräten
⚠️ Wichtig für Europa: In Europa nutzt Meshtastic das EU_868-Profil mit maximal +27 dBm (500 mW) und einem Duty Cycle von 10% - das heißt maximal 6 Minuten Sendezeit pro Stunde. In der Praxis schränkt das die Nutzung stärker ein als die Sendeleistung. Die Reichweite hängt stark von Gelände und Aufstellhöhe ab: In der Stadt typisch 1-3 km, mit Sichtverbindung deutlich mehr.

MeshCore - Die leichtgewichtige Alternative

MeshCore ist eine Alternative zu Meshtastic mit einem anderen Architektur-Ansatz. Das Projekt ist Open Source (MIT-Lizenz) und wird in der Community aktiv diskutiert.

Der fundamentale Unterschied: Wer routet?

Hier liegt der entscheidende Architektur-Unterschied zwischen Meshtastic und MeshCore:

  • Meshtastic: Jedes Gerät ist gleichzeitig Endgerät und Weiterleiter. Wenn dein Nachbar eine Nachricht schickt, leitet auch dein Gerät sie weiter - ob du willst oder nicht.
  • MeshCore: Es gibt eine klare Trennung: Endgeräte (Companions) senden und empfangen nur. Repeater übernehmen die Weiterleitung. Clients routen nicht.

Das hat eine wichtige Konsequenz: MeshCore verbraucht deutlich weniger Airtime, weil nicht jedes Gerät im Netz jede Nachricht weiterleitet. In Europa mit dem 10% Duty-Cycle-Limit ist das ein echter Vorteil.

Meshtastic

  • Jeder Client leitet Pakete weiter
  • Managed Flooding + Next-Hop (ab v2.6)
  • Kein fester Infrastruktur-Aufbau nötig
  • Große, aktive Community
  • Mehr Geräte, mehr Dokumentation
  • Komplett kostenlos (Open Source)

MeshCore

  • Dedizierte Repeater übernehmen das Routing
  • Braucht feste Repeater-Infrastruktur
  • Kleinere, aber wachsende Community
  • Geringerer Airtime-Verbrauch
  • Firmware frei (MIT), erweiterte App-Features kostenpflichtig

Lizenzmodell

Die MeshCore-Firmware ist Open Source (MIT-Lizenz). Erweiterte App-Funktionen (Karten, Telemetrie, GPS-Broadcast, Store-and-Forward) sind über den offiziellen Store kostenpflichtig. Basis-Funktionen (Nachrichten senden/empfangen) bleiben kostenlos.

Wer sollte was wählen?

Meshtastic ist die bessere Wahl für die meisten Einsteiger: Gerät einschalten, App verbinden, fertig. Größere Community, mehr Dokumentation, mehr Geräte im Feld. Kein Infrastruktur-Aufbau nötig.

MeshCore ist interessant für technisch Versierte, die ein stadtweites oder regionales Netz mit festen Repeatern aufbauen wollen und Airtime minimieren müssen. Aber: MeshCore ist noch jung und hat deutlich weniger aktive Knoten.

💡 Pragmatische Empfehlung: Fang mit Meshtastic an. Es ist einfacher, besser dokumentiert und du findest eher bestehende Knoten in deiner Region. Wenn du später ein eigenes Netz aufbauen willst und die Architektur von MeshCore dich überzeugt, kannst du immer noch wechseln - die gleiche Hardware funktioniert mit beiden Firmwares.

Empfang oder Senden - Was brauchst du wirklich?

Bevor du Geld ausgibst, stell dir eine Frage: Willst du nur informiert bleiben oder aktiv kommunizieren? Die Antwort bestimmt, was du brauchst.

