In Deutschland gibt es seit dem 24. Juni 2024 drei Lizenzklassen im Amateurfunk: Klasse N (Entry-Class), Klasse E (Novice-Class) und Klasse A (Expert-Class). Jede Klasse bietet unterschiedliche Berechtigungen - von der einfachen Einsteigerklasse bis zur Vollzulassung mit allen Frequenzen.

💡 Kurzfassung: Klasse N ist der schnelle Einstieg (10 Watt, 3 Bänder), Klasse E bietet Kurzwelle und mehr Frequenzen, Klasse A hat Zugang zu allen Bändern mit bis zu 750 Watt.

Die drei Lizenzklassen im Überblick

Das dreistufige Klassensystem ermöglicht einen flexiblen Einstieg in den Amateurfunk. Du kannst mit der einfachsten Klasse starten und später durch eine Zusatzprüfung aufsteigen:

MerkmalKlasse NKlasse EKlasse A
EingeführtJuni 2024Februar 2005Februar 2005
Frequenzen3 BänderAlle ab 23 cm + 4 KWAlle (135 kHz - 250 GHz)
Max. Leistung10 W EIRP100 W PEP750 W PEP
KurzwelleNur 10 m160m, 80m, 15m, 10mAlle KW-Bänder
CEPT-LizenzNeinNoviceHAREC (Full)
Lernzeit4-8 Wochen2-4 Monate4-6 Monate
RufzeichenDN9...DO1-9..., DA6...DA-DM (ohne DE, DI)

Klasse N - Die Einsteigerklasse

Die Klasse N (Entry-Class) wurde am 24. Juni 2024 mit der novellierten Amateurfunkverordnung eingeführt. Sie ermöglicht einen schnellen und unkomplizierten Einstieg in den Amateurfunk.

Frequenzen und Leistung

BandFrequenzbereichMax. Leistung
10 m28,0 - 29,7 MHz10 W ERP
2 m144 - 146 MHz10 W EIRP
70 cm430 - 440 MHz10 W EIRP
✅ Ideal für: Einsteiger, Schüler (Prüfungsinhalte harmonieren mit Schulstoff der 8./9. Klasse), alle die schnell QRV werden wollen.

Besonderheiten der Klasse N

  • Keine internationale Anerkennung: Die Klasse N ist nur in Deutschland gültig - im Ausland darfst du damit nicht funken
  • Einfache Prüfung: Der Technik-Teil enthält nur Grundlagen, die leicht verständlich sind
  • Lokaler Fokus: Die Bänder 2 m und 70 cm eignen sich besonders für Ortsverbindungen und Repeater
  • 10 m für DX: Bei guten Bedingungen sind auf 10 m auch Weitverbindungen möglich
⚠️ Einschränkung: Mit 10 W EIRP darfst du keine Antennen mit hohem Gewinn nutzen, ohne die Sendeleistung zu reduzieren. Bei einer Antenne mit 6 dBi Gewinn darfst du nur noch ca. 2,5 W Senderausgangsleistung einstellen!

Klasse E - Die Mittelklasse

Die Klasse E (Novice-Class) ist die klassische Einsteigerklasse für alle, die auch auf Kurzwelle funken möchten. Sie entspricht der internationalen CEPT-Novice-Lizenz und wird in vielen europäischen Ländern anerkannt.

Frequenzen und Leistung

Die Klasse E hat Zugang zu deutlich mehr Frequenzen als die Klasse N. Seit Juni 2024 wurden die Rechte noch einmal erweitert:

BereichBänderFrequenzenMax. Leistung
Kurzwelle160 m1,810 - 2,000 MHz100 W PEP
80 m3,500 - 3,800 MHz100 W PEP
15 m21,000 - 21,450 MHz100 W PEP
10 m28,0 - 29,7 MHz100 W PEP
UKW2 m144 - 146 MHz75 W PEP
70 cm430 - 440 MHz75 W PEP
23 cm1240 - 1300 MHz75 W PEP
SHF/EHF≥ 13 cmbis 250 GHz5 W PEP
📡 Kurzwelle mit Klasse E: Die vier Kurzwellenbänder (160m, 80m, 15m, 10m) ermöglichen je nach Tageszeit und Sonnenaktivität Verbindungen von regional bis weltweit. Mehr dazu: Klasse E Frequenzen im Detail

