Notfunk ist Kommunikation per Funk, wenn reguläre Netze wie Mobilfunk, Festnetz und Internet ausfallen - etwa bei Stromausfall, Naturkatastrophen oder Krisen. Wer vorsorgen will, hat drei Optionen: ein batteriebetriebenes Radio zum Empfang von Behörden-Durchsagen, lizenzfreie Funkgeräte (Freenet, PMR446, CB-Funk) für aktive Kommunikation im Nahbereich, oder eine Amateurfunklizenz für Sprechfunk von lokal bis weltweit und die Einbindung in organisierte Notfunkstrukturen des DARC.
3. Januar 2026, Berlin-Lichterfelde. Ein Brandanschlag auf eine Stromleitung legt Teile des Berliner Südwestens lahm. Über 45.000 Haushalte sind ohne Strom, S-Bahnen stehen still, Mobilfunk fällt stellenweise aus. Die Bundeswehr unterstützt mit Treibstoff für Notstromaggregate.
Wenige Jahre zuvor, im Ahrtal 2021: Die Flutkatastrophe zerstört die komplette Kommunikationsinfrastruktur. Zahlreiche Mobilfunkstandorte fallen aus. BOS-Digitalfunk, Mobilfunk, Festnetz - großflächig gestört. Manche Gemeinden sind nur noch physisch erreichbar.
Zwei Ereignisse, eine Erkenntnis: Unsere gesamte Kommunikation hängt am Stromnetz. Dieser Artikel zeigt dir alle Optionen für Krisenkommunikation per Funk - von lizenzfreien Lösungen wie Freenet und Meshtastic bis zum Amateurfunk mit Notfunk-Koffer. Ehrlich, faktenbasiert, ohne Panikmache.
Was passiert bei Stromausfall mit der Kommunikation?
Die meisten Menschen unterschätzen, wie abhängig unsere gesamte Kommunikation vom Stromnetz ist. Was bei einem großflächigen Blackout passiert, folgt einem vorhersehbaren Muster.
Mobilfunk: Verwundbar bei Stromausfall
Mobilfunkmasten haben USV-Batterien, die je nach Standort und Auslegung eine begrenzte Zeit überbrücken - oft nur wenige Stunden. Für Mobilfunkstandorte gibt es keine einheitliche allgemeine Mindest-Notstromdauer, auf die man sich verlassen könnte.
Gleichzeitig steigt die Netzlast enorm: Alle versuchen gleichzeitig zu telefonieren. Das Netz ist überlastet, oft bevor es ganz ausfällt.
Berlin 2026: Stromausfall im Südwesten
Der Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar 2026 zeigte, dass längere Stromausfälle auch Mobilfunk und andere Infrastrukturen beeinträchtigen können. Über 45.000 Haushalte waren betroffen, S-Bahnen standen still, Mobilfunk fiel stellenweise aus. Die Bundeswehr unterstützte im Rahmen der Amtshilfe unter anderem mit Treibstoff für Notstromaggregate.
Ahrtal 2021: Kommunikation komplett zerstört
In der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 fiel im Ahrtal die gesamte Kommunikationsinfrastruktur aus. Zahlreiche Mobilfunkstandorte wurden zerstört oder fielen wegen Stromausfall aus. Selbst der BOS-Digitalfunk versagte teilweise. Die Folgen:
BOS-Digitalfunk: Warum Privatpersonen ihn nicht nutzen können
Oft kommt die Frage: "Können wir nicht einfach den Behördenfunk nutzen?" Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen - Privatpersonen haben keinen Zugang.
Im Vergleich zu Mobilfunk ist der BOS-Digitalfunk deutlich robuster ausgelegt: Laut BDBOS verfügen die Basisstationen in der Regel über USV und Netzersatzanlagen. Im Kernnetz sind mindestens 72 Stunden abgesichert, und die Notstromversorgung im Zugangsnetz wird an über 3.800 Standorten auf ebenfalls mindestens 72 Stunden ausgebaut. Bei großflächigen, lang andauernden Katastrophen können aber auch diese Systeme an ihre Grenzen stoßen.
Was fällt wann aus?
| System | Ohne Strom funktionsfähig | Bemerkung |
|---|---|---|
| Internet (DSL/Kabel) | Sofort weg | Router braucht Strom |
| Festnetz (IP-basiert) | Sofort weg | Alte analoge Leitungen gibt es kaum noch |
| WLAN | Sofort weg | Router braucht Strom |
| Mobilfunk | Begrenzt (oft wenige Std.) | USV-Batterien, je nach Standort unterschiedlich |
| Sirenen (elektronisch) | Begrenzte USV | Hängt vom Standort ab |
| Digitalfunk BOS (TETRA) | Deutlich robuster | USV + Netzersatzanlagen, Ausbau auf 72 Std. |
| UKW-Radio (ÖR-Sender) | Längere Zeit | Große Sender haben eigene Notstromaggregate |
| Freenet / PMR446 | Solange Akku hält | Direkt, keine Infrastruktur nötig |
| Satellitentelefon | Solange Akku hält | Nicht vom lokalen Mobilfunknetz abhängig, laufende Kosten |
| Amateurfunk | Autark mit Akku/Solar | Keine Infrastruktur nötig, Reichweite je nach Band und Bedingungen |
Notfunk im Amateurfunk - Mehr als ein Hobby
Notfunk im Amateurfunk bedeutet: Lizenzierte Funkamateure stellen bei Krisen und Katastrophen Kommunikationsverbindungen her - auch ohne öffentliche Telekommunikationsinfrastruktur. Für einfache Punkt-zu-Punkt-Verbindungen reichen ein Funkgerät, ein Akku und eine Drahtantenne. Digitale Betriebsarten wie Winlink oder APRS nutzen teilweise zusätzliche Infrastruktur (Gateways, Digipeater), können aber auch im Direktbetrieb funktionieren.
