Amateurfunk 2025 - Von ISS-Kontakten bis Mondfunk

Lohnt sich Amateurfunk noch? Klingt nach verstaubten Kellerräumen, Opa mit Kopfhörern und Morsezeichen aus dem letzten Jahrhundert, oder? Falsch gedacht! Während du diesen Artikel liest, funken gerade irgendwo Jugendliche mit Astronauten auf der ISS, reflektieren Signale am Mond oder erreichen mit selbstgebauten Geräten Menschen auf der anderen Seite des Planeten - ganz ohne Internet, ohne Handynetz, ohne irgendwelche Konzerne dazwischen.

💡 Fun Fact: 2024 gab es in Deutschland 45% mehr Prüfungsteilnehmer als im Vorjahr. Die neue Einsteigerklasse N macht den Einstieg so einfach wie nie - und die Zahlen steigen weiter!

1. Mit Astronauten sprechen - Live von der ISS

Stell dir vor: Du stehst auf dem Schulhof, hast ein Funkgerät in der Hand und plötzlich hörst du eine Stimme - direkt aus dem Weltall. Das ist keine Science-Fiction, das passiert regelmäßig!

Das ARISS-Programm ermöglicht es Schulen weltweit, direkt mit Astronauten zu sprechen. Die Raumstation rast mit 28.000 km/h über unsere Köpfe - du hast nur etwa 10 Minuten Zeit für deinen Kontakt, bevor sie hinter dem Horizont verschwindet.

Deutsche Schulen haben bereits mit Alexander Gerst und Matthias Maurer gesprochen. 2022 führte das Johannes Kepler-Gymnasium Lebach einen Kontakt mit Matthias Maurer durch - live und auf Amateurfunk-Frequenzen!

✅ Das Beste: Mit einem einfachen Handfunkgerät für unter 50 Euro kannst du die ISS empfangen, wenn sie über Deutschland fliegt. Die Station sendet regelmäßig SSTV-Bilder - quasi Weltraumfotos per Funk! Die Empfangsfrequenz: 145,800 MHz.

2. Mondfunk - Dein Signal fliegt 770.000 km

Ja, du hast richtig gelesen. Funkamateure nutzen den Mond als Reflektor. Das nennt sich EME (Earth-Moon-Earth) oder "Moonbounce".

Du schickst dein Signal 384.000 Kilometer zum Mond, es prallt an der Oberfläche ab und kommt nach etwa 2,5 Sekunden wieder auf der Erde an. Die Gesamtstrecke: 770.000 Kilometer!

Klingt verrückt? Ist es auch! Die Signaldämpfung ist enorm - aber mit moderner Digitaltechnik funktioniert es sogar mit relativ bescheidener Ausrüstung. In Deutschland wird EME hauptsächlich auf dem 2-Meter-, 70-cm- und 23-cm-Band betrieben.

💡 Der Reiz: Weltweiter Funkkontakt auf Frequenzen, auf denen du normalerweise nur wenige hundert Kilometer überbrücken kannst - und das über einen Reflektor außerhalb unserer Erde!

3. SOTA & POTA - Wandern trifft Technik

Keine Lust auf Kellerfunk? Dann raus in die Natur! SOTA (Summits on the Air) und POTA (Parks on the Air) verbinden Outdoor-Abenteuer mit Funktechnik.

Das Prinzip: Du wanderst auf einen Berggipfel oder in einen Naturpark, baust dort deine portable Funkstation auf und versuchst, möglichst viele Kontakte zu machen. In Deutschland gibt es hunderte registrierte Gipfel - vom Schwarzwald über den Harz bis zu den Alpen.

ProgrammSeitKonzeptMin. Kontakte
SOTA2002Berggipfel zu Fuß erreichen4 QSOs
POTA2016Naturparks, auch mit Auto erreichbar10 QSOs

POTA hat sich zu einer internationalen Bewegung entwickelt - mit über 49.000 aktiven "Jägern" und 29.000 Aktivierern weltweit.