Nur informiert bleiben

  • Batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+)
  • Empfang von Behörden-Durchsagen
  • Keine Lizenz, keine Anmeldung
  • Ab 20 Euro (Kurbelradio)
  • BBK-Empfehlung für jeden Haushalt
  • Reicht für reine Informationsbeschaffung

Aktiv kommunizieren

  • Freenet/PMR446 für den Nahbereich (ohne Lizenz)
  • CB-Funk für mehr Reichweite (ohne Lizenz)
  • Meshtastic für Textnachrichten (ohne Lizenz)
  • Amateurfunk für große Reichweiten auf Kurzwelle (mit Lizenz)
  • Du kannst Hilfe rufen und koordinieren
  • Ab 50 Euro (lizenzfrei) bis 500+ Euro (Amateurfunk)
💡 Empfehlung: Die sinnvollste Kombination ist beides: Ein Radio zum Empfangen und ein Funkgerät zum Senden. So bist du sowohl informiert als auch handlungsfähig.

Satellitentelefon und Satelliten-Messenger

Wer im Notfall zuverlässig kommunizieren will, sollte Satellitentelefone und Satelliten-Messenger kennen. Sie gehören zu den robustesten Kommunikationsoptionen bei Krisenlagen, weil sie nicht vom lokalen Mobilfunknetz abhängen. Auch direkter Funk (Amateurfunk, Freenet, PMR, CB) funktioniert ohne Mobilfunkmasten - aber Satellitentelefone ermöglichen zusätzlich Anrufe ins Festnetz und zu anderen Sat-Telefonen weltweit.

Wie funktioniert Satellitenkommunikation?

Das Endgerät funkt direkt zum Satelliten im Orbit - ohne lokale Sendemasten oder Internetverbindung. Die Gesamtdienstleistung hängt aber weiterhin von der Infrastruktur des Satellitenbetreibers ab: Bodenstationen (Gateways) und Kernnetze auf mehreren Kontinenten vermitteln die Gespräche. Diese Infrastruktur ist redundant ausgelegt und liegt außerhalb Deutschlands - ein nationaler Stromausfall beeinträchtigt sie daher in der Regel nicht.

Die drei großen Satellitennetze

NetzSatellitenAbdeckungBesonderheit
Iridium66 LEO-SatellitenWeltweit inkl. PoleEinziges Netz mit echter Globalabdeckung
ThurayaGeostationärEuropa, Afrika, AsienBessere Sprachqualität, günstiger im Standby
InmarsatGeostationärWeltweit (ohne Pole)Bewährt in Schifffahrt und Luftfahrt
💡 Wichtig: Satellitentelefone benötigen freie Sicht zum Himmel. In Gebäuden, unter dichtem Baumbestand oder in engen Straßenschluchten funktionieren sie nicht oder nur eingeschränkt. Iridium braucht freie Sicht rundherum, Thuraya und Inmarsat freie Sicht Richtung Südhimmel. Für stationären Betrieb in Gebäuden gibt es Dockingstationen mit externer Antenne.
⚠️ Wichtige Einschränkung: Ein Satellitentelefon kann senden, auch wenn das lokale Mobilfunknetz ausgefallen ist - aber der Anruf kommt nur an, wenn die Gegenseite erreichbar ist. Wenn bei einem Blackout das Mobilfunknetz ausfällt, kannst du deine Familie auf dem normalen Handy nicht erreichen. Zwei Satellitentelefone untereinander sind in der Regel auch dann erreichbar, weil der Anruf komplett über die Satelliteninfrastruktur vermittelt wird - unabhängig vom lokalen Mobilfunknetz. Wer ein Sat-Telefon für Krisenkommunikation anschafft, sollte also idealerweise sicherstellen, dass auch die wichtigsten Kontaktpersonen erreichbar sind - etwa durch ein zweites Gerät in der Familie oder bei Freunden.