Rechtliche Grundlage
Das Amateurfunkgesetz (AFuG) und die internationale Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO Funk) regeln den Notfunk. Artikel 25 der VO Funk ist dabei besonders wichtig:
Im Normalfall dürfen Funkamateure nur untereinander funken (§ 5 AFuG). Im Notfall hebt sich diese Beschränkung auf - dann zählt die Hilfeleistung. Wichtig dabei: Notfunk ist eine Ergänzung zu den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), kein Ersatz. Funkamateure arbeiten im Katastrophenfall mit Feuerwehr, THW und Rettungsdiensten zusammen, nicht an ihnen vorbei.
Was Funkamateure im Notfunk konkret leisten
Die Möglichkeiten gehen weit über einfaches Sprechen ins Mikrofon hinaus:
- Winlink - E-Mail über Funk senden und empfangen, ganz ohne Internet
- APRS - automatische Positionsmeldungen und Kurznachrichten, auch als digitales Lagebild nutzbar
- JS8Call - Tastatur-zu-Tastatur-Kommunikation, funktioniert selbst bei extrem schwachen Signalen
- Temporäre Netze - Relaisstationen, Digipeater und Crossband-Repeater aufbauen
Notfunk-Frequenzen in Deutschland
Die folgenden Frequenzen werden im deutschsprachigen Raum für Notfunk empfohlen bzw. sind als Betriebs- und Anruffrequenzen etabliert. Die IARU-Frequenzen sind international koordiniert, die D-A-CH-Frequenzen basieren auf Empfehlungen des NotfunkWiki und des DARC-Notfunkreferats.
Amateurfunk - Kurzwelle (HF)
| Frequenz | Band | Betriebsart | Region | Nutzung |
|---|---|---|---|---|
| 1,873 MHz | 160m | LSB | D-A-CH | Nacht-Nahbereich (NVIS) |
| 3,643 MHz | 80m | LSB | D-A-CH | Primäre Notfunkfrequenz D-A-CH |
| 3,760 MHz | 80m | LSB | Europa | IARU Region 1 Notfunkfrequenz |
| 7,085 MHz | 40m | LSB | D-A-CH | Überregionale Koordination |
| 7,110 MHz | 40m | LSB | Europa | IARU Region 1 Notfunkfrequenz |
| 10,138 MHz | 30m | CW | D-A-CH | CW-Notfunkfrequenz |
| 14,300 MHz | 20m | USB | Europa | Weitverkehr tagsüber |
| 18,160 MHz | 17m | USB | Europa | Weitverkehr tagsüber |
| 21,360 MHz | 15m | USB | Europa | Weitverkehr bei hoher Sonnenaktivität |
| 28,238 MHz | 10m | USB | Deutschland | Weitverkehr bei Sporadic-E |
Amateurfunk - UKW (VHF/UHF)
| Frequenz | Band | Betriebsart | Region | Nutzung |
|---|---|---|---|---|
| 144,260 MHz | 2m | USB | D-A-CH | SSB-Notfunkfrequenz (DARC-Empfehlung) |
| 145,500 MHz | 2m | FM | D-A-CH | FM-Anruffrequenz, erster Anlaufpunkt |
| 433,500 MHz | 70cm | FM | Europa | FM-Anruffrequenz |
| DMR: Talkgroup 9112 (EMACOM EU) im BrandMeister-Netz - Community-basierte Notfunk-Talkgroup | ||||
Lizenzfreie Funkdienste - Empfohlene Kanäle
| Dienst | Kanal | Frequenz | Nutzung |
|---|---|---|---|
| CB-Funk | Kanal 9 | 27,065 MHz (FM) | Internationaler Notrufkanal |
| CB-Funk | Kanal 3 | 26,985 MHz (FM) | Notfunk-Arbeitskanal |
| Freenet | Kanal 1 | 149,025 MHz (FM) | Notrufkanal |
| Freenet | Kanal 3 | 149,050 MHz (FM) | Notfunk-Arbeitskanal |
| PMR446 | Kanal 1 | 446,00625 MHz (FM) | Notrufkanal |
| PMR446 | Kanal 3 | 446,03125 MHz (FM) | Notfunk-Arbeitskanal |
NVIS - Die Geheimwaffe für den Nahbereich auf Kurzwelle
Eine besonders wertvolle Technik für Notfunk ist NVIS (Near Vertical Incidence Skywave). Dabei wird die Kurzwelle fast senkrecht nach oben abgestrahlt und von der Ionosphäre zurück reflektiert. Das Ergebnis: flächendeckende Abdeckung im Umkreis von 50-500 km - ohne toten Winkel und ohne Relaisstationen. Auf dem 80m-Band (3,5 MHz) funktioniert das besonders gut.
Für NVIS braucht man keine aufwendige Antenne: Ein Drahtdipol in nur 2-5 Metern Höhe über dem Boden reicht aus. Das macht NVIS ideal für Notfunk-Koffer.
Relaisstationen - Reichweitenverlängerung auf UKW
Über Relaisstationen (Repeater) lässt sich die Reichweite auf UKW erheblich vergrößern. In Deutschland gibt es hunderte Relaisstationen auf Bergkuppen und Türmen - einige davon verfügen über eigene Notstromversorgung.
Ein einfaches Handfunkgerät mit 5 Watt kann über ein günstig gelegenes Relais je nach Standort und Topografie erhebliche Reichweiten erzielen. Das ist ein großer Vorteil gegenüber lizenzfreien Funkdiensten, die auf Direktverbindungen beschränkt sind.
Reale Einsatzbeispiele
Ahrtal 2021: DARC-Ortsverbände aus der Region unterstützten mit Notfunk, als die regulären Kommunikationswege massiv beeinträchtigt waren. Funkamateure halfen bei der Koordination von Hilfslieferungen und bei der Kommunikation mit schwer erreichbaren Gemeinden.
International: Bei Erdbeben, Hurrikans und Tsunamis weltweit unterstützen Funkamateure die Krisenkommunikation. Die IARU (International Amateur Radio Union) koordiniert den internationalen Notfunk. In den USA ist das ARES (Amateur Radio Emergency Service) mit tausenden freiwilligen Funkamateuren fester Bestandteil des Katastrophenschutzes.
