Ein Antennentuner (auch ATU = Antenna Tuning Unit oder Matchbox) ist ein Anpassungsgerät zwischen Sender und Antenne. Er sorgt dafür, dass der Sender eine optimale Impedanz von 50 Ohm "sieht" - auch wenn die Antenne selbst einen anderen Widerstand hat.
Im Amateurfunk gehört der Antennentuner zur Grundausstattung vieler Stationen - besonders wenn mit Mehrband-Antennen oder Langdrähten gearbeitet wird. Viele moderne Transceiver haben bereits einen automatischen Tuner eingebaut.
Wann brauche ich einen Antennentuner?
Ein Antennentuner ist sinnvoll bei:
- Mehrband-Antennen: Antennen wie W3DZZ oder FD-4, die auf mehreren Bändern arbeiten
- Langdrahtantennen: Einfache Drähte ohne definierte Länge
- Bandenden: Wenn die Antenne am Bandrand nicht mehr optimal resonant ist
- Verkürzte Antennen: Kompakte Antennen mit hoher Fehlanpassung
Wie funktioniert ein Antennentuner?
Ein Antennentuner besteht aus variablen Spulen und Kondensatoren. Er macht zwei Dinge gleichzeitig:
- Blindanteil kompensieren: Kapazitive oder induktive Anteile der Antenne ausgleichen
- Impedanz transformieren: Den Wirkwiderstand auf 50 Ω bringen
Das Ergebnis: Der Sender sieht am Ausgang 50 Ω und kann seine volle Leistung abgeben. Das SWR am Transceiver sinkt auf nahezu 1:1.
Schaltungstypen
Es gibt drei verbreitete Grundschaltungen für Antennentuner:
| Schaltung | Aufbau | Eigenschaften |
|---|---|---|
| L-Glied | 1 Spule, 1 Kondensator | Einfachste Form, begrenzte Anpassmöglichkeit |
| T-Glied | 2 Kondensatoren, 1 Spule | Sehr flexibel, Hochpass-Verhalten, höhere Spannungen |
| Pi-Glied | 2 Kondensatoren, 1 Spule | Tiefpass-Verhalten, gute Oberwellenunterdrückung |
T-Match (T-Glied)
Die T-Schaltung ist weit verbreitet: Zwei Drehkondensatoren in Serie, dazwischen eine variable Induktivität nach Masse. Sie kann extrem unterschiedliche Impedanzen über einen weiten Frequenzbereich handhaben.
Pi-Filter (Pi-Glied)
Das Pi-Filter wirkt als Tiefpass und transformiert gleichzeitig die Impedanz. Es unterdrückt Oberwellen gut, benötigt aber größere Bauteilwerte. Der Name stammt von der Anordnung im Schaltbild, die dem griechischen Buchstaben π ähnelt.
Manueller vs. automatischer Tuner
Vorteile:
- Günstig (ab 50 €)
- Funktioniert auch bei QRP
- Volle Kontrolle über Abstimmung
- Robuste Mechanik
Nachteile:
- Abstimmung dauert länger
- Übung erforderlich
Vorteile:
- Abstimmung in 0,5-6 Sekunden
- Speicher für Frequenzen
- Komfortabel im Betrieb
Nachteile:
- Teurer (ab 200 €)
- Braucht min. 5-10 W zum Abstimmen
- Stoppt oft bei SWR 1,5:1
Anpassungsverluste
Auch bei Fehlanpassung sind die Verluste oft geringer als befürchtet:
| SWR | Übertragungsdämpfung | Ankommende Leistung (100 W) |
|---|---|---|
| 1,5:1 | 0,2 dB | 96 W |
| 2,0:1 | 0,5 dB | 89 W |
| 3,0:1 | 1,2 dB | 76 W |
Die Verluste im Tuner selbst entstehen hauptsächlich in der Spule - je nach Qualität der Bauteile.
Symmetrische Speisung
Für Dipole, die weit außerhalb der Resonanz betrieben werden, empfiehlt sich der Wechsel zu symmetrischen Zweidrahtleitungen (z.B. 450-Ohm-Hühnerleiter). Diese haben deutlich geringere Verluste als Koaxkabel bei Fehlanpassung.
Am Tuner wird dann ein Balun benötigt - entweder eingebaut oder als externes Bauteil mit Übersetzungsverhältnissen wie 1:1, 1:4 oder 1:6.
Häufige Irrtümer
Falsch! Der Tuner passt nur die Impedanz am Senderausgang an. Die Antenne selbst bleibt unverändert - mit allen ihren Eigenschaften und Verlusten.
Nur bedingt richtig. Bei extremer Fehlanpassung (z.B. 3 m Draht auf 80 m) entstehen hohe Verluste im Kabel. Der Tuner kann zwar anpassen, aber die Leistung geht im Kabel verloren.
Falsch! Ein SWR von 2:1 bedeutet nur etwa 0,5 dB Verlust - das entspricht etwa 11% weniger Leistung. In der Praxis kaum hörbar.
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