Satellitentelefone: Kosten und Geräte

Thuraya-Geräte sind in der Regel am günstigsten (ab ca. 500 Euro neu), Inmarsat liegt im Mittelfeld, Iridium ist am teuersten (ab ca. 1.100 Euro), bietet dafür aber globale Polabdeckung. Gebrauchte Geräte sind deutlich günstiger erhältlich. Gesprächskosten liegen je nach Netz und Tarif typischerweise zwischen 0,70 und 2,00 Euro pro Minute. Konkrete Preise ändern sich - vor dem Kauf beim Händler oder Betreiber aktuell prüfen.

Zusätzlich zum Gerät fallen laufende Kosten an (Prepaid-Guthaben oder Vertrag). Wer das Gerät nur für Notfälle bereithält, fährt mit Thuraya-Prepaid am günstigsten: Die jährliche Grundgebühr liegt bei ca. 40-45 Euro, das Gerät bleibt erreichbar und empfangsbereit. Satellitentelefone lassen sich auch mieten, z.B. für Reisen oder Veranstaltungen.

Satelliten-Messenger: Günstiger Einstieg

Wer kein vollwertiges Satellitentelefon braucht, kann mit einem Satelliten-Messenger deutlich günstiger einsteigen. Diese Geräte senden Textnachrichten und GPS-Positionen über das Iridium-Netz und haben einen SOS-Notfallknopf, der eine internationale Rettungsleitstelle alarmiert.

Garmin bietet mit dem inReach Messenger und dem inReach Mini 2 kompakte Geräte mit SOS-Button, Zwei-Wege-Textnachrichten und GPS-Tracking über das Iridium-Netz. Die Geräte kosten je nach Modell ab ca. 230-400 Euro, dazu kommt ein monatliches Abo (ab ca. 20 Euro/Monat, pausierbar).

Wichtig: Satelliten-Messenger sind keine Telefone - sie senden Textnachrichten und GPS-Positionen, keine Sprache. Für Sprachtelefonie via Satellit braucht es ein echtes Satellitentelefon.

Bei Garmin inReach lässt sich das Abo pausieren, wenn man das Gerät gerade nicht aktiv nutzt. Die SOS-Funktion verbindet mit der Garmin IERCC (International Emergency Response Coordination Center), einer 24/7-Rettungsleitstelle.

Notruf via Satellit im Smartphone

Seit Ende 2022 bietet Apple auf dem iPhone 14 und neuer die Funktion Notruf SOS via Satellit an - auch in Deutschland. Per Textnachricht über Globalstar-Satelliten kann man Rettungsdienste kontaktieren, wenn kein Mobilfunkempfang verfügbar ist. Apple erweitert die Satellitenfunktionen schrittweise - neben dem Notruf gibt es in einigen Ländern bereits Nachrichten an Kontakte via Satellit. Aktuelle Verfügbarkeit für Deutschland auf der Apple-Supportseite prüfen. Die Notruf-Funktion war bisher für einen begrenzten Zeitraum nach Aktivierung kostenlos; Apple hat die Gratisphase mehrfach verlängert.

💡 Einordnung: Die iPhone-Satellitenfunktionen sind ein praktischer Zusatz für den Notfall, aber kein vollwertiger Ersatz für ein Satellitentelefon. Sprachtelefonie ist nicht möglich, und der Dienst läuft über Apples Partner Globalstar - er ist also an einen bestimmten Anbieter und dessen Bodeninfrastruktur gebunden. Für planbare, regelmäßige Satellitenkommunikation eignen sich dedizierte Geräte besser.

Rechtliche Lage in Deutschland

In Deutschland können Privatpersonen Satellitentelefone ohne eigene Funkgenehmigung nutzen - die Frequenzzuteilung und Netzzulassung läuft über den jeweiligen Satellitenbetreiber. Praktisch heißt das: Gerät kaufen, SIM-Karte beim Anbieter aktivieren, nutzen. In einigen Regionen können Einschränkungen gelten, etwa zum Schutz von Radioteleskopen. In einigen Ländern außerhalb Europas (z.B. Indien, Nordkorea) sind Satellitentelefone verboten oder genehmigungspflichtig - bei Reisen vorher informieren.

