Der QTH-Locator (auch Maidenhead Locator) teilt die Erdoberfläche in Planquadrate auf. Funkamateure nutzen ihn, um ihren Standort kompakt anzugeben - statt langer Koordinaten sagst du einfach JO40 und dein Gegenüber weiß: Raum Frankfurt.
Mit diesem Locator-Rechner kannst du aus GPS-Koordinaten den Maidenhead Locator berechnen oder einen bekannten Locator auf der Karte anzeigen. Die Entfernungsberechnung (QRB) zwischen zwei Locatoren ist ebenfalls integriert.
Locator kennen, Prüfung bestehen
Der QTH-Locator ist Prüfungsstoff im Bereich Betriebstechnik. Lerne alle Themen mit dem offiziellen Fragenkatalog.
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- Klick auf die Karte: Zeigt den Locator für die angeklickte Position an.
- Locator suchen: Gib einen Locator ein (z.B. JN49, JN49GC) und die Karte springt zum entsprechenden Feld.
- Mein Standort: Nutzt GPS/Geolocation deines Geräts, um deinen aktuellen Locator zu bestimmen.
- Zoom: Je weiter du hineinzoomst, desto feiner wird das Grid (Feld → Quadrat → Unterfeld).
Was ist der QTH-Locator?
Die Abkürzung QTH stammt aus dem Q-Schlüssel und bedeutet „Mein Standort ist...". Das QTH-Locator-System (auch Maidenhead Locator, Grid Square oder IARU Locator) komprimiert Längen- und Breitengrad in eine kurze Zeichenkette aus Buchstaben und Ziffern. So wird aus den Koordinaten „50° 7′ N, 8° 41′ O" einfach: JO40DB.
Das System funktioniert weltweit, ist leicht zu übermitteln (auch per Morsetelegrafie oder bei schlechten Bedingungen) und lässt sich einfach für Entfernungsberechnungen nutzen.
Aufbau des Locators
Der Maidenhead Locator besteht aus abwechselnden Buchstaben- und Ziffernpaaren. Jedes Paar verfeinert die Position - wie eine immer genauere Lupe auf der Weltkarte:
Die drei Ebenen
| Ebene | Name | Zeichen | Bereich | Größe | Anzahl weltweit |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Feld (Field) | 2 Buchstaben (A-R) | Basis 18 | 20° x 10° | 324 |
| 2 | Quadrat (Square) | 2 Ziffern (0-9) | Basis 10 | 2° x 1° | 32.400 |
| 3 | Unterfeld (Subsquare) | 2 Buchstaben (A-X) | Basis 24 | 5' x 2,5' | 18.662.400 |
JO = Feld (Mitteleuropa) → 41 = Quadrat (Region Kassel) → om = Unterfeld (genauer Bereich)
Wie die Einteilung funktioniert
Die Zählung beginnt am Südpol bei 180° West - also in der Ecke „links unten" auf der Weltkarte. Von dort geht es nach Osten (Längengrad) und nach Norden (Breitengrad):
- 1. Zeichen: Längengrad in 20°-Schritten (A-R, von West nach Ost)
- 2. Zeichen: Breitengrad in 10°-Schritten (A-R, von Süd nach Nord)
- 3. Zeichen: Längengrad verfeinert in 2°-Schritten (0-9)
- 4. Zeichen: Breitengrad verfeinert in 1°-Schritten (0-9)
- 5. Zeichen: Längengrad weiter verfeinert in 5'-Schritten (A-X)
- 6. Zeichen: Breitengrad weiter verfeinert in 2,5'-Schritten (A-X)
Erweiterungen für höhere Genauigkeit
Für besondere Anwendungen kann der Locator auf 8 oder 10 Zeichen erweitert werden:
| Länge | Name | Zusatz | Genauigkeit |
|---|---|---|---|
| 2 Zeichen | Feld | - | ±500 km |
| 4 Zeichen | Quadrat | 2 Ziffern (0-9) | ±120 km |
| 6 Zeichen | Unterfeld | 2 Buchstaben (A-X) | ±5 km |
| 8 Zeichen | Mikrofeld | 2 Ziffern (0-9) | ±500 m |
| 10 Zeichen | Nanofeld | 2 Buchstaben (A-X) | ±20 m |
In der Praxis werden fast ausschließlich 4- oder 6-stellige Locators verwendet. 8-stellige kommen bei Mikrowellen-Funkverkehr zum Einsatz.
