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Wellenausbreitung oberhalb 30 MHz

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Wellenausbreitung oberhalb 30 MHz - Sonderwege für UKW

Oberhalb von 30 MHz (also im VHF-, UHF- und SHF-Bereich) gibt es normalerweise keine Reflexion an der Ionosphäre. Dennoch sind unter bestimmten Bedingungen Überreichweiten möglich!

Stell dir vor: Bei UKW bist du normalerweise auf Sichtverbindung beschränkt - wie bei einer Taschenlampe, deren Strahl geradeaus geht:
  • Sporadic E / Aurora: Plötzlich taucht ein Spiegel am Himmel auf, der den Strahl reflektiert
  • Troposphärische Ducts: Eine Röhre in der Atmosphäre leitet den Strahl um die Erdkrümmung
  • Aircraft-Scatter: Ein vorbeifliegendes Flugzeug reflektiert kurz deinen Strahl
  • Regenscatter: Regentropfen streuen den Strahl wie Nebel das Licht

Frage AH301: Sporadic E bei VHF

Frage AH301 fragt: An welchen Strukturen werden Wellen bei Sporadic E im VHF-Bereich gebrochen?

Antwort: An besonders stark ionisierten Bereichen der E-Region.

Warum ist das richtig? Sporadic E sind unregelmäßig auftretende, extrem stark ionisierte "Wolken" in der E-Region (ca. 100 km Höhe). Sie sind so dicht ionisiert, dass sie auch VHF-Signale bis etwa 150 MHz reflektieren können - normalerweise durchdringen VHF-Wellen die Ionosphäre einfach.

Vorsicht Verwechslung: Sporadic E hat nichts mit Meteoriten zu tun (das wäre Meteor-Scatter). Es sind spontan auftretende Ionisationswolken, deren genaue Entstehung noch nicht vollständig geklärt ist.

Fragen AH302-AH308: Aurora-Ausbreitung

Aurora (Polarlicht) ermöglicht spektakuläre VHF-Verbindungen über große Entfernungen!

Frage AH302: Wo tritt Aurora auf?

Frage AH302 fragt: In welchem ionosphärischen Bereich treten Aurora-Erscheinungen auf?

Antwort: In der E-Region in der Nähe der Pole.

Warum? Das Erdmagnetfeld lenkt die geladenen Sonnenteilchen zu den Polen. Dort treffen sie in etwa 90-120 km Höhe (E-Region) auf die Atmosphäre und ionisieren sie stark.

Frage AH303: Ursache von Aurora

Frage AH303 fragt: Was ist die Ursache für Aurora-Erscheinungen?

Antwort: Das Eindringen geladener Teilchen von der Sonne in die Atmosphäre der Polarregionen.

Warum ist das richtig? Bei starker Sonnenaktivität werden geladene Teilchen (Sonnenwind) ins All geschleudert. Das Erdmagnetfeld fängt sie ein und leitet sie zu den Polen, wo sie Sauerstoff und Stickstoff zum Leuchten anregen - das sichtbare Polarlicht. Gleichzeitig entsteht starke Ionisation.

Nicht verwechseln: Aurora hat nichts mit der Sonnenfleckenzahl direkt zu tun (die beeinflusst eher KW-Ausbreitung), und auch nichts mit Meteoriten (das wäre Meteor-Scatter).

Frage AH304: Warum ermöglicht Aurora Überreichweiten?

Frage AH304 fragt: Warum lassen sich bei Polarlichtern Überreichweiten über 30 MHz erzielen?

Antwort: Weil stark ionisierte Bereiche auftreten, die Funkwellen reflektieren.

Warum? Die Ionisation durch die Sonnenteilchen ist so stark, dass auch VHF-Signale (2 m, 6 m) reflektiert werden. Magnetfelder allein reflektieren keine Funkwellen!

Frage AH305: Was bedeutet "Aurora-Verbindung"?

