Notfunk - Kommunikation bei Stromausfall und Krise

Notfunk ist Kommunikation per Funk, wenn reguläre Netze wie Mobilfunk, Festnetz und Internet ausfallen - etwa bei Stromausfall, Naturkatastrophen oder Krisen. Wer vorsorgen will, hat drei Optionen: ein batteriebetriebenes Radio zum Empfang von Behörden-Durchsagen, lizenzfreie Funkgeräte (Freenet, PMR446, CB-Funk) für aktive Kommunikation im Nahbereich, oder eine Amateurfunklizenz für weltweiten Sprechfunk und die Einbindung in organisierte Notfunkstrukturen des DARC.

3. Januar 2026, Berlin-Lichterfelde. Ein Brandanschlag auf eine Stromleitung legt Teile der Hauptstadt lahm. Über 45.000 Haushalte sind tagelang ohne Strom - der längste Stromausfall in Berlin seit 1945. S-Bahnen stehen still, Mobilfunk fällt stellenweise aus. Die Bundeswehr liefert Treibstoff per Tankwagen.

Wenige Jahre zuvor, im Ahrtal 2021: Die Flutkatastrophe zerstört die komplette Kommunikationsinfrastruktur. Über 100 Mobilfunkmasten fallen aus. BOS-Digitalfunk, Mobilfunk, Festnetz - alles weg. Manche Gemeinden sind nur noch physisch erreichbar.

Zwei Ereignisse, eine Erkenntnis: Unsere gesamte Kommunikation hängt am Stromnetz. Dieser Artikel zeigt dir alle Optionen für Krisenkommunikation per Funk - von lizenzfreien Lösungen wie Freenet und Meshtastic bis zum Amateurfunk mit Notfunk-Koffer. Ehrlich, faktenbasiert, ohne Panikmache.

⚠️ Wichtig vorweg: Für die meisten Menschen ist Amateurfunk nicht die richtige Lösung für Krisenvorsorge. Er ist die mächtigste Option - aber auch die mit dem höchsten Einstiegsaufwand. Dieser Artikel zeigt dir ehrlich, was für wen das Richtige ist.

Was passiert bei Stromausfall mit der Kommunikation?

Die meisten Menschen unterschätzen, wie abhängig unsere gesamte Kommunikation vom Stromnetz ist. Was bei einem großflächigen Blackout passiert, folgt einem vorhersehbaren Muster.

Mobilfunk: 30 Minuten bis wenige Stunden

Mobilfunkmasten haben USV-Batterien, die typischerweise 30 Minuten bis maximal 2-4 Stunden überbrücken. Eine gesetzliche Pflicht zur 8-stündigen Notstromversorgung wurde in Deutschland abgeschafft. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) geht davon aus, dass die meisten Basisstationen nach wenigen Stunden ausfallen.

Gleichzeitig steigt die Netzlast enorm: Alle versuchen gleichzeitig zu telefonieren. Das Netz ist überlastet, bevor es ganz ausfällt.

Berliner Blackout 2026

Der Berliner Stromausfall vom Januar 2026 zeigte das Muster eindrücklich: Zu Beginn war der Mobilfunk in den betroffenen Gebieten stark beeinträchtigt. Bewohner konnten weder telefonieren noch Nachrichten verschicken. Die S-Bahn und Regionalbahnen fielen aus. Erst die Bundeswehr konnte mit Treibstoff-Lieferungen die Notstromversorgung wieder stabilisieren - nach Tagen, nicht Stunden.

Ahrtal 2021: Kommunikation komplett zerstört

In der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 fiel im Ahrtal die gesamte Kommunikationsinfrastruktur aus. Über 100 Mobilfunkmasten wurden zerstört oder fielen wegen Stromausfall aus. Selbst der BOS-Digitalfunk versagte teilweise. Die Folgen:

🚨 Die Folgen: Betroffene konnten keinen Notruf absetzen. Einsatzkräfte konnten sich untereinander nicht koordinieren. Warnungen per Cell Broadcast oder Warn-Apps erreichten niemanden mehr. Manche Ortschaften waren tagelang nur physisch erreichbar. Erst Funkamateure des DARC halfen mit improvisiertem Notfunk.

BOS-Digitalfunk: Warum Privatpersonen ihn nicht nutzen können

Oft kommt die Frage: "Können wir nicht einfach den Behördenfunk nutzen?" Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen - Privatpersonen haben keinen Zugang.

Im Vergleich zu Mobilfunk hat der BOS-Digitalfunk eine bessere Notstromversorgung: Die Basisstationen sind laut Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) für mindestens 2 Stunden Akkubetrieb ausgelegt, viele Standorte verfügen über Notstromaggregate. Bei einem großflächigen, tagelangen Stromausfall stoßen aber auch diese Systeme an ihre Grenzen - wie das Ahrtal 2021 gezeigt hat.

Was fällt wann aus?

SystemOhne Strom funktionsfähigBemerkung
Internet (DSL/Kabel)Sofort wegRouter braucht Strom
Festnetz (IP-basiert)Sofort wegAlte analoge Leitungen gibt es kaum noch
WLANSofort wegRouter braucht Strom
Mobilfunk30 Min. - 4 Std.USV-Batterien, keine Pflicht zur Notstromversorgung
Sirenen (elektronisch)Begrenzte USVHängt vom Standort ab
Digitalfunk BOS (TETRA)Ca. 2-8 Std.Bessere Notstromversorgung als Mobilfunk
UKW-Radio (ÖR-Sender)Tage bis WochenGroße Sender haben eigene Notstromaggregate
Freenet / PMR446Solange Akku hältDirekt, keine Infrastruktur nötig
AmateurfunkAutark mit Akku/SolarKeine Infrastruktur nötig, weltweite Reichweite
💡 Empfehlung des BBK: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt jedem Haushalt ein batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+, idealerweise mit Kurbel oder Solar). Damit kannst du Behörden-Durchsagen empfangen, auch wenn alles andere ausfällt. Das ist die absolute Basis-Vorsorge.