DARC Notfunk-Referat und die Notfunkkarte
Der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) betreibt ein eigenes Referat Not- und Katastrophenfunk, das die Notfunk-Aktivitäten auf drei Ebenen koordiniert:
Die drei Ebenen des DARC-Notfunks
Die DARC Notfunkkarte
Eines der praktischsten Werkzeuge des DARC ist die interaktive Notfunkkarte. Sie zeigt auf einer Deutschland-Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Fähigkeiten erreichbar sind. Die Marker haben eine klare Farbcodierung:
| Marker | Bedeutung |
|---|---|
| Grün | Notfunk-Gruppe (organisierte Gruppe im Ortsverband) |
| Blau | Einzelner Funkamateur mit Notfunk-Ausrüstung |
| Rot | Funkamateur, der Anschluss an eine Notfunk-Gruppe sucht |
So können Behörden und Hilfsorganisationen - die sogenannten Bedarfsträger - im Ernstfall schnell lokale Funkamateure mit der passenden Ausrüstung finden. Der DARC bietet zusätzlich einen Helfer-Kalkulator zur Personalbedarfsermittlung bei größeren Einsätzen.
MoWaS-Zugang und Bedarfsträger-Kooperation
Der DARC hat durch eine vertragliche Vereinbarung mit dem BBK Zugang zum Modularen Warnsystem (MoWaS) - dem zentralen Warnsystem des Bundes. Damit kann der DARC offizielle Warnmeldungen im Rohformat empfangen und über Amateurfunk weiterverbreiten.
Darüber hinaus arbeitet der DARC aktiv mit Organisationen wie THW, Feuerwehren und dem Katastrophenschutz zusammen. Ziel ist es, dass Funkamateure im Ernstfall nicht improvisieren müssen, sondern bereits in die bestehenden Strukturen integriert sind. In vielen Regionen gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen DARC-Ortsverbänden und den lokalen Katastrophenschutz-Behörden.
Kooperation DARC und Notfunk Deutschland e.V.
Seit 2024/2025 kooperieren der DARC und der Verein Notfunk Deutschland e.V. offiziell. Die Zusammenarbeit wurde auf der HAM RADIO in Friedrichshafen besiegelt und bündelt die Expertise beider Organisationen - insbesondere bei Ausbildung und Seminarprogrammen.
Ausbildung und Mitmachen
Der DARC bietet verschiedene Wege, sich im Notfunk zu engagieren:
- Notfunk-Seminare: Mehrtägige Ausbildungswochenenden (z.B. in Immenreuth, Oberpfalz), auch über die Ausbildungsplattform 50ohm.de
- Akku-Freitag: Initiative, bei der Funkamateure regelmäßig den Akkubetrieb ihrer Notfunk-Ausrüstung testen - denn ein Notfunk-Koffer nützt nichts, wenn die Akkus leer sind
- Ortsverband finden: Über darc.de den nächsten Ortsverband suchen und bei der Notfunk-Gruppe vorbeischauen. Viele Ortsverbände freuen sich über Verstärkung
- Notfunkkarte eintragen: Eigene Notfunk-Fähigkeiten auf der Karte registrieren
In 4 Wochen auf den Bändern funken
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Jetzt kostenlos lernenDer Notfunk-Koffer - Sofort einsatzbereit
Ein Notfunk-Koffer (auch Go-Kit oder Funkkoffer genannt) ist eine komplett vorbereitete, portable Funkstation in einem robusten Koffer. Das Konzept: Im Ernstfall Koffer greifen, Antenne aufbauen, funken - ohne erst die Heimstation abbauen zu müssen.

Drei Levels: Vom Rucksack bis zur Kofferleitstelle
Handfunkgerät (z.B. Baofeng UV-5R oder Yaesu FT-65), Ersatzakku und AA-Batteriefach, Rollantenndraht oder J-Pole-Antenne, Notizblock mit lokaler Relaisliste. Passt in einen Rucksack und reicht für lokale UKW-Kommunikation.
Portabler KW-Transceiver (z.B. Yaesu FT-891, Xiegu G90) oder ein KW/UKW-Allrounder wie der ICOM IC-705, LiFePO4-Akku 12V/20-50 Ah, NVIS-Drahtantenne mit GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m), UKW-Antenne (J-Pole oder Roll-up Yagi). Ermöglicht auf Kurzwelle je nach Ausbreitungsbedingungen regionale bis europaweite Verbindungen - mit NVIS typischerweise 50-500 km.
Vollständige KW/UKW-Station mit digitalem Interface, Laptop mit Winlink/APRS/Logbuch-Software, faltbares Solarpanel (50-100 W), mehrere Antennen für verschiedene Bänder. Kann bei guter Sonneneinstrahlung über Tage autark betrieben werden - die mobile Leitstelle für den Ernstfall.
Stromversorgung: LiFePO4 und Solar
LiFePO4-Akkus sind der Standard für Notfunk-Koffer. Sie sind deutlich sicherer und thermisch stabiler als andere Lithium-Chemien, langlebig (2.000-5.000 Ladezyklen) und haben ein stabiles Entladeverhalten. Ein gutes BMS (Battery Management System) gehört dazu. Ein 20-Ah-Akku kann einen 10-Watt-Transceiver im SSB-Betrieb je nach Sende-/Empfangsanteil grob 10-20 Stunden versorgen - die tatsächliche Laufzeit hängt stark vom Betriebsprofil ab.
In Kombination mit einem faltbaren Solarpanel (50-100 W) ist bei ausreichender Sonneneinstrahlung und moderatem Funkbetrieb Dauerbetrieb über Tage möglich - ohne externe Stromquelle.



Stromversorgung für den Notfunk: Solar, Akku und Generator - autark über Tage. (Fotos: DL4KE)
Die NVIS-Antenne für den Notfunk-Koffer
Die ideale Antenne für einen Notfunk-Koffer auf Kurzwelle ist eine NVIS-Antenne: ein einfacher Drahtdipol, der in nur 2-5 Metern Höhe über dem Boden aufgehängt wird. Mit einem zerlegbaren GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m) passt die gesamte Antenne in den Koffer. Aufbauzeit: etwa 10-15 Minuten.