Frage AH305 fragt: Was meint ein Funkamateur mit einer "Aurora-Verbindung auf 2 m mit Schottland"?

Antwort: Die Verbindung ist durch Reflexion von Ultrakurzwellen an polaren Nordlichtern (Ionisationserscheinungen) zustande gekommen.

Warum? Bei Aurora werden die VHF-Signale nicht direkt zur Gegenstation gesendet, sondern zum Polarlichtvorhang (meist Richtung Norden), der sie zur anderen Station reflektiert.

Frage AH306: Antennenrichtung für Aurora

Frage AH306 fragt: In welche Himmelsrichtung muss eine Station in Europa ihre VHF-Antenne für Aurora drehen?

Antwort: Nach Norden

Warum? Das Polarlicht entsteht in der Nähe der Pole - von Europa aus gesehen im Norden. Beide Stationen (z.B. Deutschland und Schottland) richten ihre Antennen Richtung Norden auf das gleiche Polarlichtgebiet, das als gemeinsamer Reflektor dient.

Frage AH307: Beste Betriebsart für Aurora

Frage AH307 fragt: Welches Übertragungsverfahren eignet sich am besten für Aurora-Verbindungen?

Antwort: CW (Morsetelegrafie)

Warum? Aurora-Reflexionen sind extrem dynamisch - die ionisierten Bereiche bewegen sich ständig. Das verursacht:

  • Starkes Fading (Signalschwankungen)
  • Doppler-Spread (Frequenzverbreiterung)

Bei SSB wird Sprache dadurch unverständlich. CW-Signale bleiben trotz rauem Ton erkennbar. FM ist völlig ungeeignet, da die Frequenzmodulation durch den Doppler-Effekt zerstört wird.

Frage AH308: Signalqualität bei Aurora

Frage AH308 fragt: Wie wirkt sich Aurora auf die Signalqualität aus?

Antwort: CW-Signale haben einen flatternden und verbrummten Ton.

Warum? Die bewegten Ionisationsbereiche verursachen Doppler-Verschiebungen. Ein reiner CW-Ton wird dadurch "breitgedrückt" und klingt rau, brummend und flatternd. Im Rapportsystem wird deshalb statt "T" (Ton) der Buchstabe "A" (Aurora) verwendet, da die Tonqualität nicht bewertet werden kann.

Merke für Aurora:
  • Wo: E-Region, nahe der Pole
  • Ursache: Geladene Sonnenteilchen
  • Antenne: Nach Norden richten
  • Betriebsart: CW (nicht SSB oder FM)
  • Signalton: Flatternd, verbrummt (RSA statt RST)

Frage AH309: Troposphärische Ducts

Frage AH309 fragt: Wodurch kommen Überhorizontverbindungen im VHF/UHF-Bereich zustande?

Antwort: Durch troposphärische Duct-Übertragung beim Auftreten von Inversionsschichten.

Warum ist das richtig? Inversionsschichten entstehen, wenn warme Luft über kalter Luft liegt. An dieser Grenzschicht werden VHF/UHF-Wellen zur Erde zurückgebogen - sie werden quasi in einer "Röhre" (Duct) geführt.

Falsche Antworten:
  • Sporadische D-Regionen: Die D-Region dämpft nur, sie reflektiert nicht!
  • Polarisationsdrehungen: Diese beeinflussen die Empfangspolarisation, ermöglichen aber keine Überreichweiten

Troposphärische Überreichweiten treten besonders im Frühjahr und Herbst auf und ermöglichen Verbindungen bis zu 800-1000 km auf VHF.

Frage AH310: Aircraft-Scatter

Frage AH310 fragt: Was versteht man unter Aircraft-Scatter (AS)?

Antwort: Überhorizontverbindungen im VHF-, UHF- und SHF-Bereich durch Reflexion an Flugzeugen.

