Notfunkverkehr und Nachrichtenverkehr bei Naturkatastrophen
Notfunkverkehr im Amateurfunk
Funkamateure können in Notlagen einen wichtigen Beitrag leisten - etwa wenn Mobilfunknetze überlastet oder ausgefallen sind. Dieses Kapitel erklärt, wie du dich bei Notfällen richtig verhältst und welche Regeln dabei gelten.
Wichtig: Im Amateurfunk gelten eigene Regeln für Notfunkverkehr. Die aus Seefunk und Flugfunk bekannten Notzeichen (Mayday, SOS) sind hier verboten!
Internationale Notzeichen - außerhalb des Amateurfunks
Frage BF101 fragt nach den internationalen Notzeichen. Diese sind:
| Notzeichen | Bedeutung | Verwendung |
|---|---|---|
| MAYDAY | Höchste Not, Lebensgefahr | Sprechfunk (See-, Flugfunk) |
| SOS | Höchste Not, Lebensgefahr | Morsetelegrafie |
Der Begriff MAYDAY stammt vom französischen "M'aidez" (Helft mir!) und hat im Funkverkehr oberste Priorität.
Notzeichen im Amateurfunk - verboten!
Frage BF102 ist eine klassische Prüfungsfalle: Darf man SOS oder Mayday im Amateurfunk verwenden?
Klare Antwort: NEIN!
Die Verwendung von MAYDAY, SOS, PAN PAN und anderen internationalen Notzeichen ist im Amateurfunk durch § 16 der Amateurfunkverordnung (AFuV) verboten.
Warum dieses Verbot?
- Diese Zeichen sind für professionelle Rettungsdienste (Seefunk, Flugfunk, BOS) reserviert
- Sie lösen dort festgelegte Rettungsprotokolle aus
- Der Amateurfunk ist kein Sicherheitsfunkdienst
Was ist stattdessen erlaubt? Du darfst Begriffe wie "Notfall" oder "Emergency" verwenden.
Richtiges Verhalten bei Notfällen
Die Fragen BF103 bis BF107 behandeln verschiedene Notfallszenarien. Hier die wichtigsten Verhaltensregeln:
Du bist an einer Unfallstelle (BF103)
Szenario: Du erreichst eine Unfallstelle und wirst gebeten, über deine Amateurfunkstelle Hilfe zu holen, da das Mobilfunknetz nicht verfügbar ist.
Richtiges Verhalten:
Rufe per Funk einen anderen Funkamateur und fordere diesen auf, die Polizei oder Rettungsleitstelle zu informieren.
Warum nicht direkt MAYDAY rufen? Das wäre verboten (siehe oben) - und außerdem gibt es im Amateurfunk keine Rettungsleitstellen, die auf Notrufe warten. Du brauchst einen Mittelsmann, der den Notruf an offizielle Stellen weiterleitet.
Du hörst eine Notmeldung (BF104)
Szenario: Du hörst, wie jemand einen Notruf absetzt.
Erstes Gebot: Aufmerksam zuhören und alle wichtigen Informationen notieren!
Merke dir die 5 W-Fragen:
- Wo ist das Ereignis?
- Wer meldet?
- Was ist passiert?
- Wie viele Betroffene?
- Warten auf Rückfragen
Eine Rettungsorganisation antwortet bereits (BF105)
Szenario: Die Notmeldung wurde bereits von einer Rettungsorganisation beantwortet.
Goldene Regel: Den Funkbetrieb auf keinen Fall stören!
Der Funkverkehr auf dieser Frequenz darf jetzt nicht gestört werden. Jede zusätzliche Sendung könnte wichtige Informationen überlagern.
Niemand reagiert - du kannst helfen (BF106)
Szenario: Du hörst eine Notmeldung, aber keine andere Station reagiert.
Jetzt bist du gefragt:
1. Den Ruf beantworten
2. Die Polizei oder Rettungsleitstelle informieren
In Deutschland besteht nach § 323c StGB eine Hilfeleistungspflicht. Wer einen Notruf ignoriert, obwohl er helfen könnte, macht sich strafbar.