✅ Deine Ausrüstung: Ein kleiner QRP-Transceiver (5-10 Watt), eine Drahtantenne am Teleskopstab und ein Akku. Das passt alles in einen Rucksack - perfekt für alle, die Technik und Natur lieben.

4. "Geht doch besser mit dem Handy" - Nope!

Ach ja? Dann ruf mal random jemanden im Vatikan an. Oder auf einer Antarktis-Forschungsstation. Oder auf einer unbewohnten Pazifikinsel.

Im Amateurfunk ist genau das möglich - ohne Telefongebühren, ohne Roaming, ohne Internet. Die deutsche Station DP0GVN auf der Neumayer III-Station in der Antarktis ist regelmäßig aktiv. Über den geostationären Satelliten QO-100 ist jederzeit ein direkter Kontakt möglich!

Mit Italien, Südafrika oder Australien zu funken? Das ist Alltag! Die Ionosphäre der Erde reflektiert Kurzwellensignale - je nach Tageszeit, Jahreszeit und Sonnenaktivität erreichst du verschiedene Teile der Welt.

💡 DX-Challenge: Es gibt 340 DXCC-Gebiete weltweit. Manche Funkamateure versuchen, alle zu erreichen. Wenn eine DXpedition auf einer entlegenen Insel aktiv wird, versammeln sich tausende Funkamateure weltweit - ein globales Ereignis, das nur durch Funkwellen verbunden ist.

Live-DX: Wer funkt gerade wohin?

Sieh in Echtzeit, welche Verbindungen gerade weltweit gemacht werden - mit aktuellen Bandöffnungen und Solar-Daten.

12db DX öffnen

5. Prominente Funkamateure - Wer ist alles dabei?

Du denkst, Amateurfunk ist nur was für Nerds? Dann schau mal, wer alles ein Rufzeichen hat:

NameRufzeichenBekannt als
Friedrich MerzDK7DQBundeskanzler, CDU-Vorsitzender
Thomas ReiterDF4TRDeutscher Astronaut
Alexander GerstKF5ONODeutscher Astronaut ("Astro-Alex")
Hans SchlegelDG1KIHDeutscher Astronaut
Steve WozniakWA6BNDApple-Mitgründer
Joe WalshWB6ACUEagles-Gitarrist ("Hotel California")
König Juan CarlosEA0JCEhem. König von Spanien
Fürst Albert II.3A0AGFürst von Monaco

Mit etwas Glück und guten Bedingungen könntest du theoretisch mit jedem von ihnen in Kontakt treten - das unterscheidet Amateurfunk von jedem anderen Hobby!

6. Eigene Satelliten - Dein Zugang zum Orbit

Es gibt nicht nur die ISS da oben! Funkamateure haben ihre eigenen Satelliten - die OSCAR-Satelliten (Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio).

Der Star: QO-100, ein geostationärer Satellit in 38.800 km Höhe. Er ist 24/7 erreichbar und deckt Europa, Afrika und Teile Asiens ab. Die Neumayer-Station in der Antarktis nutzt ihn für Schulkontakte - Schüler können direkt mit Forschern am Südpol sprechen!

✅ Schulkontakte: DARC und AMSAT Deutschland statten aktuell zehn Bildungseinrichtungen mit QO-100-Ausrüstung aus. Interesse? Kontakt: dp0gvn@amsat-dl.org

7. CW - Morsen lebt!

Während alle Welt auf Bildschirme starrt, gibt es Funkamateure, die es noch richtig machen: Mit einer Morsetaste, dem eigenen Gehör und jahrelang trainiertem Geschick. Kein Computer, kein Decoder - nur du und die Funkwellen.

CW (Continuous Wave) ist die ursprünglichste Form des Funks - und sie ist alles andere als tot. Im Gegenteil: Amateurfunk hält das Morsen am Leben, während es sonst fast überall verschwunden ist.