Vorteile gegenüber Klasse N

  • Kurzwelle: Zugang zu 4 KW-Bändern für Weitverbindungen
  • Mehr Leistung: 75-100 W statt 10 W - deutlich stärkeres Signal
  • CEPT Novice: Funken im Urlaub in vielen Ländern ohne extra Genehmigung
  • Alle UKW-Bänder: Von 2 m bis 250 GHz

CEPT-Anerkennung

Mit der Klasse E kannst du in folgenden Ländern ohne weitere Genehmigung funken:

🌍 CEPT Novice Länder: Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande, Dänemark, Norwegen, Polen, Tschechien, Slowakei, Kanada, USA und weitere.
Amateurfunkzeugnis Klasse E - CEPT Novice Prüfungsbescheinigung
Amateurfunkzeugnis Klasse E mit CEPT-Novice-Vermerk (Klick zum Vergrößern)

Unsicher, welche Klasse für dich die richtige ist? Lies unseren Vergleich: Unterschied zwischen Klasse E und N

Klasse A - Die Vollzulassung

Die Klasse A (Expert-Class) ist die höchste Lizenzklasse im deutschen Amateurfunk. Sie entspricht dem internationalen HAREC-Standard und wird weltweit in über 50 Ländern anerkannt.

Frequenzen und Leistung

Klasse A hat Zugang zu allen Amateurfunkbändern von 2.200 m (135,7 kHz) bis 1 mm (250 GHz):

BereichZusätzliche Bänder (nur Klasse A)Frequenzen
Langwelle2.200 m135,7 - 137,8 kHz
Mittelwelle630 m472 - 479 kHz
Kurzwelle60 m5,351 - 5,366 MHz
40 m7,000 - 7,200 MHz
30 m10,100 - 10,150 MHz
20 m14,000 - 14,350 MHz
17 m18,068 - 18,168 MHz
12 m24,890 - 24,990 MHz
UKW6 m50,0 - 52,0 MHz
4 m70,0 - 70,5 MHz

Die maximale Sendeleistung beträgt 750 Watt PEP auf den meisten Bändern.

📻 Warum Klasse A? Die attraktivsten DX-Bänder (40m, 30m, 20m, 17m) sind nur der Klasse A vorbehalten. Wer regelmäßig weltweite Verbindungen machen möchte, braucht die Vollklasse. Mehr dazu: Klasse E oder A zuerst?

CEPT/HAREC-Anerkennung

Die Klasse A wird in allen CEPT-Ländern vollständig anerkannt - du kannst weltweit auf allen Bändern funken:

🌍 HAREC/CEPT Full Länder: Alle EU-Länder, Schweiz, Norwegen, UK, Türkei, USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Japan und viele weitere (über 50 Länder).
Amateurfunkzeugnis Klasse A - HAREC Prüfungsbescheinigung
Amateurfunkzeugnis Klasse A mit HAREC-Vermerk (Klick zum Vergrößern)

Detailvergleich der Klassen

Klasse N

  • Schneller Einstieg (4-8 Wochen)
  • Einfache Prüfung
  • 3 Bänder, 10 Watt
  • Nur in Deutschland gültig
  • Kein Remote-Betrieb
  • Ideal zum Ausprobieren

Klasse E

  • Moderate Lernzeit (2-4 Monate)
  • Kurzwelle + UKW
  • 100 Watt, viele Bänder
  • CEPT Novice (~20 Länder)
  • Kein Remote-Betrieb

Klasse E

  • 4 Kurzwellenbänder
  • Max. 100 W
  • CEPT Novice (~20 Länder)
  • Kein Remote-Betrieb
  • Prüfung: 4 Teile