Satellitentelefon vs. Amateurfunk

Satellitentelefon

  • Sofort einsatzbereit, keine Ausbildung nötig
  • Telefonate ins Festnetz/Mobilnetz möglich
  • SOS-Notruf an Rettungsleitstelle
  • Hohe Anschaffungs- und laufende Kosten
  • Punkt-zu-Punkt-Kommunikation (1:1)
  • Abhängig von kommerziellem Netzbetreiber

Amateurfunk

  • Lizenz und Ausbildung erforderlich
  • Keine Telefonate ins Festnetz
  • Kein SOS-Button, aber Notfunkfrequenzen
  • Geringe laufende Kosten nach Anschaffung
  • Rundspruch an viele Stationen gleichzeitig
  • Unabhängig von kommerziellen Anbietern
✅ Fazit: Satellitentelefone und Amateurfunk ergänzen sich. Ein Satellitentelefon ist ideal, um im Notfall schnell Hilfe zu rufen oder die Familie zu erreichen. Amateurfunk ist stärker, wenn es um koordinierte Kommunikation über längere Zeit geht - etwa bei der Organisation von Hilfsmaßnahmen, beim Austausch von Lageberichten oder beim Aufbau temporärer Kommunikationsnetze. Wer es sich leisten kann, hat beides.

QO-100 - Amateurfunk über Satellit ohne laufende Kosten

Für lizenzierte Funkamateure gibt es eine weitere Option für Satellitenkommunikation: den geostationären Satelliten QO-100 (Qatar-OSCAR 100, auf Es'hail-2). Seit 2019 ermöglicht er Amateurfunkverbindungen rund um die Uhr - die Abdeckung reicht von Ostbrasilien über Europa und Afrika bis nach Südostasien. Im Gegensatz zu Iridium oder Thuraya fallen keine laufenden Kosten an - allerdings ist QO-100 kein Ersatz für ein Satellitentelefon, sondern ein Amateurfunk-Transponder: nur für Lizenzinhaber, keine Verschlüsselung, keine garantierte Privatkommunikation.

QO-100 bietet zwei Transponder: einen Schmalband-Transponder für SSB, CW und digitale Betriebsarten (z.B. JS8Call, Winlink) sowie einen Breitband-Transponder für digitales Fernsehen (DATV). Für den Notfunk besonders relevant: Die IARU hat auf QO-100 eine internationale Notfunkfrequenz eingerichtet (Downlink 10489,860 MHz).

Die Ausrüstung ist allerdings nicht trivial:

  • Uplink: 2,4 GHz (13-cm-Band) mit ca. 2-5 Watt an einer Parabolantenne
  • Downlink: 10 GHz (3-cm-Band), Empfang mit handelsüblichem LNB an einer Satellitenschüssel (ab 60 cm)
  • Vollduplex-Betrieb dringend empfohlen - man sollte das eigene Signal auf dem Downlink mithören, um den Transponder nicht zu übersteuern
  • Gesamtkosten für eine Grundausstattung: ca. 300-600 Euro
💡 Für den Notfunk: QO-100 ist kein Gerät, das man im Ernstfall zum ersten Mal auspackt. Wer es als Notfunk-Option nutzen will, sollte die Station vorher aufgebaut und getestet haben. Der Vorteil gegenüber Kurzwelle: Die Verbindung ist sehr stabil, weil der Satellit geostationär ist - keine ionosphärischen Ausbreitungsbedingungen wie auf KW. Bei starkem Regen kann es allerdings zu Signaldämpfung auf dem 10-GHz-Downlink kommen (Regenfading). Portabler Betrieb mit Powerstation und Klappschüssel ist möglich, erfordert aber Übung beim Ausrichten der Antenne.

Ehrliche Einschätzung - Was ist für wen das Richtige?