Berechnung: Vom Koordinatenpaar zum Locator
Die Umrechnung von geografischen Koordinaten zum Locator ist überraschend einfach. Zuerst verschiebst du die Werte, damit keine negativen Zahlen entstehen:
$\lambda' = \lambda + 180°$
$\varphi' = \varphi + 90°$
Dann berechnest du Zeichen für Zeichen:
| Position | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Zeichen (Länge) | $\lfloor \lambda' \div 20 \rfloor$ | A-R |
| 2. Zeichen (Breite) | $\lfloor \varphi' \div 10 \rfloor$ | A-R |
| 3. Zeichen (Länge) | $\lfloor (\lambda' \bmod 20) \div 2 \rfloor$ | 0-9 |
| 4. Zeichen (Breite) | $\lfloor \varphi' \bmod 10 \rfloor$ | 0-9 |
| 5. Zeichen (Länge) | $\lfloor (\lambda' \bmod 2) \times 12 \rfloor$ | A-X |
| 6. Zeichen (Breite) | $\lfloor (\varphi' \bmod 1) \times 24 \rfloor$ | A-X |
Rechenbeispiel: München (48,14° N, 11,58° O)
Verschiebung: $\lambda' = 11{,}58 + 180 = 191{,}58°$ und $\varphi' = 48{,}14 + 90 = 138{,}14°$
- 1. Zeichen: $\lfloor 191{,}58 \div 20 \rfloor = 9 \rightarrow$ J
- 2. Zeichen: $\lfloor 138{,}14 \div 10 \rfloor = 13 \rightarrow$ N
- 3. Zeichen: $\lfloor 11{,}58 \div 2 \rfloor = 5 \rightarrow$ 5
- 4. Zeichen: $\lfloor 8{,}14 \rfloor = 8 \rightarrow$ 8
- 5. Zeichen: $\lfloor 1{,}58 \times 12 \rfloor = 18 \rightarrow$ S
- 6. Zeichen: $\lfloor 0{,}14 \times 24 \rfloor = 3 \rightarrow$ D
Ergebnis: JN58SD
Genauigkeit im Vergleich
Je mehr Zeichen du verwendest, desto genauer wird die Positionsangabe:
| Locator-Länge | Breite (N-S) | Länge (O-W) | Genauigkeit in DL |
|---|---|---|---|
| 2 Zeichen (Feld) | 10° (ca. 1.110 km) | 20° (ca. 1.400 km) | ±500 km |
| 4 Zeichen (Quadrat) | 1° (ca. 111 km) | 2° (ca. 140 km) | ±120 km |
| 6 Zeichen (Unterfeld) | 2,5' (ca. 4,6 km) | 5' (ca. 6,3 km) | ±5 km |
| 8 Zeichen (Mikrofeld) | 15" (ca. 460 m) | 30" (ca. 530 m) | ±500 m |
| 10 Zeichen (Nanofeld) | 0,625" (ca. 19 m) | 1,25" (ca. 22 m) | ±20 m |
Deutschland im Locator-System
Deutschland liegt hauptsächlich in den Feldern JN (Süden) und JO (Norden). Hier einige bekannte Städte:
| Stadt | Locator | Feld |
|---|---|---|
| München | JN58SD | JN |
| Frankfurt | JO40DB | JO |
| Hamburg | JO53DI | JO |
| Berlin | JO62QL | JO |
| Köln | JO30AK | JO |
| Stuttgart | JN48LW | JN |
| Freiburg | JN37VV | JN |
Europa und Nachbarländer
Für DX und Contests ist es hilfreich, die Locator-Felder der europäischen Nachbarländer zu kennen:
| Land | Felder | Beispiel (Hauptstadt) |
|---|---|---|
| Deutschland | JN, JO | Berlin: JO62QL |
| Österreich | JN | Wien: JN88EC |
| Schweiz | JN | Bern: JN36RV |
| Frankreich | IN, JN | Paris: JN18DU |
| Niederlande | JO | Amsterdam: JO22MC |
| Belgien | JO | Brüssel: JO20ES |
| Polen | JO, KO | Warschau: KO02MG |
| Tschechien | JN, JO | Prag: JO70FC |
| Dänemark | JO | Kopenhagen: JO65FO |
| Italien | JN | Rom: JN61FT |
| Großbritannien | IO | London: IO91WM |
| Spanien | IM, IN | Madrid: IN80DK |
| Schweden | JO, JP | Stockholm: JO89XK |
Verwendung im Amateurfunk
Auf Kurzwelle (HF)
Auf den Kurzwellenbändern werden Locators hauptsächlich bei digitalen Betriebsarten ausgetauscht. Bei FT8 ist der 4-stellige Locator fester Bestandteil der Standardnachricht und wird in nur 15 Bit kodiert. Bei SSB- oder CW-Verbindungen auf Kurzwelle wird der Locator selten verwendet - hier tauscht man eher den Ort aus.