Notfunk im Amateurfunk - Mehr als ein Hobby

Notfunk im Amateurfunk bedeutet: Lizenzierte Funkamateure stellen bei Krisen und Katastrophen Kommunikationsverbindungen her - völlig unabhängig von jeder Infrastruktur. Kein Strom aus der Steckdose nötig, kein Internet, keine Sendemasten. Ein Funkgerät, ein Akku, eine Drahtantenne - das reicht.

Rechtliche Grundlage

Das Amateurfunkgesetz (AFuG) und die internationale Vollzugsordnung für den Funkdienst (VO Funk) regeln den Notfunk. Artikel 25 der VO Funk ist dabei besonders wichtig:

💡 VO Funk, Artikel 25: Amateurfunkstellen dürfen bei Not- und Katastrophenfällen Nachrichten für Dritte übermitteln. Das ist eine der wenigen Ausnahmen, bei denen Funkamateure nicht nur untereinander, sondern auch für andere kommunizieren dürfen.

Im Normalfall dürfen Funkamateure nur untereinander funken (§ 2 AFuG). Im Notfall hebt sich diese Beschränkung auf - dann zählt die Hilfeleistung. Wichtig dabei: Notfunk ist eine Ergänzung zu den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), kein Ersatz. Funkamateure arbeiten im Katastrophenfall mit Feuerwehr, THW und Rettungsdiensten zusammen, nicht an ihnen vorbei.

Was Funkamateure im Notfunk konkret leisten

Die Möglichkeiten gehen weit über einfaches Sprechen ins Mikrofon hinaus:

📡 Sprechfunk: Auf UKW (2m/70cm) regionale Kommunikation über 20-100 km, mit Relaisstationen noch deutlich weiter. Auf Kurzwelle deutschland- und europaweite Verbindungen, bei guten Bedingungen weltweit.
💡 Digitale Betriebsarten:
  • Winlink - E-Mail über Funk senden und empfangen, ganz ohne Internet
  • APRS - automatische Positionsmeldungen und Kurznachrichten, auch als digitales Lagebild nutzbar
  • JS8Call - Tastatur-zu-Tastatur-Kommunikation, funktioniert selbst bei extrem schwachen Signalen
  • Temporäre Netze - Relaisstationen, Digipeater und Crossband-Repeater aufbauen

Notfunk-Frequenzen in Deutschland

Die folgenden Frequenzen sind im deutschsprachigen Raum für Notfunk etabliert. Die Daten stammen vom NotfunkWiki und dem DARC-Notfunkreferat.

Amateurfunk - Kurzwelle (HF)

FrequenzBandBetriebsartRegionNutzung
1,873 MHz160mLSBD-A-CHNacht-Nahbereich (NVIS)
3,643 MHz80mLSBD-A-CHPrimäre Notfunkfrequenz D-A-CH
3,760 MHz80mLSBEuropaIARU Region 1 Notfunkfrequenz
7,085 MHz40mLSBD-A-CHÜberregionale Koordination
7,110 MHz40mLSBEuropaIARU Region 1 Notfunkfrequenz
10,138 MHz30mCWD-A-CHCW-Notfunkfrequenz
14,300 MHz20mUSBEuropaWeitverkehr tagsüber
18,160 MHz17mUSBEuropaWeitverkehr tagsüber
21,360 MHz15mUSBEuropaWeitverkehr bei hoher Sonnenaktivität
28,238 MHz10mUSBDeutschlandWeitverkehr bei Sporadic-E

Amateurfunk - UKW (VHF/UHF)

FrequenzBandBetriebsartRegionNutzung
144,260 MHz2mUSBD-A-CHSSB-Notfunkfrequenz
145,500 MHz2mFMD-A-CHFM-Anruffrequenz, erster Anlaufpunkt
145,575 MHz2mFMD-A-CHCrossband-Repeater-Eingang
433,000 MHz70cmFMDeutschlandNotfunk-Simplex
433,500 MHz70cmFMEuropaFM-Anruffrequenz
434,000 MHz70cmFMD-A-CHNotfunk-Simplex
DMR: Talkgroup 9112 (Emcomm SOS) - internationale Notfunk-Talkgroup
Relaisstationen: Diverse 2m/70cm-Relais mit eigener Notstromversorgung

Lizenzfreie Funkdienste - Notfunkfrequenzen

DienstKanalFrequenzNutzung
CB-FunkKanal 927,065 MHz (FM)Internationaler Notrufkanal
CB-FunkKanal 326,985 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
FreenetKanal 1149,025 MHz (FM)Notrufkanal
FreenetKanal 3149,050 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
PMR446Kanal 1446,00625 MHz (FM)Notrufkanal
PMR446Kanal 3446,03125 MHz (FM)Notfunk-Arbeitskanal
💡 Merkhilfe: Bei Freenet und PMR446 gilt: Kanal 1 = Notruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit. Beim CB-Funk ist es anders: Kanal 9 = internationaler Notruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit.

NVIS - Die Geheimwaffe für den Nahbereich auf Kurzwelle

Eine besonders wertvolle Technik für Notfunk ist NVIS (Near Vertical Incidence Skywave). Dabei wird die Kurzwelle fast senkrecht nach oben abgestrahlt und von der Ionosphäre zurück reflektiert. Das Ergebnis: flächendeckende Abdeckung im Umkreis von 50-500 km - ohne toten Winkel und ohne Relaisstationen. Auf dem 80m-Band (3,5 MHz) funktioniert das besonders gut.

