Ein Balun ist im Amateurfunk ein häufig eingesetztes Bauteil, das symmetrische Antennen (z.B. Dipole) mit unsymmetrischen Leitungen (Koaxialkabel) verbindet. Der Name ist ein Kunstwort aus „Balanced-Unbalanced" - also symmetrisch zu unsymmetrisch.

💡 Kurzfassung: Balun = Übergang von symmetrisch (Antenne) zu unsymmetrisch (Koaxkabel). Reduziert Mantelwellen und hilft, das Strahlungsdiagramm sauber zu halten.

Warum braucht man einen Balun?

Das Problem: Ein Dipol ist symmetrisch aufgebaut - beide Hälften sind elektrisch gleichwertig. Ein Koaxialkabel hingegen ist unsymmetrisch: Innenleiter und Außenmantel sind nicht gleichwertig.

Ohne Balun passiert folgendes:

  • Mantelwellen: Strom fließt auf der Kabelaußenseite zurück
  • Störungen: Das Koaxkabel strahlt mit ab
  • TVI/BCI: Einstrahlungen in andere Geräte
  • Verzerrtes Strahlungsdiagramm: Antenne funktioniert nicht wie geplant
⚠️ Typisches Problem: Ohne Balun am Dipol kann das Koaxkabel selbst zur Antenne werden - es strahlt mit und verfälscht das Strahlungsdiagramm!

Strombalun vs. Spannungsbalun

Es gibt zwei grundlegende Balun-Typen:

Strombalun (Current Balun)

Funktion:
Erzwingt gleiche Ströme in beiden Antennenhälften

Vorteile:

  • Unterdrückt Mantelwellen effektiv
  • Funktioniert auch bei Fehlanpassung
  • Robuster bei verschiedenen Impedanzen

Empfehlung: Für die meisten Anwendungen!

Spannungsbalun (Voltage Balun)

Funktion:
Erzeugt gleiche Spannungen an beiden Ausgängen

Nachteile:

  • Unterdrückt Common-Mode-Ströme deutlich schlechter als ein Strombalun
  • Empfindlich bei Fehlanpassung
  • Kann in Sättigung gehen

Einsatz: Nur bei exakter Impedanzanpassung

Übersetzungsverhältnisse

Baluns können neben der Symmetrierung auch die Impedanz transformieren:

VerhältnisTransformationTypische Anwendung
1:150 Ω → 50 ΩDipol, Schleifenantenne
1:450 Ω → 200 ΩFaltdipol, Bandleitung
1:450 Ω → 200 Ω (Impedanzverhältnis)Faltdipol, OCF-Dipol
1:9 (Unun)50 Ω → 450 ΩLangdraht/Random Wire (macht Last für Tuner beherrschbarer)
💡 Merke: Für einen normalen Dipol reicht ein 1:1-Balun - hier geht es nur um die Symmetrierung, nicht um Impedanzanpassung!

Balun vs. Unun

Nicht verwechseln:

TypBedeutungFunktion
BalunBalanced ↔ UnbalancedSymmetrisch zu unsymmetrisch
UnunUnbalanced ↔ UnbalancedUnsymmetrisch zu unsymmetrisch (nur Impedanzwandlung)

Ein Unun (z.B. 1:9) wird oft bei Langdrahtantennen verwendet, um die hohe Impedanz des Drahtes an 50 Ω anzupassen - aber ohne Symmetrierung.

Welchen Balun für welche Antenne?

AntenneBalun-TypVerhältnis
Dipol (λ/2)Strombalun1:1
FaltdipolStrombalun1:4
G5RVStrombalun1:1
Windom / OCF-DipolStrombalun1:4 oder 1:6
Yagi-BeamStrombalun1:1
Loop / Delta-LoopStrombalun1:4
Langdraht (unsymm.)Unun1:9

Mantelwellensperre

Eine Mantelwellensperre (auch: Choke Balun, Common Mode Choke) ist eine spezielle Form des 1:1-Strombaluns. Sie wird direkt am Speisepunkt oder im Kabelverlauf eingesetzt, um Mantelströme zu unterdrücken.

✅ Einfache Mantelwellensperre: Mehrere Windungen des Koaxkabels durch einen oder mehrere Ferritringe. Die nötige Windungszahl hängt von Band, Kernmaterial und gewünschter Choke-Impedanz ab.

Balun selbst bauen

Viele Funkamateure bauen ihre Baluns selbst. Typische Bauformen:

  • Ringkern-Balun: Auf Ferrit-Ringkern gewickelt (z.B. FT240-43)
  • Koax-Balun: Koaxkabel auf Ferrit gewickelt
  • Luft-Balun: Spulen ohne Kern (für hohe Leistung)
📐 Typische Dimensionierung:
1:1-Strombalun auf FT240-43: bifilar gewickelt (Windungszahl und Leistungsfestigkeit abhängig von Band und Betriebsart)
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