Auf UKW/SHF
Im UKW-Bereich ist der 6-stellige Locator Standard. Er wird bei fast jedem QSO ausgetauscht, besonders bei:
- Tropo-DX: Überreichweiten durch atmosphärische Schichtung
- Meteorscatter: Reflexion an Meteoritenspuren
- EME (Moonbounce): Reflexion am Mond
- Satellitenfunk: Häufig von portablen Stationen genutzt
Contests (Funkwettbewerbe)
Bei UKW-Contests ist die Punktzahl abhängig von der überbrückten Entfernung - typisch 1 Punkt pro Kilometer. Der Locator macht die Auswertung einfach: Aus zwei 6-stelligen Locators lässt sich die Entfernung direkt berechnen.
Awards und Diplome
Mehrere Diplomprogramme basieren auf gesammelten Locator-Feldern:
| Award | Organisation | Anforderung |
|---|---|---|
| VUCC (VHF/UHF Century Club) | ARRL | 100 verschiedene Grid Squares auf einem Band |
| TTLOC | URE (Spanien) | Verschiedene Locator-Felder arbeiten |
| Locator-Diplom | Diverse | Variiert nach Verband |
Entfernung berechnen
Die Entfernung zwischen zwei Locators wird über die Großkreisentfernung berechnet. Dafür wandelst du beide Locators zurück in Koordinaten (Mittelpunkt des Feldes) und verwendest die Haversine-Formel:
$d = 2R \cdot \arcsin\!\left(\sqrt{\sin^2\!\left(\frac{\Delta\varphi}{2}\right) + \cos\varphi_1 \cdot \cos\varphi_2 \cdot \sin^2\!\left(\frac{\Delta\lambda}{2}\right)}\right)$
mit $R = 6.371\,\text{km}$ (Erdradius), $\varphi$ = Breite, $\lambda$ = Länge
In der Praxis nutzt du dafür einen Rechner oder die eingebaute Funktion deines Transceivers. Die IARU-Regel besagt: Die Entfernungsberechnung erfolgt zwischen den Mittelpunkten der Unterfelder, unter Annahme einer kugelförmigen Erde.
Geschichte: Von QRA zu Maidenhead
Das alte QRA-System (1959)
Der Vorläufer wurde von Dieter Vollhardt entwickelt und 1959 von der IARU Region 1 VHF Working Group übernommen. Es funktionierte gut - hatte aber einen entscheidenden Nachteil: Es deckte nur Europa ab.
20 Vorschläge, ein Gewinner (1980)
Als Funkamateure außerhalb Europas das System nutzen wollten, wurde klar: Ein neues, globales System muss her. Beim Treffen der VHF Working Group im April 1980 in Maidenhead (England, etwa 43 km westlich von London) gingen zwanzig verschiedene Vorschläge ein. Der Entwurf von John Morris (G4ANB) wurde als bester ausgewählt.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1980 | Vorstellung in Maidenhead |
| 1982 | Übernahme durch IARU Region 2 (Amerika) |
| 1983 | Übernahme durch IARU Region 3 (Asien/Pazifik) |
| 1986 | Offizielles Einführungsdatum in IARU Region 1 (Europa/Afrika) |
| 1999 | WGS 84 als geodätisches Bezugssystem festgelegt |
| 2019 | IARU empfiehlt Großschreibung aller Buchstaben |
Geodätisches Bezugssystem: WGS 84
Seit 1999 basiert der Maidenhead Locator offiziell auf dem WGS 84 (World Geodetic System 1984) - dem gleichen System, das auch GPS verwendet. Vorher nutzten Funkamateure oft ihr lokales nationales Datum, was an den Rändern von Locator-Feldern zu Abweichungen führte.
