FT8 ist eine digitale Betriebsart im Amateurfunk, die auch bei extrem schwachen Signalen noch funktioniert. Der Name steht für die Entwickler Steve Franke (K9AN) und Joe Taylor (K1JT) sowie die verwendete 8-FSK-Modulation.

Kurzfassung: FT8 ermöglicht Funkverbindungen mit Signalen, die 20 dB unter dem Rauschen liegen. Ein komplettes QSO dauert etwa 90 Sekunden. Die Software WSJT-X übernimmt Kodierung und Dekodierung automatisch.

Geschichte und Entwicklung

FT8 wurde am 29. Juni 2017 veröffentlicht und ist Teil des WSJT-X-Softwarepakets. Innerhalb von nur zwei Jahren wurde FT8 zur meistgenutzten digitalen Betriebsart weltweit - gemessen an den automatischen Meldungen bei Netzwerken wie PSK Reporter.

Joe Taylor (K1JT), einer der Entwickler, erhielt 1993 den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung von Pulsaren - seine wissenschaftliche Expertise floss direkt in die Signalverarbeitung von FT8 ein.

Technische Daten

EigenschaftWert
Modulation8-GFSK (8-Ton Gaussian Frequency Shift Keying)
Symbolrate6,25 Baud
Bandbreite50 Hz
Sendedauer12,64 Sekunden
Zykluszeit15 Sekunden (inkl. 2,36 s Dekodierzeit)
Nachrichtenlänge77 Bit (max. 13 Zeichen)
Min. SNR-21 dB (in 2500 Hz Bandbreite)
Zeitgenauigkeitmax. ±1 Sekunde Abweichung

Warum ist FT8 so empfindlich?

FT8 nutzt mehrere Techniken, um schwache Signale zu dekodieren:

  • Schmale Bandbreite (50 Hz): Je schmaler das Signal, desto weniger Rauschen wird empfangen
  • Vorwärtsfehlerkorrektur (FEC): 83 Paritätsbits korrigieren Übertragungsfehler
  • Festes Timing: Die Software weiß genau, wann ein Signal kommt
  • Bekannte Nachrichtenstruktur: Rufzeichen und Locator haben ein festes Format
SSB (Sprache)

Min. SNR: +10 dB
Bandbreite: 2400 Hz

Signal muss deutlich über dem Rauschen liegen
CW (Morsen)

Min. SNR: -15 dB
Bandbreite: 50-200 Hz

Geübte OPs hören auch schwache Signale
FT8 (Digital)

Min. SNR: -21 dB
Bandbreite: 50 Hz

Software dekodiert unhörbare Signale

FT8-Frequenzen

Funkamateure haben sich weltweit auf feste Dial-Frequenzen für FT8 geeinigt:

Kurzwelle (HF)

BandFrequenzKlasse
160 m1,840 MHzA
80 m3,573 MHzA, E
60 m5,357 MHzA
40 m7,074 MHzA
30 m10,136 MHzA
20 m14,074 MHzA
17 m18,100 MHzA
15 m21,074 MHzA, E
12 m24,915 MHzA
10 m28,074 MHzA, E, N

VHF/UHF

BandFrequenzKlasse
6 m50,313 MHzA
2 m144,174 MHzA, E, N
70 cm432,174 MHzA, E, N
23 cm1296,174 MHzA
Wichtig - USB-Betrieb: FT8 wird immer in USB (Upper Sideband) betrieben. Die Dial-Frequenz ist die unterdrückte Trägerfrequenz - das eigentliche Signal liegt je nach Audio-Frequenz 300-3000 Hz höher.

Benötigte Ausrüstung

Für FT8 benötigst du:

  • Transceiver mit SSB-Modus (USB)
  • Computer mit Soundkarte
  • Audio-Verbindung zwischen Transceiver und PC
  • CAT-Steuerung zur Frequenzsteuerung (optional, aber empfohlen)
  • Software: WSJT-X (kostenlos, Open Source)

Moderne Transceiver wie Icom IC-7300, Yaesu FT-710 oder Icom IC-705 haben eine eingebaute USB-Soundkarte - ein einziges USB-Kabel reicht für Audio und CAT-Steuerung.

Ablauf eines FT8-QSOs

Ein Standard-QSO läuft in 6 Durchgängen ab (ca. 90 Sekunden):

Nr.SendetNachrichtBedeutung
1Station ACQ DL1XYZ JO31Allgemeiner Anruf mit Locator
2Station BDL1XYZ DK2ABC JN49Antwort mit eigenem Locator
3Station ADK2ABC DL1XYZ -12Signalrapport (-12 dB)
4Station BDL1XYZ DK2ABC R-08Bestätigung + eigener Rapport
5Station ADK2ABC DL1XYZ RR73Alles empfangen, 73!
6Station BDL1XYZ DK2ABC 73Ebenfalls 73, QSO beendet
Signalrapport: Der Rapport in FT8 ist der SNR in dB. Ein Wert von -12 bedeutet: Das Signal liegt 12 dB unter dem Rauschpegel - für das menschliche Ohr unhörbar, aber für FT8 problemlos dekodierbar.

Zeitsynchronisation

FT8 erfordert eine genaue Uhrzeit - die Abweichung darf maximal ±1 Sekunde betragen. Ohne korrekte Zeit werden Signale nicht dekodiert.

Möglichkeiten zur Synchronisation:

  • NTP (Network Time Protocol): Automatische Synchronisation über Internet
  • GPS: Sekundengenaue Zeit über GPS-Empfänger
  • DCF77: Zeitzeichensender aus Mainflingen (für Offline-Betrieb)
Windows-Tipp: Unter Windows die Internetzeit aktivieren (Einstellungen → Zeit → "Uhrzeit automatisch festlegen") reicht meist aus. Für höhere Genauigkeit: Programme wie Meinberg NTP oder Dimension 4.

Sendeleistung

FT8 funktioniert auch mit sehr geringer Leistung. Typische Empfehlungen:

  • 10-25 Watt sind für die meisten Verbindungen ausreichend
  • Nie mehr als 20% der PEP-Leistung der Ausrüstung verwenden
  • ALC sollte gerade nicht oder nur minimal regeln
Zu viel Leistung schadet: Übersteuerung erzeugt Splatter (Störungen auf Nachbarfrequenzen). Die FT8-Community achtet auf saubere Signale - übermäßige Leistung wird kritisch gesehen.

Vor- und Nachteile

Vorteile
  • Funktioniert bei schlechten Bedingungen
  • Geringe Leistung ausreichend (QRP)
  • Einfache Antennen möglich
  • Automatische Protokollierung
  • Ideal für Einsteiger
Nachteile
  • Kein Ragchew (nur Minimalinfo)
  • Computer erforderlich
  • Genaue Uhrzeit nötig
  • "Kein echter Funkbetrieb"?
  • Hohe Aktivität = volle Bänder

FT8 vs. FT4

FT4 ist eine schnellere Variante für Conteste:

EigenschaftFT8FT4
Zykluszeit15 Sekunden7,5 Sekunden
QSO-Dauer~90 Sekunden~45 Sekunden
Empfindlichkeit-21 dB-17,5 dB
EinsatzDX, täglicher BetriebConteste, Sprints

Software

Die wichtigste Software für FT8:

  • WSJT-X: Das Original von K1JT - kostenlos und Open Source
  • JTDX: Fork mit zusätzlichen Funktionen
  • MSHV: Multi-Slot-Decoder für gleichzeitige QSOs

Download: wsjt.sourceforge.io

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Quellen

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