Freenet - Lizenzfreier Funk auf 149 MHz
Was ist, wenn du keine Amateurfunklizenz hast? Hier kommen lizenzfreie Funkdienste ins Spiel. Freenet ist ein rein deutscher lizenzfreier Funkdienst auf 149 MHz. Keine Prüfung, keine Gebühr, keine Anmeldung - Gerät kaufen und loslegen.
Technische Daten
| Eigenschaft | Freenet |
|---|---|
| Frequenzbereich | 149,01875 - 149,11875 MHz |
| Kanäle | 12,5-kHz-Raster, Sprachkommunikation |
| Sendeleistung | Max. 1 Watt ERP (0,5 W im 10-km-Grenzstreifen zu Belgien/Polen) |
| Antenne | Fest verbaut oder Wechselantenne am Handfunkgerät; keine externen Antennen per Koax |
| Reichweite | Typisch 500 m - 5 km (stark abhängig von Gelände und Bebauung) |
| Betrieb | Nur Peer-to-Peer (keine Repeater, kein Gateway) |
| Zulassung | Nur Deutschland |
| Kosten Gerät | Ab ca. 50 Euro (Paar) |
Stärken und Grenzen für die Krise
Stärken
- Sofort einsatzbereit, keine Lizenz, keine Anmeldung
- 149 MHz: tendenziell bessere Gebäudedurchdringung als höhere Frequenzen (PMR, LoRa)
- Geräte sind robust, einfach und intuitiv
- Günstig und jahrelang haltbar
Grenzen
- Wenige Kanäle - bei vielen Nutzern schnell überlastet
- Keine Repeater erlaubt - nur Peer-to-Peer
- Keine externen Antennen per Koax erlaubt
- Nur 1 Watt - Reichweite stark geländeabhängig
- Nur in Deutschland zugelassen
Weitere lizenzfreie Alternativen: PMR446 und CB-Funk
PMR446
- PMR446 - der Klassiker unter den "Walkie-Talkies"
- 0,5 Watt, 16 Kanäle, 446 MHz
- EU-weit zugelassen
- Extrem günstig (ab 20 Euro pro Paar)
- Geringere Sendeleistung als Freenet (0,5 W vs. 1 W)
CB-Funk
- Citizens Band - 27 MHz, international etabliert
- 4 Watt auf 80 Kanälen
- Externe Antennen erlaubt
- Deutlich mehr Reichweite mit externer Antenne möglich
- Internationaler Notfunk-Kanal 9
- Nachteil: größere Geräte, störanfällig
Vergleichstabelle: Alle lizenzfreien Funkdienste
| Funkdienst | Frequenz | Leistung | Kanäle | Reichweite | Externe Antenne | Zulassung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| PMR446 | 446 MHz | 0,5 W | 16 | 0,5-3 km* | Nein | EU-weit |
| Freenet | 149 MHz | 1 W | 12,5-kHz-Raster | 0,5-5 km* | Nein (extern) | Nur DE |
| CB-Funk | 27 MHz | 4 W (FM) | 80 | 5-30 km* | Ja | International |
Meshtastic - Das LoRa Mesh-Netzwerk
Meshtastic ist eine Open-Source-Firmware für günstige LoRa-Funkmodule. Die Geräte bilden automatisch ein Mesh-Netzwerk: Jeder Knoten empfängt Nachrichten und leitet sie weiter. So wächst die Reichweite mit jedem Gerät im Netz. In der Prepper- und Maker-Szene ist Meshtastic in den letzten Jahren regelrecht explodiert.
So funktioniert es
Du kaufst ein LoRa-Gerät (ab ca. 20 Euro), flashst die Meshtastic-Firmware, verbindest dein Smartphone per Bluetooth - fertig. Nachrichten, die du in der App tippst, werden als Datenpakete per LoRa-Funk verschickt. Jedes andere Meshtastic-Gerät in Reichweite empfängt die Nachricht und leitet sie weiter, bis sie den Empfänger erreicht.
Seit Version 2.6 verwendet Meshtastic ein verbessertes Routing-Verfahren: Managed Flooding mit Next-Hop. Das bedeutet, dass Nachrichten nicht mehr blind von jedem Knoten weitergeleitet werden, sondern gezielter über bekannte Routen laufen.
Technische Daten (Europa - EU_868)
| Eigenschaft | Meshtastic (EU_868) |
|---|---|
| Frequenz | 869,400 - 869,650 MHz (SRD-Band) |
| Sendeleistung | Max. +27 dBm (500 mW) |
| Duty Cycle | Max. 10% (EU-Regulierung) |
| Reichweite (Knoten zu Knoten) | 1-5 km (Stadt), 5-20 km (freie Sicht) |
| Reichweite (Mesh, mehrere Hops) | Theoretisch unbegrenzt, praktisch abhängig von Knotendichte |
| Max. Hops | 3 (Standard), bis 7 konfigurierbar |
| Nachrichtentyp | Text, GPS-Position, Telemetrie |
| Verschlüsselung | AES-256 |
| Lizenz nötig? | Nein (SRD-Band, EU Radio Equipment Directive 2014/53/EU) |
Beliebte Hardware
| Gerät | Preis (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|
| Heltec LoRa32 V3 | 15-20 Euro | Günstigster Einstieg, OLED-Display |
| LILYGO T-Beam | 25-35 Euro | Eingebautes GPS, guter Allrounder |
| LILYGO T-Deck | 40-55 Euro | Eigene Tastatur, ohne Smartphone nutzbar |
| RAK WisBlock | 30-50 Euro | Modulares System, sehr stromsparend |
| Seeed T1000-E | 25-35 Euro | Winziger Tracker mit GPS |
Duty Cycle - Das EU-Limit verstehen
In der EU gilt für das genutzte SRD-Band ein Duty Cycle von maximal 10%. Das bedeutet: Ein Gerät darf pro Stunde maximal 6 Minuten senden. Klingt viel, aber in einem Mesh-Netzwerk leitet jeder Knoten auch die Nachrichten anderer weiter. Bei vielen aktiven Nutzern kann das Limit schnell erreicht werden.