Für NVIS braucht man keine aufwendige Antenne: Ein Drahtdipol in nur 2-5 Metern Höhe über dem Boden reicht aus. Das macht NVIS ideal für Notfunk-Koffer.

Relaisstationen - Reichweitenverlängerung auf UKW

Über Relaisstationen (Repeater) lässt sich die Reichweite auf UKW erheblich vergrößern. Viele Relais stehen auf Bergkuppen oder Türmen und haben eigene Notstromversorgung. In Deutschland gibt es hunderte Relaisstationen - ein dichtes Netz, das auch bei Stromausfall teilweise weiterfunktioniert.

Ein einfaches Handfunkgerät mit 5 Watt kann über ein Relais auf einer Bergkuppe Reichweiten von 100 km und mehr erzielen. Das ist ein enormer Vorteil gegenüber allen lizenzfreien Funkdiensten.

Reale Einsatzbeispiele

Ahrtal 2021: DARC-Ortsverbände aus der Region stellten Funkverbindungen her, als alle anderen Kommunikationswege ausgefallen waren. Funkamateure halfen bei der Koordination von Hilfslieferungen und bei der Kommunikation mit isolierten Gemeinden.

International: Bei Erdbeben, Hurrikans und Tsunamis weltweit sind Funkamateure oft die ersten, die Kommunikation wiederherstellen. Die IARU (International Amateur Radio Union) koordiniert den internationalen Notfunk. In den USA ist das ARES (Amateur Radio Emergency Service) mit tausenden freiwilligen Funkamateuren fester Bestandteil des Katastrophenschutzes.

Politische Krisen: Funkamateure sichern auch Zugang zu kritischen Daten, wenn Regierungen ihn einschränken. Anfang 2025 stellte die US-Regierung die zivile Weitergabe von Wetterdaten der DMSP-Militärsatelliten ein - Daten, die seit über 60 Jahren für Hurrikan-Warnung und Klimaforschung genutzt wurden. Die Amateurfunk-Community reagierte: Mit selbst entwickelten Decodern und der Open-Source-Software SatDump empfangen sie die Satellitensignale direkt und stellen die Daten weiter frei zur Verfügung. Ein Beispiel dafür, dass Funkamateure unabhängig von politischen Entscheidungen agieren können.

⚠️ Ehrliche Einordnung: Notfunk im Amateurfunk ist eine Ergänzung, kein Ersatz für professionelle Rettungskommunikation. Er springt ein, wenn die regulären Systeme versagen - und das ist häufiger, als die meisten denken. Aber er ersetzt weder den Notruf 112 noch den BOS-Digitalfunk.

DARC Notfunk-Referat und die Notfunkkarte

Der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) betreibt ein eigenes Referat Not- und Katastrophenfunk, das die Notfunk-Aktivitäten auf drei Ebenen koordiniert:

Die drei Ebenen des DARC-Notfunks

📡 Lokal (Ortsverband): Notfunk-Gruppen vor Ort, regelmäßige Übungen, direkte Zusammenarbeit mit lokalen Bedarfsträgern (THW, Feuerwehr, Katastrophenschutz)
🌍 National: Überregionale Koordination, Technik-Standards, zentrale Ausbildung, Zusammenarbeit mit Bundesbehörden
🌍 International: Einbindung in die IARU-Notfunkstrukturen, grenzüberschreitende Übungen und Kooperationen

Die DARC Notfunkkarte

Eines der praktischsten Werkzeuge des DARC ist die interaktive Notfunkkarte. Sie zeigt auf einer Deutschland-Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Fähigkeiten erreichbar sind. Die Marker haben eine klare Farbcodierung:

MarkerBedeutung
GrünNotfunk-Gruppe (organisierte Gruppe im Ortsverband)
BlauEinzelner Funkamateur mit Notfunk-Ausrüstung
RotFunkamateur, der Anschluss an eine Notfunk-Gruppe sucht

So können Behörden und Hilfsorganisationen - die sogenannten Bedarfsträger - im Ernstfall schnell lokale Funkamateure mit der passenden Ausrüstung finden. Der DARC bietet zusätzlich einen Helfer-Kalkulator zur Personalbedarfsermittlung bei größeren Einsätzen.

MoWaS-Zugang und Bedarfsträger-Kooperation

Der DARC hat durch einen Vertrag mit dem BBK Zugang zum Modularen Warnsystem (MoWaS) - dem zentralen Warnsystem des Bundes. Damit kann der DARC offizielle Warnmeldungen empfangen und über Amateurfunk bundesweit weiterverbreiten. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal: Kein anderer Funkdienst außerhalb der BOS hat diesen direkten Zugang zum staatlichen Warnsystem.

Darüber hinaus arbeitet der DARC aktiv mit Organisationen wie THW, Feuerwehren und dem Katastrophenschutz zusammen. Ziel ist es, dass Funkamateure im Ernstfall nicht improvisieren müssen, sondern bereits in die bestehenden Strukturen integriert sind. In vielen Regionen gibt es Kooperationsvereinbarungen zwischen DARC-Ortsverbänden und den lokalen Katastrophenschutz-Behörden.

Kooperation DARC und Notfunk Deutschland e.V.

Seit 2024/2025 kooperieren der DARC und der Verein Notfunk Deutschland e.V. offiziell. Die Zusammenarbeit wurde auf der HAM RADIO in Friedrichshafen besiegelt und bündelt die Expertise beider Organisationen - insbesondere bei Ausbildung und Seminarprogrammen.