Klasse A

  • Alle Kurzwellenbänder
  • Max. 750 W
  • HAREC (über 50 Länder)
  • Remote-Betrieb erlaubt
  • Prüfung: 5 Teile
🌍 Internationale Anerkennung: Klasse N gilt nur in Deutschland. Klasse E wird in ca. 20 CEPT-Novice-Ländern anerkannt. Klasse A (HAREC) ist in über 50 Ländern weltweit gültig - ein großer Vorteil für Reisende und DXer.
📡 Remote-Betrieb: Seit Juni 2024 ist der Remote-Betrieb offiziell erlaubt - aber nur für Klasse A. Damit kannst du deine Station von unterwegs steuern, z.B. aus dem Urlaub oder bei schlechtem Wetter von zu Hause.

Frequenzbereiche nach AFuV (Anlage 1)

Die folgende Tabelle zeigt alle Amateurfunkbänder in Deutschland mit den zulässigen Leistungen pro Klasse. Dies ist die offizielle Übersicht aus Anlage 1 der Amateurfunkverordnung:

BandFrequenzbereichStatusKlasse AKlasse EKlasse N
2.200 m135,7 - 137,8 kHzS1 W ERP--
630 m472 - 479 kHzS1 W ERP--
160 m1.810 - 1.850 kHzP750 W100 W-
1.850 - 1.890 kHzS75 W75 W-
1.890 - 2.000 kHzS10 W10 W-
80 m3.500 - 3.800 kHzP750 W100 W-
60 m5.351,5 - 5.366,5 kHzS15 W ERP--
40 m7.000 - 7.200 kHzP750 W--
30 m10.100 - 10.150 kHzS150 W--
20 m14.000 - 14.350 kHzP750 W--
17 m18.068 - 18.168 kHzP750 W--
15 m21.000 - 21.450 kHzP750 W100 W-
12 m24.890 - 24.990 kHzP750 W--
10 m28 - 29,7 MHzP750 W100 W10 W ERP
6 m50 - 52 MHzS25 W--
4 m70,0 - 70,5 MHzS25 W--
2 m144 - 146 MHzP750 W75 W10 W EIRP
70 cm430 - 440 MHzP750 W75 W10 W EIRP
23 cm1.240 - 1.300 MHzS750 W75 W-
13 cm2.320 - 2.450 MHzS75 W5 W-
9 cm3.400 - 3.475 MHzS75 W5 W-
6 cm5.650 - 5.850 MHzS75 W5 W-
3 cm10 - 10,5 GHzS75 W5 W-
12 mm24 - 24,25 GHzP/S75 W5 W-
6 mm47 - 47,2 GHzP75 W5 W-
4 mm76 - 81 GHzS75 W5 W-
2 mm122 - 123 GHzS75 W5 W-
1 mm134 - 141 GHzP/S75 W5 W-
<1 mm241 - 250 GHzP/S75 W5 W-

Legende: P = Primärer Funkdienst, S = Sekundärer Funkdienst, alle Leistungen in PEP (sofern nicht anders angegeben)

⚠️ Sekundärer Funkdienst: Auf Bändern mit Status "S" darf der Amateurfunk andere Funkdienste nicht stören und muss Störungen durch primäre Dienste hinnehmen.
💡 Leistungsangaben: PEP bezeichnet die Spitzenleistung am Senderausgang. ERP und EIRP berücksichtigen den Antennengewinn.

Prüfung und Aufstieg

Die Amateurfunkprüfung wird von der Bundesnetzagentur durchgeführt. Alle Klassen werden am gleichen Tag geprüft - du entscheidest während der Prüfung, wie weit du gehen möchtest:

ZielklassePrüfungsteileFragenZeit (ca.)
Klasse NV + B + Technik N752,5 Std.
Klasse EV + B + Technik N + E1003 Std.
Klasse AV + B + Technik N + E + A1254 Std.
✅ Flexible Prüfung: Wer auf Klasse A lernt und den A-Teil nicht besteht, bekommt automatisch die E-Lizenz (sofern diese Teile geschafft wurden). Später kannst du jederzeit eine Upgrade-Prüfung ablegen - dann wird nur der fehlende Technik-Teil geprüft!

