SSB (Single Sideband, deutsch: Einseitenbandmodulation) ist die wichtigste Modulationsart für Sprechfunk im Kurzwellenbereich. Im Gegensatz zur klassischen AM wird bei SSB der Träger und eines der beiden Seitenbänder unterdrückt - das spart Bandbreite und konzentriert die gesamte Sendeleistung ins Nutzsignal.
Wie funktioniert SSB?
Um SSB zu verstehen, hilft der direkte Vergleich mit der klassischen Amplitudenmodulation (AM):
Sendet:
- Träger (keine Info!)
- Oberes Seitenband (USB)
- Unteres Seitenband (LSB)
- Beide Seitenbänder = identisch
- Träger verbraucht ~66% Leistung
- Bandbreite: ~6 kHz
Sendet:
- Nur EIN Seitenband
- Träger unterdrückt
- Zweites Seitenband weg
- 100% Leistung im Nutzsignal
- Halbe Bandbreite: ~3 kHz
- Doppelte Reichweite möglich
AM, FM und SSB im Vergleich
Die drei wichtigsten analogen Modulationsarten unterscheiden sich deutlich im Spektrum:
Die Unterschiede auf einen Blick
- Bandbreite: ~6 kHz
- Effizienz: nur ~33%
- Träger frisst Leistung
- Einfacher Empfang
- Bandbreite: ~3 kHz
- Effizienz: ~100%
- Kein Träger, kein Ballast
- Kritische Abstimmung
- Bandbreite: ~12 kHz (NBFM)
- Effizienz: ~100%
- Beste Audioqualität, störungsarm
- Einfacher Empfang
Detailvergleich
| Eigenschaft | AM | SSB | FM |
|---|---|---|---|
| Bandbreite | ~6 kHz | ~3 kHz | ~12 kHz |
| Träger | Vorhanden | Unterdrückt | Vorhanden |
| Leistungseffizienz | ~33% | ~100% | ~100% |
| Störanfälligkeit | Hoch | Mittel | Gering |
| Empfänger-Abstimmung | Einfach | Kritisch | Einfach |
USB und LSB - welches Seitenband wann?
Bei SSB muss man sich für ein Seitenband entscheiden. Im Amateurfunk gilt eine internationale Konvention:
Frequenzen: unter 10 MHz
Bänder:
- 160 m (1,8 MHz)
- 80 m (3,5 MHz)
- 40 m (7 MHz)
Frequenzen: ab 10 MHz
Bänder:
- 30 m (10 MHz)
- 20 m (14 MHz)
- 15 m, 10 m, usw.
Die Grenze bei 10 MHz hat historische Gründe und ist willkürlich gewählt - technisch funktioniert beides. Aber wenn zwei Stationen unterschiedliche Seitenbänder verwenden, verstehen sie sich nicht!
Vorteile von SSB
- Doppelte Kanalkapazität: Bei 3 kHz statt 6 kHz passen doppelt so viele QSOs ins Band
- Bessere Reichweite: Alle Sendeleistung geht ins Signal, nicht in den Träger
- Weniger QRM: Schmalere Bandbreite = weniger Störungen von Nachbarkanälen
- Ideal für DX: Bei schwachen Signalen zählt jedes Milliwatt
Nachteile von SSB
- Kritische Abstimmung: Ohne Träger muss der Empfänger exakt eingestellt werden
- Donald-Duck-Effekt: Falsche Abstimmung führt zu verzerrter, quäkender Sprache
- Komplexere Technik: Sender und Empfänger sind aufwändiger als bei AM
- Keine einfachen Empfänger: Detektorempfänger funktionieren nicht
SSB-Empfang - der BFO
Da bei SSB der Träger fehlt, muss der Empfänger ihn selbst erzeugen. Das übernimmt der BFO (Beat Frequency Oscillator).
Der BFO mischt ein lokal erzeugtes Signal mit dem empfangenen Seitenband und stellt so die ursprüngliche Sprache wieder her. Die Frequenz des BFO bestimmt, ob USB oder LSB empfangen wird.
Geschichte der Einseitenbandmodulation
SSB ist keine neue Erfindung - die Technik ist fast 100 Jahre alt:
| Jahr | Meilenstein |
|---|---|
| 1915 | John Renshaw Carson (AT&T) beschreibt das Prinzip mathematisch |
| 1930er | E. S. Purington patentiert SSB in den USA |
| 1927 | Erste transatlantische SSB-Telefonverbindung (USA-UK) |
| 1950er | SSB wird im Amateurfunk populär (Collins-Geräte) |
| Heute | Standard für KW-Sprechfunk weltweit |
Die späte Verbreitung im Amateurfunk lag an der komplexen Technik: Erst mit stabilen Quarzfiltern und präzisen Oszillatoren wurde SSB für Amateure praktikabel.
SSB in der Amateurfunkprüfung
SSB ist ein wichtiges Thema in allen drei Prüfungsklassen. Du solltest wissen:
- Was die Abkürzung J3E bedeutet (SSB mit unterdrücktem Träger, Sprechfunk)
- Warum SSB effizienter als AM ist
- Wann USB und wann LSB verwendet wird
- Wie breit ein SSB-Signal ist (~3 kHz)
SSB in der Prüfung üben
Lerne die Prüfungsfragen zu Modulationsarten mit Erklärungen und Prüfungssimulation.
Kostenlos lernenHäufige Fragen zu SSB
Warum klingt SSB ohne richtige Abstimmung wie Donald Duck?
Bei SSB fehlt der Träger, der als Referenz für die Tonhöhe dient. Der Empfänger muss mit seinem BFO einen Ersatzträger erzeugen. Stimmt die Frequenz nicht exakt, werden alle Töne verschoben - die Stimme klingt dann zu hoch (quäkend) oder zu tief (brummend). Moderne Transceiver haben dafür einen Clarifier oder RIT-Regler.
Kann ich SSB auch auf UKW verwenden?
Technisch ja, und auf 2 m gibt es sogar einen SSB-Bereich (144,150-144,400 MHz). Praktisch wird SSB auf UKW aber selten genutzt - hier dominiert FM wegen der besseren Audioqualität und einfacheren Bedienung. SSB auf UKW ist vor allem für Meteorscatter, EME (Erde-Mond-Erde) und Tropo-DX interessant.
Was bedeutet J3E?
J3E ist die ITU-Bezeichnung für SSB-Sprechfunk: J = Einseitenband mit unterdrücktem Träger, 3 = ein Kanal mit analoger Information, E = Telefonie (Sprache). In der Prüfung solltest du diese Bezeichnung kennen.
Warum wird auf 40 m LSB verwendet, obwohl 7 MHz nah an 10 MHz liegt?
Die 10-MHz-Grenze ist eine Konvention, keine physikalische Notwendigkeit. Das 40-m-Band (7 MHz) liegt unter 10 MHz, also wird LSB verwendet. Das 30-m-Band (10,1 MHz) liegt knapp darüber, also USB. Die Grenze wurde historisch so festgelegt und wird weltweit eingehalten.
Ist SSB besser als FM?
Es kommt auf den Einsatzzweck an. SSB ist bandbreiteneffizienter und reicht weiter bei gleicher Leistung - ideal für DX auf Kurzwelle. FM bietet bessere Audioqualität und ist störunempfindlicher - ideal für lokale Kommunikation auf UKW. Auf Kurzwelle ist SSB Standard, auf UKW FM.