Ausbildung und Mitmachen

Der DARC bietet verschiedene Wege, sich im Notfunk zu engagieren:

  • Notfunk-Seminare: Mehrtägige Ausbildungswochenenden (z.B. in Immenreuth, Oberpfalz), auch über die Ausbildungsplattform 50ohm.de
  • Akku-Freitag: Initiative, bei der Funkamateure regelmäßig den Akkubetrieb ihrer Notfunk-Ausrüstung testen - denn ein Notfunk-Koffer nützt nichts, wenn die Akkus leer sind
  • Ortsverband finden: Über darc.de den nächsten Ortsverband suchen und bei der Notfunk-Gruppe vorbeischauen. Viele Ortsverbände freuen sich über Verstärkung
  • Notfunkkarte eintragen: Eigene Notfunk-Fähigkeiten auf der Karte registrieren
✅ So kannst du mitmachen: Du brauchst eine Amateurfunklizenz (mindestens Klasse N), ein Funkgerät und den Willen, dich vorzubereiten. Such dir über darc.de einen Ortsverband in deiner Nähe und frag nach der Notfunk-Gruppe. Viele Ortsverbände haben monatliche Treffen und regelmäßige Übungen.

In 4 Wochen auf den Bändern funken

Die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie: 195 Technikfragen lernen, Prüfung ablegen, eigenes Rufzeichen erhalten. Bereite dich mit dem offiziellen BNetzA-Fragenkatalog vor - verständlich erklärt und mit Wissenskontrolle.

Jetzt kostenlos lernen

Der Notfunk-Koffer - Sofort einsatzbereit

Ein Notfunk-Koffer (auch Go-Kit oder Funkkoffer genannt) ist eine komplett vorbereitete, portable Funkstation in einem robusten Koffer. Das Konzept: Im Ernstfall Koffer greifen, Antenne aufbauen, funken - ohne erst die Heimstation abbauen zu müssen.

Drei Levels: Vom Rucksack bis zur Kofferleitstelle

📦 Level 1 - Minimal-Kit (unter 200 Euro)
Handfunkgerät (z.B. Baofeng UV-5R oder Yaesu FT-65), Ersatzakku und AA-Batteriefach, Rollantenndraht oder J-Pole-Antenne, Notizblock mit lokaler Relaisliste. Passt in einen Rucksack und reicht für lokale UKW-Kommunikation.
📡 Level 2 - Standard-Koffer (500-1.500 Euro)
Mobiler KW/UKW-Transceiver (z.B. ICOM IC-705, Yaesu FT-891, Xiegu G90), LiFePO4-Akku 12V/20-50 Ah, NVIS-Drahtantenne mit GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m), UKW-Antenne (J-Pole oder Roll-up Yagi). Ermöglicht deutschland- und europaweite Verbindungen auf Kurzwelle.
🔧 Level 3 - Kofferleitstelle (2.000+ Euro)
Vollständige KW/UKW-Station mit digitalem Interface, Laptop mit Winlink/APRS/Logbuch-Software, faltbares Solarpanel (50-100 W), mehrere Antennen für verschiedene Bänder. Kann über Tage völlig autark betrieben werden - die mobile Leitstelle für den Ernstfall.

Stromversorgung: LiFePO4 und Solar

LiFePO4-Akkus sind der Standard für Notfunk-Koffer. Sie sind sicher (kein Brandrisiko), langlebig (2.000-5.000 Ladezyklen) und haben ein stabiles Entladeverhalten. Ein 20-Ah-Akku versorgt einen 10-Watt-Transceiver im SSB-Betrieb für 12-20 Stunden.

In Kombination mit einem faltbaren Solarpanel (50-100 W) ist Dauerbetrieb über Tage und Wochen möglich - völlig autark, ohne externe Stromquelle.

Die NVIS-Antenne für den Notfunk-Koffer

Die ideale Antenne für einen Notfunk-Koffer auf Kurzwelle ist eine NVIS-Antenne: ein einfacher Drahtdipol, der in nur 2-5 Metern Höhe über dem Boden aufgehängt wird. Mit einem zerlegbaren GFK-Mast (4-5 Segmente je 1,20 m) passt die gesamte Antenne in den Koffer. Aufbauzeit: etwa 10-15 Minuten.

✅ Praxistipp: Starte klein! Ein Handfunkgerät mit geladenen Akkus ist besser als ein perfekt geplanter Koffer, den du nie zusammenbaust. Viele Notfunk-Gruppen bauen ihre Koffer gemeinsam auf - ein guter Einstieg für Neulinge. Notfunk Deutschland e.V. und das NotfunkWiki haben detaillierte Bauanleitungen.

Freenet - Lizenzfreier Funk auf 149 MHz

Was ist, wenn du keine Amateurfunklizenz hast? Hier kommen lizenzfreie Funkdienste ins Spiel. Freenet ist ein rein deutscher lizenzfreier Funkdienst auf 149 MHz. Keine Prüfung, keine Gebühr, keine Anmeldung - Gerät kaufen und loslegen.

Technische Daten

EigenschaftFreenet
Frequenzbereich149,0250 - 149,1125 MHz
Kanäle (analog)6 (FM)
Kanäle (digital)12 Sprachkanäle (dPMR)
SendeleistungMax. 1 Watt ERP
AntenneNur Festantenne (nicht wechselbar!)
Reichweite500 m - 5 km (Stadt/Gelände), bis 10 km (freie Sicht)
ZulassungNur Deutschland
Kosten GerätAb ca. 50 Euro (Paar)

Stärken und Grenzen für die Krise

Stärken

  • Sofort einsatzbereit, keine Lizenz, keine Anmeldung
  • 149 MHz: bessere Gebäudedurchdringung als PMR (446 MHz) oder LoRa (868 MHz)
  • Geräte sind robust, einfach und intuitiv
  • Günstig und jahrelang haltbar

Grenzen

  • Nur 6 analoge Kanäle - schnell überlastet
  • Keine Repeater erlaubt - nur Simplex
  • Festantenne nicht wechselbar
  • Nur 1 Watt - realistisch 500 m bis 5 km
  • Nur in Deutschland zugelassen
💡 Ehrliche Einschätzung: Freenet ist eine solide Nachbarschafts-Lösung. Absprachen mit der Familie im selben Stadtteil? Ja. Kommunikation mit dem anderen Ende der Stadt? Schwierig. Über 10 km hinaus? Vergiss es. Für echte Krisenkommunikation über größere Entfernungen braucht es mehr - aber als Baustein im Gesamtkonzept ist Freenet durchaus sinnvoll.

