Freenet ist ein Jedermannfunk in Deutschland, der auf Frequenzen um 149 MHz im 2-Meter-Band arbeitet. Die Nutzung ist anmelde- und gebührenfrei - ein zugelassenes Funkgerät genügt.

💡 Kurzfassung: Freenet = 6 analoge + 12 digitale Kanäle auf 149 MHz, max. 1 Watt ERP, nur in Deutschland erlaubt, nur Handgeräte.

Geschichte

Der Name Freenet war ursprünglich ein Produktname der Firma Motorola. 1996 wurde auf Drängen von Motorola ein Teilbereich der freigewordenen Frequenzen des ehemaligen Mobilfunk-B-Netzes für den Jedermannfunk freigegeben.

JahrEntwicklung
1996Einführung mit 3 Kanälen, 0,5 Watt ERP
2007Erweiterung auf 6 analoge Kanäle
2016Digitale Modulation (DMR) erlaubt, 12 digitale Kanäle
2019Sendeleistung von 0,5 auf 1 Watt ERP erhöht
2025Zulassung bis 31.12.2029 verlängert

Technische Daten

EigenschaftWert
Frequenzbereich149,0250 - 149,1125 MHz
Wellenlängeca. 2 Meter (VHF)
Kanäle (analog)6 Kanäle im 12,5-kHz-Raster
Kanäle (digital)12 Kanäle im 6,25-kHz-Raster
Sendeleistungmax. 1 Watt ERP (Grenzgebiet: 0,5 W)
Modulation analogFM (Frequenzmodulation)
Modulation digitalDMR (Digital Mobile Radio)
Reichweite500 m - 5 km (geländeabhängig)

Kanaltabelle

Analoge Kanäle (FM, 12,5 kHz Raster)

KanalFrequenzModulation
1149,0250 MHzFM
2149,0375 MHzFM
3149,0500 MHzFM
4149,0875 MHzFM
5149,1000 MHzFM
6149,1125 MHzFM

Digitale Kanäle (DMR, 6,25 kHz Raster)

Seit 2016 stehen im selben Frequenzbereich (149,021875 - 149,115625 MHz) zusätzlich 12 digitale Kanäle zur Verfügung. Durch das TDMA-Zeitschlitzverfahren von DMR werden pro Frequenz zwei Sprachkanäle ermöglicht.

CTCSS und DCS - Subtöne

Die meisten Freenet-Geräte unterstützen CTCSS und DCS:

SystemCodesFunktion
CTCSS51 Töne (67-254 Hz)Analoge Subtöne
DCS777 Codes (N und I)Digitale Codes
⚠️ Wichtig: CTCSS/DCS sind keine Verschlüsselung! Sie funktionieren wie selektive Rauschsperren - die Rauschsperre öffnet nur bei passendem Code. Andere Nutzer hören dich trotzdem, wenn sie keinen Code eingestellt haben. Nur digitale Systeme wie DMR können Gespräche wirklich trennen.

Digitaler Modus (DMR)

Seit November 2016 ist neben analogem FM auch DMR erlaubt. Der Standard bietet mehrere Vorteile:

Analog (FM)

Vorteile:

  • Einfache Bedienung
  • Kompatibel mit allen Geräten
  • Gute Sprachqualität bei starkem Signal

Nachteile:

  • Rauschen bei schwachem Signal
  • 6 Kanäle verfügbar
Digital (DMR)

Vorteile:

  • Kein Rauschen (digital = klar oder gar nicht)
  • 12 Kanäle durch TDMA
  • Bessere Reichweite bei gleichem Signal
  • Fehlerkorrektur integriert

Nachteile:

  • Teurere Geräte
  • Nicht kompatibel mit Analog

DMR arbeitet nach dem ETSI-Standard TS 102 361 und nutzt TDMA mit 2 Zeitschlitzen bei 12,5 kHz Bandbreite. Dadurch passen zwei Gespräche gleichzeitig auf eine Frequenz.

Reichweite und Ausbreitung

Die Reichweite von Freenet hängt stark vom Gelände ab:

UmgebungTypische Reichweite
Stadtgebiet (Beton, Gebäude)500 m - 1 km
Vorstädte, Parks1 - 3 km
Freies Gelände3 - 5 km
Berg zu Berg (Sichtverbindung)bis 10 km+

Physikalische Vorteile bei 149 MHz

Die Freiraumdämpfung ist bei 149 MHz geringer als bei PMR446 (446 MHz). Das bedeutet:

  • Bessere Gebäudedurchdringung: Längere Wellen (2 m) durchdringen Wände besser als kürzere (70 cm)
  • Weniger Dämpfung: Bei gleicher Entfernung kommt mehr Signal an
  • Stabilere Verbindung: Weniger anfällig für Abschattung durch Hindernisse
💡 Physik-Hintergrund: Die Freiraumdämpfung steigt mit dem Quadrat der Frequenz. 446 MHz hat etwa die dreifache Frequenz von 149 MHz - das bedeutet rund 9 dB mehr Dämpfung bei gleicher Entfernung.