Bei Überschreitung pausiert die Firmware automatisch - Nachrichten werden verzögert oder gehen verloren. Das ist kein Bug, sondern eine gesetzliche Anforderung.
Pro und Contra für Notfunk
Pro
- Keine Lizenz nötig - sofort loslegen
- Extrem günstig - ab 15 Euro pro Knoten
- Mesh-Netzwerk - mehr Knoten = mehr Abdeckung
- AES-256 verschlüsselt - Nachrichten sind privat
- Sehr stromsparend - Tage bis Wochen Laufzeit
- Open Source - große und aktive Community
- GPS-Tracking - Positionen teilen ohne Internet
- Aktive Netze in vielen deutschen Städten
Contra
- Nur Text - keine Sprache, keine Bilder
- 10% Duty Cycle - begrenzt Sendezeit massiv
- 10% Duty Cycle in Europa - begrenzt die effektive Nutzung
- Netz muss vorher existieren - ohne Knoten kein Mesh
- Latenz - Sekunden bis Minuten pro Nachricht
- Smartphone nötig bei den meisten Geräten
MeshCore - Die leichtgewichtige Alternative
MeshCore ist eine Alternative zu Meshtastic mit einem anderen Architektur-Ansatz. Das Projekt ist Open Source (MIT-Lizenz) und wird in der Community aktiv diskutiert.
Der fundamentale Unterschied: Wer routet?
Hier liegt der entscheidende Architektur-Unterschied zwischen Meshtastic und MeshCore:
- Meshtastic: Jedes Gerät ist gleichzeitig Endgerät und Weiterleiter. Wenn dein Nachbar eine Nachricht schickt, leitet auch dein Gerät sie weiter - ob du willst oder nicht.
- MeshCore: Es gibt eine klare Trennung: Endgeräte (Companions) senden und empfangen nur. Repeater übernehmen die Weiterleitung. Clients routen nicht.
Das hat eine wichtige Konsequenz: MeshCore verbraucht deutlich weniger Airtime, weil nicht jedes Gerät im Netz jede Nachricht weiterleitet. In Europa mit dem 10% Duty-Cycle-Limit ist das ein echter Vorteil.
Meshtastic
- Jeder Client leitet Pakete weiter
- Managed Flooding + Next-Hop (ab v2.6)
- Kein fester Infrastruktur-Aufbau nötig
- Große, aktive Community
- Mehr Geräte, mehr Dokumentation
- Komplett kostenlos (Open Source)
MeshCore
- Dedizierte Repeater übernehmen das Routing
- Braucht feste Repeater-Infrastruktur
- Kleinere, aber wachsende Community
- Geringerer Airtime-Verbrauch
- Firmware frei (MIT), erweiterte App-Features kostenpflichtig
Lizenzmodell
Die MeshCore-Firmware ist Open Source (MIT-Lizenz). Erweiterte App-Funktionen (Karten, Telemetrie, GPS-Broadcast, Store-and-Forward) sind über den offiziellen Store kostenpflichtig. Basis-Funktionen (Nachrichten senden/empfangen) bleiben kostenlos.
Wer sollte was wählen?
Meshtastic ist die bessere Wahl für die meisten Einsteiger: Gerät einschalten, App verbinden, fertig. Größere Community, mehr Dokumentation, mehr Geräte im Feld. Kein Infrastruktur-Aufbau nötig.
MeshCore ist interessant für technisch Versierte, die ein stadtweites oder regionales Netz mit festen Repeatern aufbauen wollen und Airtime minimieren müssen. Aber: MeshCore ist noch jung und hat deutlich weniger aktive Knoten.
Empfang oder Senden - Was brauchst du wirklich?
Bevor du Geld ausgibst, stell dir eine Frage: Willst du nur informiert bleiben oder aktiv kommunizieren? Die Antwort bestimmt, was du brauchst.
Nur informiert bleiben
- Batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+)
- Empfang von Behörden-Durchsagen
- Keine Lizenz, keine Anmeldung
- Ab 20 Euro (Kurbelradio)
- BBK-Empfehlung für jeden Haushalt
- Reicht für reine Informationsbeschaffung
Aktiv kommunizieren
- Freenet/PMR446 für den Nahbereich (ohne Lizenz)
- CB-Funk für mehr Reichweite (ohne Lizenz)
- Meshtastic für Textnachrichten (ohne Lizenz)
- Amateurfunk für große Reichweiten auf Kurzwelle (mit Lizenz)
- Du kannst Hilfe rufen und koordinieren
- Ab 50 Euro (lizenzfrei) bis 500+ Euro (Amateurfunk)
Satellitentelefon und Satelliten-Messenger
Wer im Notfall zuverlässig kommunizieren will, sollte Satellitentelefone und Satelliten-Messenger kennen. Sie gehören zu den robustesten Kommunikationsoptionen bei Krisenlagen, weil sie nicht vom lokalen Mobilfunknetz abhängen. Auch direkter Funk (Amateurfunk, Freenet, PMR, CB) funktioniert ohne Mobilfunkmasten - aber Satellitentelefone ermöglichen zusätzlich Anrufe ins Festnetz und zu anderen Sat-Telefonen weltweit.
Wie funktioniert Satellitenkommunikation?
Das Endgerät funkt direkt zum Satelliten im Orbit - ohne lokale Sendemasten oder Internetverbindung. Die Gesamtdienstleistung hängt aber weiterhin von der Infrastruktur des Satellitenbetreibers ab: Bodenstationen (Gateways) und Kernnetze auf mehreren Kontinenten vermitteln die Gespräche. Diese Infrastruktur ist redundant ausgelegt und liegt außerhalb Deutschlands - ein nationaler Stromausfall beeinträchtigt sie daher in der Regel nicht.