Weitere lizenzfreie Alternativen: PMR446 und CB-Funk

PMR446

  • PMR446 - der Klassiker unter den "Walkie-Talkies"
  • 0,5 Watt, 16 Kanäle, 446 MHz
  • EU-weit zugelassen
  • Extrem günstig (ab 20 Euro pro Paar)
  • Reichweite geringer als Freenet

CB-Funk

  • Citizens Band - 27 MHz, international etabliert
  • 4 Watt auf 80 Kanälen
  • Externe Antennen erlaubt
  • Deutlich mehr Reichweite (5-30 km)
  • Internationaler Notfunk-Kanal 9
  • Nachteil: größere Geräte, störanfällig

Vergleichstabelle: Alle lizenzfreien Funkdienste

FunkdienstFrequenzLeistungKanäleReichweiteExterne AntenneZulassung
PMR446446 MHz0,5 W160,5-3 kmNeinEU-weit
Freenet149 MHz1 W60,5-5 kmNeinNur DE
CB-Funk27 MHz4 W (FM)805-30 kmJaInternational
💡 Tipp: Falls du nur ein einziges lizenzfreies Gerät kaufen willst: Freenet bietet das beste Verhältnis aus Reichweite, Gebäudedurchdringung und Einfachheit. Falls du EU-weit unterwegs bist: PMR446. Falls du maximale lizenzfreie Reichweite willst und Platz für eine Antenne hast: CB-Funk.

Meshtastic - Das LoRa Mesh-Netzwerk

Meshtastic ist eine Open-Source-Firmware für günstige LoRa-Funkmodule. Die Geräte bilden automatisch ein Mesh-Netzwerk: Jeder Knoten empfängt Nachrichten und leitet sie weiter. So wächst die Reichweite mit jedem Gerät im Netz. In der Prepper- und Maker-Szene ist Meshtastic in den letzten Jahren regelrecht explodiert.

So funktioniert es

Du kaufst ein LoRa-Gerät (ab ca. 20 Euro), flashst die Meshtastic-Firmware, verbindest dein Smartphone per Bluetooth - fertig. Nachrichten, die du in der App tippst, werden als Datenpakete per LoRa-Funk verschickt. Jedes andere Meshtastic-Gerät in Reichweite empfängt die Nachricht und leitet sie weiter, bis sie den Empfänger erreicht.

Seit Version 2.6 verwendet Meshtastic ein verbessertes Routing-Verfahren: Managed Flooding mit Next-Hop. Das bedeutet, dass Nachrichten nicht mehr blind von jedem Knoten weitergeleitet werden, sondern gezielter über bekannte Routen laufen.

Technische Daten (Europa - EU_868)

EigenschaftMeshtastic (EU_868)
Frequenz869,400 - 869,650 MHz (SRD-Band)
SendeleistungMax. +14 dBm ERP (25 mW)
Duty CycleMax. 10% (EU-Regulierung)
Reichweite (Knoten zu Knoten)1-5 km (Stadt), 5-20 km (freie Sicht)
Reichweite (Mesh, mehrere Hops)Theoretisch unbegrenzt, praktisch abhängig von Knotendichte
Max. Hops3 (Standard), bis 7 konfigurierbar
NachrichtentypText, GPS-Position, Telemetrie
VerschlüsselungAES-256
Lizenz nötig?Nein (SRD-Band, EU Radio Equipment Directive 2014/53/EU)

Beliebte Hardware

GerätPreis (ca.)Besonderheit
Heltec LoRa32 V315-20 EuroGünstigster Einstieg, OLED-Display
LILYGO T-Beam25-35 EuroEingebautes GPS, guter Allrounder
LILYGO T-Deck40-55 EuroEigene Tastatur, ohne Smartphone nutzbar
RAK WisBlock30-50 EuroModulares System, sehr stromsparend
Seeed T1000-E25-35 EuroWinziger Tracker mit GPS

Duty Cycle - Das EU-Limit verstehen

In der EU gilt für das genutzte SRD-Band ein Duty Cycle von maximal 10%. Das bedeutet: Ein Gerät darf pro Stunde maximal 6 Minuten senden. Klingt viel, aber in einem Mesh-Netzwerk leitet jeder Knoten auch die Nachrichten anderer weiter. Bei vielen aktiven Nutzern kann das Limit schnell erreicht werden.

Bei Überschreitung pausiert die Firmware automatisch - Nachrichten werden verzögert oder gehen verloren. Das ist kein Bug, sondern eine gesetzliche Anforderung.