✅ Warum CW heute noch fasziniert:
  • Funktioniert mit minimalster Ausrüstung - ideal für SOTA/POTA
  • Extrem schmale Bandbreite = kommt durch, wo Sprache versagt
  • Kein Computer nötig - funktioniert überall, auch ohne Strom für Laptop
  • Eine echte Fertigkeit, die du dir erarbeitest
  • Weltweite Community, die diese Tradition pflegt

CW ist für die, die es wirklich selbst machen wollen. Kein automatischer Decoder, keine Software - nur dein Ohr, deine Hand und die Verbindung zu jemandem auf der anderen Seite der Welt. Das hat etwas Magisches, das kein Touchscreen ersetzen kann.

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8. FT8 - Die digitale Seite

Auf der anderen Seite des Spektrums steht FT8 - eine digitale Betriebsart, die selbst bei miserablen Bedingungen funktioniert. FT8 kann Signale dekodieren, die bis zu -20 dB unter dem Rauschen liegen - wo du als Mensch nur noch Rauschen hörst!

MerkmalFT8CWSprache (SSB)
Min. SNR-20 dB-15 dB+3 dB
Bandbreite50 Hz100-500 Hz2.400 Hz
Computer nötig?JaNeinNein
Eigenes KönnenGeringHochMittel

FT8 und CW sind keine Konkurrenten - sie ergänzen sich. FT8 für die technische Effizienz, CW für das handwerkliche Können. Beides hat seinen Platz im modernen Amateurfunk.

9. Maker-Spirit - Bau dein eigenes Funkgerät

In Zeiten von Wegwerf-Elektronik ist Amateurfunk ein Paradies für Bastler. Es gibt unzählige Bausätze - vom einfachen CW-Transceiver bis zum kompletten SDR-Radio.

Der Clou: Mit deiner Amateurfunklizenz darfst du deine Geräte auch wirklich benutzen! Du lernst nicht nur Theorie, sondern setzt sie direkt um. Das ist echter MINT-Unterricht - Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zum Anfassen.

💡 Für Einsteiger: QRP Labs bietet günstige Bausätze speziell für Einsteiger. Wer's moderner mag: SDR (Software Defined Radio) macht deinen Computer zum Empfänger!

10. Die Zahlen sprechen für sich

Amateurfunk stirbt aus? Die aktuellen Zahlen für Amateurfunk 2025 sagen was anderes:

Klasse2023AktuellTrend
Klasse N0817Neu seit 2024!
Klasse E8.3919.133+742
Klasse A52.78351.183-1.600
Gesamt61.17461.133Stabil

Die Gesamtzahl bleibt stabil - aber schau genauer hin: Klasse E wächst, und die neue Klasse N hat bereits über 800 Funkamateure! Der Nachwuchs kommt.

💡 Warum sinkt Klasse A? Viele langjährige Funkamateure werden älter. Aber: Die Einsteigerklassen E und N wachsen - das sind die Funkamateure von morgen!

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Verfolge die Entwicklung der Rufzeichen in Deutschland - mit historischen Daten seit 2015.

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11. Funktioniert, wenn alles andere ausfällt

Kein Strom? Kein Internet? Kein Handynetz? Funkamateure kommunizieren weiter.

Bei Naturkatastrophen, Stromausfällen oder Netzüberlastungen sind Funkamateure oft die letzten, die noch kommunizieren können. Notfunk ist ein wichtiger Aspekt des Amateurfunks - und ein Grund, warum die Frequenzen für uns reserviert sind.

⚠️ Denkanstoß: Dein Smartphone ist auf Infrastruktur angewiesen - Sendemasten, Internet, Stromversorgung. Ein Amateurfunkgerät mit Akku funktioniert völlig autark. Das ist echte Unabhängigkeit.

12. Funk ist überall - und wir dürfen experimentieren

Schau dich mal um: Du bist von Funk umgeben. Dein Smartphone nutzt 4G/5G, dein Laptop WLAN, deine Kopfhörer Bluetooth, dein Auto GPS. Selbst deine Mikrowelle arbeitet mit Funkwellen. Die moderne Welt funktioniert nur, weil Funk funktioniert.

Aber weißt du, wie das alles wirklich funktioniert? Die meisten Menschen nutzen Funk, ohne ihn zu verstehen. Funkamateure sind anders - sie verstehen, experimentieren und entwickeln.