Kosten

Die aktuellen Gebühren findest du auf unserer Amateurfunkprüfung-Seite.

Geschichte der Amateurfunk-Klassen

Das heutige Klassensystem ist das Ergebnis mehrerer Reformen seit 1949. Hier ein Überblick über die historische Entwicklung:

1949-1967: Klassen A und B

Die erste Amateurfunkverordnung vom 23. März 1949 kannte zwei Klassen:

  • Klasse A: Eingeschränkter Kurzwellenzugang, leichtere Morseprüfung
  • Klasse B: Alle Bänder, höhere Leistung - nach 1 Jahr Klasse-A-Betrieb oder Erfahrungsnachweis

1967-1997: Einführung der Klasse C

Am 13. März 1967 wurde die Klasse C eingeführt - erstmals ohne Telegrafieprüfung:

  • Klasse C: Nur UKW-Frequenzen (2 m und höher), keine Morseprüfung
  • Klasse A: Alle Betriebsarten, kleinere Sendeleistung
  • Klasse B: Vollzugang mit 750 W

1997-2005: Klassen 1, 2 und 3

Mit der Reform 1997 wurden die Klassen in Nummern umbenannt:

Alte KlasseNeue KlasseBerechtigungen
A + BKlasse 1Alle Bänder, mit Morseprüfung
CKlasse 2Alle Bänder, ohne Morseprüfung
-Klasse 3Nur 2m/70cm, 10 W, vereinfachte Prüfung

Die Klasse 3 war eine neue Einsteigerklasse mit stark eingeschränkten Rechten - ähnlich der heutigen Klasse N. Ein Aufstieg war jedoch nicht möglich: Wer eine höhere Klasse wollte, musste die komplette Prüfung neu ablegen.

2005-2024: Klassen A und E

Am 19. Februar 2005 trat die nächste Reform in Kraft:

  • Klasse 1 + 2 wurden zur neuen Klasse A (Morseprüfung entfiel)
  • Klasse 3 wurde zur Klasse E - mit deutlich erweiterten Rechten
📜 Historisch: Die Morseprüfung war bis 2005 Pflicht für die Kurzwelle. Mit dem Wegfall dieser Anforderung (international ab 2003) wurden die deutschen Klassen neu strukturiert.

Seit 2024: Klassen N, E und A

Mit der novellierten Amateurfunkverordnung vom 24. Juni 2024 kam die Klasse N hinzu - ein dreistufiges System wie in vielen anderen Ländern:

  • Klasse N: Neue Einsteigerklasse (ähnlich der alten Klasse 3, aber mit Upgrade-Möglichkeit)
  • Klasse E: Erweitert um alle Bänder ab 23 cm und mehr Leistung auf UKW
  • Klasse A: Unverändert - volle Rechte
ZeitraumKlassenBesonderheit
1949-1967A, BMorseprüfung für alle
1967-1997A, B, CKlasse C ohne Morse (UKW)
1997-20051, 2, 3Klasse 3 als Einstieg
2005-2024A, EMorse entfällt komplett
seit 2024N, E, ADreistufiges System

Welche Klasse ist die richtige?

Die Wahl der Klasse hängt von deinen Zielen und der verfügbaren Lernzeit ab:

Dein ZielEmpfohlene Klasse
Schnell einsteigen und ausprobierenKlasse N → später Upgrade
Kurzwelle + international funkenKlasse E
Maximale Möglichkeiten von Anfang anKlasse A
Schüler / wenig ZeitKlasse N
DX und ContesteKlasse A
Lokaler UKW-Betrieb + RelaisKlasse N oder E
💡 Tipp: Viele starten mit der E-Prüfung und lernen parallel schon für Klasse A. Wenn du die Zeit hast, lohnt sich der direkte Weg zur Vollklasse - die Prüfung ist an einem Tag, und du sparst dir später die Upgrade-Gebühr.

Nach der Prüfung

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Quellen

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