Pro und Contra für Notfunk

Pro

  • Keine Lizenz nötig - sofort loslegen
  • Extrem günstig - ab 15 Euro pro Knoten
  • Mesh-Netzwerk - mehr Knoten = mehr Abdeckung
  • AES-256 verschlüsselt - Nachrichten sind privat
  • Sehr stromsparend - Tage bis Wochen Laufzeit
  • Open Source - Community mit 40.000+ Mitgliedern
  • GPS-Tracking - Positionen teilen ohne Internet
  • Aktive Netze in vielen deutschen Städten

Contra

  • Nur Text - keine Sprache, keine Bilder
  • 10% Duty Cycle - begrenzt Sendezeit massiv
  • Nur 25 mW in Europa - 40x weniger als USA (1 W)
  • Netz muss vorher existieren - ohne Knoten kein Mesh
  • Latenz - Sekunden bis Minuten pro Nachricht
  • Smartphone nötig bei den meisten Geräten
⚠️ Wichtig für Europa: In den USA darf Meshtastic mit bis zu 1 Watt (1.000 mW) senden. In Europa sind es nur 25 mW - das ist 40x weniger. Die beeindruckenden Reichweiten-Berichte aus den USA lassen sich daher nicht 1:1 auf Deutschland übertragen. In der Stadt sind 1-3 km realistisch, auf dem Land mit Sichtverbindung 5-10 km.

MeshCore - Die leichtgewichtige Alternative

Anfang 2025 erschien MeshCore als Alternative zu Meshtastic. Das Projekt von Scott Powell aus Australien verfolgt einen fundamental anderen Architektur-Ansatz - und wird in der Community heiß diskutiert.

Der fundamentale Unterschied: Wer routet?

Hier liegt der entscheidende Architektur-Unterschied zwischen Meshtastic und MeshCore:

  • Meshtastic: Jedes Gerät ist gleichzeitig Endgerät und Weiterleiter. Wenn dein Nachbar eine Nachricht schickt, leitet auch dein Gerät sie weiter - ob du willst oder nicht.
  • MeshCore: Es gibt eine klare Trennung: Endgeräte (Companions) senden und empfangen nur. Repeater übernehmen die Weiterleitung. Clients routen nicht.

Das hat eine wichtige Konsequenz: MeshCore verbraucht deutlich weniger Airtime, weil nicht jedes Gerät im Netz jede Nachricht weiterleitet. In Europa mit dem 10% Duty-Cycle-Limit ist das ein echter Vorteil.

Meshtastic

  • Jeder Client leitet Pakete weiter
  • Managed Flooding + Next-Hop (ab v2.6)
  • Kein fester Infrastruktur-Aufbau nötig
  • Riesige Community (40.000+ Discord)
  • Mehr Geräte, mehr Dokumentation
  • Komplett kostenlos (Open Source)

MeshCore

  • Nur dedizierte Repeater leiten weiter
  • Flood-then-Direct Routing
  • Braucht feste Repeater-Infrastruktur
  • Kleinere Community (ca. 3.500 Discord)
  • Geringerer Airtime-Verbrauch
  • Firmware frei (MIT), App-Features kostenpflichtig (ca. 8 GBP)

Performance und Lizenzmodell

Feldtests zeigen, dass MeshCore bei Multi-Hop-Nachrichten schneller sein kann: typisch unter 2 Sekunden Latenz für 9-Hop-Routen. Bei Meshtastic steigt die Latenz mit zunehmender Netzgröße stärker an, weil mehr Geräte am Routing beteiligt sind.

Beim Lizenzmodell gibt es einen wichtigen Unterschied: Die MeshCore-Firmware ist Open Source (MIT-Lizenz). Die vollen App-Funktionen (Karten-Zoom, Telemetrie, GPS-Broadcast, Store-and-Forward) sind jedoch kostenpflichtig - etwa 8 GBP / 11 USD. Basis-Funktionen (Nachrichten senden/empfangen) bleiben kostenlos.

Wer sollte was wählen?

Meshtastic ist die bessere Wahl für die meisten Einsteiger: Gerät einschalten, App verbinden, fertig. Größere Community, mehr Dokumentation, mehr Geräte im Feld. Kein Infrastruktur-Aufbau nötig.

MeshCore ist interessant für technisch Versierte, die ein stadtweites oder regionales Netz mit festen Repeatern aufbauen wollen und Airtime minimieren müssen. Aber: MeshCore ist noch jung und hat deutlich weniger aktive Knoten.

💡 Pragmatische Empfehlung: Fang mit Meshtastic an. Es ist einfacher, besser dokumentiert und du findest eher bestehende Knoten in deiner Region. Wenn du später ein eigenes Netz aufbauen willst und die Architektur von MeshCore dich überzeugt, kannst du immer noch wechseln - die gleiche Hardware funktioniert mit beiden Firmwares.

Empfang oder Senden - Was brauchst du wirklich?

Bevor du Geld ausgibst, stell dir eine Frage: Willst du nur informiert bleiben oder aktiv kommunizieren? Die Antwort bestimmt, was du brauchst.

Nur informiert bleiben

  • Batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+)
  • Empfang von Behörden-Durchsagen
  • Keine Lizenz, keine Anmeldung
  • Ab 20 Euro (Kurbelradio)
  • BBK-Empfehlung für jeden Haushalt
  • Reicht für reine Informationsbeschaffung

Aktiv kommunizieren

  • Freenet/PMR446 für den Nahbereich (ohne Lizenz)
  • CB-Funk für mehr Reichweite (ohne Lizenz)
  • Meshtastic für Textnachrichten (ohne Lizenz)
  • Amateurfunk für weltweite Reichweite (mit Lizenz)
  • Du kannst Hilfe rufen und koordinieren
  • Ab 50 Euro (lizenzfrei) bis 500+ Euro (Amateurfunk)
💡 Empfehlung: Die sinnvollste Kombination ist beides: Ein Radio zum Empfangen und ein Funkgerät zum Senden. So bist du sowohl informiert als auch handlungsfähig.

Ehrliche Einschätzung - Was ist für wen das Richtige?