Nach der Weiterleitung (BF107)
Szenario: Du hast die Notmeldung weitergeleitet. Was nun?
Vorbildliches Verhalten:
Erreichbar bleiben und Informationen weitergeben, bis Hilfe eingetroffen ist.
Du bist die Verbindung zwischen der Notlage und den Rettungskräften. Diese Brücke darf nicht vorzeitig abbrechen!
Zeitumrechnung: UTC und MESZ
Frage BF108 testet dein Wissen über Zeitumrechnung. Im internationalen Funkverkehr wird die UTC-Zeit verwendet.
MEZ (Winterzeit)
UTC + 1 Stunde
Beispiel: 23:00 UTC = 00:00 MEZ
MESZ (Sommerzeit)
UTC + 2 Stunden
Beispiel: 23:00 UTC = 01:00 MESZ
Die Prüfungsfrage: 23:00 UTC während der Sommerzeit (MESZ) - welche Ortszeit in Deutschland?
Da 23:00 + 2 = 25:00 ist, wird es 01:00 Uhr am 17. August.
IARU-Notfunkfrequenzen
Frage BF109 fragt nach den Aktivitätszentren für Notfunkverkehr.
Die IARU empfiehlt für die ITU-Region 1 (Europa, Afrika, Naher Osten) folgende Aktivitätszentren für Notfunkverkehr:
| Band | Frequenz | Betriebsart |
|---|---|---|
| 80 m | 3,760 MHz | LSB |
| 40 m | 7,110 MHz | LSB |
| 20 m | 14,300 MHz | USB |
| 17 m | 18,160 MHz | USB |
| 15 m | 21,360 MHz | USB |
Merke: Diese Frequenzen sollen dem Notfunkverkehr dienen und dafür freigehalten werden. Sie sind nicht exklusiv für Rettungsdienste reserviert, sondern für Funkamateure, die Notfunkverkehr abwickeln.
Zusätzlich in Deutschland:
- 145,500 MHz (FM) - 2m-Anruffrequenz
- 433,500 MHz (FM) - 70cm-Anruffrequenz
So erkennst du die richtige Antwort:
Die Frequenzen sollen...
- ✅ ...dem Notfunkverkehr dienen und freigehalten werden
- ❌ ...nicht permanent abgehört werden müssen
- ❌ ...nicht exklusiv für Rettungsdienste sein (Funkamateure dürfen sie nutzen!)
- ❌ ...nicht erst nach IARU-Ankündigung verwendet werden
Zusammenfassung: Die Verhaltensregeln
Die drei goldenen Regeln beim Notfunk:
1. HÖREN - Aufmerksam zuhören, alles notieren
2. ANMELDEN - Nur wenn du helfen kannst und niemand reagiert
3. AUFRUFEN LASSEN - Anweisungen der Leitstation befolgen
Zusammenfassung für die Prüfung
| Frage | Thema | Richtige Antwort |
|---|---|---|
| BF101 | Internationale Notzeichen | Mayday und SOS |
| BF102 | SOS/Mayday im Amateurfunk? | Nein - verboten nach § 16 AFuV |
| BF103 | Hilfe an Unfallstelle | Anderen Funkamateur rufen → Rettungsleitstelle informieren |
| BF104 | Notmeldung hören | Aufmerksam zuhören und notieren |
| BF105 | Rettungsorg. antwortet | Funkbetrieb nicht stören |
| BF106 | Niemand reagiert | Ruf beantworten, Rettungsleitstelle informieren |
| BF107 | Nach Weiterleitung | Erreichbar bleiben bis Hilfe eingetroffen ist |
| BF108 | 23:00 UTC → MESZ? | 01:00 MESZ am Folgetag (+2 Stunden) |
| BF109 | IARU-Notfunkfrequenzen | Sollen für Notfunkverkehr freigehalten werden |
Wissenskontrolle
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