Freenet vs. PMR446 vs. CB-Funk

Die drei wichtigsten Jedermannfunk-Dienste in Deutschland im Vergleich:

EigenschaftFreenetPMR446CB-Funk
Frequenz149 MHz446 MHz27 MHz
Wellenlänge2 m70 cm11 m
Sendeleistung1 Watt ERP0,5 Watt ERP4 Watt ERP
Kanäle6 (analog) + 12 (digital)16 (+ 16 digital)80 Kanäle
AntenneFest/abnehmbar*Fest verbautFrei wählbar
ZulassungNur DeutschlandEuropaweitFast weltweit
MobilgeräteNeinNeinJa

* Bei max. 0,5 W darf die Antenne abnehmbar sein

Antennen

Die Antennenfrage ist bei Freenet kompliziert:

⚠️ Antennenregeln:
  • Bei 1 Watt ERP: Nur fest verbaute Antennen erlaubt
  • Bei 0,5 Watt ERP: Abnehmbare Antennen erlaubt
  • Die effektive Strahlungsleistung (ERP) darf nie überschritten werden

Da Freenet im 2-Meter-Band arbeitet, wäre eine optimale Antenne etwa 50 cm lang (Lambda/4). Die meisten Handgeräte haben jedoch kürzere Antennen, was die Effizienz reduziert.

Wichtige Einschränkungen

❌ Regeln beachten:
  • Nur Handgeräte - keine Mobilgeräte oder Feststationen erlaubt
  • Nur in Deutschland - im Ausland sind die Frequenzen anders belegt
  • Grenzgebiet: In 10 km Abstand zu Belgien und Polen nur 0,5 Watt
  • Peer-to-Peer: Relais und Gateways sind seit 2025 explizit verboten
  • Keine Amateurfunkgeräte: Auch wenn technisch möglich - hohe Bußgelder drohen

Gerätevorschriften

Freenet-Geräte müssen den Anforderungen des Funkanlagengesetzes (FuAG) entsprechen:

  • CE-Kennzeichen muss vorhanden sein
  • Konformitätserklärung muss beiliegen
  • Gerät muss für Deutschland vorgesehen sein
  • Keine modifizierten oder umgebauten Geräte

Typische Anwendungen

  • Outdoor: Wandern, Radfahren, Camping, Skifahren
  • Veranstaltungen: Messen, Festivals, Sportevents, Security
  • Gewerbe: Baustellen, Lagerhallen, Landwirtschaft
  • Familie: Kontakt halten auf Ausflügen, Freizeitparks
  • Jagd: Kommunikation im Revier
✅ Tipp: Freenet ist oft die bessere Wahl als PMR446, wenn du hauptsächlich in Deutschland funkst und Wert auf gute Gebäudedurchdringung legst. Für Reisen ins Ausland ist PMR446 die bessere Option.

Mehr Möglichkeiten mit Amateurfunk

Freenet ist ideal für den Einstieg in die Funkwelt - aber die Möglichkeiten sind begrenzt: geringe Reichweite, feste Antennen, nur in Deutschland erlaubt. Wer mehr will, kann den nächsten Schritt gehen und Funkamateur werden.

✅ Vorteile des Amateurfunks gegenüber Freenet:
  • Höhere Sendeleistung: Bis zu 750 Watt statt 1 Watt
  • Weltweite Reichweite: Kurzwelle ermöglicht Kontakte über tausende Kilometer
  • Freie Antennenwahl: Eigene Antennen bauen und optimieren
  • Viele Frequenzbänder: Von Kurzwelle bis Mikrowelle
  • Digitale Betriebsarten: FT8, APRS, Satellitenfunk und mehr
  • Selbstbau erlaubt: Eigene Geräte konstruieren und betreiben

Die Amateurfunkprüfung ist der Schlüssel zu diesen Möglichkeiten. Mit unserer kostenlosen Lernplattform kannst du dich optimal vorbereiten - vom Einsteiger (Klasse N) bis zum Vollzugang (Klasse A).

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