Warum? Flugzeuge sind große Metallobjekte, die Funkwellen reflektieren. Wenn ein Flugzeug genau auf der Verbindungslinie zwischen zwei Stationen fliegt, kann es als temporärer Reflektor dienen.

Wichtig: Aircraft-Scatter-Verbindungen sind sehr kurz (Sekunden bis Minuten), da das Flugzeug schnell vorbeifliegt. Sie erfordern schnelle Abwicklung!

Frage AH311: Regenscatter (Rainscatter)

Frage AH311 fragt: Um welche Art von Überreichweiten handelt es sich bei Regenscatter?

Antwort: Streuungen von Mikrowellen, insbesondere im 3-cm-Band, an Regen- und Gewitterwolken.

Warum ist das richtig? Bei Regenscatter werden Mikrowellen an Regentropfen gestreut (Rayleigh-Streuung). Das funktioniert nur, wenn die Wellenlänge zur Tropfengröße passt:

  • 3-cm-Band (10 GHz): Optimal für Regenscatter
  • 6-cm-Band (5,7 GHz): Gut geeignet
  • 23-cm-Band: Wellenlänge zu groß für effektive Streuung

Besonderheit: Die Antenne wird auf die Regenwolke gerichtet, nicht auf die Gegenstation!

Zusammenfassung für die Prüfung

FrageThemaRichtige Antwort / Merke
AH301Sporadic E bei VHFStark ionisierte Bereiche der E-Region
AH302Wo tritt Aurora auf?E-Region in der Nähe der Pole
AH303Ursache von AuroraGeladene Teilchen von der Sonne
AH304Warum Überreichweiten?Stark ionisierte Bereiche reflektieren
AH305Aurora-VerbindungReflexion an polaren Ionisationserscheinungen
AH306AntennenrichtungNorden
AH307Beste BetriebsartCW
AH308SignalqualitätFlatternd, verbrummt
AH309Troposphärische DuctsInversionsschichten → Duct-Übertragung
AH310Aircraft-ScatterReflexion an Flugzeugen (VHF/UHF/SHF)
AH311RegenscatterMikrowellen (3-cm-Band) an Regenwolken
Prüfungstipp - Die 4 Sonderwege oberhalb 30 MHz:
  1. Sporadic E: Stark ionisierte E-Wolken (auch VHF bis ~150 MHz)
  2. Aurora: Polarlicht-Reflexion, Antenne nach Norden, CW, rauer Ton
  3. Troposphärische Ducts: Inversionsschichten (warm über kalt)
  4. Scatter: Aircraft (Flugzeuge), Rain (3 cm, Regenwolken)

Wissenskontrolle

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AH301

Bei "Sporadic E"-Ausbreitung werden Wellen im VHF-Bereich gebrochen an ...

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AH302

In welchem ionosphärischen Bereich treten gelegentlich Aurora-Erscheinungen auf?

AH303

Was ist die Ursache für Aurora-Erscheinungen?

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Beim Auftreten von Polarlichtern lassen sich auf den Amateurfunkbändern über 30 MHz beträchtliche Überreichweiten erzielen, weil ...

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Was meint ein Funkamateur damit, wenn er angibt, dass er auf dem 2 m-Band eine Aurora-Verbindung mit Schottland gehabt hat?

AH306

In welche Himmelsrichtung muss eine Funkstation in Europa ihre VHF-Antenne drehen, um eine Verbindung über "Aurora" abzuwickeln?

AH307

Welches der folgenden Übertragungsverfahren eignet sich am besten für Auroraverbindungen?

AH308

Wie wirkt sich "Aurora" auf die Signalqualität eines Funksignals aus?

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Überhorizontverbindungen im VHF/UHF-Bereich kommen unter anderem zustande durch ...

AH310

Was versteht man unter Aircraft-Scatter (AS)?

AH311

Um welche Art von Überreichweiten handelt es sich bei Regenscatter (Rainscatter)?

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