Kurzwellenausbreitung
Kurzwellenausbreitung - Wie Funkwellen um die Welt reisen
In dieser Lerneinheit geht es um die praktischen Aspekte der Kurzwellenausbreitung: Warum erreichen manche Signale entfernte Stationen, aber nicht nahe? Was ist die MUF? Und warum fallen manchmal alle Kurzwellen-Verbindungen aus?
Bodenwelle und Raumwelle
Auf Kurzwelle gibt es zwei Arten, wie Signale ihr Ziel erreichen:
Bodenwelle
Folgt der Erdkrümmung
Reichweite: typ. bis ~100 km (je nach Band)
Geht über den Horizont hinaus
Höhere Frequenzen = stärkere Dämpfung
Raumwelle
Wird von Ionosphäre gebrochen
Reichweite: weltweit möglich
Springt zwischen Erde und Ionosphäre
Ermöglicht DX-Verbindungen
Frage EH212 fragt nach den Eigenschaften der Bodenwelle:
Richtig: Die Bodenwelle folgt der Erdkrümmung und geht über den geografischen Horizont hinaus. Sie wird in höheren Frequenzbereichen stärker gedämpft als in niedrigeren.
Die Tote Zone
Frage EH201 definiert die Tote Zone:
Tote Zone: Der Bereich, der durch die Bodenwelle nicht mehr erreicht wird und durch die Raumwelle noch nicht erreicht wird.
Das führt zu einer paradoxen Situation:
- Eine Station in 1500 km Entfernung empfängt dein Signal (Raumwelle)
- Eine Station in 60 km Entfernung empfängt nichts (Tote Zone)
- Eine Station in 30 km empfängt wieder (Bodenwelle)
Merke: Je höher die Frequenz, desto größer die Tote Zone!
Fading - Feldstärkeschwankungen
Fragen EH202 und EH203 behandeln das Fading:
Fading = Feldstärkeschwankungen durch sich ändernde Ausbreitungsbedingungen oder Überlagerung mehrerer Signalwege
Wenn Boden- und Raumwelle gleichzeitig beim Empfänger ankommen, können sie sich:
- Verstärken (konstruktive Interferenz) → lautes Signal
- Auslöschen (destruktive Interferenz) → Signal verschwindet
Da sich die Ionosphäre ständig ändert, schwankt das Verhältnis - das Signal "fadet".
MUF - Maximum Usable Frequency
Frage EH204 fragt nach der Bedeutung von MUF:
MUF = Höchste nutzbare Frequenz
(Maximum Usable Frequency)
Die MUF ist die höchste Frequenz, die von der Ionosphäre noch zur Erde zurückgebrochen werden kann. Alles darüber durchdringt die Ionosphäre und geht ins Weltall verloren.
Wovon hängt die MUF ab?
Fragen EH206 und EH207:
Stärkere Ionisierung der F2-Region → höhere MUF
Um auf noch höheren Frequenzen funken zu können, muss die Ionisation der brechenden Region zunehmen.
Logik: Mehr freie Elektronen = stärkere Brechung = höhere Frequenzen werden noch gebrochen.
LUF - Lowest Usable Frequency
Frage EH209 behandelt die LUF:
LUF = Niedrigste brauchbare Frequenz
Hängt vom Ionisierungsgrad in der D-Region ab.
Die D-Region dämpft niedrige Frequenzen. Je stärker die D-Region ionisiert ist (tagsüber!), desto höher liegt die LUF.
Nutzbarer Frequenzbereich: Zwischen LUF und MUF. Liegt die LUF über der MUF, ist keine Raumwellenverbindung möglich!
Warum 80 m und 160 m tagsüber schlecht?
Fragen EH210 und EH211:
Tagesdämpfung in der D-Region macht 160 m und 80 m tagsüber unbrauchbar für DX.
Tagsüber:
- Die D-Region ist stark ionisiert
- Niedrige Frequenzen (160 m, 80 m) werden stark gedämpft
- Keine Raumwelle möglich → nur Bodenwelle (ca. 100 km Reichweite)
Nachts:
- D-Region baut sich weitgehend ab
- Wellen erreichen ungedämpft die F2-Region
- DX auf 80 m und 160 m wird möglich!
Sprungdistanz und Abstrahlwinkel
Frage EH208: Die Sprungdistanz hängt vom Abstrahlwinkel der Antenne ab.
Flacher Abstrahlwinkel → größere Sprungdistanz
Steiler Abstrahlwinkel → kürzere Sprungdistanz
Antennen mit flachem Abstrahlwinkel (z.B. Yagi, Vertikalantenne) sind ideal für DX. Für mittlere Entfernungen oder NVIS eignen sich Antennen mit steilerem Winkel (z.B. niedrig aufgehängte Horizontaldipole).
Der Sonnenzyklus und das 10-m-Band
Fragen EH205 und EH219:
Sonnenfleckenmaximum:
- Sonnenaktivität sehr hoch
- Führt zu stärkerer Ionisation in der F-Region
- 10-m-Band wird auch mit kleiner Leistung für weltweite Verbindungen nutzbar!
