Stell dir vor, du stehst mit deinem Handfunkgerät in München und unterhältst dich mit einem Funkamateur in Australien - über ein lokales 2m-Relais. Genau das macht EchoLink möglich: Es verbindet Amateurfunk-Relais weltweit über das Internet.

💡 Kurzfassung: EchoLink ist ein kostenloses VoIP-System für Funkamateure. Du wählst per DTMF-Tönen eine Nummer, und dein lokales Relais verbindet sich mit einem Relais am anderen Ende der Welt. Über 200.000 Funkamateure in 151 Ländern nutzen es bereits.

So funktioniert EchoLink

Das Prinzip ist simpel: EchoLink-fähige Relais sind mit dem Internet verbunden. Wenn du eine bestimmte Nummer eingibst, baut dein Relais eine VoIP-Verbindung zu einem anderen Relais auf - egal wo auf der Welt es steht.

Du funkst also ganz normal auf deiner lokalen Relaisfrequenz. Nur dass dein Signal nicht nur im Umkreis von 50 Kilometern ankommt, sondern theoretisch überall dort, wo ein EchoLink-Relais steht.

✅ Was du damit machen kannst:
  • Weltweit funken - auch wenn die Ausbreitungsbedingungen schlecht sind
  • Unterwegs QRV bleiben - im Urlaub das Heimat-Relais erreichen
  • An Runden teilnehmen - internationale Netze und Konferenzen besuchen
  • Ohne Funkgerät funken - per Smartphone-App oder am PC

Die drei Betriebsarten

EchoLink kennt drei verschiedene Station-Typen, die du an der Endung erkennst:

TypEndungWas ist das?
Repeater-REin Relais mit EchoLink-Anbindung
Link-LEin Simplex-Zugang (kein Relais)
User(keine)Jemand am PC oder Smartphone

Wenn du also DB0XYZ-R siehst, weißt du: Das ist ein Relais. Bei DL1ABC ohne Zusatz sitzt jemand am Computer.

EchoLink einrichten

Bevor du loslegen kannst, musst du dich einmalig registrieren. EchoLink prüft, ob du wirklich eine gültige Amateurfunklizenz hast - schließlich soll das System nur von Funkamateuren genutzt werden.

Schritt 1: Registrieren

  1. Gehe auf echolink.org
  2. Lade die Software herunter (Windows, iOS oder Android)
  3. Beim ersten Start: Rufzeichen und E-Mail eingeben
  4. Du bekommst eine E-Mail mit einem Link zur Validierung
  5. Dort lädst du einen Scan deiner Lizenzurkunde hoch

Die Prüfung dauert meist nur wenige Stunden. Danach bist du freigeschaltet.

💡 Tipp: Für 1 US-Dollar kannst du die Validierung beschleunigen - dann wird dein Rufzeichen sofort freigeschaltet, ohne dass du Dokumente hochladen musst.

Schritt 2: Software oder App installieren

EchoLink gibt es für praktisch jede Plattform:

PlattformSoftwareBesonderheit
WindowsEchoLinkVollversion mit allen Features
iPhone/iPadEchoLink AppUnterwegs per Mobilfunk/WLAN
AndroidEchoLink AppUnterwegs per Mobilfunk/WLAN
BrowserEchoLink WebSeit 2023, keine Installation nötig
LinuxQtelOpen-Source-Alternative

Firewall-Probleme? Proxy nutzen!

EchoLink braucht bestimmte Ports (UDP 5198/5199, TCP 5200). Wenn du hinter einer Firmen-Firewall oder einem Hotel-WLAN sitzt, funktioniert das oft nicht.

Die Lösung: Ein Proxy-Server. Du verbindest dich zu einem öffentlichen Proxy, der die Verbindung für dich weiterleitet. In den EchoLink-Einstellungen trägst du einfach die Proxy-Adresse ein.

⚠️ DS-Lite/CGNAT: Viele deutsche Kabelanbieter vergeben keine echte IPv4-Adresse mehr. In diesem Fall musst du einen Proxy verwenden, sonst bist du für andere nicht erreichbar.

EchoLink über Funk nutzen

Das Schöne an EchoLink: Du brauchst keinen Computer. Wenn dein lokales Relais EchoLink-fähig ist, steuerst du alles mit DTMF-Tönen - also den Pieptönen, die dein Funkgerät beim Drücken der Zifferntasten erzeugt.

Verbindung herstellen

Jede EchoLink-Station hat eine eindeutige Node-Nummer - vergleichbar mit einer Telefonnummer. Um eine Verbindung herzustellen, gibst du die Node-Nummer gefolgt von # per DTMF ein.

Beispiel: Das Relais am Münchner Olympiaturm hat die Node-Nummer 7385. Du tastest dein lokales Relais auf, gibst 7385# ein und wartest auf die Bestätigung. Nach wenigen Sekunden meldet das Relais "Connected to..." - die Verbindung steht.

Nach dem QSO trennst du die Verbindung mit #. Offene Verbindungen blockieren das Relais für andere Nutzer.

💡 Praxis-Tipp: Die Gegenstation antwortet oft erst nach 3-4 Sekunden. Das ist normal - die Audioübertragung über das Internet braucht etwas Zeit. Gib also nach dem "Over" eine kurze Pause, bevor du wieder sendest.