Die drei großen Satellitennetze
| Netz | Satelliten | Abdeckung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Iridium | 66 LEO-Satelliten | Weltweit inkl. Pole | Einziges Netz mit echter Globalabdeckung |
| Thuraya | Geostationär | Europa, Afrika, Asien | Bessere Sprachqualität, günstiger im Standby |
| Inmarsat | Geostationär | Weltweit (ohne Pole) | Bewährt in Schifffahrt und Luftfahrt |
Satellitentelefone: Kosten und Geräte
Thuraya-Geräte sind in der Regel am günstigsten (ab ca. 500 Euro neu), Inmarsat liegt im Mittelfeld, Iridium ist am teuersten (ab ca. 1.100 Euro), bietet dafür aber globale Polabdeckung. Gebrauchte Geräte sind deutlich günstiger erhältlich. Gesprächskosten liegen je nach Netz und Tarif typischerweise zwischen 0,70 und 2,00 Euro pro Minute. Konkrete Preise ändern sich - vor dem Kauf beim Händler oder Betreiber aktuell prüfen.
Zusätzlich zum Gerät fallen laufende Kosten an (Prepaid-Guthaben oder Vertrag). Wer das Gerät nur für Notfälle bereithält, fährt mit Thuraya-Prepaid am günstigsten: Die jährliche Grundgebühr liegt bei ca. 40-45 Euro, das Gerät bleibt erreichbar und empfangsbereit. Satellitentelefone lassen sich auch mieten, z.B. für Reisen oder Veranstaltungen.
Satelliten-Messenger: Günstiger Einstieg
Wer kein vollwertiges Satellitentelefon braucht, kann mit einem Satelliten-Messenger deutlich günstiger einsteigen. Diese Geräte senden Textnachrichten und GPS-Positionen über das Iridium-Netz und haben einen SOS-Notfallknopf, der eine internationale Rettungsleitstelle alarmiert.
Garmin bietet mit dem inReach Messenger und dem inReach Mini 2 kompakte Geräte mit SOS-Button, Zwei-Wege-Textnachrichten und GPS-Tracking über das Iridium-Netz. Die Geräte kosten je nach Modell ab ca. 230-400 Euro, dazu kommt ein monatliches Abo (ab ca. 20 Euro/Monat, pausierbar).
Wichtig: Satelliten-Messenger sind keine Telefone - sie senden Textnachrichten und GPS-Positionen, keine Sprache. Für Sprachtelefonie via Satellit braucht es ein echtes Satellitentelefon.
Bei Garmin inReach lässt sich das Abo pausieren, wenn man das Gerät gerade nicht aktiv nutzt. Die SOS-Funktion verbindet mit der Garmin IERCC (International Emergency Response Coordination Center), einer 24/7-Rettungsleitstelle.
Notruf via Satellit im Smartphone
Seit Ende 2022 bietet Apple auf dem iPhone 14 und neuer die Funktion Notruf SOS via Satellit an - auch in Deutschland. Per Textnachricht über Globalstar-Satelliten kann man Rettungsdienste kontaktieren, wenn kein Mobilfunkempfang verfügbar ist. Apple erweitert die Satellitenfunktionen schrittweise - neben dem Notruf gibt es in einigen Ländern bereits Nachrichten an Kontakte via Satellit. Aktuelle Verfügbarkeit für Deutschland auf der Apple-Supportseite prüfen. Die Notruf-Funktion war bisher für einen begrenzten Zeitraum nach Aktivierung kostenlos; Apple hat die Gratisphase mehrfach verlängert.
Rechtliche Lage in Deutschland
In Deutschland können Privatpersonen Satellitentelefone ohne eigene Funkgenehmigung nutzen - die Frequenzzuteilung und Netzzulassung läuft über den jeweiligen Satellitenbetreiber. Praktisch heißt das: Gerät kaufen, SIM-Karte beim Anbieter aktivieren, nutzen. In einigen Regionen können Einschränkungen gelten, etwa zum Schutz von Radioteleskopen. In einigen Ländern außerhalb Europas (z.B. Indien, Nordkorea) sind Satellitentelefone verboten oder genehmigungspflichtig - bei Reisen vorher informieren.
Satellitentelefon vs. Amateurfunk
Satellitentelefon
- Sofort einsatzbereit, keine Ausbildung nötig
- Telefonate ins Festnetz/Mobilnetz möglich
- SOS-Notruf an Rettungsleitstelle
- Hohe Anschaffungs- und laufende Kosten
- Punkt-zu-Punkt-Kommunikation (1:1)
- Abhängig von kommerziellem Netzbetreiber
Amateurfunk
- Lizenz und Ausbildung erforderlich
- Keine Telefonate ins Festnetz
- Kein SOS-Button, aber Notfunkfrequenzen
- Geringe laufende Kosten nach Anschaffung
- Rundspruch an viele Stationen gleichzeitig
- Unabhängig von kommerziellen Anbietern
QO-100 - Amateurfunk über Satellit ohne laufende Kosten
Für lizenzierte Funkamateure gibt es eine weitere Option für Satellitenkommunikation: den geostationären Satelliten QO-100 (Qatar-OSCAR 100, auf Es'hail-2). Seit 2019 ermöglicht er Amateurfunkverbindungen rund um die Uhr - die Abdeckung reicht von Ostbrasilien über Europa und Afrika bis nach Südostasien. Im Gegensatz zu Iridium oder Thuraya fallen keine laufenden Kosten an - allerdings ist QO-100 kein Ersatz für ein Satellitentelefon, sondern ein Amateurfunk-Transponder: nur für Lizenzinhaber, keine Verschlüsselung, keine garantierte Privatkommunikation.
QO-100 bietet zwei Transponder: einen Schmalband-Transponder für SSB, CW und digitale Betriebsarten (z.B. JS8Call, Winlink) sowie einen Breitband-Transponder für digitales Fernsehen (DATV). Für den Notfunk besonders relevant: Die IARU hat auf QO-100 eine internationale Notfunkfrequenz eingerichtet (Downlink 10489,860 MHz).
Die Ausrüstung ist allerdings nicht trivial:
- Uplink: 2,4 GHz (13-cm-Band) mit ca. 2-5 Watt an einer Parabolantenne
- Downlink: 10 GHz (3-cm-Band), Empfang mit handelsüblichem LNB an einer Satellitenschüssel (ab 60 cm)
- Vollduplex-Betrieb dringend empfohlen - man sollte das eigene Signal auf dem Downlink mithören, um den Transponder nicht zu übersteuern
- Gesamtkosten für eine Grundausstattung: ca. 300-600 Euro
Ehrliche Einschätzung - Was ist für wen das Richtige?
