Stell dir vor, du stehst mit deinem Handfunkgerät in München und unterhältst dich mit einem Funkamateur in Australien - über ein lokales 2m-Relais. Genau das macht EchoLink möglich: Es verbindet Amateurfunk-Relais weltweit über das Internet.
Schnellzugriff
So funktioniert EchoLink
Das Prinzip ist simpel: EchoLink-fähige Relais sind mit dem Internet verbunden. Wenn du eine bestimmte Nummer eingibst, baut dein Relais eine VoIP-Verbindung zu einem anderen Relais auf - egal wo auf der Welt es steht.
Du funkst also ganz normal auf deiner lokalen Relaisfrequenz. Nur dass dein Signal nicht nur im Umkreis von 50 Kilometern ankommt, sondern theoretisch überall dort, wo ein EchoLink-Relais steht.
- Weltweit funken - auch wenn die Ausbreitungsbedingungen schlecht sind
- Unterwegs QRV bleiben - im Urlaub das Heimat-Relais erreichen
- An Runden teilnehmen - internationale Netze und Konferenzen besuchen
- Ohne Funkgerät teilnehmen - per Smartphone-App, Web oder PC
Die drei Betriebsarten
EchoLink kennt drei verschiedene Station-Typen, die du an der Endung erkennst:
| Typ | Endung | Was ist das? |
|---|---|---|
| Repeater | -R | Ein Relais mit EchoLink-Anbindung |
| Link | -L | Ein Simplex-Zugang (kein Relais) |
| User | (keine) | Jemand am PC oder Smartphone |
Wenn du also DB0XYZ-R siehst, weißt du: Das ist ein Relais. Bei DL1ABC ohne Zusatz sitzt jemand am Computer.
EchoLink einrichten
Bevor du loslegen kannst, musst du dich einmalig registrieren. EchoLink prüft, ob du wirklich eine gültige Amateurfunklizenz hast - schließlich soll das System nur von Funkamateuren genutzt werden.
Schritt 1: Registrieren
- Gehe auf echolink.org
- Lade die Software herunter (Windows, iOS oder Android)
- Beim ersten Start: Rufzeichen und E-Mail eingeben
- Du bekommst eine E-Mail mit einem Link zur Validierung
- Dort lädst du einen Scan deiner Lizenzurkunde hoch
Die Prüfung dauert meist nur wenige Stunden. Danach bist du freigeschaltet.
Schritt 2: Software oder App installieren
EchoLink gibt es für praktisch jede Plattform:
| Plattform | Software | Besonderheit |
|---|---|---|
| Windows | EchoLink | Vollversion mit allen Features |
| iPhone/iPad | EchoLink App | Unterwegs per Mobilfunk/WLAN |
| Android | EchoLink App | Unterwegs per Mobilfunk/WLAN |
| Browser | EchoLink Web | Seit 2023, keine Installation nötig |
| Linux | Qtel | Open-Source-Alternative |
Firewall-Probleme? Proxy nutzen!
EchoLink braucht bestimmte Ports (UDP 5198/5199, TCP 5200). Wenn du hinter einer Firmen-Firewall oder einem Hotel-WLAN sitzt, funktioniert das oft nicht.
Prüfe zunächst, ob die nötigen Ports in deinem Router korrekt weitergeleitet sind. Falls das nicht möglich ist (z.B. in restriktiven Netzen oder bei Hotel-WLAN), kannst du einen Proxy-Server nutzen: Du verbindest dich zu einem öffentlichen Proxy, der die Verbindung für dich weiterleitet. In den EchoLink-Einstellungen trägst du die Proxy-Adresse ein.
EchoLink über Funk nutzen
Das Schöne an EchoLink: Du brauchst keinen Computer. Wenn dein lokales Relais EchoLink-fähig ist, steuerst du alles mit DTMF-Tönen - also den Pieptönen, die dein Funkgerät beim Drücken der Zifferntasten erzeugt.
Verbindung herstellen
Jede EchoLink-Station hat eine eindeutige Node-Nummer - vergleichbar mit einer Telefonnummer. Um eine Verbindung herzustellen, gibst du die Node-Nummer gefolgt von # per DTMF ein.
Beispiel: Du tastest dein lokales Relais auf, gibst die Node-Nummer des Zielrelais ein (z.B. per DTMF) und wartest auf die Bestätigung. Die aktuelle Node-Nummer findest du über die EchoLink-Suche.
Nach dem QSO trennst du die Verbindung mit #. Offene Verbindungen blockieren das Relais für andere Nutzer.
DTMF-Befehle im Überblick
Die wichtigsten Befehle für den EchoLink-Betrieb über Funk:
| Befehl | Funktion |
|---|---|
[Node]# | Verbindung zu Node-Nummer herstellen |
# | Verbindung trennen |
## | Alle Verbindungen trennen |
08 | Status abfragen (verbundene Stationen) |
09 | Letzte Verbindung wiederherstellen |
* | Stations-ID abspielen |
00 | Zufälligen Node verbinden |
01 | Zufälliges Relais verbinden |
02 | Zufällige Konferenz verbinden |
Verbindung per Rufzeichen
Alternativ zur Node-Nummer kann auch das Rufzeichen verwendet werden: C + Rufzeichen + #.