Jetzt wird es ernst. Denn die meisten Leute, die sich für Notfunk interessieren, brauchen keinen Amateurfunk. Klingt komisch auf einer Seite, die auf die Amateurfunkprüfung vorbereitet - ist aber ehrlich.

Die große Vergleichstabelle

AnforderungFreenetPMR446CB-FunkMeshtasticSat-TelefonAmateurfunk
SpracheJaJaJaNeinJaJa
TextNeinNeinNeinJaJa (SMS)Ja (Winlink, APRS)
E-Mail ohne InternetNeinNeinNeinNeinNeinJa (Winlink)
Reichweite lokal*0,5-5 km0,5-3 km5-30 km1-10 km (Mesh)WeltweitJe nach Relais/Gelände
Reichweite überregionalNeinNeinNeinBegrenztWeltweitJa (KW, bedingungsabhängig)
Lizenz nötigNeinNeinNeinNeinNeinJa
Kosten Einstieg50-100 Euro20-60 Euro80-200 Euro15-50 EuroAb 230 Euro (Messenger) / ab 500 Euro (Telefon)150-500 Euro
Laufende KostenKeineKeineKeineKeineAbo oder Prepaid erforderlichKeine
Infrastruktur nötigNeinNeinNeinMesh-KnotenSatellit (kommerziell)Nein (Simplex/KW)
Autarker DauerbetriebStundenStundenStundenTage-WochenStunden (Akku)Tage+ (Akku/Solar)

* Reichweitenangaben sind grobe Erfahrungswerte. Die tatsächliche Reichweite hängt stark von Gelände, Bebauung, Antenne und Aufstellhöhe ab.

Ohne Lizenz (für die meisten)

  • Freenet-Geräte für die Familie (Sprachfunk)
  • Meshtastic für Textnachrichten
  • Batteriebetriebenes Radio für Behörden-Durchsagen
  • Morgen einsatzbereit, unter 150 Euro
  • Reicht für die meisten realistischen Szenarien

Mit Amateurfunklizenz (für Engagierte)

  • Sprechfunk über Relais und Kurzwelle (je nach Bedingungen)
  • E-Mail über Funk (Winlink)
  • Einbindung in DARC-Notfunkstrukturen
  • Autarker Dauerbetrieb mit Notfunk-Koffer
  • Du hilfst nicht nur dir, sondern auch anderen

Für die meisten Menschen: Freenet + Radio

✅ Einfachste Lösung - morgen einsatzbereit
  • Ein Paar Freenet-Funkgeräte (je eins pro Familienmitglied/Haushalt) - Sprachfunk in der Nachbarschaft
  • Ein batteriebetriebenes UKW-Radio (mit Kurbel oder Solar) - Behörden-Durchsagen empfangen
  • Optional: Ein Meshtastic-Knoten - Textnachrichten, wenn es in deiner Region ein Netz gibt

Gesamtkosten: unter 150 Euro. Keine Lizenz. Reicht für die meisten realistischen Szenarien.

Für Technikbegeisterte: Meshtastic oder CB-Funk

💡 Für Bastler und Tüftler
Meshtastic ist spannend: günstig, Open Source, Mesh-Netzwerk. Ideal, wenn du gerne an Hardware und Software tüftelst. Aber: nur Textnachrichten, und das Netz muss vorher existieren.

CB-Funk bietet 4 Watt auf 80 Kanälen mit externen Antennen - deutlich mehr Reichweite als Freenet oder PMR446. International etablierter Notfunk-Kanal 9. Nachteil: größere Geräte, störanfällig auf 27 MHz.