Groß- oder Kleinschreibung?
Bei den Buchstaben an Position 5 und 6 herrscht Uneinigkeit: Manche schreiben sie klein (JN58sd), manche groß (JN58SD). Die IARU empfiehlt seit 2019 die generelle Großschreibung und case-insensitive Software-Implementierungen. In der Praxis begegnet dir beides - die Karte oben akzeptiert beide Schreibweisen.
Locator vs. GPS-Koordinaten
| Kriterium | QTH-Locator | GPS-Koordinaten |
|---|---|---|
| Länge | 6 Zeichen für ±5 km | 15+ Zeichen für gleiche Info |
| Fehleranfälligkeit | Gering (kurz, einfach) | Hoch (Dezimalpunkt, Vorzeichen) |
| Per Funk übertragbar | Sehr gut (CW, Sprache, Digital) | Mühsam bei schlechten Bedingungen |
| Privatsphäre | Gut (nur ±5 km genau) | Exakter Standort sichtbar |
| Entfernungsabschätzung | Visuell am Grid möglich | Nur mit Rechner |
| Verbreitung | Amateurfunk weltweit | Allgemein |
Prüfungswissen
- Wie der Locator aufgebaut ist (Feld, Quadrat, Unterfeld)
- Wie viele Zeichen für welche Genauigkeit nötig sind
- Deinen eigenen Locator
- Dass das System auf WGS 84 basiert
Häufige Fragen zum QTH-Locator
Woher kommt der Name „Maidenhead"?
Das System wurde 1980 auf einem Treffen der IARU VHF Working Group in der englischen Stadt Maidenhead (bei London) vorgestellt und nach dem Tagungsort benannt.
Reichen 4 Zeichen oder brauche ich 6?
Auf Kurzwelle (besonders FT8) reichen 4 Zeichen. Auf UKW und bei Contests sind 6 Zeichen Standard. Bei Mikrowellen-QSOs werden manchmal 8 Zeichen verwendet.
Wie finde ich meinen Locator heraus?
Am einfachsten über die Karte oben: Klick auf deinen Standort oder nutze den „Mein Standort"-Button, um deinen Locator per GPS zu ermitteln. Alternativ kannst du ihn mit den Formeln oben aus deinen Koordinaten berechnen.
Warum nicht einfach GPS-Koordinaten durchgeben?
GPS-Koordinaten sind lang und fehleranfällig bei schlechten Bedingungen. Ein 6-stelliger Locator ist kürzer, robuster und für die meisten Anwendungen genau genug. Außerdem schützt er die Privatsphäre - niemand kennt deine exakte Adresse.
Wie kann ich meinen QTH-Locator berechnen?
Du kannst deinen Locator aus GPS-Koordinaten berechnen: Addiere 180° zur Länge und 90° zur Breite, teile dann stufenweise durch 20/10 (Feld), 2/1 (Quadrat) und multipliziere den Rest mit 12/24 (Unterfeld). Einfacher geht es mit dem Locator-Rechner oben - klicke auf deinen Standort oder nutze den GPS-Button.
Wie berechne ich die Entfernung (QRB) zwischen zwei Locatoren?
Die Entfernung zwischen zwei Locatoren wird mit der Haversine-Formel berechnet: Beide Locators werden in Koordinaten (Feldmittelpunkt) zurückgerechnet, dann wird die Großkreisentfernung bestimmt. Der Entfernungsrechner oben erledigt das automatisch - gib einfach beide Locators ein.
Wird der Locator bei der Amateurfunkprüfung abgefragt?
Ja, im Bereich Betriebstechnik können Fragen zum QTH-Locator vorkommen. Du solltest wissen, was ein Locator ist, wie er aufgebaut ist und welche Genauigkeit die verschiedenen Ebenen bieten.