Jetzt wird es ernst. Denn die meisten Leute, die sich für Notfunk interessieren, brauchen keinen Amateurfunk. Klingt komisch auf einer Seite, die auf die Amateurfunkprüfung vorbereitet - ist aber ehrlich.
Die große Vergleichstabelle
| Anforderung | Freenet | PMR446 | CB-Funk | Meshtastic | Sat-Telefon | Amateurfunk |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sprache | Ja | Ja | Ja | Nein | Ja | Ja |
| Text | Nein | Nein | Nein | Ja | Ja (SMS) | Ja (Winlink, APRS) |
| E-Mail ohne Internet | Nein | Nein | Nein | Nein | Nein | Ja (Winlink) |
| Reichweite lokal* | 0,5-5 km | 0,5-3 km | 5-30 km | 1-10 km (Mesh) | Weltweit | Je nach Relais/Gelände |
| Reichweite überregional | Nein | Nein | Nein | Begrenzt | Weltweit | Ja (KW, bedingungsabhängig) |
| Lizenz nötig | Nein | Nein | Nein | Nein | Nein | Ja |
| Kosten Einstieg | 50-100 Euro | 20-60 Euro | 80-200 Euro | 15-50 Euro | Ab 230 Euro (Messenger) / ab 500 Euro (Telefon) | 150-500 Euro |
| Laufende Kosten | Keine | Keine | Keine | Keine | Abo oder Prepaid erforderlich | Keine |
| Infrastruktur nötig | Nein | Nein | Nein | Mesh-Knoten | Satellit (kommerziell) | Nein (Simplex/KW) |
| Autarker Dauerbetrieb | Stunden | Stunden | Stunden | Tage-Wochen | Stunden (Akku) | Tage+ (Akku/Solar) |
* Reichweitenangaben sind grobe Erfahrungswerte. Die tatsächliche Reichweite hängt stark von Gelände, Bebauung, Antenne und Aufstellhöhe ab.
Ohne Lizenz (für die meisten)
- Freenet-Geräte für die Familie (Sprachfunk)
- Meshtastic für Textnachrichten
- Batteriebetriebenes Radio für Behörden-Durchsagen
- Morgen einsatzbereit, unter 150 Euro
- Reicht für die meisten realistischen Szenarien
Mit Amateurfunklizenz (für Engagierte)
- Sprechfunk über Relais und Kurzwelle (je nach Bedingungen)
- E-Mail über Funk (Winlink)
- Einbindung in DARC-Notfunkstrukturen
- Autarker Dauerbetrieb mit Notfunk-Koffer
- Du hilfst nicht nur dir, sondern auch anderen
Für die meisten Menschen: Freenet + Radio
- Ein Paar Freenet-Funkgeräte (je eins pro Familienmitglied/Haushalt) - Sprachfunk in der Nachbarschaft
- Ein batteriebetriebenes UKW-Radio (mit Kurbel oder Solar) - Behörden-Durchsagen empfangen
- Optional: Ein Meshtastic-Knoten - Textnachrichten, wenn es in deiner Region ein Netz gibt
Gesamtkosten: unter 150 Euro. Keine Lizenz. Reicht für die meisten realistischen Szenarien.
Für Technikbegeisterte: Meshtastic oder CB-Funk
Meshtastic ist spannend: günstig, Open Source, Mesh-Netzwerk. Ideal, wenn du gerne an Hardware und Software tüftelst. Aber: nur Textnachrichten, und das Netz muss vorher existieren.
CB-Funk bietet 4 Watt auf 80 Kanälen mit externen Antennen - deutlich mehr Reichweite als Freenet oder PMR446. International etablierter Notfunk-Kanal 9. Nachteil: größere Geräte, störanfällig auf 27 MHz.
Für Engagierte: Amateurfunklizenz
Wer auch ohne öffentliche Infrastruktur über größere Entfernungen kommunizieren will - mit Sprechfunk, Digitalmodi, E-Mail über Funk - kommt am Amateurfunk kaum vorbei. Die Amateurfunklizenz ist nicht nur für dich selbst eine Absicherung: Du kannst im Ernstfall auch anderen helfen, indem du Kommunikationsverbindungen unterstützt, wo reguläre Wege ausgefallen sind.
Praktische Tipps: Notfunk-Vorsorge heute starten
- Batteriebetriebenes Radio kaufen (UKW/DAB+, mit Kurbel oder Solar) - um Behörden-Durchsagen zu empfangen
- Freenet-Funkgeräte für die Familie anschaffen und einen gemeinsamen Kanal festlegen
- Analogen Treffpunkt vereinbaren - "Wenn wir uns nicht erreichen, treffen wir uns bei..."
- Powerbank und Ersatzbatterien bereithalten
- Meshtastic ausprobieren - Heltec LoRa32 für unter 20 Euro bestellen und testen, ob es in deiner Region Knoten gibt
- Amateurfunklizenz Klasse N ins Auge fassen - je nach Vorkenntnissen in einigen Wochen Lernzeit machbar
- DARC-Ortsverband besuchen und Notfunk-Gruppe kennenlernen
- Meshtastic-Knoten an erhöhtem Punkt aufstellen (Dachboden, Balkon) mit kleinem Solarpanel
- Aufstieg auf Klasse E oder A für Kurzwelle und höhere Sendeleistung
- Notfunk-Koffer aufbauen (Level 2 oder 3) mit autarker Stromversorgung
- Winlink-Station einrichten für E-Mail über Funk
- An DARC-Notfunkübungen teilnehmen und Zusammenarbeit mit THW/Feuerwehr vor Ort aufbauen
- Akku-Freitag mitmachen - regelmäßig die Einsatzbereitschaft des eigenen Go-Kits testen
Amateurfunklizenz - Dein Einstieg in echte Unabhängigkeit
Mit der Amateurfunklizenz darfst du senden, wo andere nur zuhören können. Die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie: 195 Technikfragen lernen, Prüfung ablegen, eigenes Rufzeichen erhalten.