Jetzt wird es ernst. Denn die meisten Leute, die sich für Notfunk interessieren, brauchen keinen Amateurfunk. Klingt komisch auf einer Seite, die auf die Amateurfunkprüfung vorbereitet - ist aber ehrlich.

Die große Vergleichstabelle

AnforderungFreenetPMR446CB-FunkMeshtasticAmateurfunk
SpracheJaJaJaNeinJa
TextNeinNeinNeinJaJa (Winlink, APRS)
E-Mail ohne InternetNeinNeinNeinNeinJa (Winlink)
Reichweite lokal0,5-5 km0,5-3 km5-30 km1-10 km (Mesh)20-200+ km (Relais)
Reichweite überregionalNeinNeinNeinBegrenztWeltweit (KW)
Lizenz nötigNeinNeinNeinNeinJa
Kosten Einstieg50-100 Euro20-60 Euro80-200 Euro15-50 Euro150-500 Euro
Infrastruktur nötigNeinNeinNeinMesh-KnotenNein (autark)
Autarker DauerbetriebStundenStundenStundenTage-WochenUnbegrenzt (Solar)

Ohne Lizenz (für die meisten)

  • Freenet-Geräte für die Familie (Sprachfunk)
  • Meshtastic für Textnachrichten
  • Batteriebetriebenes Radio für Behörden-Durchsagen
  • Morgen einsatzbereit, unter 150 Euro
  • Reicht für 90% aller realistischen Szenarien

Mit Amateurfunklizenz (für Engagierte)

  • Sprachfunk über 100+ km (Relais) bis weltweit (KW)
  • E-Mail über Funk (Winlink)
  • Einbindung in DARC-Notfunkstrukturen
  • Autarker Dauerbetrieb mit Notfunk-Koffer
  • Du hilfst nicht nur dir, sondern auch anderen

Für die meisten Menschen: Freenet + Radio

✅ Einfachste Lösung - morgen einsatzbereit
  • Ein Paar Freenet-Funkgeräte (je eins pro Familienmitglied/Haushalt) - Sprachfunk in der Nachbarschaft
  • Ein batteriebetriebenes UKW-Radio (mit Kurbel oder Solar) - Behörden-Durchsagen empfangen
  • Optional: Ein Meshtastic-Knoten - Textnachrichten, wenn es in deiner Region ein Netz gibt

Gesamtkosten: unter 150 Euro. Keine Lizenz. Reicht für 90% aller realistischen Szenarien.

Für Technikbegeisterte: Meshtastic oder CB-Funk

💡 Für Bastler und Tüftler
Meshtastic ist spannend: günstig, Open Source, Mesh-Netzwerk. Ideal, wenn du gerne an Hardware und Software tüftelst. Aber: nur Textnachrichten, und das Netz muss vorher existieren.

CB-Funk bietet 4 Watt auf 80 Kanälen mit externen Antennen - deutlich mehr Reichweite als Freenet oder PMR446. International etablierter Notfunk-Kanal 9. Nachteil: größere Geräte, störanfällig auf 27 MHz.

Für Engagierte: Amateurfunklizenz

📡 Die Königsklasse der Krisenkommunikation
Wenn du wirklich unabhängig kommunizieren willst - über hunderte oder tausende Kilometer, mit Sprachfunk, Digitalmodi, E-Mail über Funk - dann führt kein Weg am Amateurfunk vorbei. Die Amateurfunklizenz ist nicht nur für dich selbst eine Absicherung: Du kannst im Ernstfall auch anderen helfen, indem du Kommunikation dort herstellst, wo sie zusammengebrochen ist.
✅ Die beste Strategie ist eine Kombination: Freenet für die Familie im Nahbereich, ein Radio für Behörden-Durchsagen - und wer es ernst meint, macht die Amateurfunklizenz. Das eine schließt das andere nicht aus. Und die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie.

Praktische Tipps: Notfunk-Vorsorge heute starten

✅ Sofort umsetzbar (ohne Lizenz, ohne Vorkenntnisse)
  • Batteriebetriebenes Radio kaufen (UKW/DAB+, mit Kurbel oder Solar) - um Behörden-Durchsagen zu empfangen
  • Freenet-Funkgeräte für die Familie anschaffen und einen gemeinsamen Kanal festlegen
  • Analogen Treffpunkt vereinbaren - "Wenn wir uns nicht erreichen, treffen wir uns bei..."
  • Powerbank und Ersatzbatterien bereithalten
💡 Mittelfristig (mit etwas Vorbereitung)
  • Meshtastic ausprobieren - Heltec LoRa32 für unter 20 Euro bestellen und testen, ob es in deiner Region Knoten gibt
  • Amateurfunklizenz Klasse N ins Auge fassen - in 4-6 Wochen Lernzeit machbar
  • DARC-Ortsverband besuchen und Notfunk-Gruppe kennenlernen
  • Meshtastic-Knoten an erhöhtem Punkt aufstellen (Dachboden, Balkon) mit kleinem Solarpanel
📡 Langfristig (für Engagierte)
  • Aufstieg auf Klasse E oder A für Kurzwelle und höhere Sendeleistung
  • Notfunk-Koffer aufbauen (Level 2 oder 3) mit autarker Stromversorgung
  • Winlink-Station einrichten für E-Mail über Funk
  • An DARC-Notfunkübungen teilnehmen und Zusammenarbeit mit THW/Feuerwehr vor Ort aufbauen
  • Akku-Freitag mitmachen - regelmäßig die Einsatzbereitschaft des eigenen Go-Kits testen

Amateurfunklizenz - Dein Einstieg in echte Unabhängigkeit

Mit der Amateurfunklizenz darfst du senden, wo andere nur zuhören können. Die Klasse N macht den Einstieg so einfach wie nie: 195 Technikfragen lernen, Prüfung ablegen, eigenes Rufzeichen erhalten.