TechnologieFrequenzAmateurfunk-Band in der Nähe
UKW-Radio87-108 MHz2m-Band (144-146 MHz)
WLAN 2.4 GHz2.400-2.483 MHz13cm-Band (2.320-2.450 MHz)
WLAN 5 GHz5.150-5.725 MHz6cm-Band (5.650-5.850 MHz)
5G (mmWave)24-28 GHz1,2cm-Band (24.000-24.250 MHz)

Funkamateure haben exklusive Frequenzbereiche - von Langwelle bis Mikrowelle. Dort dürfen wir experimentieren, eigene Geräte bauen und Technik ausprobieren, die kommerziell noch gar nicht existiert. Viele Technologien, die du heute nutzt, wurden zuerst von Funkamateuren erprobt!

✅ Funkamateure helfen der Wissenschaft: Als das US-Militär ankündigte, Wetterdaten der DMSP-Satelliten nicht mehr zu teilen, entwickelten Funkamateure kurzerhand einen eigenen Decoder. Mit ihrer Software "SatDump" können Forscher weiterhin Hurrikan- und Klimadaten empfangen - direkt vom Satelliten, ohne auf Behörden angewiesen zu sein.

Das ist der Geist des Amateurfunks: Probleme lösen, Wissen teilen, Technik vorantreiben - nicht für Profit, sondern aus Neugier und für die Gemeinschaft.

Amateurfunk für Anfänger - Der Einstieg ist einfacher als je zuvor

Du bist Amateurfunk-Anfänger und weißt nicht, wo du starten sollst? Die neue Klasse N (seit Juni 2024) macht den Weg zur Lizenz so einfach wie nie:

  • 195 Technik-Fragen - deutlich weniger als bei Klasse E (463) oder A (716)
  • 10 Watt EIRP auf 10m, 2m und 70cm - genug für lokale und DX-Kontakte
  • 6-8 Wochen Lernzeit - viele schaffen es in dieser Zeit
  • Kostenlose Lernplattformen - alles online verfügbar

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Fazit: Die Zukunft des Amateurfunks ist jetzt

Amateurfunk ist kein Relikt aus der Vergangenheit - die Amateurfunk-Zukunft hat längst begonnen. Wo sonst kannst du mit Astronauten sprechen, Signale am Mond reflektieren, eigene Satelliten nutzen und nebenbei noch Elektronik lernen?

Während Apps kommen und gehen, besteht Amateurfunk seit über 100 Jahren. Die Technik entwickelt sich weiter, aber der Kern bleibt: Menschen verbinden sich über Funkwellen - direkt, ohne Vermittler, über alle Grenzen hinweg.

73 - das ist Funkergruß für "Beste Grüße"!

Häufige Fragen

Ist Amateurfunk noch zeitgemäß?

Ja! 2024 gab es 45% mehr Prüfungsteilnehmer in Deutschland als im Vorjahr. Die neue Einsteigerklasse N macht den Einstieg einfacher denn je. Moderne Betriebsarten wie FT8, Satellitenfunk und weltweite DX-Verbindungen zeigen: Amateurfunk ist lebendiger als je zuvor.

Kann man mit Amateurfunk Astronauten kontaktieren?

Ja! Das ARISS-Programm ermöglicht Schulen direkten Funkkontakt mit der ISS. Mit einem einfachen Handfunkgerät für unter 50€ kannst du die ISS auf 145,800 MHz empfangen.

Was kostet der Einstieg in den Amateurfunk?

Die Prüfungsgebühren liegen bei etwa 80€. Ein Einstiegs-Handfunkgerät gibt es ab 30-50€. Mit Klasse N kannst du sofort auf 2m und 70cm funken.

Wie lange brauche ich bis zur Lizenz?

Mit der neuen Klasse N sind 6-8 Wochen realistisch. Der Fragenkatalog umfasst nur 195 Technik-Fragen - deutlich weniger als Klasse E (463) oder A (716).

Quellen

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