Für Engagierte: Amateurfunklizenz

📡 Die Königsklasse der Krisenkommunikation
Wer auch ohne öffentliche Infrastruktur über größere Entfernungen kommunizieren will - mit Sprechfunk, Digitalmodi, E-Mail über Funk - kommt am Amateurfunk kaum vorbei. Die Amateurfunklizenz ist nicht nur für dich selbst eine Absicherung: Du kannst im Ernstfall auch anderen helfen, indem du Kommunikationsverbindungen unterstützt, wo reguläre Wege ausgefallen sind.
✅ Die beste Strategie ist eine Kombination: Freenet für die Familie im Nahbereich, ein Radio für Behörden-Durchsagen - und wer es ernst meint, macht die Amateurfunklizenz. Das eine schließt das andere nicht aus. Und die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie.

Praktische Tipps: Notfunk-Vorsorge heute starten

✅ Sofort umsetzbar (ohne Lizenz, ohne Vorkenntnisse)
  • Batteriebetriebenes Radio kaufen (UKW/DAB+, mit Kurbel oder Solar) - um Behörden-Durchsagen zu empfangen
  • Freenet-Funkgeräte für die Familie anschaffen und einen gemeinsamen Kanal festlegen
  • Analogen Treffpunkt vereinbaren - "Wenn wir uns nicht erreichen, treffen wir uns bei..."
  • Powerbank und Ersatzbatterien bereithalten
💡 Mittelfristig (mit etwas Vorbereitung)
  • Meshtastic ausprobieren - Heltec LoRa32 für unter 20 Euro bestellen und testen, ob es in deiner Region Knoten gibt
  • Amateurfunklizenz Klasse N ins Auge fassen - je nach Vorkenntnissen in einigen Wochen Lernzeit machbar
  • DARC-Ortsverband besuchen und Notfunk-Gruppe kennenlernen
  • Meshtastic-Knoten an erhöhtem Punkt aufstellen (Dachboden, Balkon) mit kleinem Solarpanel
📡 Langfristig (für Engagierte)
  • Aufstieg auf Klasse E oder A für Kurzwelle und höhere Sendeleistung
  • Notfunk-Koffer aufbauen (Level 2 oder 3) mit autarker Stromversorgung
  • Winlink-Station einrichten für E-Mail über Funk
  • An DARC-Notfunkübungen teilnehmen und Zusammenarbeit mit THW/Feuerwehr vor Ort aufbauen
  • Akku-Freitag mitmachen - regelmäßig die Einsatzbereitschaft des eigenen Go-Kits testen

Amateurfunklizenz - Dein Einstieg in echte Unabhängigkeit

Mit der Amateurfunklizenz darfst du senden, wo andere nur zuhören können. Die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie: 195 Technikfragen lernen, Prüfung ablegen, eigenes Rufzeichen erhalten.

Klasse N kennenlernen

Häufige Fragen

Brauche ich eine Lizenz für Notfunk?

Kommt drauf an, welches System du nutzt. Für Freenet, PMR446, CB-Funk und Meshtastic brauchst du keine Lizenz. Für Amateurfunk brauchst du eine Lizenz (Klasse N, E oder A). Im akuten Notfall (unmittelbare Gefahr für Leib und Leben) darf nach dem Telekommunikationsgesetz jeder auf jeder Frequenz um Hilfe rufen - aber für vorbereitenden Notfunk brauchst du die entsprechende Berechtigung.

Funktioniert mein Handy bei Stromausfall noch?

Dein Handy selbst funktioniert, solange der Akku geladen ist. Aber das Mobilfunknetz fällt bei längerem Stromausfall aus, weil die Sendemasten nur begrenzt notstromversorgt sind. Dann zeigt dein Handy "Kein Netz" an - selbst mit vollem Akku. Zusätzlich ist das Netz oft schon vorher überlastet, weil alle gleichzeitig telefonieren wollen.

Was ist besser: Meshtastic oder Amateurfunk?

Beides hat seinen Platz und ergänzt sich. Meshtastic ist ideal für Textnachrichten ohne Lizenz und kostet fast nichts. Amateurfunk ermöglicht Sprechfunk, höhere Leistung und je nach Bedingungen große Reichweiten auf Kurzwelle. Die beste Lösung für ernsthafte Krisenvorsorge ist eine Kombination aus beidem.