Klasse N kennenlernenHäufige Fragen
Brauche ich eine Lizenz für Notfunk?
Kommt drauf an, welches System du nutzt. Für Freenet, PMR446, CB-Funk und Meshtastic brauchst du keine Lizenz. Für Amateurfunk brauchst du eine Lizenz (Klasse N, E oder A). Im akuten Notfall (unmittelbare Gefahr für Leib und Leben) darf nach dem Telekommunikationsgesetz jeder auf jeder Frequenz um Hilfe rufen - aber für vorbereitenden Notfunk brauchst du die entsprechende Berechtigung.
Funktioniert mein Handy bei Stromausfall noch?
Dein Handy selbst funktioniert, solange der Akku geladen ist. Aber das Mobilfunknetz fällt bei längerem Stromausfall aus, weil die Sendemasten nur begrenzt notstromversorgt sind. Dann zeigt dein Handy "Kein Netz" an - selbst mit vollem Akku. Zusätzlich ist das Netz oft schon vorher überlastet, weil alle gleichzeitig telefonieren wollen.
Was ist besser: Meshtastic oder Amateurfunk?
Beides hat seinen Platz und ergänzt sich. Meshtastic ist ideal für Textnachrichten ohne Lizenz und kostet fast nichts. Amateurfunk ermöglicht Sprechfunk, höhere Leistung und je nach Bedingungen große Reichweiten auf Kurzwelle. Die beste Lösung für ernsthafte Krisenvorsorge ist eine Kombination aus beidem.
Was empfiehlt das BBK für die Krisenkommunikation?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt ein batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+) im Haushalt, um Behörden-Durchsagen empfangen zu können. Zusätzlich empfiehlt das BBK, Treffpunkte mit der Familie zu vereinbaren, falls die Kommunikation ausfällt. Für aktive Kommunikation (nicht nur Empfang) empfiehlt sich zusätzlich ein lizenzfreies Funkgerät.
Was kostet der Einstieg in Notfunk?
Ohne Lizenz: Ein Paar Freenet-Geräte ab ca. 80 Euro, ein batteriebetriebenes Radio ab 20 Euro, ein Meshtastic-Knoten ab 15 Euro. Mit Amateurfunklizenz: Prüfungsgebühr ca. 80 Euro, ein einfaches Handfunkgerät ab 30 Euro. Ein Notfunk-Koffer mit Kurzwelle und autarker Stromversorgung kostet 500-1.500 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen MeshCore und Meshtastic?
Beide nutzen LoRa-Funk für Mesh-Netzwerke, unterscheiden sich aber im Routing: Bei Meshtastic leitet jedes Gerät Nachrichten weiter. Bei MeshCore übernehmen nur dedizierte Repeater das Routing - Endgeräte senden und empfangen nur. MeshCore ist dadurch airtime-effizienter, braucht aber feste Infrastruktur. Für Einsteiger ist Meshtastic die einfachere Wahl.
Wie finde ich eine Notfunk-Gruppe in meiner Nähe?
Über die Website des DARC (darc.de) kannst du den nächsten Ortsverband in deiner Nähe finden. Viele Ortsverbände haben eigene Notfunk-Gruppen mit regelmäßigen Treffen und Übungen. Die DARC Notfunkkarte zeigt auf einer interaktiven Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Ausrüstung aktiv sind. Du brauchst eine Amateurfunklizenz, um aktiv mitzufunken.
Kann ich mit Meshtastic auch Sprachnachrichten senden?
Nein. Meshtastic überträgt ausschließlich Textnachrichten und GPS-Positionen. Die Datenrate von LoRa ist zu niedrig für Sprache oder Bilder. Für Sprachkommunikation brauchst du ein klassisches Funkgerät (Freenet, PMR446, CB-Funk oder Amateurfunk).
Was ist BOS-Digitalfunk und warum kann ich ihn nicht nutzen?
Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland, betrieben von der BDBOS. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen - Privatpersonen haben keinen Zugang und dürfen die Geräte weder besitzen noch betreiben. Die Basisstationen haben eine bessere Notstromversorgung als Mobilfunkmasten, stoßen bei tagelangem Stromausfall aber ebenfalls an ihre Grenzen.
Welche Frequenzen werden bei Notfunk verwendet?
Im Amateurfunk sind die wichtigsten Notfunkfrequenzen 3,643 kHz und 3,760 kHz (80m, Kurzwelle) sowie 145,500 MHz (2m, UKW-Anruffrequenz). Bei lizenzfreien Funkdiensten gilt als informeller Standard: Kanal 1 = Notruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit - das gilt für CB-Funk (27,065 MHz), Freenet (149,025 MHz) und PMR446 (446,00625 MHz) gleichermaßen.
Kann ich im Notfall ohne Lizenz auf Amateurfunkfrequenzen senden?
Im akuten Notfall (unmittelbare Gefahr für Leib und Leben) darf nach dem Telekommunikationsgesetz jeder auf jeder Frequenz um Hilfe rufen - das ist durch den rechtfertigenden Notstand gedeckt. Für vorbereitenden Notfunk (regelmäßige Übungen, organisierte Krisenkommunikation) brauchst du aber zwingend eine Amateurfunklizenz. Die Klasse N reicht bereits für UKW-Notfunk auf 2m und 70cm.
Quellen
- DARC: Referat Not- und Katastrophenfunk
- DARC: DARC Notfunkkarte
- Bundesnetzagentur: Amateurfunk
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Ratgeber für Notfallvorsorge
- Meshtastic: Introduction
- MeshCore: GitHub Repository
- Notfunk Deutschland e.V.: notfunk-deutschland.de
- Winlink: Global Radio Email
- Heise: Wetterdaten vom US-Militär - Funkamateure wollen weiteren Zugriff ermöglichen
- NotfunkWiki: Notfunk-Frequenzen und Informationen
- BDBOS: Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS
- Wikipedia: Notfunk
- Wikipedia: Freenet (Jedermannfunk)