Klasse N kennenlernen

Häufige Fragen

Brauche ich eine Lizenz für Notfunk?

Kommt drauf an, welches System du nutzt. Für Freenet, PMR446, CB-Funk und Meshtastic brauchst du keine Lizenz. Für Amateurfunk brauchst du eine Lizenz (Klasse N, E oder A). Im akuten Notfall (unmittelbare Gefahr für Leib und Leben) darf nach dem Telekommunikationsgesetz jeder auf jeder Frequenz um Hilfe rufen - aber für vorbereitenden Notfunk brauchst du die entsprechende Berechtigung.

Funktioniert mein Handy bei Stromausfall noch?

Dein Handy selbst funktioniert, solange der Akku geladen ist. Aber das Mobilfunknetz fällt nach 30 Minuten bis wenigen Stunden aus, weil die Sendemasten keinen Strom mehr haben. Dann zeigt dein Handy "Kein Netz" an - selbst mit vollem Akku. Gleichzeitig ist das Netz vorher schon überlastet, weil alle gleichzeitig telefonieren wollen.

Was ist besser: Meshtastic oder Amateurfunk?

Beides hat seinen Platz und ergänzt sich. Meshtastic ist ideal für Textnachrichten ohne Lizenz und kostet fast nichts. Amateurfunk ermöglicht Sprachfunk, höhere Leistung und weltweite Reichweite. Die beste Lösung für ernsthafte Krisenvorsorge ist eine Kombination aus beidem.

Was empfiehlt das BBK für die Krisenkommunikation?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt ein batteriebetriebenes Radio (UKW/DAB+) im Haushalt, um Behörden-Durchsagen empfangen zu können. Zusätzlich empfiehlt das BBK, Treffpunkte mit der Familie zu vereinbaren, falls die Kommunikation ausfällt. Für aktive Kommunikation (nicht nur Empfang) empfiehlt sich zusätzlich ein lizenzfreies Funkgerät.

Was kostet der Einstieg in Notfunk?

Ohne Lizenz: Ein Paar Freenet-Geräte ab ca. 80 Euro, ein batteriebetriebenes Radio ab 20 Euro, ein Meshtastic-Knoten ab 15 Euro. Mit Amateurfunklizenz: Prüfungsgebühr ca. 80 Euro, ein einfaches Handfunkgerät ab 30 Euro. Ein Notfunk-Koffer mit Kurzwelle und autarker Stromversorgung kostet 500-1.500 Euro.

Was ist der Unterschied zwischen MeshCore und Meshtastic?

Beide nutzen LoRa-Funk für Mesh-Netzwerke, unterscheiden sich aber im Routing: Bei Meshtastic leitet jedes Gerät Nachrichten weiter. Bei MeshCore übernehmen nur dedizierte Repeater das Routing - Endgeräte senden und empfangen nur. MeshCore ist dadurch airtime-effizienter, braucht aber feste Infrastruktur. Für Einsteiger ist Meshtastic die einfachere Wahl.

Wie finde ich eine Notfunk-Gruppe in meiner Nähe?

Über die Website des DARC (darc.de) kannst du den nächsten Ortsverband in deiner Nähe finden. Viele Ortsverbände haben eigene Notfunk-Gruppen mit regelmäßigen Treffen und Übungen. Die DARC Notfunkkarte zeigt auf einer interaktiven Karte, wo Funkamateure mit Notfunk-Ausrüstung aktiv sind. Du brauchst eine Amateurfunklizenz, um aktiv mitzufunken.

Kann ich mit Meshtastic auch Sprachnachrichten senden?

Nein. Meshtastic überträgt ausschließlich Textnachrichten und GPS-Positionen. Die Datenrate von LoRa ist zu niedrig für Sprache oder Bilder. Für Sprachkommunikation brauchst du ein klassisches Funkgerät (Freenet, PMR446, CB-Funk oder Amateurfunk).

Was ist BOS-Digitalfunk und warum kann ich ihn nicht nutzen?

Der BOS-Digitalfunk (TETRA-Standard) ist das Kommunikationsnetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten in Deutschland, betrieben von der BDBOS. Er ist ausschließlich für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben zugelassen - Privatpersonen haben keinen Zugang und dürfen die Geräte weder besitzen noch betreiben. Die Basisstationen haben eine bessere Notstromversorgung als Mobilfunkmasten, stoßen bei tagelangem Stromausfall aber ebenfalls an ihre Grenzen.

Welche Frequenzen werden bei Notfunk verwendet?

Im Amateurfunk sind die wichtigsten Notfunkfrequenzen 3,643 kHz und 3,760 kHz (80m, Kurzwelle) sowie 145,500 MHz (2m, UKW-Anruffrequenz). Bei lizenzfreien Funkdiensten gilt als informeller Standard: Kanal 1 = Notruf, Kanal 3 = Notfunk-Arbeit - das gilt für CB-Funk (27,065 MHz), Freenet (149,025 MHz) und PMR446 (446,00625 MHz) gleichermaßen.

Kann ich im Notfall ohne Lizenz auf Amateurfunkfrequenzen senden?

Im akuten Notfall (unmittelbare Gefahr für Leib und Leben) darf nach dem Telekommunikationsgesetz jeder auf jeder Frequenz um Hilfe rufen - das ist durch den rechtfertigenden Notstand gedeckt. Für vorbereitenden Notfunk (regelmäßige Übungen, organisierte Krisenkommunikation) brauchst du aber zwingend eine Amateurfunklizenz. Die Klasse N reicht bereits für UKW-Notfunk auf 2m und 70cm.

Quellen

×Vollbild