Was empfiehlt das BBK für die Krisenkommunikation?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt ein batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+) im Haushalt, um Behörden-Durchsagen empfangen zu können. Zusätzlich empfiehlt das BBK, Treffpunkte mit der Familie zu vereinbaren, falls die Kommunikation ausfällt. Für aktive Kommunikation (nicht nur Empfang) empfiehlt sich zusätzlich ein lizenzfreies Funkgerät.

Was kostet der Einstieg in Notfunk?

Ohne Lizenz: Ein Paar Freenet-Geräte ab ca. 80 Euro, ein batteriebetriebenes Radio ab 20 Euro, ein Meshtastic-Knoten ab 15 Euro. Mit Amateurfunklizenz: Prüfungsgebühr ca. 80 Euro, ein einfaches Handfunkgerät ab 30 Euro. Ein Notfunk-Koffer mit Kurzwelle und autarker Stromversorgung kostet 500-1.500 Euro.

Was ist der Unterschied zwischen MeshCore und Meshtastic?

Beide nutzen LoRa-Funk für Mesh-Netzwerke, unterscheiden sich aber im Routing: Bei Meshtastic leitet jedes Gerät Nachrichten weiter. Bei MeshCore übernehmen nur dedizierte Repeater das Routing - Endgeräte senden und empfangen nur. MeshCore ist dadurch airtime-effizienter, braucht aber feste Infrastruktur. Für Einsteiger ist Meshtastic die einfachere Wahl.

Wie finde ich eine Notfunk-Gruppe in meiner Nähe?

Über die Website des DARC (darc.de) kannst du den nächsten Ortsverband in deiner Nähe finden. Viele Ortsverbände haben eigene Notfunk-Gruppen mit regelmäßigen Treffen und Übungen. Die DARC Notfunkkarte zeigt auf einer interaktiven Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Ausrüstung aktiv sind. Du brauchst eine Amateurfunklizenz, um aktiv mitzufunken.

Kann ich mit Meshtastic auch Sprachnachrichten senden?

Nein. Meshtastic überträgt ausschließlich Textnachrichten und GPS-Positionen. Die Datenrate von LoRa ist zu niedrig für Sprache oder Bilder. Für Sprachkommunikation brauchst du ein klassisches Funkgerät (Freenet, PMR446, CB-Funk oder Amateurfunk).

Was ist BOS-Digitalfunk und warum kann ich ihn nicht nutzen?

Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland, betrieben von der BDBOS. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen - Privatpersonen haben keinen Zugang und dürfen die Geräte weder besitzen noch betreiben. Die Basisstationen haben eine bessere Notstromversorgung als Mobilfunkmasten, stoßen bei tagelangem Stromausfall aber ebenfalls an ihre Grenzen.

Welche Frequenzen werden bei Notfunk verwendet?

Im Amateurfunk sind die wichtigsten Notfunkfrequenzen 3,643 kHz und 3,760 kHz (80m, Kurzwelle) sowie 145,500 MHz (2m, UKW-Anruffrequenz). Bei lizenzfreien Funkdiensten gilt als informeller Standard: Kanal 1 = Notruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit - das gilt für CB-Funk (27,065 MHz), Freenet (149,025 MHz) und PMR446 (446,00625 MHz) gleichermaßen.

Kann ich im Notfall ohne Lizenz auf Amateurfunkfrequenzen senden?

Im akuten Notfall (unmittelbare Gefahr für Leib und Leben) darf nach dem Telekommunikationsgesetz jeder auf jeder Frequenz um Hilfe rufen - das ist durch den rechtfertigenden Notstand gedeckt. Für vorbereitenden Notfunk (regelmäßige Übungen, organisierte Krisenkommunikation) brauchst du aber zwingend eine Amateurfunklizenz. Die Klasse N reicht bereits für UKW-Notfunk auf 2m und 70cm.

Quellen

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