Warum 10 m? Im Sonnenfleckenmaximum ist die MUF so hoch, dass auch das 10-m-Band (28 MHz) von der F2-Region gebrochen wird. Außerdem ist die D-Region-Dämpfung bei 10 m minimal.
Die Greyline - Dämmerungszone
Frage EH213:
Greyline = Die Zone der Dämmerung um Sonnenauf- und -untergang herum.
In der Greyline herrschen besondere Bedingungen:
- Die D-Region baut sich gerade auf oder ab
- Niedrige Bänder (40 m, 80 m) haben wenig Dämpfung
- Besonders gute DX-Möglichkeiten in Richtungen entlang der Dämmerungslinie
Tipp: Rund um die Tag-und-Nacht-Gleiche (März/September) sind die "Greyline-Wochen" - beste Zeit für DX nach Australien und in den Pazifik!
Der Mögel-Dellinger-Effekt
Fragen EH214 und EH215:
Mögel-Dellinger-Effekt: Plötzlicher starker bis vollständiger Ausfall der Kurzwellen-Raumwellenausbreitung auf der Tagseite nach einem Sonnenflare.
Was passiert?
- Ein Flare (Energieausbruch) auf der Sonne
- Intensive UV- und Röntgenstrahlung trifft die Erde
- Die D-Region wird extrem stark ionisiert
- Alle Kurzwellen werden gedämpft, bevor sie die F-Region erreichen
- Starker bis vollständiger Ausfall der DX-Verbindungen auf der Tagseite der Erde
Eigenschaften:
- Dauer: Minuten bis wenige Stunden
- Nicht vorhersagbar (Röntgenstrahlung trifft sofort ein)
- Auch genannt: "Shortwave Fadeout" (historisch: "Tote Viertelstunde", obwohl Dauer variiert)
- Niedrigere Frequenzen stärker betroffen
Long Path - Der lange Weg
Fragen EH216 und EH217:
Long Path: Die Funkverbindung läuft nicht über den direkten (kürzesten) Weg, sondern über die entgegengesetzte Richtung um die Erde herum.
Beispiel (EH217): Ein Funkamateur in Deutschland arbeitet "VK" (Australien) auf dem langen Weg:
- Kurzer Weg: Deutschland → Osten → Australien (ca. 14.000 km)
- Langer Weg: Deutschland → Westen → Südamerika → Pazifik → Australien (ca. 26.000 km)
Manchmal sind die Ausbreitungsbedingungen auf dem langen Weg besser als auf dem kurzen!
Short Skip - Kurze Sprünge
Frage EH218:
Short Skip: Verbindungen im 10-m-Band mit Sprungentfernungen unter 1000 km, ermöglicht durch Refraktion in sporadischen E-Regionen.
Normalerweise hat das 10-m-Band eine große Tote Zone. Aber bei Sporadic-E werden auch kurze Distanzen überbrückt.
Zusammenfassung für die Prüfung
| Frage | Thema | Richtige Antwort |
|---|---|---|
| EH201 | Tote Zone | Nicht mehr Bodenwelle, noch nicht Raumwelle |
| EH202 | Boden- + Raumwelle | Fading (Feldstärkeschwankungen) |
| EH203 | Feldstärkeschwund | Fading |
| EH204 | MUF bedeutet | Höchste nutzbare Frequenz |
| EH205 | Sonnenfleckenmaximum | Hohe Aktivität → stärkere Ionisation F-Region |
| EH206 | Stärkere F2-Ionisierung | → höhere MUF |
| EH207 | Höhere Frequenz nutzen | Ionisation muss zunehmen |
| EH208 | Sprungdistanz abhängig von | Abstrahlwinkel der Antenne |
| EH209 | LUF hängt ab von | Ionisierung der D-Region |
| EH210 | 80/160 m tagsüber schwach | Tagesdämpfung in D-Region |
| EH211 | 160 m tagsüber | Nur Bodenwelle, keine Raumwelle |
| EH212 | Bodenwelle | Folgt Erdkrümmung, über Horizont, höhere f = mehr Dämpfung |
| EH213 | Greyline | Dämmerungszone bei Sonnenauf-/-untergang |
| EH214 | Flare → D-Region → Ausfall | Mögel-Dellinger-Effekt |
| EH215 | Mögel-Dellinger Auswirkung | Zeitlich begrenzter Ausfall der Raumwelle |
| EH216 | Long Path | Verbindung über entgegengesetzte Richtung |
| EH217 | VK long path | Australien über Südamerika |
| EH218 | Short Skip | 10 m, <1000 km, durch Sporadic-E |
| EH219 | Sonnenmax., kleine Leistung, DX | 10-m-Band |
Die wichtigsten Merksätze:
- Tote Zone = zwischen Bodenwelle und Raumwelle
- Fading = Überlagerung Boden-/Raumwelle
- MUF = höchste, LUF = niedrigste nutzbare Frequenz
- D-Region = Dämpfung (LUF), F2-Region = Brechung (MUF)
- Mögel-Dellinger = starker bis vollständiger Ausfall nach Flare
- Greyline = Dämmerung = gutes DX
- Long Path = um die Erde herum, nicht direkt
- Short Skip = kurze Sprünge durch Sporadic-E
Wissenskontrolle
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