Buchstaben werden als zweistellige Codes eingegeben. Die erste Ziffer entspricht der Telefontaste, die zweite der Position des Buchstabens auf dieser Taste.
Beispiel: D = Taste 3, Position 1 → 31. L = Taste 5, Position 3 → 53.
Konferenzen und Netze
Neben Punkt-zu-Punkt-Verbindungen unterstützt EchoLink auch Konferenzserver. Dort können sich mehrere Stationen gleichzeitig verbinden - ideal für Runden und Netze.
Konferenzserver sind oft an Sternen im Namen erkennbar. Aktuelle Konferenzen findest du über die EchoLink-Konferenzliste.
Beispiele für Konferenzserver: *GERMANY*, *AMSAT*, *ENGLISH* u.a. Node-Nummern können sich ändern - aktuelle Liste über die EchoLink-Konferenzseite.
EchoLink vs. andere Systeme
EchoLink ist eines von mehreren VoIP-Systemen im Amateurfunk:
| System | Seit | Besonderheit |
|---|---|---|
| EchoLink | 2002 | Am weitesten verbreitet, PC-Zugang möglich |
| IRLP | 1997 | Nur Funk-zu-Funk, bessere Audioqualität |
| AllStar | 2008 | Open Source, sehr flexibel |
| D-STAR | 2001 | Digitales System, spezielle Hardware erforderlich |
Der Hauptunterschied zu IRLP: EchoLink erlaubt die Teilnahme ohne Funkgerät - per App oder PC. IRLP beschränkt sich bewusst auf Funk-zu-Funk-Verbindungen.
Geschichte
EchoLink wurde 2002 von Jonathan Taylor (K1RFD) entwickelt und wird bis heute von ihm betrieben. Das Netzwerk umfasst über 350.000 validierte Nutzer in 159 Ländern. Durchschnittlich sind etwa 6.000 Stationen gleichzeitig online.
2010 erschienen die mobilen Apps für iPhone und Android. 2023 folgte EchoLink Web - eine Browser-Version, die ohne Installation auskommt.
Praktische Tipps
- Nach dem QSO die Verbindung trennen
- Kurze Pause nach "Over" lassen (Latenz!)
- Rufzeichen nennen wie auf jeder anderen Frequenz
- Bei Konferenzen: Erst zuhören, dann einsteigen
- Verbindung "offen" lassen (blockiert das Relais)
- Endlos-QSOs auf stark genutzten Relais
- DTMF-Töne während andere sprechen senden
- Relais verbinden ohne vorher zu fragen
Schnelleinstieg
- EchoLink-App installieren (iOS oder Android)
- Registrieren und Lizenz validieren lassen
- Mit einem Konferenzserver verbinden (z.B. *GERMANY*)
- Zuhören und Gesprächsverlauf verfolgen
- In einer Pause mit Rufzeichen melden
Die EchoLink-Community ist Neulingen gegenüber offen und hilfsbereit.
Noch keine Lizenz?
Für EchoLink brauchst du ein gültiges Amateurfunkzeugnis. Die Prüfungsvorbereitung ist kostenlos!
Zur PrüfungsvorbereitungHäufige Fragen
Brauche ich ein Funkgerät für EchoLink?
Nein, du kannst EchoLink auch nur mit Computer, Smartphone oder Tablet nutzen. Allerdings brauchst du trotzdem eine gültige Amateurfunklizenz - auch wenn du nur über das Internet funkst.
Kostet EchoLink etwas?
Nein, die Software und die Nutzung sind komplett kostenlos. Für die Validierung wird ein Lizenznachweis benötigt.
Wie finde ich EchoLink-Relais in meiner Nähe?
In der EchoLink-Software gibt es eine Suchfunktion nach Standort. Alternativ findest du Listen auf echolink.org oder fragst im lokalen Ortsverband nach.
Warum kann ich mich nicht verbinden?
Häufigste Ursachen: Firewall blockiert die Ports (UDP 5198/5199, TCP 5200), oder du hast DS-Lite/CGNAT. Prüfe zunächst die Portweiterleitung und Firewall-Konfiguration in deinem Router. Ein Proxy-Server ist eine Option für spezielle Konstellationen (z.B. restriktive Netze, Hotel-WLAN), aber nicht die erste Wahl am Heimanschluss.
Zählt ein EchoLink-QSO als "echtes" QSO?
Das hängt vom jeweiligen Diplomprogramm ab. Einige Programme schließen internetgestützte Verbindungen aus, andere nicht - prüfe die Regeln des konkreten Diploms. Für den Spaß am Hobby spielt das aber keine Rolle.
Was ist der Unterschied zwischen -R und -L?
-R steht für Repeater (Relais mit Frequenzumsetzung), -L für Link (Simplex-Zugang ohne Umsetzung). Für dich als Nutzer macht das kaum einen Unterschied.