DTMF-Befehle im Überblick

Die wichtigsten Befehle für den EchoLink-Betrieb über Funk:

BefehlFunktion
[Node]#Verbindung zu Node-Nummer herstellen
#Verbindung trennen
##Alle Verbindungen trennen
08Status abfragen (verbundene Stationen)
09Letzte Verbindung wiederherstellen
*Stations-ID abspielen
00Zufälligen Node verbinden
01Zufälliges Relais verbinden
02Zufällige Konferenz verbinden

Verbindung per Rufzeichen

Alternativ zur Node-Nummer kann auch das Rufzeichen verwendet werden: C + Rufzeichen + #.

Buchstaben werden als zweistellige Codes eingegeben. Die erste Ziffer entspricht der Telefontaste, die zweite der Position des Buchstabens auf dieser Taste.

Beispiel: D = Taste 3, Position 1 → 31. L = Taste 5, Position 3 → 53.

Konferenzen und Netze

Neben Punkt-zu-Punkt-Verbindungen unterstützt EchoLink auch Konferenzserver. Dort können sich mehrere Stationen gleichzeitig verbinden - ideal für Runden und Netze.

Konferenzserver sind an den Sternen vor und nach dem Namen erkennbar: *GERMANY*, *AMSAT*, *DARC*.

KonferenzNodeThema
*GERMANY*9999Deutschsprachige Runde
*AMSAT*101377Satellitenfunk
*DARC*verschiedeneDARC-Konferenz
*ENGLISH*verschiedeneInternationale Runde
💡 Tipp: In Konferenzen gelten die üblichen Umgangsformen. Erst zuhören, dann in einer Gesprächspause mit Rufzeichen melden.

EchoLink vs. andere Systeme

EchoLink ist eines von mehreren VoIP-Systemen im Amateurfunk:

SystemSeitBesonderheit
EchoLink2002Am weitesten verbreitet, PC-Zugang möglich
IRLP1997Nur Funk-zu-Funk, bessere Audioqualität
AllStar2008Open Source, sehr flexibel
D-STAR2001Digitales System, spezielle Hardware erforderlich

Der Hauptunterschied zu IRLP: EchoLink erlaubt die Teilnahme ohne Funkgerät - per App oder PC. IRLP beschränkt sich bewusst auf Funk-zu-Funk-Verbindungen.

💡 Brücken zwischen Systemen: Viele Relais sind gleichzeitig bei EchoLink und IRLP angemeldet. So können Nutzer beider Systeme miteinander kommunizieren.

Geschichte

EchoLink wurde 2002 von Jonathan Taylor (K1RFD) entwickelt und wird bis heute von ihm betrieben. Das Netzwerk umfasst über 200.000 validierte Funkamateure in 151 Ländern. Durchschnittlich sind etwa 6.000 Stationen gleichzeitig online.

2010 erschienen die mobilen Apps für iPhone und Android. 2023 folgte EchoLink Web - eine Browser-Version, die ohne Installation auskommt.

Praktische Tipps

Do's
  • Nach dem QSO die Verbindung trennen
  • Kurze Pause nach "Over" lassen (Latenz!)
  • Rufzeichen nennen wie auf jeder anderen Frequenz
  • Bei Konferenzen: Erst zuhören, dann einsteigen
Don'ts
  • Verbindung "offen" lassen (blockiert das Relais)
  • Endlos-QSOs auf stark genutzten Relais
  • DTMF-Töne während andere sprechen senden
  • Relais verbinden ohne vorher zu fragen

Schnelleinstieg

✅ In 5 Schritten zum ersten QSO:
  1. EchoLink-App installieren (iOS oder Android)
  2. Registrieren und Lizenz validieren lassen
  3. Mit Konferenzserver *GERMANY* (Node 9999) verbinden
  4. Zuhören und Gesprächsverlauf verfolgen
  5. In einer Pause mit Rufzeichen melden

Die EchoLink-Community ist Neulingen gegenüber offen und hilfsbereit.

Noch keine Lizenz?

Für EchoLink brauchst du ein gültiges Amateurfunkzeugnis. Die Prüfungsvorbereitung ist kostenlos!

Zur Prüfungsvorbereitung

Häufige Fragen

Brauche ich ein Funkgerät für EchoLink?

Nein, du kannst EchoLink auch nur mit Computer, Smartphone oder Tablet nutzen. Allerdings brauchst du trotzdem eine gültige Amateurfunklizenz - auch wenn du nur über das Internet funkst.

Kostet EchoLink etwas?

Nein, die Software und die Nutzung sind komplett kostenlos. Nur für eine beschleunigte Validierung (optional) werden 1 US-Dollar berechnet.

Wie finde ich EchoLink-Relais in meiner Nähe?

In der EchoLink-Software gibt es eine Suchfunktion nach Standort. Alternativ findest du Listen auf echolink.org oder fragst im lokalen Ortsverband nach.

Warum kann ich mich nicht verbinden?

Häufigste Ursachen: Firewall blockiert die Ports (UDP 5198/5199, TCP 5200), oder du hast DS-Lite/CGNAT. Lösung: Einen Proxy-Server in den Einstellungen eintragen.

Zählt ein EchoLink-QSO als "echtes" QSO?

Das ist Ansichtssache. Für die meisten Diplome zählen EchoLink-Verbindungen nicht, weil ein Teil der Strecke über das Internet läuft. Für den Spaß am Hobby spielt das aber keine Rolle.

Was ist der Unterschied zwischen -R und -L?

-R steht für Repeater (Relais mit Frequenzumsetzung), -L für Link (Simplex-Zugang ohne Umsetzung). Für dich als Nutzer macht das kaum einen Unterschied.

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